The Project Gutenberg EBook of Versuch einer Ethnographie der Philippinen, by 
Ferdinand Blumentritt

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Title: Versuch einer Ethnographie der Philippinen
       Ergnzungsheft No. 67 zu "Petermann's Mittheilungen".

Author: Ferdinand Blumentritt

Release Date: September 26, 2012 [EBook #40867]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VERSUCH EINER ETHNOGRAPHIE ***




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               VERSUCH EINER ETHNOGRAPHIE DER PHILIPPINEN

                                  von

                        Prof. FERD. BLUMENTRITT.



                          Nebst einem Anhange:

  Die maritimen Entdeckungen der Spanier im Archipel der Philippinen.
                    Mit einer Karte der Philippinen.

        (Ergnzungsheft No. 67 zu "Petermann's Mittheilungen".)

                         Gotha: Justus Perthes.
                                 1882.







INHALT.


                                                                   Seite

    Einleitung                                                         1

    I. Negritos                                                        3

    II. Malaien                                                        9

         1. Tagalen                                                    9
         2. Pampangos                                                 20
         3. Zambalen (Zambales)                                       20
         4. Pangasinanen (Pangasinanes)                               21
         5. Ilocanen (Ilocanos)                                       22
         6. Ibanags oder Cagayanen (Cagayanes)                        23
         7. Igorroten (Igorrotes) mit Buriks und Busaos               24
         8. Altasanen (Altasanes) und Ilamuts                         32
         9. Bujuanos                                                  32
        10. Panuipuyes                                                32
        11. Isinays                                                   32
        12. Abacas                                                    32
        13. Italonen (Italones)                                       32
        14. Ibilaos                                                   33
        15. Ilongoten (Ilongotes)                                     33
        16. Mayoyaos nebst Quianganen, Pungianen und Silipanen        33
        17. Ifugaos                                                   34
        18. Gaddanen (Gaddanes)                                       34
        19. Itetapanen (Itetapanes)                                   35
        20. Guinanen (Guinanes)                                       35
        21. Calauas oder Itaves                                       35
        22. Gamunangen und Bayabonanen                                36
        23. Dadayags                                                  36
        24. Nabayuganen (Nabayuganes)                                 36
        25. Aripas                                                    36
        26. Calingas                                                  36
        27. Tinguianen (Tinguianes)                                   36
        28. Adangs                                                    38
        29. Apayaos                                                   39
        30. Catalanganen                                              39
        31. Irayas                                                    41
        32. Catubanganen (Catubanganes)                               42
        33. Vicols                                                    42
        34. Manguianen (Manguianes)                                   45
        35. Mundos                                                    45
        36. Carolanen (Carolanos)                                     46
        37. Visayer (Visayas)                                         46
        38. Manobos                                                   48
        39. Mamanuas                                                  49
        40. Tagbalays                                                 49
        41. Bagobos                                                   50
        42. Guiangas                                                  50
        43. Vilanen (Vilanes)                                         50
        44. Tagacaolos                                                50
        45. Sanguils                                                  50
        46. Mandayas                                                  50
        47. Subanos                                                   50
        48. Manguangas                                                51
        49. Sameacas                                                  51
        50. Guimbas                                                   51
        51. Die Piratenstmme von Mindanao und Sulu                   51


    III. Chinesen, chinesische Mestizen und Japanen                   55

        1. Chinesen                                                   55
        2. Chinesische Mestizen                                       57
        3. Japanen                                                    58


    IV. Weisse und andere Bevlkerungsbestandtheile                   58

        1. Weisse und deren Mischlinge                                58
        2. Sonstige Bevlkerungsbestandtheile                         59


    Anhang. Die maritimen Entdeckungen der Spanier im Archipel der
        Philippinen                                                   59

    Alphabetisches Register der Citat-Abkrzungen                     69




KARTEN:


Tafel: Karte der Philippinen zur Darstellung der Ethnographischen
Verhltnisse, der administrativen Eintheilung und der gegenwrtigen
geographischen Kenntniss. Maassstab 1:3 000 000.

Nebenkarte: Skizze zur Entdeckungsgeschichte der Philippinen. Maassstab
1:10 000 000.







                               Den Herren

                    Dr. A. B. Meyer und Dr. F. Jagor

                       hochachtungsvoll gewidmet
                                  vom
                               Verfasser.







EINLEITUNG.


Die Urbevlkerung der Philippinen bilden die Negritos, welche
jetzt nur noch in geringer Individuenzahl ber den ganzen Archipel
zerstreut sind. Die einwandernden Malaien verjagten die ehemaligen
Herren in die unzugnglichen Bergwildnisse der Binnenlandschaften,
nur der nrdlichste Strich der Ostkste Luzons blieb von der
malaiischen Invasion verschont, dort blieben die Negritos im Besitze
der Meeresgestade. Die ersten eindringenden Malaien besetzten die
Ksten und vermischten sich mit den Negritos zum Theile, indem sie
die Weiber der von ihnen Besiegten und Erschlagenen in ihre Htten
aufnahmen. Wenn wir Luzon in Betracht ziehen -- ber die anderen Inseln
liegt zu drftiges Material vor --, so knnen als die Nachkommen der
ersten malaiischen Einwanderer jene Stmme gelten, welche heute im
Innern der grossen Insel wohnen, einst aber die Bewohner der Ksten
waren, whrend die von ihnen gegenwrtig besiedelten Landstriche von
Negritos noch eingenommen wurden. Von den meisten dieser Stmme wird
oder wurde die Kopfjgerei gebt, wie von den Igorroten, Apayos,
Zambalen, Abacas, Isinays, Italonen, Ibilaos, Ilongoten, Ifugaos,
Mayoyaos, Guinanen und Calingas, diess ist constatirt; dieselbe
Sitte scheint auch bei den Adangs, Gaddanen, Itetapanen, Aripas,
Dadayags &c. ausgebt zu werden oder wurde es in vergangener Zeit,
nur von den Bergstmmen der Tinguianen, Catalanganen und Irayas wissen
wir bestimmt, dass sie keine Kopfjger sind. Auch in ihren sonstigen
Sitten haben diese Kopfjgerstmme viele Anklnge an die Dayaks von
Borneo aufzuweisen. Fr Mindanao nennen wir als Reprsentanten dieser
Kopfjger den Bergstamm der Manobos. Dass diese Stmme in einer Zeit
eingewandert sein mssen, wo die Negritos viel zahlreicher waren als
heute, darauf weist der Habitus so mancher derselben hin, in welchem
sich eine sehr starke Dosis von Negritoblut deutlich offenbart, obwohl
manche dieser Stmme in Gegenden wohnen, wo heute kein Negrito mehr
existirt oder doch in so geringer Individuenzahl, dass eine Beimischung
in moderner Zeit nicht im Stande gewesen wre, den Typus des gesammten
Stammes wesentlich und dauernd zu differiren. Diese Bergstmme wren
also die Reprsentanten der ersten Periode der Malaieninvasion,
und man wrde nicht fehlgehen, wenn man die im Centrum Nord-Luzons
wohnenden Vlker als die Nachkommen der ersten Einwanderer betrachtete,
so dass die heute in den Provinzen Nueva Vizcaya, Bontok und Isabela
sesshaften Stmme zu denselben gerechnet werden mssten. Die Igorroten,
Tinguianen, Apayos &c. sind demnach in einem spteren Zeitabschnitt auf
Luzon angelangt, der aber noch in die erste Periode der malaiischen
Invasion fllt. In diese zweite Hlfte der ersten Periode wre jene
Beimischung von chinesischem und japanesischem Blute zu verlegen,
welche nach Semper u. A. die Igorroten, Tinguianen und Catalanganen
in ihren Gesichtszgen documentiren. Spter kann sie nmlich
nicht erfolgt sein, da dann diese Stmme durch andere Malaien --
mit Ausnahme der Zambalen -- vom Meere getrennt wurden, und diese
letzteren zwar mit Chinesen und Japanesen in Handelsbeziehungen traten,
aber diese Berhrung wurde durch eine geringe Individuenzahl jener
beiden Mongolenstmme vermittelt, so dass sie nicht im Stande war,
den Rassentypus zu verndern oder zu differiren.

Dann kam die zweite Periode der malaiischen Invasion, welche
jene Stmme nach den Philippinen brachte, welche bei der Ankunft
der Spanier bereits im Besitze beinahe aller Kstenstriche des
Archipels waren und einen etwas hheren Grad der Civilisation
und mildere Sitten aufzuweisen hatten, als die Malaien der ersten
Invasionsperiode. Diese Einwanderer (Tagalen, Pampangos, Visayer,
Vicols, Ilocanen, Pangasinanen und Cagayanen) unterwarfen sich
wie gesagt die Kstenstriche und zwangen die frheren Bewohner
derselben sich in die Binnenlandschaften zurckzuziehen, wo sie
noch heute wohnen. Es ist natrlich, dass die neuen Einwanderer
sich auch in hnlicher Weise mit zurckgebliebenen Malaien der
ersten Invasionsperiode vermengten, wie es letztere mit den Negritos
gethan. Diesem Umstande ist die hnlichkeit zuzuschreiben, welche in
vielen Beziehungen hauptschlich in der Religion [1], ein gemeinsames
Band um alle Malaien dieses Archipels schlingt. Je weiter wir nach dem
Norden Luzons vorwrtsschreiten, desto mehr sehen wir die Kstenmalaien
in Sitten und Bruchen sich mehr denjenigen der Binnenlandstmme
zuneigen, ein Beweis, dass die Zahl der Einwanderer der zweiten Periode
nach dem Norden zu immer geringer wurde, diese daher nicht im Stande
waren, die dort sesshaften Stmme vollstndig zu vertreiben, sondern
die friedlicheren Glieder derselben zahlreich als Heloten aufzunehmen
und sich mit ihnen zu einem Volke allmhlich zu verschmelzen, in
welchem viele Zge des Volkslebens der frher eingewanderten Stmme
sich erhielten. Dieser Vorgang ist auch ganz natrlich, denn da die
Invasion von Sden her erfolgte, so nahm nach den nrdlichen Breiten
zu auch ihre Expansivkraft und Individuenzahl ab; hatte ja doch auch
die Invasion der ersten Periode ihre Kraft bereits verbraucht, als
sie das rechte Ufer des Rio grande de Cagayn berschritten hatte;
die Kste von Casiguran-Paranan bis zum Cap Engao blieb auch nach
der zweiten Invasion im unbestrittenen Besitze der ursprnglichen
Herren des Archipels, der Negritos! Daher auch die Erscheinung, dass
im Sden der Philippinen, in dem Visayer-Archipel auf vielen Inseln
die Nachkommen der Einwanderer der ersten Periode ganz in dem Stamm
der neuen Ankmmlinge, der Visayer, aufgingen oder vernichtet wurden,
welcher Vorgang auch bei den Vicols, vielleicht auch den Tagalen
und Pampangos, Statt gefunden hat. Nur auf den grsseren Inseln --
Mindoro (?) und Mindanao (hier unzweifelhaft) -- gelang es, den erst
Eingewanderten sich unabhngig zu erhalten. Auf Mindanao scheinen
mir die Subanos und Caragas solche Mischlinge zu sein, bei ersteren
prvaliren die Elemente der ersten, bei den letzteren jene der zweiten
Invasionsperiode. Deshalb auch fanden die Spanier bei jenen (nicht
allen) Visayern und Vicols, welche die ersten Einwanderer nicht zu
vertilgen oder zu verjagen vermocht und daher sich mit diesen vielfach
gekreuzt hatten, vielfache berbleibsel in Tracht und Sitten vor,
welche an die Bergstmme erinnerten, z. B. die auf Ceb Und Panay,
wie auf den Catanduanes bliche Sitte des Ttowirens, whrend die
Visayer jener Inseln, auf welchen die ersteingewanderten Malaien in
die Binnenlandschaften gedrngt (wie auf Mindoro) oder vertilgt worden
waren (wie auf Leyte, Smar und Bhol) diese Sitte nicht bten. Der
spanische Katholicismus bringt jetzt eine bedeutende nderung dieser
Verhltnisse hervor, die verschiedenen Malaienstmme des Archipels
verschmelzen langsam aber sicher zu einem einzigen Stamme [2].

Eine dritte malaiische Invasion wurde durch die Ankunft der Spanier
unterbrochen und theilweise auch verhindert. Zu Anfang des XVI.,
vielleicht auch schon in der zweiten Hlfte des XV. Jahrhunderts
begannen die Malaien des Reiches Brunai oder Borneo nach den westlichen
Visayern sich zu wenden. Es war diess zugleich, wenigstens in der
Zeit von 1521-1565, eine religise Conquista, denn die "Mauren
[3] von Burney" verbreiteten auch den Islam unter den Indiern der
Philippinen. Die Insel Palawan selbst wurde ein Bestandtheil des
Reiches Burney oder Brunai (Borneo), whrend solche Einwanderer an
der Bai von Manila und in den heutigen Provinzen Batangas und Tayabas
sich neue Reiche grndeten. Camarnes, Mindoro, Panay, Negros, Ceb
und die brigen Visayer wurden vorlufig nur von Borneo-Kauffahrern
besucht. Gleichzeitig mit diesem Zuge von Borneo her, fand eine andere
Immigration von den Molukken her Statt, welche sich auf Mindanao
und den Sulu-Archipel erstreckte. Bei Palawan stiessen diese beiden
Einwanderungsstrme zusammen. Das Erscheinen der Spanier machte dieser
dritten malaiischen und islamitischen Einwanderung ein Ende; auf Luzon
und in den Visayern wurde der eben erst eingedrungene Islam durch das
Christenthum unblutig verdrngt und so mussten die Einwanderer der
dritten Periode sich mit dem Besitze von Sd-Palawan, den Sulu-Inseln
und dem grsseren Theile der Mindanao-Kste begngen. Es war ein
grosses Glck fr die Bewohner der Philippinen, dass die Spanier noch
rechtzeitig genug kamen, ehe der Islam festen Fuss gefasst hatte,
sonst wren sie fr die europisch-christliche Civilisation verloren.

Auf Sulu scheinen noch andere Malaienstmme eingewandert zu sein:
Malaien von Johore und Javanen im Mittelalter, doch bin ich nicht
in der Lage gewesen, darber Studien zu machen, da mir die nthige
Kenntniss des Hollndischen vorlufig noch abgeht. Mangkassaren dienten
zwar zahlreich in den Kriegen der Sulus gegen die Spanier von 1599-1646
als Sldner in den Heeren dieser Piraten, und haben gewiss auch im
Lande Nachkommen hinterlassen, doch fllt diese Blutmengung hier nicht
sehr in Betracht. Auch die Ansiedlungen katholischer Ternataner in
Marigondon an der Bai von Manila, welche auf Betrieb der Jesuiten,
bei der 1661 erfolgten Rumung Ternates durch die Spanier, entstand,
ist zu unbedeutend, als dass sie irgend einen Einfluss auf die Tagalen
htte ausben knnen.

Nchst den Malaien verdienen die meiste Beachtung die Chinesen,
welche besonders im Norden von Luzon sich stark mit den Malaien,
insbesondere den Bergstmmen vermengt haben sollen, ob zwar manche und
triftige Grnde dagegensprechen, dass vor der Ankunft der Spanier die
Chinesen besonders zahlreich gewesen wren; im Gegentheile erst die
Ankunft der edlen Castilianer lockte sie in grsseren Mengen nach den
Philippinen, der Acapulco-Handel, der so viele chinesische Waaren mit
dem in China so hochgeschtzten amerikanischen Silber baar bezahlte,
war es, der die Chineseneinwanderung nach unserem Archipel lenkte. Die
Spanier fanden bei ihrer Ankunft nirgends Chinesenansiedlungen vor,
sondern nur einzelne chinesische Kauffahrer. Die Chinesen haben seit
ihrer Niederlassung im Lande durch Erzeugung einer Mischlingsrasse,
der Mestizos de Sangley, einen neuen Bevlkerungsbestandtheil den
Philippinen zugebracht, der durch seine Intelligenz berufen ist,
einst eine grosse Rolle zu spielen.

Die Japanesen traten in hnlicher Weise wie die Chinesen in dem
Archipel auf; seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts aber, wo
die letzten derselben Manila verliessen, kamen keine mehr nach den
Philippinen.

In den ersten Zeiten der Conquista wurden auch Neger- und
Kaffer-Sclaven von portugiesischen Hndlern eingefhrt; die aber noch
unter Philipp II. erfolgte Aufhebung der Sclaverei auf den Philippinen
machte diesem Handel zum Glcke ein rasches Ende und ersparte den
Indiern die Verseuchung durch Negerblut. Von diesen Schwarzen ist
keine Spur mehr vorhanden.

Von "kaukasischen" Vlkern kommen zunchst die Spanier in Betracht,
welche mit den Eingeborenen sich vermengten und so die Kaste der
Mestizos espaoles schufen. Portugiesen wanderten besonders im XVI. und
Anfangs des XVII. Jahrhunderts ein, von ihnen haben sich keine Spuren
mehr erhalten, sie gingen in die Spanier auf. Andere europische
Nationen kommen gar nicht in Betracht. Unbedeutend war auch die im
XVII. und XVIII. Jahrhundert dann und wann Statt findende Einwanderung
von Armeniern [4], Klings und anderen Stmmen Sdindiens, diese
Einwanderung beschrnkte sich brigens nur auf Manila. Die wenigen
Araber, welche als Proselytenmacher und Kaufleute nach Mindanao und
Sulu kamen, waren auch nur Tropfen im Meere.

Die Linientruppen, welche die Spanier im XVII. und XVIII. Jahrhundert
in Manila und Zamboanga unterhielten, bestanden der Hauptmasse nach aus
mejicanischen, zum Theile auch peruanischen Indianern und Mestizen,
welche alle mit Tagalinnen sich verheiratheten. Fr Manila bedeutet
diese Blutmischung bei der geringen Anzahl der Truppen und der starken
Bevlkerung so viel wie Nichts, fr Zamboanga aber, welches frher
eine nur unbedeutende Bevlkerung und eine verhltnissmssig starke
Garnison besass, fllt diese Blutmischung strker in die Wagschale.







I. NEGRITOS.


Die Negritos oder Atas sind beinahe im ganzen Archipel der
Philippinen zu finden, jedoch nirgends in grsserer Anzahl, und nur
an der Nordostkste Luzons sind sie noch Strandbewohner geblieben,
sonst haben sie nur die Gebirgswildnisse der Binnenlandschaften
inne, wenngleich sie in jenen Landschaften, wo sie mit Spaniern und
Malaien in freundlichem Verkehre stehen -- diess ist nicht berall
der Fall --, auch zu den Gestaden des Meeres kommen, um dort Waaren
einzutauschen. Sie bilden, besonders auf Luzon, eine grosse Anzahl
von Rassen-Inseln, welche durch weite Strecken von Malaien bewohnten
Landes von einander getrennt sind.

Ihr Hauptgebiet liegt im Nordosten Luzons, den Provinzen Nueva cija
(nrdlicher Theil), Prncipe, Isabela und Cagayn. Hier sind sie,
wie kurz vorher erwhnt, auch Strandbewohner, indem sie den nrdlichen
Theil der Ostkste von Luzon von Palanan im Sden bis zum Cap Engao
im Norden bewohnen (Semper, Skizzen 49) und zwar ausschliesslich,
denn bis zu diesen sturmgepeitschten Gestaden sind die malaiischen
Eroberer nicht vorgedrungen. Diese Kste ist der letzte Fleck Bodens
der Philippinen, in welchem die ursprnglichen Herren des Archipels,
die Negritos, sich im ungeschmlerten Besitze des heimischen Bodens
behaupteten. Auch der Ostabhang jener gewaltigen Cordillere, welche
sich lngs dieser Kste hinzieht, ist ihr unbestrittener Besitz,
whrend am Westabhange die Negritos bereits das Land mit Stmmen
malaiischer Abkunft theilen mssen. Auf diesem Boden besitzen sie auch
ihre "grsste Reinheit der physischen wie der geistigen Charaktere"
(Semper, a. a. O.). Im Thale des Rio Cagayn (Grande) oder Tago
leben sie gleichfalls, bei Furao, Gam, Ilagan, Tumauini, Cabagan
und Tuguegarao (Mas, pobl. p. 39-40), aber auch im Stromgebiete des
Rio chico de Cagayan bei Tuao und Malaueg begegnen wir ihnen (Mas,
a. a. O., p. 41). Die Nordkste der Provinz Cagayn wird von ihnen
nur in der Nhe des C. Engao berhrt, wo wir sie beim Vulcane Cagua
hufig antreffen, von dem Meere durch Malaien, die Cagayanen oder
Ibanags, getrennt, wohnen sie sdstlich und westlich von Abulug und
in den Waldwildnissen von Masi (Mas, pobl. 42).

Ihr Vorhandensein in Ilcos ist von Semper (Erdk. XIII,
89) abgesprochen worden, doch ist diess wohl nur ein Versehen,
indem Semper nur, so fasse ich es wenigstens auf, ihre Existenz im
sdlichen Theile jener Landschaft, d. h. in den heutigen Districten
Benguet, Lepanto, der Provinz Union und dem sdlichen Theile der
Provinz Ilcos Sur verneinte, und diess ist auch richtig, denn
jener Landstrich wird von den Igorroten bewohnt, einem ungemein
kriegerischen Malaienstamm, der gewiss schon vor Jahrhunderten die
Negritos, die in seinem Gebiete wohnten, vernichtet hat. Fr den
Militrdistrict Lepanto besttigt Lillo de Gracia (Dist. de Lep.,
p. 18) diese Thatsache, indem er ausdrcklich erwhnt, dass sich
in dem ganzen Districte keine Negritos befinden. In dem nrdlichen
Theile der Provinz Ilcos Sur existiren aber Negritos, Diaz Arenas
nennt uns sogar die Ziffer, welche die den Spaniern unterworfenen
Angehrigen dieses Stammes in Ilcos Sur ausmachen: 145 Kpfe. Buzeta
erwhnt einer Negrito-Ranchera (kleine Niederlassung) bei Candon. In
Abra drften nur wenige Negritos anzutreffen sein, dagegen ist ihre
Anwesenheit in Ilcos Norte sichergestellt (Ilustr. 1860, Nr. 12,
p. 153; Hgel, S. 359). Die Zahl der die Autoritt der spanischen
Behrden anerkennenden Negritos der Provinz Ilcos Norte betrug 1848
nach Diaz Arenas 113 Seelen, neuere Daten sind mir nicht bekannt.

In Pangasinn begegnen wir ihnen wieder (Mas, pobl. p. 1), Diaz Arenas
erwhnt einer Ranchera bei S. Miguel, sie zhlte nur 32 Kpfe,
offenbar sind es bereits unterworfene Leute. Was Diaz Arenas von
4000 Negritos in dem Grenzgebirge zwischen Pangasinn und Zambales
spricht, ist ein offenbarer Irrthum. Denn die Grenze Pangasinns gegen
Zambales berhrt jenes Gebirge nur in seinen ussersten Auslufern,
kann also unmglich eine so grosse Zahl dieser Wilden beherbergen,
und schliesslich bemerkt Drasche (Fragm., S. 21) ausdrcklich, dass
der nrdliche Theil jener Cordillere unbewohnt sei. Es ist also jene
(jedenfalls bertriebene und auf roher Schtzung beruhende) Ziffer
nur auf die in der Provinz Zambales (sdl. Theil) wohnenden Negritos
zu beziehen. In Zambales und Batan sind sie hufig, Dr. A. B. Meyer
hat sie dort selbst aufgesucht und uns nicht nur genaue Nachrichten,
sondern auch Skelette mitgebracht, desgleichen Dr. Schadenberg. 1848
zhlte man nach Diaz Arenas 825 den Spaniern unterworfene Negritos. In
dem centralen Theile von Luzon leben sie nur in vereinzelten Horden:
in der Provinz Bulacn (beim Monte Angal und S. Jos), in den Wldern
von S. Mateo und Bosoboso in der nchsten Nhe der Hauptstadt (Waitz,
V, 57. -- Mas, pobl. 1. -- Jagor, Phil. 51. -- Meyer, Negr., S. 25). In
Cavite und Taal scheinen sie zu fehlen, doch deutet eine Sage ber
die Laguna de Bombon auf ihre frhere Anwesenheit. ber ihre Existenz
in Tayabas berichtet nur ein Gewhrsmann, Diaz Arenas, der von 516
unterworfenen Negritos spricht, und Cavada 1, 198. Auf der Insel Alabat
(Ostkste Luzons) sind sie auch vorhanden (Semper, Skizzen 49).

Das Sdende Luzons bildet die langgestreckte, stark gegliederte
Halbinsel Camarnes, auf welcher sich die Provinzen Camarnes Norte,
Camarnes Sur und Albay befinden. Ob hier Negritos wohnen, war frher
zweifelhaft. Semper (Skizzen, 49) sagt: "im sdlichen Luzon scheinen
sie zu fehlen" und Jagor (Phil. 106): "reine Negritos kommen, so weit
meine Erkundigungen reichen, in Camarnes nicht vor". Dem entgegen
berichtet Drasche (Fragm. 66), dass am Vulcan Iriga eine Ansiedlung von
Negritos und eine andere von Mischlingen von Negritos und Vicol-Malaien
existirte. Da aber Jagor ausfhrlich ber jene wilden Stmme am Iriga
berichtet und sie nicht zu den Negritos zhlt, so schien jene Meldung
ein Irrthum des Geologen Drasche zu sein. Andererseits befindet
sich in den Sammlungen der Berliner Anthropologischen Gesellschaft
ein mnnliches Negritoskelett vom Iriga, welches Dr. Schetelig
mitgebracht hatte (Virchow, Verh. d. Berl. Anthr. Ges. 1871,
S. 36). Drasche erwhnt (Fragm. 61), dass in den Gebirgswildnissen
von Camarnes Norte Negritos leben, woran gewiss nicht gezweifelt
werden kann, denn jene Territorien sind sehr dnn bevlkert, und die
Vicol-Malaien, welche an den Ksten und in den Flussthlern wohnen,
eine indolente und unkriegerische Rasse, somit alle Vorbedingungen
zur Existenz von Negritos vorhanden. Diaz Arenas spricht von 500
Negritos in den Bergen von Albay (1848), Cavada (1, 221) erwhnt,
dass sie in den Bergen bei Malinao hausen.

ber die Existenz der Negritos auf den einzelnen Inseln des
Visayer-Archipels begegnen uns manche Widersprche, und wir sehen uns
bei den sprlichen Nachrichten genthigt, mitunter auf Quellen aus dem
XVIII. ja XVII. Jahrhundert zurckzugehen; diess ist gleich bei Mindoro
der Fall. Diese grosse Insel ist nur selten von wissenschaftlich
gebildeten Europern betreten worden, und so kommt es, dass wir auf
das aus 14 dickbuchigen Bnden bestehende Geschichtswerk des Fray
Juan de la Concepcion zurckgehen mssen, welches beim Jahre 1716
(T. VII, p. 11) erwhnt, dass auf Mindoro neben wilden "Indiern"
auch wilde Negritos ("negritos cimarrones") lebten. Dr. A. B. Meyer
zweifelt nicht daran, dass hier Negritos existiren (Negr. 11). Diess
ist alles, was uns ber die Negritos von Mindoro bekannt ist, wobei
ich darauf hinweise, dass nur ein schmaler Kstensaum den Spaniern
unterworfen, das ganze Innere aber eine terra incognita ist.

ber Panay, die reichste und bevlkertste Insel der Visayas,
fliessen reichlichere Quellen: schon Fray Gaspar de San Augustin
und Gemelli-Carreri berichten, dass im Innern der Insel Negritos
wohnen. Dr. A. B. Meyer sah sie dort (Meyer, Negr. 11 u. 26). Sie
bewohnen die Gebirgswildnisse und kommen oft zur Kste herab, selbst
nach Ilo-ilo. Der Augustiner Mozo nennt speciell die Berge von
Bosoc als den Hauptschlupfwinkel derselben (Misiones, p. 142). Diaz
Arenas giebt fr die Negritos der Provinz Ilo-ilo die Zahl von 500
Kpfen an, von den brigen Provinzen der Insel weiss er keine Daten
anzugeben. Cavada besttigt ihre Existenz auf Panay (II, 98). Auf
der kleinen Insel Tablas sind zwei Negrito-Niederlassungen (Cavada
II, 127).

Die Insel Negros dankt ihren Namen den Negritos, welche dort in der
Zeit der Conquista in viel grsseren Massen gewohnt haben mssen,
als wie diess heute der Fall ist. brigens ist es nicht einmal nthig
diese anzunehmen, denn die Spanier konnten der Insel den Namen auch nur
des Umstandes wegen gegeben haben, weil sie dort zuerst auf Negritos
berhaupt stiessen, denn wie aus Morga, Fray Gaspar de S. Agustin,
Fr. Juan de la Concepcion &c. erhellt, war schon in jener Zeit die
Kste in den Hnden der Indier oder Malaien, die freilich eine starke
Dosis von Negritoblut in ihren Adern besassen, wie sich das noch heute
erkennen lsst (Meyer, Negr. 26). Semper (Skizzen 49) spricht nur von
"wenigen Negerfamilien", welche um den Vulcan Malaspina "hausen". Dem
widerspricht die bestimmte Zahl von 3475 Kpfen, welche Diaz Arenas fr
Negros angiebt, und Dr. A. B. Meyer erwhnt ausdrcklich, dass sie dort
zahlreich vorkommen (Negr. 11). Zu Gemelli-Carreri's Zeit mssen sie
noch zahlreich gewesen sein (man vgl. auch: Allg. Hist. d. Reisen XI,
412). Cavada (II, 171) schtzt die Zahl der Negritos in Nord-Negros
auf 8900 Seelen.

Auf Ceb traf sie Dr. A. B. Meyer (Negr. 11 u. 26), doch drfte ihre
Zahl dort eine nur geringe sein. ber Bhol liegen mir absolut keine
Nachrichten vor, so dass ich sogleich zu den beiden grossen Inseln
Leyte und Smar bergehen will. Dr. Jagor (Phil. 227) sagt: "Negritos
sind weder auf Smar noch Leyte vorhanden", wogegen Dr. A. B. Meyer
es nicht fr unmglich hlt, dass dort Negritos wohnen. Spanische
Schriftsteller schweigen gnzlich ber diesen Punkt.

Auf der Insel Palawan (Paragua der Spanier) und der Gruppe der
Calamianes leben nach Waitz, V, 57, Negritos, desgleichen nach S. 55
desselben Werkes im Innern der Hauptinsel von Sulu. Bezglich letzterer
ist es nur auffallend, dass weder ltere (Combez) noch moderne (Pazos)
spanische Autoren hierber etwas melden. Man knnte diese Negritos
von Sulu und Palawan mit den Idaanes oder Idanes identificiren, welche
(Waitz, V, 46) auf der Ostkste von Palawan (d. h. wo auch die Negritos
wohnen sollen) und im Innern von Sulu wohnen. Zwar heisst es, dass nur
die Heiden (also im Gegensatze zu den Moslim) so genannt wrden, aber
auffallend ist immerhin einerseits die Nachricht, dass der Name Idan
eine Collectivbezeichnung sei, indem die Idan verschiedene Sprachen
sprchen, andererseits die hnlichkeit von "Idan" mit den Bezeichnungen
"Etas", "Itas", welche sich die Negritos von Luzon selbst beilegen
oder von den Eingeborenen erhalten. Insbesondere auffallend ist die
hnlichkeit mit dem Namen "Idayan", welchen ein Negritodialekt in
Nord-Luzon fhrt. Doch widerspricht dieser Hypothese entscheidend die
Nachricht, dass die Idanes -- welche brigens den spanischen Autoren
nicht bekannt sind -- nach Dalrymple (Waitz, V, 98) hellfarbiger sein
sollen als die Kstenbewohner. Fr Sulu (Hauptinsel) mchte ich die
Existenz von Negritos schon deshalb verneinen, als im Innern dieser
Insel ein ungemein kriegerischer Malaien-Stamm, jener der Guimbas,
wohnt, der gewiss die Negritos ebenso ausgerottet haben drfte,
wie diess unter hnlichen Verhltnissen in den Lndern der Igorroten
auf Luzon geschehen ist. Dass die Insel Palawan Negritos beherbergt,
ist wohl nicht zu bezweifeln, dagegen drfte gegen ihre Anwesenheit in
den Calamianes einiges einzuwenden sein, obwohl man bei den sprlichen
Nachrichten und der geringen Kenntniss des Landes sich hierber nur
sehr reservirt aussprechen darf. Ich mache nur darauf aufmerksam,
dass die Spanier unter der Bezeichnung Calamianes auch den nrdlichen
Theil Palawans mitverstehen, wodurch leicht Irrthmer entstehen knnen.

Der sdlichste Theil des Generalcapitaats der Philippinen, die grosse
Insel Mindanao, wird ebenfalls von Negritos bewohnt. Der berhmte
Jesuit P. Francisco Combez, der grndlichste Kenner jenes Landes zu
seiner Zeit, constatirt ihre Existenz auf Seite 36 seiner Geschichte
von Mindanao, und auch Dampier und Gemelli-Carreri besttigen
diess. Selbst der 25. Bd. der Halle'schen Welthistorie berichtet,
dass im Innern Mindanao's Neger hausen. Ihr Hauptsitz soll der
nordstliche Winkel Mindanao's sein, was sehr natrlich erscheint,
indem ja die malaiische Invasion von Sdwest erfolgte, eine Analogie
haben wir bereits auf Luzon gefunden, nur sind die Negritos von
Mindanao von der Kste durch Malaien getrennt. Dr. F. Jagor schtzte
ihre Zahl auf dieser Insel auf 10 000 Kpfe, fgt aber hinzu, dass
ihre Rassenreinheit sehr fraglich wre (Phil. 322). Cavada (II, 206)
constatirt ihre Existenz in dem zur Provinz Surigao gehrigen Theile
Mindanao's.

Die Negritos sind also beinahe in allen Theilen des Archipels zu
finden, mit Ausnahme der beiden Inselgruppen der Batanes und Babuyanes
und vielleicht von Smar, Leyte, Bhol und Sulu. Trotz dieser grossen
Verbreitung ist ihre Zahl eine sehr geringe, und wenn Mas (pobl.,
p. 9) und Mallat (II, 94) ihre Zahl auf 25 000 schtzen, so ist
diess jedenfalls eher zu viel als zu wenig, wie diess schon Semper
(Skizzen 138) hervorgehoben hat.

Was ihr usseres anbelangt, so haben darber die ausgezeichneten
Untersuchungen von Hofrath Dr. A. B. Meyer, Prof. Virchow, Prof. Semper
und Dr. Schadenberg genug Eingehendes ber diesen Gegenstand
gebracht, so dass ich mich mit einer kurzen Zusammenstellung des
Gegebenen begnge. Ihr Krperbau ist klein, schmchtig, die Waden,
wie diess die Photographie in dem so beraus interessanten Werke
Dr. Meyer's "ber die Negritos &c." drastisch zeigt, fast gar
nicht vorhanden. Durchschnittshhe der Mnner (Prov. Zambales)
1445 mm. Der Kopf ist vollstndig negerhnlich, der Kiefer ein
wenig vorspringend, die Lippen schwach gewulstet, die Nase ist
plattgedrckt; man vergleiche darber die Skizzen Dr. Meyer's in
seinem oben erwhnten Werke. Das Haar ist wollig, dick und schwarz
oder braunschwarz, Prof. Semper hebt seine Glanzlosigkeit hervor, es
wird kurzgeschoren getragen. Ihre Krperfarbe ist schwrzlich-braun
(dunkelkupferfarben). Wie bei vielen Stmmen, die in hnlichen
Verhltnissen leben, findet man bei ihnen verhltnissmssig grosse
Buche. Der sprliche Bartwuchs beschrnkt sich meist auf den
Backenbart (Schadenberg 147). Auffallend ist die Geschicklichkeit,
mit welcher sie sich ihrer Zehen zum Greifen und Festhalten zu bedienen
wissen (Schadenberg 143).

Ihr Temperament ist ein sehr lebhaftes, und dass sie nicht so unbegabt
sind, wie es die spanischen Geistlichen gern darthun mchten, beweist
nicht nur der Umstand, dass sie ausser ihrer eigenen Sprache oft noch
zwei Dialekte der angrenzenden Malaien sprechen (Meyer, Negr. 15),
sondern auch die Thatsache, dass unter den malaiischen Irayas in
Nordost-Luzon sich die Negritos sogar zu fester Niederlassung und
sogar zum Ackerbau [5] haben bewegen lassen. Das sind auch ihre
einzigen festen Niederlassungen, sonst leben sie als Nomaden in
ihren Wldern, selbst die Rancheras der den spanischen Behrden
unterworfenen Negritos haben nur einen festen Namen (oft auch
diesen nicht), aber keinen fixen Platz. Ihr einziger Schutz gegen
die Unbilden der Witterung besteht in leicht beweglichen Schirmen,
welche schrg gegen die Windrichtung oder gegen die Sonne gestellt
werden. Sie sind aus Palmenblttern geflochten und haben oft eine
Oberflche von 25-30 Quadratfuss (Semper, Erdk. XIII, 253). Die
Ksten-Negritos von Nordost-Luzon, welche Dumagat genannt werden,
liegen unter diesen Schutzdchern je nach dem Vermgensstande auf
Strohmatten, Stcken von Baumrinde oder nur auf der nackten Erde
(Semper, l. c. und Ilustracion 1860, n. 17, p. 193), diese Schutzdcher
tragen sie bei ihren Wanderungen mit sich herum.

Um sich vor der Nachtklte in den Bergwldern zu schtzen, legen
sie sich so nahe an das Feuer, dass man glauben sollte, ihre Haut
msse versengt werden, oder sie legen sich sogar in die heisse Asche
hinein. Da sie sonst auch sehr unreinlich sind, so ist es kein Wunder,
wenn ihr Krper mit Schmutzkrusten bedeckt ist.

Bis zum Eintritt der Pubertt laufen sie ganz nackt herum (Mundt-Lauff,
Natur V, 458), dann schlagen sie sich ein Tuch um die Lenden oder
tragen ein oft ungengendes Suspensorium (Meyer, Negr. 15). Die Weiber
jener Horden, welche in einem freundschaftlichen Handelsverkehre mit
den Christen stehen, tragen ein kurzes Jckchen (auf den Philippinen
Hemd -- camisa -- genannt) und den Tapis der philippinischen Malaien
(Ilustr. 1860, n. 17, p. 193). Unter den Mnnern tragen einige
auch einen erhandelten Mantel um die Schultern und auf dem Kopfe
ein Tchlein (Ilustr., l. c.). Die Leibbinde besteht aus einem
selbstbereiteten Baumrindenstoff oder aus gekaufter Baumwolle. Es
giebt aber auch Negrito-Horden, welche die Tracht der christlichen
Malaien angenommen haben (Cavada I, 221; II, 127).

Sie kennen und ben die Sitte des Ttowirens. Bei den Negritos von
Zambales und Batan (Sierra Mariveles) werden die Ttowirungsmuster,
welche aus geradlinigen Mustern bestehen, durch Hauteinschnitte
mittelst geschrfter Bambussplitter erzeugt. Dadurch entstehen schwach
erhhte Narben, welche aber erst in grosser Nhe in die Augen fallen
(Meyer 16). Auch die Dumagat-Negritos tragen geradlinige Muster
auf Brust, Oberleib, Schultern und Rcken, hier (Nordost-Luzon)
aber werden keine Hauteinschnitte gemacht, sondern jene Muster
wie bei den umliegenden Malaien mittelst einer Nadel eingestochen
(Semper, Skizzen 50). Sobald die Ttowirung vollstndig ist, wird der
Negrito-Jngling ein selbstndiger Mann, er kann jetzt heirathen und
eine Familie grnden (Schadenberg 136).

Bei einigen Horden werden die Schneidezhne sgefrmig zugefeilt (Jagor
374; Meyer, Negr. 23 u. 27), diese Sitte ist aber nicht allgemein,
denn Mas (pobl. I) sagt ausdrcklich, er htte nur einige Negritos
gesehen, welche die Zhne spitzgefeilt trugen, was auch Schadenberg
besttigt (136). Semper will diese Sitte nur auf die Negritos von
Mariveles oder Zambales beschrnkt wissen (Palau-Inseln 364). ber
knstliche Schdeldeformation ist wenig bekannt, doch muss dieselbe
wenigstens theilweise Statt finden (Schadenberg 135).

Ledige Mnner tragen in den Haaren Kmme aus Rohr (m. vgl. die
Abbildungen bei Schadenberg), angeblich zum Zeichen ihres ehelosen
Standes (Ilustr. 1850, n. 17, p. 193), doch scheint letzteres nicht
fr alle Horden zu gelten, am allerwenigsten fr die Negritos der
Sierra Mariveles. D. Sinibaldo Mas (pobl. 2) erwhnt, dass bei den
Negritos der Waldwildnisse des Mte. Camachin die Mdchen Halsbnder
aus Palmenblttern trugen. Von hnlichen Halsbndern aus Bast- oder
Bejucoschnren spricht Dr. Schadenberg (S. 141). Die Negritos von
Zambales tragen nur selten Ohrgehnge, welche mitunter aus Muscheln
bestehen, die Dumagat-Mnner sowie alle Negrito-Weiber tragen in
ihren Ohren verschiedene Schmuckgegenstnde oft der verwunderlichsten
Art. Es sind oft nur Stcke Rohr oder Holzsplitter, welche an den Enden
ganz zerfasert sind, so dass faustgrosse leicht gekruselte Bschel
dadurch entstehen; Semper (Erdk. XIII, 253) fand diesen Schmuck
bei den Dumagat-Negritos. Die Weiber benutzen ihre Ohren auch als
Transportmittel, indem sie Rollen jener Pflanzenrinde, welche ihnen
zur Bereitung ihrer Kleiderstoffe dient, in die Ohrlcher stecken
(Semper, Erdk. XIII, 253). Manche Weiber tragen auch ein Zweiglein
sammt seinem Blthenschmucke in den Ohren (Ilustr. 1860, n. 17,
p. 193), die Weiber tragen auch schn verzierte Bambuskmme in den
Haaren (Schadenberg 141). Ringe werden an Armen und Beinen getragen
(Semper, Skizzen 50). Glasperlen und Messingdraht (um den Hals zu
tragen) dienen den Frauen zum Schmucke (Meyer, Negr. 15). Sonst
schleppen sie noch selbstverfertigte Beutel mit sich herum, in denen
sie den leidenschaftlich begehrten Tabak und Betel verwahren. Da
ich schon vom Tabak spreche, so sei erwhnt, dass sie ihn nur in
Cigarrenform rauchen, wobei sie das glimmende Ende zwischen die Zhne
nehmen (Schadenberg 146). Eine Zierde der Mnner ist der Hayabung,
d. h. eine mit Wildschweinborsten, Glasperlen und Fledermausfellen
verzierte Schnur, die oberhalb der Wade getragen wird (Schadenberg
141). Nach Dr. Jagor legt diesen Schmuck nur derjenige an, dem es
geglckt ist, ein Wildschwein zu erlegen.

Man hat ihnen frher jede Religion abgesprochen. Bastian (Reisen V,
268) berichtet, dass sie ausser Gott ("Cambunian") Mond und Sterne
verehren. Beim Donnern opfern sie Schweine und dem Regenbogen bringen
sie Gebete dar. Nun ist aber der Cambunian eine Igorroten-Gottheit,
ebenso ist, was Mas (pobl. 4) von der Religion der Negritos vom
Mte. Camachin erwhnt, der alte Glaube der Tagalen. Nur was den
Mondcultus anbelangt, ist Bastian im Rechte, denn Schadenberg
erzhlt (S. 144), dass sie in Vollmondnchten mit Bogen und
Pfeil auf den Schultern Tnze abhalten, an denen auch die Weiber
theilnehmen. Dr. A. B. Meyer konnte bei den Negritos der Sierra
Mariveles weder Gtzen oder den Gttern geweihte Sttten entdecken. Bei
den Dumagat-Negritos existiren einige "rohe Mythen, die sich um Essen
und Trinken drehen"; auch feiern sie in Gesngen eine grosse Schlange,
welche ihnen im Traume die Orte weist, wo das Wild oder der Honig zu
finden ist (Semper, Erdk. X, 254).

Die Frauen gebren leicht und schnell, bei schweren Geburten vertritt
ein altes Weib die Stelle der Hebamme. Die Nabelschnur wird durch
einen scharfen Bambus abgetrennt und das Kind abgewaschen, und zwar mit
Wasser, welches an der Sonne gestanden hat. Die Kinder werden rittlings
auf der Hfte und spter auf dem Rcken getragen (Schadenberg 135);
das Stillen dauert beilufig zwei Jahre (l. c.).

Die Ehen werden frhzeitig vereinbart, aber erst spter nach erlangter
Pubertt vollzogen, es giebt Eheleute oder vielleicht richtiger
gesagt Verlobte, welche nur 8 oder 9 Jahre zhlen (Ilustr. 1860,
n. 17, p. 193). Nach Mundt-Lauff (Natur V, 458) heirathen die Mnner
nicht vor dem fnfzehnten, die Weiber nicht vor dem dreizehnten
Jahre. "Monogamie ist bei ihnen Regel" berichtet Schadenberg
(135). Bei den Negritos von Albay wird die Braut durch Kauf vom
Schwiegervater erworben; wird die Ehe durch Untreue der Gattin
gelst, so muss dieser Kaufpreis dem Schwiegersohne rckgestellt
werden (Cavada I, 221). Die heutigen Negritos von Zambales-Batan
suchen ihre Frau sich womglich aus der eigenen Verwandtschaft,
whrend bei den Negritos auf Negros Ehen innerhalb derselben Horde,
wenigstens am Ausgange des XVII. Jahrhunderts, nicht gestattet waren,
man konnte die Weiber nur durch Raub von fremden Horden erlangen,
und diess fhrte zu endlosen Kriegen (Allg. Hist. XI, 412). Die
Hochzeit selbst wird durch Gesang und Tanz gefeiert, wobei Braut und
Brutigam in festlichem Schmucke erscheinen (Schadenberg 137). Die
Frau hat alle Lasten des Lebens zu tragen, dem Manne obliegt nur die
Jagd, er hat auch eine unumschrnkte Macht ber alle Glieder seiner
Familie (l. c.). Ein angenehmer Zug im Charakter der Negritos ist die
hohe Achtung vor dem Alter, erwerbsunfhige Greise werden von ihren
Angehrigen liebevoll gepflegt (Schadenberg 135).

Da sie nur mit Misstrauen sich den Christen nhern, so ist uns auch
ber ihre sonstigen Bruche wenig bekannt. Ihre Festlichkeiten bestehen
in Tnzen und Gesngen. Der Tanz Acubac wird in folgender Weise
ausgefhrt: ein oder mehrere Mdchen stellen sich in die Mitte eines
Kreises, welcher von Mnnern gebildet wird. Diese halten einer den
anderen beim Grtel fest und drehen sich um die Weiber, indem sie mit
den Fssen den Boden nach dem Takte eines monotonen und langweiligen
Gesanges stampfen. hnliches berichtet Dr. Schadenberg. Dieser
Gesang heisst "inalug" und wird von den Weibern gesungen, die
Mnner wiederholen oder antworten mit einem hnlichen Wechselgesang
(Ilustr. 1860, n. 17, p. 194). Der Text besteht aus sinnlosen und
zuflligen Phrasen (Meyer 16), alte Mnner halten es unter ihrer
Wrde mitzusingen, diess gebhrt nur den jungen. Mas (pobl., p. 3)
vergleicht diese Gesnge der Negritos mit dem Comintan der Tagalen,
jedenfalls mssen diess andere sein, wie der eben beschriebene
Acubac. Nach Semper besingen sie auch kriegerische Grossthaten. Die
Negrito-Weiber vom Mte. Camachin besassen eine Art von Guitarre oder
Zither, welche aus Rohr verfertigt war, die Stelle der Saiten vertraten
drei dnne Fden, welche aus Wurzelfasern bestanden, doch gab es auch
solche von Sehnen. Das Instrument besitzt keinen Griff und wird mit
der linken Hand gespielt (Mas, l. c.). Mit dieser Zither oder Guitarre
begleiteten sie im 2/4 Takte den Gesang anderer Mdchen, wobei die
Spielenden mit dem Fusse taktfrmig stampften, auch die Mnner wussten
das Instrument zu handhaben. Dr. Schadenberg fand ausser Muschelhrnern
keine Musikinstrumente bei den Negritos von Zambales vor.

Ackerbau ist ihnen als herumstreifenden Jgern und Fischern fremd,
nur die unter den Irayas wohnenden und die Negritos von Tarlac bauen
Reis, sonst nhren sie sich durchweg von Waldfrchten und anderen
Vegetabilien, Honig, Wildpret und Fischen. Unter den ersteren sind es
die Herzen der Palmensorten und die Wurzeln wilder Aroideen, welche
ihnen die meiste Nahrung aus dem Pflanzenreiche liefern (Semper,
Skizzen 52). Ihr Hauptleckerbissen ist der Honig der zahlreichen wilden
Bienen; die Zeit, wo die von den Bienen besiedelten Bume gefllt
sind, ist ihre Erntezeit. Das Wachs verhandeln sie an Christen und
Chinesen fr Tabak und Betel, denn sie sind nicht nur leidenschaftliche
Tabakraucher, sondern auch Betelkuer (Semper, l. c.). Das Fleisch der
erlegten Thiere braten sie in Gruben (Schadenberg 144, nach P. Felipe
Calayag). Was sonst kriecht und fliegt und schwimmt wird von ihnen
gegessen, wenn sie nur dessen habhaft werden knnen, aber diess ist bei
dem elenden Zustande ihrer Waffen nicht so leicht. Letztere bestehen
aus Bogen, Pfeil und Waldmesser, die Pfeile haben eine eiserne Spitze,
die sie durch Handel erlangen; frher bestand die Pfeilspitze,
wie Gemelli-Carreri berichtet, meist aus Kieselsteinen, Knochen
oder Holz. Die Pfeile werden in einem primitiven Kcher -- einem
Stck Bambusrohr getragen (Ilustr. 1860, n. 17, p. 193). Dr. Meyer
(Negr. 15) und Dr. Mundt-Lauff (Nat. V. 479) haben keine vergifteten
Pfeile bei ihnen vorgefunden, dagegen aber Dr. Jagor (Phil. 51),
desgleichen Mozo, welcher (Misiones, p. 110) erzhlt, dass sie das
Pfeilgift aus der Rinde eines von ihnen Camandag genannten Baumes
und mehreren anderen Wurzeln und Krutern bereiten. Vergiftete
Pfeile erwhnt Cavada nicht bei ihnen, wohl aber bei den mit ihnen
wahrscheinlich identischen Balugas. Sie haben drei Gattungen Pfeile,
nmlich fr Vgel, Wildschweine und grsseres Wild (Schadenb. 138). Gut
wissen sie auch Steine zu schleudern, seltener trifft man bei ihnen
Lanzen an (l. c., p. 140 f.). Bei der Jagd werden sie von Hunden,
ihren einzigen Hausthieren, untersttzt (Mozo 106, Schadenberg 146).

Selten gelingt es ihnen, ein grsseres Thier zu erlegen, so dass ihre
animalische Kost sich nur auf das Fleisch von Schlangen, Frschen
und Fischen reducirt (Meyer, N. 14), letztere werden nicht geangelt,
sondern mit Pfeilen geschossen (Semper, Skizzen 52).

Stirbt ein Negrito (in Ilcos Norte), so wird er im Gebirge begraben,
in das Grab werden ihm Feuerstein, Waffen und Stcke Wildpret
mitgegeben, desgleichen von allem, was dem Verstorbenen nahe ging,
wenigstens ein Theil (Ilustr. 1860, n. 12, p. 153). Dr. Meyer fand
die Leichen der Zambales-Negritos in ausgehhlten Baumstmmen [6],
nur einen Fuss tief unter der Erdoberflche, in diesen rohen Srgen
fand sich nur hie und da eine Eisenspitze. Der Kopf der Todten wird
in ein rohes Gewebe gehllt (Schadenberg 148). Die Grber waren auch
usserlich kenntlich: sie besassen ein Schutzdach von Bambus und
Palmzweigen, ein Bambusgitter umgab das Grab (Meyer 17), letzteres
sah auch Mas bei den Negritos vom Mte. Camachin (Mas, pobl. 4). Diese
pflegen ein Jahr lang die Grabsttte gnzlich zu meiden, die Negritos
von Nordost-Luzon verlassen zwar den Ort, bleiben aber in der Nhe,
um zu verhindern, dass jemand die Sttte betritt. Wer diess thut,
wird aus sicherem Verstecke durch Pfeilschsse getdtet [7] (Semper,
Erdk. X, 255); sollte diess nur eine Strafe fr die Entweihung der
Sttte sein, oder soll durch die Tdtung des Fremden der Verlust des
eigenen Stammes gleichsam wettgemacht werden?

Ihre Zersplitterung macht sie ihren Feinden gegenber ohnmchtig,
selbst die kleinen, 20-30 Kpfe zhlenden Horden haben gar keine feste
Organisation oder irgendwelche Disciplin, sie kennen eben nur die Bande
der Familie (Meyer, Negr. 15), doch geniessen die lteren Mnner ihrer
Erfahrung wegen einen freilich nicht schwerwiegenden Einfluss. Der
Huptling bestimmt die Lagerpltze und die Zeit des Aufbruches
(Schadenberg 137). Die Negritos der Provinz Ilo-ilo erkennen diejenigen
als Huptlinge an, welche von den spanischen Missionren eingesetzt
werden (Buzeta II, 103 f.). Einzelne Horden zahlen der spanischen
Regierung eine Abgabe in Naturalien als Zeichen der Unterwerfung, doch
geschieht diese Zahlung sehr unregelmssig und hngt nur von dem guten
Willen der Negritos ab, da die spanischen Behrden ihren Wildnissen
gegenber machtlos sind. Solche "unterworfene" Negritos besitzen
dann einen "Gobernadorcillo (Gemeindevorsteher)", eine Puppe, welche
den Verkehr zwischen der Behrde und den Negritos vermittelt. Der
Gobernadorcillo wird aus den ltesten der Horde erwhlt, hat aber unter
seinen Stammesgenossen gar keine Macht, sein Amt ist sehr eintrglich,
denn die spanischen Beamten und Pfarrer pflegen ihn reichlich zu
beschenken. Manche Horden stehen mit den Spaniern auf Kriegsfuss,
ein Mal kamen 700-900 feindliche Negritos bis vor Lingayen (Mas,
pobl. 2). Die Malaien haben vor ihnen trotz ihrer schwachen Zahl und
ihren armseligen Waffen einen bedeutenden Respect. Die einzelnen
Horden sind in bestndige blutige Fehden mit einander verwickelt,
wodurch sie immer mehr decimirt werden. Scheidnagel (Filipinas
30) sagt von den Zambales-Negritos, dass sie wild und blutdrstig
wren. Die Negritos zwischen Baler und Casiguran sind im stndigen
Kampfe mit christlichen wie heidnischen Malaien begriffen (Semper,
Erdk. XIII, 252). Sie wurden von den heidnischen Stmmen oft auch
bekriegt blos um Gefangene zu erhalten, letztere wurden der Familie
eines Erschlagenen von jener des Mrders bergeben, um als Shne fr
den Ermordeten abgeschlachtet zu werden.

Nach dem Erzhlten ist es leicht begreiflich, dass die Gesammtzahl
der Negritos nur eine sehr geringe sein kann, Mas (pobl. 9) schtzt
sie auf 25 000, Mallat (II, 94) giebt dieselbe Ziffer an, Semper hlt
diess mit Recht fr bertrieben (Skizzen 138). Jedenfalls betrgt
ihre Anzahl mehr als 10 000 Seelen, wobei ich von Mindanao ganz absehe
und mich nur auf Luzon und die Visayas beschrnke. Sie gehen langsam,
aber sicher ihrem Untergange entgegen.

Ehe ich zu den Malaien bergehe, habe ich noch den interessanten
Stamm der Balugas zu erwhnen, welcher in Pangasinn und zwar der
Centralebene Luzons wohnt. Semper hat die Balugas selbst gesehen
und bezeichnet sie als eine Mischlingsrasse von Negritos und Malaien
(Skizzen 53); der Name ist nach ihm tagalisch und bedeutet soviel als
schwarzer Mestize, schwarzer Bastard (Skizzen 136). Diese Mischung mit
malaiischem Blute ist aber nicht stark genug, um die den Negritos
charakteristischen Eigenthmlichkeiten verschwinden zu machen;
im vorigen Jahrhundert haben diese Balugas ein Leben gefhrt,
das sich in gar Nichts oder wenigstens so gut wie gar nicht von
jenem der Negritos unterscheidet, so dass man geneigt wre, sie in
jener Zeit als noch unvermischt anzusehen. Es darf nicht unerwhnt
bleiben, dass nach Mas (pobl.) die Negritos neben dem spanischen
Namen Negrillos auch noch die eingeborenen: atas, itas, etas und
balugas fhren und Scheidnagel (Filipinas 61) bemerkt ausdrcklich:
"Se les suele denominar por los indios con el nombre de balugas",
ebenso spricht Cavada (I, 164) von Balugas  Atas. Die Malaiinnen
Luzons haben einen Abscheu vor den Negritos und gehen trotz ihrer
starken Sinnlichkeit keine geschlechtlichen Verbindungen mit den
Mnnern der schwarzen Rasse ein, wie Fr. Gaspar de S. Augustin schon
bemerkt (die Visaya-Malaiinnen sollen nicht so heikel sein), es kann
daher jene Vermischung nur durch geraubte Malaiinnen Statt gefunden
haben oder durch Remontados, das heisst durch Malaien, welche eines
Verbrechens wegen oder um den Steuern zu entgehen in die Wlder
flohen und sich unter jenen Negritos niederliessen, was aber nicht
gut mglich ist, da die Negritos gegen diese Exchristen ein starkes
Misstrauen hegen. Es ist also nur der erste Fall der wahrscheinlichere.

Fray Antonio Mozo berschreibt das VIII. Cap. seines Werkes mit:
"Missiones de Balugas  Atas", er will also Balugas mit Negritos
identificiren, wie auch aus dem Inhalt des ganzen Capitels erhellt. Was
er von dem Leben und Treiben der Balugas erzhlt, ist eben so gut auf
die heutigen Negritos anwendbar. Die Balugas von Pangasinn, welche
Professor Semper sah, mssen also erst seit der Mitte des vorigen
Jahrhunderts mit malaiischem Blute sich gemengt haben, und man wird
vorsichtig mit dem Namen Baluga umgehen mssen, nachdem, wie wir
soeben gesehen, auch Vollblut-Negritos so genannt wurden und werden.

Noch sei zum Schlusse bemerkt, dass es eine Zeit gab, wo man zweifelte,
ob die Negritos sich im Besitze eines eigenen Idioms befnden. Diess
kam daher, weil die Negritos im Verkehre mit Spaniern und Indiern sich
der Sprache ihrer malaiischen Nachbarn bedienen. Durch die grndlichen
Untersuchungen der Herrn Dr. A. B. Meyer, Dr. v. Miklucho-Maclay
und Dr. A. Schadenberg ist sichergestellt, dass die Negritos sich
im Besitze einer eigenen Sprache befinden, welche freilich von den
malaiischen Nachbar-Dialekten nicht unbeeinflusst geblieben ist.







II. MALAIEN.


1. Tagalen.

Der bedeutendste Zweig der malaiischen Rasse auf den Philippinen
wird von den Tagalen (Tagales) gebildet. Die Tagalen bewohnen den
centralen Theil Luzons. Die Provinzen und Districte: Manila, Laguna,
Cavite, Batangas, Bulacn, Morong, Infanta, Tayabas, Batan und die
Corregidor-Insel werden beinahe ausschliesslich von ihnen bewohnt,
nur in Manila bilden Weisse, Chinesen und die Mischlinge dieser Rassen
einen erheblichen Bruchtheil der Bevlkerung, wie die officiellen
Censuslisten aufweisen. berdiess wohnen sie in nicht unbedeutender
Strke in der Provinz Zambales, ferner in den Provinzen Prncipe,
Isabela und Nueva cija. An der Nordostkste Luzons ist der nrdlichste
von ihnen bewohnte Punkt Paranan (Semper, Erdk. X, 258). In der
Provinz Camarnes Norte reichen sie von Nordwesten her bis zu dem
durch seine reichen Goldminen bekannten Orte Paracli, wo bereits
mehr Tagalisch als Vicol gesprochen wird (Jagor, Phil., 149). Hier hat
also das Tagalog seit den Tagen der Conquista bedeutende Fortschritte
gemacht, denn in der Zeit des Don Juan de Salcedo waren jene Gegenden
von Camarnes Norte ausschliesslich mit Vicols besiedelt. Die grosse
Insel Mindoro wurde im XVII. Jahrhunderte nur an den Nordksten von
Tagalen bewohnt (Allg. Hist. XI, 406), heute herrscht auf der ganzen
Insel, so weit sie Spanien unterworfen ist, d. h. an den Ksten,
die tagalische Sprache. Die Insel Marinduque war bei der Ankunft der
Spanier von Visayern bewohnt, welche unter tagalischen Huptlingen
lebten, die Zahl der Tagalen war gering, auch hier bewhrte sich die
tagalische Sprache als Siegerin, sie ist heute die herrschende, wie die
Censuslisten aufweisen. Auf der Ostkste Luzons wird die Insel Polillo
gleichfalls von ihnen bewohnt. Verstreut, aber nur in geringer Anzahl,
sind sie in allen Theilen der Philippinen zu finden, selbst ausserhalb
des Archipels, so fand Jagor auch welche in Singapore (Jagor, Skizzen
35). In Zamboanga auf Mindanao, ferner auf den Marianen bilden Tagalen
und deren Mischlinge einen erheblichen Theil der Bevlkerung (Buzeta I,
66). Ebenso giebt es tagalische Niederlassungen seit 1848 im Meerbusen
von Davao auf Mindanao (Cavada II, 224).

Die Tagalen zeigen eine grssere Verschiedenheit vom malaiischen Typus
als die Visayas (Bastian, Reisen V, 273). Ihre Hautfarbe ist brunlich
mit einem gelblichen Tone, in Manila durch Kreuzung mit Europern und
Chinesen etwas heller als in den anderen Provinzen. Der Krper ist gut
gewachsen, die Gliedmaassen sehr zart. Der Kopf ist rund, hinten platt,
die Nase ist etwas plattgedrckt und mit breiten Flgeln versehen,
der Mund ist gross, die Lippen ziemlich dick. Die Backenknochen
treten stark hervor, die Stirne ist niedrig. Die Augen sind gross
und dunkel, nach Mallat lebhaft, nach Caamaque das Gegentheil. Einen
eigenthmlichen Eindruck machten auf mich stets die zwei Hautfalten,
welche von den Nasenflgeln sich zu den Mundwinkeln hinziehen und die
man auf Abbildungen und Photographien selbst jugendlicher Personen
schrfer hervortreten sieht, als diess bei Europern desselben Alters
der Fall ist. Dieser Umstand ist noch von Niemandem bemerkt worden. Der
Haarwuchs ist ein ungemein ppiger, das Haar schwarz, aber grob.

Die Beweglichkeit ihrer Zehen ist eine auffallende, sie sind im
Stande die Fsse zur Untersttzung ihrer Hnde herbeizuziehen,
mit Leichtigkeit erfassen sie die kleinsten Gegenstnde mit den
Zehen und heben sie vom Boden auf, um sich die Mhe des Bckens zu
ersparen; beim Klettern kommt ihnen besonders diese Eigenschaft zu
gute (Ilustr. 1858, n. 7, p. 53). Wir haben bereits oben hnliches
bei den Negritos gefunden. Die grosse Zehe ist auch von den brigen
durch einen grsseren Zwischenraum getrennt (Buzeta I, 59).

Nicht minder ausserordentlich ist ihr Geruchssinn. Selbst in einer
grsseren Gesellschaft erkennen sie an dem Geruche der Taschentcher
deren Besitzer (Jagor, Skizzen 39). Es giebt Diener, welche durch
Beriechen unter einem Dutzend fremder, frischgewaschener Hemden
das Eigenthum ihres Herrn sofort herausfinden. Liebende tauschen
Kleidungsstcke &c. aus, um sich am Beriechen derselben zu erfreuen,
ist der fremde "Duft" durch den eigenen verdrngt, findet neuer
Austausch Statt. Nach Mas (pobl. 87), dem ich auch das Obige entnehme,
sollen die Weiber durch ihren Geruchssinn es erkennen, ob ein in
ihrer Nhe befindlicher Mann geschlechtlich erregt ist oder nicht (?).

Die Tagalen siedeln sich stets unmittelbar an einem grsseren Wasser
an, sei es ein Fluss, ein Bach, ein See oder das Meer selbst, ihr
Name selbst soll soviel wie Flussbewohner bedeuten, die Ebene und das
Thal sind ihre Heimath, die steilen Hnge, die Gebirgsgelnde meiden
sie nach Thunlichkeit. In den Zeiten ihrer Unabhngigkeit waren ihre
Niederlassungen klein und zersplittert, die Spanier aber zwangen sie,
sich in grssere Ortschaften zusammenzusiedeln, welche Pueblos (wenn
sie eine autonome Gemeinde bilden) oder Barrios heissen. Es gehrte
viel dazu, die zum isolirten Vegetiren sich hinneigenden Tagalen zu
dieser Concentration zu bringen, zum Glck begegneten sich da die
Absichten der Regierung mit den Interessen der Geistlichkeit und des
durch kluge Concessionen gewonnenen eingeborenen Adels.

Die Htten der Tagalen stehen auf Pfhlen; der von den Pfhlen
eingeschlossene Raum wird durch Bambuslatten abgesperrt (Jagor,
Phil. 20), in denselben werfen die Tagalen durch die Spalten des Bodens
der Htte den Kehricht herunter (Semper, Skizzen 50). Die Htten
selbst sind aus Rohr, bei Reicheren aus Brettern und Balken erbaut,
meist besteht jedoch nur das Gerste aus diesem Material, die Wnde
werden dann aus Pandanusblttern verfertigt. Die Fenster haben Lden
aus Fcherpalmblttern oder Bambusrohr. Selten fehlt die Azotea oder
Batalan, eine Art Galerie oder Veranda. Das Dach wird mit Blttern der
Nipapalme gedeckt, welche oft zu frmlichen Ziegeln geformt sind. Es
giebt Htten, welche sammt dem Mobiliar zwei Centner wiegen (Jagor,
Phil. 20). Beim Baue wird zuerst das Dach, dann erst die Htte selbst
hergestellt (Jagor, Phil. 46; Scheidnagel 54). Der Aufstieg geschieht
auf einer Leiter oder einem eingekerbten Bambus, bei Nacht wird die
Htte durch Aufziehen der Leiter unnahbar. Die Htten haben nur ein
Stockwerk, dessen Fussboden ungefhr einen Meter ber der Erde erhaben
ist (Scheidnagel 54). Vornehme Indier, die Principales oder Glieder der
Dorf-Aristokratie, haben bessere zum Theil aus Stein erbaute Huser,
welche mitunter ein mit Zink gedecktes Dach besitzen (Scheidnagel
l. c.). Das Mobiliar besteht bei der Mehrzahl der Tagalen nur aus dem
Kochgeschirr und Matten. Jagor fand die stattlichsten Tagalenhuser in
der Provinz Bulacn, in denselben fehlten weder Sthle, noch Tische,
Bnke, Schrnke, selbst Spiegel und Lithographien waren vorhanden
(Jagor, Phil. 48).

In den Provinzen laufen die Kinder ganz nackt herum oder tragen nur
das philippinische Hemd, die Camisa, d. h. eine Jacke, welche nicht
einmal den Nabel bedeckt. Selbst grssere Burschen begngen sich
mit dem Tapa-Rabo, einem Baumwollstoffe, welcher zwischen die Beine
geschlagen und am Grtel festgemacht wird (Vila 7). Die Tracht der
erwachsenen Mnner ist sehr einfach, sie besteht aus der erwhnten
Camisa und Beinkleidern, nur pflegt hier das Hemd meist so lang wie das
der Europer zu sein, was aber um so unanstndiger erscheint, indem
das Hemd ber den Hosen getragen wird. Die Hemden der Vornehmen sind
oft reich gestickt oder wenigstens mit rothen Knpfen versehen. Reiche
Leute tragen Perlen oder Brillanten als Knpfe (Scheidnagel 60). Die
Mitglieder des eingeborenen Adels tragen ber dem Hemde eine schwarze
Tuchjacke, doch ist diess nicht ihr ausschliessliches Privileg, wie
in einigen Werken zu lesen ist. Lcherlich nehmen sich die Kutscher
europischer Herren aus: Das Hemd ber den Hosen, eine gallonirte
Jacke, Gamaschen und Cylinderhut! Die Fsse tragen sie meist nackt,
selbst die eingeborenen Truppen der Spanier tragen Schuhe nur zur
Parade, und in der Stadt, bei Mrschen und im Felde gehen sie barfuss,
sonst wrden sie bald marschunfhig werden. Die Vornehmen tragen
mitunter selbst Lackschuhe (Scheidnagel 60).

Auf dem Kopfe tragen sie einen grossen Hut, den Salacot oder
Salac. Dieser hat die Form eines Kugelsegments und ist sehr hufig
mit einer Spitze versehen, welche aus Silber oder gar aus Gold
besteht (Scheidnagel, l. c.). Das Material sind Palmenbltter, Stroh
&c. Vornehme tragen gern Hte europischer Faon, ja mit Vorliebe
Cylinder.

rmere Frauen tragen nur die kurze Camisa und dann die Saya. Letztere
ist ein Frauenrock, der von der Hfte bis zu den Kncheln reicht, oft
aber auch die Waden ganz unbedeckt lsst. Bei der Krze der Camisa
bleibt hufig ein Streifen nackten Leibes den Blicken der Mnner
ausgesetzt. Reichere tragen noch den Tpis, dieser besteht aus einem
Zeuge, welches um den oberen Theil der Saya herumgewunden wird. Sie
wissen den Tpis in einen schnen Faltenwurf zu bringen. Man liebt
besonders gestreifte Stoffe, am berhmtesten sind die Tpisstoffe,
welche in Balvag (Provinz Bulacn) fabricirt werden, sie sind
dunkelbraun und weiss gestreift. Die Stoffe zu diesen Kleidern werden
aus Baumwolle, Abac oder Seide verfertigt. Das Haar tragen die Weiber
aufgelst oder in einem durch einen Kamm zusammengehaltenen Knoten
("pusod") geknpft. Zum Schmucke der Haare dienen Blumen. Geschmeide
wird gleichfalls getragen, doch ist es meist europischen oder
chinesischen Ursprunges oder doch fremden Mustern entlehnt. Die
Fsse stecken bei allen Bemittelten in eigenthmlichen Pantoffeln,
den sogenannten Chinelas, deren Oberdecke so kurz ist, dass sie kaum
die Zehen bedeckt.

Die Tagalen leben vom Fischfang und Ackerbau. Der Reis ist ihre
Hauptnahrung, deshalb wird er auch am meisten gebaut. Auf einer
Ausstellung zu Manila wurden 60 angeblich verschiedene Reisgattungen
ausgestellt, welche smmtlich in den Philippinen gebaut werden (Jagor,
Skizzen 37). Dem Reisbau wenden sie auch die grsste Sorgfalt zu,
obwohl sie nicht viel mehr zu bauen pflegen, als sie selbst zum
Unterhalte brauchen. Wo die cker an Waldwildnisse grenzen, werden sie
durch lebendige Hecken aus einer sehr stacheligen Bambusart geschtzt
(Semper, Skizzen 135). Die Ackergerthe sind sehr plump und meist
aus Bambus zusammengesetzt. Den Pflug zieht der Carabao-Bffel,
von dem ich noch weiter unten sprechen will. Reis ist ihre tgliche
Nahrung, und man sieht die Weiber stets damit beschftigt, den noch
in der Hlle steckenden Reis--"play" genannt--durch Stossen in einem
Holzmrser--lusong--zu enthlsen. Diejenige Speise, welche bei ihnen
nicht nur die Stelle unseres Brotes vertritt, sondern fr viele die
ausschliessliche Nahrung ist, besteht nur aus in Wasser gekochtem, oft
ungesalzenem Reis, der Name derselben ist: Morisqueta oder Canin. Auch
ihre Leckereien und Delicatessen bestehen meistentheils aus Reis,
so die Bibinca (gekochter Reis mit Cocosmilch) &c. Aus Reis wird
auch ein Branntwein gebrannt. Die Vorliebe fr den Reis ist so gross,
dass selbst der Chocolade gersteter Reis zugesetzt wird.

Nchst dem Reis werden noch Camte und Mais gebaut. Camte (Convulvulus
batatas) wuchert beinahe ohne jede Pflege, sie ist "eine unversiegbare
Vorrathskammer fr den Besitzer, der das ganze Jahr hindurch seinen
Bedarf dem Felde entnehmen kann" (Jagor 122). Von Nahrungspflanzen fr
heimischen Bedarf werden noch Gabi (Caladium), Ubi (Dioscorea) und zwei
Arumarten cultivirt. Der Cacaobaum wird zwar gepflanzt, liefert aber
bei der Indolenz der Eingeborenen und der Empfindlichkeit des Baumes
einen schlechten Ertrag. Der Caffeebau, fr den Export bestimmt,
nimmt immer mehr zu, Zuckerrohr wird von den Tagalen nicht in der
Menge gebaut, wie von den Visayern. Die Fruchtbume des ostindischen
Archipels werden auch von den Tagalen gezogen, ich gebe hier die
wichtigsten nach der "Ilustracion filipina" (1859, n. 12, p. 99)
mit den tagalischen Namen an: Manga (Mangifera indica), Saguing
(Musa paradisiaca) von den Spaniern "pltano" genannt, Atte (Annona
squamosa), Sapote (Sapote nigra), Tampoy (Eugenia Malaccensis),
Pia (Bromelia ananas), Mangostan (Garciana mangostana), Sag
(Sagus Rumphii). Die Cocospalme ist nchst der Musa paradisiaca
der wichtigste Fruchtbaum. Sie wird in grossen Wldern oder Hainen
(Cocales) gepflanzt, bekannt sind die Cocoteros von Pagsanjan, die
Cocosnsse werden von dort in haushohen Pyramiden ber die Laguna
de Bay und den Pasig nach Manila gerudert: "diese Massen haben keine
weitere Unterlage als die Cocosnsse selbst, deren unterste Schicht
mit Stricken zusammengebunden ist" (Hgel 236). Aus der Milch der
Cocosnuss bereiten sie verschiedene ssse Speisen und Bckereien,
insbesondere die Speise Macapumi (Scheidnagel 75), diese Palme liefert
ihnen den so beliebten Tuba-Wein, und das Cocosl dient zum allgemeinen
Leuchtmaterial, sowie zur Pomade. Aus dem Zuckerstoffe der Buripalme
bereiten sie die Zuckerspeise Chancaca, desgleichen aus Pilikrnern [8]
(Scheidnagel, l. c.). An den Flusslufen wird Nipa littoralis gezogen,
von welcher auch Branntwein gewonnen wird. Von Nutzpflanzen werden
von den Tagalen Baumwolle, Indigo und Abac (Manilahanf) gebaut. Der
Tabak wurde vor der Einfhrung des Monopols von den Tagalen fleissig
gepflanzt, jetzt (seit 1781) ist sein Anbau auf bestimmte Provinzen
beschrnkt. Von den erwhnten Pflanzen sind folgende erst durch die
Spanier eingefhrt worden: Indigo(?), Tabak, Mais, Caffee, Cacao
und Camte.

Die Hausthiere der Tagalen vor Ankunft der Spanier bestanden nur aus
dem Carabao-Bffel, dem Schweine, Hunde und Geflgel, unter letzterem
besonders Hhner und Enten. Erst die Spanier brachten Rind, Pferd,
Schaf und Esel, doch haben diese beiden letzteren Thiergattungen sich
in diesem Lande nicht bewhrt und werden demgemss auch nicht mehr oder
nur hie und da gezchtet. Der Carabao dient nicht nur als Zugthier, er
wird auch zum Reiten benutzt (Caamaque, Recuerdos I, 152). Das Schwein
galt bei den Tagalen der Conquista als ein usserst wichtiges Thier,
wesshalb es bei Opferfesten stets als Schlachtopfer diente, bei vielen
religisen Ceremonien war wenigstens Schweineblut erforderlich. Auch
heute noch bildet Schweinefleisch eine Lieblingskost der Tagalen,
doch pflegen sie gar keine Sorgfalt auf diese Thiere zu verwenden,
welche sich meist nur von menschlichen Excrementen nhren (Jagor,
Phil. 124). Vom Rinde kommen zwei Gattungen vor, die spanische,
im XVI. Jahrhunderte ber Neuspanien eingefhrt und der indische
Zebu (Scheidnagel 104), der erst in neuerer Zeit eingefhrt worden
sein muss, da ltere Werke hierber gar Nichts erwhnen. Beide
Rindergattungen werden hauptschlich des Fleisches wegen gezogen,
zur Arbeit gebraucht man nur den Bffel. Ziegen sind sehr selten
(Scheidnagel 105), ebenso wie Schafe. Die Pferderasse ist ein kleiner
Schlag, gemischt aus andalusischem, chinesischem und japanischem Blute
(Jagor 123 und 315, nach Morga fol. 130 und 161).

Von Geflgel werden hauptschlich Hhner und Enten gehalten,
erstere nicht blos des Fleisches oder der Eier wegen, sondern, wie
ich es weiter unten ausfhrlicher besprechen werde, um die Hhne
zum Kampfsport aufzuziehen. Die Entenzucht der Tagalen hat auf den
Philippinen einen weiten Ruf, insbesondere sind es die Ortschaften am
Pasig und der Laguna de Bay, deren Bewohner sich mit der Entenzucht
im grossartigsten Maassstabe befassen, besonders Pateros erfreut
sich einer grossen Berhmtheit, und zwar werden die Eier knstlich
ausgebrtet. Die Ilustracion filipina (1860, n. 4, p. 38) berichtet
darber folgendes: Das Weib--mit dieser "Industrie" befassen sich nur
die Weiber--richtet 1000-1500 Enteneier zu, dann schlgt sie Play
(Reis in der Hlse) in ein rohes Gewebe ("tigb") und macht diesen
Haufen entweder durch ein Feuer oder die Glut der Sonnenstrahlen
warm. Darauf wird ein grosser Korb genommen und in diesem eine Schicht
des gewrmten Play's ausgebreitet, darauf folgt eine Schicht Eier und
so abwechselnd fort, bis die oberste Schicht wieder von Play gebildet
wird. Diese Operation wird durch mehr als zwei Wochen tglich zwei Mal
ausgefhrt, hierauf werden die Eier in einen Trog, der mit Reishlsen
gefllt ist, gelegt und mit Zeug bedeckt, um ein Ausstrahlen der
Wrme zu verhindern, andererseits wird wieder gelftet, um die nthige
gleichmssige Temperatur zu erhalten. 12 oder 14 Tage nachher kriegen
die jungen Enten aus den Eiern hervor, 800-1000 an der Zahl. Sie
werden sofort in eingezunte Wasserpltze gebracht. "Vor jeder Htte
befindet sich gegen den Fluss (Pasig) zu ein grosser eingezunter
Platz, wo diese Thiere sich sonnen und nach Belieben im Wasser baden
knnen. Der vom Fluss besplte Boden des kleinen Geflgelhofes wird
jeden Morgen mit Sorgfalt gereinigt, umgegraben und tglich von Neuem
mit einer grossen Menge von Schalthieren angefllt, welche den Enten
zum Futter dienen und von den Eingeborenen in kleinen Canos aus
dem See (Laguna de Bay) geholt werden, wo dieselben zu Milliarden
im Schlamm leben. In Pateros werden jhrlich Millionen von Enten
als Handelsartikel gezogen, indem die Tagalen, gleich den Chinesen,
halbausgebrtete Eier und Kchlein fr besondere Leckerbissen halten"
(Scherzer, Novara-Reise I, 602). Gnse wurden von den Spaniern aus
China importirt (Jagor, l. c.).

Nchst dem Reis und der Camte bilden Fische die Hauptnahrung der
Tagalen. Die Hauptbeute liefert der Dalag-Fisch (Ophicephalus vagus,
Peters). "Wenn in der Drre die Bche zu einer unzusammenhngenden
Kette von Tmpeln einschrumpfen, dann beginnt der Dalag-Fang. Der
Dalag grbt sich im Schlamme weiter fort, deshalb werden zunchst
flussabwrts in den Schlamm engmaschige Bambusgitter gesteckt,
um ein Entweichen des Fisches zu verhindern, darauf wird das
Wasser aus den Lachen herausgeschpft und die Fische ausgegraben"
(Jagor, Phil. 47). In der nassen Zeit sind sie auch so hufig in
allen Grben und Reisfeldern zu finden, "dass sie mit Knitteln
todtgeschlagen werden" (Jagor, l. c.). In Flssen und Bchen werden
die Fische dadurch gefangen, dass man die betubende Frucht des
Tuba-Tuba-Baumes in das Wasser wirft oder in der Nacht sie durch
Fackeln, besonders die Aale, in den Handbereich lockt (Scheidnagel
151). Die Strandbewohner des Meeres und der Binnen-Seen fangen die
Fische auf hnliche Weise und durch Harpunirung (Semper, Skizzen 31),
oder sie fangen sie durch besonders construirte Netze und Fangapparate,
welche die Kstenschifffahrt behindern. Die Netze beruhen auf einem
Hebelapparate, der auf einem grossen von Bambusrohr gebauten Floss
steht (Semper, Skizzen 111). Die kleinen Fische werden meist an
der Sonne getrocknet oder gesalzen (Scheidnagel 60), sie bilden die
picante Zukost zum faden Reis.

Der Jagd verdanken sie den geringsten Theil ihrer Nahrung. Der wilde
Carabao wird zu Pferde, welche zu diesem Zwecke besonders abgerichtet
sind, und mit der Lanze gejagt (Nheres: Ilustr. 1859, n. 10, p. 78)
oder man lockt ihn durch eine zahme Carabao-Kuh heran und haut ihm
dann in seiner blinden Liebesbrunst die Sehnen mit dem scharfen
Campilan entzwei (l. c.). Gefangen wird er mit dem Lazo. Hirsche und
Wildschweine kommen hufig vor. Wildenten werden gejagt, indem der
Tagale den Kopf sich mit Zweigen bedeckt und schwimmend oder watend
sich den Enten nhert und eine nach der anderen unter das Wasser zieht
(Scheidnagel 150). Der fliegende Hund wird seines wohlschmeckenden
Fleisches wegen gleichfalls verfolgt (Jagor, Skizzen 217). Heuschrecken
werden in irdenen Pfannen gerstet, jedoch nur die Kpfe und Rcken
gegessen (Jagor, Phil. 219). Trotz ihres hochentwickelten Geruchssinnes
essen die Indier gern faules Fleisch (Jagor, Skizzen 39). Der Tagale
isst drei Mal des Tags, um 7 Uhr Morgens, 12 Uhr Mittags und um 7 oder
8 Uhr Abends. Alle Speisen sind stark mit spanischem Pfeffer gewrzt
(Jagor, Phil. 126).

Die Waffen der Tagalen in der Zeit der Conquista bildeten Lanze,
Schild und Campilan (sbelartiges Waldmesser), alles noch heute
vorhanden. Bogen und Pfeile sind noch heute im Gebrauche (Meyer,
Negr.). Zahlreich sind ihre verschiedenen Schiffsgattungen. Da ist
die Fala oder Lorcha, ein grosses, bequemes, aber schwerflliges
Ruderschiff, das Pontin, ein Zweimaster mit Mastensegeln von etwa 100
Tonnen Gehalt. Am hufigsten ist am Pasig der Casco, ein Zweimaster
ohne Deck, jedoch mit Strohmatten berdacht, lngs der Bordseiten luft
ein Trittbret, auf welchem die Schiffsleute sich bewegen, wenn sie mit
ihren langen Stangen das Fahrzeug vorwrts stossen. Der Casco fhrt
einen Holzanker und ist am Vordertheile meist weiss und roth bemalt
(Ilustr. 1860, n. 5, p. 49). Barotos sind kleine Handelsschiffe. Die
Bancas sind Khne mit einem Schutzdache, sie werden mit Rohrstangen
vorwrts bewegt. Die tagalischen Fischerboote in der Bai von Manila
haben smmtlich Auslieger (Hgel 95). In den Zeiten der Conquista
besassen noch die Tagalen niedrige, leichte Schiffe ohne Verdeck mit
Ausliegern, Barangay oder Balangay genannt. Die Barangayes besassen
ein bis zwei Maste, konnten aber auch durch Ruder fortgetrieben werden,
ber den Ruderbnken befand sich eine Galerie aus Bambus, auf welcher
die Krieger standen (Jagor 311, Morga fol. 128, Morga-Stanley 297).

Als die Spanier mit den Tagalen zum ersten Male in Berhrung kamen,
fanden sie bei ihnen bereits den Islam vor, der erst kurz vorher von
Borneo aus importirt worden war; aber, obwohl berall unter den Tagalen
verbreitet, waren in den Binnendistricten es nur die Huptlinge,
die den neuen Glauben angenommen hatten (Morga-Stanley 307 f.). In
einem Berichte, den der Viceknig von Neuspanien, Dr. Martin Enriquez,
an Philipp II. am 5. December 1573 von Mjico aus richtet, bemerkt
er ber die Luzon, dass der Islam seinen Bewohnern aufgezwungen
wre und noch keine festen Wurzeln gefasst htte, "weil viele von
ihnen Wein trinken und Schweinefleisch essen" (Cartas de Indias,
fol. 291). In der That hing noch der grsste Theil der Tagalen fest
an seinem alten heidnischen Glauben, und als dann das Christenthum
ihre Religion wurde, blieben noch die meisten religisen Anschauungen
ihres Heidenthums bei ihnen wach und sind es auch bis zum heutigen
Tage, alle Bemhungen der Mnche vermochten nicht die nunmehr zum
Aberglauben gestempelten altreligisen Bruche auszurotten.

Ihre alte Religion enthielt den Glauben an einen Weltschpfer und
Hauptgott, der im Himmel throne, berdiess noch an eine grosse Zahl
von bsen und guten Dmonen, neben dieser Mythologie besassen sie noch
den Ahnencultus, indem die Seelen der als Grossvter verstorbenen, die
Anitos oder Nonos, zu Hausgttern oder Schutzgottheiten gewisser Pltze
werden. Sie besassen auch Priester (Catalonanes) und Priesterinnen
(Catalonas), welche von ihrem Hohenpriester, dem "Sonat", zu ihrem
Amte geweiht wurden.

Noch heute existirt die heilige Scheu vor den Seelen der Verschiedenen,
den Nonos, ich werde bei Gelegenheit der Todtenbestattungen noch
darauf zurckkommen. Freilich in Manila und dort, wo die Spanier
zahlreicher wohnen, treten diese Erscheinungen nicht so grell zu
Tage. Aberglubische Indier pflegen (wohl nur Abends) etwas Speise
am Tische liegen zu lassen, damit die Geister der Verstorbenen sich
sttigen knnen (Mas, pobl. 94). In vielen Drfern besteht noch der
Brauch "Pasing-tabi sa Nono", d. h. die Tagalen bitten die Seelen ihrer
verschiedenen Ahnen, sie mgen die Arbeit oder das Werk, womit sie
sich gerade beschftigen wollen, zu einem guten Ende fhren (El Indio
viejo von F. de P. Martinez in Ilustracion 1859, n. 7, p. 54). Grosse
stattliche Bume, charakteristisch geformte Berge gelten ihnen als
Wohnsitze der Nonos oder Anitos. Niemand geht vorbei, ohne zu rufen:
"mit Deiner Erlaubniss", sonst wrde ihnen der Nono schweres Unheil
oder Krankheit senden. Wenn sie einen Baum (Waldbaum?) fllen mssen,
so bitten sie den Nono um Entschuldigung und rufen unter anderem:
der Padre (Pfarrer) hat es befohlen, es ist nicht unsere Schuld und
auch nicht unser Wille (Mas, pobl. 90). Die alten Gtter und Dmonen
Tigbalang, Patianac, Sava &c. leben in ihrem Glauben noch heute, nur
sind sie zum Range von Gespenstern heruntergesunken (Mas, l. c.). Sie
glauben auch an eine Art Wnschelruthe, den "Antinantin", welcher ihnen
Reichthmer und Glckseligkeit verschaffen soll (Mas, pobl. 91). Einen
eigenthmlichen Aberglauben hegen sie Schlafenden gegenber; es gilt
fr die schwerste Beleidigung, ber einen Schlafenden hinwegzuschreiten
oder ihn pltzlich und schroff aus dem Schlafe zu wecken (Jagor,
Phil. 132). Mas fhrt diese Sitte auf die Furcht der Indier zurck,
im Schlafe zu sterben (Mas, pobl. 77).

usserlich [9] hngen sie fest an dem katholischen Glauben. Das
Tragen von Scapulieren, Rosenkrnzen, Reliquien und Heiligenbildern
ist allgemein (Mas, pobl. 100). Baron Hgel sah 1834 bei den Tagalen
an der Laguna de Bay, dass sie am Boden des Salac ein Heiligenbild
oder Amulet trugen, von welchem sie glaubten, dass es sie schtze. Sie
beteten zu ihm, indem sie den Hut abnahmen und auf das Bild starrten;
sah irgend ein Anderer in den Hut und erblickte er das Bild, so war die
Zauberkraft desselben vollstndig erloschen (Hgel 207). Festlichen
Gottesdienst, Processionen und Kirchenfeste machen sie sehr gern mit
(Scheidnagel 62), in Manila soll diess weniger der Fall sein als
auf dem Lande (Mas, pobl. 103). Die Beichte ist bei allen dieselbe,
sie haben stets nur drei Snden: am Fasttage Fleisch gegessen,
am Sonntage die Messe versumt und eitel geschworen zu haben (Mas,
l. c.). Sie erzhlen gern von Visionen, die sie gehabt htten (Mas,
pobl. 95), noch zu Anfang dieses Jahrhunderts war der Glaube an
Hexen weit verbreitet (Mas, pobl. 122). Die tagalischen Maler malen
gewhnlich die Christus- und Heiligenbilder nach Modellen ihrer eigenen
Rasse, diesen Heiligenbildern erweisen sie aber geringere Verehrung,
indem sie sagen, die Heiligen wren smmtlich Spanier gewesen (Mas,
pobl. 102). Um Diebe zu entdecken, bedienen sie sich verschiedenartiger
katholisch gefrbter Bruche: so, um nur einen herauszugreifen,
wird eine Kerze dem hl. Antonius von Padua angezndet, rings herum
knieen die Verdchtigen, neigt sich die Kerze oder Fackel gegen
einen derselben, so ist dieser der Schuldige (Mas, pobl. 93, nach
Fr. Tomas Ortiz, Prctica del Ministerio). Neben den Heiligenbildern
und Reliquien, welche meist von Weibern getragen werden, tragen
sie noch andere Amulete mit sich herum, welche aus Wurzeln, Rinden,
Fellstckchen, Knochen &c. bestehen, denen sie die Gewalt zuschreiben,
sie entweder in Gefahren zu schtzen oder Reichthmer und Liebesgenuss
zu verschaffen (l. c.). Der Glaube an Prophezeiungen und Unglckstage
ist gleichfalls verbreitet (l. c.).

Machen sich bei einer Frau die Geburtswehen fhlbar, dann trifft der
Gatte alle Anstalten, um dem Patianac und dem Usuang entgegenzutreten,
beides sind bse Dmonen. Der Patianac sucht die Geburt unmglich
zu machen und ebenso wie der Usuang die neugeborenen Kinder zu
tdten (Mas, pobl. 92). Man schreibt dem Vogel Tictic es zu, dass er
diesen beiden Unholden durch seinen Gesang jene Orte anzeige, wo eine
Kreisende sich befinde. Um nun diese bsen Geister abzuhalten, steigt
der Gatte der Wchnerin ganz nackt [10] oder nur mit einem Schurze
bekleidet auf das Dach seiner Htte, bewaffnet mit dem Campilan, der
Lanze und womglich mit einem Schilde, um das Haus stellen sich seine
Freunde auf und nun haut und sticht er wthend in der Luft herum,
damit die beiden Unholde nicht in die Htte eindringen knnen (Mas,
pobl. 123). Oft suchen sie den Patianac dadurch irre zu fhren, dass
sie die Kreisende schnell in eine andere Htte bringen und so den
Unhold im Besitze des leeren Hauses lassen (Fr. Tomas Ortiz in Mas,
pobl. 92).

Im Wochenzimmer selbst werden alle Thren und Fenster fest verschlossen
(Jagor, Phil. 130), um dem Patianac das Eindringen unmglich zu
machen. In der Stube selbst sammeln sich die Verwandten und erfllen
die ohnehin stinkige Luft des Zimmers mit den Rauchwolken ihrer
Cigarren und Cigarritos. Hildebrand (Kossak, III, 32) sah, dass auch
die Kreisende in den Pausen ihrer Wehen sich die Zeit durch Rauchen
verkrzte. Sobald die Geburt Statt gefunden hat, pressen die anwesenden
Weiber mit aller Kraftanwendung von beiden Hften aus den Bauch
der Wchnerin zusammen, "um die inneren Organe wieder in den alten
Status zurckzubringen" (Mas, pobl. 88). Ist das Kind geboren, so ist
damit noch nicht alle Gefahr vor jenen beiden Unholden zu Ende, zwar
stellen der glckliche Vater und dessen Freunde das Luftgefecht ein,
aber um das Kind vor den Klauen jener Ungeheuer zu schtzen, werden
Rucherkerzchen angezndet (Mas, pobl. 85), bis die Taufe alle Gefahr
beseitigt. In entfernteren Provinzen soll von den Tagalen noch heimlich
die Beschneidung ausgebt werden, der Schnitt wird von oben bis unten
gefhrt (el corte se hace de arriba abajo); es ist diess nicht etwa
eine Erinnerung an den Islam, denn auch die heidnischen Stmme der
Philippinen bten zur Zeit der Conquista schon die Beschneidung (Mas,
domin. I, 21), doch scheinen die einwandernden Moslim aus Borneo die
Sitte nach Luzon gebracht zu haben (Morga-Stanley 308).

Hatte Jemand die Absicht, ein Mdchen zu heirathen, so war es
frher blich, dass der Brutigam drei bis vier Jahre bei seinem
zuknftigen Schwiegervater nicht nur Wohnung nahm, sondern auch
die schwierigsten Knechtsarbeiten verrichtete. Dann erst erhielt der
Ehestandscandidat die Ersehnte zur Frau, wobei seine Eltern die Htte,
Kleider &c. hergeben. Diese Sitte hat sich nicht mehr halten knnen, da
die Pfarrer gegen das Anstssige derselben mit allem Eifer arbeiteten;
wo sie noch hie und da erhalten ist, darf der Brutigam zum wenigsten
nicht in der Htte seiner Braut wohnen (Mas, pobl. 87). Will der
Tagale der Jetztzeit heirathen, so schenkt er seiner Auserwhlten
irgend eine werthvolle Sache oder Geld, welches ihre Eltern sich in
der Regel aneignen, letztere pflegen auf diese Gabe so erpicht zu
sein, dass sie ihre Tochter, selbst wenn sie geschwngert ist, lieber
ledig lassen, als dass sie auf jenes Geschenk verzichten wrden (Mas,
pobl. 88 u. 125).

Die Hochzeit wird mit einem festlichen Gelage ("Catapusan") gefeiert,
von diesem bringen sie einige Gerichte unter den von ihnen als Sitz
der Nonos verehrten Balete-Baum: es ist schon vorgekommen, dass sie bei
einer solchen Festlichkeit sich vom Pfarrer Weihrauch zu erschwindeln
wussten, um diesen dann unter dem heiligen Baume zu verbrennen (Mas,
pobl. 88). Bei der grossen Sinnlichkeit der Tagalen ist Ehebruch
nichts weniger als selten, er wird auch sehr gelinde gestraft, die
Frau wird gehrig durchgeprgelt, womit die Sache abgethan ist, dem
Verfhrer geschieht gar Nichts (Jagor, Phil. 129). Die Behandlung
der Frauen ist eine gute, die Mnner aber sind meist liederlich
(Jagor, l. c.). Sind die Gatten einander berdrssig geworden, so
verschwindet der unzufriedene Theil, oder sie gehen in grsster
Gemthsruhe auseinander (Caamaque, Recuerdos I, 136). Alt und
Jung, Weiber und Mnner schlafen bunt durch- und nebeneinander (Mas,
pobl. 124, nach Fr. Manuel Ortiz), bei ihrer Geilheit und Ungenirtheit
ist Incest nicht ausgeschlossen (Caamaque, Rec. I, 168 u. 174),
letzteren Vorwurf erhebt auch Renouard de St.-Croix (a. v. St.),
doch darf man nicht vergessen, dass sowohl St.-Croix wie Caamaque
gern grelle Farben auftragen.

Trotz der Bemhung der spanischen Mnche ist die Sittenlosigkeit eine
grosse und zwar nicht nur in Manila, sondern auch auf dem Lande. Auf
Jungfrulichkeit wird gar nicht gesehen, die Mdchen geben sich ohne
Weiteres jedem Liebhaber preis, nur wenige treten im jungfrulichen
Zustande zum Traualtar (Mas, pobl. 124), es rhrt diess noch aus
den Zeiten des Heidenthums her, wo der jungfruliche Stand in gar
keinem Ansehen stand. Der Coitus wird nach Caamaque (Recuerdos I,
174) angeblich ganz ungenirt auf offener Strasse vollzogen, derselbe
Autor beschuldigt (l. c.) selbst Kinder der Unzucht (?). Caamaque
(Recuerdos I, 43) spricht ihnen auch alles Schamgefhl ab: Mnner wie
Weiber, besonders in der Provinz, lassen sich splitternackt erblicken,
ohne die geringste Verlegenheit zu zeigen! Prostitution ist vorhanden
(Vila 10).

Diebsthle kommen unter ihnen hufig vor, am allerhufigsten
Spaniern gegenber, indem sie behaupten, alles, was jene besssen,
sei Landeseigenthum (Mas, pobl. 80). Zum Ruber- und Piratenleben sind
sie sehr geneigt, und diess hngt mit ihrer Neigung zum unabhngigen
Mssiggang zusammen. Der Tagale hat einen ausgesprochenen Hang, isolirt
zu leben, wren nicht die Pfarrer und die Dorfltesten (cabezas de
barangay) fr die Abgaben ihrer Untergebenen solidarisch haftbar, die
Stdte und Drfer wrden dann lngst sich in Familienniederlassungen
(Ranchos) aufgelst haben (Jagor, Phil. 106). Trotz der Wachsamkeit
dieser Behrden verlassen viele Tagalen ihre Drfer und flchten sich
in die undurchdringlichen Bergwildnisse, wo ihnen die Gendarmerie
Nichts anhaben kann. Diese Flchtlinge, welche ganz in die
Ungebundenheit der Wilden zurckfallen, heissen Remontados. Aus ihnen
und entlaufenen Verbrechern und eingeborenen Deserteuren recrutiren
sich die nicht seltenen Ruberbanden. Diese Ruber ("Tulisnes")
vereinigen sich oft zu grsseren Corps und ihre Verwegenheit ist
nicht gering; hat doch zu Anfang der sechziger Jahre eine Bande von
Tulisnes die Frechheit gehabt, einen Vorort Manila's anzugreifen,
bis das schnell herbeieilende Militr sie wieder hinauswarf (Jagor
181). 1866 wurden 50 Ruber aufgeknpft und 140 zur Zwangsarbeit
verurtheilt (Jagor 182, Note 101). Trotz der Unermdlichkeit der
Gendarmerie wuchert das Ruberunwesen fort, wenngleich nicht mehr in
so hohem Grade wie frher. 1876 fand Ritter v. Drasche (Fragmente,
54) im Nordwesten der Laguna de Bombon Ruberbanden, 1877 wurde
in der Prov. N. cija eine grosse Bande durch zwei Compagnien
Infanterie ausgehoben, dasselbe wiederholte sich 1880 (Scheidnagel
67). Im letzteren Jahre wurden die Banden des Antonio Sumicat und Juan
Martin zersprengt und ihre beiden Fhrer, welche sich zusammengefunden,
endlich erwischt und hingerichtet. Die beiden Kerle ritten auf Carabaos
(Diario 1880, Num. 165).

Das Betelkauen ist die Hauptleidenschaft des Tagalen. Die Betelportion
heisst Buyo. Der Buyo wird in verschiedenen Sorten fabricirt, deren
beste den Namen "buyo de castila", d. h. spanischer Buyo, oder Buyo der
Weissen fhrt (Ilustr. 1859, n. 8, p. 62). Die Areca heisst Bonga, der
Betel Icmo (l. c.). Mit dem Verkaufe befassen sich meist junge Mdchen,
die Buyeras, deren Kramlden von Verehrern ihrer Reize stets umschwrmt
werden. Alte Leute, denen die Zhne ausgefallen sind, zerstossen sich
den geliebten Buyo in kleinen Mrsern aus Bambusrohr, welche Calicot
oder Calicut heissen (Ilustr. 1859, n. 7, p. 53). Bei Festtafeln der
Tagalen wird auch Buyo prsentirt (Caamaque, Recuerdos I, 35). Der im
Munde zerkaute Buyo wird Sapa genannt, welchen Liebende mit einander
als Zrtlichkeitsbeweis austauschen (Caamaque, Recuerdos I, 150). Die
Tagalen hungern lieber, als dass sie auf den Buyo verzichten (Ilustr.,
l. c.).

Nchst dem Buyo und dem Tabak liebt der Tagale den Hahnenkampf ber
alles. Dr. Jagor erwhnt (Phil. 21), dass die Hahnenkmpfe erst von
den Spaniern und zwar von deren mejicanischen Soldaten eingefhrt
worden wren, nun ist aber der Hahnensport auch bei den brigen Malaien
verbreitet (Waitz V, 158), die Javaner lassen nicht nur Hhne, sondern
auch Wachteln mit einander kmpfen (Bastian, Reisen V, 215), auch auf
den Carolinen findet man diesen Sport (Waitz V, 2. Abth. 129), und
was am schlagendsten ist: die Spanier fanden bei der Entdeckung der
jetzt Marianen genannten Inseln diese Thierqulerei vor (Oviedo XX,
16). Es ist daher nicht so unwahrscheinlich, dass die Tagalen schon
vor Ankunft der Spanier mit diesem Sporte bekannt waren.

Fast jeder Tagale besitzt einen Kampfhahn, den er mit mehr Sorgfalt
behandelt als seine Kinder; das erste, was der Indier beim Erwachen
macht, ist, sich nach seinem Hahne umzusehen, das letzte, was er vor
dem Einschlafen thut, ist, das geliebte Thier zu liebkosen (Caamaque
Recu. a. v. St., Mas, pobl. a. v. St.). Keines ihrer Hausthiere wird so
gepflegt, wie dieses. Wenn der Indier arbeitet, so hat er seinen Hahn
in der Nhe angebunden, um in den (zahlreichen) Ruhepausen den Liebling
zu streicheln oder wenigstens an seinem Anblicke sich zu sttigen. Fr
einen guten Hahn zahlt ein Tagale oft 40 bis 70 Pesos (Caamaque,
Recu. II, 7), besitzt er den Hahn schon einige Zeit hindurch, dann
ist er ihm berhaupt nicht mehr feil. Sie tragen den Hahn unter dem
Arme auf ihren Spaziergngen, setzen ihn zeitweilig auf die Erde und
suchen ihn zum Kampfe dadurch zu ben, dass sie einen anderen Hahn in
die Nhe des ihren bringen und beide aufeinander loshacken lassen. Die
Leidenschaft fr den Hahnenkampf ist bei ihnen so tief gewurzelt, dass
es wohl kaum einen Indier giebt, der sich nicht einen Kampfhahn hlt,
"selbst wenn er Nichts zu essen hat, findet er Geld zum Hahnenkampf"
(Jagor, Phil. 127).

Der Hahnenkampf selbst darf nur in besonderen zu diesem Zwecke
erbauten Arenen Statt finden, indem dieser Sport seit 1779 mit einer
eigenen Steuer belegt ist, welche "Gallera" heisst. Zum Kampfe werden
die Hhne mit Stahlsporen versehen, welche aus alten Rasirmessern
verfertigt werden. In der Arena macht das Phlegma des Tagalen einer
leidenschaftlichen Erregung Platz, die Hhe der Wetten ist gesetzlich
auf das Maximum von 50 Pesos beschrnkt (Jagor, Phil. 22), sonst
wrden die Indier all' ihr Hab und Gut verspielen, was trotzdem nicht
selten geschieht.

Stiergefechte werden auf Luzon zwar auch gegeben, doch dienen diese
nur zur Belustigung der Spanier Manila's, die Tagalen haben bisher
diese nationale Sitte ihrer weissen Herren nicht acceptirt. Dagegen
hat sich das Billardspiel bei ihnen eingebrgert, das Billard der
Tagalen besteht oft nur aus "Pandanusmatten mit Banden von fnf
Rotan, spanischen Rhrchen" (Hgel 148), der Tisch ruht oft auf
steinernen Pfeilern. Gewhnlich treten an Stelle der elfenbeinernen
Kugeln solche aus hartem Holze (Ilustr. 1860, n. 10, p. 109). Auf
diesen Billards wird Carambol, Einunddreissig und Kegelpartie (mit
neun Kegeln) gespielt (l. c.). Auch Karten spielen sie mit grosser
Leidenschaftlichkeit, besonders "Einunddreissig", doch drfen sie nur
zu gewissen gesetzlich bestimmten Stunden spielen (Scheidnagel 58),
diess ist um so nothwendiger, als sie sonst ganze Nchte hindurch
dem Hasard frhnen wrden, wie es denn nicht selten geschehen
ist, dass Cabezas de barangay (Viertelmeister) den ganzen Tribut
(Kopfsteuer) ihres Viertels im Kartenspiele verloren haben (Mas,
pobl. 71). Unglckliche Spieler liefern ein nicht unerhebliches
Contingent zu den Remontados.

Sie kennen auch andere harmlosere Spiele, selbst solche, welche unseren
Pfnderspielen gleichen (Mas, pobl. 71). Von den Chinesen haben sie es
gelernt, Papierdrachen ohne Schweif in die Hhe steigen zu lassen, ein
Vergngen, das sich bei ihnen nicht allein auf die Kinder beschrnkt
(Scheidnagel 101).

Bei ihren Kirchenfesten fehlt das Pala-pala selten: Auf einem Gerste,
welches dem Traubengelnde des europischen Sdens gleicht, wird Laub
aufgehuft, dann buntfarbige Lampions darin aufgehngt, in deren Nhe
ganze Bschel von frischen oder getrockneten Frchten, Bckereien
und Zuckerwerk aufgehngt werden. Ist es Abend geworden, so werden
die Lampions angezndet und auf ein gegebenes Zeichen strzen die
Festtheilnehmer in die Pala-pala-Lauben, um sich die Leckereien
gegenseitig abzujagen. Manchmal ist das Pala-pala nur fr Kinder
hergerichtet, dem entsprechend ist das Gerste dann sehr niedrig
(Ilustr. 1860, n. 12, p. 143).

Grosse Vorliebe hegen die Tagalen fr das Theater. Man darf nicht
vergessen, dass sie ein eigenes Alphabet besassen, von welchem in Mas
(Informe), wie auch in der englischen bersetzung des Morga Proben
gegeben sind. Diese Vorliebe fr dramatische Spiele wurde bei der
Christianisirung der Tagalen von den Mnchen nicht angetastet, im
Gegentheile, letztere bten mit ihren Pfarrkindern Schauspiele in
spanischer wie tagalischer Sprache ein (Morga-Stanley 320). Es giebt
ein stndiges tagalisches Theater und zwar in Tondo, das sogenannte
"Teatro de Tondo" (Scheidnagel 19), doch die eigentlichen nationalen,
freilich schon christlich gefrbten Theatervorstellungen der Tagalen
muss man auf dem platten Lande suchen, wo dieselben bei Gelegenheit
von Kirchenfesten unter freiem Himmel gegeben werden. Die Dramen haben
die Kmpfe zwischen Christen und mohammedanischen Piraten--"Moros"
der Spanier--zum Gegenstande. Die Vorstellungen sind endlos, indem sie
sich oft 3 Tage und Nchte hindurchziehen, auf der Bhne treten oft
Hunderte von Personen auf, wobei zu bemerken ist, dass die Darsteller
keine professionsmssigen Schauspieler, sondern schlichte Landleute
sind. Die Darstellung eines Gefechts nimmt mindestens eine Stunde in
Anspruch und die Kmpfenden gerathen mitunter in eine solche Wuth,
dass es zu wirklichem Blutvergiessen kommt. Das oft aus 2000 Familien
bestehende Publicum nimmt an diesen Gefechtsscenen den lebhaftesten
Antheil, besonders an dem Schicksale der Christen, von allen Seiten
erschallen lebhafte Verwnschungen und Flche gegen die Darsteller
der Moros &c. Da diese tagelangen Vorstellungen ohne Unterbrechung
fortdauern und das Publicum sich nicht eher entfernt, als bis das Drama
mit dem Siege der Christen endet, so nehmen die Zuschauer Lebensmittel
mit, wer schlfrig wird, schlft ungenirt auf seinem Sitze ein. Bei
Nacht werden Fackeln angezndet (Caamaque, Recu. I, 60 u. f.).

Mitunter werden in den Landstdten von Spaniern Versuche gemacht,
spanische Theaterstcke von Tagalen auffhren zu lassen, doch
misslingen sie in der Regel, indem die Tagalen in dem fremden Stoffe
und der fremden Ideenwelt sich nicht auskennen und sich daher sehr
linkisch benehmen (Jagor, Phil. 84).

Auch die lyrische Poesie wird von den Tagalen gepflegt, es sind meist
Liebeslieder, welche in Begleitung von Musikinstrumenten gesungen
werden. In einem Liebeslied aus Tayabas heisst es: "Wenn mir mein
Brutchen sterben sollte, ich wrde mich ber ihren Grabhgel werfen,
damit nicht ihre Gebeine Klte leiden" (Oriente 1878, n. 11, p. 20
nach D. Juan Alvarez Guerra). Bei Festgelagen treten Improvisatoren
auf, welche bei Begleitung eines Blasinstrumentes vierzeilige Lieder
singen (Caamaque, Recuerdos I, 39).

Am beliebtesten sind zwlfsilbige Verse, die vierzeiligen Strophen
haben alle denselben Reim, wobei zu beachten ist, dass bei den Tagalen
der Reim lediglich aus dem letzten Buchstaben oder Laute des Verses
besteht (Mas, pobl. 115), diess gilt auch, wenn sie in spanischer
Sprache dichten, so sind z. B. die Worte: estrellas, cielos, veces,
nubes bei ihnen Reime, weil sie mit einem s endigen. Jedes lyrische
Gedicht muss von Musik begleitet werden (Mas, pobl. 116). Von
ihren Nationalmelodien--wenn ich mich so ausdrcken darf--ist
die bekannteste und beliebteste der Comintan, der zugleich ihre
Nationalhymne und ihr Nationaltanz ist. Der Comintan ist im 3/4 oder
6/8 Tact gesetzt (Hgel, 307), seine Weise wird ebenso beim Begrbniss
von Kindern gesungen, wie bei festlichen Gelegenheiten nach derselben
getanzt wird (l. c. 145). Wird der Comintan getanzt, so tritt nur
ein Paar auf, welches pantomimisch eine Liebeserklrung darstellt
"von dem Ausdrucke des einfachen Wohlgefallens bis zu der heftigsten
Leidenschaft" (Hgel, 307). Eine andere Art des Comintans besteht
darin, dass die tanzenden Personen krperliche Gebrechen nachahmen
(l. c.). Ein anderer Nationaltanz ist der Talindao, er "wird zu vier
Personen getanzt, die sich einzeln gegenberstehen, meistens ihren
Platz nicht verlassen und nur mit wenigen Bewegungen tanzen. Die Musik
ist hchst romantisch, ernst, und von Zeit zu Zeit fallen alle vier
Personen mit rauschendem Castagnettenschlage ein" (l. c.). Baron
Hgel sah bei einem Kirchenfeste im Orte Pasig einen Tanz, der
nicht wie die beiden erwhnten bereits spanische Einflsse offenbart,
sondern noch ein berbleibsel aus den Zeiten vor der Conquista zu sein
scheint. Die Tnzer waren Tagalen, welche in der Tracht und Bewaffnung,
wie sie vor Ankunft der Spanier blich war, einhergingen. Sie tanzten
unter grosser Bravour und Leidenschaftlichkeit eine Art Waffentanz
(Hgel, 186). brigens tanzen die Tagalen auch alle europischen und
specifisch-spanischen Tnze als Walzer, Polka, Bolero &c. Die Weiber
tanzen mit den Chinelas (Pantoffeln) an den Fssen.

Sie sind grosse Freunde der Musik, fast jedes Dorf hat seine Musikbande
(Caamaque, Recu. I, 50). Europische Musikstcke spielen sie recht
brav, insbesondere Mrsche (l. c. 35), und die Militrmusikcapellen
Manila's, deren Musikanten smmtlich Tagalen sind, werden von allen
europischen Besuchern belobt.

In frheren Zeiten schrieben die Tagalen smmtliche Krankheiten dem
Einflusse bsgesinnter Nonos zu, weshalb sie in Krankheitsfllen
denselben, unter den von ihnen bewohnten Bumen, Opfer darbrachten,
welche im Verbrennen einzelner Kruter und Deponirung von Speisen,
Getrnken, Tabaksblttern und Buyo bestanden (Mozo, a. v. St.). Auch
glaubten sie frher, dass mannigfache Krankheiten und Irrsinn
durch Dmone erzeugt werden (Mas, pobl. 92). Heutzutage ist der
Glaube so ziemlich verschwunden, dagegen blhen Kurpfuscherei und
Wunderkuren. Tagalische Kurpfuscher und Quacksalber giebt es in
jedem Orte. Werden diese zu einem Kranken gerufen, so lassen sie
sich vorerst von den Angehrigen desselben gehrig bewirthen und
mit Tabak beschenken, dann befhlen sie erst dem Patienten den Puls
und verordnen, wie es ihnen gerade einfllt, Umschlge, Aderlsse,
Hausmittel und Schrpfkpfe (Ilustr. 1859, p. 121). Schrpfen
ist sehr beliebt, da die heutigen Tagalen der Ansicht huldigen,
dass die Krankheiten dadurch rasch geheilt wrden, wenn die bse
verdorbene Luft aus dem Innern des Patienten entfernt werde (Mas,
pobl. 88). Unter ihren Hausmitteln ist auch eine Epheu-Gattung
("Malacatmon") zu erwhnen, auch Vanille und die Cardamome werden
gern von jenen Volksrzten verwendet (Ilustr. 1860, n. 7, p. 80).

Sobald der Tagale die Sterbestunde herannahen fhlt, wird eiligst
zu dem Pfarrer geschickt oder, wenn dieser weit entfernt lebt, der
Sterbende hingetragen, um die Sterbesacramente zu empfangen, da sonst
ein ehrliches Begrbniss verweigert wird (Mas, pobl. 101). Stirbt
ein Kind, so wird es unter grosser Lustbarkeit und den Weisen des
Comintans zu Grabe getragen (Hgel, 145), hier haben also die Tagalen
die spanisch-christliche Anschauung vollstndig adoptirt, nach welcher
man ber den Tod eines unschuldigen Kindes sich nur freuen msse,
da seine Seele doch sofort unter die Englein aufgenommen wrde. Bei
den Todtenfesten zu Ehren erwachsener Verstorbenen berwiegen aber
vollstndig die Bruche und Sitten des frheren Heidenthums. Sobald
ein Erwachsener gestorben ist, wird die ganze Verwandtschaft desselben
in das Sterbehaus eingeladen, angeblich, um Rosenkrnze zu beten,
kaum aber sind einige Gebete heruntergeschnarrt, so wird gegessen,
getrunken und getanzt und diess durch volle neun Tage (Mas, pobl. 85,
Ilustr. 1859, n. 7, p. 55). Dieses neuntgige Fest, welches mitunter
zur Orgie ausartet (Vila 10), heisst Siam-na-arao oder Tibao. Am
wichtigsten ist der dritte Tag dieses Festes, denn die Tagalen glauben,
dass die Seele des Verstorbenen an diesem Tage wieder in das Sterbehaus
zurckkehre, um an dem Festmahl Theil zu nehmen. Es werden deshalb
Kerzen angezndet und eine mit Asche bestreute Matte ausgebreitet,
letzteres geschieht, um an den allenfallsigen Fussabdrcken in der
Asche zu erkennen, ob die Seele des Verschiedenen wirklich erschienen
wre oder nicht Vor die Thre der Htte wird Wasser in einem Gefss
hingestellt, damit die heimkehrende Seele sich die Fsse waschen
knnte (Mas, pobl. 91). Um diesen "Aberglauben" zu unterdrcken,
suchen die Pfarrer auf alle Weise es zu verhindern, dass die Htte
eines Verstorbenen den dritten Tag nach seinem Tode von irgend Jemand
besucht wird. Die Bestattung ist ganz und gar katholisch, jede
nationale Sitte hat hier der Macht der Kirche weichen mssen. Die
Tagalen sterben brigens mit grosser Resignation, und zwar sowohl in
der friedlichen Htte, wie draussen auf dem Schlachtfeld.

In den Zeiten der Unabhngigkeit gab es unter den Tagalen ebensoviele
Staaten als Drfer, eine Ausnahme hiervon machten nur die kleinen
Reiche von Manila und Tondo, von denen einige kleine Vasallengebiete
abhngig waren, doch machte sich hier der Einfluss von Borneo
bemerkbar. Die tagalische Stndegliederung war damals folgende:
Frsten oder Huptlinge (Manguinoos, Dattos), freie Leute (Mahaldicas),
Freigelassene (Timaua), Vasallen der Dattos (Cabalangay), Leibeigene
(Aliping namamahay), Halbsclaven, Sclaven (Aliping saguiguilir). Die
Spanier hoben bei der Occupation des Landes die Leibeigenschaft
und Sclaverei auf und gewannen dadurch die Sympathien dieser
Volksclassen. Die entthronten Dattos wurden in kluger Weise fest
mit ihren Interessen an die spanische Herrschaft geknpft, indem
ihnen eine Menge Vorrechte gegeben wurden, so z. B. der Titel Don,
und indem man sie mit ihren erstgeborenen Shnen von der Zahlung
des Tributes enthob. Ihre sonstige Gewalt wurde dadurch geschwcht,
dass in den neuen Pueblos, welche aus verschiedenen Tribus gebildet
wurden, jetzt Leute friedlich nebeneinander wohnen mussten, die frher
feindlich gegen einander gesinnt waren, und bald durch Wechselheirathen
miteinander vollstndig verschmolzen, wodurch die einzelnen Dattos
gleichsam ihre frheren Unterthanen verloren. Von diesen Dattos
stammt zum grssten Theile die heutige Principalia, der Patricierstand
oder der Dorfadel der Tagalen ab. Die Bevlkerung der neuen Pueblos
wurde in Abtheilungen eingetheilt, welche Barangayes [11] genannt
wurden. Jedem Barangay wurde ein Chef vorgesetzt, welcher Cabeza
de Barangay hiess und der Principalia entnommen wurde. Der Cabeza
de Barangay sammelt in seinem Barangay den Tribut (Kopfsteuer) ein,
fr dessen vollstndige Eintreibung er haftet. Aus der Principalia
wird der Brgermeister gewhlt, welcher Gobernadorcillo oder (im
gewhnlichen Verkehr) Capitan genannt wird.

Der Gemeinderath besteht aus den Cabezas de Barangay, berhaupt
aus Mitgliedern der Principalia. Gehrt zur politischen Gemeinde
noch ein zweites Dorf (visita, barrio, anejo), so besitzt es einen
Vice-Chef, den Teniente. Sonstige Gemeindebeamte sind der Teniente
mayor (Brgermeister-Stellvertreter), Juz mayor de Ganado (Richter fr
Streitigkeiten, welche Vieh-, Weideangelegenheiten &c. betreffen), Juz
mayor de Sementeras (Richter ber Feldstreitigkeiten), ein Juz mayor
fr Polizeivergehen, dann der Teniente segundo, der Teniente tercero,
ferner zwei Alguaciles (Polizeiwachtmeister), von denen der erstere
gewhnlich "el actual" heisst und gewhnlich mit der Escortirung
von Reisenden betraut wird. Nur der Gobernadorcillo und der Teniente
mayor mssen dem Gesetze nach dem eingeborenen Adel angehren. Der
Ex-Gobernadorcillo heisst gewhnlich "Capitan pasado", ein Ex-Teniente
"Titulado". Da die Mitglieder dieser tagalischen Municipien, besonders
in den Provinzen, selten oder nur schlecht spanisch sprechen oder gar
schreiben knnen, so wird zum Verkehre mit den spanischen Behrden
ein Secretr von der Gemeinde aufgenommen, der Directorcillo genannt
wird. Jede Gemeinde unterhlt ein Haus, Tribunal genannt, in welchem
der Gemeinderath tagt, Gericht gesprochen, europische Reisende
untergebracht werden, und das zugleich als Arrestlocal und Zeughaus
dient. Die Arrestanten werden sehr gut verpflegt, doch pflegen die
tagalischen Richter meist nur Prgelstrafen zu dictiren. Die nicht dem
Adel angehrigen Indier sind verpflichtet, 40 Tage im Jahre ffentliche
Arbeiten (polos y servicios) bei Strassen- und Brckenbauten &c. zu
leisten, eine Woche im Tribunal Dienst zu leisten und eine Woche
Nachtwache zu halten. Von diesen Dienstleistungen kann man sich
loskaufen, und zwar in Form einer Geldstrafe. Die Leute, welche im
Tribunal Dienst zu leisten haben, heissen Semaneros, sie stehen "gegen
geringen Tagelohn als Boten oder Trger zur Verfgung der Reisenden"
(Jagor, Phil. 37). Zur Aufrechterhaltung der Ordnung, zum Schutz gegen
Angriffe von Ruberbanden oder Horden wilder Bergstmme dient eine
Art Brgergarde oder irregulre Miliz, deren Streiter Cuadrilleros
genannt werden.

Der Volksschulunterricht ist obligat, jede Gemeinde hat ihre
Schule. Der Unterricht soll in spanischer Sprache erfolgen, was
aber bis in die neueste Zeit ausserhalb des nchsten Umkreises von
Manila nur selten vorkam, indem einestheils spanisch sprechende
Individuen sich selten in die Provinz verirrten und anderntheils die
Geistlichkeit mit Hnden und Fssen sich dagegen strubte, dass die
Indier sich die spanische Sprache aneigneten, da sie dadurch ihre
Vermittlerrolle zwischen den spanischen Behrden und den Indiern
verlieren musste. Heute hat die Geistlichkeit diesen Widerstand
aufgegeben, und es sieht in dieser Beziehung etwas besser aus. Die
Localinspection wird von den Pfarrern ausgebt. Vor mehr als zwanzig
Jahren schon sagte Bastian (Reisen, V. 265) ber die Tagalen der
Prov. Laguna: "Man erstaunt ber die verhltnissmssig grosse Menge
derjenigen, die zu schreiben und zu lesen verstehen". Tagalen findet
man als Schreiber in allen Regierungsbureaux. Die grsste Freude
tagalischer Eltern ist es aber, wenn sie ihren Sohn als Priester
erblicken. Die Weltgeistlichkeit besteht beinahe ausschliesslich nur
aus Mestizen und Tagalen, Visayern &c. Die farbigen Priester stehen
in geringem Ansehen; wenn sie nicht besser sind als ihr Ruf, stehen
die Sachen schlimm (m. vgl. darber: Jagor, Phil. 104, n. Caamaque
a. v. St.). Selbst der ultramontane Baron Hgel sagt hierber:
"Es giebt in der That indische Pfarrer, welche eine Frau haben, mit
der sie in der Pfarrei leben, und die Kinder nennen sie nach meiner
eigenen Erfahrung ohne Umstnde Papa" (Hgel, p. 287), und weiter:
"Der Indier ist im Allgemeinen wenig dazu geeignet, die Pflichten eines
Geistlichen und Pfarrers zu erfllen. Ich ..... fge hier nur noch
hinzu, dass sie manchmal ausschweifend leben, ihren Pfarrkindern dann
ein schlechtes Beispiel geben, und dass ihre Pfarrbcher sich meistens
in grosser Unordnung befinden" (l. c. 349). Eine grosse Anzahl von
Aufstnden hat eingeborene farbige Priester zu Urhebern gehabt, die
sich durch Blutdurst und Grausamkeit gegen die Weissen auszeichneten.

Das Christenthum hat bei den Tagalen die unter dem Namen Amoklaufen
bekannten Wuthausbrche nicht beseitigen knnen, doch kommen derartige
Flle seltener vor als in den brigen malaiischen Lndern (Jagor,
Phil. 131). Die Amoklufer werden "posong" genannt (Mas, pobl. 119).

Die Industrie der Tagalen beschrnkt sich meist auf Gewebe
und Stickereien. Aus den Fasern der Ananasea sativa werden
feine, vollkommen durchsichtige Zeuge gemacht, welche Pia oder
Grasscloths heissen, sie werden mit zierlichsten Dessins bestickt
und dann oft zu horrenden Preisen--ein Stck 2000 Thaler (Jagor,
Phil. 112)--verkauft. Zu den Pia-Webereien werden statt eiserner
Messer Bambusspne benutzt (Jagor, Skizzen 176). Aus Abac (Manilahanf)
werden ebenfalls dnne und durchsichtige Hemdstoffe und Zeuge
verfertigt, welche Sinamay und Nipis genannt werden und eine grssere
Dauerhaftigkeit aufweisen als die Pia-Zeuge (Scherzer, Novara-Reise
I, 600; Diaz Arenas 291). Beim Weben der Nipis-Stoffe pflegen sich die
Arbeiterinnen vollstndig einzuschliessen, damit nicht ein Luftzug die
dnnen Fden entzweireisse (Caamaque, Filipinas 27). Tapis-Stoffe aus
Seide und Baumwolle, blaucarrirte Baumwollenstoffe (Cambayas) werden
ebenfalls von den Tagalen und zwar in ziemlichen Mengen fabricirt (Diaz
Arenas, l. c.). Die Tapis-Weberei hat ihren Hauptsitz in der Provinz
Bulacn (Jagor, Phil. 48). Aus Abac werden auch leichte Luxusstoffe,
"Jsi" genannt, verfertigt (Scheidnagel 75). Aus der Rohrgattung
Nito werden Hte europischer Faon, Jalac's und Matten geflochten
(Scheidnagel, l. c.). Hte und Matten werden noch aus anderen
Materialien--z. B. der Bur-Palme--gearbeitet (Scheidnagel 27; Jagor,
Phil. 59). Aus dem unteren Ende der Blattstiele einer Calamus-Art
werden Cigarrentaschen von ausserordentlicher Feinheit fabricirt,
welche zu hohen Preisen, von 2-50 Dollar das Stck, verkauft werden
(Jagor, Phil. 48). Kabel und Taue werden nicht nur aus den Fasern des
Manilahanfes verarbeitet, auch die Gomuti-Palme (Arenga saccharifera)
liefert ein ungemein festes und dauerhaftes Material, den sogenannten
Cabo-negro, es ist diess eine schwarze Faser, welche den Ursprung der
Blattstiele am Stamme jener Palme bekleidet (Jagor, Skizzen 10). Aus
Pandanus-Gattungen, dann aus dem Bambus werden Maurerpinsel gemacht
(Jagor, Skizzen 176). Aus der kletternden Mimose "Gogo" wird durch
Zerklopfen der Rinde ein Seifenstoff gewonnen, der nicht allein beim
Bade und der Kleiderwsche benutzt wird, sondern auch den Goldwschern
dienlich ist; bei der Goldwsche "wird dem Wasser der schleimige Saft
des Gogo zugesetzt, der feine schwere Sand bleibt darin lnger schweben
als in blossem Wasser und lsst sich somit leichter vom Goldpulver
trennen" (Jagor, Phil. 142). Dem Apton-Waldbaume wird ein harziges l,
der Balo oder Malapjo, abgezapft, welches Eisen zehn Jahre lang vor
dem Rosten schtzt und zum Firnissen der Schiffe verwendet wird (Jagor,
Phil. 230). Aus der Cocos-Palme wird ein Branntwein bereitet, welcher
"Tuba" heisst, diese Industrie wird insbesondere am Sdufer der Laguna
de Bay betrieben (Jagor, Phil. 57, Mozo 89). Auch l wird von dieser
Palme gewonnen, ber deren vielfache Ausbeutung Scheidnagel (p. 74)
viel Interessantes berichtet. Das Bambusrohr wird in hnlicher Weise
ausgenutzt, wie in allen brigen Theilen des ostindischen Archipels. Zu
Handwerkern macht Indolenz, Faulheit und Liederlichkeit die Tagalen
unbrauchbar (man vgl. Mas, pobl. 66 u. 72). In Manila existirt eine
eigenartige Klein-Industrie, es werden kleine Modelle einheimischer
Fahrzeuge, Htten &c. und Figuren zum Verkaufe an Fremde gearbeitet
(Scheidnagel 121). Im Schiffsbau stehen sie noch ohne alle chinesische
Concurrenz da und leisten wenigstens etwas hierin.

Zum Schlusse sei noch bemerkt, dass die Tagalen sehr starke
Beimischungen fremden Blutes in ihren Adern haben, nicht nur Chinesen
und Spanier, auch Japanesen (XVI. u. XVII. Jahrhdt.) haben zur
Aufbesserung der Rasse beigetragen. Andere Beimischungen sind gering
oder verwandter Natur; so fanden die Spanier bei der Besitznahme
des von den Tagalen bewohnten Landstriches Luzon (verhltnissmssig)
zahlreiche Borneaner angesiedelt, theils als Kaufleute, theils als
mohammedanische Priester und Missionre, wenn ich berhaupt den
letzteren Titel ihnen geben darf. Die Spanier hingegen ergnzten
die Mannschaft ihrer auf den Philippinen stehenden Linientruppen
seit der Mitte des XVII. Jahrhunderts beinahe ausschliesslich mit
mejicanischen (mitunter auch peruanischen) Indianern, welche smmtlich
nach abgelaufener Dienstzeit im Lande blieben und sich eingeborene
Weiber nahmen. In Marigondon, an der Bai von Manila, liessen sich
auch im Jahre 1661 Ternataner (Insel Ternate der Molukken) nieder.




2. Pampangos.

Die Pampangos wohnten zur Zeit der Conquista und noch im
XVII. Jahrhundert an den nrdlichen Gestaden der Bai von Manila,
und ihre Wohnsitze erstreckten sich von da bis an den Knotenpunkt
des mchtigen Caraballo Central, ohne aber im Gebirge selbst Fuss zu
fassen. Heutzutage sind sie durch die Tagalen beinahe ganz vom Meere
getrennt, und die wenigen dort lebenden Pampangos werden schnell
"tagalisirt". Die heutigen Wohnsitze der Pampangos befinden sich
in folgenden Provinzen: Porac, Tarlac, Pampanga, Batan, Zambles
und Nueva cija. Porac und Tarlac werden nahezu ausschliesslich von
Pampangos bewohnt, Pampanga in berwiegender Mehrzahl, doch beginnt die
seit Anfang dieses Jahrhunderts immer grssere Dimensionen annehmende
Einwanderung der Ilocanen die Herrschaft des Pampango-Dialektes stark
zu gefhrden. In Nueva cija werden die nordstlichen, in Batan
die nordwestlichen und in Zambles die westlichen Territorien dieser
Provinzen von den Pampangos eingenommen.

In ihrer krperlichen Erscheinung, wie in ihren Sitten und Bruchen
gleichen sie unter allen Malaien Luzons am meisten den Tagalen, so dass
alles von diesen Gesagte auch fr die Pampangos volle Geltung hat. Sie
galten und gelten auch noch jetzt als die tapfersten unter den Malaien
der Philippinen, die eingeborenen Truppen der Spanier recrutirten
sich bis auf die Einfhrung der Conscription zum grssten Theile aus
diesem kriegerischen Stamme, und sie haben ihrem Rufe berall Ehre
gemacht, sowohl in den Kmpfen gegen die mohammedanischen Frsten der
Molukken, von Mindanao und Sulu als auch gegen europische Soldaten,
gegen Hollnder und Briten. Bei der Unterdrckung der furchtbaren
Chinesenaufstnde von 1603 und 1639 haben sie sich besondere Verdienste
erworben.

Als die Spanier sie unterwarfen (1571) waren sie zum grssten Theile
Heiden, doch hatte auch hier der Islam bereits Eingang gefunden. Ihre
ursprngliche Religion kannte auch den Ahnencultus der Tagalen und war
auch sonst mit jener der Tagalen identisch. Sie sind dann durch die
Spanier zum Katholicismus bekehrt worden, doch gab es noch i. J. 1848
Heiden unter ihnen, denn Diaz Arenas spricht von 100 unterworfenen
heidnischen (infieles) Pampangos, welche in dem erwhnten Jahre der
spanischen Herrschaft unterworfen waren.

Sie besitzen auch Schlangenbeschwrer, welche Schlangenbisse heilen,
diese Heilknstler werden "Tavac" genannt (Mozo 97). Ihre Industrie
ist im Vergleiche zu jener der Tagalen gering, sie umfasst dieselben
Zweige wie bei den letzteren.




3. Zambalen (Zambales).

Die Zambalen oder Tinos bewohnen den mittleren und sdlichen Theil
der Provinz Zambles, doch sind sie als wilde Bergstmme in geringer
Zahl auch in den nrdlichsten Theilen von Batan anzutreffen. Erst zu
Ende des XVII. und im Anfange des XVIII. Jahrhunderts gelang es den
Spaniern mehr durch den Eifer der Missionre als durch Waffengewalt
sie zu unterwerfen, obgleich noch heute ein nicht unbetrchtlicher
Theil dieses blutdrstigen Stammes in den Bergwildnissen entweder
volle Unabhngigkeit behauptet oder durch Zahlung einer geringen
Geldsumme sich die Freiheit sichert.

Die Zambalen zur Zeit der Conquista trugen das Haar bis auf eine
frei herabwallende Locke geschoren (Morga-Stanley 269), von ihrer
sonstigen Tracht wird Nichts erwhnt. Ihre Waffen waren Lanze, Schild,
Messer und Pfeile, welche sie gut zu brauchen wussten. Sie lebten in
Polygamie (Caamaque, Filipinas 226). Grssere Hausthiere, nmlich
Bffel (?), Rinder und Pferde erhielten sie erst durch die Missionre
(Caamaque, Filipinas 134), Ackerbau scheint weniger als die Jagd
getrieben worden zu sein, was vielleicht auf eine starke Beimischung
von Negritoblut hinweist. Andererseits erwhnen Buzeta und Bravo,
dass sie ein dem tagalischen hnliches Alphabet besessen htten,
was fr eine hhere Culturstufe spricht. Ihre Drfer wurden nur von
10-30 Familien bewohnt und bildeten jedes einen Staat fr sich, so
dass wir hier derselben staatlichen Zersplitterung begegnen, wie bei
den Tagalen. Die Huptlinge waren bejahrte Leute, welche nur einen
geringen Einfluss auf ihre Untergebenen auszuben vermochten. Die
einzelnen Drfer waren in bestndige Fehden miteinander verwickelt,
eine Folge ihrer eigenthmlichen Sitten. Starb nmlich Jemand, so
legten seine Hinterbliebenen Trauer, d. h. eine schwarze Kopfbinde
an, welche sie nicht eher ablegen durften, als bis sie Jemanden
getdtet hatten, was an eine hnliche Sitte der Negritos lebhaft
erinnert. Dann wurde die Binde abgelegt und die Trauer mit einem
Saufgelage beendet. Ein Mord oder Todtschlag innerhalb eines und
desselben Tribus wurde entweder mit Gold oder Silber geshnt oder
es wurde der Familie ein Sclave oder Negrito (Caamaque, Fil. 128)
gegeben, um als Shnopfer abgeschlachtet zu werden.

Die Zambalen waren wie noch jetzt die Dayaks wthende Kopfjger,
je mehr Kpfe erschlagener Feinde ein Zambal von einem Kriegszuge
heimbrachte, desto hher stand er im Ansehen der Seinen, wodurch
ihre angeborene Mordlust noch mehr gesteigert wurde (Caamaque,
Filipinas 126). Sie stiegen deshalb von den Gebirgen in die Ebenen
der benachbarten christlichen Provinzen und lauerten Reisenden auf
oder suchten zur Nachtzeit sich an die Drfer heranzuschleichen. Die
Schdel der Erschlagenen benutzten sie angeblich (Mozo 86) als
Trinkgefsse. Auf einer Art Trophe, welche sie bestndig mit sich
herumtrugen, machten sie die Zahl der erbeuteten Schdel ersichtlich
(Caamaque, Fil. 127). Nach P. Juan Ferrando (Historia de los
P. P. Dominicos en las Islas Filipinas in Caamaque, Filipinas 124)
pflegten die Zambalen in ihrer Gier nach Feindesschdeln jeden Menschen
zu tdten, der nicht gerade zu ihrem Stamme gehrte, und fhrten
dann um die Schdel "satanische" Tnze auf; hnliches berichtet Mozo
(l. c.), indem er erwhnt, dass sie die abgeschlagenen Kpfe zur
Verherrlichung ihrer Feste heimschleppen. Durch diese Kopfjgerei
unterscheiden sie sich auffallend von den Tagalen und Pampangos,
welche diese Sitte nicht kannten.

Die Religionen der alten Tagalen und Zambalen waren nicht, wie Buzeta
und Bravo berichten, identisch, aber doch sehr hnlich. Sie kannten
einen obersten Gott ("Malyari"), zwei minder mchtige Hauptgottheiten
Acasi und Manglobag und eine Anzahl Diiminores. Der Priesterstand
spielte bei ihnen eine wichtigere Rolle als bei den brigen Malaien
der Philippinen. Der Hohepriester oder Papst ("Bayoc") weihte den
einzelnen Gottheiten unter langen Ceremonien die Priester. Nach
Ferrando (Caamaque, Fil. 129) spendete der Bayoc auch--wenn gleich
selten--eine Art Taufe mit Schweineblut, wie denn auch hier, wie
berall in diesem Archipel, das Schwein als das den Gttern angenehmste
Opferthier galt. Die heiligen Feste arteten in Orgien aus. Wie viele
von diesen Bruchen sich noch heute bei den unabhngigen Zambalen
(den "Cimarrones" oder "Infieles" [12]) erhalten haben, ist mir
unbekannt. Sie leben in kleinen Drfchen (Rancheras), deren Huptlinge
(Reyes oder Reyezuelos) den Verkehr mit den spanischen Behrden
vermitteln. Sie leben von erlegtem Wilde, Honigwaben und Bataten
(Camote), deren Anbau ihnen erst durch die Spanier bekannt wurde. Reis
kaufen sie von ihren christlichen civilisirten Brdern und bezahlen
ihn mit den von den Chinesen hochgeschtzten Bezoarsteinen und Tabak,
den sie heimlich bauen und in der Nachtzeit in die christlichen Drfer
einschmuggeln [13]. Die meisten Horden stehen zu den Spaniern auf dem
Kriegsfuss, wohl hauptschlich aus dem Grunde, weil die spanischen
Finanzwchter ihre Tabakpflanzungen vernichten, doch scheint ihre
Mordlust und Kopfjgerei lngst erloschen zu sein, sie sind froh,
wenn man ihnen Ruhe giebt.

Die christlichen Zambalen weisen dieselbe Tracht auf wie die Tagalen,
deren Agricultur und Industrie auch die ihre ist, wenn auch letztere
noch in den Kinderschuhen liegt. Ein Rest alter heidnischer Sitte
zeigt sich bei den Leichenfeierlichkeiten. So lange die Leiche im
Sterbehause liegt, werden alle Eintretenden mit Speise und Trank
reichlich bewirthet, und ungenirt zeigt sich allenthalben unter den
Gsten frohe Lustbarkeit. Auch bei dem eigentlichen Begrbnisse
herrscht keine Trauer, nur das gemiethete Klageweib heult in
ohrzerreissenden Tnen hinter dem Sarge (Caamaque, Recuerdos I, 21
u. f.). Ob der Ahnencultus bei den christlichen Zambalen sich ebenso
erhalten hat wie bei den Tagalen, ist mir unbekannt geblieben.

Es scheint nicht als ob die Zambalen sich als besonderer Dialektstamm
werden erhalten knnen, die zahlreichen Einwanderer von Ilcos drohen
vermge ihrer activen Kraft diesen an und fr sich schwachen Stamm
ganz in sich aufzusaugen, wie diess in Batan durch die Tagalen
geschehen ist.




4. Pangasinanen (Pangasinanes).

Die Pangasinanen bewohnen die westlichen und sdlichen Gestade
des Golfes von Lingayen. Auch sie werden von den Ilocanen mehr und
mehr zurckgedrngt; in den Zeiten Don Juan de Salcedo's waren die
sdlichen Kstenstriche der heutigen Provinz La Union von Pangasinanen
besiedelt, wo jetzt der Ilocos-Dialekt der herrschende ist. Selbst
in dem Stammlande dieses Malaienzweiges, in Pangasinn, behaupten
sie sich nur noch an dem Meeresstrande, das ganze Hinterland und
der nrdliche Theil dieser Provinz ist der friedlichen Invasion der
thtigen Ilocanen anheimgefallen, welche in diesen Strichen Luzons
dieselbe Rolle spielen, wie die angelschsischen Squatter unter den
spanischen Hacenderos von New Mjico und Tejas. Pangasinanen sind als
Colonisten auch in dem District Benguet anzutreffen, Niederlassungen
derselben findet man auch in der Provinz Nueva cija. Compact aber
wohnen sie, wie gesagt, nur am Golf von Lingayen vom Cap Bolinao bis
S. Fabian.

Seit 1572 sind sie der spanischen Krone unterworfen, seit 1574-76 auch
ziemlich alle christianisirt worden, so dass wir bei ihnen dieselben
Einrichtungen und Institutionen, Tracht und Bruche antreffen, wie
bei den Tagalen. Die Pangasinanen sind sehr fleissige Ackerbauer,
Reis, Zuckerrohr und Indigo werden stark gebaut (Scheidnagel 29),
der Reis speciell wird in grossen Massen exportirt, und nicht
allein nach China, sondern auch nach Annam und Siam (Jagor, 239)
ausgefhrt. Mais wird gleichfalls sehr stark gebaut, doch dient er
nur zum Viehfutter; nur in Zeiten, wo die Reisernte missrathen ist,
auch zur Nahrung der Menschen (Ilustr. 1861, p. 104). Ausgedehnte
Cocospflanzungen sind allenthalben zu finden, in welchen unter anderen
die schne und von den Indiern so hochgeschtzte Macalimba-Variett
dieser Palme bevorzugt wird. In den Zeiten der Conquista waren die
Cocoshaine (Cocales) viel ausgedehnter als wie heute, wo der Mais-
und Indigobau sowie die Pflege des Zuckerrohrs die Pangasinanen die
Cultur dieser Palme um so eher vernachlssigen liess, als einige Mal
ein kleines Insect riesige Cocosbestnde in kurzer Zeit verwstete.

Ihre Industrie beschftigt sich mit denselben Artikeln wie jene der
Tagalen, als besondere Specialitten der Pangasinan-Industrie werden
sehr feine Hte aus Nito- und Bejuco-Geflecht genannt (Scheidnagel
30). Aus der Rinde des Coliao-Baumes arbeiten sie sehr haltbare Taue
und Stricke, welche nach dem Baume Coliaos heissen (Scheidnagel 127).

Zur Zeit der Conquista hatten sie dieselben religisen Anschauungen
wie die Tagalen, heute sind alle insgesammt Katholiken. Heiden giebt
es nicht mehr unter ihnen, auch findet bei den Pangasinanen seltener
das "Remontarse" Statt, d. h. die Flucht in die Wlder, um dort wie
ein Wilder zu leben.




5. Ilocanen (Ilocanos).

Zur Zeit der Conquista bewohnten die Ilocanen einen schmalen
Kstenstrich vom Golf von Lingayen an bis hinauf zum Cap
Bogeador. Nach dieser Zeit breiteten sie sich, zum Theil unter dem
Schutze der spanischen Bajonnette, immer weiter und weiter aus. Sie
besitzen eine grssere Expansivkraft als die so vielgepriesenen
Tagalen. Heute bewohnen die Ilocanen die Provinzen Ilcos Norte (nur
den Kstenstrich), Abra (neben Tinguianen und Igorroten), Ilcos Sr
und La Union. Dann haben sie den nrdlichen Theil und das Hinterland
von Pangasinn inne. Zahlreiche ilocanische Einwanderer haben das fast
gnzlich entvlkerte Thal von Benguet mit hoffnungsvollen Ansiedelungen
versehen, in Zambles, Pampanga und Nueva cija ist ihre Zahl bestndig
im Steigen begriffen, dasselbe gilt vom westlichen Kstenstrich von
Cagayn. Selbst nach den Batanes- und Babuyanes-Inseln treibt sie
ihre rege Wanderlust, ja sogar im District Prncipe, an der Ostkste
Luzons, haben sie sich als strebsame Colonisten mitten unter Tagalen
und Ilongoten niedergelassen. In den Districten Lepanto und Bontoc sind
sie gleichfalls mitten unter den Bergstmmen der Igorroten zu finden,
doch muss hier ausdrcklich bemerkt werden, dass in diesen beiden
Districten alle getauften Indier, gleichgltig ob sie nun Igorroten,
Buriks sind, Ilocanos genannt werden, ohne Rcksicht auf ihre Abkunft
(Lillo Gracia 17). Es pflegen auch in der That die getauften Igorroten
die Sprache der (ihnen nahe verwandten?) Ilocanen ganz anzunehmen,
und es mag vielleicht diese--freilich geringe--Beimischung mit dem
Blute dieses so tapferen und krftigen Bergvolkes auch etwas zu der
lebendigen Kraft und Expansionsfhigkeit beigetragen haben, welche
die Ilocanen so vortheilhaft vor der Passivitt der brigen Indios
civilisados auszeichnet.

Die Tracht gleicht mehr oder minder jener der Tagalen. Unentbehrlich
erscheint ihnen das Waldmesser "Sual", welches sowohl zum Bearbeiten
der Erde als auch zum Behauen der Balken und Fllen der Bume dient
(Scheidnagel 124). Als Jagdwaffe benutzen sie denselben Wurfspiess
wie die Igorroten, den sie gleichfalls "Cayang" nennen.

Sie bauen Reis, Indigo, Mais, Zuckerrohr, Cacao, Kaffee, Cocos, Oliven
und Weinreben (Ilustr. 1860, n. 14, p. 164) und berdiess Baumwolle
(Ilustr. a. a. O., Caamaque, Filip. 29). Die Hauptnahrung ist auch
hier der Reis, nchst diesem werden sehr viele Fische genossen; aus
dem Fische Ipon oder Dolon, der massenhaft gefangen wird, bereitet
man durch Einsalzen desselben die Speise "bayon" (Ilustr. 1860, n. 12,
p. 152). Die Viehzucht ist in blhendem Zustande, indem die Ilocanen
an den Bergvlkern gute Kufer ihrer Bffel, Rinder und Schweine
finden. Die Pferde von Ilcos gehren angeblich zu den besten der
Philippinen (Ilustr., l. c.). Frher war Viehraub an der Tagesordnung
(Mas, pobl. 80).

Die Industrie der Ilocanen ist ziemlich entwickelt, sie besitzen sogar
eine Specialitt, nmlich aus Baumwolle gewebte Mntel, die sogenannten
"mantas de Ilcos", welche einen wichtigen Exportartikel nach den
brigen Theilen von Nord-Luzon bilden. Nach Diaz Arenas (p. 291)
liefert Ilcos Sur ausgezeichnete Sinamay- und Nipis-Zeuge. In Ilcos
Norte kommt die Abac (Manilahanf) nicht mehr fort, als Surrogat
dient die Mague-Pflanze, deren Fasern hnliche Eigenschaften besitzen
(Ilustr. 1860, n. 17, p. 200). Sonstige Industrieartikel entsprechen
den tagalischen. Scheidnagel nennt drei lgattungen, welche in Ilcos
erzeugt werden: Palo-Mara, Macabujay und Tagumbao.

ber ihre Religion zur Zeit der Conquista ist mir Nichts bekannt,
sie wurden durch den Corts der Philippinen, Don Juan de Salcedo, der
spanischen Krone unterworfen, und sind schon ber drei Jahrhunderte
Christen. Aus den Zeiten ihrer Unabhngigkeit datirt das grosse
Missverhltniss zwischen Reich und Arm. Die Edelleute (principales)
haben den Reichthum in ihren Hnden, ihnen gegenber steht die
grosse Masse der immer mehr verkommenden Plebejer, der sogenannten
Cailianes. Die Edelleute pflegten den Cailianes Seide oder Baumwolle zu
geben, welche sie zu Geweben verarbeiten sollten. Bei der Ablieferung
derselben pflegten die Cailianes bedeutend verkrzt zu werden,
indem die Principales bald schlechte Beschaffenheit des Gewebes oder
zu geringes Gewicht zum Vorwande nahmen, um die Cailianes zu ihren
ihnen rettungslos verfallenen Schuldnern zu machen, indem sie ihnen
keinen Lohn zahlten (Mas, hist. II, 60). Diese harte Bedrckung
verursachte zwei blutige Plebejer-Aufstnde in den Jahren 1762 und
1811. Obwohl diese belstnde in der Neuzeit so ziemlich beseitigt
erscheinen, so ist es vielleicht nicht unwahrscheinlich, die rege
Auswanderungslust der Ilocanen auf die unerquicklichen Verhltnisse
der Heimath zurckzufhren.




6. Ibanags oder Cagayanen (Cagayanes).

Die Ibanags werden gewhnlich Cagayanes genannt, weil ihr Hauptsitz
die Landschaft Cagayn und der Unterlauf des gleichnamigen Stromes
ist. Diejenigen von ihnen, welche auf den Batanes- und Babuyanes-Inseln
wohnen, wurden frher als ein besonderer Stamm angesehen, doch lsst
sich hierber nichts Sicheres sagen, da unsere Nachrichten ber die
Batanes mehr als sprlich sind. Sie bewohnen die Babuyanes-Gruppe,
welche auch den Namen Islas de Ibanag fhren, die Batanes-Inseln,
ferner das Kstengebiet der Provinz Cagayn; ihre Ansiedelungen gehen
das Thal des Rio Grande de Cagayn hinauf bis nach Furao hin in der
Provinz Isabela. Der Ibanag-Dialekt dient im ganzen Stromgebiete
des Rio Grande als Verkehrssprache mit den wilden Bergstmmen, es
drfte hier das Ibanag-Idiom nach und nach die Sprachen jener Horden
vollstndig verdrngen. Ich glaube, dass ein hnlicher Vorgang auch
auf den Batanes sich abgespielt hat, denn die Beschreibung, welche
Dampier von jenen "Bashee"-Insulanern giebt, lsst sich schwer
mit den Schilderungen in bereinstimmung bringen, welche uns die
Spanier von dem Habitus, der Tracht und Lebensweise der Cagayanen
zur Zeit der Conquista niederschrieben. Baron Hgel schreibt ber die
Batanes (S. 69): "Die Bewohner werden als ein starker, gutmthiger und
vollkommen harmloser Menschenstamm geschildert". Diess stimmt nicht mit
dem Charakter der Ibanags Luzons berein, denn diese werden einstimmig
von allen Schriftstellern, von den ltesten bis zu den modernsten
herab, als ein kriegerischer und trotziger Stamm geschildert, und es
hat auch in der That den Spaniern die Eroberung Cagayans mehr Blut
gekostet, als jene der brigen Provinzen Luzons. Reisbau, Schweine-
und Ziegenzucht, sowie die Bereitung eines Branntweines aus Zuckerrohr
oder Reis entsprechen ganz den hnlichen Verhltnissen von Cagayn. Den
Golddraht, den die Batanes um die Arme tragen, trugen die Cagayanen in
den Zeiten der Conquista ebenfalls. Nach Waitz (Anthr. V, 62) sind die
Bewohner physisch den Dayaks hnlich, auf S. 101 werden sie wie folgt
beschrieben: Farbe: dunkelkupferbraun, Gestalt: klein und untersetzt,
Gesicht: rund, Stirne: niedrig, Augen: klein mit starken Augenbrauen,
Nase: kurz und klein, Haar: dick und schlicht. Diese Beschreibung
entspricht auch dem Bilde der Cagayanen.

Die Ibanags von Cagayn sind seit dem XVI. Jahrhundert Christen,
ebenso jene der Babuyanen, die Batanes sind aber noch zum grsseren
Theile Heiden, leider ist es mir nicht mglich gewesen, etwas ber
ihre Religion zu erfahren. Die Cagayanen bekannten sich in der Zeit
der Conquista ebenfalls zu einer Art von Ahnencultus, wie die Tagalen,
Pampangos &c.

Wie bei den naheverwandten Ilocanen war auch hier die tiefe
Scheidewand zwischen den Edelleuten und Plebejern vorhanden. Die
letzteren heissen in Cagayan "timavas", was wohl mit dem tagalischen
"timauas" identisch ist, womit bei den Tagalen Freigelassene in den
Zeiten vor der Conquista benannt wurden. Auch hier machte sich der
Hass der unterdrckten Kaste durch blutige Aufstnde Luft.

Die Ibanags von Cagayan und Isabela bauen dieselben Pflanzen
wie die Ilocanen, die Hauptmasse der Bevlkerung widmet sich
aber--zwangsweise--dem Tabaksbau, denn der Tabak dieser beiden
Provinzen ist der beste der Philippinen. Die Hrte, womit
die Zwangscultur dieser Pflanze von der Regierung berwacht und
durchgefhrt wird, lsst keine nennenswerthe Industrie aufkommen (man
vgl. darber: Semper, Skizzen 41 f. und 131 f.). Die Finanzbehrde
der Colonie bleibt den Tabakbauern oft Jahre hindurch den Betrag fr
die abgelieferten Bltter schuldig (Caamaque, Filipinas 30).

Auch bei den Ibanags herrscht eine grosse Auswanderungslust, besonders
Manila zieht sie an, wo sie halbnackt in grossen Schaaren anlangen
(Buzeta I, 240).




7. Igorroten mit Buriks und Busaos (Igorrotes).

Mit dem Namen "Igorrotes" wird viel Unfug getrieben. Spanische
Schriftsteller haben alle heidnischen sogenannten "wilden" Bergstmme
Luzons Igorrotes getauft, und so kamen auch unter anderen "Igorroten
von Camarnes", "Igorroten von Tayabas" in die ethnographische
Literatur. Andere Autoren, wie z. B. der gelehrte D. Sinibaldo de Mas,
bezeichneten mit diesem Namen alle Bergstmme Nord-Luzons, mit Ausnahme
der Tinguianen, was immerhin eine gewisse Berechtigung htte. Ich fasse
unter dieser Bezeichnung die Igorroten im engeren Sinne und die Busaos
und Buriks zusammen, denn diese haben eine gemeinsame Sprache, welche
nur geringe dialektische Verschiedenheiten aufzuweisen hat (mndliche
Mittheilung von Herrn Gumersindo Morales). Auch unterscheiden sich
diese Stmme nur durch Tracht und Ttowirung voneinander, whrend
Sitten und Bruche nur unerheblich voneinander abweichen.

Die Heimath der Igorroten bilden die Provinzen oder Districte: Benguet,
Lepanto, Tagan und Bontoc. Nach Scheidnagel (a. v. St.) finden sich
auch Igorroten-Niederlassungen in den Provinzen Abra, Nueva Vizcaya
und Isabela vor, doch ist es fraglich, ob Scheidnagel nicht hier den
Namen der Igorroten in der oben angegebenen Weise missbraucht. Die
Busaos haben die nrdlichsten Sitze inne. Von der Cordillere Tila
oder Tovalina an wohnen sie in den Districten Tiagan, Lepanto
(nrdliche Hlfte) und in Bontoc, in letzterem im Quellgebiete des
Rio Caycayan. Nach der Ilustracion del Oriente (Jgg. 1818, Nr. 1,
p. 4) sind sie auch in Benguet wohnhaft, was mir unwahrscheinlich
vorkommt, da sie von diesem Districte durch die Buriks getrennt
sind. Zu Grenznachbarn haben sie im Norden die Tinguianen und
Guinanen, im Osten die Itetapanen und vielleicht auch die Suflin;
sdlich von ihnen wohnen die Buriks, im Osten von Santa Cruz und
im Westen des Monte Data. Ihre wichtigeren Orte sind: Suyuc, Cayan,
Sabangan, Cabugatan, Banao und Mancayan (Yamcayan).

Sdlich von den Buriks wohnen die eigentlichen Igorroten, deren
Stammland das Thal von Benguet ist, obwohl sie jetzt in diesem Thale
nur in verhltnissmssig geringer Zahl wohnen, indem die blutigen
Kriege, welche in den zwanziger und dreissiger Jahren dieses Sculums
zur Unterwerfung dieses kriegerischen Stammes fhrten, das blhende
Land beinahe entvlkerten. Ihre wichtigeren Orte sind Benguet, Apayao,
Cabacan (Cabagan), Buguias (Bujias) &c. v. Drasche (Fragm. einer
Geologie, p. 27) traf Igorroten zwischen S. Nicolas am Rio Agno und
Bambang (Provinz Nueva Vizcaya), bis zum Caraballo Sur. Auch hier muss
ihre Zahl erheblich sich vermindert haben, denn gegen die geringe Zahl
der Individuen stach die Menge der verlassenen und verfallenen Htten
ab. Einst war das von den Igorroten bewohnte Territorium grsser,
im XVII. Jahrhundert wird noch der Berg von Sto. Tomas als in der
"Tierra de Ygolotes" [14] liegend mehrfach erwhnt, und noch 1747
reichte das Gebiet der Igorroten bis zum Weichbilde der Pueblos Agoo
und Aringay (Mozo 81). 1829 war die Grenze bis zum Monte Tongl (beim
Monte Sto. Tomas) zurckgewichen (Mas, pobl. 46). In den Districten
Lepanto und Bontoc zhlte man 1876 19 852 unterworfene und 29 600
unabhngige Igorroten incl. Buriks und Busaos, whrend Diaz Arenas fr
das Jahr 1848 die Zahl 12 304 fr die damaligen Provinzen Pangasinn
("in der Cordillera grande"), Abra und Ilcos Sur angiebt.

Ihre Hautfarbe ist ein "nicht sehr dunkles Olivenbraun, seltener das
Gelb der Mestizen" (Semper, Erdk. XIII, 90) oder gelblich kupferfarben
(Ilustr. 1860, n. 12, p. 151). Nach Buzeta und Bravo (Diccionario
I, 52) zeigt ihre Haut die Farbe gekochter Quitten. Ihr Krperbau
ist krftig, die Muskulatur gut entwickelt (Ilustracion, l. c.,
Semper, l. c.). Die Durchschnittshhe der Mnner betrgt nach Semper
(Erdk. XIII, 89) 4' 8'' 2''', bei Weibern 4' 5'' 4''' Pariser Maass.

Professor Virchow nennt einen Igorrotenschdel "ausgezeichnet
dolichocephal", "von den Malaienschdeln ganz verschieden" und
bemerkt weiter, "er nhere sich mehr den Formen von Palembang". Nach
Professor Semper ist auch das Gesicht lnglicher und die Stirne mehr
gebogen und zurcktretend als bei den Tagalen (Erdk., XIII, 90). Die
Augen sind schwarz und gross, der ussere Augenwinkel ist spitz und
etwas schrg nach oben gestellt (Semper, l. c.; Buzeta y Bravo I,
52; Ilustracion 1860, n. 12, p. 151). Die Wangen sind gross und
breit (Buzeta, l. c.). Das dichte Haar ist schwarz, glatt und ohne
Glanz (Semper, Erdk., XIII, 91; Mas, pobl. 24). Erwhnenswerth ist,
dass nach Lillo Gracia (p. 17) es auch reinbltige Leute giebt, die
einen ebenso dichten Bart haben wie Europer, doch lassen sich nur
einzelne Berg-Igorroten von Lepanto den Bart stehen, die berwiegende
Mehrzahl zieht sich die Haare am Kinne, der Brust, den Achselhhlen und
Schamtheilen mit einer kupfernen Zange aus (Semper, Erdk. XIII, 91).

Allgemein wird behauptet, dass die Igorroten stark mit chinesischem
Blute gemengt seien, ja es wird sogar von Mischung mit Japanern
gesprochen (Novara-Reise, Ethnogr. Th., p. 32; Semper, Erdk. XIII,
89). Semper sagt: "Jemehr man sich nrdlich wendet, um so schrfer
tritt der mongolische Charakter hervor". Nach ihm (Erdk., l. c.) zeigen
die grossen Individuen chinesischen, die kleinen malaiischen Typus. An
einer anderen Stelle (l. c., S. 91) bemerkt er: "Die Weiber nhern sich
im Allgemeinen mehr dem malaiischen Typus". Mozo bemerkt hierber:
"aparecen muy semejantes  los Chinos ..... especialmente en los
ojos, en que no los quitan pinta" (Misiones, p. 63). Mas (pobl. 24)
findet es auffallend, dass in ihrer Sprache der spanische Laut ch,
entsprechend dem deutschen tsch, vorkommt, den angeblich die Dialekte
der brigen Malaienstmme nicht kennen. Lillo Gracia sagt von ihrer
Sprache, sie sei einem corrumpirten Ilocanisch hnlich, besitze
aber eine eigenthmliche nasale Accentuirung, die an das Chinesische
erinnere. Eine Vermengung mit Chinesen lsst sich nicht gut nachweisen,
sie msste jedenfalls vor der Einwanderung der Ilocanen erfolgt sein,
so lange die Igorroten noch im Besitze der Kste waren, denn sonst
mssten die Ilocanen auch einen chinesischen Typus aufweisen, da die
Chinesen wohl mehr Berhrungspunkte zu einem intimen Verkehre mit
diesen vorfanden, als mit den tieferstehenden Igorroten. Jedenfalls
heisst es in dieser Frage nicht voreilig sein, sondern specielle
Untersuchungen ber diesen Gegenstand abwarten.

Das Haar tragen Mnner und Weiber "vorn geradlinig ber der Stirn
und zu beiden Seiten des Gesichts abgeschnitten, so dass es fast
die ganze Stirn bis zur Nasenwurzel, sowie die Ohren bedeckt";
am Hinterkopf lassen sie es oft lang wachsen und binden es in
einen Knoten zusammen (Semper, Erdk. XIII, 91). Doch wechselt die
Haartracht bei den einzelnen Stmmen (Lillo 30). Die Igorroten im
engeren Sinne des Wortes ttowiren ihren Krper an Hnden, Armen und
der Brust (Lillo 31), doch beschrnkt sich diese Sitte in den meisten
Drfern nur auf ein rohes Sonnenbild, welches auf die Handrckenflche
gemalt wird (Semper, Erdk. XIII, 90), insbesondere die Weiber dehnen
die Ttowirung zumeist auf keinen anderen Krpertheil aus (Lillo,
l. c.). Die Ttowirungsmuster auf Brust und Armen sind Combinationen
gerader und krummer Linien, seltener findet man bildliche Darstellungen
von Menschen und Thieren (Semper, l. c.). Die Ttowirungsmuster haben
eine schmutzig-blaue Farbe und werden der Haut durch Nadelstiche
beigebracht, die Nadel selbst ist in eine Farbmasse getaucht,
welche aus l und einem Pulver, das durch Verbrennung blauer
Baumwollenstoffe gewonnen wurde, zusammengesetzt ist (Lillo 31). Die
Busaos-Igorroten ttowiren sich Blumengebilde auf die Arme (Mas,
pobl. 25; Ilustracion, 1860, 152 und 285; Bastian, Reisen V. 273;
Ilustr. del Oriente, 1878, Nr. 1, p. 4), andere Krpertheile werden
nicht ttowirt. Die Buriks-Igorroten ttowiren sich den Krper in
einer Weise, dass er wie mit einem Panzerhemde bedeckt erscheint,
whrend die Arme mit schlangenartigen Mustern versehen werden (Mas,
pobl. 25). Bemerkenswerth ist die Sitte, dass bei Vornehmen die Zhne
mit einem breiten Goldblech bedeckt werden (Semper, Erdk. XIII,
90). Denselben Brauch fanden die Spanier bei der Eroberung des
Archipels bei Tagalen und Visayern vor.

Den schmutzigen Krper und die nie gekmmten Haare verhllen
verschiedenartige Tracht und Gewandung. Bei der Feldarbeit wird
von den Mnnern nur der Bajaque oder Baac--eine Art Schurz--getragen
(Lillo 31). Der Bajaque besteht aus Baumwollenzeug oder Baumrinde (Mas,
pobl. 23). Sonst wird noch ein Mantel getragen, "aus Baumwollenzeug
verfertigt und ilocanischer Provenienz", da dieser "Mantel" viereckig
ist, knnte er wohl besser Plaid genannt werden. Der Plaid ist lang
genug, dass er doppelt um den Leib herumgeschlagen werden kann, er ist
blau und weiss gestreift oder schwarz; wenn ganz von weisser Farbe,
gilt er als Trauergewand (Mas, pobl. 23). Diese anscheinende Anlehnung
an chinesischen Brauch liefert aber kein neues Beweismaterial fr
die Chinesen-Abstammungs-Hypothese, denn die Spanier fanden in den
Zeiten der Conquista Weiss als Trauerfarbe im ganzen Archipel, und
noch heute ist es so auf den Sul-Inseln.

Der Kopf wird meist unbedeckt getragen (Semper, Erdk. XIII, 89), sonst
tragen die Berg-Igorroten ein Zeug turbanartig um den Kopf gewunden,
whrend die Thalbewohner mit dem Salac das Haupt bedecken (Lillo
31). Die Tracht der civilisirten Indier (gleich der tagalischen)
beginnt bereits in den Grenzdistricten die nationale zu verdrngen
(Lillo, l. c.). Die Weiber tragen eine bis zu den Knieen reichende
Schrze, ferner ein jackenartiges Hemd mit langen rmeln, welches die
Brste durch einen Schlitz erblicken lsst, beide Kleidungsstcke sind
indigoblau mit weissen Streifen (Semper, Erdk. XIII, 89; Ilustr. 1860,
p. 151). Die Huptlinge tragen im Kriege einen eigenthmlichen Barigus
oder Porta-itac genannten Grtel, welcher aus kleinen blendend weissen
Steinchen zusammengesetzt ist (Scheidnagel 124). Die Kleider werden
nie gewaschen (Lillo 31).

Als Schmuckgegenstnde dienen beiden Geschlechtern Ringe und Schnre
um Hals, Arme und Beine, sowie Ohrgehnge. Um den Hals werden mit
Glasperlen und Steinen bedeckte Schnre getragen (Semper, Erdk. XIII,
90), manche legen einen aus Kupferblech bestehenden Halsschmuck
an, einige tragen frmliche Hunde-Halsbnder (Lillo 30). Die Arm-
und Beinringe bestehen aus Metalldraht, Glasperlenschnren oder
Pflanzenflechtwerk (Semper, Erdk. XIII, 90); eine besondere Gattung
dieser Ringe heisst Bali, wird aus Kupfer verfertigt und ist mitunter
vergoldet (Scheidnagel 125). Die Ohrgehnge, welche auch von den
Mnnern getragen werden, bestehen aus Gold, Kupfer und Hundezhnen
(Lillo 30; Scheidnagel, l. c.). In Ermangelung von etwas besserem
werden auch Holzpflcke in die Ohren gesteckt. Je grsser die
Ausdehnung des Ohrlppchens ist, desto grsser der Stolz.

Tabak, Geld und andere Gegenstnde werden in einer Art Patronentasche
aus Rohrgeflecht getragen, welche an einem Bandelier hngt (Lillo
30). Semper sah viele Igorroten, welche an einer (Glas-) Perlenkette
einen Ohrlffel und jene Kupferzange bestndig mit sich trugen,
welche zum Auszupfen der Barthaare dient.

Von ihren Gerthen und Waffen fllt zunchst ihre Axt Ligua (Aligua,
Aliva) in die Augen, sie hat die Gestalt eines Trapezoids (Scheidnagel
124) und ist mit einer Spitze versehen, welche zum Aufspiessen des
abgeschlagenen Feindeskopfes dient (Lillo 24). Dann kommt zunchst
das zweischneidige Waldmesser Bujas oder Talibong (Talibon) in
Betracht. Breite einschneidige Hackmesser, gleich den ilocanischen,
und ebenso Bolos genannt, sind gleichfalls im Gebrauche. Der Talibong
wird bei den Busaos nicht vorgefunden (Ilustr. 1860, p. 152). Zur Jagd
wie zum Kriege dient als Hauptwaffe ein Wurfspiess mit eiserner Spitze,
welcher Cayang genannt wird. Sie besitzen zwar auch Pfeil und Bogen,
wissen aber diese Waffe nicht gut zu gebrauchen (Mas, pobl. 24). Als
Schutzwaffe dient der aus Holz verfertigte Schild, Calata (Lillo
24). Smmtliche Angriffswaffen sind aus Metall verfertigt, bezw. haben
sie aus diesem verfertigte Spitzen, Eisen wird natrlich bevorzugt,
kommt aber nur durch Handel in ihre Hnde, weshalb in frheren Zeiten
das Kupfer das Material zur Herstellung ihrer Waffen und Werkzeuge
nahezu ausschliesslich hergab.

Von Transportgerthen sind erwhnenswerth der Apirang und der Cayabang,
ersterer ist ein auf dem Rcken zu tragender Korb aus Rohr und Bambus,
letzterer ist gleichfalls ein Korb von vollendeter Arbeit, welchen
nur Weiber tragen, er hat die Gestalt eines abgestumpften Kegels; zum
Fortschaffen und Aufbewahren verschiedener Gegenstnde dienen auch die
Sackgattungen Upit und Sagupit, beide aus Bejuco und anderen Rohr-
und Gras-Gattungen geflochten. Der Upit hat einen doppelten Boden
(Scheidnagel 126).

Die Drfer der Igorroten sind nicht klein und erscheinen noch grsser
durch den Umstand, dass jedes Haus von dem anderen durch einen
viereckigen Hofraum geschieden ist (Semper, Erdk. XIII, 90), dieser
Hofraum ist von einem aus rohbehauenen Steinen zusammengefgten
Walle umgeben. Die Htten sind je nach der Lage des Dorfes aus
verschiedenen Materialien hergestellt; wo spanisches Rohr und
Cogongras noch fortkommen, werden aus ersterem die Wnde, aus
letzterem die Bedachung verfertigt, in den hheren Gebirgen dienen zum
Hausbaue Dielen und Balken aus Fichtenholz (Ilustracion 1860, n. 12,
p. 151). Die Igorroten-Htten in den Niederungen von Lepanto haben
bereits ilocanisches Geprge (Lillo 31). Der Grundriss ist viereckig,
die Zimmer sind vier Fuss hoch; zwischen der Zimmerdecke und dem
Dache ist der Reis aufgehuft; selten luft um das Haus eine Galerie
(Semper, Erdk. XIII, 90). Die Htten haben keine Fenster und nur eine
einzige niedrige Eingangsthr, zu welcher man auf einer Leiter--denn
auch hier ruhen die Htten etwas erhht ber dem Erdboden--gelangt
(Lillo 31). Der Feuerherd befindet sich gewhnlich in der Mitte des
einzigen Zimmers (Semper, Erdk. XIII, 90). In manchen Gegenden umgeben
die Igorroten ihre Huser mit Bambuszunen (Scheidnagel 75). Das Innere
der Htten starrt von Schmutz, Russ und Asche (Semper, Erdk. XIII, 90;
Mas, pobl. 24; Ilustracion 1860, n. 12, p. 151). Frher schmckten die
Igorroten das ussere und Innere ihrer Behausungen mit den Kpfen der
erlegten oder geschlachteten Thiere aus, wodurch die ganze Umgebung
der Htte durch infernalischen Gestank verpestet wurde (Mas, pobl. 20;
Semper, Erdk. XIII, 94), jetzt beginnt diese Sitte zu verschwinden,
wenigstens in Benguet und Lepanto.

Die Igorroten sind fleissige Ackerbauer, sie bauen Reis, Mais,
Patatas, Camote und verschiedene Gemsegattungen, ferner Tabak. Kaffee
wird zwar in ihrem Lande gepflanzt, aber diese Plantagen sind im
Besitze und in Verwaltung von Spaniern und Mestizen (Lillo 41). Vor
dem Auftreten der Spanier scheinen sie nur Reis gebaut zu haben und
diesen nicht in gengender Menge, denn zu Ende des XVII. Jahrhunderts
tauschten die Igorroten in Ilcos nicht allein Schweine und Bffel,
sondern auch Reis ein (Morga-Stanley 284). Lillo Gracia sagt von
den Igorroten von Lepanto, dass sie bestndig darnach streben, neue,
ihnen unbekannte Smereien und Pflanzen anzubauen. Hie und da, wo das
schon khlere Klima ihres Landes es zulsst, bauen sie Zuckerrohr,
Mangobume und Apfelsinen (Semper, Erdk. XIII, 72).

Bewunderungswrdig ist die Anlage ihrer Felder an steilen Berglehnen
und das Berieselungssystem, welches ihren ckern das nthige Wasser
bringt. Die schroffsten Abhnge sind durch mhseliges Aufthrmen von
Felsblcken in Terrassenfelder verwandelt worden (Semper, Skizzen 59,
und in Erdk. XIII, 91; Lillo 39). Den Feldern wird das Wasser durch
ausgezeichnet nivellirte Canle zugefhrt, Schluchten und Bergklfte
werden durch primitive Aquducte berbrckt, welche aus rinnenartig
ausgehhlten Baumstmmen hergestellt sind (Lillo 40). Um fruchtbare
cker zu gewinnen, brennen die Igorroten grosse schne Fichtenwaldungen
nieder (Lillo 46). Das Pflgen und der Terrassen- und Canalisirungs-Bau
liegt den Mnnern ob, alle brige Feldarbeit ist Sache der Weiber und
Kinder (Lillo 32). Der Reis wird nicht geschnitten, sondern Halm fr
Halm ausgerissen (Semper, Erdk. XIII, 91). Nach der Ernte werden die
Felder unter Wasser gesetzt und dann gepflgt. Zu letzterer Arbeit
wird nur in den Niederungen der Bffel mit benutzt, in den Berghhen
arbeitet der Mensch allein (Lillo 39). Der Pflug ist eine Art Harke
(Semper, l. c.). In Lepanto besteht er aus eisenbeschlagenen Stben,
welche die Erde aufreissen, worauf die Schollen durch Daraufschlagen
zerbrckelt werden (Lillo, l. c.).

Von einer Viehzucht in dem bei uns blichen Sinne des Wortes ist
bei den Igorroten keine Rede. Sie besitzen zwar Bffel, Schweine
(und seltener) Rinder und Pferde, aber ohne sich mit deren Zucht
und Pflege zu befassen, so dass sie genthigt sind, diese Thiere in
grossen Mengen in Ilcos aufzukaufen, denn bei ihren Festschmusen
werden ungeheuere Massen Fleisch vertilgt, der Bedarf ist daher
ein grosser. Die Pferde werden nur des Fleisches wegen gezogen,
die wenigen, welche nicht dem Schlachtmesser verfallen, sind durch
frhe Dienstleistung bald ruinirt (Lillo 41). Auch der Hund muss sein
Fleisch hergeben. Da das letztere Thier, sowie das Schwein und das
Huhn nur unter gewissen Ceremonien und unter priesterlicher Beihlfe
geschlachtet werden knnen (Semper, Erdk. XIII), so ist der Schluss
berechtigt, dass diese drei Thiergattungen die einzigen Hausthiere der
Igorroten waren, als sie Luzon betraten und ihre jetzigen Wohnsitze
einnahmen. Trotz dieser Vorliebe und religisen Scheu Schweinen und
Hhnern gegenber sind die Igorroten von Lepanto so nachlssig und
trge, dass sie, anstatt diese Thiere selbst zu ziehen, solche zu
ziemlich hohen Preisen von ilocanischen Hndlern einkaufen (Lillo
42). Die Hunde werden hingegen gut gepflegt und sogar Nachts in
die Htte mitgenommen, wo Menschen und Thiere sich in der Nhe des
wrmenden Herdes lagern (Semper, Erdk. XIII, 90). Stlle fr Bffel,
Rinder und Pferde giebt es nicht, diese Thiere mssen im Freien die
khlen Nchte (in Benguet +7 R.) zubringen.

Ihre gewhnliche Nahrung besteht in Camote, Reis, dem Fleische
ihrer Hausthiere und Wildpret, letzteres wissen sie fr lngere
Zeit zu conserviren (Ilustracion 1860, n. 12, p. 152). In der
Bereitung der Fleischspeisen sind sie nichts weniger als heikel, fr
gewhnlich braten sie das Fleisch, doch essen sie es auch im rohen
Zustande, selbst die Bffelhaut wird nicht verschmht und in lange
Streifen zerschnitten noch blutig verschlungen (Semper, Erdk. XIII,
94). Ein Leckerbissen ist den Igorroten der in den Eingeweiden eines
frischgeschlachteten Bffels befindliche Koth (Mas, pobl. 23). Semper
(Erdk. XIII, 94) sah bei einem Festschmause, wie sie den Saft aus den
Excrementen eines geschlachteten Bffels als Sauce auf rohes Fleisch
auspressten. Sie geniessen das Fleisch auch im Fulniss-Zustande
(Lillo 28).

Den grssten Theil ihrer Reisernte verwandeln sie in Bundang oder
Siniput, ein saures, berauschendes Bier (Semper, Erdk. XIII, 92). Ein
anderer gegohrener Trank wird aus Zuckerrohr bereitet und heisst
"Basig" oder "Basi".

Von den civilisirten Malaienstmmen der Philippinen unterscheiden
sie sich vorteilhaft dadurch, dass sie keinen Buyo kauen, dagegen
rauchen Mnner und Weiber von frher Jugend an leidenschaftlich Tabak,
und zwar aus Pfeifen (Lillo 30). Letztere werden von ihnen selbst
fabricirt und bestehen aus Stein, Holz oder Bronze (Messing).

Sobald ein Weib Geburtswehen fhlt, eilt sie zu einem Flusse oder
Bache, in dessen Wasser sie das neugeborene Kind sofort badet,
dann legt sie das Kindlein in eine Art Korb, der ber den Schultern
festgehalten wird und geht damit heim (Ilustracion 1860, n. 12,
p. 152). Werden Zwillinge geboren, so wird das zuletzt geborene Kind
der ersten besten Familie geschenkt, die es adoptiren will; findet
sich Niemand, der sich des armen Wesens erbarmt, so wird das Kind
erwrgt oder lebendig begraben (Lillo 25). Dieser barbarische Brauch
ist im raschen Schwinden begriffen. Das neugeborene Kind erhlt den
Namen desjenigen, der es zuerst beschenkt, doch werden die Namen im
Leben mehrmals gewechselt (Lillo, l. c.).

Entgegen den liederlichen Sitten der Tagalen und Visayer hten die
Igorroten ngstlich die Keuschheit ihrer Mdchen. Sobald die Kinder
geschlechtsreif werden, tritt eine vollstndige Isolirung der Jnglinge
und Mdchen ein. In jedem Dorfe giebt es zwei grosse Huser, in dem
einen bringen die Jungfrauen, in dem anderen die Jnglinge die Nacht
zu; ein Greis bei den letzteren, eine Greisin bei ersteren fhren die
Oberaufsicht und verhindern, dass Jemand zur Nachtzeit sich hinaus-
oder hereinschleiche (Lillo 27). Bei Tage werden die Jungfrauen bei
jedem Ausgange von lteren Frauen ihrer Familie oder dem Vater selbst
begleitet und bewacht (Lillo, l. c.). Der Fehltritt eines Mdchens
wurde bei einigen Stmmen mit dem Tode (Mas, pobl. 23), bei anderen
durch schwere Zchtigung bestraft (Lillo 29). Diese Strenge bewirkte,
dass die Mdchen, welche ihren Trieben freie Zgel schiessen liessen,
indem sie die Wachsamkeit ihrer Aufseher tuschten, vorgaben, von Affen
im Walde genothzchtigt worden zu sein (Mittheilungen des Fray Lorenzo
Juan in Mas, pobl. 23). Der Verkehr mit den eingewanderten christlichen
Ilocanen und Pangasinanen, sowie mit den Soldaten der Forts hat diese
reinen Sitten auf vielen Punkten untergraben (Lillo 32).

Verliebt sich ein Jngling in ein Mdchen und sind beide Eltern einem
Ehebndnisse ihrer Kinder geneigt, so gestatten die Eltern der Braut
dem Jnglinge, mit ihrer Tochter im Concubinate zu leben, denn es gilt
vor Allem, die Fruchtbarkeit derselben zu erproben (Lillo 27). Wird
die Braut binnen einer bestimmten Frist schwanger, so findet erst die
Hochzeit Statt, im entgegengesetzten Falle tritt der Brutigam zurck
(Lillo, l. c.). Wer ohne Grund seine Braut verliess, wurde frher
gekpft (Lillo 29). Die Hochzeit beginnt mit einem religisen Acte:
die Priesterin erscheint, und unter Anrufung der Anitos verrichtet sie
in Gegenwart aller Verwandten ihren Hocuspocus. Whrend der ganzen
Ceremonie ruht der Fuss des Brutigams auf dem der Braut (Lillo
27). Dann folgt der Festschmaus, welcher oft 8 bis 9 Tage dauert,
whrend dieser Zeit bleibt das Ehepaar unsichtbar (Mas, pobl. 19).

Die Igorroten kennen nur die Monogamie, und die Heiligkeit der Ehe
wird ungemein hochgehalten. Die noch unabhngigen Igorroten tdten
jedes ehebrecherische Weib durch Kopfabschlagen, die unter spanischer
Herrschaft stehenden lassen es mit einer schweren krperlichen
Zchtigung bewenden (Lillo 29). Die Ehen sind nur durch den Tod
lslich (Lillo 27). Die Witwe gehrt zur Familie ihres verstorbenen
Gatten, ohne deren (seltene) Einwilligung sie sich nicht wieder
vermhlen darf, in welchem Falle sie jedes Recht auf ihre Kinder
von ihrem ersten Gatten verliert, deren Vormundschaft und Schutz
der Familie desselben zufllt (Lillo 27). Der Witwer darf sich erst
nach sieben Jahren wieder verheirathen, whrend dieser ganzen Zeit
fordert der gute Anstand von ihm, durch dumpfes Stillschweigen und
Vorsichhinbrten, sowie durch gnzliche Vernachlssigung der ohnehin
geringen krperlichen Reinlichkeit, seine Trauer um die verstorbene
Gattin zur Schau zu tragen (Lillo, l. c.).

Im Familienleben der Igorroten fllt angenehm die Hochachtung auf,
welche den Greisen gezollt wird (Lillo 29), minder vortheilhaft
klingt die Meldung, dass noch im Anfange dieses Jahrhunderts die
Igorroten ihre Kinder gern an die guten Christen von Ilcos und
Pangasinn verkauften. Die Kinder wurden von den "edlen" Indiern zu
Viehhirten und Knechten aufgezogen, der Preis schwankte zwischen 20
bis 30 Pesos, nur mit grosser Mhe gelang es der spanischen Regierung,
diesen schndlichen Handel mit lebendigem Menschenfleisch auszurotten
(Mas, pobl. 34).

Ist ein vornehmer Igorrote verschieden, so wird eine Priesterin geholt,
welche an die Leiche Fragen stellt, wie z. B.: "Warum hast du deine
Verwandten und Freunde verlassen?" Dann werden alle Verwandten, auch
die entferntesten, von dem Todesfalle benachrichtigt, welche auch
insgesammt erscheinen; jeder tritt vor den Todten, grsst ihn und
drckt ihm die Hand, wobei er die oben erwhnte Frage der Priesterin
wiederholt. Der Leichnam wird nicht eher begraben, als bis alle
Blutsfreunde ihm diese letzte Ehrenbezeugung erwiesen, was oft 8 bis
9 Tage whrt; bei den mehr civilisirten Igorroten wird die Leiche
frher bestattet oder wenigstens auf den Friedhof gebracht (Lillo
25 f.). Whrend der ganzen Zeit, wo der Todte von seinen Verwandten
begrsst und besucht wird, feiert man vor dem Hause ein Caao (Fest),
d. h. es werden ungeheuere Quantitten Fleisch und Reis verschlungen
und noch viel mehr Basi getrunken. Der Aufwand ist oft so bertrieben,
dass manche Familie durch ein solches Todtenfest vollstndig verarmt
(Lillo 26). Die Igorroten von Benguet begraben ihre Todten ohne die
angefhrten Ceremonien und berdiess kurze Zeit nach der Sterbestunde
(Semper, Erdk. XIII, 95). In einigen Gegenden werden die Leichen
ber einem Feuer gedrrt (Lillo 26 u. Semper, l. c.) in anderen,
wiewohl selten, auch einbalsamirt (Semper, Erdk., l. c.). Der Leichnam
wird sitzend (Lillo 26, Semper, l. c.) in einen kistenartigen Sarg
gesteckt, welcher, wenigstens in Lepanto, aus einem Holze verfertigt
wird, das angeblich die Fulniss verhindert (Lillo, l. c.). In Benguet
bestehen die Srge, an welchen mitunter Schnitzereien angebracht sind,
aus Fichtenholzbrettern (Semper, Erd. XIII, 96). In den Sarg werden
Lebensmittel mitgegeben. Ein Sarg enthlt oft zwei und mehr Leichen
(Semper, Erdk. XIII, 96). In Benguet werden die Todten meist unter
oder neben den Husern bestattet (Semper, Erdk. XIII, 95), jedoch
werden mit Vorliebe Hhlen zu Begrbnisspltzen ausgesucht (Lillo 6),
was um so bemerkenswerther ist, als auch die Visayer vor der Annahme
des Christenthums dieselbe Weise der Todtenbestattung ausbten. Die
Hhlen werden, wo die Natur sie nicht gebildet, knstlich vermittelst
des Feuers in den Felsen hineingearbeitet (Semper, Erdk. XIII, 96). Die
Begrbnisssttten der Huptlinge und Vornehmen heissen "Luddut", jede
Familie hat da ihren bestimmten Platz, gleichsam ihre Familiengruft
(Mas, pobl. 18). Frher geschah es mitunter, dass die Leiche (bei
Leuten geringeren Standes) von den Caao-Festgenossen aufgezehrt
wurde. Mas (pobl. 19) erwhnt einen solchen Vorfall, der sich in der
Igorroten-Niederlassung Baruncucureng bei dem Pueblo Tagudin noch in
diesem Jahrhunderte zugetragen hat.

Jeder Mord und Todtschlag, welchen ein Fremder verbt, wird durch
Blutrache gegen dessen Dorf geshnt, falls nicht Wehrgeld erlegt
wird (Mas, pobl. 18). Bei ihrem zu Gewaltthaten geneigten Sinne
und dem Ruhm, den jener geniesst, der seine Htte mit recht vielen
Menschenschdeln schmcken kann, nimmt die Schlchterei unter ihnen nur
dort ein Ende, wo die Autoritt der spanischen Behrden volles Gewicht
hat. Die Igorroten von Benguet zeichneten sich durch eine grssere
Kriegslust aus als die Buriks und Busaos. Die Bewohner von Ilcos und
Pangasinn waren in den Zeiten, wo die Igorroten noch unabhngig waren,
bestndig durch Banden dieser Kopfjger beunruhigt. Bei einzelnen
Stmmen herrschte frher der Brauch, dass, wenn ein Todter 2, 3,
4 &c. Finger der Hand ausgestreckt hielt, seine Hinterbliebenen
ebensoviele Menschen tdten mussten; so nahm das Morden kein Ende
(Mas, pobl. 23). In der bestialischen Wuth tranken sie mitunter das
warme Blut des Unglcklichen, dem sie soeben den Kopf abgeschlagen
(Mas, pobl. 22). Kehrte ein Kopfjger mit seiner schauerlichen
Beute heim, so erschienen die gesammten Bewohner des Ortes in dem
Hause desselben und tanzten unter wildem Geschrei und Gejohle um die
blutigen Feindeskpfe, Reis- und Zuckerrohr-Branntwein wurde in Massen
vertilgt, und Tage verstrichen oft, ehe diese entsetzliche Festlichkeit
endete, welche den Blutdurst und die Roheit der Igorroten in grellem
Lichte offenbarte (Lillo 24). Den Krieg fhrten sie am liebsten im
Hinterhalte, wurden sie aber vom Feinde im offenen Felde angegriffen,
so wussten sie sich mit grosser Bravour zu vertheidigen. Wollten die
Igorroten herannahenden Fremden erklren, dass ein Betreten ihres
Gebietes gleichbedeutend mit einer Kriegserklrung wre, so legten
sie Bogen und Pfeil auf den Weg und besprengten die Erde mit Blut
(Mas, pobl. 44). Sie warfen auch Schanzen auf, um Feinden den Zugang
in ihre Thler zu versperren (Galvey's Tagebuch in Mas, pobl. 58).

Ihre Religion erinnert lebhaft an jene der alten Tagalen. Sie glauben
an ein oberstes gttliches Wesen, welches die ganze Schpfung regiert
und nennen es "Apu" oder "Apo" oder (in Lepanto) "Lumaoig" (Lillo
21). Die Gemahlin des Apu heisst Bangan, seine Kinder sind der Sohn
Ubban und die Tochter Bugan. Ausserdem giebt es zwei Untergtter:
Cabigat und Suyan. Diese Gottheiten wohnen am westlichen Himmel und
stehen mit den Menschen durch die Anitos im Verkehr (Lillo, l. c.). Die
Namen der Gtter werden in jedem Dorfe verschieden angegeben. Donnert
es, so sagen sie, der Gott Cabuniang verlange Schweine [15] zum
Opfer, sie kommen auch seinem Verlangen unter grossen Festlichkeiten
nach (Mas, pobl. 16). Den Igorroten am Rio Agno wird die Sonne zur
Gottheit, als deren Kinder die Gtter Magsib und Caspk gelten, welche
letzteren in Krankheitsfllen angerufen werden und auch sonst einen in
Festlichkeiten bestehenden Cultus besitzen (Semper, Erdkunde XIII, 94).

Den Gttern wird aber viel weniger Verehrung erwiesen, als den Seelen
der verstorbenen Ahnen, den Anitos. In jedem Dorfe befindet sich
ein heiliger Baum, den man als Wohnsitz von Anitos ansieht. Unter
diese Bume werden Opferstcke hingestellt, welche natrlich dem
ersten vorbeistreifenden Hunde ein willkommenes Fressen bieten. Vor
diesen Bumen stehen oft (Lillo 20) Felsblcke oder Steine in
Form von Altren, auf welchen die Opfer den Anitos dargebracht
werden. Am unteren Rio Agno giebt es nur hie und da Opferpltze
(Semper, Erdk. XIII, 94). Der Anito-Cultus zieht wie der rothe
Faden in dem Tauwerk der englischen Marine durch alle Anschauungen,
Sitten, Bruche und Lebensgewohnheiten der Igorroten. Bei jedem
Anlasse werden sie angerufen und jeder Vorfall, besonders wenn er
schlimmer Natur ist, ihrem Einflsse zugeschrieben, deshalb sucht
man sie sich stets gewogen zu erhalten. Vor der Aussaat des Reises
wird ihnen ein grosses Opferfest abgehalten, damit sie Saaten und
Felder schtzen &c. Die Anitos rufen auch die Krankheiten hervor und
erzeugen verderbliche Dnste in Feld und Flur. Die Igorroten des in
Lepanto liegenden Ortes Cabugatan halten die Aale ihres Baches fr
Verkrperungen ihrer Anitos, weshalb sie ihnen nicht nur kein Leid
zufgen, sondern sie selbst fttern (Lillo 21). Mitunter findet man
(in Lepanto) rohe Holzbilder, welche einen stehenden oder hockenden
Mann darstellen, es sind diess Bilder der Anitos. Semper traf bei den
sdlichen Igorroten keine derartigen Bilder. Besonders zur Nachtzeit
ziehen die Anitos herum, um Schaden zuzufgen (Mas, pobl. 17).

Die Igorroten besitzen einen Priesterstand, dessen Mitglieder der
Mehrzahl nach Weiber sind, wie diess bei den Tagalen und Visayern
in den Zeiten der Conquista ebenso der Fall war. Der mnnliche
Priester heisst Mambunung, in jedem Dorfe ist nur einer, der erst
auf dem Todtenbett seinem Sohne die Gebetsformeln mittheilt (Semper,
Erdkunde XIII, 94). Diese Mambunungs heilen auch Krankheiten, indem
sie das Gesicht des Leidenden mit dem Blute eines geschlachteten
Opferthieres beschmieren; als Bezahlung erhalten sie Gold und die
besten Fleischstcke des Opferthieres (Semper, l. c.). Schweine,
Hunde und Hhner drfen nicht geschlachtet werden, ausser sie werden
vom Mambunung eingeweiht und Theile ihres Fleisches den Gttern oder
Anitos geopfert.

Meist werden alle religisen Ceremonien durch Priesterinnen, die
sogenannten "Asiteras", geleitet, es sind diess gewhnlich alte
Weiber, welche die Opfer bei den religisen Festen, den Caaos,
zu verrichten haben. Die Anlsse zur Veranstaltung solcher sind
verschiedenartigster Natur, wie: Erkrankung, pltzliches Umstehen des
Viehes, eine Leichenbestattung, Hochzeiten, das Erblicken gewisser
Vgel oder einer Ratte, welche den Weg kreuzt, ferner der Neubau
eines Hauses oder der Aufbruch eines Kopfjgers, der Blutrache ausben
will (Lillo, 19 f.). Die Asiteras leiten das Fest, das in ein Fress-
und Saufgelage ausluft, mit dem Schlachten eines Opferthieres ein,
indem sie unter Hersagen verschiedener Stossgebete und Ausrufungen
mit dem Opferblute die Umstehenden oder das Anitobild besprengen. Die
Asiteras geben vor, von einem Anito begeistert zu sein (Lillo 20). Zum
Abhalten dieser religisen [16] Feste, Caaos, besitzt jedes Dorf einen
kleinen Schuppen, vor dem ein offener Platz sich befindet (Lillo 24).

Das Erscheinen des Regenbogens halten die Igorroten fr ein gutes Omen,
kreuzt hingegen eine Schlange den Weg, so kehren sie augenblicklich um
(Mas, pobl. 16). Wenn sie irgendwohin aufbrechen wollen, so znden sie
ein Feuer an, schlgt der Rauch nach der ihrem Ziele entgegengesetzten
Richtung, so halten sie diess fr ein sehr schlimmes Zeichen und
unterlassen sofort den Zug (Mas, l. c.). Unter ihren "aberglubischen"
Bruchen verdient folgender einer Erwhnung: Wenn bei dem Neubaue eines
Hauses Jemand bei der Errichtung der Grundpfeiler niest, so muss der
Bau sofort unterlassen werden, sonst wrde von den Betheiligten einer
bald sterben mssen (Lillo 23).

Das Christenthum hat zwar bei ihnen Eingang gefunden, breitet sich aber
nur langsam, wenn auch sicher, aus. Man hat schon in den vergangenen
Jahrhunderten Versuche gemacht, sie zum Christenthume zu bekehren, aber
P. Mozo (Misiones 80) gesteht freimthig, dass die wenigen Igorroten,
welche die Taufe nahmen, diess nur thaten, um ihre Stammesgenossen um
so leichter und wohlfeiler mit Mnteln, Schweinen, Khen und (Palm-)
Wein zu versehen.

ber ihre nationalen Rechtsverhltnisse ist mir so gut wie Nichts
bekannt. In zweifelhaften Fllen waren Gottesurtheile, wenn ich diesen
Ausdruck hier anwenden darf, blich. Zwei Arten derselben erwhnt
Lillo (Lepanto 20). Mit einem spitzen Eisen von der Grsse und Gestalt
eines kleinen Nagels werden die Kpfe der Streitenden geritzt, wer
bei dieser Operation mehr Blut verliert, hat den Streit verloren. Ein
anderes Mal wird ein kleiner Scheiterhaufen angezndet, worauf jeder
der Streitenden ein gefesseltes Huhn in die Flammen wirft. In dem
Augenblicke, wo die armen Thiere in den letzten Zgen liegen, werden
sie wieder aus dem Feuer herausgezogen und der Leib geffnet, wessen
Huhn eine grssere Galle besitzt, der hat den Process verloren.

Das Jahr zhlen sie nach Ernten, die Monate nach Monden, die
Stunde nach dem Stande der Sonne (Lillo 44). Ihre Gesnge sind
monoton und nach unseren Begriffen unharmonisch, der Kriegsgesang
besteht eigentlich nur aus einem gellenden Geschrei (Lillo 24). Ihre
Musikinstrumente sind nicht zahlreich, zu erwhnen wre zunchst
der Batitin, eine Trommel aus einem ausgehhlten Baumstamme (Lillo
28), denselben Namen giebt Semper (Erdk. XIII, 93), nur mit einer
geringen Modification--batiting--, den auch bei den Igorroten blichen
Gongs. Prof. Semper erwhnt an derselben Stelle auch eine Trommel,
welche die Form einer Kanone besitzt und mit einem Stck Stierleder
berzogen ist. Der Gong der Igorroten von Lepanto heisst la Ganza,
er besteht aus Bronze. Zur besseren Handhabung ist an die Ganza ein
Henkel angemacht, welcher aus dem Kinnbacken eines Feindesschdels
besteht, so adjustirte Ganzas haben einen besonderen Werth (Lillo 29).

Die vornehmen Igorrotenfamilien wetteifern miteinander in
Veranstaltungen von grossen Festschmusen. Zu diesen Festen werden
nur die Vornehmsten des Ortes persnlich eingeladen, die brigen
Dorfbewohner erscheinen auf das Signal von Trommelschlgen. Ehe das
Gelage seinen Anfang nimmt, wird getanzt. Bei den sdlichen Igorroten
treten bei solchen Festen als Tnzer ein Weib mit drei bis vier
Mnnern auf. "Das Weib dreht sich, die Arme bald weit ausstreckend,
bald sie ber die Brust kreuzend, wobei sie sich tief gegen die (schon
bereitstehenden und mit Reisbier gefllten) Krge verneigt, nach
einer Seite im Kreise um diese herum, in entgegengesetzter Richtung
bewegen sich die Mnner, deren Anfhrer ein breites buntfarbiges Tuch
ber Brust und Schultern trgt und lebhaft mit den Armen gesticulirt"
(Semper, Erdk. XIII, 93). Der Tanz der Igorroten von Lepanto besteht
in einem schnellen Bewegen der Beine, ohne die Fsse vom Boden zu
erheben oder den Krper zu bewegen, dabei halten die Mdchen ein
Tuch in den Hnden, hinter welchem sie sich anscheinend zu verbergen
suchen, hnliches thut der Mann, nur fingirt er das fehlende Tuch;
es tanzt immer nur ein Paar, welches rasch durch ein anderes ersetzt
wird (Lillo 29).

Beim Kriegstanze ahmen die mit Schild und Lanze bewaffneten Tnzer
ein Gefecht nach (Lillo, l. c.), doch beginnt diese Sitte rasch zu
schwinden, da bei den den Spaniern unterworfenen Igorroten keine
Kriege mehr gefhrt werden.

Ihre Industrie ist nur in Bezug auf Metallarbeiten und Bergbau von
Belang. Sie besitzen zwar kleine Webeapparate (Lillo 42), knnen
aber damit nur den geringsten Theil ihres Bedarfes an Baumwollgeweben
decken. Aus der Rinde des mchtigen Baumes Baliti bereiten sie durch
Klopfen und Drren an der Sonne einen beraus haltbaren Stoff, welchen
sie zu ihrem Kopfbunde, zu Schlafteppichen &c. verwenden (Scheidnagel
126). Im Flechten von Krben, Matten und Hten sind sie sehr geschickt,
letztere Industrie nimmt immer mehr an Bedeutung zu. Aus Holz werden
verschiedene Sachen, als Tabakspfeifen, Schsseln &c. geschnitzt. Die
"Latoc" genannte Holzschssel hat zwei Hhlungen, eine fr das Salz,
die andere viel grssere fr die eigentliche Speise (Scheidnagel
126). Sie sind ausgezeichnete Schmiede, ihre Werksttten liegen
nie im Dorfe, sondern tief im Walde versteckt (Semper, Erdk. XIII,
92). Aus Kupfer fabriciren sie Kessel, Kochtpfe, Tabakspfeifen,
Ketten und hnliche Dinge. Auch Felle wissen sie gut zuzubereiten,
besonders verdienen die aus dem bunten Felle der Bergkatze bereiteten
Tabaksbeutel Beachtung (Scheidnagel 127).

Im Bergbau bertrafen sie die brigen Malaienstmme der
Philippinen. Die reichen Kupferminen um den Mte. Dat, in Mancayan
&c. werden von ihnen ergiebig ausgebeutet, ebenso die Goldgruben von
Acupan, Apayao und Suyuc. Jede Familie in den erzfhrenden Districten
hatte ihr eigenes streng abgegrenztes Schrfgebiet. "Zur Frderung
des Erzes bedienten sie sich des Feuersetzens, indem sie an geeigneten
Stellen Feuer anzndeten, um durch die Spannkraft des in den Spalten
enthaltenen erhitzten Wassers, mit Zuhlfenahme eiserner Werkzeuge
den Felsen zu zerkleinern. Die erste Scheidung des Erzes wurde in dem
Stollen selbst vorgenommen, das taube Gestein blieb liegen und erhhte
den Boden, so dass bei spterem Feuersetzen die Flamme der Holzstsse
stets die Decke traf" (Santos, Informe sobre las minas de cobre,
in Jagor, Reisen, p. 147). Reiche Erze wurden einfach geschmolzen,
die quarzhaltigen einer sehr starken Rstung unterzogen (Jagor,
l. c.). Scheidnagel (p. 98) fhrt die Gattungen des Goldgewinnes
an: Die einfache Wsche, Galerienbau und Zerklopfen des erzhaltigen
Gesteines. Die Schmelzfen der Igorroten bestehen aus einer runden
Vertiefung im Thone und haben einen Durchmesser von 0,3 m und eine
Tiefe von 0,15 m. "Eine damit in Verbindung stehende 30 gegen die
Vertiefung geneigte conische Rhre von feuerfestem Gestein nahm
zwei Bambusrohre auf, die in die unteren Enden zweier ausgehhlter
Fichtenstmme eingepasst waren, in denen sich zwei an ihrem Umfange
mit trockenem Grase oder Federn bekleidete Scheiben abwechselnd auf-
und abbewegten und die fr das Schmelzen erforderliche Luft zufhrten"
(Jagor, l. c. 148). Der Kupferbergbau hat stark nachgelassen (Drasche,
Fragm. zu einer Geol. 36), indem die reichsten Kupferminen sich
jetzt im Besitze spanischer Actiengesellschaften und Capitalisten
befinden, bei denen die Igorroten, die einstigen Grubenbesitzer,
Taglhnerdienste verrichten (Lillo 52). Das Goldwaschen ist noch heute
in ihren Hnden; in den Zeiten ihrer Unabhngigkeit war der Goldhandel
allein Monopol der vornehmen Familien, denen die Plebejer--wenn ich
so sagen darf--alles gefundene Gold abliefern mussten (Mozo 81). Die
Igorroten in der Umgebung von Suyuc bringen noch jetzt Gold im Werthe
von 12 000 Dollars in den Handel (Lillo 42).

In den Zeiten der Unabhngigkeit bildete--und fr die noch jetzt nicht
unterworfenen Stmme gilt dasselbe--jedes Dorf einen Staat fr sich
(Lillo 17), wir finden also hier, wie schon Mas erwhnte (Mas, historia
I, 10), dieselbe staatliche Zersplitterung wie bei den heutigen
Indios civilisados in der Periode der Conquista. Der Huptling des
Dorfes gehrt dem Adel an, jedoch scheint diese Wrde nicht in einer
einzigen Familie erblich zu sein, sondern der Tapferste--dann Mainguel
genannt--oder Reichste wird Chef eines Dorfes (Lillo 17). Seine Macht
ist sehr beschrnkt, denn die eigentliche Regierung liegt in den Hnden
der gesammten Adeligen (Lillo 18). Diese werden "Bacnanes" genannt,
ihnen gehrt der ganze Boden und das Ackerland des Dorfstaates, in
welchem gewhnlich vier, sechs oder mehr solcher Magnatenfamilien
leben. Die brigen Dorfbewohner sind nichts anderes als Leibeigene
des Adels, dessen Felder sie zu bestellen haben und denen sie sonst
zu Diensten stehen; als Lohn erhalten sie dafr Speise und Trank
(Lillo 18). In Lepanto werden sie Cailianes genannt (Lillo, l. c.),
d. h. ebenso, wie die Plebejer in Ilcos. Die einzelnen Dorfstaaten
waren bestndig miteinander im Kriege begriffen.

Den ersten Versuch, die Igorroten der spanischen Krone und dem
Katholizismus zu unterwerfen, unternahmen die Spanier 1660, er misslang
so wie mehrere andere Expeditionen, bis es 1829 den Spaniern gelang,
festen Fuss im Lande zu fassen, seitdem ist ein Igorroten-Territorium
nach dem anderen durch Gte und Gewalt annectirt worden. Vom 4. bis
7. Mrz 1880 fanden neue blutige Kmpfe mit noch unabhngigen
Bergstmmen Statt, welche siegreich fr die Spanier endeten.

Die unterworfenen Igorroten haben dieselbe Gemeindeverfassung und
Autonomie erhalten, wie die brigen Eingeborenen der Philippinen. Jede
Ranchera (Dorf) whlt einen Gobernadorcillo oder Gemeindevorsteher,
Whler sind die vornehmsten Dorfbewohner, d. h. die Bacnanes (Lillo
34). Die Gemeindegebiete sind scharf abgegrenzt, um Zusammenstsse
und Streitigkeiten bei den fehdelustigen Igorroten zu vermeiden. Sie
haben ebenso die Servicios und Polos zu leisten wie die Tagalen, es
ist jedoch bemerkenswerth, dass diese ffentlichen Arbeiten meist
von Weibern verrichtet werden, welche ihre Mnner vertreten. Nur
in Bezug auf den Tribut (die Kopfsteuer) haben die Igorroten einen
grossen Nachlass, sie zahlen gleichsam nur eine Taxe.

Die spanische Regierung hat auch unter ihnen Schulen gegrndet, in
denen die Kinder im Lesen und Schreiben der spanischen Sprache, im
Rechnen und in der katholischen Religion unterrichtet werden. 1876
besass der District Lepanto 7 Schulen, welche von 562 Kindern
regelmssig besucht wurden, von welchen 110 fertig spanisch lesen
und schreiben konnten (Lillo 44). Einige erwachsene Igorroten von
Lepanto verstehen im ilocanischen Dialekte zu schreiben, andere knnen
wenigstens ihren Namen unterschreiben (Lillo, l. c.). Jedenfalls
verdient der gute Wille der Colonialregierung alle Anerkennung.




8. Altasanen (Altasanes) und Ilamuts.

Wo diese beiden den Igorroten naheverwandten Stmme ihre Wohnsitze
haben, war mir nicht mglich sicher zu ergrnden. Nicht einmal der
Name des ersteren Stammes ist sichergestellt, indem Mas (pobl. 14)
und nach ihm Bastian (Reisen V, 272) Altabanes schreiben, whrend
Buzeta y Bravo die Schreibweise Altasanes fhrt. Merkwrdigerweise
scheint Dr. Bastian, durch diese verschiedene Schreibweise verleitet,
Altasanes und Altabanes fr zwei verschiedene Stmme zu halten
(vgl. Bastian, Reisen V, 272 u. 274). Altasanen und Ilamuts verehren
einen Gott Namens Cabiga und dessen Frau, welche bei Buzeta (Dicc. I,
60) Bujan, bei Mas (pobl. 14) Bujas heisst. Das ist Alles, was wir
ber diese beiden Stmme wissen. Ihre Wohnsitze sind jedenfalls in
der Provinz Nueva Vizcaya zu suchen.




9. Bujuanos.

Die Bujuanos sind ein ebenfalls den Igorroten naheverwandter Stamm
in der Provinz Isabela (Scheidnagel 35). Ihre Wohnsitze konnte ich
nicht nher ermitteln.




10. Panuipuyes.

Die Panuipuyes oder Panipuyes sind Igorrotenstmme, von denen
nichts weiter bekannt ist als der Name (Mas, pobl. 28; Buzeta I,
58). Wohnsttten wahrscheinlich im westlichen Nueva Vizcaya oder
Isabela. Vielleicht sind sie nur ein Zweig der Mayoyaos.




11. Isinays.

Die Isinays wohnen am mittleren Rio Agno bis gegen den von den
Spaniern Caraballo Sur genannten Gebirgsstock, im westlichen Theile
der ehemaligen Provinz Ituy. In ihren Sitten und Bruchen gleichen
sie den Bergstmmen der nrdlichen Nachbarstriche. Zwischen 1715-40
wurden sie zum Christenthume bekehrt (Mozo 40 f.). Im Jahre 1788 gab
es noch 3900 wilde Isinays (Mas, pobl. 38). Sie scheinen jetzt ihren
Dialekt einzubssen und vollstndig in die Pampangos und Pangasinanen
einzugehen.

Mit ihnen naheverwandt scheinen die Jumangis zu sein, die seit Mozo
(Misiones 58) kein neuerer Schriftsteller erwhnt.




12. Abacas.

Die kleine Nation der Abacas lebt sdlich vom Bergstock Caraballo Sur,
in der Umgegend von Caranglan. Ihre Sprache scheint erloschen zu sein,
wenigstens machen die spanischen Censuslisten hiervon keine Erwhnung,
frher besassen sie aber ein eigenes Idiom, das sich selbst von dem
der ihnen sonst in Sitten hnlichen Italonen unterschied, wie diess
Fr. Antolin de Alzaga, der unter ihnen 1702 als Missionr lebte,
ausdrcklich hervorhebt (Mozo 20). Von den Italonen, mit denen sie in
bestndigem Kriege begriffen waren, unterschieden sie sich auch durch
die Polygamie, die bei ihnen blich war (Mozo, l. c.). Sie scheinen
Kopfjger gewesen zu sein, heute sind sie friedliche Christen.




13. Italonen (Italones).

Die Italonen wohnen nrdlich vom Caraballo Sur im sdlichen Theile
der Provinz Nueva Vizcaya, wo auch ihre grsseren Orte Lublub,
Bayombon, Dupax &c. liegen. Sie sind erst seit dem Anfange des vorigen
Jahrhunderts allmhlich zum Christenthum bekehrt worden, das aber nur
oberflchlich an ihnen haftet. Im Jahre 1702 zhlten sie 52 Drfer,
welche ein nettes Aussehen hatten, ihre Htten waren von ansehnlicher
Grsse. Obwohl sie eifrige Jger waren und der Fischfang in ihren
Bchen und Flssen reichliche Beute lieferte, so bildete dennoch Reis
ihre Hauptnahrung, sie bestellten die cker mit Sorgfalt und waren
durch Aufspeichern von Reisvorrthen in der Lage, bei etwa eintretenden
Missernten der Hungersnoth vorzubeugen (Mozo 19 u. 26). Ob sie andere
Hausthiere als den Hund besassen, ist mir nicht bekannt, obwohl manches
darauf schliessen lsst, dass der Bffel und das Schwein wenigstens
in geringer Zahl gezchtet oder eingehandelt wurden. Aus Zuckerrohr
bereiteten sie ein berauschendes Getrnk, Ilang genannt (Mozo 32). Ihre
Waffen waren Lanze, Waldmesser und Schild. Ihre unbndige Kriegslust,
die gegen ihre sonstige Liebenswrdigkeit (Mozo 19) eigenthmlich
abstach, reizte sie zu bestndigen Fehden mit den Nachbarstmmen,
insbesondere den Abacas und den Balugas, wobei derjenige den grssten
Ruhm davontrug, der die meisten Feindesschdel heimbrachte, denn sie
waren Kopfjger (Mozo 32, 35). Diese eigenthmlichen Trophen wurden
in der Htte sorglich aufbewahrt, nur pflegten sie vorher den Schdel
seiner Zhne zu berauben, um damit den Handgriff ihres Hackmessers
auszuschmcken (Mozo 22). Ihre Kriegfhrung beruhte hauptschlich auf
List und berrumpelung, der offene Kampf, Mann gegen Mann, wurde so
sehr als mglich gescheut; am liebsten berfielen sie den Feind in der
Nachtzeit (Mozo 34). Die erlittenen Wunden, sowie andere Krankheiten
heilten sie durch verschiedene Kruter, ber welche Mozo (Misiones
56) eingehend berichtet. Sie sollen auch das Blut der erschlagenen
Feinde getrunken und Theile von deren Hinterhaupte und Eingeweiden roh
verzehrt haben, um den Muth des Erschlagenen zu erben (Mozo 32 f.; Mas,
pobl. 22). Starb ein angesehener Huptling, so hllten sie ihre Waffen
zum Zeichen der Trauer ein, und diese Ceremonie nannten sie Magbalata.

Wie bei den Igorroten war auch bei ihnen nur Monogamie blich,
die Ehen konnten nur durch den Tod eines der Gatten gelst werden
(Mozo 19). Kebsweiber neben der Gattin zu halten, war untersagt,
auch durften Blutsverwandte keine Ehen untereinander eingehen (l. c.).

ber ihre frhere Religion stehen mir nur die drftigen Notizen des
Augustiners P. Arzaga zur Verfgung. Nach diesen glaubten sie an
einen einzigen Gott, der die Guten belohne und die Bsen bestrafe,
doch wussten sie nicht zu sagen, in was die Belohnung bezw. Strafe zu
bestehen htte. Dieser Gott hatte nach ihrer Ansicht im Himmel seinen
Wohnsitz. Auffallend ist, dass dieser Gott unbeweibt lebt, whrend
sonst alle Bergstmme von Nord-Luzon nur Gtterpaare kennen. Sie
glaubten auch an die Unsterblichkeit der Seele, was den Schluss zu
ziehen gestattet, dass der Ahnencultus ihnen nicht unbekannt gewesen
sein mag.

Von diesen erwhnten und dargestellten Bruchen und Sitten hat sich
wenig erhalten, das Christenthum hat ihrem ganzen Leben tagalisches
Geprge verliehen.




14. Ibilaos.

Die wilden Ibilaos wohnen in den Grenzdistrikten von Nueva Vizcaya und
Nueva cija, vom Caraballo Sur gegen Norden und Nordwest ihre Sitze
ausdehnend. Bei den Orten Levang, S. Fabian und Tongbon treten sie
in unmittelbare Berhrung mit den civilisirten Indiern. Sie streichen
bis zum Caraballo del Baler hinber.

Sie sind von kleiner Statur und geringer Krperstrke (Buzeta I,
57). Sie scheinen keinen Ackerbau zu treiben, sondern nur von der
Jagd und dem Raube sich zu nhren, was vielleicht auf eine starke
Beimischung mit Negritoblut zurckzufhren ist. Buzeta und Bravo
bezeichnen das Leben, welches sie fhren, als ein nur elendes (Buzeta,
l. c.).

Wie bei den meisten Bergstmmen Luzons herrscht auch bei ihnen die
Sitte der Kopfjgerei (Buzeta I, 57; Mas, pobl. 28). Sie lauern
im Hinterhalte auf den Nichts ahnenden Reisenden, den sie mit
sicherer Hand mit ihren Pfeilen tdten (Mas, l. c.). Es erinnert
diess auffallend an die Negritos. Ihre Pfeile sollen nach Bastian
(Reisen V, 274) vergiftet sein, ich weiss nicht, welcher Quelle diese
Notiz entnommen ist. Auch sie schmcken ihre Waffen mit den Zhnen
der erschlagenen Feinde. Ihre Zahl ist sehr gering (Mas, pobl. 28);
am 2. Mai 1851 zhlte man in der Provinz Nueva Vizcaya 330 erwachsene
unterworfene Ibilaos (Diaz Arenas 515).

Von ihrer Religion ist Nichts bekannt; nach Semper (Erdkunde XIII,
94) "sollen" sie am Caraballo Sur Tempel besitzen, was hchst
unwahrscheinlich erscheint.

Einzelne Ibilao-Stmme leben mit den Spaniern in Frieden, besonders
jene der Provinz Nueva cija (Cavada II, 464).




15. Ilongoten (Ilongotes).

Die Ilongoten, auch Ilungut oder Ylungut genannt, wohnen in den
Provinzen Nueva Vizcaya, Isabela und Prncipe, streifen aber auch
nach Nueva cija herber. Die Cordillere zwischen Baler und Casiguran
ist ihr Hauptsitz. Nach einer durch die Liebenswrdigkeit des Herrn
Hofrathes Dr. A. B. Meyer mir zur Ansicht geliehenen Photographie
sind ihre Augen langgeschlitzt und schief gestellt. Oberlippe und
Kinn haben einen Bartanflug. Das Haar wird auch von den Mnnern lang
getragen; es wird in einen Zopf geflochten, der oft bis zu den Hften
reicht. Ihre Kleidung besteht nur aus dem auch bei den Igorroten
blichen Lendengewand. Den linken Unterarm zieren eng aneinander
(spiralfrmig?) gefgte Ringe, offenbar aus Metalldraht. Semper
(Skizzen 138) charakterisirt sie mit folgenden Worten: "Sie gehren
mit zu den wildesten Stmmen des Landes, und sie stehen mit den
Christen sowohl, wie mit den nahe wohnenden Negritos in bestndiger
Fehde". Sie sind leidenschaftliche Kopfjger (Mas, pobl. 28; Semper,
Erdk. XIII, 251). Sie bekmpfen nicht nur die Negritos und fremden
Stmme, ein Dorf gegen das andere steht feindlich auf, um die kostbare
Schdelbeute zu erjagen. Auf eigenen Instrumenten werden die blutigen
Trophen heimgetragen und an der Thre des Siegers aufgehngt. hnlich
wie bei anderen Bergstmmen Luzons wird die Rckkehr einer siegreichen
Kopfjgerbande mit grossen Festlichkeiten und Tnzen gefeiert. Semper
(l. c.) nimmt die Ilongoten gegen den Vorwurf des Cannibalismus in
Schutz.--Ihre Religion besteht in einem Ahnencultus (Semper, Erdk. X,
265). ber ihre Zahl ist mir nichts Nheres bekannt, am 2. Mai 1851
zhlte man in Nueva Vizcaya 252 erwachsene und 255 noch im Kindesalter
stehende friedliche Ilongoten. Die Ilongoten der Provinz Isabela
leben im Augenblicke im Frieden mit den Spaniern, doch trauen ihnen
diese nicht.




16. Mayoyaos (nebst Quianganen, Pungianen und Silipanen).

Die Mayoyaos oder Mayayaos sind die westlichen Nachbaren der Igorroten,
durch die Cordillera Central von diesen getrennt. Sie wohnen in den
Grenzdistrikten von Bontoc und Nueva Vizcaya, hauptschlich aber
in letzterer Provinz, wo die Pueblos Mayoyao, Ozcariz, Vilanova und
Nueva Ocaa ihre Hauptniederlassungen sind. Zu ihnen sind zu zhlen
die Pungianen (Panguianen), Quianganen und Silipanen, alle in Nueva
Vizcaya sesshaft [17]. Ich vermuthe berhaupt, dass die Mayoyaos
mit den Ifugaos zusammen einen einzigen grossen Dialektstamm bilden,
doch lsst sich bei den drftigen Nachrichten ber diesen Gegenstand
Nichts auch nur mit einiger Sicherheit behaupten. Eine Beschreibung
vom Jahre 1850 sagt folgendes (Dias Arenas 506): "Einige tragen ein
breitmchtiges Bracelet am linken Arm, bei anderen sahen wir Armbnder,
bestehend aus dickem Kupferdrahte, welcher das Handgelenk in vielen
(spiralfrmigen) Windungen umschlang. Etwelche trugen Ohrgehnge,
aus bis zu zwei Finger dicken Perlmuscheln zusammengesetzt, welche
bis auf die Schultern herabfielen. Bei einem von ihnen sahen wir ein
Halsband, welches aus einem durchlcherten kreisrunden Stckchen Bein
und weissen Steinchen, die vermittelst einer Schnur zu einer Kette
verbunden waren, sich zusammensetzte; diese zierlich auslaufende
Kette war drei Mal um den Hals geschlungen. Bartlos waren nicht alle,
die uns zu Gesichte kamen, einige wiesen Kinn- und Schnurrbart auf,
wenngleich der Haarwuchs kein dichter war". Die Kleidung der wilden
Mayoyaos und auch die der Mehrzahl der unterworfenen besteht nur
aus einem Lendenschurz. Ihre Zahl muss eine recht stattliche sein,
obwohl sie erst 1849 durch die Missionen der Dominicaner friedlich
den Spaniern unterworfen worden sind, so zhlte man dennoch 1851
4416 Mayoyaos, 1251 Silipanen, 6076 Quianganen und 2400 Pungianen,
wobei zu bemerken ist, dass bei den Silipanen nur die Erwachsenen
gezhlt wurden (Dias Arenas 515).

Der von Cavada (I, 82) erwhnte Stamm der Bungananes ist mit den
Pungianen identisch.




17. Ifugaos.

Die nchsten Verwandten der Mayoyaos sind die Ifugaos; dieser
mchtige Stamm wohnte einst weiter nrdlich und wurde erst spter
zu Ende des XVII. oder Anfang des XVIII. Jahrhunderts nach seinen
heutigen Wohnsitzen durch die Gaddanen verdrngt. Sie wohnen heute
hauptschlich am linken Ufer des Magat, sdlich und sdwestlich von
Furao zwischen Mayoyao und Camarag in der Provinz Nueva Vizcaya.

Ihr usseres soll vielfach an die Japanesen erinnern (Buzeta I,
55). Sie bauen zwar Reis, ziehen es aber vor, durch Raub sich zu
ernhren. Auf das Erjagen von Feindesschdeln sind sie noch erpichter,
als die Ilongoten. Auch bei ihnen ist derjenige der Angesehenste,
welcher die meisten Schdel erbeutet hat, und sie begngen sich
nicht damit, die schauerliche Beute als Prunkstck in ihrem Hause
aufzuhngen, sie suchen auch durch eine Art von Decoration ausserhalb
der Htte ihren Ruhm zur allgemeinen Kenntniss zu bringen, indem sie
in den Ohren so viel Ringe aus Bambusrinde [18] (?) tragen, als es
ihnen gelungen ist, Schdel zu erjagen (Buzeta I, 56). Die feige,
hinterlistige Art und Weise, mit der sie die Opfer ihres Blutdurstes
berfallen, ist beraus kennzeichnend: Im Dickicht versteckt, lauern
sie auf den einsamen Reisenden, dem sie pltzlich eine Art Lazo um
den Hals werfen, so dass er zu Boden geworfen wird, worauf sie dem
Wehrlosen den Kopf abschlagen (Buzeta, l. c.). Der Lazo ist eine auf
den Philippinen ungewhnliche Waffe. Sonst sind sie mit Lanze, Pfeil
und Bogen, ferner mit zweierlei Gattungen von Waldmessern bewaffnet,
am gebtesten sind sie im Gebrauche des Lazo. Alle Nachbarstmme,
besonders die christlichen, haben unter ihren Nachstellungen viel
zu leiden, von ihrer Mordwuth kann man sich einen Begriff machen,
wenn man erfhrt, dass der Oberst Galvey nach einem Gefechte mit
diesen Wilden unter ihren zurckgelassenen Todten einen Krieger fand,
der im Ohre 32 der obenerwhnten Mordzeichen stecken hatte (Mas,
pobl. 27). Auch untereinander sind sie ewig im Kriege begriffen.

Ihre Religion im Allgemeinen, sowie einzelne Namen ihrer Gtter
erinnern an die Gotteslehren der Igorroten und anderer Bergstmme
Nord-Luzons. Ihr hchster Gott heisst Cabunian, dieser hat zwei Shne,
Sumabit und Cabigat, und zwei Tchter, Buingan und Daunguen, diese
Geschwister heiratheten untereinander und wurden so die Erzeuger
der Menschen (Mas, pobl. 15). Der Regengott heisst Pati; gebetet
wird zu den Dii minores: Balitoc, Piti, Misi, Sanian, Liniantacao,
Bangeiz, Sipat, Batacagan, Sadibubu, Dasiasoiat, Capaiat, Dalig;
Gttinnen geringeren Ranges waren: Libongan, Libugon und Limoan (Mas,
l. c.). Der Ahnencultus scheint auch ihnen nicht unbekannt zu sein.

Die Ileabanes und Ifumangis, welche Diaz Arenas als in der Provinz
Nueva Vizcaya sesshaft anfhrt, sind Ifugao-Stmme.




18. Gaddanen (Gaddanes).

Die Gaddanen (richtiger: Gad-danen) werden besonders in Missionswerken
lteren Datums auch Yogades genannt. Ihr Hauptgebiet ist die
Commandancia Saltan, welche von ihnen nahezu ausschliesslich bewohnt
wird, von hier dehnen sich ihre Wohnsitze nach den benachbarten
Provinzen Isabela, Nueva Vizcaya und Cagayn aus. Man findet sie
ebenso bei Gabagan am Rio de Calao, bei Tarnauini, Ilagan, Furao
im Stromgebiet des Rio Grande de Cagayn, wie bei Tuao am Rio Chico
de Cagayn. Am dichtesten wohnen sie zwischen dem Rio Magat und Rio
Chico de Cagayn.

Ihre Hautfarbe ist dunkler, als jene der brigen Bergstmme Luzons. Sie
besitzen einen gedrungenen Krperbau, rundgeformte Augen und eine
grosse plattgedrckte Nase (Buzeta I, 56), berdiess sind sie wie
die Igorroten schmutzig und unreinlich.

Ihre Htten stehen auf sehr hohen Pfhlen, um der Feuchtigkeit des
Erdbodens nicht ausgesetzt zu sein und um feindliche Angriffe zu
erschweren, es wird deshalb zur Nachtzeit und in Kriegsgefahr auch
bei Tage die Leiter, welche in die Wohnrume fhrt, aufgezogen. Die
Htten sind aus Holz oder Cogongrsern erbaut (Cavada I, 82).

Ein grosser Theil der Gaddanen ist zum Christenthum bereits bekehrt,
wenn auch nur usserlich. Die heidnischen Gaddanen verehren einen
Gottschpfer Amanolay und dessen Gattin Dalingay (Mas, pobl. 4; Buzeta
I, 60), berdiess ist bei ihnen auch der Ahnencultus heimisch (Semper,
Erdk. X, 165). Sie sind von sanfteren Sitten als ihre Nachbarstmme.




19. Itetapanen (Itetapanes).

Die Itetapanen wohnen stlich von den Busao-Igorroten und westlich
von den Gaddanen, welch' letzteren sie ungemein hnlich sind, indem
sie gleichfalls eine geringe Krpergrsse und sehr dunkle Hautfarbe
besitzen (Ilustr. 1860, p. 285). Auch an Unreinlichkeit knnen sie
mit ihren stlichen Nachbarn wetteifern. Mas (pobl. 26) bezeichnet
ihr usseres geradezu als widerlich. Durch die runde Formung der
Augen unterscheiden sie sich, ebenso wie die Gaddanen, streng von
den Igorroten. Buzeta und Bravo schreiben: "Die Itetapanen besitzen
den vollen Negritotypus in Krperbau, Farbe und Nasenform, aber
in Bezug auf Haare, Augen &c. gleichen sie den Tagalen" und weiter
"Es ist ebenso schwierig, sie von ihrem wilden Leben abzubringen,
wie die Negritos, mit welchen sie mehr in Bezug auf Charakter, Sitten
und Bruche als im usseren Habitus hnlichkeit besitzen". Es scheint
demnach, dass die Itetapanen eine starke Beimischung von Negritoblut
aufzuweisen haben. Auffallend ist bei ihrer Tracht eine Kappe,
hnlich dem Tschako der deutschen Bergleute, nur etwas niedriger. Diese
Kappe, sowie alle aus Bejuco-Rohr verfertigten Gegenstnde wissen sie
lebhaft-roth zu frben, doch hten sie die Bereitung dieser Farbe als
ein strenges Geheimniss, obwohl anzunehmen ist, dass sie durch eine
Mischung verschiedener, in ihren Wldern wachsender Farbehlzer,
insbesondere des Sibucao, erzielt wird (Buzeta I, 54). Die Farbe
selbst soll unaustilgbar am Bejuco haften. Die Schultern bedecken
sie mit einem aus Palmblttern oder Cogongras geflochtenen Kragen,
"anaos" oder "anas" genannt (Buzeta I, 54; Ilustracion 1860, 285). Ihre
Waffen sind Lanze, Pfeil und die Aliva der Igorroten.




20. Guinanen (Guinanes).

Die Guinanen werden auch Guinaanes, Quinanes oder Quinaanes
genannt. Ihre Wohnsitze liegen nrdlich von denen der Busao-Igorroten,
hauptschlich auf dem Ostabhange jener Cordillere, welche die Provinz
Abra von Cagayn trennt. Das rechte Ufer des Rio Abra und das linke
seines Nebenflusses Pusulguan bezeichnen die Westgrenze dieses wilden
und kriegerischen Stammes. Der Pueblo Bauang ist eine ihrer grssten
und wichtigsten Niederlassungen.

Zu ihrem usseren Habitus, sowie in ihren Bruchen ist die nahe
Verwandtschaft mit den Igorroten nicht zu verkennen. Ihre unbndige
Kriegslust wird durch den Ruhm, den ein beutereicher Kopfjger
geniesst, bestndig angefacht, und ihre Nachbarn, besonders die
friedlichen Tinguianen haben vor ihnen nicht einen Augenblick Ruhe. Mit
der Hinterlist, welche allen Kopfjgerstmmen eigen ist, beschleicht
der Guinane sein Opfer, um demselben dann den Kopf abzuschlagen. Ist
diess geschehen, so eilt der Sieger mit der bluttriefenden Beute in
das heimathliche Dorf, wo die Heldenthat dann durch ein mehrtgiges
Trinkgelage gefeiert wird; der Schdel selbst wird als eine kostbare
Trophe sorgfltig aufbewahrt (Ilustracion 1860, N. 12, p. 152). Haben
sie keine stammfremden Feinde zu bekmpfen, so fhren die einzelnen
Drfer gegen einander Krieg, und zwar in der oben erwhnten Form. Ein
Theil der Tinguianen entrichtete ihnen frher Tribut (Mas, pobl. 26).

Sie sind brigens nicht ohne alle Kunstfertigkeit, in dem Pueblo Bauang
verfertigen ihre trefflichen Schmiede ausgezeichnete Aliva-Hackmesser,
welche besonders von den Busao-Igorroten gern gekauft werden
(Ilustracion 1860, 285); ber ihre Religion ist Nichts bekannt.




21. Calauas oder Itaves.

Die Calauas (sprich: Cala--as) wohnen von Santacruz (an einem Zuflusse
des Rio Chico de Cagayn) bis Nachsiping am Rio Grande. Sie reichen
bis Piat und Tuao im Sden und Malaueg im Norden, nach letzteren Orten
werden sie und ihr Idiom auch Malaueg oder Malauec genannt. Bei den
nrdlichen Stmmen ist der Name Itaves der gebruchlichere, im Sden
aber Calauas. Ihre Tracht erinnert an ihre Nachbarn, die Guinanen,
whrend ihre ganze Lebensweise in's volle Gegentheil schlgt. Sie
sind noch friedfertiger als die ihnen nach Mas (pobl. 28) hnlichen
Gaddanen, und zeichnen sich besonders durch fleissigen Feldbau
aus. Nchst Reis wird am intensivsten Tabak gebaut, dessen Anpflanzung
sie eine besondere Pflege zuwenden (Buzeta I, 56). Ihr Tabak wird als
der beste der Provinz Cagayn bezeichnet, und das will so viel sagen,
als dass der Tabak des Calaua-Gebietes der beste der Philippinen
ist. Nach der Tabakernte werden die gesammelten Bltter zuerst einem
Ghrungsprocesse unterworfen, dann aber wieder an der frischen Luft
getrocknet. In kleine Ballen gepackt wird dann der Tabak nach Ilcos
Sur und Abra eingeschmuggelt (Mas, pobl. 8; Buzeta I, 56).

Religion unbekannt. Sie sind wie die Guinanen noch unabhngig, doch
ist in diesem Jahre ein Truppencorps gegen sie abgeschickt worden,
um sie zu unterwerfen.




22. Gamunangen und Bayabonanen.

Der Name dieser beiden Stmme findet sich nur an einer einzigen
Stelle bei Mas (pobl. 41) vor, nach dieser leben sie in den Bergen
stlich und sdstlich von Tuao. Es ist nicht so unwahrscheinlich,
dass sie nur Zweige eines grsseren Stammes, etwa der Dadayag sind.




23. Dadayags.

Die Dadayags oder Dadayas wohnen in der Provinz Cagayan, und zwar am
linken Ufer des Mittellaufes des Rio Grande de Cagayan (jedoch nicht
unmittelbar an diesem Strome), etwa in der Hhe des Ortes Cabagan. ber
ihre Lebensweise ist nichts Nheres bekannt.




24. Nabayuganen (Nabayuganes).

Dieser Volksstamm wird auch nur einzig und allein von Mas (pobl. 41)
erwhnt. Sie wohnen im Westen von Malaueg, einem Orte, welcher an
einem der nrdlichsten Nebenflsse des Rio Chico de Cagayan liegt. Die
Nabayuganen sind im Besitze eines eigenen Idioms. Das ist Alles,
was wir gegenwrtig von ihnen wissen.




25. Aripas.

Die Aripas (auch Aribas, Aripanes genannt) wohnen in dem Landstriche
sdlich von der Vereinigung des Rio Grande und Rio Chico de Cagayn
zwischen Nagsiping und Tubang, dann hausen sie auch in dem sdlichen
Theile jenes Gebirgszuges, welcher die Wasserscheide zwischen dem
Stromsystem des Rio Grande de Cagayn und dem Rio Apayo bildet.

Sie sind sehr friedfertiger Natur (Buzeta I, 310). Ein Theil von ihnen
giebt den Missionren grosse Hoffnung baldiger vollstndiger Bekehrung.




26. Calingas.

Nach Semper (Erdk. X, 256) scheint der Name Calinga eine
Collectivbezeichnung "unbekannter" Bedeutung zu sein, da so auch
alle die Provinzen Isabela, Cagayn und Nueva Vizcaya bewohnenden
Infieles (Heiden) genannt werden, Semper nennt deshalb auch die
Irayas Calingas. Ich bezeichne hier mit diesem Namen jenen heidnischen
Malaienstamm, welcher in demselben Gebirge wie die Aripas nur mehr im
nrdlichen Theile wohnt und speciell Calingas genannt wird. ber sie
ist wenig bekannt. Sie sollen viel chinesisches Blut in ihren Adern
haben (Schadenberg 165). Sie sind kriegerischer als die Aripas. Nach
der Zahl der getdteten Feinde ziehen sie Streifen auf ihre Arme
(Bastian, Reisen V, 274).




27. Tinguianen.

Die Tinguianen werden auch Itanegas, Tinggianes, seltener Tingues
(so bei Morga) genannt. Sie bewohnen ein sehr ausgedehntes Gebiet,
welches von Candon in Ilcos Sur sich ungefhr bis zum Mte. Pacsan an
der Grenze Cagayans und Ilcos Norte ausdehnt, ja ihre am meisten nach
Sden vorgeschobenen Niederlassungen reichen bis Santa Cruz in der Nhe
der Punta Darigallos (Namagpacan), so dass sie die Bewohner von drei
Provinzen sind, nmlich von Ilcos Sur, Abra und Ilcos Norte. Der
an der Kste von Ilcos Sur 1736 begrndete Pueblo Santiago war die
erste christliche Niederlassung derselben, frher scheinen sie nicht
bis zu den Gestaden des Meeres gereicht zu haben, sie gehen hier auch
allmhlich in die Ilocanen auf, indem sie deren Sprache annehmen, so
dass der sdliche Theil der Tinguianen unrettbar der Entnationalisirung
anheimgefallen ist. Besser erhalten sie sich in den am linken Ufer
des Abra liegenden christlichen Pueblos Banguet und Tayun, obwohl
auch hier durch ilocanische Zuwanderer Gefahr droht. Die christliche
Religion trgt auf den Philippinen am meisten zur Entnationalisirung
bei, es trifft bei allen bekehrten Malaien dasselbe Bild ein mutatis
mutandis, das wir von den Tagalen entworfen haben.

Bei den Spaniern finden wir die Neigung vor, die Tinguianen fr einen
von den brigen Bergstmmen Luzons gnzlich verschiedenen Stamm
zu halten, indem sie ihre diessfllige Meinung auf die sehr helle
Hautfarbe und ihre grosse Friedfertigkeit hinweisen. Es ist diess ganz
ungerechtfertigt, und diese Meinung konnte nur so lange eine gewisse
Berechtigung haben, als man eben nur die Igorroten und Apoyaos kannte,
welche allerdings durch ihre Grausamkeit und Kriegslust einen grellen
Gegensatz zu den gutmthigen Tinguianen darstellten. Wir haben aber
gesehen, dass die Bergstmme Luzons nicht insgesammt Kopfjger und
Bluthunde sind, sondern, dass es vielmehr genug Stmme giebt, die an
Friedfertigkeit den Tinguianen in gar Nichts nachstehen. In ihren
Sitten und ihrer religisen Anschauung liegt gleichfalls nichts,
was die Meinung rechtfertigen knnte, die Tinguianen seien ein zu der
Gesammtheit der nordluzonischen Stmme im Gegensatze stehender Stamm.

Ihre Hautfarbe ist, wie einstimmig berichtet wird, sehr hell,
die Nase oft adlerartig gekrmmt (Mas, pobl. 13). Allgemein [19]
wird behauptet, dass die Tinguianen den Chinesen in Gestalt wie
Kleidung hnlich shen; mit Bezug auf die Tracht sollen sie kaum
von den Fischern der chinesischen Provinz Fukiang oder Fokien zu
unterscheiden sein, doch berichtet Mas selbst, dass ein genauer
Kenner des Chinesischen, der Erzbischof Segui, erklrt htte,
dass in der Sprache der Tinguianen gar nichts vorhanden wre,
was nur einigermassen an das Chinesische erinnern knnte. Diess
ist von Wichtigkeit, wenn man bedenkt, mit welcher Vorliebe die
spanischen Schriftsteller jeden Stamm als von Chinesen abstammend
hinstellen, sobald in den Gesichtszgen seiner Individuen Anklnge an
den mongolischen Typus sich vorfinden. Jedenfalls wre es angezeigt,
bevor nicht eingehende Untersuchungen Statt gefunden haben, sich dieser
Chinesentheorie gegenber sehr reservirt zu verhalten. Die Adlernase
stimmt nicht sehr zu dem Bilde eines Chinesen. Was die Sage anbelangt,
wonach die Tinguianen die Abkmmlinge der Chinesischen Piraten wren,
welche der Corts der Philippinen D. Juan de Salcedo 1574 von Manila
zurckschlug und das Jahr darauf aus dem Golfe von Lingayen in die
Chinesische See zurckwarf, so kann ich diess ganz ruhig fr eine
Erfindung der spteren Zeit erklren, denn bei meinen langjhrigen
Studien zur Geschichte der Philippinen habe ich speciell die Schicksale
jenes ritterlichen Salcedo mit besonderem Fleisse und Interesse
verfolgt und fand hierbei, dass die zeitgenssischen Chronisten
von dieser Angelegenheit gar nichts wissen, sondern im Gegentheil
ausdrcklich erklren, dass alle Piraten, welche an's Land stiegen,
von den erbitterten Indiern niedergemetzelt wurden. Erst gegen Ende
des XVII. Jahrhunderts kam die Sage auf, einige (!) jener Piraten
wren aus Pangasinn nach den Bergwildnissen des Innern entkommen
und htten mit eingeborenen Weibern die Bastardrassen der Igorroten
und Tinguianen erzeugt. Der geschwtzige Fr. Juan de la Concepcion
und sein Epitomator Fr. Martinez de Zuiga haben dann ihr Schrflein
dazu beigetragen, dass zu Ende des vorigen Jahrhunderts die Sage fr
ein Factum angenommen wurde und zum Theile auch heute noch angenommen
wird. Chamisso hat diese Erdichtung einer spteren Zeit auch nach
Deutschland gebracht.

Von den benachbarten Igorroten unterscheiden sie sich vortheilhaft
durch ihre Reinlichkeit. Charakteristisch bei ihrer Tracht ist die
turbanhnliche Kopfbedeckung, welche aus einem langen Stcke Zeug
besteht, dessen Enden gracis ber Schulter und Rcken fallen. Die
Mnner tragen eine vorne zuschliessende Jacke, wie sie die chinesische
Kstenbevlkerung trgt, und weite Pantalons. Die Weiber gehen
in derselben Tracht umher wie jene der Igorroten, nur sind die
Kleiderstoffe der ersteren weiss (Buzeta I, 55), whrend die letzteren
dunkelblaue oder blau und weiss gestreifte Zeuge vorziehen. Man sieht
also, dass auch hier sich kein Gegensatz zu den Igorroten herausklgeln
lsst. Vornehme Frauen tragen Gewnder, welche mit reichgestickten
weissen oder rothen Bndern verziert sind (Buzeta, l. c.). Den Kopf
umwinden sie mit dem Turban oder einer schmleren Binde (Buzeta,
l. c.; Ilustr. 1860, n. 12, p. 153). Der Unterarm wird vom Ellenbogen
bis zum Handgelenke mit Armbndern geschmckt. Dieselben bestehen
aus buntfarbigen Glasperlen oder Steinchen, letztere kommen von den
Batanes-Inseln her und werden von den Tinguianen auf den Mrkten der
Pueblos von Ilcos eingekauft (Ilustracion 1860, n. 14, p. 164). Diese
Armbnder drcken durch ihre Schwere die Arme wund, die Eitelkeit
trgt aber ber den Schmerz den Sieg davon. Auch die untere Hlfte
der Waden wird mit diesem beschwerlichen Schmucke versehen (Buzeta I,
55; Ilustracion 1860, n. 12, p. 153). Ohrgehnge und Geschmeide aus
Kupfer und Silber tragen sie in derselben Weise wie die Igorroten
(Scheidnagel 125).

In ihren kleinen Drfern leben sie in glcklicher Zufriedenheit. Ihre
Waffen, die Lanze und eine Axt "Aliva", deren Eisenflche Quadratform
besitzt mit einer rckwrts befindlichen Spitze, dienen nur zur Abwehr
der Angriffe ihrer blutdrstigen Feinde, der Guinanen [20]. Sie bauen
Reis in reichlicher Menge (Mas, pobl. 12), ebenso besitzen sie einen
reichlichen Viehstand an Bffeln, Rindern und Pferden (l. c.). Wie
wir wissen, sind die Igorroten auch Ackerbauer und Besitzer von Vieh,
sehen sich aber gezwungen, sowohl Reis wie Vieh von den Christen
einzukaufen, whrend die Tinguianen beides auf die Mrkte von
Ilcos bringen (Buzeta I, 55). Ihre Felder besitzen ebenfalls ein
knstliches Berieselungssystem (Buzeta, l. c.). Sie sind nicht ohne
Industrie, besonders ihre Holzschnitzarbeiten haben einen guten Ruf;
die Igorroten von Abra wagen sich sogar an das Schnitzen von Figuren
(Scheidnagel 126). Ausser mit Reis und Vieh erscheinen sie auch mit
Goldstaub, Wachs und Huten auf den Mrkten von Ilcos. Holz wird von
ihnen auf dem Wasser ihrer Flsse herabgeschwemmt (Buzeta I, 58). Sie
kommen bis auf den Markt von Vigan (Ilustr. 1860, n. 14, p. 165).

Ein Theil von ihnen ist bereits zum Christenthum bekehrt. Die brigen
haben einen hnlichen Ahnencultus wie die brigen Malaien Luzons;
ob sie ausser den Seelen ihrer Vorfahren andere Gtter verehren,
ist mir unbekannt. Wie alle philippinischen Malaien haben auch
sie vor Schlafenden eine grosse Scheu, ihr strkster Fluch lautet:
"mgest du im Schlafe sterben!" (Mas, pobl. 14). Dieser Fluch beruht
nach Jagor (Reisen 132) auf dem Glauben, dass, wie schon erwhnt,
die Seele im Traume den Krper verlasse.

Die Geburt [21] geht ungemein leicht von Statten, die Mutter eilt nach
der Reinigung sofort zur gewohnten Arbeit. Die Reinigung besteht darin,
dass die Mutter das neugeborene Kind unmittelbar nach der Geburt in
das Wasser eines Baches oder Flusses taucht, ist kein Wasser in der
Nhe, so reinigt sie es mit einem Bananenblatt oder Halmen. Nach
dieser Reinigung giebt die Mutter dem Kinde irgend einen Thiernamen.

Ehen werden durch die Eltern vermittelt, sobald sie eine gegenseitige
Neigung an ihren Kindern wahrnehmen. Durch einen Trommler--"Batintin"
genannt--werden die Hochzeitsgste eingeladen. Das Hochzeitsfest
beginnt schon zeitlich Morgens, es besteht aus einem Schmause und
Trinkgelage. Der Speisezettel hat nur Reis und Braten von Schweinen,
Rindern und Bffeln aufzuweisen. Die Getrnke sind verschiedene aus
Zuckerrohr oder Reis bereitete Branntweinsorten. Das Bankett entbehrt
auch nicht der Tafelmusik, obwohl sie ausser der Trommel nur zwei
Instrumente besitzen, nmlich Flten aus Rohr und zwei Gattungen
Guitarren. Letztere werden aus Rohrstckchen zusammengesetzt und
sind dreisaitig, jedoch werden die Saiten nicht aus Thierdrmen,
sondern aus den Blattfasern einer weiter nicht genannten Pflanze
bereitet. Die Pausen whrend des Schmauses, an dem die gesammten
Bewohner des Dorfes Theil nehmen, werden durch Tanz ausgefllt.

Abends fhrt der Angesehenste die Neuvermhlten in ihre Htte, wo sie
das Brautbett in Gestalt einer auf den Boden gelegten mchtigen Matte
erwartet. Auf die Matte legen sich die jungen Eheleute in der Weise
nieder, dass zwischen ihnen ein Raum von zwei Ellen Entfernung frei
bleibt, wo sich ein 6- bis 8jhriger Knabe niederlsst, denn bis zum
nchsten Tage darf die Ehe nicht vollzogen werden, ja nicht einmal
Worte miteinander zu wechseln ist den Gatten erlaubt.

Die Ehen werden leicht und rasch geschieden, man geht zum Dorfltesten
oder (in einem bereits spanisch gewordenen Dorfe) zum Gobernadorcillo,
der gegen eine Abgabe von 5 Pesos, 2 Bffeln, 2 Schweinen, 2 Cavanen
Reis, 2 Tinajas Palmwein die Ehe scheidet. Diese Geldbusse zahlt jener
Gatte, welcher die Scheidung beantragt. Die Pnalsumme wird zu einem
grossen Festschmause verwendet, an dem wie bei der Hochzeit das ganze
Dorf Theil nimmt. Bei einer Scheidung bleiben die Suglinge der Mutter,
die brigen Kinder werden nach dem Willen jenes Gatten vertheilt,
welcher der passive Theil, d. h. der Nichtbeantrager war. Ist aber ein
Streit oder gar ein Verbrechen die Ursache der Scheidung, so verliert
der schuldige Theil das Recht, ber den Verbleib oder die Zuweisung der
Kinder zu entscheiden. In diesem Falle muss auch der schuldige Theil
die oben erwhnte Geldbusse zahlen, selbst wenn der andere Gatte die
Scheidung beantragt. Bei jenen Tinguianen, welche spanische Unterthanen
geworden sind, wird mitunter an den Provinzgouverneur appellirt.

Die Reichen schliessen auf diese Weise 15 bis 20 Ehen nacheinander;
bei den Armen finden Ehescheidungen selten oder gar nicht Statt,
indem sie nicht im Stande sind, jene unumgngliche Geldbusse zu
zahlen. Es ereignet sich mitunter, dass ein Mann drei, vier Mal eine
und dieselbe Frau heirathet und sich wieder scheiden lsst.

Wird ein Tinguiane krank, so erhlt er so gut wie keine Pflege;
sobald die Krankheit einen derartigen Verlauf nimmt, dass keine
Hoffnung auf Genesung vorhanden ist, so wird der Kranke von den
Seinen lieblos verlassen, und muss hnlich wie der Eskimo sein Leben
beschliessen. Kaum hat der Sterbende den letzten Athemzug gethan,
so wird auch schon seine Leiche aus der Wohnsttte herausgeschafft
und dicht unter der Htte vergraben. ber dem Grabe werden grosse
Steine aufgehuft. An gewissen Tagen des Jahres werden auf diese
eigenthmlichen Grabmonumente Lebensmittel gelegt, damit die Seelen
der Verstorbenen ihren Hunger stillen knnten.

Die Namen der Verstorbenen werden von deren Hinterbliebenen nicht
mehr genannt, so dass, wenn man einen Tinguianen nach dem Namen eines
seiner Ahnen fragt, dieser den Fragesteller an einen Kameraden weist,
da er selbst die Antwort nicht ertheilen drfe. Diese Sitte ist fr
die spanischen Beamten keine Erleichterung in ihrem Dienste.

Im Jahre 1624 begannen die ersten unglcklichen Versuche der
Spanier, die Tinguianen zu unterwerfen, erst seit dem Ende des
vorigen Jahrhunderts drang die spanische Herrschaft immer mehr in
die Berge und Thler jenes intelligenten Stammes vor, bereits 1848
zhlte man, nach Diaz Arenas, 8717 Tinguianen, welche die spanische
Hoheit anerkannten, whrend heute nur ein geringer Theil noch seine
Unabhngigkeit bewahrt hat. In diesem Theile Luzons breitet sich das
spanische Hoheitsgebiet sehr rasch und unblutig aus.




28. Adangs.

Der Name der Adangs hat zahlreiche Variationen und Lesearten
aufzuweisen: Adangtas, Adanginos, Adanes, Adamitas. Sie wohnen
im nordwestlichen Winkel Luzons, um den Pueblo Adan(g) und den
gleichnamigen Berg [22]. Ihre Zahl ist keine grosse, trotzdem bilden
sie eine Nation fr sich, indem ihre Sprache keine hnlichkeit mit
jener ihrer Nachbarn (der Ilocanen, Tinguianen, Apoyaos, Cagayanen)
besitzt (Buzeta y Bravo I, 271). In ihren Sitten haben sie vieles,
was an die Apayaos erinnert (Ilustr. 1860, n. 17, p. 200). Seit 1720
begann ihre Christianisirung, und bald erfolgte auch die Grndung
des christlichen Pueblos Adan(g) (Mozo 73). Das Christenthum wird
auch hier tagalisirend einwirken.




29. Apayaos.

Der gefrchtete Kriegerstamm der Apayaos wohnt in den Bergregionen
des Stromgebietes des Rio Apayao, ferner in dem nrdlichen Theile
der Ostabhnge jenes Gebirges, welches die Provinzen Cagayn und
Ilcos Norte scheidet. Im Sden reichen sie bis zur Stadt Malaueg
(oder Malauec) im Stromgebiet des Rio Chico de Cagayn. Sie werden
auch Apayos oder Apoyaos genannt.

Ihre Htten sind aus Balken einer Cedergattung "Danigga" erbaut, sie
ruhen auf sehr hohen Pfeilern, whrend die Dachbedeckung durch Rohr
hnlich wie in Ilcos hergestellt wird (Mas, pobl. 28). Der Grundriss
ist stets viereckig und an den vier Ecken stehen mchtige grosse
Pfeiler. Der Fussboden besteht aus glatt zugehauenen Cederdielen,
die Zwischenwnde sind aus Palmblttern verfertigt. Der Feuerherd
ist in einer Ecke der Hauptwohnung angebracht. Wodurch sie sich aber
vor allen brigen Bewohnern Luzons auszeichnen, ist die Sorgfalt, mit
der sie das Innere ihrer Htten ausschmcken, besonders beliebt sind
chinesische Krge und Vasen (Buzeta I, 57). Sie bauen auch Getreide,
insbesondere Mais (Buzeta, l. c.). Auch Tabak wird, und zwar im grossen
Stile, angepflanzt und damit ein schwunghafter Schmuggel getrieben
(l. c.). Sie pflanzen auch einen vorzglichen Cacao, den sie nach
Ilcos exportiren (Mas, pobl. 28; Buzeta, l. c.).

Ein Theil der Apayaos ist bereits christlich geworden (Buzeta I,
306), die brigen hngen fest an ihrem alten Glauben, der in einem
intensiven Ahnencultus besteht. Die Waffen und Schmuckgegenstnde der
verstorbenen Ahnen werden an den Wnden der Htten aufgehngt, und
um diese Trophen herum rothgefrbte Bejuco-Stbe, zu verschiedenen
Figuren zusammengestellt, an der Wand befestigt (Buzeta I, 60),
oder es wird die Lanze [23] des Ahnen in die Wand gebohrt und mit
rothgefrbtem Bejuco-Geflecht oder den aus bessern Zeugen bestehenden
Lendenschrzen [24] des Verstorbenen behngt (Mas, pobl. 16). Zu den
Seiten dieser Trophen werden Matten, verfertigt aus der Rinde des
Afutag-Baumes, aufgespannt oder befestigt (Buzeta, l. c.). Dabei fehlt
nie ein eigenthmlich geformtes irdenes Trinkgeschirr, aus welchem sie
bei ihren Festgelagen den Anitos, d. h. den Seelen ihrer Vorfahren,
Libationen darbringen (Mas, pobl. 16; Buzeta I, 60). Diese Trophen
werden von ihnen ngstlich gehtet und sind ihnen auch zu keinem
Preise feil.

Auch sie sind Kopfjger. Starb einer, insbesondere ein Vornehmer, so
machten sich seine Verwandten auf, um auf die Kopfjagd auszugehen. Je
hher im Ansehen der Verstorbene stand, desto mehr Kpfe sollten
zum Todtenopfer fallen (Mozo 69; Buzeta I, 306). Sie legen sich
dann in einen Hinterhalt, um dann pltzlich den arglosen Reisenden
zu berfallen und mit Lanzenstichen zu tdten, worauf sie den
Kopf abschneiden, den brigen Leichnam aber am Orte der Blutthat
zurcklassen. Die erbeuteten Schdel werden dann um den Todten
aufgestellt, worauf ein Schmaus und Trinkgelage Statt findet, bei
welchem viehisch gegessen und getrunken wird. Ist diese lrmende
Festlichkeit vorber, so wird dann erst der Leichnam bestattet, und
zwar werden ihm in das Grab Speisen, Getrnke und jene Feindesschdel
mit hineingegeben (Mozo 69). Heute ist diese grausame Sitte im Abnehmen
begriffen, nur die im Quellgebiete des Rio Apayao lebenden Apayaos
wollen davon nicht lassen. Viele Apayaos sind bereits spanische
Unterthanen geworden.




30. Catalanganen.

Die Catalanganen sind nur ein Zweig der Irayas, verdienen aber eine
Sonderstellung, weil sie in ihren Sitten, Bruchen und Anschauungen
von den letzteren gnzlich abweichen. Ihren Namen erhielten sie von
dem Rio Catalangan, einem rechten Zuflusse des Rio Grande de Cagayn,
an dessen Ufern ihre Hauptsitze zu suchen sind (Provinz Isabela).

Prof. Semper hlt sie fr stark mit chinesischem Blute gemischt und
bemerkt hierber: "Die Abstammung von der mongolischen Rasse liess
sich auf den ersten Blick erkennen, an dem hohen Krperbau der Leute,
dem lnglichen schmalen Gesichte mit stark zurcktretendem Kinn und
der hohen, von Haarwuchs freien, aber sehr nach hinten gekrmmten
Stirn, an den starken Backenknochen und den kleinen Augen" (Erdk. X,
257). Innere historische Grnde sprechen gegen eine starke Beimischung
chinesischen Blutes. Semper nimmt auch Mengung mit Japanen oder
wenigstens starken japanischen Einfluss an (Semper, Erdk. X, 265,
und Skizzen 55). Unter den Catalanganen leben friedlich Negritos
(Semper, Erdk. X, 260; Cavada I, 81). Was die gnstigen Seiten ihres
Charakters anbelangt, so werden ihre Friedfertigkeit, welche aber
nur ihrer grossen Feigheit zu verdanken ist, ihre Ordnungsliebe,
Subordination, Nchternheit und Frugalitt gerhmt, ihnen dagegen
aber Habsucht, Geiz, Indolenz, Ungastlichkeit &c. vorgeworfen (Semper,
Erdk. X, 261). In Bezug auf letzteres hebt Cavada gerade das Gegentheil
hervor, vielleicht im Irrthume begriffen, indem er die Irayas meinte,
oder es hat seit Semper's Besuch ein Umschwung Statt gefunden.

Sie ttowiren sich, die Muster sind chinesischen oder japanischen
Ursprunges (Semper, Erdk. X, 265, u. Skizzen 55), nach einer anderen
Stelle (Semper, Erdk. X, 254) aber von derselben Art, wie sie bei
den Negritos blich ist. Die Mnner und Weiber tragen eine hnliche
Kleidung wie die "Indier", d. h. die christlichen Malaien. Um den
Leib ber Hften und Nabel werden buntgefrbte geflochtene Bnder und
Messingstreifen getragen (Semper, Erdk. X, 260). Ausserdem tragen
Mnner und Weiber einen Grtel mit einer dicken Patronentasche,
welche rckwrts hngt und in welcher der Buyo, der von ihnen auch mit
Leidenschaft gekaut wird, sich befindet (l. c.). Diese Tasche dient
auch als Sttzpunkt fr die kleinen Kinder, welche mittelst eines
Zeuges von der Mutter auf dem Rcken nach Zigeunerart getragen werden
(l. c.).

Ihre Schmucksachen gleichen denen der Negritos (Semper, Erdk. X,
260). Am Arme und in den Ohren tragen sie Messingringe, in einem Ohre
mitunter 6 Ringe, wodurch die Ohrlappen eine unnatrliche Verlngerung
erleiden (l. c.). Auch Glasperlen, Ohrgehnge aus Silber oder schlecht
vergoldetem Kupfer kaufen sie gern von christlichen und chinesischen
Krmern ein (Semper, Erdk. X, 259). Ihre Waffen sind Bogen und Pfeile
(l. c. 261).

Ihre Rancheras bestehen nur aus wenigen Htten, und diese selbst
liegen weit auseinander, so dass selbst die grssten Drfer nicht
mehr als 20 bis 30 Htten zhlen (Semper, Erdk. X, 258). Die Htten
stehen auf Pfhlen, so dass man nur auf einer Leiter in das Innere
gelangen kann; in der Nacht wird die Leiter aufgezogen. Die Dcher sind
sehr dicht und solid aus Gras oder Rohr ber dem Geblke hergestellt
(Semper, Erdk. X, 260, u. Skizzen 54). Das Innere der Htte wird nur
durch eine Schwelle in Kche und Wohnzimmer geschieden, der Rauch
muss sich durch die Thre und durch die Fensterluken (selten mehr
als zwei) den Ausweg suchen (Erdk. X, 259). Oft ist an das brigens
kleine und niedrige Haus eine ebenso armselige Scheune angebaut
(l. c.), und wenige Htten giebt es, welche ohne eine Schmiede wren,
die stets den Ahnen, den Anitos, geheiligt ist (l. c. 262). Neben dem
Hause liegen gewhnlich zwei Scheunen, eine fr den Reis, die andere
fr den Mais (l. c. 257), ebenso sind auch in der nchsten Nhe kleine
Gtterhuschen angebracht (l. c.). Die Htten selbst liegen auf freien,
sorgfltig reingehaltenen (man denke an den Igorrotenschmutz!) Pltzen
(l. c. 256), selbst der unter dem Hause befindliche freie Raum wird
sauber gefegt (Semper, Skizzen 55).

Die Catalanganen sind Ackerbauer, und zwar sind wie bei den Apayaos
Mais und Reis diejenigen Feldfrchte, welche nahezu ausschliesslich
cultivirt werden (Semper, Erdk. X, 257). Ausserdem bauen sie
Zuckerrohr, einen trefflichen Tabak, die Wurzeln: Samate, Ubi, Gabe
oder Gabi (l. c. 258), letztere ist uns schon bekannt, berdiess
wird noch ein Strauch "Tub" gezogen, dessen gepulverte Frucht zum
Betuben der Fische verwendet wird (l. c. 259). Sie zeichnen sich
durch die Sorgfalt aus, mit der sie ihre cker von Baumstmpfen,
Steinen und Unkraut reinigen (l. c. 257; Semper, Skizzen 54). Ihr
Fleiss ist schon dadurch gekennzeichnet, dass sie--wenigstens vor
zwanzig Jahren--nur in einer einzigen Ranchera Bffel besassen und
zur Feldarbeit benutzen konnten, whrend in allen brigen Drfern
nur Menschenhnde zur Verfgung standen (Semper, Erdk. X, 258,
Skizzen 54). Da sie keine Werkzeuge zum Sen und Ernten besitzen, so
mssen sie bei der Ernte mhsam jeden Halm mit einem kleinen Messer
abschneiden (Semper, Skizzen 54). Durch Anlage von Dmmen suchen
sie ihre Felder vor berschwemmungen zu sichern (Semper, Skizzen
56). Durch Aufspeichern grosser Getreidevorrthe haben sie sich fr
die Zeiten der Hungersnoth, der Missernte &c. geschtzt, werden aber
durch diese weise Vorsicht geizig und ungastlich, sie weigern sich
sogar, etwas von ihren Vorrthen zu verkaufen (Semper, Erdk. X, 257,
u. Skizzen 55). Ausser den Frchten ihrer Felder bildet Honig auch
einen Hauptbestandtheil ihrer Nahrung, whrend sie das Wachs wie alle
Bergstmme an die Christen verkaufen (Semper, Erdk. X, 258). Da ihre
Flsse und Bche von Fischen wimmeln, so liefert das Fleisch derselben
nicht nur ihre wichtigste animalische Kost, sie sind vielmehr in der
Lage, selbst von ihrem berflusse an die Christen etwas zu verkaufen
und zwar sind es meist gesalzene Fische, welche der Gegenstand dieses
regen Handelsverkehrs sind (Semper, Erdk. l. c.). Der Fischfang selbst
findet auf alle mgliche Weise Statt: das Betuben der Fische durch die
Tuba-Frucht, das Ausspannen von Grundnetzen, die Benutzung von Angeln,
Fischreusen, das Sperren, alle diese Methoden werden nebeneinander
angewendet (Semper, Erdk. 258 n. f.; Skizzen 57).

Ihre Religion kennt zwei Gtterpaare, welchen zu Ehren grosse hlzerne
Tafeln unter dem Dache der Thr gegenber schrg befestigt werden, auf
den Tafeln sind Schriftzeichen angebracht, "die sehr an chinesische
erinnerten" (Semper, Erdk. X, 261). Die Namen dieser Gtterpaare
sind: Tschiehnau [25] mit einer Frau Bebenngan und Sial mit
seinem Weibe Binalnga. Sie scheinen auch Gtteridole zu besitzen,
wenigstens erwhnt Semper, er htte in einem Hause das geschnitzte
Bild eines Gottes gesehen (Semper, Erdk. l. c.). Im Juni wird diesen
Gtterpaaren zu Ehren in einem ihrer Drfer ein Fest gefeiert, in
jener Ranchera ist ihnen nmlich ein Haus geweiht, "worin der letzte
Priester Hantasan und sein Weib Talamaju [26] gewohnt haben"; seit
dem Tode dieses Priesterpaares kennen die Catalanganen keine Priester
mehr (Semper, Erdk. X, 261). Es wre sehr interessant, wenn wir ber
diese Sage mehr in Erfahrung brchten.

Wie bei allen Malaien der Philippinen wird auch hier den Seelen
der Ahnen, den Anitos, eine grssere Verehrung erwiesen, als den
eigentlichen Gttern. Anito wird die Seele eines jeden Todten,
der zu seinen Lebzeiten Grossvaterfreuden erlebte (Semper, Erdk. X,
262). Der Anito behlt auch als solcher den Namen, den er einst als
Mensch getragen. Vor den Htten werden den ltesten Anitos der Familie
rohe Hausmodelle von 1-1/2 bis 2 Fuss Hhe als Wohnsitz angewiesen,
dem ltesten Anito aber ist "der kleine freie Platz vor der Leiter, auf
dem der Pilan (Reismrser) steht, geweiht; er darf weder durch Feuer
noch durch Essen entweiht werden" (Semper, Erdk. X, 262). Jngeren
Anitos sind eigenthmlich geformte Bnke, auf denen dem Chinesischen
hnliche Schriftzeichen eingeritzt sind (Semper, Erdk. l. c.),
geweiht. Anderen Anitos sind als Sitze Tpfe in irgend einer Ecke
aufgestellt (Semper, Erdk. l. c. u. Skizzen 56). Die Catalanganen
heben die Perlenschnre und Schmucksachen ihrer Verstorbenen als
wunderthtige Reliquien auf und verkaufen sie, hnlich den Apayaos,
um keinen Preis (Erdk. l. c.). Von jeder Schssel wird beim Speisen
den Anitos ein Theil geopfert, whrend aber bei einigen Stmmen Luzons
ein kleiner Rest zu dieser Art Libation verwendet wird, pflegen die
Catalanganen diess Opfer zu bringen, bevor sie zu essen beginnen
(Semper, Erdk. X, 263). hnlich den anderen Bergstmmen feiern sie
den Anitos zu Ehren zur Saat- und Erntezeit allgemeine Feste (l. c.).

Ihre religisen und nationalen Feste richten sich nach dem Laufe
der Sonne (Semper, Skizzen 57). Bei diesen Festlichkeiten bildet
Tanzen einen wichtigen Programmpunkt. Ihre Tnze sind pantomimische
Darstellungen der Liebe, und so tritt immer nur ein Paar auf: die
Tnzerin dreht sich mit unbeweglich ausgestreckten Armen um sich
selbst, whrend der Mann wie rasend mit den Armen herumfuchtelt und
das Weib stampfend umkreist. Sinkt der Tnzer erschpft zur Erde, so
tritt sofort ein anderer fr ihn ein. Ihre nationalen Musikinstrumente
sind Gongs, welche mit flachen Hnden bearbeitet werden. Ausser diesen
Liebestnzen besitzen sie auch einen Kriegstanz (Semper, Erdk. X, 263).

Die ehelichen Bande sind leicht zu lsen: sind Eheleute gegenseitig
unzufrieden, so gehen die Gatten ohne jeden Ceremonienkram auseinander
und schliessen neue Ehen; trotz dieser Leichtigkeit der Ehescheidung
kommen solche Flle nur selten vor (Semper, Erdk. X, 264).

Die Srge sind an beiden Enden offen; die Todten werden in ihren
Kleidern und Schmucksachen in diese Srge gelegt, auch Habseligkeiten
werden mit hineingegeben. Unter grossem Heulen und Wehklagen der
Hinterbliebenen wird der Sarg unter dem Hause in die Erde gesenkt,
bemerkenswerth ist, dass bei dieser Gelegenheit die Trauernden um
das Grab herum knieen (Semper, Erdk. X, 263). Die Leichenfeier wird
mit einem Festschmause geschlossen (l. c. 264).

Prof. C. Semper rhmt ihnen Achtung vor dem Eigenthume nach: Diebstahl
wird mit dem Feuertode bestraft (Semper l. c. 261).

Sehen wir von dem Flechten von Matten ab, so ist der wichtigste Zweig
ihrer Industrie die Verfertigung von Booten, welche sie an Christen
und chinesische Hndler in Ilagn um einen geringen Preis verkaufen
(Semper, Erdk. X, 259).

Seit 30 Jahren sind sie der spanischen Regierung unterthan, doch
begngt sich diese mit der Einhebung einer kleinen Kopfsteuer (dem
"Reconocimiento"), welche ein Commissr jhrlich einhebt. Die Spanier
haben in jedem Dorfe einen Gemeindevorsteher, den Gobernadorcillo,
durch Scheinwahl eingesetzt; diese Gobernadorcillos haben aber in ihrem
Dorfe weder Ansehen noch Macht, nur ihre Eitelkeit kann sich durch
das Tragen des silberbeschlagenen Amtsstockes und einer dunklen Jacke
befriedigt fhlen und sie so fr die Lasten und Verantwortlichkeiten
entschdigen, die sie den spanischen Behrden gegenber bernehmen
(Semper, Erdk. X, 264).




31. Irayas.

Die Irayas wohnen sdlich von den Catalanganen, hauptschlich an
der Westseite der Cordillere von Palanan. Auch ber sie berichtet,
wie ber den Bruderstamm der Catalanganen Prof. Semper auf das
Ausfhrlichste. In ihren Adern rollt eine starke Dosis Negritoblut
(Semper, Skizzen 51 u. 54), was kein Wunder ist, da unter ihnen
"zu einer Familie verbunden" Negritos leben und Mischlinge beider
Rassen vorhanden sind (Semper, Erdk. X, 255 u. 264). Obwohl sie nun
zum Theile stark mit Negritoblut inficirt sind, so fand doch Semper
Anklnge an eine "Abstammung von einem mongolischen Stamm", man
sieht aber trotzdem "unter ihnen mehr Leute, die sich dem tagalischen
Typus nhern" (Semper, Erdk. X, 264). Ihre aus geraden und krummen
[27] Linien bestehenden Ttowirungsmuster, ferner Schmucksachen und
Verzierungen sind dieselben, wie wir sie bei den Negritos jener Gegend
vorgefunden haben (Semper, Erdk. X, 254 u. Skizzen 55).

Ihre Htten sind unsolid und schleuderhaft gebaut, vor Wind und Wetter
schlecht verwahrt (Semper, Skizzen 54), ganz im Gegentheil zu der
Reinlichkeitsliebe der Catalanganen wird aller Unrath unmittelbar vor
das Haus geworfen (Semper, Erdk. X, 264). Sie bauen Zuckerrohr und Reis
(Erdk. X, 265), bei ihrer Trgheit werden aber die Felder schlecht
bestellt, liefern daher im Vergleiche zu denen der Catalanganen
einen geringen Ertrag (Semper, Erdk. X, 264, u. Skizzen 54), trotzdem
speichern auch sie Vorrthe fr schlimme Zeiten auf (Semper, Skizzen
57). Als Hausthier und Mitarbeiter fr die Reisfelder wird allgemein
der Bffel gehalten (Semper, Erdk. X, 264, u. Skizzen 54). Wie bei den
Catalanganen, liefern auch ihnen Flsse und Bche reichliche Fischkost.

Ihre Religion beschrnkt sich auf den Anitocultus allein
(Semper, Erdk. X, 265), die Gtterpaare der Catalanganen fehlen
ihnen (l. c.). Ob sie sonst andere Gtter besitzen, ist nicht
auszuschliessen, die Bemerkung, welche Semper an einer anderen Stelle
(Erdk. XIII, 94) macht, dass nmlich die Religion der Irayas jener
der Igorroten hnlich sei, lsst diese Deutung zu.

Im Gegensatze zu den dsteren und ungastlichen Catalanganen sind die
Irayas ein frhliches heiteres Vlkchen, dessen Gastfreundlichkeit
nicht nur Negritos, sondern auch jene flchtige Christen ("Remontados")
und entlaufene Verbrecher freundlich aufnimmt (Semper, Erdk. X, 265,
u. Skizzen 54 u. 55). Die Zahl der Christen, welche unter ihnen lebte,
schtzte Semper vor zwanzig Jahren auf 200 Kpfe (Semper, Erdk. X,
256). Die unter ihnen lebenden Negritos hatten Ackerbau, Religion
und Kleidung der Irayas angenommen (l. c.).

Die Irayas stehen in demselben losen Abhngigkeitsverhltniss zur
spanischen Regierung, wie die Catalanganen, wie sie denn auch das
Institut der Gobernadorcillos besitzen (Semper, Erdk. X, 266).




32. Catabanganen (Catabanganes).

Die Catubanganen sind ein wilder Bergstamm in den Gebirgswildnissen
von Guinayangan in der Provinz Tayabas. Sie werden, so viel mir
bekannt ist, nur von Cavada I, 198, erwhnt, welcher von ihnen
nichts Anderes berichtet, als dass ihre Sitten jenen der Negritos
(welche ebenfalls in jenen Bergen hausen) gleichen, und dass sie
die christlichen Ortschaften bestndig berfallen, um Vieh und
Getreide zu rauben. Die drftige Notiz ist Alles, und es lsst sich
unmglich darnach entscheiden, ob wir hier die Trmmer eines grsseren
selbstndigen Stammes oder verwilderte Abkmmlinge von Remontados
mit Negritoblut gemengt vor uns haben. Vielleicht drfte das letztere
das Wahrscheinlichere sein.




33. Vicols [28].

Die Vicols bewohnen den sdlichsten Theil Luzons, im Norden
beginnt die Sprachgrenze an der Ostkste bei Paracli und Mambulo
in der Provinz Camarnes Norte, an der Westkste aber schon bei
den stlichen Gestaden der Provinz Tayabas, so dass die Vicols in
Camarnes Norte die Hauptmasse, in Tayabas aber nur einen Bruchtheil
der Bevlkerung ausmachen. Camarnes Sur, Albay, ferner die Inseln
Masbate, Tico, Buras und die Inselgruppe der Catanduanes werden
von ihnen ausschliesslich bewohnt.

Die Vicols gehren wie die Tagalen, Pampangos &c. zu jenen
Malaienstmmen Luzons, welche schon in den Tagen der Conquista eine
gewisse Civilisation aufzuweisen hatten, sie sind auch die ersten
Bewohner Luzons, welche (in Albay zunchst) sich, und zwar im Jahre
1569, den Spaniern unterwarfen. Von den wenigen "wilden" Stmmen,
welche in den Bergen von Camarnes hausen, will ich am Schlusse dieses
Artikels Nheres mittheilen und mich vorerst mit den civilisirten
christlichen Vicol-Malaien beschftigen.

Obwohl von krftigem Krperbau (Buzeta I, 281), stehen sie dennoch
physisch wie geistig den Tagalen nach (Jagor, Reisen 120). Sie besitzen
nicht den stolzen kriegerischen Geist der Bewohner Nord-Luzons, sie
sind vielmehr friedfertig und demthig (Cavada I, 213 u. 221). Obwohl
im Allgemeinen arbeitsam, so besitzen sie dennoch nicht jene
ausgebreitete Hausindustrie, welche wir bei den Tagalen vorgefunden
haben. Insbesondere unterscheiden sie sich von letzteren durch ihre
grosse Unreinlichkeit, die vorzglich im Sden in die Augen fllt,
zumal, wenn in den betreffenden Orten kein weisser Pfarrer stationirt
ist (Jagor, Reisen 105). Hautkrankheiten und Krtze sind deshalb sehr
verbreitet (Jagor, Reisen 130). Dr. Jagor schreibt (Reisen 145):
"Ich glaube kaum, hier (Mambulao) eine Indierin ohne Krtzflecke
gesehen zu haben".

Ihre Htten weichen in ihrer Bauart nicht von denen der Tagalen ab,
doch wird gewhnlich das leichteste Rohrmaterial zum Bau vorgezogen,
was in der Hufigkeit und Intensitt, mit der hier die Erdbeben
auftreten, seine Erklrung findet. Der Bau eines Hauses in Camarnes
incl. Material kostet nicht mehr als vier bis fnf Dollar (Jagor,
Reisen 125). Die Mbel beschrnken sich wie bei den anderen Malaien
meist nur auf Matten. Das Innere der Huser wird bei den Vicols bei
Armen durch Harzfackeln erleuchtet, whrend Reichere zu diesem Zwecke
sich jener Lampen bedienen, welche auch den Tagalen bekannt sind
und aus einer grossen Schnecke mit eingelegtem Binsendochte bestehen
(Jagor, Reisen 127).

Als der hollndische Corsar Noort 1600 vor Camarnes anlangte, fand
er die meisten der Bewohner fast nackt vor und die "Vornehmsten,
welche von den ehemaligen Landesfrsten herstammeten, hatten sich
allerlei knstliche Figuren in die Haut geritzet" (Allgem. Historie
der Reisen XI, 369). Auch die Bewohner der Catanduanes bemalten sich,
trugen jedoch ein rmelloses Gewand (l. c. 398). Die heutige Tracht der
Vicol-Malaien ist decenter, die Tracht der Mnner gleicht so ziemlich
jener der Tagalen, wohingegen die Frauen sich ganz anders als die
Tagalinnen kleiden. Vor Allem fehlt hier der Tapis und die Saya (Buzeta
I, 281), an Stelle derselben tritt der Patadon, ein Frauenrock, der
von der Hfte bis zu den Kncheln reicht, dann ein kurzes Hemd aus
Guinara-Stoff (Zeug aus Abacfasern) und ein Umhngtuch; im Haare wird
ein Kamm getragen (Jagor, Reisen 127). Statt des einfachen Waldmessers
der brigen Malaien Luzons tragen die Vicols den geflammten Kris der
mohammedanischen Malaien der Sunda (Scheidnagel 123).

Die Vicols bauen dieselben Getreidearten [29] und Culturpflanzen
wie die Tagalen, die grsste Sorgfalt wird aber dem Abac-
oder Manila-Hanf zugewendet, denn in Camarnes und Albay gedeiht
diese fr den Exporthandel der Philippinen so ungemein wichtige
Pflanze am besten. Herr von Scherzer (Novara-Reise I, 598) schreibt
darber wie folgt: Um den Abac-Hanf zu gewinnen, wird der Stamm,
sobald die Fruchtkolben, zum Vorschein kommen, von den mchtigen
Blttern gereinigt und bleibt etwa 3 Tage hindurch der Ghrung
ausgesetzt. Hierauf wird derselbe in Stcke abgeschlt, und diese
werden unter Anwendung eines entsprechenden Druckes zwischen zwei
Eisen durchgezogen, um den durch die Ghrung mrbe gewordenen Bast von
den zum Vorschein kommenden Hanffasern zu entfernen. Dieses Verfahren
wird so lange fortgesetzt, bis letztere rein genug erscheinen, um an
der Sonne getrocknet zu werden.

Aus den Fcherpalmen wird in der Weise Zucker gewonnen, dass das
obere Ende des Stammes quer abgeschnitten wird, und zwar mit etwas
geneigter Schnittflche. Aus der Wunde quillt der zuckerhaltige Saft
(tglich 10 Quart), aus welchem der Zucker durch Einkochen gewonnen
wird; eine Palme liefert einen Reingewinn von 5 Mark, der Baum geht
aber auch ein (Jagor, Reisen 155 f.).

Auch Cacao wird vielfach gepflanzt, wenn auch nicht sorglich
gepflegt. Die Vicols geniessen die Chocolade, indem sie ihr gerstete
Pilikerne zusetzen (Jagor, Reisen 79). Da ein grosser Theil des
besiedelten Landes von Sumpfstrecken durchsetzt ist, und berdiess
in der Regenzeit selbst die Strassen versumpfen, so sind die Vicols
auf die Construction eines Transportmittels verfallen, welches ihnen
die Fortschaffung von Lasten selbst im Sumpfgebiete gestattet. Es
ist diess die Pavav (man vgl. die Abbildung in Jagor, Reisen 118),
welche aus zwei parallelen Stangen besteht, die an ihren Obertheilen
einen gedeckten Kasten tragen. Die unteren Enden der beiden Stangen
schleifen auf der Erde, die oberen ruhen hftehoch ber der Erde
auf der Gabeldeichsel, deren untere Enden sich ebenfalls nach
hinten verlngern, so dass, wenn der Bffel diese schlittenartige
Pavav durch tiefen Sumpfbrei schleift, die zwei unteren Enden jener
Parallelstangen und die zwei hinteren Enden der Doppel-Deichsel die
Last tragen. -- Die Vicols besitzen zwar einen reichen Viehstand,
kmmern sich aber nicht einmal um die Ftterung ihrer Thiere
(Jagor, Reisen 123). Fischfang wird auch hier fleissig betrieben,
sie benutzen hierzu die faustgrossen Frchte einer Barringtonie, indem
sie wegen ihres geringen specifischen Gewichtes statt des Korkes bei
den Netzen verwendet wird oder indem man ihre betubende Eigenschaft
durch Ausstreuen pulverisirter Frchte benutzt (Jagor, Reisen 152).

In ihren Sitten und Bruchen fllt zunchst der Umstand auf, dass sie
nicht so leidenschaftliche Raucher sind, wie die brigen Luzonier, sie
geniessen lieber den Tabak in der Weise, dass sie die Cigarren mit dem
Buyo zusammen kauen (Jagor, Reisen 127), obwohl ausserdem noch genug
geraucht wird. ber ihre Bruche bei Geburten &c., ihren Aberglauben
ist mir Nichts bekannt. Dr. Jagor (Reisen 130) erwhnt, dass die
ersten Excremente eines neugeborenen Kindes unter dem Namen Triaca --
aus Theriacum -- als Universalmittel gegen Schlangen- und Hundebiss
angesehen werden. Von ihren Gespenstern sei der Calapitnan, der Herr
der Fledermuse, erwhnt, der in der prachtvollen Tropfsteinhhle
bei Libmanan (Camarnes Norte) seinen Sitz aufgeschlagen hat (Jagor,
Reisen 138). Obwohl seit drei Jahrhunderten Christen, sind sie nicht
nur sehr aberglubisch, sondern auch lau in der Beobachtung der
kirchlichen Vorschriften (Cavada a. v. St.).

Ihre nicht grosse Industrie befasst sich meist nur mit feinen Webwaaren
und Stickereien (Scheidnagel 24), die Sinamay- und Nipis-Zeuge von
Camarnes rangiren an Gte unmittelbar nach denen von Ilcos Diaz
(Arenas 291).

Vicol-Heiden. Ausser den christlichen und civilisirten Vicols wohnen
in den Provinzen Camarnes Norte y Sur und Albay auch noch hie und
da in den Gebirgswildnissen zerstreut Horden von heidnischen halb-
oder ganz-"wilden" Vicol-Malaien, welche von den Spaniern flschlich
Igorroten (neben "Cimarrones") genannt werden. Sie sind allem Anscheine
nach Abkmmlinge jener Malaien, welche in den Zeiten der Conquista vor
dem spanischen Joche in die ungangbaren Bergwlder flohen und dann auch
spterhin durch dem Steuerdruck sich entziehende Vicols, also durch
"Remontados" frischen Nachschub erhielten. Waren doch die faulen Vicols
stets geneigt, den lstigen Frohnden und der strengen Kirchendisciplin
sich durch die Flucht in die Gebirgswlder zu entziehen, wir wissen ja,
dass in der ersten Hlfte des XVIII. Jahrhunderts das Innere der Insel
Masbate eine dichte Bevlkerung von solchen Flchtlingen, die selbst
von Luzon aus dort ihr Asyl gesucht hatten, besass (Fray Juan de la
Concepcion VIII, 142). Selbst heute noch kommt dieses "remontarse"
(sich in die Berge flchten) hufig vor, die kleinen unbewohnten
Inseln an der Kste von Camarnes Norte beherbergen oft zahlreiche
solche Flchtlinge--"los martimos" genannt (Cavada II, 447)--, bis
der Hunger oder der Arm der Behrde sie wieder zur Rckkehr in die
Heimath zwingt. In den ersten Jahrhunderten der spanischen Herrschaft,
bestndig wie ein Wild gehetzt, sanken sie zu nomadisirenden Horden
herab, die keine feste Niederlassung besassen, und in dieser Periode
ihrer Entwickelung scheinen sie mit den ein hnliches Leben fhrenden
Negritos engere Beziehungen angeknpft zu haben, wenigstens weist Jagor
(Reisen 106) bei den Heiden von Isarg nach, dass sie Mischlinge von
Vicol-Malaien und Negritos wren.

Solche Vicol-Heiden leben um die Vulcane Isarg, Iriga, um Buhi,
um den Vulcan Mazaraga, in der Cordillere von Caramuan, in der Nhe
der Orte Libog und Tabaco. Aus dem Jahre 1848 liegt uns bei Diaz
Arenas sogar eine Schtzung der Zahl dieser Heiden, und zwar jener
der Provinz Camarnes Norte vor; darnach gab es dort in jenem Jahre:
3703 die Oberhoheit der spanischen Krone anerkennende "Infieles",
8000 Cimarrones del Isarg, 500 Cimarrones del Iriga, 300 Cimarrones de
Buhi und 4000 Cimarrones der Cordillere von Caramuan. Die Zahlenangabe
bezglich der Heiden vom Isarg ist offenbar ein Druckfehler, die
Zahl scheint mir zu hochgegriffen zu sein. Ich will nun die einzelnen
Horden nher in Betrachtung ziehen.

Da mir ber die Heiden der Cordillere von Caramuan nichts Nheres
bekannt ist, so gehe ich sofort zu den Heiden vom Isarg ber. Diese
wohnen bei dem genannten Vulcane in der Nhe der Pueblos Goa,
Pili, Lagonoy, Bula, Quipayo &c. Sie sind zahlreich, in den drei
Rancheras von Mahaluas (Magarao?), Siano und Paltoc sollen allein
2000(?) leben (Cavada I, 213). Nach Jagor (Reisen 163 u. 168) ist
ihre Zahl durch Kmpfe mit den spanischen Finanzwachsoldaten und
durch Fehden untereinander im Abnehmen begriffen. Jetzt haben die
Kmpfe mit den Spaniern aufgehrt, indem diese den Heiden den Ertrag
ihrer Tabakfelder abkaufen (l. c. 164), und andererseits durch die
liebenswrdige und hochherzige Verwendung des Dr. F. Jagor ihnen
von der spanischen Regierung eine Anzahl von Begnstigungen zu
Theil wurden. Jagor (l. c. 162) erwhnt von ihnen: "Sie sind es,
die nach dem Urtheil des Pfarrers von Camarnes die Vicol-Sprache am
reinsten sprechen. Ihre Sitten und Gebruche sind in vielen Punkten
denen, welche die Spanier bei ihrer Ankunft vorfanden, sehr hnlich,
andererseits erinnern sie vielfach an diejenigen, welche noch heute
bei den Dayaks herrschen". An letztere erinnert auch die freilich
im Erlschen begriffene Sitte, den, wenn auch natrlichen Tod eines
Verwandten, durch die Ermordung des ersten besten Fremden zu rchen
(l. c. 171), da aber dem Ermordeten der Kopf nicht abgeschlagen wird,
so ist diess eher auf ein Herbernehmen des hnlichen Negritobrauches
zurckzufhren, denn die Heiden vom Iriga beweisen durch eine leichte
Kruselung ihres Haares (l. c. 170), dass auch Negritoblut in ihren
Adern rollt. Einen Schdel, der von einem erschlagenen Heiden vom
Isarg herrhrte, erklrte Prof. Virchow in gewissen Beziehungen
hnlich mit den Malaien-Schdeln von den Sunda-Inseln, noch mehr aber
mit Dayak-Schdeln (Jagor 169 u. 92). Die in der Nhe von Quipayo
hausenden Isarg-Heiden haben keine festen Niederlassungen, sondern
schweifen wie die Negritos unablssig herum (Cavada I, 213), die
anderen aber besitzen Htten, welche hie und da vereinzelt im Walde
stehen (Cavada I, 213 u. 221), nur diejenigen, welche der spanischen
Regierung unterthan geworden, wurden gezwungen, in kleinen Weilern,
deren Htten aber auch weit auseinanderliegen, zu wohnen (Jagor,
Reisen 163). Den Zugang zu ihren Htten schtzen sie durch Fussangeln
oder Fusslanzen, welche mit Blttern und Reisig geschickt verdeckt
sind (l. c. 166). In der Gestalt und Bauart unterscheiden sich ihre
Htten in Nichts von denen armer Vicol-Christen (l. c. 167). Sie
bauen Bataten, Caladium, Mais, Zuckerrohr, Tabak (Jagor, Reisen 167;
Cavada I, 213), und jene, welche in den oben erwhnten Rancheras
Mahaluas, Siano und Paltoc leben, selbst Cacao, Abac, Camote
(Cavada, l. c.). Hausthiere sind Hunde, Katzen und Hhner (Jagor I,
168). Bei jenen Isarg-Heiden, welche Dr. Jagor kennen lernte, waren
die Weiber decent, wie christliche Indierinnen gekleidet (Jagor,
Reisen 167), wogegen in jenen drei Rancheras die Weiber ebenso
wie die Mnner nur einen Lendenschurz tragen (Cavada I, 213). Ihre
Waffen sind Pfeile, Lanzen, runde hlzerne Schilde am Rande mit
Rotang beflochten und das Campilan-Waldmesser (Jagor, Reisen 169;
Cavada, l. c.). Die Pfeile sind vergiftet (Cavada, l. c.). Whrend
einige Horden die Christen durch Ruberberflle belstigen (Cavada I,
212), ist die Mehrzahl der Isarg-Heiden mit denselben in freundlichem
Verkehr, denen sie ihre Bodenproducte, ferner Honig, Wachs und Harze
verkaufen (Jagor, Reisen 168; Cavada I, 213). Sie leben gewhnlich
nur mit einer Frau, obwohl Polygamie gestattet ist; die Frau wird
um den Durchschnittspreis von 10 Waldmessern und 10 bis 12 Dollars
baar gekauft (Jagor, Reisen 171). Der Vater der Braut veranstaltet
einen Schmaus, bei dem grosse Mengen Palmwein vertilgt werden (Jagor,
Reisen 172). Ihre musikalischen Instrumente sind Laute, Guitarre nach
spanischem Muster und Maultrommeln aus Bambusrohr (Jagor, Reisen 167).

Die Heiden vom Iriga sind dunkelbraune Mischlinge von Negritos und
Indiern, obwohl nur einige krauses Haar besitzen (Jagor, Reisen
106). Ihre Htten sind bequem gebaut (Jagor, l. c.) und mit einem
Hausgerthe versehen, welches aus Cocosnussschalen, Bambusgerthe,
irdenen Tpfen und Waffen besteht (Jagor, l. c. 107). Die Tracht der
Mnner beschrnkt sich nur auf ein Schamband, whrend die Weiber
einen Schurz tragen, der den Unterleib und die Oberschenkel, von
der Hfte bis zu den Knieen, deckt (Jagor, l. c.). Sie bauen einige
Knollengewchse und etwas Zuckerrohr an (Jagor 106). Zur Jagd auf
die Wildschweine dienen vergiftete Pfeile (Jagor 107), deren Gift
aus zwei unbekannten Baumrinden bereitet wird. Das fertige Gift hat
die Consistenz einer zhen Salbe. Fr einen Pfeil braucht man nur
ein haselnussgrosses Stck, worauf der vergiftete Pfeil mit seiner
Wirkung fr viele Schsse ausreicht (Jagor 112). Mit den Christen
unterhalten sie Handel und Verkehr.

Die Heiden, welche beim Vulcane Mazaraga in einigen verstreuten Htten
wohnen, sind freundliche Leute (Jagor, Reisen 178). Dasselbe gilt fr
jene Horden, welche bei Libol und Tabaco in der Provinz Albay wohnen,
sie stehen mit den Christen in Verbindung, ja einige lassen sogar
ihre Kinder taufen (Cavada I, 221). Nach der Nummer 877 des "Comercio"
(Manila, den 16. Aug. 1881) sind in jngster Zeit in der "La Rinconada"
(Provinz Camarnes Sur) neue Pueblos solcher "monteses" von der
Colonial-Regierung gegrndet worden. Die Ausbreitung der spanischen
Herrschaft unter diesen Heiden scheint also Fortschritte zu machen.




34. Manguianen (Manguianes).

Unter dem Namen Manguianen sind die halbwilden Malaien-Stmme zu
verstehen, welche das Innere der grossen Insel Mindoro und (nach
Cavada II, 127) auch die Gebirgswildnisse der Inseln Romblon und Tablas
bewohnen. Ob sie ein eigener Zweig der philippinischen Malaien sind,
lsst sich nach den zwar zahlreichen, aber drftigen und sich vielfach
widersprechenden Notizen, die uns von diesen Wilden Nachricht geben,
gar nicht entscheiden. Das eine aber scheint mir sicher zu stehen,
dass sie mit den Tagalen Nichts gemein haben und wohl eher als
ein besonderer Zweig der Visayer aufgefasst werden knnten, aber
eben nur knnten. Es knnte leicht sein, ihre Existenz auf hnliche
Weise zu deuten, wie diess bei den Vicol-Heiden geschehen ist. Der
Ansicht, die in Waitz V, 61, entwickelt wird, wonach die Manguianen
"wenige, den Angriffen der Piraten [30] entgangene Flchtlinge sind,
die von den Urbewohnern (welchen?) des Centralgebirges verschieden
zu sein scheinen", kann ich unmglich beipflichten, wie Jeder, der
die Geschichte der Philippinen vom Beginn der spanischen Occupation
an genau studirt hat. Nach der Allgem. Historie XI, 393, wren sie
eine Bastardrasse von Negritos und (Visayer-?) Malaien, was also
den Ursprung dieser Manguianen auf hnliche Weise erklren wrde,
wie jenen der Vicol-Heiden. Die Manguianen waren seiner Zeit in der
gelehrten Welt sehr genannt, indem Careri (p. 42) von ihnen nach
den Berichten der Jesuiten erzhlte, sie htten vier bis fnf Zoll
lange Schwnze. Gemelli-Careri berichtet berhaupt von ihnen, dass
sie bis auf eine drftige Bedeckung der Schamtheile nackt gingen,
und ihre Wohnungen nach der Jahreszeit vernderten, weil sie sich
blos von wildwachsenden Frchten nhrten. Den Christen verkauften
sie Wachs, wofr sie Ngel, Messer, Nadeln und Zeug erhielten. Es
ist diess ein Bild, das, auch auf Negritos angewendet, vollkommen
treffend wre, und dennoch ersieht man, dass Careri sie scharf von
den Negritos zu trennen weiss. Auch Fray Juan de la Concepcion VII,
11, spricht von ihrer starken Zahl, welche in der jngsten Zeit auf
30 000 Kpfe veranschlagt wird (Cavada II, 37). Im usseren sollen
die Manguianen den (eigentlichen?) Malaien hnlich sein (Waitz V,
100, nach Journal III, 758).

Die Manguianen von Mindoro zerfallen wieder in kleinere Stmme,
welche die Namen Buquit, Tadiaban, Bungon &c. fhren. Einige dieser
Stmme stehen in friedlichem Verkehre mit den Christen, andere aber,
besonders jene tief im Innern des Landes, fliehen vor jeder Berhrung
mit den christlichen Kstenbewohnern (Cavada II, 37). Die Manguianen
von Romblon lieben ein herumschweifendes und mssiges Leben und
rauben den Christen Vieh (Cavada II, 127). Die Manguianen von Mindoro
bestatten noch jetzt, wie alle philippinischen Malaien in den Tagen
ihrer Unabhngigkeit, ihre Todten in Hhlen, am bekanntesten ist als
solche Grabsttte eine grosse Hhle an der Ostkste der Insel (Semper,
Erdk. XIII, 95).




35. Mundos.

Die Mundos sind wilde Bergvlker auf Ceb (Mozo 134) und Panay (Mozo,
l. c. u. Hgel 367). Nach Hgel (l. c.) gleichen sie den Igorroten in
"Allem", was aber nach den genaueren Nachrichten Mozo's nicht wahr
ist, denn nach diesen theilen sie die Sitten und Bruche der Tagalen
und Visayer, und Hgel hat jenes "in Allem" wohl nur den Manilesen
nachgesagt, die alle wilden Heiden "Igorrotes" tituliren, denn Panay
hat Baron Hgel nicht besucht.

Sie glauben an den Patianac, der uns schon von den Tagalen her
bekannt ist, ihm schreiben sie es zu, wenn sie auf einem Pfade sich
verirren. In diesem Falle entledigen sie sich ihres ohnediess nur
drftigen Anzugs, denn der Patianac flieht vor den Nackten, und so
knnen sie auf diese Weise den verlorenen Weg wiederfinden (Mozo
137). Um Diebe zu entdecken oder verlorene Sachen wiederzufinden,
bedienen sie sich gewisser Zauberformeln, welche sie Bilao nennen
(l. c.). Sie halten berhaupt viel auf Zauberei, weshalb unter ihnen
auch zahlreiche Zauberer wohnen, welche sich in Crocodile oder andere
Thiere verwandeln knnen und dann den Menschen viel Unheil zufgen
(Mozo 135). Sie glauben an Behexung, "Gavay" genannt, von der man sich
durch besondere Ceremonien, welche Mozo (Misiones 136) beschreibt,
wieder befreien oder enthexen kann. Die Christen haben deshalb eine
grosse Scheu vor diesen Wilden und wollen ihre Niederlassung in ihren
Drfern nicht dulden. Sie leiden sehr an Magenkrankheiten, "Bungsol"
genannt (Mozo 136).

Die Zahl der Mundos ist eine betrchtliche; 1848 zhlte man nach Diaz
Arenas allein in der Provinz Ilo-ilo (Insel Panay) 5000 Mundos. Nach
eben demselben Autor leben unter ihnen viele Remontados. Es ist
berhaupt noch fraglich, ob die Mundos ein selbstndiger eigenartiger
Stamm sind, ich vermuthe nach ihren aberglubischen Bruchen, dass
sie Visayer im Stadium der Vicol-Heiden vom Isarg, Iriga, Caramuan
&c. sind. Sie scheinen von Remontados und Negritos abzustammen (man
vgl. Buzeta II, 103).




36. Carolanen (Carolanos).

Der Name dieses Stammes wird nur von Diaz Arenas erwhnt, nach
welchem sie 1848 auf der Insel Negros in der Kopfzahl von 2322 in
dem Gebirgszuge lebten, der sich von der Hauptstadt gegen Cauayan
hin ausdehnt. Wahrscheinlich ist diess nur ein besonderer Name fr
einige Horden von Visayer-Heiden.




37. Visayer (Visayas) [31].

Die Visayer bewohnen alle jene Inseln, welche sdlich von Luzon,
Masbato, Buras, Ticao und Mindoro und nrdlich von Borneo, Sulu
und Mindanao liegen. Auf letzterer Insel wird von ihnen auch die
ganze Nord- und Ostkste bewohnt, jedoch streng genommen nur an der
Kste. Im sdlichen Theile von Palawan (Paragua der Spanier) scheinen
andere Malaien bereits zu wohnen.

Die Visayer-Sprache zerfllt in die Dialekte von Ceb, dem
eigentlichen Visayer-Dialekt und jenem, der auf der Gruppe der
Calamianen und Cuyos-Inseln gesprochen wird. Eine Unterabtheilung
des Visayer-Dialektes sollen wieder der Dialekt von Sd-Panay, das
Panayano, ferner der Dialekt von Capiz sein, doch widersprechen sich da
die Nachrichten, und da ich der Visayer-Sprache unkundig, so will ich
darber hinweggehen. Nach ihren Sitten und Bruchen zerfallen sie in
die eigentlichen Visayer, in die Caragas und Calamianen incl. Coyuvos.

a) Visayer im engeren Sinne des Wortes. Diese bewohnen die Inseln
Panay, Romblon, Tablas, Masbate (sporadisch neben den Vicols), Negros,
Ceb, Bhol, Smar, Leyte, den Surigao-Archipel und die Landschaft
Dapitan der Provinz Mismis auf der Nordkste von Mindanao. Auf dem
brigen Theil der Nordkste von Mindanao (Mismis, Iligan, Cagayn und
Butnan) wohnen zwar auch Visayer, aber sie sind mit den eingeborenen
Stmmen sehr stark vermischt, doch bleibt ihre Sprache dort die
herrschende. Am Meerbusen von Davao sind viele Visayer angesiedelt,
welche die Spanier seit dem Jahre 1848, wo sie jenes Land occupirten,
dorthin gebracht haben. Die Visayer sind nicht so weit im Archipel
verstreut, wie die intelligenteren Tagalen, doch finden sich welche,
meist Fischer, selbst auf den Babuyanen, besonders auf Camiguin [32]
(Mas, pobl. 42). Die Visayer der Kstendistricte sind alle Christen
und civilisirt, im Innern dieser Inseln leben sie aber als halbwilde
Heiden, welche von jenen Visayern abstammen, die sich den Spaniern
nicht unterwerfen wollten, und welche durch Remontados immer neuen
Zuschuss erhielten und zum Theil noch erhalten. Ich werde zunchst
mich mit den Christen befassen.

Die Visayer waren zur Zeit der Conquista bereits ein civilisirtes Volk,
das, entgegen den Ansichten der modernen spanischen Schriftsteller,
welche ohne auf die ursprnglichen Quellenwerke zurckzugehen, ber die
Geschichte der Philippinen Essays schreiben, einen noch hheren Grad
von Cultur besass als die Tagalen. Borneo, Mindanao und den Molukken
nher gelegen als die Tagalen, standen sie auch mit diesen Lndern
in regerer Verbindung, und diese mag auch die Ursache sein, dass ihr
Typus dem der eigentlichen Malaien sich mehr nhert, als jenem der
Tagalen. Im XVI. und XVII. Jahrhundert wurden sie von den Spaniern
Pintados genannt, weil sie ihren Krper zu bemalen pflegten. Sie
nahmen ohne besondere Schwierigkeiten das Christenthum an und halfen
mit ihren Kriegern den Spaniern die Tagalen unterjochen.

Ihre Htten sind nach demselben Modell gebaut, wie jene der
Tagalen, dagegen unterscheiden sie sich von letzteren durch Tracht
und Gewandung. Whrend die Tagalen das Haar verschneiden, lassen
auch die Mnner bei den Visayern das Haar lang wachsen (Buzeta I,
242). Die Frauen tragen keinen Tapis, sondern nur die aus grobem
aber durchscheinenden Guinara-Zeug verfertigte Saya und die kaum
die Brste bedeckende Camisa (Jagor, Reisen 188). Um das Haar
schlingen die Frauen ein Stck Zeug (Buzeta, l. c.). Sie bauen
alle Getreidesorten und Culturpflanzen, die auf Luzon cultivirt
werden, Reis insbesondere auf Panay, Zucker auf Ceb, Bhol, Negros,
vorzglichen Cacao auf Ceb, Tabak auf Ceb und Bhol, Mais auf Ceb,
Abac auf Leyte, Kaffee in der Provinz Mismis auf Mindanao. Viel
strker als auf Luzon wird auch rother Pfeffer cultivirt, da die
Visayer damit alle ihre Speisen, besonders aber die Morisqueta, stark
wrzen (Buzeta I, 33). Cocospflanzungen sind berall, Viehzucht wird
lssig betrieben. Sie sind noch eifrigere Fischer als die Tagalen,
der Fang von Trepang ("Balate"), der hier hufigeren Manatis und
Schildkrten liefert ihnen reichen Gewinn, desgleichen das Suchen
der Schwalbennester (Buzeta, Mas, Semper, Caamaque, Cavada a. v. St.).

Von den Tagalen unterscheiden sie sich unangenehm durch ihre
Unreinlichkeit (Jagor 188) und durch ihre Trunksucht (Cavada
a. v. St.). Ihre alte Religion glich in vielen Punkten jener
der Tagalen, auch sie kannten den Ahnencultus, nur wurden die
Nonos und Anitos der Tagalen und Nord-Luzonier hier Diuatas
oder Divatas genannt. Sie besassen Idole, Liche oder Laravan mit
Namen. Ihre Priesterinnen hiessen Babaylanas, neben diesen waren
auch Priester. Selbst unter den Christen erhielt sich der alte Glaube
insgeheim, 1797 noch entdeckten die Mnche in dem seit der Conquista
christlichen Pueblo Sibalon auf Panay (Provinz Antique) 180 Babaylanas
(Buzeta I, 300). Selbst unter den Cabezas de Barangay auf Smar gab
es 1648 heimliche heidnische Priester (Tanner III, 544). Auch bei
den Visayern war das Schwein das bevorzugte Opferthier.

In den Zeiten der Conquista herrschte bei den Visayern die
Polygamie. Das Christenthum beseitigte diese, nicht aber die
grenzenlose Unsittlichkeit und Unzucht, ber welche alle lteren
Schriftsteller schauderhafte Details berichten (man vgl. vorzglich:
Morga-Stanley 304 und Carletti 148). Auch heute ist Ehebruch ungemein
hufig, um so mehr, als die Gatten keine Eifersucht kennen, und wie in
den Zeiten der Conquista, geben sich die Frauen viel leichter preis
und sind auch viel geiler als die Mdchen (Jagor, Reisen 236). Der
Freier dient, hnlich wie bei den Tagalen es vordem hufiger blich
war, 2-5 Jahre dem Vater seiner Braut umsonst, ehe er diese als Gattin
heimfhrt (Jagor 235). Francisco Caamaque (Fil. 186 f.) beschreibt
die Brautwerbung wie folgt: Der Freier geht mit einem angesehenen
Manne seines Dorfes zu den Eltern seiner Auserwhlten, und beide
fragen letztere, ob sie zur Eheschliessung geneigt ist, worauf sie mit
Ja antwortet. Das Herkommen erfordert es, dass die Braut hierbei des
Leides gedenkt, das ihr die durch die Ehe nthig werdende Trennung von
den Eltern verursachen msste. Die letzteren pflegen, selbst wenn sie
wohlhabend sind, dem Freier zu erklren, sich wohl Alles zu erwgen,
denn ihre Tochter habe kein Vermgen, besitze keine Kenntnisse und
sei berdiess recht albern. Der Freier und sein Genosse wiederholen
aber die Werbung immer von Neuem, bis der Vater einwilligt. Ist diess
geschehen, so fangen die vor der Thre versammelten Freunde des Freiers
an, Raketen steigen zu lassen und Musikinstrumente zu bearbeiten,
andere gehen in das Haus hinein, berreichen ssse Bckereien, Tabak,
Buyo &c. Nach der kirchlichen Trauung durcheilt die junge Frau,
begleitet von Freundinnen, die Gassen des Dorfes, um alle Verwandten
und Freunde zu einer Chocoladegesellschaft (mit Tanz und Gesang)
einzuladen. Wenn die Jungfrulichkeit der soeben Getrauten ber allem
Zweifel erhaben ist, so tanzen die beiden Gatten zusammen einen Tanz,
worauf die geladenen mnnlichen Gste eine grosse Anzahl von Tpfen
und Schsseln, welche aber noch nie gebraucht worden sind, zu den
Fssen des Paares zerbrechen und hinwerfen. Bei dem Hochzeitsmale
essen zuerst die Frauen, nach diesen die geladenen Mnner und dann
erst die zum Hause Gehrigen, wobei die Sitte erfordert, dass jedes
Mal ganz neue Gerichte auf den Tisch oder, richtiger gesagt, auf die
ber den Boden gelegte Matte, aufgetragen werden, selbst wenn grosse
Speisequantitten von der vorhergehenden Tafel brig sind. -- Die Ehen
sind sehr fruchtbar, man zhlt oft 12 bis 13 Kinder in einer Ehe, doch
ist dafr auch die Kindersterblichkeit eine grosse (Jagor, Reisen 236).

In ihren sonstigen Bruchen und Sitten weichen sie nicht sehr
von den Tagalen ab. Ihre Todten begruben sie in den Zeiten ihrer
Unabhngigkeit, hnlich wie die Igorroten, in Hhlen, das hat
natrlich unter dem Christenthum aufhren mssen. Wie die Tagalen
feiern auch die Visayer ein neuntgiges Todtenfest, das am letzten
Tage in einer eigenthmlichen Weise seinen Abschluss findet. Der
beste Theil des Hauses wird schwarz ausgeschlagen und eine Art
Thronhimmel in demselben errichtet, auf dessen Hintergrund 10 bis 12
Todtenkpfe gemalt oder solche aus Papier ausgeschnittene befestigt
werden. Dann wird unter diesem Thronhimmel ein Katafalk aufgerichtet,
der mit allen Heiligenbildern, die die Verwandtschaft der verstorbenen
Personen auftreiben kann, beklebt wird. Um 8 Uhr Abends halten dann
die Hinterbliebenen das letzte Gebet fr den Verstorbenen ab, was eine
halbe Stunde in Anspruch nimmt, worauf das Haus fr alle Eintretenden
geffnet wird. Speisen und Getrnke stehen Jedem in reichlicher Flle
zur Verfgung. Ist der Magen der Anwesenden befriedigt, so werden
von den Anwesenden improvisirte Coplas gesungen, deren Inhalt mit dem
Todesfalle in gar keinem Zusammenhange steht, sondern sich meist um
Schlachten oder frhliche Dinge dreht. Diese Coplas werden nach einer
durch eigenthmliche Regeln geordneten Weise, hnlich wie bei dem
deutschen Pfnderspiel "zusammengesetzte Hauptwrter", von Burschen
und Mdchen gesungen, welche als Theilnehmer dieses Spieles bellacos
und bellacas [33] heissen, der Anfhrer des Chors heisst: Dueo de Jato
[34] und das Spiel selbst Duplo [35] (Caamaque, Fil. 180-185).

Ihre Industrie beschrnkt sich hauptschlich auf Herstellung von
groben Sinamay- und Nipis-Zeugen (Diaz Arenas 291). Einen besonderen
Ruf geniessen die wunderbar feinen Pia-Gewebe, bei deren Herstellung
Fenster und Thren fest verschlossen bleiben mssen, da der geringste
Luftzug hinreicht, die zarten Fden zu zerreissen (Buzeta I, 211). Die
Ausfuhr von Geweben aus Ananasfasern wird denn auch in dem einzigen
Hafen Ilo-ilo allein auf 1 000 000 Dollar geschtzt (Jagor 241). Die
beste und feinste Pia wird in Antique gearbeitet (Scheidnagel
127). Durch Ghrung wird aus den Cocosnssen ein stinkendes l mit
Namen aceite de caracoas oder mabajon lagis bereitet (Buzeta I,
31), welches in grossen Massen ausgefhrt wird. Bei der lgewinnung
geht man sehr nachlssig vor (Jagor, Reisen 214). Sonst sind noch als
Exportartikel der Visayer-Industrie Stcke und Messergriffe aus Horn
erwhnenswerth (Scheidnagel 128).

Das Innere aller der von Visayern bewohnten Inseln ist von "wilden"
Visayern, "Infieles, Montesinos, Cimarrones" der Spanier bewohnt. Diese
stammen smmtlich von Flchtlingen ab, welche vor dem Christenthum
und der spanischen Herrschaft in die Wlder flohen. Sie sind meist
gutmthiger Natur und beginnen allmhlich, ihren Nacken unter das
spanische Joch zu beugen, obwohl trotzdem noch Jahrzehnte verfliessen
werden, ehe die Spanier Herren der Binnenlandschaften der Inseln
werden, deren Kstensaum sie beherrschen.

b) Calamianen. Die Calamianen bewohnen den gleichnamigen Archipel
und den nrdlichen Theil von Palawan oder Paragua, die von ihnen fast
gar nicht verschiedenen Coyuvos die kleine Inselgruppe von Cuyo. Die
sogenannten Agutainos bilden die nrdliche Hlfte der Coyuvos. Die
Calamianen sind dunkler gefrbt als die brigen Visayer und haben etwas
krauses Haar (Waitz V, 98; nach Mallat I, 335 und Crawfurd), was auf
eine Beimischung von Negritoblut hindeuten wrde. Ihre Gesichtszge
sollen einen wilden Ausdruck besitzen (Bastian V, 274). Sie bauen
Reis, Cacao, Kaffee, Baumwolle und Pfeffer, aber Alles in so geringen
Quantitten, dass nicht einmal der heimische Bedarf damit gedeckt wird
(Buzeta I, 452). Desto eifriger wird Fischfang getrieben (Cavada II,
21; Scheidnagel 45), besonders aber die Balate- oder Trepangfischerei;
die Calamianen sind auch die eifrigsten und gewandtesten Sucher
der essbaren Schwalbennester, weshalb ihre Lnder als der Hauptsitz
des Schwalbennesterhandels anzusehen sind (Buzeta I, 41; Cavada II,
21). Der Handel mit dem von den Wilden aus dem Gebirge eingetauschten
Wachs und Honig wird eifrig betrieben. Sie werden als aberglubisch,
indolent und faul geschildert, das "Remontarse" ist unter ihnen
besonders hufig (Cavada, l. c.). Industrie existirt kaum dem Namen
nach und beschrnkt sich nur auf weibliche Webearbeiten.

c) Caragas. Die Caragas bewohnen die Ostkste von Mindanao vom Cap
Surigao bis zum Cap S. Augustin. Sie gehren zu dem kriegerischsten
Stamme der Visayer, ihre wilde Tapferkeit machten sich die Spanier
in jenen grossen Kriegen zu nutze, welche sie im XVII. Jahrhundert
gegen die Hollnder und die Sultane von Buhayan, Mindanao und Sulu
fhrten. Von ihrem kriegerischen Wesen zeugt die noch zu Ende
des XVII. Jahrhunderts bliche Sitte, dass wer von ihnen sieben
Menschen getdtet hatte, das Recht erhielt, einen rothen Turban
zu tragen. Dieser Turban fhrte den Namen Bajacho. Natrlich hat
diese Sitte seit lange bereits aufgehrt. Die heutigen Caragas,
seit drei Jahrhunderten Christen, unterscheiden sich jetzt wenig
von den brigen Visayern. Ihr Hauptnahrungszweig ist die Fischerei,
dann erst der Reisbau; Industrie gering.




38. Manobos.

Die Manobos sind ein in fast allen Theilen der Insel Mindanao
wohnhafter heidnischer Stamm. Ihre Wohnsitze sind die Bergwildnisse
sdlich von Dapitan (Cavada II, 197), dann durch christliche
Visayer-Niederlassungen vom Meere getrennt in den Bergen sdlich von
Iligan, Cagayn (de Mindanao), Butuan und in den Thlern, welche die
bei den letztgenannten Stdtchen mndenden Flsse in ihrem Laufe bilden
(Semper, Skizzen a. v. St.; Cavada a. v. St.). Im Sden reichen sie bis
zu dem Meerbusen von Davao (Cavada II, 221, 222), wo sie hauptschlich
am stlichen Gestade wohnen, whrend am linken sich nur einzelne
Niederlassungen finden. Sie reichen im Westen bis in die Nhe von
Cotta bat (Jagor 44; Caamaque 43). Doch muss man bei diesen Angaben,
soweit sie nicht, wie von Semper als Augenzeugen, sichergestellt sind,
sich sehr reservirt verhalten, denn Manobos (Varianten: Manabos,
Manobas) ist in Mindanao zu einem Collectivnamen fr heidnische
Bergstmme geworden [36]) (Waitz V, 56; D. Claudio Montero y Gay,
in dem Bol. de la Sociedad geogrfica de Madrid I, n. 4, p. 322).

Die Manobos erinnern in ihrem usseren Habitus etwas an Chinesen
(Semper, Skizzen 59). Sie leben in ganz kleinen Horden, welche
gewhnlich nur aus dem Huptling -- Bagani genannt -- und den Brdern
seiner Frauen sich zusammensetzen (l. c. 60). Ihre Htten stehen
auf hohen Pfhlen (l. c.), ebenso die Scheunen und Vorrathshuser,
welche mitten in den Feldern stehen (l. c. 61). Die Manobos im
Norden treiben Ackerbau, und zwar sind Gegenstnde desselben Tabak,
Mais, Camote und insbesondere Reis, welch' letzteren sie in solcher
Flle ernten, dass sie im Stande sind, ganze Bootsladungen an die
christliche Kstenbevlkerung zu verkaufen (l. c. 60). Ausserdem
obliegen sie dem Dalag-Fischfang mittelst Fischreusen und Netzen
(l. c. 47). Die Manobos, welche am Meerbusen von Davao wohnen,
scheinen keinen Ackerbau zu treiben, sondern sich nur vom Fischfange
und Wurzeln, ja im Nothfalle selbst von ekelhaften Reptilien zu
nhren (Cavada II, 223). Die ackerbauenden Manobos sind deshalb
nicht sesshaft; sobald ihr nie gedngter Ackerboden erschpft ist,
verlassen sie ihre Niederlassung und grnden sich an einer anderen
gnstigen Stelle ein neues Heim (Semper, Skizzen 62). Sie leben in
Polygamie, doch gilt nur eine Frau als die legitime, der die anderen
zu gehorchen haben (l. c. 60). Jede Frau hat eine Htte fr sich, in
welcher sie mit ihren Kindern und den ihr zugewiesenen Sclaven lebt
(l. c.). Da die Feldarbeit nur auf den Schultern der Frauen, Kinder
und Sclaven ruht, so besteht in der grsseren Zahl derselben auch
der grssere Reichthum des Mannes (l. c.). Ihre Waffen sind Lanzen,
Schilde, Dolche und Schwerter (Semper, Skizzen 62), die Manobos von
Davao wissen auch meisterhaft Bogen und Pfeil zu gebrauchen (Cavada
II, 223). Ihre Religion und die Sucht, Sclaven zu erwerben, reizt
sie zu bestndigen Kriegen und Fehden. Sie haben einen hnlichen
Ahnencultus wie die brigen Malaien Luzons und der Philippinen
(Semper 61), berdiess kennen sie noch andere Gtter. "So halten
sie den Donner fr die Sprache des Blitzes, den sie in der Gestalt
eines abenteuerlichen Thieres verehren; wenn der Blitz auf die Erde
niederfhrt und in die Bume einschlgt, so soll das Thier, nach ihrer
Meinung, mitunter einen seiner Zhne darin stecken lassen" (Semper,
Skizzen 61). Der Caiman wird von ihnen heilig gehalten (l. c.), welche
Verehrung dieses Thier einst auch von den heidnischen Tagalen genoss
(Mas, hist. I, 15). Bezeichnend ist der Name Diuata (Semper, Skizzen
62), der einem ihrer Gtter zukommt, es ist dieses Wort gleichlautend
mit der Ahnen-Benennung der Visayer. Der Diuata ist der Gott der
Erntefeste, man erinnere sich an die religisen Festlichkeiten,
welche die Igorroten zur Erntezeit den Anitos darbringen. Dem Diuata
werden Schweine geopfert und, wie bei den Igorroten, an das Opfer eine
grosse Schmauserei geknpft (Mas, pobl. 29). Hochverehrt wird auch
der Kriegsgott Tagbusau (Semper 62). Nach beendigter Ernte ziehen
die Manobos, wenn die eingeholten Auspicien glckverheissend sind,
auf den Kriegspfad. Der Bagani, der als Priester des Tagbusau auch
"dessen Talisman" mittrgt, sucht mit seinen Leuten den Feind
im Morgenschlummer zu berrumpeln oder hinterrcks im Walde zu
berfallen. Alle Erwachsenen werden niedergemetzelt, die Weiber und
Kinder aber in die Sclaverei abgefhrt (l. c. u. Cavada II, 223). Ihre
Bestialitt ussert sich sogar in einer Art von Cannibalismus:
"Ist der Feind glcklich niedergeworfen und getdtet, so zieht er
(der Bagani) ein heiliges, nur diesem Dienste geweihtes Schwert,
ffnet der Leiche die Brust und taucht die Talismane des Gottes, die
ihm um den Hals hngen, in das rauchende Blut ein. Dann reisst er das
Herz oder die Leber heraus, und verzehrt ein Stck davon als Zeichen,
dass er nun seine Rache an dem Feinde befriedigt habe. Dem gemeinen
Volk wird es nie gestattet, Menschenfleisch zu kosten; es ist das
Vorrecht aber auch die Pflicht des frstlichen Priesters" (Semper,
Skizzen 62). Die Schdel der erschlagenen Feinde werden nach Hause
mitgenommen, aber nicht nach der bei den Kopfjgern Luzons blichen
Sitte aufbewahrt (Semper, l. c.). Einen der Gefangenen pflegen sie nach
glcklich erfolgter Heimkehr gleichsam als Dankopfer dem Tagbusau auf
grausame Weise abzuschlachten (Mas, pobl. 40, Semper, l. c.). Wie bei
den Negritos wird auch hier jeder Todesfall durch einen Mord eines
armen arglosen Wanderers, dem sie im Walde auflauern, wettgemacht
(Mas, pobl. 39). Die Manobos der Provinz Surigao scheinen nicht mehr
so blutdrstiger Natur zu sein (Cavada II, 206). Ihre Kopfzahl bei
Butuan wird auf 10 000 Seelen geschtzt (Jagor, Reisen 322). Mas
(pobl. 14) betrachtet sie als Seitenzweig der Igorroten, wohl nur
mit Bezugnahme auf ihre Kriegslust und Fressgelage.




39. Mamanuas.

Die Mamanuas sind ein Mischlingsvolk von Malaien und Negritos
(Semper, Skizzen 49), der malaiische Typus wird wohl bald berwiegen,
da sie bestndig neue eheliche Verbindungen mit Malaien eingehen
(l. c. 136). Sie fhren ganz das Leben der Negritos (Semper,
l. c. 53). Ihre Wohnsitze sind zwischen Surigao und der Laguna Manit,
ferner nordwestlich von Llangan zu suchen. Ihre Anzahl ist gering.




40. Tagbalays.

Die Tagbalays wohnen nicht weit von der Ostkste Mindanao's, in der
Nhe von Bislig (Waitz V, 51). Ihr Name kommt auch in den Varianten
Tago-Balvoys und Taga-Balooyes vor. Sie sind hellfarbig (Waitz,
l. c.), deshalb aber nicht mit japanischem Blute gemengt. Die
Japano- und Chino-Manie wird mit Bezug auf die Philippinen bald
hnliche bertreibungen und voreilige Behauptungen zu Tage frdern,
wie die Kelto-Manie von anno dazumal in Deutschland. Mas (pobl. 14)
bezeichnet sie als "Igorroten", wohl aus hnlichem Grunde, wie bei
den Manobos. Ob die in der Ilustracion filipina 1860 n. 17, p. 193,
erwhnten Tagabotes mit unseren Tagbalays zu identificiren sind, wage
ich nicht zu entscheiden, da sonst (wenigstens in den mir zugnglichen
Werken) dieser Volksstamm der Tagabotes nirgendswo anders erwhnt wird.




41. Bagobos.

Die Bagobos wohnen in der Quellgegend des Rio de Butuan zwischen
Manobos und Mandayas, dann zwischen dem Vulcane Apo und der Stadt
Davao und bewohnen selbst mehrere Rancheras unmittelbar an der
Kste, darunter Darum oder Daron (Cavada II, 221). Die Bagobos sind
ein friedliches Volk (Cavada II, 206), obgleich sie sonst mit den
Manobos Lebensweise und Waffen gemeinsam haben. Die Bewohner der
Ebenen und Gestade sind rachitisch und krnklich (Cavada II, 223),
was wohl nicht allein auf die Kreuzung mit von den Manobos gekauften
Sclaven zurckzufhren ist, sondern vielleicht auch, dass sie eben
als Bergstamm in den Sumpfniederungen verkmmern. Cavada rhmt ihnen
Mssigkeit im Essen, Reinlichkeit und Vertragstreue nach. Sie sind
ebenso wie die Manobos, Mamanuas und Tagbalays Heiden.




42. Guiangas.

Nach Jagor (Reisen 322) wohnt dieser anderswo nicht genannte heidnische
Stamm in denselben Districten, zwischen Apo und Davao, welche von
den Bagobos bewohnt werden. Der Name dieses Volksstammes erinnert
einigermaassen an den der Manguangas. Sie sind von heller Hautfarbe
(Cavada II, 223).




43. Vilanen.

Die Vilanes oder Bilanes sind ein den obigen hnlicher Stamm,
gleichfalls heidnischer Religion. Sie wohnen sdlich von den Bagobos
zwischen dem Gebirge und dem westlichen Gestade des Meerbusens von
Davao (Jagor, Reisen 322; Cavada II, 220).




44. Tagacaolos.

Die Tagacaolos hausen sdlich von den Vilanen, in den westlichen
Gestadelandschaften des Meerbusens von Davao und sdlich vom Vulcane
Apo. Tagacaolos wohnen auch als Nachbarn der Mandayas nrdlich von der
Balete-Bai. Ihren Namen scheinen sie vom Flusse Tagalaya herzuleiten,
welcher auf jenem Berge entspringt. Ihr Hauptort heisst Malalag (Cavada
II, 221). Sie sind ebenfalls Heiden, obwohl es unter ihnen genug
Mohammedaner giebt, besonders im Sden, welche aber kaum usserlich
an den Lehren des Korans festhalten. Sie glauben an das Dasein eines
bernatrlichen Wesens, das seinen Sitz auf dem Apo hat. "Diesem Genius
des Guten und Bsen bringen sie, um ihn zu besnftigen, bestndig
Menschenopfer, insbesondere, wenn sie sich einbilden, dass er ihnen
zrnt, oder auch nur, wenn sie sich vornehmen, Schwefel zu sammeln,
damit er es ihnen gestatte" (Ausland 1881, S. 219).




45. Sanguils.

Die Sanguils bewohnen die Halbinsel, welche durch den Meerbusen
von Davao und die Sarangani-Bai gebildet wird. Mit den Vilanen und
Tagacaolos sollen sie 76 000 Kpfe zhlen (Jagor, Reisen 322).




46. Mandayas.

Die Mandayas wohnen am Rio Hijo, der in die Bucht von Davao mndet
(Cavada II, 222), am Oberlaufe des Rio Agusan und des Rio Sahug,
ebenso trifft man Mandayas in dem Hinterlande der Kstenorte Caraga,
Santa Maria und Zatagoza (Dr. Montano y Rey).. Dann bewohnen sie den
sdlichen Theil von Mindanao, von Linao an der Westkste bis zu den
grossen Seen im Innern des Landes, sie sind dann auch weiter bis gegen
Butuan anzutreffen (Jagor, Reisen 322). Die am Meerbusen von Davao
wohnenden sind mit Manguangas vermischt (Jagor, l. c.). Ihre Hautfarbe
ist eine sehr helle (Cavada II, 206 u. 223), diess hat Mallat zu der
Annahme verleitet, dass sie Mischlinge von Japanen und Visayern sein
sollen, was aus historischen Grnden sehr unwahrscheinlich ist; Sir
J. Bowring's Hypothese, nach welcher die Mandayas gar Abkmmlinge
von Weissen und Eingeborenen wren, muss bei jedem Kenner der
Geschichte Mindanao's nur Unwillen erzeugen. Schwerwiegend ist
jedoch, dass Prof. Semper sich fr eine Vermengung mit Chinesen
ausgesprochen hat (Semper, Skizzen 59), gegen diese Autoritt wage
ich es nicht, Etwas einzuwenden. -- Sie sind von starker Gestalt und
krftigem Gliederbau, kriegerisch und stets zum Kampfe bereit, mit
den Christen aber unterhalten sie freundliche Beziehungen (Cavada II,
206 u. 223). Ihre Waffen sind Lanze, Kris, Pfeil, Bogen und Bolomesser
(Cavada II, 223). Whrend die Mandayas der Provinz Surigao Freunde
einer herumschweifenden Lebensweise sind (Cavada II, 206), sind die
Mandayas von Davao arbeitsame Leute (Cavada II, 223). Ihre Religion
besteht in einem Ahnencultus (Semper, Skizzen 59).




47. Subanos.

Die Subanos bewohnen jene langgestreckte Halbinsel, welche den
ussersten westlichen Auslufer Mindanao's bildet. Ihr Name bedeutet
so viel als Flussbewohner (Combs 24). Die Geschichte ihrer Abstammung
bei Barrantes (Guerras pirticas 417) ist sehr schn, aber fr unsere
Zwecke nicht brauchbar. Neuere Schriftsteller und Reisende haben uns
keine erweiterte Kenntniss dieses malaiischen Volksstammes gebracht, so
sind wir denn noch immer auf Combs und Gemelli-Careri angewiesen. Sie
sind kriegerisch, und ihre Kriegslust wird durch hnliche Bruche
angefeuert, wie einst bei den Caragas, nur brauchte der Subano nur
einen einzigen Feind zu tdten, um den rothen Kopfbund tragen zu
drfen. Obwohl bei ihnen Blutrache gilt, so kann diese leicht durch
Goldstaub geshnt werden. Geschlechtlichen Ausschweifungen huldigen
sie in ebenso grossem Maasse, wie alle ihre Nachbarstmme. Ein Theil
von ihnen ist zum Christenthume bekehrt, die brigen sind Heiden und
nur zum geringsten Theile Mohammedaner. Ihre Kopfzahl soll sich auf
70 000 belaufen (Jagor, Reisen 322).




48. Manguangas.

Die Manguangas wohnen in der Cordillera Sugut auf Mindanao und
erstrecken sich bis zu dem grossen See von Boayan oder Magindanao. Sie
zhlen nach einer lteren Schtzung gegen 80 000 Seelen (Jagor,
Reisen 322). Sie sind Heiden; ber ihre sonstigen Sitten und Bruche
ist mir Nichts bekannt.




49. Sameacas.

Die Sameacas sind die (heidnischen?) Bewohner des Gebirgsinnern der
Insel Basilan. Bis zum XVI. Jahrhundert bewohnten sie auch die Ksten
dieses Eilands, da landete aber der Prtendent des Reiches Mindanao,
der Paquian Tindig, mit seinen Anhngern und Sclaven auf Basilan und
trieb die ursprnglichen Herren des Landes in die Gebirgswlder hinein,
wo sie noch heute in vlliger Unabhngigkeit leben (Pazos 10). Bei
der Drftigkeit der Nachrichten ber diesen Volksstamm lsst sich
die Frage gar nicht in Untersuchung ziehen, ob nicht die Sameacas
mit den Guimbas zusammen nur einen Stamm reprsentiren.




50. Guimbas.

Die Guimbas sind die Bewohner der Gebirgswildnisse der Hauptinsel
von Sulu. Bei Combs, Fray Juan de la Concepcion und Anderen kommen
noch folgende Varianten ihres Namens vor: Guinbajanos, Guimbanos,
Quimpanos. Sie sind nach den spanischen Geschichtsschreibern der
Philippinen zu derselben Zeit von den einwandernden Mindanaos in
das Gebirge geworfen worden als Basilan. Die Jesuiten nannten sie
"gente montaraz", d. h. ebenso wie die heidnischen Bergstmme Luzons,
sie sind also in jenen Tagen (1578-1646) Heiden gewesen, whrend sie
sich jetzt wenigstens zum Theil -- bei Carondon -- zum Islam bekehren
liessen, wenigstens nennt Pazos (Jol 194) die in der Nhe Carondons
wohnenden Guimbas Moros guimbas montescos.

Der Name Guimbas wurde ihnen von den mindanaoischen Eroberern
verliehen, er soll soviel wie Trommler bedeuten, da es bei ihnen Sitte
ist, im Kriegsfalle durch den Lrm zahlreicher Trommeln sich Muth
einzuflssen. Zu demselben Zwecke kauen sie die Wurzel Panayaman(g),
welche die Eigenschaft besitzt, den Krper gegen die Schmerzen der
Wunden unempfindlich zu machen. Ihre Tapferkeit und ihr Muth sind
in der That ausserordentlich, und die Spanier haben zu der Zeit,
wo sie im XVII. Jahrhundert vorbergehend (1638-46) Sulu besetzt
hielten, mehrmals von ihnen Schlappen erlitten, ein Mal sogar eine
ordentliche Niederlage. Ihre Waffen sind Lanzen, Schilde und Panzer,
letztere aus Carabao-(Bffel-)Haut verfertigt, woraus zu schliessen
ist, dass sie wenigstens den Carabao als Hausthier besitzen, und da
dieses Thier auf den Philippinen nur als Ackerbaumedium benutzt wird,
so ist der Schluss gerechtfertigt, dass sie Reisbauer sind. berdiess
besitzen sie auch Pferde (Koner 124). Pazos nennt sie auch nur
Halbwilde (semisalvages). Bemerkenswerth ist, dass sie nach Pazos
(Jol 10) besonders auf den nrdlichen Abhngen des Gebirgsstockes
von Sulu wohnen, so dass auf den Sdabhngen Platz wre fr die Idanes
Dalrymple's, da ich aber leider kein Exemplar Dalrymple's auftreiben
konnte, so ist es mir unmglich, auf diesen letzteren Volksstamm nher
einzugehen. Nach der Bemerkung in Waitz (V, 46), dass der Name Idan
eine Collectivbezeichnung fr verschiedene Idiome sprechende heidnische
Stmme sei, ist eine Identificirung der Idanes de Jol mit den Guimbas
auch nicht unmglich, man vgl. brigens das bei den Negritos Erwhnte.




51. Die Piratenstmme von Mindanao und Sulu.

Unter obiger Bezeichnung fasse ich jene mohammedanischen Malaienstmme
zusammen, welche an der Westkste von Mindanao, am Rio Grande de
Mindanao, den beiden grossen Seen sdlich von diesem Strome an der
Laguna de Malanao, an der Kste des Panguil-Busens, in einigen
Drfern an der Nordwestkste Mindanao's zwischen Zamboanga und
Misamis und welche ferner die Kstenbevlkerung der grsseren und die
Gesammtbevlkerung der kleineren Sulu-Inseln bilden. Sie werden von
den Spaniern je nach ihrem Aufenthaltsorte als Joloanos, Camucones
(Bewohner der Inseln sdwestlich von Tawi tawi), Tirones (Bewohner
der Inseln zwischen Tawi tawi und Borneo), Moros de Balabac, Samales
(Bewohner der Inseln sdlich von Basilan), Basilanes, Jacanes (auch
auf Basilan), Illanos oder Ilanos (an der Baia Illana), Lutaos (bei
Zamboanga), Malanaos (am See Malanao), Mindanaos (Mndungsgebiet des
Rio Grande und die Kste Ost-Mindanao's von Pollok bis zur Sdspitze
der Insel), Tegurayes oder Tinivayanes (Flussgebiet des Rio Grande
de Mindanao) bezeichnet.

Sie sind Mischlinge von den in den diesbezglichen Lndern
erbgesessenen Visayer- oder (auf Mindanao zum Theile) Manobos-,
Mandayas-, Subanos-Stmmen und von den von Borneo und den Molukken
her einfallenden mohammedanischen Stmmen. Balabac ist von Borneo her
mit dieser neuen Bevlkerung versehen worden. Gerade als die Spanier
unter Legazpi, 1565-1572, sich des Archipels bemchtigten, machten
sie einer grossartigen, continuirlichen, wenn auch geruschlosen
und friedlichen Invasion von Borneo-Malaien ein Ende, damals waren,
wie Morga, Fr. Gaspar de S. Augustin, Fray Juan de la Concepcion
uns melden, in allen Theilen der Philippinen, mit Ausnahme der
nrdlichen Landschaften Luzons, Borneaner nicht nur als Kauffahrer,
sondern auch als mohammedanische Proselytenmacher und Stifter neuer
Dynastien und Reiche thtig. Die Vasallenfrsten der Sultane von
Manila und Tondo waren alle Borneaner, sowie vielleicht ihre Herren
selbst. Noch 1585 (Brief des Bischofs Salazar in den Cartas de
Indias, Fol. 651) zahlten die Bewohner der Calamianen den Spaniern
und dem Sultan von Borneo zugleich Tribut. Nach Argensola, Combs,
Fr. Juan &c. hat Mindanao seine mohammedanische Bevlkerung durch
Einwanderung von Ternate erhalten, wie denn auch im XVI. und Anfang
des XVII. Jahrhunderts die Sultane von Mindanao und Buhayen in
einem gewissen Abhngigkeitsverhltnisse zu den Sultanen von Ternate
standen, welches sich erst lste, als letztere sich den Hollndern
unterwarfen und in den Kmpfen zwischen letzteren und den Spaniern
eine bedeutende Einbusse an Macht und Gebietsumfang erlitten. Am
gemengtesten erscheint die Bevlkerung von Sulu. Die Nachrichten
von Dalrymple [37], Crawfurd1, Hunt1 und Forrest widersprechen zum
Theil sehr jenen Nachrichten, welche uns die spanischen Historiker
des XVI. und XVII. Jahrhunderts bringen. Es ist zu bedauern, dass
W. Koner in seiner Monographie des Sulu-Archipels (Erdk. 1867, II, 105
f.) nur englischen und hollndischen Quellen gefolgt ist, denn jene
spanischen mnchischen Geschichtsschreiber bringen sehr zuverlssige
Nachrichten, die meist von Missionren ihrer Orden stammten, welche
lange Jahre in jenen Lndern zugebracht hatten, ja Combs war selbst
geraume Zeit in Mindanao thtig. Auch die franzsischen, englischen
und hollndischen Quellen weichen sehr voneinander ab. Das eine aber
scheint sicherzustellen, dass die heutigen Dattos oder Feudalfrsten
Sulu's von Mindanao, indirect also von Ternate herstammen, einige
Dattos stammen auch von Butuan ab, letzteres aber war auch von
Ternate her colonisirt und dann die maurische oder Moslimbevlkerung
von den Spaniern verjagt worden [38]. Doch schon vor dieser Invasion
hatten auf jener Hauptinsel Sulu sich auch Javanen (Bastian V, 275;
man vgl. auch Koner 123) gezeigt, auch kamen einmal Einwanderer aus
Johore (Bastian, l. c.). Vermischungen mit Dayaks sollen auch Statt
gefunden haben (Novara-Reise, Ethnogr. Theil 32), was vielleicht auf
eine Vermengung mit Dayaksclavinnen zu deuten ist. Eine Zeit hindurch
(vor Magallanes) gehrte die Insel auch zum Reiche Bandjermassing von
Borneo und erhielt von dort auch Zuzug (Koner 122). brigens drften
die heutigen Sulus und Mindanaos physisch sich gar nicht von den
Visayern unterscheiden, denn seit Jahrhunderten haben sie Tausende
von Visayern von ihren Raubzgen aus den Philippinen heimgebracht,
welche bei ihnen, man kann es ruhig sagen, zu 95% blieben und mit
ihnen zu einem Volke verschmolzen. In Sulu selbst drfte auch eine
verhltnissmssig nicht unbetrchtliche und historisch nachweisbare
Vermischung mit Chinesen Statt gefunden haben, indem diese seit dem
XVII. Jahrhundert sich in der Hauptstadt zu einer fluctuirenden, nur
aus Mnnern bestehenden Handelscolonie niederliessen, deren Mitglieder
gewiss ebensogut mit eingeborenen Weibern Kinder zeugten, wie in
den spanischen Philippinen. Die anderen fremdartigen Beimengungen
sind gar nicht der Rede werth, die Zahl der arabischen Prediger und
der spanischen, mejicanischen und peruanischen Renegaten des XVI.,
XVII. und XVIII. Jahrhunderts war eine zu geringe, als dass sie einen
Einfluss auf die Rassenbildung htte ussern knnen.

Was ihr usseres anbelangt, so sind sie von mittlerer Krpergrsse mit
normalem Brustkorbe und schlanker Taille; der Kopf ist rund und klein,
die Augen sind von dunkler Farbe und horizontal und weit gespalten,
die Lippen sind schmal, die Nase ist stumpf geformt, die Hautfarbe
ist gelblichfahl; die Kopfhaare--welche von den Mnnern meist rasirt
werden--weisen eine tiefschwarze Farbe auf und sind rauh anzufhlen,
die Augenbrauen sind sprlich, dasselbe gilt vom Barte, der oft
gnzlich fehlt; bemerkenswerth ist noch die Sitte, die Zhne schwarz
zu frben, auch fllt auf, dass die Beine meist sbelfrmig auswrts
gebogen sind (Garn 126).

Alle diese mohammedanischen Piratenstmme, diese "Moros" der Spanier,
haben ausser der Religion ein gemeinsames charakteristisches Merkmal,
das sie scharf von den brigen Malaienstmmen der Philippinen scheidet,
und das ist die Feudalverfassung. Nur an der Bai von Manila fanden die
Spanier Legazpi's hnliche Verhltnisse, doch hier war eben bereits
fremder, speciell borneanischer Einfluss im Spiele.

Was zunchst die Feudalverfassung anbelangt, so zerfallen alle die
ehemaligen und zum Theile noch existirenden Sultanate von Sulu,
Mindanao, Buhayen, Butig, Sibugney &c. in eine grosse Anzahl von
kleinen Lehensfrstenthmern, deren Chefs den uns schon bekannten
Namen Datto fhren. Selten herrscht ein Datto ber mehr als ein Dorf,
und bestndig fanden neue Grndungen von solchen Datto-Herrschaften
Statt und zwar in der Weise, dass ein Datto- oder Sultans-Sohn mit
einigen Sclaven auf einen Piratenzug auslief und mit den geraubten
Sclaven eine neue Niederlassung in einer noch unbewohnten Gegend
oder Insel grndete, welche durch neue Sclavenjagden immer neuen
Zuwachs erhielt. Die Dattos sind die eigentlichen Herren gewesen,
neben denen der Sultan nur die Rolle des primus inter pares spielte,
ohne deren Einwilligung er auch nicht den geringsten politischen Act
vornehmen durfte. Combs, Dampier, Forrest, Sprengel, Deguignes,
Renouard de St.-Croix, Koner, Barrantes und Pazos haben darber
manches interessante Detail verffentlicht, von welchem ich hier das
Interessanteste und Wichtigste hervorheben will, wobei ich mich nur
auf die Verhltnisse im Sultanate Sulu und dem von Mindanao (jetzt
der spanische District Cotta-bat) beschrnke.

In beiden Lndern war das Sultanat erblich, doch gab es keine geregelte
Thronfolge, sondern der Sultan besass das Recht, sich seinen Nachfolger
aus seinen nchsten Nachkommen und Verwandten zu erwhlen, doch
bten die Dattos dabei ein Anerkennungsrecht aus. In Mindanao giebt
es folgende Adelsstufen: Tuam, so viel wie Herr, Junker; Orancaya so
viel wie Magnat und Cachil gleich Prinz von kniglichem Geblte. Auf
Sulu ist diese Hierarchie eine viel verwickeltere, der Sultan geniesst
mehrere Titulaturen und zwar immer Maulana, so viel als Majestt;
ist er der Enkel eines Sultans, so fhrt er noch den Titel Paduca,
ist er der Sohn eines solchen, so fgt er noch den Titel Majarasin,
d. h. der Reine und Erhabene, hinzu. Der Thronfolger in Sulu heisst
Raj-Muda. Einzelne Dattos bilden eine Art Ministercollegium: der
Grossvezier (Datto Interino der Spanier), der Generalissimus der
Landtruppen und Kriegsminister (Datto Realao), der Oberstlandrichter
(Datto Mitsainguir). Wird ein grosser Kriegszug unternommen, so tritt
an die Spitze der Streitkrfte der Pauliman, Orancaya oder Salicaya,
je nachdem zu Lande oder zu Wasser, oder zu Wasser und zu Lande
der Krieg gefhrt werden soll. Jeder Datto hat einen Grossvezier,
der Monabe genannt wird.

Der Sultan versammelt in allen wichtigen Angelegenheiten die Dattos
um sich, um ihre Einwilligung einzuholen. Auf allen Vertragsurkunden
mssen die Unterschriften der Dattos neben die des Sultans gesetzt
werden, sonst wre der Vertrag ungltig.

Da die Macht und das Ansehen der Dattos vornmlich nur auf der
Zahl der Sclaven beruhte, so suchten sich die Mindanaos und Sulus
durch grossartige Piratenzge, welche mitunter sich bis nach Banka
und Billiton erstreckten, vorzugsweise aber gegen Celebes und
die Philippinen gerichtet waren, solche zu verschaffen. Schon vor
Ankunft der Spanier stand die Piraterie in schnster Blthe (Mas I,
28). Gefhrt von Renegaten berfielen sie mit ihren leichten und
seichtgehenden Schiffen die Kstenniederlassungen, verbrannten die
Drfer, vernichteten das auf den Feldern stehende Getreide, hieben
die Fruchtbume um und schleppten die Dorfbewohner in die Sclaverei,
lange bevor die tiefgehenden spanischen Kriegsschiffe zur Rettung
anlangen konnten. Von je drei Gefangenen erhielt der Datto, der die
Expedition ausrstete, zwei, einer gebhrte der Mannschaft. Man kann
sich einen Begriff von der Ausdehnung dieser Piratenzge machen,
wenn man erfhrt, dass diese Piraten in 30 Jahren 20 000 Gefangene
in den Philippinen allein gemacht hatten (Jagor, Reisen 180). Selbst
die Einfhrung von seichtgehenden Dampfkanonenbooten befreite die
Philippinen nicht von dieser Plage. "Die leichten, flachen, sehr stark
mit Ruderern bemannten Boote (der Piraten) sind so geschwind, dass nur
die schnellsten Dampfer ihnen folgen knnen, diese verrathen sich aber
schon aus grosser Ferne an ihrer Rauchsule, so dass die nur wenige
Fuss ber das Wasser ragenden und folglich in sehr geringer Ferne
unsichtbaren Pancos gewhnlich vollauf Zeit haben, zu entwischen"
(Jagor, Reiseskizzen 86). Auch die wiederholten Expeditionen, mit
welchen frher die Spanier diese Piratennester durch Niederbrennen zu
vernichten suchten, halfen Nichts, es bemerkte hierber schon in der
ersten Hlfte des vorigen Jahrhunderts ein spanischer Stabsofficier
im Kriegsrathe zu Manila: "Sie (die Piraten) verndern die Lage einer
Stadt mit derselbigen Leichtigkeit, wie wir den Ankerplatz eines
Schiffes, und es liegt ihnen wenig daran, sie zehn Leguas weiter oben
oder weiter unten neu zu begrnden, denn berall finden sie Berglehnen
zum Feldbau, gutes Schiffsbauholz, Nipa-Palmen zum Dachdecken und
Mangel-Smpfe, um sich bei drohender Gefahr zu verbergen" (Fr. Juan
XIII, 378). Man vergleiche brigens ber die Schwierigkeit, sie
in ihrem eigenen Lande zu bekmpfen, die gute Bemerkung in Pazos,
Jol, p. 378. Erst durch die Eroberung Sulu's und die kostspielige
Occupation des Mndungsgebietes des Rio Grande de Mindanao ist die
Piraterie einigermaassen, aber nicht gnzlich unterdrckt worden.

Der Islam ist zwar die herrschende Religion, an der seine Bekenner
mit fanatischem Eifer hngen, aber die Vorschriften des Korans
werden nur oberflchlich erfllt, der Genuss des Schweinefleisches
und spirituser Getrnke ist allgemein. Auf Sulu heisst die hchste
geistliche Autoritt Sarif (Scherif), dann folgt der Jabdi und
endlich die Pandits. Die Polygamie gestattet natrlich der Islam,
gewhnlich aber begngt sich auch der Vornehme mit einem Weibe, Koner
will hierin den Einfluss der gefangenen Christinnen bemerken. Bei
diesen Piratenstmmen ist der Knechtsdienst, den der Brutigam seinem
Schwiegervater in spe bei den Tagalen und Visayern zu leisten hat,
nicht gebruchlich. Der Brutigam kauft die Frau von ihrem Vater fr
Schiffe, Kanonen, Feuerwaffen, Munition &c.; ist der Schwiegervater
ein nobler Mann, so giebt er seiner Tochter eine aus hnlichen Dingen
bestehende Mitgift. Am Vorabende der Hochzeit fhrt der Pandit die
Brautleute jedes in ein besonderes Huschen, wo sie sich beide festlich
schmcken. Am anderen Tage geleitet der Pandit unter Trommelwirbel
den Brutigam in das Huschen seiner Braut, welche unter Zeugen,
besonders Flaggen, verborgen liegt. Der Pandit wiederholt drei
Mal die Frage, ob der Brutigam jenes Weib zu ehelichen wnsche,
welches unter dieser Hlle sich befnde. Kaum hat der Brutigam
diess bejaht, so springt die Braut aus ihrem Verstecke hervor und
luft davon, verfolgt von dem Brutigam und den Gsten. Hat der
Brutigam oder vielmehr Gatte sein Weibchen eingeholt, so zieht er
sich auf ein einsames Pltzchen zurck, um sofort das matrimonium zu
einem consumatum zu machen. Diese Ceremonie ist nur beim Einholen
der legitimen Frau--"Dayana" genannt--blich. Die Sittenlosigkeit
ist bei der affenartigen Geilheit dieser Piraten zgellos, und die
Zustnde, wie sie Dampier in Mindanao fand, sind auch bis heute sich
gleichgeblieben. Das Abtreiben der Leibesfrucht findet sehr hufig
Statt (Garn 176).

Bei schweren Erkrankungen [39] suchen die Panditen durch Recitiren von
Koransuren und Gebeten den Patienten zu heilen. Stirbt ein Vornehmer,
so werden Kanonenschsse abgefeuert und vor dem Hause desselben
Trommeln geschlagen und mit verschiedenen Musikinstrumenten ein
hllisches Concert angestimmt. Der Todte wird, nachdem der Priester ihn
gewaschen, in ein weisses Kleid gehllt und angethan mit seinem Kris
in einer Kiste unter grossem Spectakel begraben. Die Hinterbliebenen
tragen zum Zeichen der Trauer einen weissen Turban und verbringen
acht Tage mit Wehklagen auf dem Grabe des Dahingeschiedenen. Die
Panditen beten noch lnger, bis zu 40 Tagen, und werden dann von den
Hinterbliebenen reichlich beschenkt.

Der Ackerbau obliegt den Sclaven (Scopes) und umfasst Reis, Mais,
Camote und verschiedene Gemse, auch Cacao wird gepflanzt, Cocoswlder
bilden aber den Hauptreichthum. Der Viehstand weist Pferde, Rinder,
Bffel, Ziegen, Hhner und Tauben auf.

Die Bauart der Htten unterscheidet sich nicht von der der Tagalen und
Visayer, nur werden dieselben mit Vorliebe direct ber dem Wasser
erbaut. Bambusstege fhren von einem Hause zum andern, so dass
durch Wegziehen derselben jedes Haus isolirt im Wasser dasteht. Am
Lande pflegen sie feste Forts aus Palissadenzunen, welche durch
Korallenblcke vor Kanonenkugeln gesichert sind, zu errichten.

Die Tracht besteht aus Jacke, weiten Hosen, einem Turban oder einer
fezhnlichen, aber aus leichterem Stoffe verfertigten Mtze. Auch die
Weiber tragen, wenigstens auf Sulu, Hosen (Garn 124), auf Mindanao
aber auch Rcke. Die Dattos fhren schn bemalte Schilde mit sich,
als Waffen dienen Feuergewehr, Bogen und Pfeil, Lanze, Kris und
ein gegen das Ende zu breiter werdendes krummes Schwert. Seltener
sind Panzer aus eisernen Maschenhemden, oder aus zusammengefgten
Muschelschalen oder Bffelhaut verfertigt, manche schtzen den
Krper durch den Cambut, einen dicken Grtel aus grober Baumwolle,
der mehrmals um den Leib herumgeschlungen wird. Die meisten begngen
sich mit dem Schutze, den ihnen ihre Schilde gewhren, welche aus
hartem Holz, das mitunter noch mit Bffelleder berzogen ist, in
zweierlei Grssen verfertigt werden; die runden Schilde decken nur
den halben, die eckigen den ganzen Krper, letztere werden auch an den
Bordwnden der Schiffe aufgerichtet, um als Brustwehr zu dienen. Die
Landbefestigungen und Schiffe sind mit zahlreichem (meist geraubtem)
Geschtz des verschiedenartigsten Calibers versehen, doch wissen die
Piraten sie nicht gut zu bedienen.

Ohne Compass schwrmen sie mit ihren leichten Schiffen bis nach
Singapore hin. Ihre Fahrzeuge zeichnen sich alle durch besondere
Schnelligkeit und geringen Tiefgang aus, einen Kiel besitzen nur die
Panco, Guban und Garay genannten Schiffsgattungen. Der Panco hat die
Form und den Tonnengehalt einer flachen Kstenbrigantine und hat,
wie alle Schiffe dieser Piratenstmme, keinen einzigen Nagel oder
Eisenbestandtheil aufzuweisen. Die brigen Boote, Salisipans, Barotos,
Lancans, Vintas, Dalamas, sind nur aus einem ausgehhlten Baumstamm
verfertigt und mit Ausliegern--"Batangas"--versehen. Alle Schiffe
sind auf Fortbewegung durch Ruder eingerichtet, letztere--Gayong
genannt--haben die Form der Ruder europischer Galeeren. Das
Steuerruder ist bei den grsseren Schiffen mitunter in derselben Weise
und Form angebracht, als diess bei europischen Schiffen der Fall
ist, meistentheils sind es aber blos zwei oder ein Schaufelruder am
Buge. Die Mastbume sind dreigetheilt in eine Spitze zusammenlaufend,
hnlich den drei Sttzen der Malerstaffelei. Die Segel sind stets
viereckig und das Segelzeug bunt gefrbt.

Pazos (Jol 7) schliesst seine Beschreibung ihrer Schiffe mit folgenden
Worten: "Der leichte Bau ihrer Fahrzeuge ermglicht bei ihrem geringen
Gewichte und seichtem Tiefgang eine schnelle Fahrt; wenn sich die
Piraten verfolgt sehen, so segeln sie kaltbltig, weil fr sie ohne
Gefahr, durch die gefhrlichsten Klippenreihen durch, wohin ihnen
auch die kleinsten Kanonenboote nicht folgen knnen, und falls einmal
(innerhalb der Klippen oder am Strande) die Seichtigkeit des Wassers
die Weiterfahrt unmglich macht, dann wirft sich die Mannschaft einfach
in's Wasser und schleift das Boot in's tiefere Wasser oder trgt es
selbst auf seinen Schultern dahin, worauf die Bemannung wieder an Bord
steigt und ruhig seine Fahrt fortsetzt, auf diese Weise nur zu oft
die Verfolgung, welche unsere Kreuzer anstellen, illusorisch machend".

Sie sind leidenschaftliche Tabakraucher und Betelkuer, aber diese
Reizmittel gengen ihnen nicht, sie rauchen auch Opium aus langen
Rohrpfeifen (Garn 127; Pazos 205). Unter den Betel wird gewhnlich
Opium, ja auch Theriak gemengt (Garn I, 27). Musik und Tanz wird
gepflegt, letzterer wird gewhnlich nur von Mdchen [40], Sclavinnen,
zumeist zur Ergtzung der Dattos aufgefhrt. Ihnen eigenthmliche
Instrumente sind der Agun oder Agon und Culintangang (Ilustr. del
Oriente 1877, n. 10, p. 4), der Agun ist nichts Anderes als eine
metallene, auf einer Seite offene Kugel, whrend der Culintangang
aus mehreren geschlossenen Metalldecken besteht, welche mit zwei
Holzklppeln geschlagen werden.

Die Industrie reducirt sich auf Schiffsbau, Waffenschmiedekunst und
grobe Hauswebewaaren, dagegen ist der Handel blhend. Besonders Sulu
ist der Hauptsitz der Trepang- und Perlfischerei, sowie des Handels mit
Salangan-Schwalbennestern, Ambra und Schildkrotschalen. Die Chinesen
concentriren den Handel ganz in ihre Hnde. Der schwungvolle Handel,
welchen die Sulus und Mindanaos durch Verkauf der gefangenen Christen
in Batavia betrieben, hat bereits im vorigen Jahrhundert aufgehrt.

Sie lassen nicht nur Hhne, sondern auch Bffel gegeneinander kmpfen.







III. CHINESEN, CHINESISCHE MESTIZEN, JAPANEN.


1. Chinesen.

Der Verkehr zwischen China und den Philippinen muss in das frhe
Mittelalter hineinreichen, denn schon 1372 wird in chinesischen
Werken--und zwar in dem Buche Ming-tsche--erwhnt, dass eine
Gesandtschaft von Li-sung, d. i. Luzon, in China angelangt wre, und
dass schon vor diesem Zeitpunkt Sulu in Intervallen von fnf zu fnf
Jahren Tribut nach Amoy gesandt htte (Ilustr. del Oriente 1877, n. 12,
p. 10). Man hat auch in Visayergrbern, welche aus einer Zeitperiode
lange vor der Conquista herstammen, bunt gemalte chinesische Schsseln
gefunden (Jagor 209). Der Handelsverkehr zwischen China und den
Philippinen muss spter stark zurckgegangen sein, denn als Don Miguel
Lopez de Legazpi 1565 in den Visayern anlangte, da erfuhr er daselbst,
dass die chinesischen Schiffe nur Luzon besuchten (Fr. Gaspar de
S. Augustin, p. 95 f.). Die ersten Chinesen trafen die Spanier 1571 bei
Mindoro, und die freundliche Behandlung, welche ihnen zu Theil wurde,
bewirkte, dass im folgenden Jahre drei Dschunken in Manila erschienen
(Fr. Gaspar 251). Von da an fand ein regelmssiger Verkehr zwischen
ihnen und den Spaniern Statt, die Zahl der chinesischen Schiffe wuchs
mit jedem Jahre, und dieses freundliche Verhltniss erlitt selbst keine
Trbung, als 1574 der chinesische Piratenknig Limahon drei Mal Manila
angriff, welches nur durch die Energie und Tapferkeit des ritterlichen
Salcedo vor dem Untergange gerettet wurde. Erst 1575 gelang es Salcedo,
Limahon aus dem Golfe von Lingayen, wohin er sich nach der Niederlage
von Manila zurckgezogen hatte, zu verjagen. Erst im Jahre 1585 wird
erwhnt, dass in Manila eine Niederlassung von chinesischen Krmern,
Sangleyes genannt, existire, und zwar zhlte selbe ber 1000 Kpfe
(Brief des Bischofs Salazar in den Cartas de Indias, Fol. 640). Sie
handelten mit chinesischen Waaren und waren ferner Fischer, Grtner,
Handwerker, Apotheker (!) und Maler. Schon damals mussten die
Chinesen Abgaben entrichten, denn in dem Decrete, mit welchem 1588
Philipp II. smmtliche Angelegenheiten der neuen Colonie regelte,
wird die Hlfte der Abgaben, welche von den Chinesen gezahlt wurden,
dem Municipium der Stadt Manila als Einnahme zugewiesen (Fr. Juan de
la Concepcion II, 132).

Die Ermordung des Gouverneurs Gomez Perez Dasmarias durch die
chinesische Bemannung seines Admiralschiffes (1593) flsste zuerst
Misstrauen gegen die Sangleyes ein, bis dann im Jahre 1603 in Manila
die Chinesen, welche bereits 30 000 Seelen zhlten, sich gegen
die Spanier erhoben. Der Aufstand wurde niedergeschlagen, 23 000
Chinesen waren auf dem Schlachtfelde gefallen oder am Richtplatze
gestorben. Trotzdem waren 1605 16 000 Chinesen wieder im Parian
(Ghetto und Bazar) von Manila angesiedelt, deren Zahl im Jahre 1639
bis auf 40 000 angeschwollen war (Fr. Gaspar, 374). Im November dieses
Jahres erhoben sich die Chinesen von Neuem, gerade in einer Zeit,
wo die Spanier mit Holland und den Sultanen von Sulu und Mindanao
im Kriege lagen. Erst im Mrz 1640 wurde der Aufstand bewltigt,
nur 7000 Chinesen berlebten das Ende desselben. Die spanischen
Behrden liessen sich durch diese Vorflle zu keinem Verbote der
chinesischen Einwanderung bewegen, und so verbreiteten sich dieselben
in allen Provinzen. Einzelne Chinesen nahmen Antheil an dem Aufstande
der Pampangos vom Jahre 1660, dadurch wurde die Erbitterung gegen
sie allgemein. Als bald darauf der Knig Kogseng von Formosa den
Gobernador Manrique Lara mit Krieg bedrohte, erhoben sich neuerdings
die Chinesen Manila's, wurden aber besiegt und die berlebenden,
ausgenommen die Christen, ausgewiesen. Die Chinesen-Einwanderung
nahm zwar geringere Dimensionen an, hrte jedoch nicht auf. Um
der Gefahr eines nochmaligen Aufstandes zu begegnen, ordnete ein
kgl. Erlass vom 17. Juni 1679 an, dass alle heidnischen und die
ledigen christlichen Sangleyes Manila's in dem ihnen zugewiesenen
Parian oder Ghetto, die verheiratheten aber in den Vorstdten Binondo
und Santa Cruz sich niederlassen sollten. Auch die in den Provinzen
lebenden Chinesen sollten womglich in besonderen Quartieren vereinigt
werden. Diese Verordnung scheint nicht befolgt worden zu sein, oder
es haben vielleicht die Colonialbehrden Vorstellungen beim Rathe von
Indien dagegen erhoben, denn sie wurde am 14. November 1686 neuerdings
erlassen. Als 1709 der khne Eroberer von Verapaz, der Graf Lizarraga,
Gouverneur der Philippinen wurde, vertrieb er alle Chinesen, welche
nicht im Dienste der Regierung standen oder sonst fr Gewerbe und
Industrie unentbehrlich waren. 1721 plnderten sieben chinesische
Dschunken in den Calamianen, sie wurden zwar von den Spaniern genommen,
auch waren die Sangleyes von Manila an dem Vorfalle unschuldig, aber
man begann sie immer argwhnischer zu beobachten, zumal ihre Zahl im
steten Wachsthum begriffen war.

Man suchte nun durch hohe Auflagen die unentbehrlich gewordenen
Chinesen von massenhafter Zuwanderung abzuschrecken, im Jahre 1732
allein trug die Licenzengebhr, welche die chinesischen Krmer fr
die Ausbung ihres Handels zahlten, 24 000 Dollar dem Staatsschatze
ein, abgesehen davon, was die mit der Chinesenaufsicht betrauten
Organe unterschlugen. 1745 verbreitete sich in Manila das falsche
Gercht, die Chinesen wollen die Spanier niedermetzeln, weshalb man
eine grosse Anzahl Verdchtiger auswies. Bereits 1747 war ein Decret
erlassen worden, welches alle heidnischen Chinesen von den Philippinen
verbannte, erst 1757 wurde es aber ausgefhrt und zugleich der Handel
mit China durch Erlass einer Anzahl Verordnungen geregelt. Die
meisten der aus Manila vertriebenen Chinesen, 4000 an der Zahl,
wanderten nach Sulu aus. Obwohl 1759 neuerdings Ausweisungen vorkamen,
so war bereits 1762 der Parian wieder stark bevlkert. Als die Briten
Manila's sich bemchtigten, schlossen sich die Sangleyes ihnen an und
fochten gegen die Spanier, weshalb der spanische Generalissimus Anda
alle in den Provinzen lebenden Chinesen aufknpfen liess. Als 1763
die Briten Manila rumten, zogen auch die Chinesen ab, und eine kurze
Zeit hindurch gab es keine Chinesen auf den Philippinen. Da sie aber
unentbehrlich geworden waren, so gestattete man ihnen wieder, sich
niederzulassen. Der Gobernador Basco (1778-87) suchte durch die Anlage
eines neuen Chinesenviertels den Handel Manila's noch mehr zu heben,
stiess aber dabei auf so heftige Opposition, dass er den Gedanken
aufgeben musste. Dagegen grndete er bei Candava eine Ackerbaucolonie
von 200 christlichen Chinesen (Diaz Arenas 114), doch ging selbe
unter seinen Nachfolgern ein. 1790 richtete der Gouverneur Marquina
ein Gesuch an den Hof, in welchem er die Erlaubniss unbeschrnkter
Importation und Einwanderung von Chinesen verlangte. In Madrid aber
erneuerte man 1804 die alten Ausweisungsdecrete, nur die verheiratheten
Chinesen und jene, welche mit der Bebauung des Landes beschftigt
waren, durften bleiben. Bei Gelegenheit der Cholera-Epidemie im
Jahre 1819 fand wieder ein grosses Chinesenmassacre Statt, welches
die ausgerckten Truppen nicht zu hindern vermochten. 1828 wurde das
Steuerwesen und die Selbstverwaltung der Chinesen und Chinesengemeinden
neu regulirt, ebenso 1839 Anordnungen getroffen, um die Ertheilung der
Licenzen fr chinesische Krmer zu reformiren. Die weisen Maassregeln
wurden durch ein Gesetz im Jahre 1843 vervollstndigt, von nun an
sollten die chinesischen Schiffe im Hafen- und Zoll-Verkehr den brigen
auslndischen gleichgestellt werden. 1850 erliess die Colonialbehrde
ein Decret, welches vor Allem die Einwanderung chinesischer Ackerbauer
und Feldarbeiter befrdern wollte, es blieb jedoch ohne ein Resultat.

Die Chinesen, welche nach Manila kamen und kommen, waren und sind
entweder Krmer oder Handwerker, es giebt nur wenige Ackerbauer
und Feldarbeiter unter ihnen, so 1867 unter 20 293 nur 425
Ackerbauer. Diess ist um so merkwrdiger, als die Leyes de Indias nur
die Niederlassung von ackerbautreibenden und Dienerstellen einnehmenden
Chinesen gestatten (Caamaque, Recu. I, 278; Scheidnagel 71). Nach
Jagor (Reisen 274) hindert sie die Feindseligkeit der Indier daran,
welche den Chinesen mit grimmigem Hasse und Neide begegnen [41]. Nach
einigen Werken (Caamaque, Recu. I, 202; Scheidnagel 70) ist die
Einwanderung chinesischer Frauen gesetzlich untersagt, es muss aber
wohl ein Irrthum der resp. Verfasser oder eine Nachlssigkeit der
Behrden vorliegen, denn nicht allein Dr. Jagor (Reiseskizzen 227)
erwhnt die Anwesenheit derselben; nach den statistischen Angaben in
Cavada (I, 373, II, 339) lebten 1870 unter den 23 242 Chinesen der
Philippinen 193 Frauen.

Die Chinesen pflegen sehr jung nach den Philippinen zu kommen, wo sie
zuerst bei einem reich gewordenen Landmanne als Commis oder Lehrling
einzutreten pflegen. So lange er die spanische oder tagalische Sprache
noch nicht erlernt hat, beschftigt sich der Neuling lediglich mit
Handlanger- und Packer-Arbeiten. Hat er sich hinreichende Sprach- und
Geschftskenntniss erworben, dann beginnt er mit dem Hausirhandel, um
sich dann spter einen Laden einzurichten. In verhltnissmssig kurzer
Zeit hat sich der betriebsame Zopftrger ein kleines Capital erworben,
mit dem er sich in die Heimath zurckzieht. Der gesammte Kleinhandel
ist in ihren Hnden vereinigt, "den Aufkauf der Colonialproducte
in den Provinzen fr die Ausfuhr theilen sie etwa zur Hlfte mit
Indiern und Mestizen" (Jagor, Reisen 274). In jedem grsseren Pueblo
ist wenigstens ein Chinese anzutreffen. ber die Zahlungsfhigkeit
ihrer Kunden sind sie stets gut unterrichtet (Ilustracion 1860,
n. 14, 158). Alle Handwerke werden von ihnen betrieben, selbst das
unedle Gewerbe der Kurpfuscherei und Charlatanerie findet unter ihnen
zahlreiche, vielgesuchte Vertreter (Buzeta, I, 20).

Da die spanischen Gesetze nur christlichen Chinesen gestattet zu
ehelichen, und die Aufmerksamkeit der Geistlichkeit Concubinate
unmglich macht oder wenigstens sehr erschwert, so lassen sich viele
taufen, sobald sie einen "guten" Pathen finden. Die Abschliessung
einer Ehe hindert aber den Chinesen nicht, sobald er ein Vermgen sich
erworben, Weib und Kinder im Stiche zu lassen und in sein Vaterland
zurckzukehren, weshalb die Indierinnen, wenn sie mit einem Chinesen
eine Ehe eingehen wollen, sich ein Capital sicherstellen lassen.

Die Chinesen der Philippinen theilen alle Laster ihrer Nation,
insbesondere huldigen sie bermssigem Genusse des Opiums, welcher in
den bekannten Opiumpfeifen geraucht wird. Nur den Chinesen gestattet
die spanische Regierung den Genuss dieses gefhrlichen Reizmittels,
fr welche Erlaubniss sie eine Abgabe zahlen mssen, welche fr 1877
auf 2 345 340 Reales de vellon veranschlagt wurde (Illustration de
l'Oriente 1877, n. 3, p. 9).

Wo die Chinesen in grsserer Anzahl vorhanden sind, wie in
Manila-extramuros, bilden sie autonome politische Gemeinden, welche
nach Art der Indier-Pueblos gegliedert sind. Sie zahlen einen bedeutend
hheren Tribut als die Indier, und 50 Tributzahler bilden auch hier
eine Cabecera, deren Tribut der Cabecilla del Tributo oder Champan
einzunehmen hat. An der Spitze der Gemeinde steht der Gobernadorcillo
oder Capitan, dessen Amtsgehlfen der Teniente, Alguacil mayor und
die Bilangos (gleich den Jueces der Indiergemeinden) sind. Die Wahl
dieser Magistratspersonen erfolgt in derselben Weise, wie jene der
Indiergemeinden. Der Gobernadorcillo, der Teniente und der Alguacil
mayor mssen immer Christen sein.

Was die Zahl der Chinesen anbelangt, so betrug sie:


    1585     1 000 Seelen
    1603    30 000 Seelen (in Manila allein)
    1639    40 000 Seelen (nach Fr. Gaspar, nach Anderen nur ber
                   30 000)
    1815     5 000 Seelen allein in der Provinz Tondo
    1828     5 708 Seelen davon in der Prov. Tondo (Manila) 5279
    1830     8 640 Seelen
    1834     5 000 Seelen
    1836     9 038 |
    1837    10 168 |
    1838    10 877 | Seelen allein in der Prov. Tondo
    1839    11 575 |
    1840     5 729 |
    1842    10 000 Seelen
    1847     5 736 | allein in der Prov. Tondo
    1848     7 422 |
    1849     9 331 Seelen
    1850     9 158 Seelen nach Diaz Arenas
             9 901 Seelen nach Buzeta und Bravo
    1870    23 242 Seelen
    1876    30 797 Seelen
    1880 ca 20 000 Seelen in Manila allein.




2. Chinesische Mestizen.

Die Mischlinge von Chinesen und Malaiinnen wurden frher Mestizos
de Sangley genannt, jetzt beginnt dieser Name allmhlig durch die
Bezeichnung Mestizos chinos verdrngt zu werden. Diese Mischlinge
sind krftig gebaut und besitzen die vterliche Sparsamkeit und
Gewerbfleiss, weshalb ein grosser Theil des Kleinhandels, ja selbst
der Bankgeschfte (im kleinen Umfange) in ihren Hnden ruht. In Tracht
und Gewandung nhern sie sich den vornehmen Indiern oder spanischen
Mestizen, von der Mutter haben sie die leidenschaftliche Vorliebe fr
den Tabak und das Buyokauen geerbt, vom Vater aber stammt ihr Hang
zum Opiumrauchen her (Caamaque, Recu. II, 195). Wo die chinesischen
Mestizen in grsserer Anzahl zusammen wohnen, bilden sie autonome
Gemeinden, wie die Chinesen. Bei ihnen gengen 25 bis 30 Tributos
zur Constituirung eines Baranguay. Vor 1783 zahlten sie denselben
Tribut wie die Indier, damals aber wurde er um das Doppelte erhht,
und seit jener Zeit zahlen sie Abgaben, welche stets hher sind
als die der Indier, aber niedriger als jene der Chinesen. Ihre Zahl
ist eine verhltnissmssig grosse, sie bilden den Brgerstand der
Philippinen, im Gegensatze zu den Weissen und deren Abkmmlingen,
von denen die ersteren den militrischen oder bureaukratischen, die
letzteren den Landadel darstellen. 1842 zhlte man 240 000, 1850 180
000, 1867 210 816 chinesische Mestizen, wobei zu bemerken ist, dass
man diesen Zahlenangaben kein unbedingtes Vertrauen schenken darf,
denn bei der Volkszhlung werden nur die Tributos, wenigstens bis
vor Kurzem, gezhlt; ein Tributo ist aber die Steuer, welche zwei
erwachsene Personen, quasi ein Ehepaar, zusammen entrichten, es sind
also die Kinder, die erwerbsunfhigen und ber 60 Jahre alten Personen
bei der Tributzahlung nicht bercksichtigt, weil sie von der Zahlung
des Tributes befreit sind. Um nun die Bevlkerungsziffer herzustellen,
multipliciren die spanischen Statistiker die Zahl der Tribute mit
4-1/2, manche mit 5, andere mit 6, wodurch die oft widersprechenden
Zahlenangaben hinreichend aufgeklrt sind. Nach meinen mhseligen
und langwierigen Untersuchungen verhlt sich im Allgemeinen die Zahl
der spanischen Mestizen (diese zahlen keinen Tribut) zu jener der
chinesischen durchschnittlich wie 1:16, nach lteren Daten berechnet,
da in der neueren Zeit die spanischen Mestizen nicht mehr besonders
in den Censuslisten gefhrt werden.




3. Japanen.

Zu Ende des XVI. und Anfang des XVII. Jahrhunderts existirte in Manila
und zwar in der Vorstadt Dilao eine Japanen-Niederlassung [42]. Von
derselben hat sich jetzt keine Spur erhalten, die Japanen gingen in
den Tagalen auf.







IV. WEISSE UND ANDERE BEVLKERUNGSBESTANDTHEILE.


1. Weisse und deren Mischlinge.

Die weisse Bevlkerung der Philippinen war nie eine betrchtliche. Sie
erhielt am Anfange des XVII. Jahrhunderts einen Zuwachs durch jene
portugiesischen Familien, welche nach der Eroberung der Molukken
durch die Hollnder sich nach den Philippinen flchteten. Was unseren
Archipel von allen brigen spanischen Coloniallndern scharf schied,
war das gnzliche Fehlen eines weissen Grundbesitzerstandes; die
Hacenderos und Mineros von Neu-Spanien und Peru waren hier nicht
vorhanden, denn die Philippinen lieferten bis zur Regierung des
thtigen Gobernadors Basco nichts Nennenswerthes an Bodenproducten,
sie waren nur ein Entredpt des chinesisch-spanischen Handels. Nach
dem westphlischen Frieden wanderten nur Wenige ein, kein Wunder, wenn
man bedenkt, dass man von Spanien nach Manila nur den Weg ber Mejico
und durch den Stillen Ocean nehmen durfte, und dass der jhrliche
Verkehr zwischen Neu-Spanien und Manila sich nur auf ein einziges
Schiff beschrnkte. Die Einwanderer waren Beamte, Soldaten, Mnche,
politische Verbrecher, mitunter auch Abenteurer dunkler Vergangenheit
und wenige Kaufleute. Fast die gesammte weisse Bevlkerung concentrirte
sich in Manila, die von den ersten Conquistadoren begrndeten Stdte
mit spanischer Bevlkerung und Municipalverfassung verdeten, wie
Ceb, N. Cceres, N. Segovia oder wurden wieder zu Indier-Drfern, wie
Arevalo auf Panay. Die wenigsten von den Eingewanderten trugen sich
mit dem Gedanken, sich hier bleibend niederzulassen, sondern kehrten
nach einer Reihe von Jahren in ihr Vaterland zurck, da berdiess
die Zahl der eingewanderten Frauen eine geringe war, so konnte sich
nicht jene mchtige Creolenkaste bilden, die in Spanisch-Amerika noch
heute dominirt.

Als das Festland von Amerika sich von Spanien losriss und
eine Militrrevolte in Manila Statt fand, verwies die spanische
Regierung alle die zahlreichen Mejicaner und Peruaner, welche seit
Basco zahlreich nach den Philippinen gewandert waren. Die Regierung
erschwerte auch in einer dem Gedeihen der Colonie sehr hinderlichen
Weise die Ansssigmachung von Weissen auf dem Lande, und erst in
neuerer Zeit haben Erleichterungen Platz gegriffen. Trotzdem nimmt die
Einwanderung der Weissen mit jedem Jahre zu, und demgemss beginnt
sich auch eine zahlreiche Creolenkaste zu bilden, da viele von den
Einwanderern sich bleibend niederlassen. Die weisse Bevlkerung
steigert sich auch in den Provinzen. Die Ordensgeistlichkeit besteht
ausschliesslich nur aus Weissen.

Die spanischen Mestizen widmen sich nur dem Plantagenbau als kleine
Grundbesitzer oder sie whlen sich die Beamtenlaufbahn. Jene der
niederen Klassen tragen europische Beinkleider und Schuhe, ber den
Pantalons aber das Hemd, dann eine bunte Cravatte und Cylinderhut. Die
Zahl der Mestizen ist in Wirklichkeit viel grsser als die Censuslisten
aufweisen, indem bei der Nachgiebigkeit der Indierinnen, besonders
der Frauen, von den Spaniern viele Kukukseier gelegt werden, wenn ich
mich dieser vulgren Redewendung bedienen darf. Nach Jagor (Reisen 64)
fllt einem in allen Gegenden, wo Spanier hufig sind, die weisse Farbe
der Eingeborenen auf, was auf eine starke Blutmengung hinweist, wenn
auch diese officiell als "Indios" angefhrt werden. "Mdchen, die als
Geliebte von Europern Kinder bekommen, rechnen sich dieses fast zur
Ehre. Noch mehr ist diess der Fall, wenn das Kind vom Pfarrer ist"
(Jagor 129). Die spanischen Mestizen zahlen ebenso wie die Weissen
keine Kopfsteuer.


                  Weisse           Mestizen      Zusammen

        1575        540 [43]             ?              ?
        1830      6 000                  ?              ?
        1842      1 500 Spanier     20 000         25 000
                  3 500 Creolen
        1849          ?               8 475 [44]        ?
        1850      4 050 [45]          8 584        12 634


Die neueren Censuslisten lassen die Zahl der Weissen und spanischen
Mestizen nicht mit Sicherheit feststellen, da sie die von der
Kopfsteuer befreite Bevlkerung, d. h. die Weissen und deren
Abkmmlinge, nach der Beschftigung aufzhlen, andererseits die in
der Armee und Flotte Dienenden zusammen mit den Indiern aufgefhrt
werden. Die Differenzen in den obengenannten Zahlen weisen einerseits
nur auf blosse Schtzungen hin, dann sind ein Mal die europischen
Soldaten mit eingerechnet, ein anderes Mal wieder nicht.




2. Sonstige Bevlkerungsbestandtheile.

In den vergangenen Jahrhunderten bis zu den Jahren 1821-23 bestand die
Linientruppe der Philippinen, soweit sie sich nicht aus Eingeborenen
ergnzte, zumeist aus mejicanischen Indianern und Mestizen. Zwar
blieben die Soldaten auch nach vollendeter Dienstzeit im Lande und
verheiratheten sich mit eingeborenen Frauen, aber ohne irgendwie
eine selbstndige Kaste zu bilden, sie gingen einfach in den Malaien
auf. Dasselbe gilt von den Negern, Kaffern und Papuas, welche in
geringer Anzahl nach den Philippinen im Beginne der spanischen
Conquista von portugiesischen Sclavenhndlern gebracht wurden; da
aber bereits Philipp II. durch ein Decret die Aufhebung der Sclaverei
auf den Philippinen bewirkte [46], so blieben die Philippinen von dem
Fluche einer Negerkaste befreit. Die wenigen Sclaven, welche 1565-90
den Spaniern aus Siam, Cambodscha und Borneo zugefhrt wurden, kommen
gar nicht in Betracht.







ANHANG.

Die maritimen Entdeckungen der Spanier im Archipel der Philippinen.


Fernando Magallanes erreichte am 16. Mrz 1521 die Insel Jomonjol in
der Surigao-Gruppe und wurde so der Entdecker der Philippinen, denen
er den Namen S. Lazarus-Archipel verlieh, doch hat diese Benennung
wenig Anklang gefunden, und wir werden sehen, dass diese so reiche
Inselgruppe bis zum Empfange des heutigen Namens von den Spaniern
gewhnlich "Islas de Poniente" genannt wurde, d. h. die Inseln des
Westens, whrend sie die Portugiesen die "Islas del Oriente", d. h. die
Inseln des Ostens, hiessen. Magallanes trat mit den Bewohnern Jomonjols
in freundlichen Verkehr, setzte aber, sobald seine Kranken sich ein
wenig erholt hatten, seine Reise fort, auf welcher er die grosse
Insel Leyte und zwar die Sdostkste entdeckte, zwischen welcher und
der kleinen Insel Panaon er zu dem Inselchen Limasaua [47] gelangte,
deren Radjah ihn freundlich aufnahm. Von dort begab er sich nach Butuan
an der Nordkste von Mindanao. In Butuan zog er genaue Erkundigungen
ber die grosse Insel ein, insbesondere ber die Ostkste derselben,
deren Namen Caraga sein Chronist Pigafetta in Calagan verzerrte. Da
aber in Mindanao keine Lebensmittel aufzutreiben waren, so kehrte
Magallanes nach Limasaua zurck, deren Radjah sich ihm selbst als
Lootsen erbot, um die Spanier nach dem Centrum der Visayer-Inseln,
nach Ceb zu fhren. Die Expedition brach also unter der Fhrung des
Radjahs auf und segelte zunchst nach Norden, entlang den Gestaden
Leyte's. Diese grosse Insel fhrt bei Pigafetta zwei Namen, der
sdliche Theil wird dort Ceylon, der nrdliche nach einem Orte der
Westkste Baybay genannt. Von Baybay wandte sich die Expedition nach
Westen, erreichte die kleine Inselgruppe der Camotes, segelte dann
Sdwest und gelangte so zur Insel Ceb [48] und nach Passirung des
Canales, welcher Ceb von der Insel Mactn trennt, nach der wichtigsten
Stadt jener grossen Insel, welche ebenfalls Ceb hiess.

Da es nicht meine Aufgabe ist, eine Geschichte der Fahrt Magallane's zu
geben, sondern nur die auf die Philippinen bezglichen Entdeckungen
kurz zu registriren, so sei erwhnt, dass nach dem unglcklichen
Ende des khnen Magallanes seine Expedition sich nach der Westkste
von Bohol wandte und von dort zwischen der Sdspitze von Negros und
der Insel Siquijor ihre Richtung gegen Sdwesten nahm. Die Spanier
entdeckten einen neuen Theil der Mindanaokste und zwar jenen,
welcher westlich von Dapitan beginnt und ungefhr bei der Punta Gorda
endigt. Nach dem im Osten der Punta Gorda befindlichen Cap Quipit
nannten sie die ganze Strecke, die sie vielleicht fr eine besondere
Insel ansahen, Isla de Quipit  Quepindo. Dann folgte die Entdeckung
von Palawan, welches von den Spaniern Paragua genannt wird; die Spanier
entdeckten ferner auf ihrer abenteuerlichen Flucht von Borneo Sulu
(Hauptinsel), die Sdkste von Mindanao und die Serangani-Inseln,
von wo aus sich die Reste der Magallanes-Expedition nach den Molukken
wandten und somit das Gebiet der Philippinen verliessen.

Durch diese spanische Expedition wurden die Portugiesen auf die
Philippinen aufmerksam, sie schickten einzelne Schiffe dahin ab,
welche aber keine neuen Entdeckungen machten. In Spanien hatte man
sich inzwischen entschlossen, eine neue Expedition nach den Molukken
auslaufen zu lassen, nachdem ein in Elvas und Badajz tagender
Congress spanischer und portugiesischer Geographen und Seefahrer
resultatlos auseinandergegangen war; der Congress hatte ber die
Frage entscheiden sollen, ob die Molukken zum spanischen oder zum
portugiesischen Weltantheil gehrten. Die neue Expedition bestand aus
sieben baskischen Schiffen, welche unter dem Befehle des Johanniters
Don Fray Garca Jofre de Loaisa standen, zu dessen eventuellem
Nachfolger der erste Weltumsegler Don Juan Sebastian de Elcano bestimmt
war. Nach schweren Verlusten erreichte die Expedition die Sdsee, wo
rasch hintereinander Loaisa und Elcano starben; den Oberbefehl bernahm
nun Toribio Alonso de Salazar, welcher, nach kurzem Aufenthalte in
den Ladronen, am 8. October 1526 die Islas de Poniente erreichte und
zwar an der Ostkste von Mindanao. Salazar wurde so der Entdecker der
Caraga-Kste. Er lief in den Hafen von Liangan ein, starb aber bald,
worauf der muthige Baske Martin Iiguez (Yaez) de Carquizano Chef der
Expedition wurde. Carquizano versuchte nach Ceb zu gelangen, widrige
Winde hinderten ihn daran, und so begab er sich nach den Molukken,
wo er mit seinen Leuten gegen die Portugiesen kmpfte. Salazar soll
den Islas de Poniente zuerst den Namen "Philippinen" beigelegt haben,
doch ist diess ein Irrthum. So war durch Loaisa's Expedition nur die
Ostkste von Mindanao entdeckt worden.

Eine Expedition nach den Islas de Poniente und den Molukken
sollte bald darauf Neu-Spanien verlassen. Auf Befehl Kaiser Karl's
V. rstete der glorreiche Eroberer von Mjico D. Fernando Corts in
dem kleinen pacifischen Hafen Neu-Spaniens Zacatula oder Civatlanejo
eine Flotte von drei Schiffen aus, welche unter der Fhrung des
D. Alvaro de Saavedra am 31. October 1527 auslief. Da das Hauptziel
dieser Expedition der Molukken-Archipel war, so berhrte Saavedra
nur flchtig die Philippinen und zwar an der Ostkste von Mindanao,
von wo er nach den Molukken aufbrach, so dass diese Expedition nicht
in der Lage war, neue Entdeckungen in dem Archipel zu machen. Von
den Molukken aus versuchte Saavedra zwei Mal ohne Erfolg durch das
Stille Meer nach Mjico zurckzukehren, wobei Sulu von den Spaniern
wieder aufgesucht wurde.

Durch den Vertrag von Zaragoza vom Jahre 1529 entsagte Kaiser Karl
V. seinen Ansprchen auf die Molukken, und da die Islas de Poniente
nach den damaligen Anschauungen ziemlich werthlos erschienen,
so hrten alle Versuche von spanischer Seite auf, sich mit der
Entdeckung und Colonisation dieses Archipels zu befassen. Die
Portugiesen selbst waren zu sehr mit den Molukken beschftigt, als
dass man in den Regierungskreisen an eine nhere Durchforschung des
Archipels gedacht htte, nachdem die Spanier aus diesen Theilen der
Welt verdrngt waren. That auch der portugiesische Staat nichts, so
versuchten es doch Privatleute, fr ihren Glauben und die Herrschaft
ihres Vaterlandes Propaganda zu machen. Ein portugiesischer Edelmann,
Francisco de Castro, hatte bereits auf Mangcassar in Celebes als
Missionr gewirkt, ohne selbst Priester zu sein. 1531 kam er nach
der Insel Mindanao und bekehrte dort einige Frsten, darunter den
Radjah von Butuan, zum Christenthume [49]; es mgen auch noch andere
Portugiesen auf dieser Insel geweilt haben, jedenfalls ist aber die
Entdeckungsgeschichte der Philippinen durch sie nicht bereichert
worden. Die Portugiesen machten sich bald darauf in Mindanao
unmglich, indem der portugiesische Capitn Pinto nach Abschluss
eines Freundschaftsvertrages mit dem Radjah der Insel Surigao auf
dessen Unterthanen Jagd machte, worauf die emprten Eingeborenen den
verrtherischen Sclavenjger zur schleunigen Heimkehr nthigten. Die
Jesuiten und Portugiesen behaupten, dass zu Anfang der vierziger
Jahre des XVI. Saeculums der berhmte Apostel der Indier, Franciscus
Xaverius auf Mindanao das Christenthum gepredigt htte, was aber aus
triftigen Grnden bezweifelt wird [50]; jedenfalls hat er zur weiteren
Aufdeckung Mindanao's nichts beigetragen.

Einer von den Officieren des Loaisa, der wackere baskische Capitn
D. Andrs de Urdaneta kehrte erst 1536 nach Spanien von den Molukken
zurck, wo er unter den Fahnen des Sultans von Tidore rhmlich gegen
die Portugiesen gefochten hatte. Dieser tchtige Seemann und Haudegen
suchte dem Kaiser Karl die Wichtigkeit der halbvergessenen Islas de
Poniente hervorzuheben, welche nach seiner Vorstellung die Spanier fr
die Cession der Molukken entschdigen sollten. Eingehend wies Urdaneta
nach, dass die Islas de Poniente innerhalb des spanischen Weltantheils
lgen, whrend die Portugiesen das Gegentheil behaupteten. Wenn
auch Karl damals mit wichtigeren Angelegenheiten beschftigt war, so
versumte er es nicht, dem Rathe von Indien eine genaue Prfung der
Vorschlge Urdaneta's anzuempfehlen. Da der berhmte amerikanische
Conquistador D. Pedro de Alvarado ohnehin sich mit dem Plane trug,
einen Zug durch das Stille Meer nach China zu unternehmen, und
dieser spanische Held ber eine hinreichende Anzahl von Schiffen und
Soldaten gebot, so gab der Kaiser ihm den Befehl, nach den Islas de
Poniente aufzubrechen, jedoch sollte er unter keiner Bedingung die
Molukken oder irgend welche andere Besitzung der portugiesischen Krone
berhren, noch auch in die Streitigkeiten der eingeborenen Frsten
und Portugiesen sich mengen. Alvarado begann auch sogleich sich
zu rsten; schon schien Alles zum Auslaufen bereit, als die Indier
der Provinz Jalisco sich emprten. Alvarado zog gegen sie zu Felde,
aber ein Sturz vom Pferde machte seinem abenteuerlichen Leben ein Ende.

Da das Geschwader segelfertig war, so beschloss der Viceknig von
Mjico, D. Antonio de Mendoza, es auch nach dem Tode des designirten
Befehlshabers auslaufen zu lassen. Der Viceknig trug das Commando
zunchst dem in Mjico angelangten Urdaneta an, da aber dieser
erklrte, die an die Fhrung der Expedition geknpften Bedingungen und
Vorschriften nicht annehmen zu knnen, so wurde der Oberbefehl einem
Verwandten des Viceknigs anvertraut, dem Ruy Lopez de Villalobos, von
dem der alte Waffengefhrte des Corts, Bernal Diaz de Castillo, sagt:
"que sabia mucho de alturas y del arte de navegacion". Da, wie erwhnt,
Alvarado seinen Zug bis nach China hatte ausdehnen wollen, so hatte
er dementsprechend eine grosse Zahl von Schiffen zusammengebracht;
der Viceknig wollte das Ziel der Expedition auf die Islas de Poniente
beschrnken, und weil ohnediess der Aufstand in Jalisco der Flotte
einen Theil der Besatzung entzog, so erhielt Villalobos den Befehl,
sich nur die besten unter den Schiffen Alvarado's auszusuchen, was
denn auch geschah.

Am 1. November 1542 verliess Villalobos den mejicanischen Hafen
Navidad (Natividad) mit fnf Schiffen und 370 Mann. Am 2. Februar
1543 erreichte er die Ostkste Mindanao's und landete in der
Caraga-Bucht. Bernardo de la Torre, Commandant der Landtruppen
der Expedition, gab Mindanao [51] den Namen Cesarea zu Ehren des
Kaisers. Sein Versuch, auf den an der Sdspitze Mindanao's liegenden
Sarangani-Inseln eine Niederlassung zu grnden, misslang wegen Mangel
an Lebensmitteln. Die Portugiesen auf den Molukken erhielten hiervon
Kunde und schickten einen Gesandten ab, welcher von Villalobos
die sofortige Rumung des gesammten Archipels forderte, weil er
zum portugiesischen Weltantheil gehre. Der durch eine grosse
Anzahl erhaltener Vorschriften in seinem freien Thun und Lassen
behinderte Villalobos schickte hierauf ein Schiff nach Neu-Spanien
zurck, um neue Instructionen zu holen, aber dasselbe musste durch
widrige Winde genthigt umkehren. Villalobos verliess in Folge der
eintretenden Hungersnoth die Sarangani-Inseln und suchte nach Ceb
zu gelangen. Jetzt begann eine wahre Odyssee fr diese unglckliche
Expedition, welche bestndig mit widrigen Winden und Mangel an
Lebensmitteln zu kmpfen hatte. Umsonst schickte Villalobos von Butuan
aus Schiffe nach Bohol und anderen Inseln, die Spanier schwebten
bestndig in der Gefahr, den Hungertod zu erleiden. Zwei seiner
Brigantinen gelangten nach der Insel Smar und zwar an die Ostkste
derselben, welche damals Ibabo genannt wurde, whrend der westliche,
gegen Leyte gewendete Theil den Namen Smar schon fhrte, welcher
heute der ganzen Insel zukommt, whrend der Name Ibabo vollstndig in
Vergessenheit gerathen ist, obwohl im XVII. Jahrhundert die ganze Insel
auch Ibabo genannt wurde. Die Spanier des Villalobos nannten die Insel
nach dem Radjah von Ibabo Tendaya (oder Tandaya), Villalobos gab ihr
aber nach dem Infanten Don Felipe den Namen Filipina, ohne jedoch den
Namen auf den ganzen Archipel auszudehnen, wie gewhnlich angenommen
wird. Noch am 15. Juli 1552 nennt Fray Nicolas de Witte in einem an
den Kaiser selbst gerichteten Schreiben die von Magallanes entdeckten
Inseln "Islas de Poniente" [52], was er gewiss nicht gethan htte,
wenn jener Archipel nach dem Sohne und Thronerben des Kaisers benannt
worden wre. Die Bezeichnung Neu-Castilien, welche Villalobos den
heutigen Philippinen gab, gerieth ebenso schnell in Vergessenheit, wie
der Name Islas de San Lazaro, den ihnen Magallanes verliehen hatte. Die
Unmglichkeit, Lebensmittel zu erlangen oder Ceb zu erreichen, zwangen
schliesslich nach langen Irrfahrten den spanischen Admiral, mit dem
Reste seiner Leute nach den Molukken aufzubrechen und den Portugiesen
halbverhungert sich zu ergeben, nachdem ein Versuch misslungen war,
ein Schiff in sdlicheren Breiten (lngs Neu-Guinea) nach Neu-Spanien
um Succurs zu senden. Der Befehlshaber dieses Schiffes, der seekundige
Mnch Fray Gernimo de S. Estvan y Jimenez, gab angeblich Neu-Guinea
den noch heute gebruchlichen Namen. Die auf Smar durch Schiffbruch
zurckgebliebenen Spanier wurden durch Schiffe des Sultans von Tidore
nach den Molukken gebracht.

Nach dieser unglcklichen Expedition verlor Kaiser Karl V. alle Lust,
sich weiter mit den Islas de Poniente zu beschftigen, sie hatten ihn
nur Blut und Geld gekostet, ohne auch nur einen Ersatz fr die auf ihre
Entdeckung verschwendeten Opfer zu bieten; erst als sein Sohn Philipp
II. zur Regierung gelangte, begann man am spanischen Hofe sich wieder
der Islas de Poniente zu erinnern. Es ist nur zu wahrscheinlich,
dass Urdaneta es war, der den Knig auf jenen entlegenen Erdtheil
aufmerksam machte. Philipp entschloss sich im Jahre 1558 nochmals, den
Versuch zu unternehmen, die Islas de Poniente zu erobern, er richtete
ein in den schmeichelhaftesten Ausdrcken verfasstes Schreiben [53]
an Urdaneta, in welchem er ihm mittheilte, dass der Viceknig von
Neu-Spanien den Befehl erhalten htte, nach den Islas de Poniente
(also Philipp kennt den Namen Philippinen nicht) eine Expedition
auszusenden, und dass es der Wunsch des Knigs wre, dass Urdaneta
an diesem Zuge Theil nehme. Urdaneta war inzwischen Augustinermnch
geworden, und aus seinem Kloster in der Stadt Mjico schickte er dem
Knige als Antwort auf dessen Schreiben ein ausfhrliches Memorial
ber die Schifffahrt in der Sdsee und den ihm bekannten ostasiatischen
Gewssern. Der Viceknig hatte gleichzeitig den Befehl zur Ausrstung
jener Expedition erhalten, es stand ihm die Auswahl der Befehlshaber,
der Schiffe und Mannschaft frei; die Richtung und Ausdehnung der Fahrt
aber, kurz die ganze Direction der Unternehmung sollte dem erfahrenen
Fray Andrs Urdaneta berlassen bleiben, der den Titel eines "Protector
de Indios" erhielt. Auf Vorschlag des Urdaneta wurde sein Landsmann,
der Baske Don Miguel Lopez de Legazpi zum Chef der Expedition ernannt,
auch die Mannschaft der aus fnf Schiffen bestehenden Flotte bestand
grsstentheils aus seekundigen Basken.

Am 21. November 1564 verliess die Expedition die Kste Neu-Spaniens;
am 9. Januar 1565 wurden die Ladronen erreicht und am 13. Februar
die erste Philippine, die kleine Insel Suluan, sdlich von Smar,
der Legazpi den Namen Buen Seal (das gute Omen) gab. Da es nicht in
meiner Absicht liegt, eine Geschichte der spanischen Eroberung der
Philippinen zu geben, sondern mich nur mit der kurzen Registrirung der
Entdeckungen zu beschftigen, so erwhne ich, dass Legazpi zunchst
Smar aufsuchte und zwar den sdlichen Theil, er nennt die Insel:
"Ibabo". Von dort wandte er sich nach Leyte und landete bei dem uns
schon durch Magallanes bekannten Inselchen Panaon. Da die Expedition
trotz aller freundlichen Bemhungen die in die Bergwildnisse sich
flchtenden Eingeborenen zur Lieferung von Lebensmitteln nicht bewegen
konnte, so entschloss sich Legazpi, am 14. Mrz nach Mindanao zu
gehen, entweder nach Butuan oder der Insel Camiguin, widrige Winde
verschlugen ihn aber nach dem damals sehr schwach bevlkerten [54]
Bohol, so dass er auch hier keine Lebensmittel auftreiben konnte,
zumal auch hier die Eingeborenen sich mit den Spaniern in keinen
Verkehr setzten. Legazpi schickte nun das schnellste seiner Schiffe,
den S. Juan, unter Capitn Isla nach Butuan, um mit dem Frsten dieses
Landes einen Freundschaftsvertrag abzuschliessen und Lebensmittel und
Zimmt dort einzukaufen. Ehe noch Isla von seiner glcklichen Fahrt
nach Butuan zurckgekehrt war, hatte Legazpi durch Vermittelung eines
Steuermannes aus Borneo sich mit den Huptlingen von Bohol befreundet
und mit dem vornehmsten derselben Blutsfreundschaft (beide tranken
gegenseitig ihr Blut) geschlossen. Legazpi schickte den Piloto Mayor
der Flotte, Don Estvan Rodriguez, in Begleitung des borneanischen
Steuermannes, mit geringer Bedeckung mit einem kleinen Fahrzeuge ab,
um Ceb zu recognosciren und die Route dorthin sicherzustellen. Als
dieses Schiff lange ausblieb, wurden zwei spanische Soldaten auf
einem Boote der Eingeborenen dem ersteren nachgeschickt, sie kehrten
mit der Nachricht zurck, dass von dem ersten Fahrzeuge nichts zu
erblicken wre, dagegen brachten sie die frohe Kunde, dass Ceb von
Reichthmern strotze, bald darauf traf Rodriguez ein und besttigte
diese Nachrichten, auch Capitn Isla langte mit reicher Ladung an. Das
kam zur rechten Zeit, denn schon hatten Hungersnoth und Enttuschung
(man fand nirgends Gold) die Leute unzufrieden gemacht und selbst unter
dem Officierscorps den Wunsch nach einer Rckkehr nach Neu-Spanien
hervorgerufen, Legazpi hatte sich genthigt gesehen, einen Kriegsrath
einzuberufen, der erst nach langen und strmischen Debatten sich fr
das Bleiben entschied.

Am 22. April verliess Legazpi Bohol, statt aber direct nach Ceb
zu gelangen, wurde er nach Dapitan an der Nordkste von Mindanao
verschlagen, wo ihm der Frst desselben, Pagbuya, erst die Piloten
gab, welche die Expedition glcklich nach dem Hauptorte Ceb's
brachten, wo Legazpi's Schiffe am 27. April 1565 Anker warfen und
zwar in der Ensenada de Mandave. Dort grndete Legazpi eine spanische
Niederlassung, die er zuerst S. Miguel de Ceb nannte, deren Name er
aber bald darauf in "Villa de Santsimo Nombre de Jess" umnderte, als
ein Soldat die Statue eines Jesuskindes fand, die wahrscheinlich von
Magallanes' Leuten zurckgelassen worden war. Fray Andrs de Urdaneta
kehrte hierauf mit dem besten Schiffe nach Neu-Spanien zurck, um den
Viceknige den Bericht ber den Stand der jungen Colonie zu erstatten
und um Verstrkungen und Nachsendungen zu fordern [55].

Auch in Ceb litten die Spanier Mangel an Lebensmitteln, denn die
Eingeborenen bauten nicht mehr als sie selbst brauchten, und das
nach Neu-Spanien abgegangene Schiff hatte die wenigen Vorrthe
vollstndig erschpft. Legazpi schickte den Capitn Goyti ab,
um Lebensmittel aufzutreiben, Goyti wurde so der Entdecker von
der Westkste von Ceb und den gegenberliegenden Gestaden von
Bugls, das er nach seinen schwarzen Bewohnern die Isla de Negros
(Neger-Insel) nannte. Im folgenden Jahre (1566) gelangte der Oberst
Mateo de Sauz bis nach Panay, als er Reis einkaufen wollte, bei
dieser Gelegenheit besuchte er die Westkste von Negros. Derselbe
Sauz (ebenfalls ein Baske) entdeckte noch in demselben Jahre die
Nordkste der Isla de Baybay (Nord-Leyte), die Inseln Bilaran und
Panamao, sowie den nrdlich von der Juanico-Strasse gelegenen Theil
von der Westkste Smars. Der unermdliche Sauz begab sich noch in
demselben Jahre und zwar zum zweiten Male nach Butuan, und besuchte
auch die Ostkste Mindanao's, deren nrdliche Strecke er Kste Coavit
(nach dem heute Cavit geschriebenen Cap) benannte, dort stiess er
aber mit einem portugiesischen Schiffe zusammen, denn die Portugiesen
waren gekommen, um durch Gte oder Gewalt die Spanier zur Rumung der
heutigen Philippinen zu zwingen. Die Portugiesen erschienen auch in der
Nhe von Ceb, kehrten aber wieder nach den Molukken zurck, da sie die
Spanier strker vorfanden, als ihnen berichtet worden war. Im Mrz 1567
wurde die Entdeckung von Panay durch den Capitn de la Haya vollendet.

In demselben Jahre schickte Legazpi ein Schiff nach Neu-Spanien ab,
welches einen genauen Bericht des spanischen Generals an seinen Knig
zu berbringen hatte. In diesem Briefe nennt Legazpi den ganzen von
ihm bisher entdeckten Archipel "Islas Filipinas", welche Benennung
noch heute allgemein blich ist. Die Inselgruppe, welche Ceb, Bohol,
Leyte, Smar, Negros und Panay umfasst, also jenen Archipel, welchen
die Spanier Islas Visayas heute nennen, bezeichnete er mit dem Namen
Islas de Pintados, weil die Eingeborenen sich den Leib zu bemalen
pflegten. Der Name Pintados fr die Visayer [56]-Inseln und deren
Bewohner erhielt sich bis in den Anfang des XVIII. Jahrhunderts. Das
Jahr 1568 brachte wenig neue Entdeckungen, weil die Spanier, von
einer portugiesischen Flotte in Ceb angegriffen, Mhe hatten, sich
des pltzlichen Angriffes zu erwehren.

Da Ceb zu wenig Lebensmittel producirte, so verlegte Anfang 1569
Legazpi sein Hauptquartier nach dem reichen Panay und zwar an die
Nordkste dieser Insel, wo die heutige Provinz Capiz sich befindet,
von da an jagt eine Entdeckung die andere. Der Sevillaner Edelmann
D. Luis Henriquez de Guzman entdeckte und eroberte die Inseln Masbate,
Buras und Ticao, von dort gelangte er nach der Landschaft Albay,
dem sdlichsten Theile Luzons, er war also der erste Spanier,
welcher die grsste Insel der Philippinen betrat, und das betone
ich ausdrcklich, weil man oft der Ansicht begegnet, die Entdecker
Luzons wren Goyti und Salcedo gewesen [57]. Ihn begleitete auf
diesen Zgen der Augustiner Fray Alonso Jimnez. Die vollstndige
Unterwerfung dieser Gebiete fhrte unmittelbar darauf der Capitn
D. Andrs de Ibarra aus. Damals fhrte Albay den Namen Ibalon oder
wurde wenigstens so von den Spaniern genannt.

Zur selben Zeit unternahm der heldenmthige Enkel Legazpi's, Don
Juan de Salcedo, an der Spitze von 30 Spaniern und 500 Eingeborenen
eine Expedition nach der den Spaniern noch unbekannten grossen Insel
Mindoro, deren Ksten er befuhr; er entdeckte noch berdiess die
Insel Lubang und kam auf diese Weise in die unmittelbarste Nhe der
Bay von Manila.

Inzwischen hatte Legazpi den Befehl vom Knig erhalten, den gesammten
Archipel der Philippinen der spanischen Krone zu unterwerfen, deshalb
trachtete er vor Allem darnach, Manila's sich zu bemchtigen, dessen
Kaufleute und Schiffe er in Mindanao wie den Pintados getroffen
hatte und von dessen Reichthume sich die Spanier berschwengliche
Vorstellungen machten. Whrend er sich mit den Rstungen zu
diesem Zuge und dem Aufbau seiner Befestigungen in dem zu einer
Ciudad (kgl. Freistadt) erhobenen Ceb (Santsimo Nombre de Jess)
beschftigte, wurden der Maestre de Campo (Oberst) Goyti und Juan
Salcedo mit mehreren Schiffen und 120 spanischen Soldaten und
zahlreichen "Pintados" abgeschickt, um Luzon, insbesondere Manila,
zu recognosciren (1570).

Die Expedition erreichte Luzon an den Ksten der heutigen Provinz
Batangas, welche damals Comintana genannt wurde, hier trennten
sich die beiden Fhrer, Goyti segelte nach Norden und wurde so der
Entdecker der herrlichen Bai von Manila, Salcedo aber entdeckte den
grossen Binnensee von Bombon, in dessen Mitte auf einer kleinen Insel
der niedrige aber unheilvolle Vulcan von Taal sich befindet. Damals
war das kurze Flsschen, welches die Laguna de Bombon mit dem Meere
verbindet, tief genug, um den seichtgehenden Schiffen Salcedo's
das Einlaufen in den See zu gestatten. Als aber Salcedo mit den
Umwohnern der Lagune in Kampf gerieth und selbst verwundet wurde,
zog er sich zurck und vereinigte sich erst vor Manila mit Goyti. In
Manila wurden die Spanier pltzlich berfallen, woran vielleicht
portugiesische Whlereien Schuld trugen, wenigstens fand man nach
der Erstrmung des hlzernen Forts des Sultans von Manila einen
Portugiesen, welcher die Artillerie befehligt hatte. Ich glaube,
dass jener Portugiese kein Agent seines Vaterlandes gewesen ist, die
drftigen Nachrichten gestatten den Schluss, dass er ein Deserteur
oder Renegat gewesen sei. Nach der Zchtigung der verrtherischen
Eingeborenen kehrten Goyti und Salcedo nach Panay zurck.

1571 erschien Legazpi in der Bai von Manila und grndete dort an der
Mndung des Pasig die Hauptstadt der Philippinen, von welcher aus bald
Expeditionen nach allen Seiten ausgingen, um Luzon oder Neu-Castilien,
wie es Legazpi nannte, zu unterwerfen. Goyti drang in die Landschaft
Pampanga vor und unterwarf sie der spanischen Krone, damals verstand
man unter dem Namen Pampanga auch die heutigen Provinzen Bulucn,
Nueva cija und La Infanta, jedoch kam Goyti nicht bis an die Ostkste
Luzons, das war Salcedo vorbehalten. Dieser khne Conquistador
segelte den Pasig hinauf und wurde so der Entdecker der wunderbar
schnen Laguna de Bay, deren Gestade er seinem Knige zinspflichtig
machte. An der Laguna erfuhr Salcedo, dass jenseits der Berge, welche
im Osten und Sdosten den See umgeben, Gold zu finden wre. Salcedo
brach sofort dahin auf, zwar missglckte sein erster Zug, er musste
beim Vulcan Mahayhay oder Banahao wieder umkehren, aber mit frischen
Verstrkungen versehen gelang es ihm, unter grossen Schwierigkeiten die
Ostkste Luzons, die sogenannte Contracosta, zu erreichen, worauf er
die Ksten von Camarnes [58] bis zur Bai von S. Miguel befuhr und die
Goldminen von Paracale und Mamburao entdeckte; beinahe gleichzeitig
war die Insel Tablas, dann die luzonische Landschaft Calilaya (das
heutige Tayabas) von spanischen Truppen unterworfen worden. Auch die
Cuyos- und Calamianes-Inseln sowie das nrdliche Palawan (Paragua)
waren inzwischen entdeckt und unterworfen worden.

1572 brach Salcedo mit einem kleinen Geschwader von malaiischen
Fahrzeugen aus Manila auf, um die nrdlichen Ksten Luzons und die
Ausdehnung dieser Insel berhaupt kennen zu lernen. Salcedo umsegelte
ganz Nord-Luzon, entdeckte die Landschaften Zambales, Pangasinn
(Lingayen), Ilcos und Cagayn und gab den Vorgebirgen Bogeador und
Engao ihre noch heute blichen Namen. Auf der Fahrt lngs der Ostkste
entdeckte er die Insel Polillo. In der Bucht von Amanto endete diese
abenteuerliche Expedition, Salcedo kehrte auf dem Landwege und ber
die Laguna de Bay nach Manila zurck, wo inzwischen sein Grossvater
Legazpi im August 1572 gestorben war. Labezares, ebenfalls ein
Baske, wurde jetzt Interims-Gouverneur, er schickte im Jahre 1573
den Salcedo nach Camarnes ab, um dieses von Salcedo selbst entdeckte
Land der spanischen Krone zu unterwerfen, was ihm rasch gelang, wobei
auch die gesammten westlichen Ksten von Camarnes entdeckt wurden
(durch Cap. Chaves), so dass jetzt die Kste Luzons in ihrer gesammten
Ausdehnung bekannt wurde, hauptschlich durch Salcedo. Damit war die
Aera der grossen Entdeckungen in den Philippinen zu Ende, es blieb
nur die Nachlese brig. Figueroa besuchte 1578 die einzelnen Inseln
des Sulu-Archipels, und von Cagayn drangen die Spanier wenige Jahre
spter nach den Babuyanen vor. Damit war die Entdeckung der Philippinen
abgeschlossen und weitere Forschungsreisen konnten sich nur mehr mit
den Binnenlandschaften des Archipels befassen.

Fassen wir kurz das oben Erwhnte zusammen, so gelangen wir zu
folgenden Resultaten, wenn wir die einzelnen Theile der Philippinischen
Inseln der Reihe nach durchnehmen.




A. Surigao-Inseln:

entdeckt von Magallanes 1521 und zwar die Insel Jomonjol, die Inseln
Caburao, Siargao, Bucas und Dinagat von der Expedition unter Villalobos
1543. Die Insel Suluan wurde schon von Magallanes entdeckt, aber erst
1565 von Legazpi nher erforscht. Legazpi verlieh ihr auch den Namen
Buen Seal.




B. Visayer-Inseln oder Islas de Pintados.

1. Smar: ltere Namen sind Tendaya oder Tandaya, Achan, Camlaia,
Filipina und Ibabo. Letztere Benennung erhielt sich am lngsten,
wurde aber Anfangs auf den stlichen Theil der Insel beschrnkt,
whrend die westlichen Gestade Smar oder Samal genannt werden. Im
XVII. Jahrhundert dient als Gesammtbezeichnung fr die Insel der
Name Islas de Ibabo, wohl zu unterscheiden von dem Ausdrucke Costa
Ibabo, womit nur die Ostkste in dieser Zeit bezeichnet wurde; im
XVIII. Jahrhundert gewinnt erst der Name Smar Oberhand, und heute
ist selbst der Name Ibabo vergessen, die anderen Namen haben nur eine
Eintagsexistenz gehabt, in franzsischen Werken des XVII. Jahrhunderts
nur fand ich den Namen Tendaya und Filipina noch lange Zeit hindurch
erhalten. Obwohl es nicht unwahrscheinlich ist, dass Magallanes
wenigstens von der Ferne die Sdspitze von Smar erblickte, so sind mit
Sicherheit nur zwei Schiffe von Villalobos' Expedition (1543) als die
ersten europischen Schiffe nachzuweisen, welche Smar, und zwar die
sdlichen und stlichen Gestade besuchten. Die brigen Ksten desselben
wurden erst 1566-1570 von den Spaniern der Legazpi'schen Expedition
aufgefunden; speciell der an der Bernardino-Strasse gelegene Theil
und die benachbarte Insel Capul wurden erst 1570 vom Capitn Ibarra
aufgesucht und genau durchforscht.

2. Leyte mit Panaon, Limasaua, den Camotes, Bilaran, und
Panamao. Pigafetta nennt den nrdlichen Theil von Leyte Isla de
Baybay, den sdlichen Ceylon oder Seilani, weshalb noch in spteren
nicht-spanischen Werken, welche ihre Kenntniss der Philippinen aus
Pigafetta schpften, die Insel Leyte den Namen Ceylon de Pigafetta
fhrt, eine Benennung, die den spanischen Historikern selbst der
lteren Zeit unbekannt ist. Magallanes besuchte die sdlichen Hlften
der Ost- und Westkste. Der brige Theil der Kste wurde von Sauz
1566 besucht.

Die kleine Insel Panaon wurde 1521 von Magallanes entdeckt, desgleichen
Limasaua, welches Mazava oder Massaua genannt und gelegentlich auch
Dimasaua oder Dimausava (Dimasaba, Limasaba, Limasava) geschrieben
wurde. Auch die Camotes-Gruppe, zwischen Leyte und Ceb, ist eine
Entdeckung des Magallanes, whrend die nrdlich gelegenen Inseln
Bilaran und Panamao von dem Basken Sauz entdeckt worden sind.

3. Bohol (oder Bojol geschrieben, weil die Eingeborenen das spanische
j mit dem h-Laute oft verwechseln). Bohol wurde von den ersten
Conquistadoren auch Pohol oder Pool genannt. Bohol wurde von der
Expedition des Magallanes in seinen westlichen und stlichen Theilen
entdeckt. Die Sdkste wurde erst von den Schiffen des Villalobos
genauer untersucht (1543), und der mittlere Theil der Nordkste 1565
von Legazpi's Leuten betreten.

4. Siquijor oder Fuego. Die Westkste dieses Eilandes wurde von
Carvalho 1521 gesehen, die brigen Theile unter Legazpi 1565 und 1566.

5. Ceb mit Mactan. Ceb wird von den ersten Entdeckern Zubu, ubu,
Subu, auch mit t am Ende: Zubut &c. geschrieben, bei den Eingeborenen
fhrte es den Namen Sogbu. Im XVII. und XVIII. Jahrhundert finden wir
die Orthographie Zebu oder ebu. Der grsste Theil der Westkste wurde
von Magallanes selbst und nach seinem Tode von Carvalho entdeckt. Eine
andere Strecke der westlichen Gestade entdeckte Legazpi 1565 selbst,
den Rest sowie die Ostkste seine Officiere, insbesondere Goyti.

6. Negros. Negros wurde von den Visayern Bugls genannt, der spanische
Name hat jedoch den eingeborenen vollstndig verdrngt. Der sdlichste
Theil mit der Punta Bombonon wurde jedenfalls schon von Carvalho
1521 gesehen, doch lsst sich diess nicht mit voller Sicherheit
behaupten. Die Ostkste wurde 1565 von Goyti, die Westkste von Sauz
und anderen spanischen Officieren des Legazpi 1566 entdeckt.

7. Guimaras. 1566 entdeckt, damals wurde es Ymaras genannt.

8. Panay. Ihr alter Name ist Isla de Oton, spter heisst der nrdliche
Theil (das heutige Capz) Isla de Panay, der sdliche Isla de Oton
(Otong, Octong). Die Insel wurde 1566 von Sauz entdeckt und ihre
Gestade waren bis 1568 durchweg bekannt, 1569 sogar schon vollstndig
den Spaniern unterworfen.

9. Die Cagayanes (zwischen Negros und Palawan) waren schon 1521
Carvalho bekannt, doch fllt ihre eigentliche Entdeckung erst in die
Jahre 1569-71, wo diese Inselgruppe von den Spaniern nach und nach
entdeckt und in Besitz genommen wurde.

10. Die Cuyos-Gruppe wurde in derselben Zeit wie die Cagayanes entdeckt
und unterworfen.

11. Masbate, Ticao und Buras wurden 1569 von Guzman entdeckt,
der Capitn Ibarra hatte bei diesen Entdeckungen sich ebenfalls
Verdienste erworben.

12. Tablas, Romblon, Sibuyan und Marinduque. Die Westkste von Tablas
war 1569 durch Don Juan de Salcedo entdeckt worden, die Ostkste
sowie Romblon, Sibuyan und Marinduque wurden etwas spter von anderen
Officieren des Legazpi entdeckt und unterworfen.

13. Mindoro und Lubang. Diese beiden Inseln wurden von Salcedo 1569
aufgefunden und erobert [59], desgleichen die zwischen Mindoro und
Panay liegende Insel Semerara. Mindoro wurde in der ltesten Zeit
Mait genannt.




C. Palawan und die Calamianes.

Palawan wird von den Spaniern Paragua genannt, ltere Bezeichnungen
sind Palaon, Palauan. Der sdliche Theil von Palawan wurde bereits
1521 von Magallanes' Leuten unter Carvalho entdeckt, der nrdliche
Theil dieser Insel wurde zwar unter Legazpi's Regierung, und zwar
1570-72 entdeckt und dem spanischen Knige tributpflichtig gemacht,
doch haben die Spanier sich wenig um diese grosse Insel gekmmert,
deren grssere Sdhlfte erst in den letzten Jahren von den Spaniern
occupirt wurde, obwohl mit unberechtigter Hartnckigkeit selbst neuere
deutsche Karten es mit derselben Farbe coloriren wie Sulu. Der sdliche
Westtheil dieser Insel wurde vielleicht erst um 1577 oder 1578 von
den Spaniern genauer untersucht. Die einst zu Borneo, dann zu Sulu
und heute zu Spanien gehrige Insel Balabac wurde 1521 entdeckt.

Die Calamianes wurden in der Zeit von 1570-1572 von spanischen Mnchen
und Soldaten besucht.




D. Luzon.

Der ltere Name Luzons lautet Lusong, wie ihn noch heute die Chinesen
gebrauchen. Legazpi gab dieser grssten Insel der Philippinen den
Namen Neu-Castilien, doch gerieth dieser Name in Krze vollstndig
in Vergessenheit. Nach der wichtigsten Stadt, nicht nur Luzons,
sondern auch der Philippinen berhaupt, nach Manila [60] nmlich,
wurde auch Luzon Manila genannt, aber nur von den Portugiesen und
Franzosen, welche auch die gesammten Philippinen Manila-Inseln nannten,
daher auch in einigen deutschen Werken des vorigen Jahrhunderts unser
Archipel die Bezeichnung "die Manillen" fhrt, doch ist zum Glck diese
geschmacklose Benennung von den deutschen Karten verschwunden. Zur
Zeit der Conquista zerfiel Luzon in folgende Landschaften: Albay oder
Ibalon, Camarnes oder Nebuy, Talyabas oder Calilaya, Batangas oder
Comintana, Manila mit Tondo, Laguna de Bay, Pampanga, Pangasinan,
Ilcos und Cagayan.

Unter der Landschaft Ibalon oder Albay der Conquista ist der sdlichste
Theil Luzons zu verstehen, und zwar kann man als nrdliche Grenzscheide
die tiefe Einsenkung zwischen den beiden Vulcanen, dem (brigens
erloschenen) Mazaraga und Myon (besser bekannt als "Vulcan von Albay")
annehmen. Diese Landschaft Albay ist wohl zu unterscheiden von der
spteren Provinz Albay, zu welcher auch die Inseln Masbte und Tico
gehrten. Ibalon wurde 1569 durch Guzman entdeckt und diese Entdeckung
unmittelbar von Ibarra fortgesetzt, insbesondere an der Ostkste.

Die Landschaft Nebuy oder Camarnes hatte als nordwestliche Grenze
die beiden Flsse Rio Tabagon und Rio Cabibijan, von denen der erstere
in die Bucht von Sogod an der Contracosta, der letztere in die Bucht
von Guinayangan oder Ragay sich ergiesst. Von der Landschaft Albay ist
Camarnes durch die obenerwhnte Einsenkung zwischen dem Mazaraga und
Myon getrennt. Der Entdecker von Camarnes ist Don Juan de Salcedo,
den nrdlichen Theil entdeckte er bereits 1571, den Rest 1573. Die
Catanduanes-Inseln an der Ostkste von Camarnes sind aber nicht von
ihm, sondern vom Capitn Chaves (1573) besucht worden, ebenso die
Kstenstrecken in der Bucht von Ragay.

Calilaya oder Taybas umfasste den schmalen isthmusartigen Landstrich
Luzons, welcher vom Vulcane Mahayhay bis zu der von mir oben erwhnten
Nordwestgrenze von Camarnes reichte. Die nrdlichen Gestade (an
der Contracosta) wurden von Salcedo 1571 entdeckt, die sdlichen zur
selben Zeit vom Capitn Ibarra, ein Theil der an der Bucht von Ragay
liegenden Gestade wurde erst 1573 von Chaves betreten.

Die Landschaft Comintana oder Batangas wurde auch nach ihrer
grssten Stadt: Taal oder nach ihrem Binnensee, der Laguna de Bombon,
Bombon genannt. Sie umfasste die heutige Provinz Batangas und den
sdlichen Theil der Provinz Cavite. Ihre Gestade wurden von Goyti
und Salcedo 1570 entdeckt und diese Entdeckungen 1571 durch Ibarra
vervollstndigt. Die Laguna de Bombon wurde von Salcedo 1570 entdeckt,
die nrdlichen Ufer derselben wurden von ihm nur von der Ferne gesehen,
da er nur im sdlichen Theile des Sees an's Land trat.

Die Landschaften Manila und Tondo umfassten die heutige Provinz
Tondo-Manila ganz, ferner den nrdlichen Theil der Provinz Cavite und
Theile der Provinz Bulacn. Ihre Kste wurde von Goyti 1570 entdeckt,
wie denn dieser ungemein tchtige Baske der Entdecker der Bai von
Manila ist und nicht Salcedo. Die am Pasig gelegenen Theile wurden
1571 von Salcedo entdeckt und unterworfen.

Die Landschaft Laguna umfasste die ganzen Ufergebiete der Laguna de
Bay (frher auch "Bahi" genannt) und wurde 1571 von Salcedo entdeckt
und tributpflichtig gemacht.

Unter Pampanga verstand man in den Zeiten der Conquista nicht allein
die heutige Provinz gleichen Namens, sondern auch den nrdlichen Theil
von Bulacn, die sdliche grssere Hlfte des heutigen Zambales, den
sdwestlichen Theil von Nueva Vizcaya und das ganze heutige Nueva
cija, La Infanta und Batan. Die an der Bai von Manila gelegenen
Theile, die Corregidor-Insel (damals Marivelez genannt), entdeckte
1571 Goyti, alle brigen Gestadelandschaften des alten Pampanga's
wurden 1572 von dem Corts der Philippinen, dem ritterlichen Don Juan
de Salcedo, auf seiner Umseglung Nord-Luzons entdeckt. Salcedo liess
keine Bucht undurchforscht.

Pangasinn umfasste die Kstenlande des Golfs von Lingayen (Lingayan),
weshalb es auch Lingayen genannt wird. Die Halbinsel, welche zwischen
dem Golf von Lingayen und der Bucht von Bazol liegt und mit dem Cap
Bolinao endigt, gehrte damals zu Pangasinn, ebenso der sdlichste
Theil der heutigen Provinz Union. Pangasinn wurde von Salcedo 1572
entdeckt.

Ilcos umfasste den ganzen langgestreckten aber schmalen Kstensaum,
welcher vom Golf von Lingayen, und zwar vom Monte Sto. Tomas sich
bis ber das Cap Bogeador ausdehnt. Ilcos wurde ebenfalls 1572 von
Salcedo entdeckt und unterworfen.

Cagayn war das Land an der Nordkste Luzons und an den Ufern des Rio
Grande de Cagayn (dem Rio Tago lterer Werke). Auch hier begegnen
wir dem Namen Salcedo's wieder, der das Land entdeckte, aber nicht
unterwarf (1572).

Die nrdlich von Luzon gelegenen Babuyanes-Inseln wurden in der Zeit
zwischen 1581-85 entdeckt, von wem? ist nach dem mir vorliegenden
Quellenmaterial nicht zu sagen. Ich vermuthe, dass Capitn Carrion
sie entdeckte, als er eine japanische Piraten-Niederlassung an
der Kste Cagayns (in der Nhe des heutigen Aparri) verhinderte
und seine Schiffe den japanischen Flchtlingen nachsetzten. 1585
zhlte Philipp II. auf diesen Inseln bereits 1000 Unterthanen. Die
nrdlich von den Babuyanes gelegenen Batanes oder Bashee-Inseln
waren den Spaniern lange vor der angeblichen Entdeckung Dampier's
bekannt. So kehrte die Mannschaft des 1596 an der japanischen Kste
gescheiterten spanischen Schiffes S. Francisco ber die Batanes
nach Manila zurck, ohne dass diese Schiffbrchigen als Entdecker
dieser Inselgruppe bezeichnet werden, es mssen also die Batanes
schon vor 1596 den Spaniern bekannt gewesen sein. Erst in der Zeit
des nordamerikanischen Unabhngigkeits-Krieges wurden diese Inseln
von den Spaniern militrisch besetzt.




E. Mindanao mit dem Sulu-Archipel.

Es ist sehr schwer, die Entdeckungsgeschichte dieser Insel mit
apodiktischer Sicherheit wiederzugeben, denn nirgends waren die
ersten spanischen Seefahrer so freigebig mit Namensbezeichnungen,
die sich selten localisiren lassen, als hier.

In der ersten Zeit besass diese zweitgrsste Insel der Philippinen
gar keine Gesammtbezeichnung, sondern nur die Namen der einzelnen
Districte, denen das Wort Isla (Insel) vorgesetzt wurde, so dass man
glauben konnte, einen ganzen Archipel, statt einer einzigen grossen
Insel vor sich zu haben. Noch im Anfange des XVII. Jahrhunderts finden
wir Bezeichnungen wie: Isla de Caraga, Isla de Butuan &c. vor. Auf
diese Weise entstand die nie existirende Insel San Juan auf den alten
Karten im Nordosten von Mindanao, welche, nebenbei gesagt, noch in
Spruner's historischem Handatlas ihre mysterise Existenz ungestrt
weiterfristet. Der Name Mindanao war auf das Mndungsgebiet des Rio
Grande de Mindanao beschrnkt, wo das mchtige Sultanat gleichen
Namens sich bildete. Als durch die Jesuiten der Name Mindanao bald
zur Gesammtbezeichnung der ganzen Insel wurde, entstanden grssere
Confusionen selbst bei minder oberflchlichen Schriftstellern,
indem die Landschaft Mindanao, das gleichnamige Sultanat (welches
in seiner Blthezeit die ganze Westkste des Eilandes umfasste) und
die gesammten Inseln miteinander verwechselt wurden. Bei Benutzung
alter Werke ist daher grosse Vorsicht nthig, wenn man in denselben
auf den Namen Mindanao stsst, selbst wenn dort "Isla de Mindanao"
sich findet, ist oft nur das Mndungsgebiet des obenerwhnten Flusses
gemeint. Nur wenn wir auf den Namen La Isla Grande (de Mindanao)
stossen, ist jeder Zweifel berflssig. Die Variante Magindanao wurde
von spanischen Schriftstellern nur selten gebraucht. Der gediegenste
Historiker der Insel der selbst lange Jahre auf ihr zugebracht hatte
(Mitte des XVII. Jahrhunderts), P. Combes, schreibt stets Mindanao. Die
Leute Magallanes' nannten die Nordkste der vom Panguil-Busen sich
vom Hauptkrper abtrennenden westlichen Halbinsel Mindanao's Quipit
oder Quepindo, eine Bezeichnung, die sehr rasch in Vergessenheit
gerieth. Die Ost-Kste von Mindanao wurde schon damals nach ihrem
Hauptorte Costa de Caraga (bei Pigafetta: Calagan) genannt. Bernardo
de la Torre gab 1543 der ganzen Insel [61] den Namen Cesarea, doch
ist auch diese Bezeichnung vollstndig in Vergessenheit gerathen. Der
nrdliche Theil dieser Caraga-Kste hiess hier zur Zeit Legazpi's
vorbergehend nach einem Vorgebirge Costa de Cauit (Coauit). Zu
Ende des XVI. und Anfang des XVII. Jahrhunderts zerfiel Mindanao in
folgende (geographische) Landschaften, welche zum Theile sich mit
den gleichnamigen politischen Gebieten deckten: 1. Mindanao (das
Mndungsgebiet des Rio Grande de Mindanao und das zwischen diesem
Flusse und dem sdlichen Theile der Cordillera de Sugut oder Sujut
liegende Territorium). 2. Buhayen, auch Buhayan, Boayhan &c. genannt
(das Land zwischen dem Rio Grande und der Bahia de Sarangani, den
Oberlauf des mehrgenannten Flusses mit einbegriffen). 3. Caraga
umfasste die ganze Ostkste Mindanao's bis zum sdlichsten Punkte
der Insel, der Punta Tinaca; auch das ganze Gebiet des Flusses
Agusan, der bei Butuan mndet, wurde zu Caraga gerechnet. 4. Iligan
(die Kste zwischen Iligan und der Insel Camiguin). 5. Das Land
der Illanos und Malanao (das Territorium zwischen der Illanos-Bai
[62] und dem Panguil-Busen mit dem See von Malanao). 6. Sibuguey mit
Zamboanga [63], die langgestreckte Halbinsel umfassend, welche, von
dem Isthmus zwischen dem Panguil-Busen und der Illanos-Bai beginnend,
sich gegen Westen und Sdwesten ausdehnt und bei Zamboanga ihr Ende
findet. Zamboanga hiess damals Sampoangan.

Nach dieser kurzen Beschreibung der alten Eintheilung Mindanao's
will ich zur Registrirung der Entdeckung seiner Ksten bergehen,
wobei ich von dem Princip ausgehe, nur jene Entdeckungen zu melden,
welche sich aus den Quellen ohne jede mir verhasste Hypothesenreiterei
erweisen lassen.

Beginnen wir bei der Nordkste: Die Bai von Butuan sowie die
Surigao-Halbinsel entdeckte Magallanes 1521. Schwieriger ist es,
die Entdeckung der Insel Camiguin und der zwischen dem Panguil-Busen
und dieser Insel gelegenen Kstenstriche festzustellen. Grndlich
untersucht wurde dieses Gebiet durch die Expeditionen, welche Legazpi
von Ceb aus 1565-1569 nach Mindanao unter Sauz, Goyti und Isla
abschickte, weshalb ich auf meiner Kartenskizze es mit der Farbe
der Legazpi-Entdeckungen colorire, obwohl bereits die Expedition
des Villalobos einzelne Theile dieses Landes gesehen hat (Villalobos
selbst nicht, aber von ihm auf Lebensmittelrequisition abgeschickte
Schiffe). Der Panguil-Busen wurde wegen der Gefhrlichkeit seines
Fahrwassers, der Unwirthbarkeit seiner Gestade und der Feindseligkeit
seiner Umwohner von den ersten Conquistadoren nur an seiner breiten
Mndung besucht; vollstndig wurden seine Gestade erst in den Jahren
1639 und 1640 erforscht, als der khne Gobernador der Philippinen,
Corcuera, systematisch von allen Seiten den Angriff auf die
unabhngigen Malaien Mindanao's erffnete, um Spanien den Besitz
der ganzen Insel zu sichern. Bei dieser Gelegenheit wurde auch der
See von Malanao durch eine von Iligan abgehende Expedition entdeckt
und seine Gestade fr kurze Zeit Spanien zinspflichtig gemacht. Die
ganze Umgebung Dapitans wurde erst 1565 von Don Miguel Lopez de
Legazpi entdeckt. Es darf nicht verschwiegen werden, dass Dapitan
wahrscheinlich in der Zeit von 1531-1562 von Portugiesen besucht worden
war, da wir aber hierber keine sicheren Nachrichten besitzen, und
Legazpi selbst von den Eingeborenen Nichts ber eine frhere Ankunft
oder Anwesenheit von Europern erfuhr, so belassen wir den Spaniern
den Ruhm der ersten Entdeckung. Die Kste um das Cap Quipit wurde im
Jahre 1521 von Carvalho entdeckt. Die langgestreckte Halbinsel, an
deren sdlichem Ende Zamboanga liegt, wurde erst unter Legazpi nher
erforscht, als die Spanier, untersttzt von den Frsten von Dapitan,
jenes Land der Krone Castiliens unterwarfen, doch ist auch hier mehr
als wahrscheinlich, dass die Leute des Magallanes die ersten waren,
welche dieses Land gesehen hatten. Die Entdeckung des Mndungsgebietes
des Rio Grande de Mindanao gebhrt ohne alle Frage den Portugiesen,
ebenso nach meiner Vermuthung die Entdeckung der Punta Flecha. Die
Sdkste Mindanao's, sowie die Sarangani-Inseln entdeckten die Leute
des Magallanes auf ihrer Fahrt nach den Molukken.

Das Cap S. Augustin, sowie die gesammte Ostkste Mindanao's entdeckte
der Fhrer der Loaysa-Expedition, Toribio Alonso de Salazar, 1526. Die
Davao-Bai wurde erst 1578 durch Figuera in ihrem gesammten Gebiete
durchforscht.

Schwieriger ist, die Entdeckung der Sulu-Inseln Schritt fr Schritt
zu verfolgen. Die Sulu-Inseln wurden von den Spaniern Xol (nach der
neuen Orthographie: Jol) genannt und zu ihnen natrlich auch Basilan
gerechnet, welches damals nach einem seiner Kstenorte Taguima genannt
wurde. Magallanes segelte mitten durch den Archipel, Albo nennt hiebei
Sulu: Sol oder Soolou, Basilan aber: Jaguima (offenbar hat Navarrete
in letzterem Worte J fr T gelesen), spter wurde die Hauptinsel
einige Mal von einzelnen Spaniern aus den Molukken aufgesucht,
unter Saavedra (1529) hielt sich ein spanisches Schiff einige Zeit
in Sulu auf. Basilans Nordksten wurden noch unter Legazpi in der
Zeit 1566-1571 von den Spaniern betreten, die sdlichen Gestade erst
1578 von Figuera genau untersucht, der dasselbe bei der Hauptinsel
that. Figuera sah zwar auch Tawitawi, betrat aber dessen Boden nicht,
das geschah erst in den Zeiten Corcuera's, als dessen tapfere Seehelden
Almonte, Ugalde und Monforte den nach Tawitawi geflchteten Sultan
von Sulu zeitweilig belagerten.

So knnen wir aus dem Gesagten ersehen, dass, ungeschmlert die
unsterblichen Verdienste des Magallanes, Don Juan de Salcedo es war,
dem die Krone unter den Entdeckern und Conquistadoren der Philippinen
gebhrt. Das Innere der meisten Inseln ist noch heut' zu Tage eine
terra incognita, erst in der jngsten Zeit begann man das Versumte
nachzuholen, und unter diesen wissenschaftlichen Conquistadoren
begegnen wir auch deutschen Namen: Dr. F. Jagor, Dr. A. B. Meyer,
Prof. C. Semper und Dr. Ritter von Drasche. Am wenigsten durchforscht
sind Mindanao, Mindoro und Palawan, obwohl der tapfere spanische
Marine-Officier und Kartograph Don Claudio Montero y Gay zur nheren
Kenntniss der erstgenannten Insel sehr viel beigetragen hat.







ALPHABETISCHES REGISTER DER CITATABKRZUNGEN.


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konnte nur Auszge in der "Neuen Sammlung der Reisebeschreibungen"
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zur Aufklr. der Vlker- und Lnderkunde" benutzen.

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Zuiga--Martinez de Zuiga. Historia de Philipinas. Sampaloc 1803.



* Die mit einem Sternchen versehenen Werke habe ich nur aus zweiter
Hand benutzt.







NOTEN


[1] Ich werde demnchst eine bersichtliche Darstellung der Religion
der philippinischen Malaien verffentlichen.

[2] Vorlufig zu dreien: dem Ilocanischen im nrdlichen, dem
Tagalischen im mittleren und sdlichen Luzon, dem Visaya-Stamm im
Visayer-Archipel und Mindanao. Dem Tagalischen Stamme winkt der
sichere Sieg ber die beiden anderen.

[3] Die Spanier theilen die Malaien der Philippinen ein in "Indios",
d. s. Christen, Infieles oder Igorrotes (auch Cimarrones, Montescos,
Montaraces), d. s. Heiden und Moros, d. s. Mohammedaner.

[4] Sind nicht unter diesen "Armenios" richtig Parsis zu verstehen?

[5] Auch die Negritos von Tarlac (Pampanga) sind Ackerbauer, indem sie
Reis und Mais pflanzen (Cavada I, 164), ebenso pflegen die Negritos
von Camarnes Norte, vom Hunger getrieben, den Vicol-Malaien bei der
Bestellung der Reisfelder mitzuhelfen (Cavada II, 447).

[6] Dr. Schadenberg fand diese Bestattungsweise nicht allgemein vor,
dagegen besttigt sie Cavada (I, 221).

[7] hnlich berichtet Dr. Schadenberg (147) nach Serrano und Calayag,
dass die Negritos fr jeden verstorbenen Stammesgenossen einen Indier
(-Malaien) tdten.

[8] Pili, eine Art Canarium.

[9] Scheidnagel (S. 58) sagt treffend: Obwohl man sich sehr viel
Mhe gemacht, sie zu dem Lichte des Christenthums heranzuziehen,
so hat man doch nach meinem schlichten Verstande sehr wenig fr die
Pflege der wahren Moral gethan.

[10] Der Patianac scheint berhaupt vor allem Nackten seine Macht zu
verlieren. Er ist jener Spukgeist, der den Reisenden vom rechten Wege
abbringt und ihn sich verirren lsst. Geschieht diess den Tagalen,
so ziehen sie sich nackt aus und strecken die entblssten Genitalien
gegen den Wind, worauf der Patianac seine Kraft einbsst (Mas, l. c.).

[11] Barangay ist der Name einer in der Zeit der Conquista
gebruchlichen Schiffsgattung.

[12] Bei dem Missbrauch der auf den Philippinen mit dem Namen der
Igorroten getrieben wird, ist es kein Wunder, wenn man hie und da
von "igorrotes de Zambles" liest, es sind diess eben unsere wilden
Zambalen.

[13] Auf den Philippinen ist das Tabaksmonopol eingefhrt.

[14] Diess scheint ihr ursprnglicher Name zu sein, denn P. Mozo sagt
(Misiones, p. 62): "La primera nacion se llama Igolot, y corrompiendo
letras, suelen llamarla Igorrota". Auch Morga nennt sie "Ygolotes"
(Morga-Stanley 284).

[15] Nicht Hirsche wie Bastian (Reisen V, 272) erzhlt.

[16] Festlichkeiten rein privater Natur, welche mit ihren religisen
Anschauungen gar Nichts zu thun haben, werden Regnas genannt, wenn
sie vom ganzen Dorfe gefeiert werden, sind sie aber nur von einer
Familie veranstaltet, so heissen sie Bumaguil. Hier werden keine
Asiteras beigezogen (Lillo 30).

[17] Die Pungianen bei Pungian, die Quianganen bei Quiangan und die
Silipanen bei Silipan.

[18] Nach Mas, pobl. 27, Rohrstckchen.

[19] Mas, pobl. 5 und 12. Buzeta I, 54. Ilustracion 1860, 152.

[20] Dass sie nicht feige sind, geht daraus hervor, dass Hgel 1834
unter der Garnison Manila's auch einige Tinguianen bemerkte, wobei
er die Notiz macht: "Fr die Regimenter werden diese Mnner vor allen
anderen gesucht". Heute ist diess nicht der Fall, da die Conscription
eingefhrt ist.

[21] Diess und das Folgende nach Nr. 22 der Ilustracion 1860.

[22] Aus dessen Namen "Adam" gemacht wurde (von den Mnchen).

[23] Hauptwaffe der Apayaos.

[24] Die Apayaos tragen denselben Lendenschurz wie die Igorroten.

[25] Ausnahmsweise ist der Name dieses Gottes in deutscher Orthographie
nach Semper's Schreibweise wiedergegeben.

[26] Deutsche Orthographie.

[27] In Semper, Erdk. X, 265, wird nur von geraden Linien gesprochen,
in den Skizzen, 55, auch von krummen.

[28] Falsche Orthographie: Bicol.

[29] Nach Buzeta I, 205, besitzen die Vicols ein eigenes Feldmaass,
den Pisoson, gleich einer viereckigen Flche von 100 cast. Brazas
Lnge und 50 Brazas Breite.

[30] Es sind darunter die Piraten gemeint, welche von Sulu und
Mindanao aus im XVI., XVII. und XVIII. Jahrhundert die Philippinen
brandschatzten und um die Mitte des vorigen Jahrhunderts durch mehrere
Jahrzehnte sich auf verschiedenen Punkten Mindoro's festgesetzt hatten.

[31] Man findet oft die falsche Schreibweise Bisayas oder Bisayer,
mitunter auf lteren deutschen Karten auch Bissaier.

[32] Wohl zu unterscheiden von der gleichnamigen Insel, welche nrdlich
von Mindanao liegt und gleichfalls von Visayern bewohnt wird.

[33] Bellaco spanisch: Spitzbube.

[34] Spanisch: Klberbesitzer.

[35] Spanisch: Etwas, was in einer Sache zwei Mal vorkommt oder
enthalten ist.

[36] Dasselbe gilt von dem Namen Mananapes.

[37] Nur indirect benutzt.

[38] Gerade kurz vor der Ankunft der Spanier hatten von Moslims
bedrngte Bohol-Visayer ihre Insel verlassen und sich in Dapitan auf
Nord-Mindanao festgesetzt.

[39] Die hufigsten Krankheiten sind Syphilis, Elephantiasis,
Dysenterie und Fieberkrankheiten. Masern-Epidemien sind nicht sehr
hufig, sind aber, sobald sie auftreten, sehr verheerend.

[40] Tnze, welche nur von einem Mdchen getanzt werden, heissen
Panjalays; der Kriegstanz fhrt den Namen: Sayan oder Moro-Moro.

[41] "Alle Versuche, grssere Unternehmungen mit chinesischen Arbeitern
zu betreiben, sind bisher durch die inlndischen Arbeiter vereitelt
worden, die jene nicht dulden, sie durch offene Gewalt oder heimliche
Verfolgung vertreiben" (Jagor 252).

[42] Nhere Details in meinem Aufsatze ber diesen Gegenstand in den
Nummern 1-3 des Jahrgangs 1881 der sterreichischen Monatsschrift
fr den Orient.

[43] Nur Mnner.

[44] Ohne die Mestizen von Tayabas und Smar.

[45] Nach Buzeta's Schlusstabelle, pag. 143, im I. Bde des Werkes
findet sich die Angabe: 7000 espaoles  de raza espaola.

[46] Erst Anfang des XVII. Jahrhunderts konnte das Decret vollends
durchgefhrt werden.

[47] Magallanes' Chronisten schreiben: Masava, Massana; andere
Varianten sind: Dimasana, Limasana, Limasaba.

[48] Sgbu, Zubu, Zubuth mit Varianten wie: ubu &c.

[49] P. Francisco Combes. Historia de las islas de Mindanao, Jol y
sus adyacentes. Madrid 1667, p. 74.

[50] Man vgl. darber: Fray Juan de la Concepcion. Historia general
de Philipinas. Sampaloc (Manila) 1788-92. Bd. V, p. 378.

[51] Oder nur der Caragalandschaft?

[52] Cartas de Indias. Madrid 1878, fol. 119.

[53] Das Datum ist vom 24. September 1559.

[54] Fray Gaspar de San Augustin. Conquista de las Islas Philipinas,
Madrid 1698, p. 91.

[55] Urdaneta wird als der erste genannt, welcher die Sdsee von West
nach Ost durchschiffte; eigentlich gebhrt dieser Ruhm einem anderen
Officiere des Legazpi, dem Capitn Arellano, welcher auf dem Wege
nach den Philippinen desertirte und noch frher mit seinem von einem
Mulatten gesteuerten Schiffe nach Mjico gelangte als Urdaneta. Er
hatte diess gethan, um den Preis zu gewinnen, den der Knig auf die
erste Durchkreuzung der Sdsee von West nach Ost ausgeschrieben hatte.

[56] Die Schreibweise Bisayer ist unrichtig.

[57] Man vgl. darber: Fray Gaspar de S. Augustin, a. a. 0.,
p. 214 u. 515.--Fray Juan de la Concepcion. a. a. O., Bd. VIII,
p. 137.--Rafael Diaz Arenas, p. 30.--Buzeta y Bravo. Diccionario
geogrfico, estadstico, histrico de las Islas Filipinas, Madrid
1850, Bd. I, p. 285; Bd. II, p. 311.--M. C. Sprengel, Geschichte und
Beschreibung der Philippinischen Inseln (in Forster's und Sprengel's
Beitrgen zur Lnder- und Vlkerkunde, Leipzig 1782), S. 30.

[58] Damals auch Nebuy genannt.

[59] Unter den "Eroberungen" in den Visayern ist immer nur die
Unterwerfung der Kstenorte zu verstehen, denn die schwach bevlkerten
Binnenlandschaften sind zumeist noch heute unabhngig.

[60] Diese Schreibweise mit Il "Manilla" ist ganz falsch, sie findet
sich leider in vielen Lehrbchern der Geographie.

[61] Vielleicht nur der Caraga-Kste (?).

[62] In deutschen Karten findet man: Illana-Bai, das ist entschieden
falsch, denn in dem spanischen Worte Bahia Illana ist das letztere
Wort ein Adjectiv, hergeleitet von dem Substantiv Illano. Die Illanos
sind nmlich die Kstenbewohner jener Bai; es kann daher im Deutschen
nur richtig lauten: Illanos-Bai, Bai der Illanos oder Illanische Bai,
aber nie Illana-Bai.

[63] Das Gebiet von Zamboanga wurde auch "Land der Subanos" (ubanos)
genannt.






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Philippinen, by Ferdinand Blumentritt

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*** START: FULL LICENSE ***

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work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation information page at www.gutenberg.org


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at 809
North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887.  Email
contact links and up to date contact information can be found at the
Foundation's web site and official page at www.gutenberg.org/contact

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org

Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
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increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
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ways including checks, online payments and credit card donations.
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Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
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Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For forty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.

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