The Project Gutenberg EBook of Gesnge und Inschriften, by Walt Whitman

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Title: Gesnge und Inschriften

Author: Walt Whitman

Translator: Gustav Landauer

Release Date: August 16, 2011 [EBook #37108]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GESNGE UND INSCHRIFTEN ***




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  WALT WHITMAN

  GESNGE UND INSCHRIFTEN

  BERTRAGEN
  VON
  GUSTAV LANDAUER

  KURT WOLFF VERLAG MNCHEN
  1921




WALT WHITMAN


Die Gestalt des Dichters Walt Whitman und alles was er geschrieben hat
mutet an, als ob Amerika, die Vereinigten Staaten, auf die Goetheworte:
Amerika, du hast es besser, Als unser alter Kontinent, der alte; Hast
keine verfallenen Schlsser, Und keine Basalte! ein lautes: Ja, ja, ja,
so ist es! htten ber die See herberrufen wollen. Hat doch Whitman
selbst oft genug von smtlichen Dichtern der Veruneinigten Staaten
Europas, brigens in Worten grten Respektes, gesagt, da sie der
Vergangenheit und dem Zeitalter des Feudalismus angehren, mit Ausnahme
des einen Goethe, der seine besondere Stellung dadurch hat, da er ein
Knig ohne Land, ein Dichter ohne Nation ist. Amerika ist fr Walt
Whitman das Reich der Zukunft, der noch nicht fertigen, sondern erst
zusammenwachsenden, anschieenden Volksgemeinschaft.

Es wre nchterne Kleinlichkeit, vielleicht auch so etwas wie politische
Eifersucht, wollte man dem Dichter einwenden, solcher Standpunkt zeuge
doch von gefhrlichem, bertriebenem Hochmut. Denn um Whitmans
Selbstgefhl, das er von sich und seinem Volke hat, zu verstehen, mu
man die Art Politik beiseite lassen; die wohnt etliche Stockwerke tiefer
als solche Kulturbetrachtung aus der Hhe der wollenden
Dichterphantasie. Whitman hat -- wiewohl er es nicht gerade so ausdrckt
-- von seinem Volke das Gefhl, da es ein neuer Beginn ist, frische,
aus Vlkermischung entstandene Barbaren, die einen Abschnitt in die
Geschichte bringen. Man denke daran, wie die Germanen, schon zu den
Zeiten des Arminius, der sogar seinen Namen von der rmischen gens
Arminia genommen hat -- wie hie er in Wahrheit? Gewi nicht Hermann,
aber vielleicht Sigfrid?--, wie diese Germanen vielfach vertraut waren
mit der groen griechisch-rmischen Kultur, und wie sie doch, zumal als
der neue Mythos, das Christentum, ber sie gekommen war, mit einer ganz
neuen, primitiver scheinenden Kultur anheben muten. So sind fr
Whitman, der in sich selbst die groe, wilde, durch keinerlei Konvention
gebrochene Natur fhlt, die Amerikaner ein eben erst werdendes neues
Volk, Barbaren und Beginnende: und den neuen, groen Glauben, die neue
Kunst, die allem groen Volke vorleuchten mu, will er selbst ihnen
schaffen helfen. Sein Selbstgefhl ist viel mehr ein Gefhl seines Volks
als seiner selbst; man darf sich durch das mystische Myself (Ich)
seiner Verse nicht irre machen lassen; er hat es ganz klar empfunden und
gesagt, da er nur ein erster, kleiner Beginn ist, ein frher Vorlufer
eines amerikanisch-perikleischen Zeitalters. Und er hat berdies immer
gemeint, da Amerika nur den besonderen Beruf hat, ein paar Schritte
voraus zu sein, da aber alle Vlker der Erde den nmlichen Weg gehen
werden.

Welchen Weg? Er sagt ihn uns in seinen Trommelschlgen, die er whrend
des Krieges ertnen lie:

  Seid nicht verzagt, Empfindung wird den Weg zur Freiheit bahnen jetzt;
  Die sich lieben untereinander, sollen die Unbesieglichen werden.
  ...Dachtet ihr, Advokaten schfen euch den Zusammenhalt?
  Oder Vertrge auf einem Papier? oder die Waffen?
  Nein frwahr, so ist weder die Welt, noch irgendein lebendes Ding
      zusammengewachsen.

Seine Demokratie ist ein freies Volk ttiger Menschen, die alle
Hemmnisse des Kastengeistes hinter sich gelassen, alle Gespinste
berjhrter Vergangenheit durchbrochen haben; jeder auf seiner Scholle
oder in seinem Handwerk, an seiner Maschine, ein Mann fr sich selbst.
Whitman vereint gleich Proudhon, mit dem er in vielem geistig verbunden
ist, konservativen und revolutionren Geist, Individualismus und
Sozialismus. Die Liebe aber zwischen den Menschen, die noch notwendig
dazu kommen mu, ist nach seiner Lehre, fr sein Knstlergefhl, keine
vage, im allgemeinen verschwimmende Menschenliebe; sie soll vielmehr,
wie die Liebe, die die Familie gegrndet hat, vom Geiste der
Ausschlielichkeit beseelt sein, sie soll bestimmte Menschen, Mnner mit
Mnnern, Frauen mit Frauen und natrlich auch Mnner mit Frauen zu neuen
sozialen Gruppen zusammenschlieen. Das ist der Zusammenhang, in dem die
Kameradschaft, der Whitmans schnste und innigste Gedichte gelten, mit
all seinen Trumen von neuen Lebens- und Volksgestalten steht. Es ist
vergebliches Bemhen modischer Pseudowissenschaft, in diesen
Kameradschaftsgefhlen irgend etwas Perverses oder Pathologisches oder
gar Degeneriertes finden zu wollen. Wir mssen wieder lernen, da starke
Mnner und starke Zeiten sentimental sind; und da schwchliche Zeiten
und Generationen es sind, die sich scheuen, sich rckhaltlos und
inbrnstig ihren Gefhlen, fr das geliebte Weib, oder den innig
geliebten Freund, oder das Meer und die Landschaft und das Weltall
hinzugeben. Whitman war diese kosmische Liebe und dieser berschwang des
Gefhls zu eigen; und nur aus diesem Chaos und Abgrund der Innigkeit
kann, so ist sein Glaube, sein neues Volk erstehen. Auch hier, ohne da
er je auf Parallelen aus ist oder nur an sie denkt, deutliche Anklnge
an die Geisteswelt des Knstlervolkes, der Griechen, und an ihre
gesellschaftlichen Einrichtungen und Gewhnungen. Eine besondere
Richtung des Empfindens hat Whitman gehabt; daraus auf eine besondere
Veranlagung seiner Natur zu schlieen, sei solchen berlassen, die sich
auf einer Zwischenstufe der Wissenschaft befinden.

Der besonderen Natur jeder gestaltenden Phantasie entspricht es, da in
allem Gefhl und in allem Geformten die Erotik lebt. Htte Whitman so
wie Faust das Evangelium Johannis zu bersetzen unternommen, sein erster
Satz htte wohl lauten mssen: Im Anfang war das Gefhl. Er betont das
Gefhl und damit die Poesie als den Anfang alles Lebens und alles Volkes
aber auch ganz bewut, weil er wei, von welcher Seite her den
Amerikanern die Gefahr droht: Was der amerikanischen Bevlkerung am
gefhrlichsten ist, sagt er, das ist ein berma von Wohlstand,
Geschft, Weltlichkeit, Materialismus; was am meisten fehlt ... das
ist ein warmes und glhendes Volksgefhl, das alle Teile zu einem Ganzen
vereinigen wrde. Wer anders als eine Schar erhabenster Dichter kann
jene Gefahr in Zukunft abwehren, diesen Mangel ausfllen? Nur ein
groes Volk, meint er, kann groe Dichter haben; aber vorher mu die
Poesie es sein, die das groe Volk gestaltet, knstlerischen Charakter,
Geistigkeit und Wrde ihm verleiht.

Der Dichter also, der Walt Whitman in seinem Gefhl von sich selbst und
seiner Aufgabe sein will, ist Priester, Prophet, Schpfer. Da er
auerordentliche Gewalt auf sein Volk und die geistige Macht seines
Volkes -- und derer, die in fremden Vlkern als einzelne zu seinem Volke
gehren -- ausgebt hat und weiter bt, ist sicher. Wie die Geschichte
weiter geht, ob sein khnstes Verknden so Wirklichkeit wird, wie
Phantasie und Wollen sich irgend erfllen knnen, indem sie eine
Wirklichkeit, die nicht genau gerade so aussieht, rumlich schaffen
helfen, das kann keiner heute sagen. Aber das ist gewi, da er Amerikas
grter Dichter und ein innig starker Lyriker fr uns alle ist; und da
er der Lyrik eine neue Form und ein ungeheures neues Stoffgebiet -- alle
Tatschlichkeiten der krperlichen und geistigen Welt -- gegeben hat.

  Ich glaube, ein Grashalm ist nichts Geringeres, als das Tagwerk der
      Sterne.

In diesem Sinne hat er sein erstes Gedichtbuch (1855) Grashalme
genannt und hat dann im Lauf von mehr als dreiig Jahren sein ganzes
dichterisches Werk in immer neuen Auflagen in dieses Buch, sein Buch,
das er selbst ist, eingefgt.

Whitman, geboren am 31. Mai 1819 als Sohn eines Zimmermanns und
Hausbauers im Staate New York, hat einen typisch amerikanischen
Lebenslauf gehabt, bis recht spt der Dichter aus ihm herausbrach; er
besuchte die Volksschule, war eine Art Laufbursche erst bei einem
Rechtsanwalt, dann einem Arzt, wurde Setzerlehrling und, im Alter von
neunzehn Jahren, Dorfschullehrer. Dann grndet er ein Wochenblatt, reist
als Setzer und Journalist vielfach im Lande hin und her und wird
schlielich Zimmermann wie sein Vater in Brooklyn. Vorher hatte er
vielerlei Aufstze, auch kleine und grere Novellen verffentlicht.
Whrend er Zimmermann war -- aber nicht gerade durch die krperliche
Arbeit, sondern durch die Mue; man beklagte sich wohl in der Familie
ber sein vieles Spazierengehen und Herumliegen -- kam das Neue ber
ihn: auf einmal und zugleich der neue Geist, die neue Form, und mit dem
Unendlichkeitsgefhl auch der Unendlichkeitsstoff. Spter, whrend des
Krieges, ist er drei Jahre lang freiwilliger Krankenpfleger, wobei er
den Kranken durch sein Geplauder und durch sein teilnahmsvolles
schweigendes Bei-ihnen-Sitzen, durch seine Liebe und die suggestive
Kraft seiner Person -- alle seine Bilder zeigen, da die Innigkeit, die
Versunkenheit und die Mitteilsamkeit seines Wesens sich auch in seiner
Leiblichkeit gestaltet hatte -- am meisten Gutes tat. Eine Zeitlang
bekleidete er dann einen untergeordneten Posten in einem Ministerium,
wobei er der Mareglung um seiner Gedichte willen nicht entging; 1873
erlitt er den ersten Schlaganfall, war aber noch lange in starker
geistiger Kraft ttig; lebte von den Ertrgnissen seiner Schriften und
Untersttzungen des Kreises, der sich mehr und mehr an ihn schlo; in
Camden, New Jersey, ist er am 26. Mrz 1892 gestorben.

Im Alter von ber dreiig Jahren also ist Whitman zu seiner Dichterkraft
gekommen; was er vorher geschrieben, hat kaum eine Beziehung zu dem
Wesen, das nun herauskam. Einer, der langsam reift und ber den es dann
noch mit vehementer Pltzlichkeit kommt, ist er. Das Vorwort, das er
1855 seinem Buche mitgab, vereinigte die Reife des Mannes, der wie
eingewachsen auf seinem Platze steht, mit der blutjungen Hingerissenheit
des Beginnenden. Der reichste Mann ist der, der aller Pracht, die er
sieht, Gleichartiges aus dem greren Vorrat seines eigenen Selbst
entgegenstellt. Das ist seine erste Entdeckung, zu der erst spter
Einflsse von Fichte und Hegel gekommen sind, whrend, wie Bertz in
einem brigens ungeniebaren Buch richtig zeigt, Emerson schon damals
eingewirkt hat: da der Mensch in seinem Ich, in seiner Geistigkeit die
ganze Welt trgt, da die Welt nur eine unendliche Flle von Mikrokosmen
ist, eine Pluralitt und Unzhligkeit von Identitten, von
selbstbewuten Kreuzungspunkten der Weltenstrme. Was er also den
Amerikanern als Religion des Geist- und Universalgefhls bringt, ist
eine neue Form der ewigen Lehre der Philosophen und Mystiker von Indien
ber die christliche Mystik zu den Magikern der Renaissancezeit und
weiter ber Berkeley und Fichte bis in unsere Tage: der heute sogenannte
Monismus dagegen hat nur schwache hnlichkeit mit dieser Erkenntnis. Am
meisten Verwandtschaft hat Whitmans Lehre noch mit dem nicht
entsagungsvollen, sondern freudig dem vollen Leben zugewandten magischen
Pantheismus, wie er sich in der Renaissance von Nicolaus Cusanus her bei
Paracelsus, Agrippa von Nettesheim und hnlichen Geistern gebildet
hatte. Der viele Aberglaube bei diesen darf unsere Vergleichung nicht
stren; das war ihre gerade erst von ihnen geschaffene Naturwissenschaft,
wie Whitman in unserer Naturwissenschaft und Technik schwelgt.
Ja, sogar in der Form findet man bei jenen Magiern der Renaissance
-- die Whitman kaum gekannt haben wird -- Verwandtes; so hat
Agrippa von Nettesheim ein gewaltiges Motto zu seinem Buch Von der
Eitelkeit der Wissenschaften[1], das nach Geist und Form vllig
whitmanisch ist. Ich fhre es hier an:

  Unter Gttern bleibt keiner ungezaust von Momus.
  Unter Heroen jagt nach jedweden Ungeheuern Herkules.
  Unter Dmonen wtet der Knig der Unterwelt Pluton gegen alle Schatten.
  Unter Philosophen lacht ber alles Demokritus.
  Dagegen weint ber das Ganze Heraklitus.
  Nichts wei von gar nichts Pyrrhon.
  Und alles zu wissen dnkt sich Aristoteles.
  Verchter des Ganzen ist Diogenes.
  Von all dem nichts fehlt hier Agrippa. (Whitmans Myself, Ich.)
  Verachtet, wei, wei nicht, weint, lacht, wtet, jagt, zaust alles.
  Selbst Philosoph, Dmon, Heros, Gott und die ganze Welt.

  [1] In zwei Bnden bei Georg Mller, Mnchen deutsch erschienen, von
  Fritz Mauthner neu herausgegeben.

Aber auch mit uralten indischen Gedichten berhrt sich Whitman aufs
engste, die ja durchaus nicht alle mit dem Gefhl, da das Ich eine
Weltidentitt sei, den Pessimismus oder die Weltflucht verbanden; wie
man denn in Amerika gleich sagte, diese Gedichte Whitmans seien wie ein
Konglomerat aus der Bhagavad-Gita und dem New York Herald. Das war
sehr witzig, aber sehr falsch, denn die Bhagavad-Gita enthlt das, was
man da den New York Herald nennt, nmlich die kataloghafte Aufzhlung
der konkreten Tatschlichkeiten der ganzen Welt, schon vllig selbst in
sich, und die Dinge, die das indische Gedicht aufzhlt, um ein Bild von
der unendlichen Mannigfaltigkeit zu geben, waren einmal ebenso modern,
wie die Welt der Technik, der Natur und Kultur, die Whitman in seine
Gedichte aufnimmt.

Nichts drngt sich beim Lesen dieser Gedichte so auf, wie das Gefhl der
Unmittelbarkeit, der gnzlichen Abwesenheit der literarischen
Reminiszenz oder irgendwelchen Alexandrinismus. Obwohl Whitman viel
gelesen hat, war er doch gar kein Leser und Zusammenleser, nahm nur das
in sich auf, was schon vorher in ihm war. Darum ist es so beraus wahr,
was er in seinen Grashalmen dem Leser als Abschiedswort sagt:

  Camerado, dies ist kein Buch,
  Wer dies berhrt, berhrt einen Menschen...

Wie jeder echte Knstler hat auch Whitman die volle Bewutheit seines
Schaffens, und das Beste, was sthetisch-kritisch ber ihn zu sagen ist,
sagt er uns selbst. Das Bezeichnende an seiner Poesie ist ihre
suggestiveness; ihre Suggestivkraft, in der er, wie ein Dirigent eines
Orchesters nicht frs Ohr, sondern frs Auge, immer neues
Gestaltengewoge vor uns hinschweben lt, uns die Atmosphre des Themas
oder Gedankens gibt, in der dann unser eigenes Erleben weiter
dahinfliegt. Er ist ein Dichter von ganz ungemeiner Sinnlichkeit und
Gegenstndlichkeit; er scheint nur mit den Sinnen gedacht zu haben; auch
seine ganz im inneren Erlebnis versunkenen Abstraktionen bewahren diesen
konkreten Charakter. Auch wenn er das Unsagbare sagen will, und wenn er
sagen, fast stammeln will, da es unsglich ist, schreit er wie aus
tiefster Besinnung zum Beginn des Gedichts etwa auf:

  Das da ist in mir -- ich wei nicht, was es ist -- doch ich wei, es ist
      in mir

und schafft uns dadurch sofort die Stimmung des leibhaftigen Erlebens.

Da brigens die konkrete Aufzhlung einzelner Wirklichkeiten, die zu
einem Ganzen gehren, selbst ohne Ausdruck der Empfindung des
Miterlebenden, wenn die angefhrten Tatschlichkeiten nur von starker
Sinnflligkeit erfllt sind, wie ein Gedicht wirken kann, mchte ich an
einem Beispiel zeigen, mit dem ich schon ab und zu Freunde hineingelegt
habe. Wie mancher mchte das folgende fr ein Gedicht Whitmans halten,
das etwa den Titel Nacht im Feldlager fhren knnte:

  Werda! der Schildwache vorm Zelt.
  Werda! der Infanterieposten.
  Werda! wenn die Runde kam.
  Hin- und Wiedergehen der Schildwache.
  Geklapper des Sbels auf dem Sporn.
  Bellen der Hunde fern.
  Knurren der Hunde nahe.
  Krhen der Hhne.
  Scharren der Pferde.
  Schnauben der Pferde.
  Hckerlingschneiden.
  Singen, Diskurrieren und Zanken der Leute.
  Kanonendonner.
  Brllen des Rindviehs.
  Schreien der Maulesel.

So, in scheinbare Verse abgeteilt findet sich das bei Goethe. Sind aber
keine Verse, sondern ein Versuch, bei Gelegenheit der Belagerung von
Mainz, die mannigfaltigen fern und nah erregten Tne genau zu
unterscheiden und aufzuzeichnen. Ich kenne manches impressionistische
Gedicht manches Modernen, das schlechter ist als dieser Tnekatalog
Goethes.

Daher, da sein poetisches Empfinden, sein rhythmisches Verklren und
sein Wahrnehmen immer beieinander sind, daher kommt es, da es nichts in
der Welt gibt, was sich unter Whitmans Hand nicht zu Dichterischem
wandelt, da er auch ganz und gar nicht auf die literarisch berlieferte
Mustertafel der Gleichnisse angewiesen ist, sondern ihm in einer
wahrhaft homerischen Flle Neues und Ungewohntes zum Bilde wird. Ist
aber dieses Beisammenwohnen des Sehens und des Empfindens, des Denkens
mit allen Gegenstnden der Welt nicht dasselbe, was er aus den Menschen
herausholen will: Liebe?

  Denn wer hundert Meter ohne Liebe wandelt, der wandelt in seinem
      Totenhemd mit seinem eignen Begrbnis.

Die Form Whitmans, die so wenig improvisierte Begeisterungsrede ist, wie
ein impressionistisches Bild, das den Eindruck der Augenblicklichkeit
schafft, mit ein paar Pinselhieben hingeworfen wird, ist ein streng
rhythmisches Gefge, das aber nur das Gesetz des Tempos anerkennt, im
brigen sich durch keine Traditionen der Poetik binden lt. Das
Chaotische und Massenhafte, das nicht objektiv gebndigt dargestellt
werden sollte, sondern in aller Gegenstndlichkeit immer ein Erleben der
Empfindung, ein Ausflu der Subjektivitt ist, hat zu dieser Form
gefhrt, die wie ein gewaltig fortreiendes Heraussprechen und
Herausbrechen aus einem Erleben wirkt, das mehr als ein schmales,
isoliertes Menschen-Ich ist, das vielmehr alles, was drauen vorgefunden
wird, aus der eigenen Universalitt herausgeholt zu haben scheint.

Eines Tages, in der Zeit, als er die Kriegsverwundeten pflegte, schrieb
Whitman in sein Tagebuch: Es ist seltsam: solange ich bei den
entsetzlichsten Szenen zugegen bin, Sterben, Operationen, ekelhafte
Wunden (vielleicht voller Maden), bleibe ich ruhig und fest und
energisch, wenn auch mein Mitgefhl sehr erregt ist; aber oft,
stundenlang nachher, vielleicht wenn ich zu Hause bin oder allein
spazieren gehe, wird es mir schlecht, und ich zittere tatschlich, wenn
ich mich an den bestimmten Fall wieder erinnere. Das hat er nur so
aufgeschrieben, um die Tatsache zu verzeichnen; es ist ihm nichts dabei
eingefallen, was die Tatsache zum Sinnbild gemacht htte. Aber es kann
einem dabei seine ganze Natur und die ganze und besondere Gre seines
Dichtertums aufgehen. Denn da die Erlebnisse, wenn sie schon vorbei
sind, auf einmal mit verstrkter Wucht wiederkehren, da die
Erinnerungen mit der vollen Kraft des Erlebens auf ihn einstrmen, das
ist ein Zeichen seiner manchmal bis ins Visionre gesteigerten
Phantasie, ebenso wie sein Verhalten in der Mitte des Geschehnisses von
seiner unverbrchlichen Sachlichkeit, seiner geborenen Tapferkeit,
seiner beherrschten Menschenliebe Kunde gibt.




DAS SELBST SING ICH


  _Das Selbst_ sing ich, schlechtweg den Einzelmenschen,
  Doch uere dazu das Wort Demokratisch, das Wort En- masse.

  Physiologie sing ich von Kopf zu Fu,
  Nicht Physiognomie noch Hirn allein ist wrdig der Muse, falls vllige
      Form die wrdigste ist,
  Das Weibliche sing ich gleichen Rangs mit dem Mnnlichen.

  Weiten des Lebens, Gluten, Drang und Macht,
  Freudig um freieste Tat, erstanden aus Gottesrecht,
  Den modernen Menschen sing ich.




ALS ICH SCHWEIGEND BRTETE


  Als ich schweigend brtete,
  Von meinen Gedichten nicht loskam, erwgend, verweilend,
  Erhob sich vor mir ein Gespenst unheimlichen Anblicks,
  Furchtbar in Schnheit, Alter und Macht,
  Geist von Dichtern alter Lande,
  Als werfe es auf mich seine Augen wie Flamme,
  Und mit dem Finger auf viele unsterbliche Dichtungen deutend,
  Und drohender Stimme _Was singst du?_ sprach es,
  _Weit du nicht, da es fr Snger, die dauern, ein Thema nur gibt?_
  _Und das ist das Thema des Kriegs, das Glck der Schlachten,_
  _Die Zeugung vollkommner Soldaten._

  _Sei's drum_, gab ich zur Antwort,
  _Ich, hoffrtger Schatten, singe auch Krieg, lngern und grern, als je
      einer war,_
  _Angehoben in meinem Buch mit wechselndem Glck,_
  _Mit Flucht, Vormarsch und Rckzug, vertagtem und schwankendem Sieg,_
  _(Sicherm doch, dnkt mich, oder so gut wie sicherm, am Ende,) das
      Schlachtfeld die Welt,_
  _Um Leben und Tod, um den LEIB und um die ewige SEELE,_
  _Siehe, auch ich bin gekommen im Singen des Schlachtgesangs,_
  _Ich vor allem bringe tapfre Soldaten hervor._




IN ENGEN SCHIFFEN ZUR SEE


  In engen Schiffen zur See,
  Endloses Blau ringsum gedehnt,
  Mit pfeifenden Winden, Musik der Wogen, breiter, herrischer Wogen,
  Oder einsam winziges Boot, Boje auf weiten Gewssern,
  Das froh, vertrauend, weie Segel spreitend,
  Den ther spaltet im Schaum und Glitzern des Tags, oder unter wechselnden
      Sternen zur Nacht,
  Von Matrosen, jungen und alten, wie's kommt, sei ich, Nachklang vom Land,
      gelesen,
  In voller Beziehung endlich.

  _Hier sind unsre Gedanken, Seefahrergedanken,_
  _Hier liegt nicht Land blo, Festland vor_, mag dann ihre Rede gehen,
  _Der Himmel wlbt sich hier, wir spren das wogende Deck untern Fen,_
  _Wir spren das lange Pulsieren, Ebbe und Flut endloser Regung,_
  _Die Tne des niegesehen Geheimen, die weiten schweifenden Zeichen und
      Reize der Salzwelt, die flssigen Laute und Silben,_
  _Der Duft, das leise Knarren des Tauwerks, das Ma der Schwermut,_
  _Ohne Grenzen die Sicht, weit und verdmmernd der Horizont, alles ist
      hier,_
  _Und das ist Meeresgedicht._

  Dann wanke nicht, mein Buch, erflle dein Geschick,
  Du nicht ein Nachklang nur des Lands allein,
  Du auch wie ein einsam winziges Boot, das den ther spaltet, unbekannter
      Bestimmung, doch immer vertrauend.
  Genosse jeglichen Schiffs, das fhrt, fahr zu!
  Bring ihnen meine Liebe gefaltet (liebe Matrosen, ich falte sie hier in
      jedes Blatt fr euch;)
  Spute dich, Buch! spreite wei deine Segel, mein Kahn, dwars durch die
      herrischen Wogen,
  Sing zu, fahr zu, trag ber das endlose Blau von mir zu jedem Meer
  Diesen Sang fr Matrosen und all ihre Schiffe.




AN FREMDE LANDE


  Ich hre, ihr suchet etwas, um diesen Knoten zu lsen, die Neue Welt,
  Und Amerika zu erklren, seine athletische Demokratie,
  Also nehmt hier meine Gedichte, da sie euch zeigen, was ihr begehrt.




AN EINEN HISTORIKER


  Du, der Geschwundenes feiert,
  Der das ure erforscht hat, die Oberflchen der Rassen, des Lebens, das
      sich zur Schau gestellt hat,
  Der vom Menschen gehandelt hat als Geschpf von Politik, Gemengen,
      Herrschern und Priestern,
  Ich, Sasse der Alleghenyberge, der von ihm handelt, wie er an sich ist im
      eigenen Recht,
  Den Puls des Lebens drckend, das sich selten zur Schau gestellt hat (die
      groe Pracht des Menschen in sich),
  Der Snger der Persnlichkeit, zeichnend, was erst noch kommen soll,
  Ich entwerfe die Geschichten der Zukunft.




DEN STAATEN


  Den Staaten oder einem von ihnen, oder jeglicher Stadt in den Staaten,
      _Widerstrebt viel, gehorcht wenig_,
  Einmal fragloser Gehorsam, zumal vllig geknechtet,
  Einmal vllig geknechtet, erlangt kein Volk oder Staat, keine Stadt
      dieser Erde je ihre Freiheit wieder.




AN EINE SNGERIN


  Da, nimm dies Geschenk,
  Ich hab es fr einen Helden bewahrt, Mann der Rede, oder General,
  Fr einen, der der guten alten Sache diente, der groen Idee, dem
      Fortschritt und der Freiheit des Menschengeschlechts,
  Einem tapfern Despotentrotzer, khnen Emprer;
  Und nun seh ich, was ich bewahrte, ist dein just ebensogut wie eines.




SCHLIESST EURE TREN NICHT


  Schliet eure Tren nicht vor mir, stolze Bibliotheken,
  Denn was in all euren Fchern, voll wie sie sind, fehlte und doch am
      meisten not tut, bringe ich,
  Aus dem Krieg heraus, der anhebt, hab ich ein Buch gemacht,
  Nichts die Worte, alles in meinem Buch die Bahn,
  Ein besonderes Buch, abseits vom Rest und nicht vom Verstand erfat,
  Doch ihr, sprachlose Abgrnde ihr, werdet jegliche Seite durchdringen.




KNFTIGE DICHTER


  Knftige Dichter! Musiker, Snger, Redner der Zukunft!
  Nicht heut ist's an dem, mich zu rechtfertigen und gut zu sagen, wer ich
      sei,
  Doch ihr, ein neues Geschlecht, Ursprngliche, Ringer, Brger des
      Kontinents, grer als je geschaut,
  Wacht auf! denn ihr mt mich rechtfertigen.

  Ich selbst schreibe nur ein oder zwei andeutende Worte fr das, was
      kommt,
  Ich trete nur kurz vor zu Schwung und in Hast zurck in die Dunkelheit.

  Ich bin ein Mann, der im Schlendern, ohne so recht zu halten, zuflligen
      Blick euch zuwirft und dann sein Antlitz wendet,
  Der euch Beweis und Erklrung vertraut,
  Die Hauptsache euch vermacht.




AN DICH


  Fremder, wenn du mich flchtig streifst und Lust hast, zu mir zu
      sprechen, warum solltest du nicht zu mir sprechen?
  Und warum sollt ich nicht sprechen zu dir?




AUSGEHEND VON PAUMANOK


1.

  Ausgehend vom fischfrmigen Paumanok, wo ich geboren bin,
  Wohlgezeugt, und erzogen von einer vollendeten Mutter,
  Wandrer bisher in vielen Landen, Freund des Pflasters und Volksgedrngs;
  Siedler in meiner Stadt Manahatta oder auf Savannen des Sdens,
  Oder Soldat im Lager oder mit Ranzen und Flinte, oder Grber in
      Kalifornien,
  Oder ruppig daheim in Dakotas Wldern, Wildbret zur Nahrung, der Trunk
      aus dem Quell,
  Oder zurckgezogen zu Sinnen und Grbeln in tiefer Verborgenheit,
  Fern vom Gerassel der Mengen Pausen der Wonnen einlegend,
  Vertraut mit dem frisch freien Spender Missouri dem Strmenden, vertraut
      dem gewaltigen Niagara,
  Vertraut mit den Bffelherden, die dort in den Ebenen grasen, dem zottig
      breitbrstigen Stier,
  Mit Erde, Felsen, Maiblumen bekannt, Sterne, Regen, Schnee mein Staunen,
  Fertig mit dem Lauschen auf Spottvogelweisen und der Ergrndung des
      Bergfalkenflugs,
  Im Ohr noch den unvergleichlichen Ruf der Einsiedeldrossel von
      Sumpfzedern im Morgengraun,
  Rhr ich, einsamer Snger des Westens, die Trommel fr eine neue Welt.


2.

  Americanos! Erobrer! Marken der Menschheit!
  Vorderste! Marken der Zeit! Freiheit! Massen!
  Fr euch ein Programm von Gesngen.
  Prriengesnge,
  Gesnge des langgestreckten Mississippi und hinab zur mexikanischen See,
  Gesnge von Ohio, Indiana, Illinois, Iowa, Wisconsin und Minnesota,
  Gesnge entspringend im Mittelpunkt Kansas und von da gleichgerichtet
      nach allen Seiten,
  Schieend in feurigen Pulsen ohn Ende, berall Leben zu wecken.


3.

  Nimm meine Bltter, Amerika, nimm sie Sd und nimm sie Nord,
  Heit sie berall willkommen, denn sie sind eure eigenen Sprossen,
  Schliet einen Ring um sie, Ost und West, denn sie mchten um euch einen
      Ring schlieen,
  Und ihr Vorgnger geht freundlich mit ihnen um, denn sie sind freundlich
      zu euch.

  Ich drang in alte Zeiten,
  Ich sa forschend zu Fen der groen Meister,
  Jetzt wenn's sein knnt o mchten die Meister wiederkehren und mich
      erforschen.

  Im Namen unsrer Staaten soll ich die Antike verschmhen?
  Nein doch, sie sind der Antike Kinder, gekommen, um sie zu rechtfertigen.


4.

  Gestorbene Dichter, Philosophen, Priester,
  Mrtyrer, Knstler, Erfinder, begrabne Regierungen,
  Sprachgestalter an andern Ksten,
  Einstmals gewaltige Vlker, nun verfallen, abberufen oder vernichtet,
  Ich trau mich nicht weiter, eh ich dankbar gut geschrieben, was zu uns
      von euch her geschwommen kam,
  Ich hab es durchlaufen, bewundre es willig, (eine Weile hingegeben,)
  Glaube, da nichts je grer sein kann, nichts mehr Verdienst haben als
      es hat,
  Betrachte es alles gespannt lange Zeit, geb dann ihm den Abschied,
  Ich stehe an meiner Stelle hier im eigenen Tag.

  Hier Volk aus Frauen und Mnnern,
  Hier der Welt Erbschaft und Erbinschaft, hier die Flamme der Stoffe,
  Hier Geistigkeit bersetzerin, frei-anerkannte,
  Immerstrebende, sichtbarer Formen Finale,
  Erfllerin, lang Erharrte, zur rechten Zeit nun Kommende,
  Ja, hier naht meine Herrin die Seele.


5.

  Die Seele,
  Nun und immer und nun und immer -- lnger als braune und feste Scholle --
      lnger als Wasser ebbt und flutet.

  Ich will die Gedichte der Stoffe machen, denn ich glaube, sie werden die
      geistigsten Dichtungen sein,
  Und ich will die Gedichte von meinem Leib und der Sterblichkeit machen,
  Denn mich dnkt, so beschaffe ich mir die Gedichte von meiner Seele und
      Unsterblichkeit.

  Ich will ein Lied fr diese Staaten machen, da kein einziger Staat unter
      keinen Umstnden einem anderen Staat unterworfen sein kann,
  Und ich will ein Lied machen, da Einvernehmen und Art bei Tag und Nacht
      sein soll zwischen all diesen Staaten und zwischen je zweien von
      ihnen,
  Und ich will ein Lied machen fr die Ohren des Prsidenten, voller Waffen
      mit drohenden Spitzen,
  Und hinter den Waffen zahllose mivergngte Gesichter;
  Und ein Lied mach ich von dem Einen, der aus allen gebildet ist, dessen
      Haupt ber allen ist,
  Dem krallenbewehrten funkelnden Einen,
  Kriegerisch entschiedenen Einen, der allumfassend ber allen ist,
  (So hoch sonstwer das Haupt trgt, dies Haupt ist ber allen.)

  Ich will unsre Zeitgenossen anerkennen,
  Ich will der ganzen Geographie des Erdballs sprend nachgehn und jegliche
      Stadt gro oder klein geziemend gren,
  Und Gewerbe! Ich will in meine Gedichte setzen, da in euch Heldentum ist
      zu Wasser und Land,
  Und ich will alles Heldentum melden von amerikanischem Standpunkt aus.

  Ich will das Lied der Kameradschaft singen,
  Ich will zeigen, was diese allein schlielich kitten mu,
  Ich glaube, diese sollen ihr eigenes Bild mnnlicher Liebe finden, das
      sie an mir bewhren,
  Ich will drum lodernd das Feuer aus mir flammen lassen, das gedroht hat,
      mich zu verzehren,
  Ich will forttun, was dies schwelende Feuer zu lang niedergehalten hat,
  Ich will ihm zgellos Freiheit lassen,
  Ich will das Evangelium-Gedicht von Kameraden und Liebe schreiben,
  Denn wer wenn nicht ich soll Liebe verstehn mit all ihrem Leid und Lust?
  Und wer wenn nicht ich soll Dichter der Kameraden sein?


6.

  Ich bin der Glubige, baue auf Gaben, Alter, Rassen,
  Ich entsteige dem Volk in seinem eigenen Geist,
  Was hier singt, ist unbedingter Glaube.

  Omnes! omnes! mgen andre wegsehn, wovon sie wollen,
  Ich mache auch das Gedicht vom Bsen, ich huldige auch diesem Teil,
  Ich bin selbst just so bse wie gut und wie mein Volk ist -- und ich
      sage, es gibt in der Tat nichts Bses,
  (Oder wenn's derlei gibt, so sag ich, es ist just so bedeutend fr euch,
      das Land oder mich wie irgendwas sonst.)

  Ich auch, Nachfolger vieler und Vorgnger vieler, bin Stifter einer
      Religion, ich begebe mich auf den Kampfplatz,
  (Kann sein, ich bin bestimmt, die hellsten Rufe da auszustoen, des
      Siegers gellendes Jauchzen,
  Wer wei? es mag noch aus mir dringen und ber alles steigen.)

  Kein Ding ist fr sich selber da,
  Ich sage, die ganze Erde und alle Sterne am Himmel sind um der Religion
      willen da.

  Ich sage, keiner ist noch je halb fromm genug gewesen,
  Keiner hat noch je halb genug verehrt oder angebetet,
  Keiner hat angefangen zu denken, wie gttlich er selber ist, und wie
      sicher die Zukunft ist.
  Ich sage, die wirkliche und dauernde Gre dieser Staaten mu ihre
      Religion sein,
  Sonst gibt es keine wirkliche und dauernde Gre;
  (Charakter nicht noch Leben des Namens wert ohne Religion,
  Kein Land, kein Mann oder Weib ohne Religion.)


7.

  Als ich in Alabama meinen Morgengang machte,
  Sah ich, wie das Weibchen des Sptters auf seinem Nest im Dornstrauch auf
      seiner Brut sa.
  Ich sah auch das Mnnchen,
  Ich blieb stehn, um es ganz nahe zu hren, wie es die Kehle blhte und
      frhlich sang.

  Und als ich so stand, kam es mir, da, warum er wirklich sang, nicht dort
      allein zu finden war,
  Nicht blo fr sein Weibchen oder fr sich und nicht fr alles, was das
      Echo zurckrief,
  Sondern zart, verborgen, weither von drben,
  Ererbtes Gebot und heimliche Schenkung den Neugebornen.


8.

  Demokratie! Nah bei dir blht sich nun eine Kehle auf und singt frhlich
      ihr Lied.

  Ma femme! fr den fernen Nachwuchs und unsern eignen,
  Fr die zu uns gehrigen und die da kommen sollen,
  Will ich jauchzend, um fr sie bereit zu sein, nun Jubellieder
      hinausschmettern strkre und stolzere als je auf Erden gehrt worden
      sind.
  Ich will die Lieder der Leidenschaft dichten, um ihnen ihren Weg zu
      bereiten,
  Und eure Lieder, verstone Verbrecher, denn ich banne euch sanften Blicks
      in meine Verse und nehme euch mit mir so gut wie die andern.

  Ich will das wahre Gedicht der Reichen dichten,
  Fr Krper und Geist alles zu holen, was haftet und Fortgang hat und
      nicht vom Tode verworfen wird;
  Ich will Egoismus ausstrmen und zeigen, wie er in allem steckt, und ich
      will der Snger der Persnlichkeit sein,
  Und ich will zeigen, da Mann und Weib beide einander gleich sind,
  Und des Geschlechts Organe und Akte! zieht euch in mir zusammen, denn ich
      bin gewillt, von euch mit tapferer heller Stimme zu knden und euern
      Ruhm zu melden,
  Und ich will zeigen, da hier Unvollkommenheit heute nicht ist und
      knftig nicht sein kann,
  Und ich will zeigen, da alles, was irgendwen trifft, schne Ergebnisse
      zeitigen mag,
  Und ich will zeigen, da nichts Schneres zustoen kann als der Tod,
  Und ich will einen Faden durch meine Gedichte spinnen, da Zeit und
      Begebenheiten ein Ganzes sind,
  Und da alle Dinge des Weltalls vllige Wunder sind, eins so tief wie das
      andre.

  Ich will nicht Gedichte schreiben in bezug auf Teile,
  Sondern ich will Gedichte, Gesnge, Gedanken schreiben in bezug auf
      Zusammen,
  Und ich will nicht in bezug auf einen Tag singen, sondern in bezug auf
      alle Tage,
  Und ich will kein Gedicht machen noch den geringsten Teil eines Gedichts,
      der nicht Bezug auf die Seele hat,
  Weil ich die Gegenstnde des Weltalls beschaut habe und finde, es gibt
      keinen und nicht das geringste Stckchen von einem, das nicht Bezug
      auf die Seele hat.


9.

  Hat einer begehrt, die Seele zu sehen?
  Sieh, deine eigne Gestalt und Haltung, Personen, Wesen, Tiere, die Bume,
      die fliehenden Strme, die Felsen und Wsten.

  Alle halten geistige Lust und lassen sie wieder los;
  Wie kann der wahre Leib je sterben und je begraben sein?

  Von deinem wahren Leib und jedermanns und jedenweibs wahrem Leib
  Entrinnt Stck fr Stck den Hnden der Leichenwscher und birgt sich in
      passenden Sphren,
  Und nimmt mit, was ihm zugewachsen vom Augenblick der Geburt bis zur
      Stunde des Todes.

  So gut wie die Lettern, die der Setzer gefgt hat, den Druck, die
      Bedeutung, den Sinn wiederholen,
  Kehrt eines Manns Wesen und Leben oder eines Weibs Wesen und Leben in
      Leib und Seele zurck,
  Unbekmmert vor dem Tod und nachher.

  Siehe, der Leib umschliet die Bedeutung und ist der Sinn und umschliet
      die Seele und ist sie;
  Wer du auch seist, wie gttlich und stolz ist dein Leib und jedes Stck
      von ihm!


10.

  Mit mir, doch fest verbunden, doch vorwrts eile, eile.

  Fr dein Leben hnge an mir,
  (Zureden mte man mir vielleicht oft, eh ich bereit, mich dir wirklich
      zu geben, aber was liegt daran?
  Mu nicht oft der Natur zugeredet werden?)

  Kein gezierter dolce affetuoso ich,
  Brtig, sonnverbrannt, graunackig, strrisch hab ich erreicht,
  Da man, komm ich daher, mit mir um die echten Preise des Weltalls ringt,
  Denn solche biete ich jedem, der standhlt, sie zu gewinnen.


11.

  O trauter Camerado! O endlich du und ich, und nichts als wir.
  O nun ein Wort zum Weiterschreiten, zwecklos klar!
  O berschwengliches -- beweislos, wild, Musik!
  O sieghaft oben bin ich -- so auch du;
  O Hand in Hand -- o heilsame Lust -- o Neuer, der Liebe und Sehnsucht
      gewonnen!
  O fest verbunden zu eilen -- zu eilen, vorwrts zu eilen mit mir.




DER GRUNDSTEIN ALLER METAPHYSIK


  Und nun, meine Herrn,
  Geb ich Ihnen ein Wort zur Erinnerung und zur Besinnung,
  Als Grundstein und als Finale fr jegliche Metaphysik.
      (So zu den Studenten der alte Professor
      Am Schlu seines berfllten Kollegs.)
  Hab nun die neuen und die antiken, Systeme der Griechen und Deutschen
      erforscht,
  Hab Kant erforscht und gedeutet, Fichte und Schelling und Hegel,
  Gedeutet die Lehre Platons, und Sokrates grer als Platon,
  Und habe den, der grer, als Sokrates suchte und deutete, Christus den
      Gttlichen lange erforscht,
  Und nun blicke ich heute zurck auf all diese griechischen und deutschen
      Systeme,
  Sehe alle die Philosophen, christliche Kirchen und Richtungen seh ich,
  Unterirdisch aber und hell sehe ich Sokrates, und unterirdisch Christus
      den Gttlichen seh ich,
  Die Liebe des Menschen zum Kameraden, das Band zwischen Freund und
      Freund,
  Des wohlgeborgenen Gatten und Weibs, von Kindern und Eltern,
  Von Stadt zu Stadt und Land zu Land.




ICH SAH IN LOUISIANA EINE EICHE WACHSEN--


  Ich sah in Louisiana eine Eiche wachsen,
  Ganz allein stand sie und das Moos hing von ihren sten,
  Ohne Genossen wuchs sie und uerte immergrn dunkel und froh ihre
      Bltter,
  Und ihr Anblick, rauh, stark, unbiegsam, rstig, gemahnte mich an mich
      selbst,
  Nur da ich staunte, wie sie ihr Laub froh uern konnte, da sie allein
      stand, ohne den nahen Freund, denn ich wute, ich knnte es nicht,
  Und ich brach einen Zweig, der etliche Bltter trug, und spann etwas Moos
      darum,
  Und nahm ihn mit, und in meinem Zimmer hab' ich ihn aufgehngt,
  Nicht da ich Erinnerung an meine lieben Freunde brauchte,
  (Denn ich glaube, schlielich denk ich kaum an andres als an sie,)
  Aber er bleibt mir ein seltsames Zeichen, er mahnt mich an mannhafte
      Liebe,
  Trotz allem und obwohl der Eichbaum dort in Louisiana grnt einsam fr
      sich in weitem Flachland,
  Und seiner Lebtag froh sein Laub herausstrahlt ohne Freund und Liebenden
      bei sich,
  Wei ich sehr wohl, ich knnte es nicht.




SALUT AU MONDE!


  Du, wer du auch bist!
  Du Tochter oder Sohn Englands!
  Du aus den gewaltigen slawischen Stmmen und Reichen! Du Russe in
      Ruland!
  Du Dunkelspro, schwarzer Afrikaner mit gttlicher Seele, Breiter,
      Schmalkpfiger, edel Gebauter, stolzer Bestimmung, auf gleichem Fu
      mit mir!
  Du Norweger! Schwede! Dne! Islnder! Preue Du!
  Du Spanier aus Spanien! Du Portugiese!
  Du franzsisches Weib und Franzose aus Frankreich!
  Du Belgier! Du Freiheitsfreund in den Niederlanden! (Stamm, dem ich
      selber entsprossen;)
  Du handfester sterreicher! Lombarde! Ungar! Du Bhme! Steirischer Bauer!
  Du Nachbar der Donau!
  Du Arbeitsmann vom Rhein, von der Elbe oder der Weser! Du Arbeitsfrau
      auch!
  Du Sardinier! Du Bayer! Schwabe! Sachse! Wallache! Bulgare!
  Du Rmer! Neapolitaner! Du Grieche!
  Du geschmeidiger Matador in der Arena von Sevilla!
  Du Bergbewohner, der gesetzlos auf dem Taurus oder Kaukasus haust!
  Du Hirt Bokharas, der seine Stuten weidet und Hengste zchtet!
  Du schner Perser, der im vollen Galopp im Sattel Pfeile nach dem Ziele
      schiet!
  Du Chinese und Chinesin aus China! Tartar der Tartarei!
  Ihr Frauen der Erde im Dienst eures Amtes!
  Du Jude, der im hohen Alter durch alle Gefahren durch pilgert, um einst
      auf Palstinas Boden zu stehen!
  Ihr andern Juden, die in allen Lndern auf ihren Messias warten!
  Du sinnender Armenier, der an einem Euphratstrom brtet! Du Starrer unter
      den Ruinen von Ninive! Du Araratbesteiger!
  Du mder Pilger, der sich fortschleppt, um das ferne Funkeln der Minarete
      von Mekka zu gren!
  Ihr Scheiks auf der Stecke von Suez nach Bab-el-Mandeb, Gebieter eurer
      Familien und Stmme!
  Ihr lbaumpflanzer, die ihre Frchte hegen auf den Feldern von Nazareth,
      Damaskus oder am See Tiberias!
  Du tibetanischer Kaufmann im weiten Innern, oder in den Lden von Lassa
      feilschend!
  Du japanischer Mann oder Frau! Bewohner Madagaskars, Ceylons, Sumatras,
      Borneos!
  All ihr Festlandbewohner in Asien, Afrika, Europa, Australien, wo eure
      Sttte sei!
  Alle ihr auf den zahllosen Eilndern der Inselmeere!
  Und ihr in den fernen Jahrhunderten, wo ihr mich hrt!
  Und du jeglicher und allenthalben, den ich nicht bezeichne, doch den ich
      mit einschliee!
  Heil euch! Willkommen euch allen, von mir und Amerika dargebracht!

  Jeder von uns unvermeidlich,
  Jeder von uns grenzenlos -- jeder mit seinem oder ihrem Recht auf die
      Erde,
  Jeder von uns mit dem Anspruch auf das ewige Erbe der Erde,
  Jeder hienieden so gttlich wie irgendeiner hienieden.




LIED DER LANDSTRASSE


1.

  Und nun von Stund an erklr ich mich frei von Schranken und eingebildeten
      Linien,
  Ich gehe, wohin ich will, mein eigener Herr vllig und gnzlich,
  Ich hre auf andre und prfe gut, was sie sagen,
  Breche ab, empfange, suche, betrachte,
  Freundwillig, jedoch unbeugsamen Willens, der Krcken entratend, die mich
      sttzen wollen.

  Ich atme die Weiten des Raums ein,
  Ost und West sind mein, und Nord und Sd sind mein.
  Ich bin weiter, besser als ich vermeint,
  Ich wute nicht, da ich so gtig sei.

  Alles erscheint mir nun schn,
  Mnnern und Fraun kann ich immerzu sagen, ihr waret so gut zu mir, ich
      wre grad so zu euch.
  Kraft will ich sammeln fr mich und fr euch, wenn ich wandre,
  Unter Mnner und Fraun will ich mich streun, wenn ich wandre,
  Neue Lust und Herbheit will ich aus ihnen schtteln,
  Verleugnet mich einer, so solls mich nicht stren,
  Nimmt mich einer auf, ob Mann ob Frau, so sei er gesegnet und wolle mich
      segnen.


2.

  Erschienen jetzt tausend vollkommene Mnner, es sollt mich nicht wundern,
  Erschienen jetzt tausend schne Frauengestalten, ich wrde nicht staunen.
  Ich sehe jetzt in das Geheimnis, wo die besten Menschen herkommen.
  Sie wachsen in freier Luft, haben Essen und Schlaf mit der Erde.
  Hier ist Raum fr groe persnliche Tat.
  (So eine Tat ergreift die Herzen des ganzen Menschengeschlechtes,
  Was ihr an Strke und Willen entstrmt, reit alle Gesetze um und spottet
      aller Autoritt und aller Reden gegen sie.)

  Hier ist die Prfung der Weisheit,
  Weisheit wird nicht letztlich in Schulen geprft,
  Weisheit ist nicht bertragbar von dem, der sie hat, auf den, der sie
      nicht hat,
  Weisheit entstammt der Seele, ist keines Beweises fhig, ihr eigner
      Beweis,
  Pat auf alle Stufen und Gegenstnde und Eigenschaften und ist gengsam,
  Ist die Gewiheit der Wirklichkeit und Unsterblichkeit der Dinge, und der
      Trefflichkeit aller Dinge;
  Etwas ist im Strom der sichtbaren Dinge, das sie aus der Seele
      hervorruft.

  Jetzt berprf ich Philosophien und Religionen,
  Sie mgen gut sein fr Vorlesungssle, doch nicht im geringsten unter den
      massigen Wolken, an eilenden Strmen und in der Landschaft.

  Hier ist Verwirklichung,
  Hier ist der Mensch aus dem Kernholz geschnitten -- er bewhrt, was er in
      sich hat,
  Das Gestern, das Morgen, die Herrlichkeit und die Liebe -- sind sie nicht
      in euch, so seid ihr nicht in ihnen.
  Nur der Kern jeder Sache ernhrt;
  Wo ist der Mann, der euch und mir die Schalen abstreift?
  Wo ist der Mann, der euch und mir Masken und Hllen zerreit?

  Hier ist Zusammenhalt, knstlich gedrechselter nicht, sondern spontaner;
  Wit ihr, was es heit, im Vorbeigehn von Fremden geliebt zu werden?
  Kennt ihr die Sprache der zugeworfenen Blicke?


3.

  Allons! Durch Streit und Krieg!
  Genanntes Ziel ist unwiderruflich.
  Sind die vergangenen Kmpfe geglckt?
  Was ist geglckt? Du? Dein Volk? Die Natur?
  Nun hre mich wohl -- es liegt im Wesen der Dinge, da aus jedem
      genossenen Glck, gleichviel wie es heie, etwas hervorkommt, das
      greren Streit notwendig macht.

  Mein Ruf ist der Kriegsruf, ich nhre tatkrftigen Aufstand,
  Wer mit mir geht, mu in Waffen gehn,
  Wer mit mir geht, kennt schmale Kost, Armut, scharfe Feinde,
      Abtrnnigkeit.




ICH SITZE UND SCHAUE


  Ich sitze und blicke nach allen Qualen der Welt aus, und nach jeder
      Unterdrckung und Schmach,
  Ich hre verhohlenes, krampfhaftes Schluchzen von jungen Menschen in
      Selbstqulerei, die in Reue sind nach geschehenen Taten,
  Ich sehe im niederen Leben die Mutter von ihren Kindern mihandelt,
      sterbend, vernachlssigt, ausgemergelt, verzweifelt,
  Ich sehe das Weib vom Gatten mihandelt, ich sehe den niedertrchtigen
      Verfhrer der jungen Frauen,
  Ich sehe das Nagen der Eifersucht und unerwiderter Liebe, mit Mhe
      zurckgedrngt, ich sehe diese Gesichte auf Erden,
  Ich sehe die Werke der Schlacht, der Seuche, der Tyrannei, ich sehe
      Mrtyrer und Gefangene,
  Ich gewahre Hungersnot auf dem Meer, ich gewahre Seeleute, die Lose
      werfen, wer von ihnen gettet werden soll, um den andern das Leben zu
      retten,
  Ich gewahre Schimpf und Verachtung von anmaenden Herren Arbeitern
      zugeworfen, den Armen, und Negern, und dergleichen,
  Nach allem -- nach all der Gemeinheit und Todesnot ohne Ende halt ich im
      Sitze Ausschau,
  Sehe, hre und schweige.




ALS ICH LAG, MEINEN KOPF IN DEINEM SCHOSS, CAMERADO


  Als ich lag, meinen Kopf in deinem Scho, Camerado,
  Die Beichte wiederhol ich, die ich dir machte, was ich zu dir und der
      Luft gesagt, wiederhol ich,
  Ich wei, ich bin ruhlos und mache andre ruhlos,
  Ich wei, meine Worte sind gefhrliche Waffen und tdlich,
  (Wahrlich, ich bin der echte Krieger,
  Nicht der dort ist's mit dem Bajonett und nicht der rotgestreifte
      Artillerist.)
  Denn ich befehde Frieden, Sicherheit und alle festen Gesetze, um sie zu
      strzen,
  Ich bin entschlossener, da alle mich abwiesen, als ich je wre, wenn sie
      mich grten,
  Ich achte nicht und hab nie geachtet auf Erfahrung, Vorsicht, Mehrheit
      oder Verlachen,
  Und die Drohung sogenannter Hlle ist wenig fr mich oder nichts,
  Und die Lockung sogenannten Himmels ist wenig fr mich oder nichts;
  Lieber Camerado! Ich bekenne, ich habe dich mit mir gerissen und reie
      dich noch, und wei nicht, nach welchem Ziel,
  Oder ob wir siegreich sein werden, oder schmhlich zu Boden geschlagen.




LEB WOHL, SOLDAT--


  Leb wohl, Soldat,
  Mann rauhen Feldzugs (den wir teilten),
  Der schnelle Marsch, das Lagerleben,
  Der heie Streit feindlicher Fronten, das lange Hinziehn,
  Die roten Schlachten mit ihrem Gemetzel, die Wut, das wilde, grliche
      Spiel,
  Alles zeugt von tapferen und mnnlichen Herzen, von Zeiten, die du und
      deinesgleichen gefllt,
  Mit Krieg und Kriegsgeprge.

  Leb wohl, Kamerad,
  Dein Amt ist aus, -- ich aber, kriegerischer,
  Ich und dies mein streitendes Herz,
  Wir stehen noch im eignen Feldzug,
  Auf unbegangnen Wegen voller Gefahren und Hinterhalte,
  Fechten in Niederlagen und Krisen, oft betrogen,
  Und immer im Marsch, vorwrts marsch, den Krieg zu Ende, drauf,
  Wir prgen wildere, schwerere Schlachten.




WENDE DICH, FREIHEIT--


  Wende dich, Freiheit, denn der Krieg ist zu Ende,
  Von ihm und jedem, der knftig ausbricht, nicht mehr zweifelnd,
      entschlossen, die Welt ausfegend,
  Wende dich ab von nach hinten schauenden Lndern, die Abzge des
      Gewesenen hufen,
  Von den Sngern, die nachschleifend den Ruhm des Gewesenen singen,
  Von den Liedern feudaler Welt, Knigstriumphen, Sklaven und Kasten,
  Hin zu der Welt und den Siegen, die bevorstehn und kommen, gib die
      Rckwrtswelt auf,
  Gib den Sngern des Bisher den Laufpa, gib ihnen das schleifende
      Gestern,
  Doch was bleibt, bleibe deinen Sngern, knftige Kriege gehen um dich,
  (O, wie die Kriege des Gestern dir so recht die Wege gebahnt, und die
      Kriege von heute bahnen sie auch;)
  Wende dich denn getrost, o Freiheit -- wende dein Tod nicht kennendes
      Antlitz,
  Zukunftwrts, wo das Morgen, grer als alles Gestern,
  Rasch und sicher wartet auf dich.




HEIMKEHR DER HELDEN


  Ich war bei der Heimkehr der Helden dabei,
  (Doch die trefflichsten Helden sehen wir nie mehr,
  Die sah ich nicht an dem Tag.)
  Ich sah die endlosen Korps, ich sah den Zug der Armeen,
  Ich sah sie nahn, defilieren in Divisionen,
  Nordwrts fluten sodann, nach vollbrachtem Werk, und in Haufen von
      Riesenlagern kampieren.
  Keine Paradesoldaten -- jung und doch Veteranen,
  Mde, gebrunt, stattlich und stark, Bauern- und Handwerkerschlag,
  Gesthlt in vielen Schlachten und schwitzenden Mrschen,
  Abgehrtet auf manchem schwer erkmpften blutigen Feld.

  Pause -- die Heere warten,
  Zahllos in Haufen aufgestellte Eroberer warten,
  Es wartet die Welt, und dann -- sanft wie sinkende Nacht, sicher wie
      Morgengraun,
  Schmelzen sie hin, verschwinden.

  Jauchzt, o Lande, siegreiche Lande!
  Nicht euerm Sieg dort auf den roten schaudernden Feldern,
  Jauchzt euerm Sieg hier und von nun an.
  Schmelzt, ihr Heere, schmelzt fort -- zergeht, Soldaten in Uniform,
  Lst euch endgltig auf, legt die tdlichen Waffen nieder,
  Andre Waffen und Felder von nun an fr euch, ob Sden, ob Norden,
  Heilsamere Kriege, holde Kriege, lebenspendende Kriege.




DER MYSTISCHE TROMPETER


1.

  Horch, welch wilder Musikant, welch seltsamer Trompeter
  Unsichtbar heute Nacht in Lften schwebt und tolle Weisen schmettert.

  Ich hre dich, Trompeter, scharf lauschend vernehm ich dein Spiel,
  Jetzt um mich strmend, wirbelnd wie ein Sturm,
  Jetzt leise, unterdrckt, jetzt in der Ferne verloren.


2.

  Komm nher, Krperloser, vielleicht erklingt in dir
  Ein toter Komponist, vielleicht erdrckte dich
  Ein hohes Streben, ungeformtes Wollen,
  Chaotisch drngten sich Klangwogen, Ozeane stiegen,
  Da nun dein Geist ekstatisch sich mir neigt und drhnend schtternd
      seine Rhythmenflut
  Vertrauensvoll in meine, meine Ohren giet,
  Da ich sie bersetze.


3.

  Blase, Trompeter, frei und hell, ich folge,
  Und wie dein Vorspiel heiter froh verfliet,
  Schwindet die fressende Welt, die Straen, die lrmenden Stunden des
      Tags,
  Heilige Stille senkt sich wie Tau auf mich nieder,
  Ich wandle in khl erfrischender Nacht die Pfade des Paradieses,
  Mir duftet das Gras, die feuchte Luft und die Rosen;
  Dein Lied entfaltet den starr gefesselten Geist -- befreit mich, lt
      mich los,
  Ich schwimme wohlig im Himmelssee.


4.

  Blase nur, Trompeter! und vor die sehenden Augen
  Stell mir die alten Heiden, bring die feudale Welt.
  Was Zaubers wirkt dein Spiel! es tauchen vor mir auf
  Lngst tote Herrn und Damen, Barone in ihren Schlssern, die Troubadoure
      singen,
  Gewappnet ziehn Ritter dem Unrecht entgegen oder suchen den heiligen
      Gral;
  Ich sehe Turniere und Streiter in schwerer Rstung auf knirschenden
      Rossen,
  Ich hre das Jauchzen, das Drhnen von Hieben und Stichen;
  Ich sehe der Kreuzzugsheere Getmmel -- horch, wie die Zimbeln schallen,
  Sieh dort den Zug der Mnche mit hoch erhobenem Kreuz.


5.

  Blas nur Trompeter! und zum Thema
  Nimm nun das Thema, das alle einschliet, lsend und bindend,
  Liebe, den Takt der Welt, den Trost und die Trnen,
  Mannes und Weibes Herz mit nichts als Liebe,
  Kein andres Thema als Liebe, -- knpfende, hegende, allberschwemmende
      Liebe.

  O wie die unsterblichen Wesen sich um mich drngen!
  Ich sehe den groen Vergaser ewig ttig, ich kenne die Flammen, die
      Heizer der Welt,
  Glut und Rte, pochende Herzen der Liebenden,
  So selig manche, und manche so still, dunkel, nahe dem Tode;
  Liebe, auer der Liebenden nichts ist -- Liebe, die Zeit und Raum
      berwindet,
  Liebe, die Tag und Nacht ist -- Liebe, die Sonne und Mond ist und Sterne,
  Liebe in Scharlach und ppigkeit, duftkranke Liebe,
  Keine Worte als Worte der Liebe, kein andres Denken als Liebe.


6.

  Blas nur, Trompeter -- beschwre den Krieg.

  Schnell rollt deinem Ruf ein murrendes Beben wie ferner Donner,
  Sieh, die Bewaffneten eilen -- sieh durch geballten Staub das Glitzern
      der Bajonette,
  Da Kanoniere finsteren Blicks, und jetzt der rosige Blitz aus dem Rauch,
      ich hre den Krach der Geschtze;
  Nicht Krieg allein -- dein furchtbares Lied, wilder Spieler, bringt
      jegliches Schreckensgesicht,
  Taten ruchloser Ruber, Plnderung, Mord -- ich hre die Hilfeschreie!
  Ich sehe scheiternde Schiffe auf hoher See, gewahre auf Deck und unter
      Deck die grlichen Szenen.


7.

  Trompeter, mir ist ganz, als spieltest du auf mir,
  Du schmelzest Herz und Hirn -- rhrst sie und ziehst und wandelst sie
      nach Laune;
  Und jetzt erfllt dein dumpfes Tnen mich mit Finsternis,
  Du raubst das muntre Licht und jedes Hoffen,
  Ich sehe die Getretnen, Unterjochten, Leidenden, Gedrckten des ganzen
      Erdenrunds,
  Ich fhle meines Geschlechts Demtigung und malose Schmach, sie wird die
      meine,
  Mein auch die Emprung der Menschheit, der Schimpf der Jahrhunderte, die
      zuschanden gemachten Fehden und Wte,
  Vllige Niederlage lastet auf mir -- alles verloren -- der Feind
      triumphiert,
  (Doch in den Trmmern steht wie ein Riese der Stolz, ungebrochen zum
      uersten,
  Geduld, Entschlossenheit zum uersten.)


8.

  Trompeter, nun zum Ende
  Gewhre hhere Weise als bisher,
  Sing meiner Seele zu, erneure ihr sehnendes Hoffen,
  Rttle den trgen Glauben empor, gib mir Vision der Zukunft,
  Gib mir einmal ihr Bild und ihre Lust.

  O froher, jauchzender, gipfelnder Sang!
  Nicht aus der Erde quillt dir die Gewalt,
  Siegsmrsche -- der entjochte Mensch -- der berwinder,
  Dem Weltengott des Weltenmenschen Hymnen -- lauter Lust!
  Die Menschheit neugeboren -- die Welt vollkommen, lauter Lust!
  Frauen und Mnner gesund, unschuldig, weise -- lauter Lust!
  Lachende, rauschende Feste strotzend voll mit Lust!
  Krieg, Elend, Kummer fort -- Erde von Fulnis rein -- Lust einzig brig!
  Die Meere lusterfllt -- die Lfte lauter Lust!
  Lust! Lust! in Freiheit, Andacht, Liebe! Lust! Lust! Im berschwang des
      Lebens!
  Genug das bloe Sein! Genug zu atmen!
  Lust! Lust! berall Lust!




WANDL ICH DURCH DIE BREIT MAJESTTISCHEN TAGE


  Wandl ich durch die breit majesttischen Tage des Friedens,
  (Denn der Krieg, der Blutstreit ist aus, und du, o grauenvolles Ideal,
  Nach ruhmvollem Sieg gegen gewaltige bermacht,
  Folgst nun deiner Bahn, bald aber vielleicht dichteren Kriegen zu,
  Vielleicht um bald in furchtbarere Kmpfe und Nte zu treten,
  Lngere Feldzge und Krisen, der Arbeit vor allen andern,)
  So hre ich um mich den Lrm der Welt, Politik, Produktion,
  Anerkannter Dinge Ankndigungen, Wissenschaft, Technik,
  Das erfreuliche Wachstum der Stdte, die Flut der Erfindungen.

  Ich sehe die Schiffe (sie dauern ein paar Jahre),
  Die gewaltigen Fabriken mit Werkfhrern, Arbeitern,
  Und hre all das akzeptiert und hab nichts dagegen.

  Doch auch ich verknde gediegene Dinge,
  Politik, Wissenschaft, Technik, Schiffe, Stdte, Fabriken sind nicht
      nichts,
  Wie ein gewaltiger Zug, der Musik ferner Signale zustrmend, im
      Siegerschritt und Herrlicheres vor Augen,
  Ersetzen sie Wirklichkeiten -- alles ist, wie es sein soll.

  Nun meine Wirklichkeiten;
  Was sonst ist so wirklich wie meines?
  Freiheit und gttliche Ausgleichung, jedes Sklaven Erlsung auf dem
      Antlitz der Erde,
  Die entzckten Verheiungen und Lichtgebilde der Seher, die geistige
      Welt, zeitentrotzend diese Gesnge,
  Und unsre Gesichte, die Gesichte der Dichter, die gediegensten
      Ankndigungen von allen.




HELLE MITTERNACHT


  Dies ist deine Stunde, o Seele, die freie Flucht ins Wortlose,
  Weg von Bchern, weg von Kunst, der Tag gelscht, der Unterricht aus,
  Hebst du dich vllig empor, schweigend, schauend, deine liebsten
      Gegenstnde betrachtend,
  Nacht, Schlaf, Tod und die Sterne.




JAHRE DES MODERNEN


  Jahre des Modernen! Jahre des Unfertigen!
  Euer Horizont erhebt sich, ich seh ihn schwinden fr erhabnere Dramen,
  Ich sehe nicht blo Amerika, nicht blo die Freiheitsnation, sondern
      andre Nationen bereit,
  Ich sehe erschtternde Auftritte und Abgnge, neue Zusammenschlsse, die
      Gemeinschaft der Rassen,
  Ich seh diese Macht mit unwiderstehlicher Gewalt auf die Weltbhne
      treten,
  (Haben die alten Mchte, die alten Kriege ihre Rolle gespielt? sind die
      Akte, die ihnen gem sind, zu Ende?)
  Ich sehe die Freiheit, vllig gewappnet, siegreich und herrlich, links
      vom Gesetz und rechts vom Frieden geleitet,
  Ungeheures Trio einig im Schritt gegen das Kastenwesen;
  Was fr geschichtlichen Schrzungen eilen wir zu?
  Ich sehe Mnner hin und wieder marschieren in raschen Millionen,
  Ich sehe die Grenzen und Schranken der alten Aristokratien zertrmmert,
  Ich sehe die Grenzsteine europischer Knige entfernt,
  Ich sehe den Tag, wo das Volk seine Grenzsteine setzt (alle andern
      verschwinden);
  Nie wurden so scharfe Fragen gestellt wie heute,
  Nie war der Durchschnittsmensch, seine Seele, energischer, nher an Gott,
  Hrt, wie er drngt und drngt und den Massen nicht Ruhe lt!
  Sein khner Fu ist allenthalben zu Land und See, den Stillen Ozean
      besiedelt er und die Inselmeere,
  Mit dem Dampfer, dem elektrischen Telegraphen, der Zeitung, den
      Welthandels-Kriegsmaschinen,
  Damit und mit den Fabriken in aller Welt verkettet er alle Lnder zu
      _einer_ Geographie;
  Was fr ein Flstern, o Lnder, luft ber euch weg, schlpft unter den
      Meeren durch?
  Sind alle Vlker geeint? Soll der Erdball nur ein Herz noch haben?
  Bildet sich Menschheit im groen? wahrlich, Tyrannen erzittern, Kronen
      verdstern,
  Ein neues Zeitalter setzt sich die strrische Erde, vielleicht
      allgemeinen heiligen Krieg,
  Niemand wei, was nchstens geschieht, solche Zeichen fllen Tage und
      Nchte;
  Jahre der Prophetie! der Raum, wie ich vorwrts strebe und umsonst mich
      mhe, ihn zu durchdringen, ist voller Gespenster,
  Ungeborene Taten, Dinge, die bevorstehn, werfen ihre Schatten um mich,
  Diese unglaubliche Hast und Hitze, diese seltsam ekstatischen
      Fiebertrume, o Jahre!
  Eure Trume, o Jahre, wie durchbohren sie mich! (ich wei nicht, schlaf
      ich oder wach ich;)
  Das fertige Amerika und Europa verglimmen, fallen schattenhaft von mir
      ab,
  Das Unfertige, riesenhafter als je, dringt auf mich, dringt auf mich ein.




STAUB TOTER SOLDATEN


  Staub toter Soldaten, ob Freunde, ob Feinde,
  Wie ich rckwrts sinne und in Gedanken ein Lied summe,
  Stellt sich der Krieg wieder ein, stellt eure Gestalten vor mich,
  Stellt den Marsch der Armeen wieder her.

  Geruschlos wie Nebel und Dnste,
  Heraus aus ihren Grbern in Grben,
  Aus Friedhfen in ganz Virginien und Tennessee,
  In jeglicher Himmelsrichtung aus zahllosen Gruben hervor,
  In schwebenden Wolken, groen Kolonnen, Gruppen selbzweit und -dritt oder
      vereinzelt kommen sie an,
  Und sammeln sich schweigend um mich.

  Nun keinen Ton, ihr Trompeter,
  Nicht an der Spitze meiner Kavallerie die mutigen Rosse getummelt,
  Im Schimmer gezogener Sbel, mit Karabinern am Bein, (oh, meine wackern
      Reiter!
  Schne Reiter mit Lohe im Antlitz! was fhrtet ihr fr ein Leben,
  Stolz in Wagnis und Lust.)

  Keinen Ton auch, ihr Trommler, nicht beider Reveille im Morgengraun,
  Nicht den langen Wirbel zum Lageralarm, selbst nicht gedmpften
      Trauerschall,
  Nichts von euch diesmal, o Trommler, die ihr meine Kriegstrommeln truget.

  Abseits aber von diesen und den Mrkten des Glcks und der wandelnden
      Menge,
  Zieh ich eng Kameraden zu mir, nicht gesehn von den andern und stumm,
  Die Erschlagnen, die sich erheben und noch einmal leben, lebend
      gewordenen Staub und Trmmer,
  Und ich singe den Sang meiner stillen Seele im Namen aller toten
      Soldaten.

  Bleiche Gesichter mit staunenden Augen, sehr liebe Freunde, tretet heran,
  Dicht zu mir, doch redet nicht.

  Gespenster zahlloser Verlornen,
  Unsichtbar den andern werdet knftig meine Gefhrten,
  Begleitet mich immer -- verlasst mich nicht, solange ich lebe.

  Hold sind die blhenden Wangen der Lebenden -- hold der melodische Klang
      redender Stimmen,
  Doch hold, ach hold sind die stummen Augen der Toten.

  Meine Gefhrten, alles ist aus und lange vorbei,
  Doch Liebe ist nicht aus, Freunde -- und welche Liebe!
  Duft, der von Schlachtfeldern steigt, aus dem Gestank sich erhebt.

  Durchdufte meinen Gesang, Liebe, unsterbliche Liebe,
  Gib mir das Gedchtnis der toten Soldaten zu baden,
  Sie einzukleiden und s zu salben und ganz zu decken mit zarter Pracht.

  Durchdufte alle -- mach alle heil,
  Mach diesen Staub nhrend und blhend,
  Lse sie alle, Liebe, und mache sie fruchtbar mit feinster Chemie.

  Gib mir Unerschpflichkeit, mach mich zum Quell,
  Da ich Liebe aushauche, wo immer ich gehe, gleich ewig frischem Tau,
  Fr den Staub aller toten Soldaten, ob Freunde ob Feinde.




DANK IN HOHEM ALTER


  Dank im Alter, Dank, eh ich gehe,
  Fr Gesundheit, Mittagssonne, zarte Luft -- fr Leben, bloes Leben,
  Fr kstliches, nie vergehndes Gedenken (an dich, lieb Mutter mein,
      Vater, an dich, Brder, Schwestern, Freunde),
  Fr all meine Tage -- nicht blo des Friedens -- fr die Tage des Kriegs
      desgleichen,
  Fr holde Worte, Liebkosungen, Gaben aus fremden Lndern,
  Fr Obdach, Wein und Fleisch, fr ses Verstehen und Gren,
  (Ihr fernen, verschwimmenden, unbekannten, ob jung oder alten, zahllosen,
      ungeschiednen geliebten Leser,
  Wir sahn uns nie und werden's nie -- doch unsre Seelen kssen einander,
      lang, fest und lang;)
  Fr Geschpfe, Gruppen, Liebe, Taten, Worte, Bcher -- fr Farben,
      Formen,
  Fr all die tapfern, starken, hingegebnen herzhaften Mnner, die vorwrts
      sprangen, der Freiheit zu helfen, allerorten, allerzeiten,
  Fr tapfrere, strkere Mnner, hingegebnere Mnner, (besondern Lorbeer,
      eh ich gehe, den Erwhlten des Lebenskriegs,
  Den Lied- und Idee-Kanonieren -- groen Artilleristen -- den vordersten
      Fhrern, den Kapitnen der Seele;)
  Als verabschiedeter Soldat nach beendigtem Kriege -- als Wandrer aus
      Myriaden, zu dem langen Zug der Rckschau.
  Dank -- frohen Dank! -- Dank des Soldaten, des Wanderers Dank!




INHALT


  Einleitung                                               5

  Das Selbst sing ich                                     17

  Als ich schweigend brtete                              18

  In engen Schiffen zur See                               19

  An fremde Lande                                         21

  An einen Historiker                                     22

  Den Staaten                                             23

  An eine Sngerin                                        24

  Schliet eure Tren nicht                               25

  Knftige Dichter                                        26

  An Dich                                                 27

  Ausgehend von Paumanok                                  28

  Der Grundstein aller Metaphysik                         37

  Ich sah in Louisiana eine Eiche wachsen--              38

  Salut au monde!                                         39

  Lied der Landstrae                                     41

  Ich sitze und schaue                                    44

  Als ich lag, meinen Kopf in Deinem Scho, Camerado      45

  Leb wohl, Soldat--                                     46

  Wende dich, Freiheit--                                 47

  Heimkehr der Helden                                     48

  Der mystische Trompeter                                 49

  Wandl ich durch die breit majesttischen Tage           53

  Helle Mitternacht                                       54

  Jahre des Modernen                                      55

  Staub toter Soldaten                                    57

  Dank in hohem Alter                                     60




  [ Im folgenden werden alle genderten Textzeilen angefhrt, wobei
    jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die genderte Zeile
    steht.

  WALT WHITMANN
  WALT WHITMAN

  Ich, Sasse der Alleghanyberge, der von ihm handelt, wie er an sich ist
  Ich, Sasse der Alleghenyberge, der von ihm handelt, wie er an sich ist

  Gesnge von Ohio, Indiana, Illinois, Jowa, Wisconsin und Minnesota,
  Gesnge von Ohio, Indiana, Illinois, Iowa, Wisconsin und Minnesota,

  Du aus den gewaltigen slawischen Stmmen und Reichen! du Russe in
  Du aus den gewaltigen slawischen Stmmen und Reichen! Du Russe in

  Mde, gebrunt, stattlich und stark, Bauern-und Handwerkerschlag,
  Mde, gebrunt, stattlich und stark, Bauern- und Handwerkerschlag,

  Anerkannter Dinge Ankndigungen, Wissenschaft Technik,
  Anerkannter Dinge Ankndigungen, Wissenschaft, Technik,

    Ausgehend vom Paumanok                                  28
    Ausgehend von Paumanok                                  28

    Wende dich, Freiheit                                    47
    Wende dich, Freiheit--                                 47

  ]






End of the Project Gutenberg EBook of Gesnge und Inschriften, by Walt Whitman

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GESNGE UND INSCHRIFTEN ***

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and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
http://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at http://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit http://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit: http://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     http://www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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