The Project Gutenberg EBook of Unsere Haustiere vom Standpunkte ihrer
wilden Verwandten, by Theodor Zell

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Title: Unsere Haustiere vom Standpunkte ihrer wilden Verwandten

Author: Theodor Zell

Release Date: January 5, 2018 [EBook #56317]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK UNSERE HAUSTIERE VOM STANDPUNKTE ***




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Im Original beginnt jedes Kapitel mit einer Illustration, die die
Tierart des folgenden Kapitels darstellt. Diese sind fr die reine
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                           Unsere  Haustiere

                      vom Standpunkte ihrer wilden
                               Verwandten

                      Fr jung und alt geschildert

                                  von

                                Th. Zell

                             [Illustration]

                              Berlin 1921

                  Buchhandlung Vorwrts, Berlin SW. 68




                               *Gewidmet*
             dem Andenken meiner unvergelichen Schwester,
             meiner unermdlichen Gehilfin bei allen meinen
                       Bchern und Aufstzen, der
                   =Frau verw. *Elisabeth Raetzell*=
                             geb. *Bauke*,
             geboren am 30. April 1860 zu Ketschendorf bei
              Frstenwalde, gestorben am 6. Dezember 1915
           zu Friedenau-Berlin, derenwegen ich den Decknamen
                        *Th. Zell* gewhlt habe.


_Copyright 1921 by Vorwrts-Verlag Berlin_




Vorwort.


Eine bessere Kenntnis des Tierlebens ist gerade in unseren Zeiten
wnschenswert, weil der Zusammenbruch unseres Vaterlandes uns zwingt,
die Bearbeitung der heimischen Scholle mit allen Krften zu frdern,
und hierbei eine Vertrautheit mit den Eigentmlichkeiten unserer
Haustiere von groer Wichtigkeit ist. Daher ist der Versuch gemacht
worden, die Tiere in ihrem Tun und Treiben dem Herzen des Volkes und
unserer Jugend dadurch nher zu bringen, da gezeigt wird, wie manche
uns befremdenden Handlungen der Tiere ganz verstndlich werden, wenn
man sich in ihre Lage hineinversetzt. Das Haustier hlt unverbrchlich
an den Gewohnheiten seiner wilden Verwandten fest und richtet sich
vielfach nach der Nase im Gegensatz zum Menschen, dessen wichtigster
Sinn das Auge ist, -- das ist der Schlssel des Geheimnisses.
Absichtlich ist bei der Darstellung von allem nicht unbedingt
erforderlichen gelehrten Kram abgesehen worden.

Es wre erfreulich, wenn namentlich die dem Tierleben so entfremdete
Grostadtjugend sich davon berzeugte, da die Beobachtung der
Haustiere und anderer Tiere eine berreiche Quelle wahrer Freuden in
sich birgt, die einen hinreichenden Ersatz fr die manchmal recht
zweifelhaften Gensse der groen Stdte bietet.

Die Begrndung fr die hier gegebenen Erklrungen findet sich in
meinen Bchern. Ebenso sind dort die Dinge nachzuschlagen, die hier
fortgelassen sind, weil sie nicht in den Rahmen des Buches passen,
beispielsweise, weshalb die Pferde sterben, wenn sie Bucheckern
fressen, die Katze Baldrian liebt, die Drohnen von den Bienen gettet
werden und dergleichen.

Fr die Hilfe, die mir auf pdagogischem Gebiet zuteil wurde, spreche
ich dem unermdlichen Vorkmpfer fr Volksbildung, Herrn J. Tews, und
Frau _Dr._ Anna Hamburger auch an dieser Stelle meinen aufrichtigen
Dank aus.

                              *Berlin* W 57, September 1920.

                              Der Verfasser.




Der Hund


1. Warum bellt der Hund?

Durch das geffnete Fenster schaue ich mit ein paar Knaben, die in
meinem Hause wohnen und gern Nheres von unseren Haustieren wissen
mchten, an einem schnen Frhlingsmorgen auf die Strae. In dem uns
gegenberliegenden Plttkeller wird die Tr geffnet, und mit lautem
Gebell strzt sich der uns wohlbekannte Spitz Peter in das Freie.
In diesem Augenblicke kommt gerade ein Radfahrer vorbergesaust. Auf
drehende Rder scheint es Peter wie die meisten Hunde abgesehen zu
haben, denn mit wahrer Wonne verfolgt er laut blaffend den Radler.
Da dieser um die nchste Ecke biegt, so entschwindet auch Peter
unsern Augen. Erst nach langer Zeit erscheint er wieder in unserm
Gesichtskreis. Jetzt sehen wir ihn schnffelnd berall am Boden
umhersuchen. In der Zwischenzeit hat ein Vorbergehender ein Stck
Unrat, anscheinend vollkommen verwestes Fleisch, auf die Strae
geworfen. Mit Staunen sehen wir, da Peter ausgerechnet dieses
ekelhafte Zeug mit Wonne beriecht und dann zu fressen beginnt. Hunger
kann ihn dazu nicht veranlassen, denn wir wissen seit Jahren, da die
beiden Schwestern, die im Plttkeller wohnen, groe Tierfreundinnen
sind. Sie darben es sich geradezu vom Munde ab, um es ihrem Lieblinge
zuzuschanzen. Eigentlich htten sie einen Hund zur Bewachung nicht mehr
ntig, seitdem sich die eine Schwester verheiratet hat. Als aber vor
zwei Jahren ihr damaliger Hund verunglckte, wurde freudig als Ersatz
der damals sechs Wochen alte Peter gewhlt, der ihnen als Geschenk aus
ihrem Bekanntenkreise angeboten wurde.

Nach dem Fressen scheint Peter Durst zu bekommen, denn er luft zum
Brunnen, um aus der unten angebrachten Vertiefung seinen Durst zu
lschen. Hierbei trinkt er nicht saugend wie ein Mensch, sondern lappt
das Wasser schnell hintereinander mit der Zunge. Das lange Rennen
scheint ihn ermdet zu haben, denn er sucht sich in der Nhe des
Plttkellers eine Stelle zum Hinlegen. Und zwar whlt er eine solche,
wo die Sonne recht schn hinscheint. Whrend andere Hunde sich vor dem
Hinlegen erst einige Male im Kreise herumzudrehen pflegen, knnen wir
dieses Drehen bei Peter in diesem Falle nicht beobachten, denn er legt
sich ohne groe Umstnde in die warme Sonne.

Wir wollen hier zunchst eine Pause machen, ehe wir das Tagewerk
unseres Helden weiter schildern.

Alles das, was hier von dem Spitz erzhlt worden ist, kann man
alltglich an zahlreichen Hunden beobachten, und selbst der Grostdter
hat hierzu Gelegenheit, wenn er nur die Augen offen hlt. So allbekannt
diese Vorgnge sind, so erscheinen sie jedoch in einem ganz anderen
Lichte, sobald wir uns die Frage vorlegen, weshalb der Hund so handelt.

Unser Peter hat zunchst gebellt. Warum bellt der Hund? Die Katze tut
es doch nicht, ebenso denken Pferde, Khe und andere Haustiere nicht
daran.

Um das zu verstehen, mssen wir etwas ausholen.

Hunde, Katzen, Pferde, Khe usw. sind ohne Frage Haustiere. Haustiere
nennen wir solche zahme Tiere, die in einem Lande des Nutzens oder des
Vergngens halber gezchtet werden.

Was waren nun die Haustiere frher, ehe sie der Mensch in seine
Gemeinschaft aufnahm? Von unseren Tauben wissen wir mit Bestimmtheit,
da alle Taubenrassen von einer einzigen Wildtaube, der Felsentaube,
abstammen, die an den Ksten des Mittellndischen Meeres heimisch ist.
Ebenso haben alle Kaninchenrassen ihre Vorfahren in den Wildkaninchen,
die Ziegenrassen in der Bezoarziege usw.

Hiernach ist anzunehmen, da der Hund frher als Wildhund lebte oder
aus einer Kreuzung von hundeartigen Verwandten, wahrscheinlich von
Wlfen und Schakalen, entstanden ist. Nheres soll hierber am Schlusse
gesagt werden.

Jedenfalls war der Hund frher ebenfalls ein Raubtier, wie es heute
noch seine Verwandten, die Wlfe, Schakale und Fchse, sind.

Wie der Mensch nun das, was seine Vorfahren getrieben haben, gewhnlich
beibehlt, so tut das Tier das noch in weit strkerem Mae. Wir essen
regelmig nur das, was bei uns blich ist, mgen auch benachbarte
Vlker andere Leckerbissen haben. So schwrmt der Italiener fr kleine
Singvgel, der Franzose fr Froschschenkel, whrend sich bei uns nur
wenige Liebhaber dafr finden. Das Tier hlt sich noch viel strenger
an den Speisezettel seiner Vorfahren. Das kommt natrlich daher, weil
es durch seinen Krperbau dazu gezwungen ist. Wie hufig sind in den
Kriegsjahren die Hunde mit Kartoffeln gefttert worden. Und doch
bleiben sie fast unverdaut, weil der Hund ein frheres Raubtier ist,
und Kartoffeln keine passende Nahrung fr ein Raubtier sind.

Also der Hund war frher ein Raubtier hnlich wie Wolf, Schakal und
Fuchs. Die Lebensweise dieser Verwandten mssen wir also kennen lernen,
um unsern Hund richtig zu verstehen.

Bellen nun Wlfe und Schakale? Sie denken nicht daran. Sie heulen sich
wohl, wenn die Dmmerung einbricht, zusammen, um gemeinschaftlich auf
Raub auszugehen. Denn sie sind Geschpfe, die es umgekehrt machen
wie der Mensch. Sie ruhen am Tage und sind in der Nacht ttig.
Selbstverstndlich gibt es auch bei uns in der Nacht ttige Personen,
wie Nachtwchter, Verbrecher, Bummler, aber diese kommen gegenber der
groen Menge anderer Menschen nicht weiter in Betracht.

Wie Wlfe und Schakale ist der Hund ein Raubtier. Das will sagen, da
er nicht wie die Pflanzenfresser von Grsern, Blttern, Moos, Rinde
und andern Pflanzenstoffen lebt, sondern andere Tiere zu tten sucht,
um sie zu fressen. Daraus knnen wir ihm keinen Vorwurf machen; auch
der Mensch ist kein reiner Pflanzenfresser. Das trifft hchstens bei
einem kleinen Kreise von Menschen zu, whrend die groe Menge Schweine,
Rinder, Gnse und andere wohlschmeckende Tiere mstet, um sie spter
zu verzehren. Ueberhaupt dienen fast alle unsere Haustiere unseren
eigenntzigen Zwecken.

Ein Raubtier, das ein anderes Geschpf erbeuten will, mu natrlich
vorsichtig zu Werke gehen. Denn der Pflanzenfresser hat durchaus keine
Lust, sein Grab im Magen des Raubtiers zu finden, sondern sucht sich
auf jede Weise davor zu bewahren. Wrden Wlfe, die gern einen Hasen,
einen Hirsch oder ein Reh fressen mchten, schon vor Beginn der Jagd
bellen, so wrden sich die Pflanzenfresser vorher in Sicherheit zu
bringen suchen.

So ist es denn ganz selbstverstndlich, da wilde Hundearten, wie die
in Indien hausenden Kolsums, nicht bellen, ebensowenig die Wlfe und
Schakale. Man hat sich darber gewundert, da die Hunde, die Kolumbus
in Amerika zurcklie, das Bellen verlernt hatten. Als man sie nach
langer Zeit wiederfand, waren sie verwildert und stumm geworden. Das
ist doch ganz natrlich. Sie muten auf eigene Faust, nachdem sie von
den Menschen verlassen worden waren, ihre Nahrung suchen. Bald merkten
sie, da sie um so schwerer Beute machten, je mehr sie vorher bellten.
Deshalb lieen sie das Bellen sein, wie es ihre Vorfahren getan hatten.

Das Bellen ist also eine Eigenschaft des Hundes, die der Wildhund nicht
besitzt. Wohl aber hat er eine Anlage hierzu, wie schon aus seinem
Geheul hervorgeht. Genau so liegt es bei anderen Haustieren. Wildenten
und Wildgnse hten sich, so viel zu schnattern wie unsere Hausenten
und Hausgnse. Wildenten und Wildgnse sind auf dem Lande fast immer
stumm, um sich ihren zahlreichen Feinden nicht zu verraten. Auch das
fortwhrende Krhen hat sich der Hahn als Haustier erst angewhnt.

Der Mensch fand bald heraus, da das Bellen des Hundes fr ihn vom
Vorteil war, weil es ihm den nahenden Feind oder einen Besuch anzeigte.
Deshalb bevorzugte er die Hunde, die am meisten zum Bellen geneigt
waren. Da solche Eigenschaften sich zu vererben pflegen, so hat der
Mensch fast allen Hunden das Bellen angezchtet. Am meisten eignen sich
hierzu die kleinen Hunderassen, die den grosprecherischen Menschen
gleichen, die mit Worten Helden sind, whrend ihre Taten zu wnschen
brig lassen. Sie haben zu dem Sprichwort Anla gegeben: Die Hunde, die
da bellen, beien nicht.

Zu den bellustigsten Hunderassen gehrt der Spitz, und demnach auch
unser Peter. Wegen seiner Klffreudigkeit, die alles Verdchtige
anzeigt, hat man ihn gern da, wo man auf Wachsamkeit Wert legt.

Wir sehen, da die Frage, warum der Hund bellt, gar nicht so leicht
zu beantworten ist. Nicht viel leichter sind seine anderen Taten zu
erklren.


2. Warum bellt der Hund sich drehende Rder an?

Peter hat wtend die Rder des vorberfahrenden Radlers angeklfft. Was
veranlat den sonst ziemlich harmlosen Hund zu solchem Aerger?

Hierfr mssen wir zwei Grnde annehmen. Wir wissen, da unsere Hunde,
wie die Wlfe, zu den Raubtieren gehren, die durch ihre Schnelligkeit
Hasen und andere Pflanzenfresser erbeuten. Das tun andere Raubtiere, z.
B. Katzen, nicht. Eine Katze rennt nicht hinter einem gesunden Hasen
her, um ihn zu fangen, obwohl sie Hasenbraten mindestens ebenso gern
frit wie der Hund. Sie beschleicht den Hasen, was der Hund kaum jemals
tut, weil er viel zu ungeschickt dazu ist. Der Hund ist also von Hause
aus ein Hetzraubtier, die Katze dagegen ein Schleichraubtier.

Fr jedes Hetzraubtier sind schnell vorberrauschende Gegenstnde
von grter Bedeutung. Kann es doch ein Pflanzenfresser sein, der
sich fr den ewig hungrigen Magen erbeuten liee. Darum mu sich der
Hund beeilen. Denn wenn ein schnellfiger Pflanzenfresser erst einen
gewissen Vorsprung hat, ist er schwer einzuholen. Die Katze dagegen
lassen schnell sich bewegende Rder ganz kalt, denn sie wei, da sie
schnell vorberhuschende Gegenstnde nicht einholen kann.

Es ist eine alte Erfahrung, da ein Mensch, der vor einem fremden Hunde
anfngt davon zu laufen, viel eher gebissen wird, als wenn er stehen
bleibt. In dem Hunde werden eben durch die schnellen Bewegungen des
Menschen die uralten Raubtierinstinkte wachgerufen.

Auer der Lebensweise der wilden Verwandten mu noch ein zweiter Punkt
bercksichtigt werden, der den meisten Menschen vollkommen unbekannt
ist: Die Sinne des Hundes sind durchaus verschieden von denen des
Menschen.

Der Jger wei seit Urzeiten, da der Hund viel besser mit seiner
Nase das Wild aufsprt, als er es je mit seiner Menschennase zu tun
vermchte. Gerade deshalb hat er sich einen Hund angeschafft. Es
ist selbst den meisten Grostdtern bekannt, da die Hundenase der
menschlichen berlegen ist. Aber die wenigsten wissen, da das Auge
des Hundes bei Tageslicht wenig taugt. Dafr seien einige Beispiele
angefhrt.

Ein Gutsbesitzer wunderte sich darber, da jedesmal, wenn er mit
seinem Wagen an den weidenden Khen vorberfuhr, die beiden Hirtenhunde
mit groem Geblaff die beiden vor dem Wagen gespannten Schecken, d.
h. wei und dunkel gefrbten Pferde, verfolgten. Er sprach mit dem
Kuhhirten darber, der ihm folgende Erklrung gab. Die Hunde halten die
beiden Schecken wegen ihrer hnlichen Frbung ebenfalls fr Khe und
wollen verhindern, da sie sich von der Herde entfernen. Deshalb laufen
sie mit Gebell hinterdrein.

Die Erklrung des Kuhhirten drfte durchaus richtig sein, wie man
ja berhaupt unter solchen Leuten ausgezeichnete Tierbeobachter
antrifft. Wie wenig mu aber das Hundeauge fhig sein, Einzelheiten zu
unterscheiden, wenn es ein Pferd mit einer Kuh verwechseln kann.

Der Schweizer Bildhauer Urs Eggenschwyler schildert eine hnliche
Verwechselung. Er hielt sich einen jungen Lwen von etwa sechs Monaten,
mit dem er spazieren ging. Ein Ziehhund hielt die mchtige Katze fr
Seinesgleichen und wollte mit ihr raufen. Erst als er sie vorher beroch
und pltzlich merkte, wen er vor sich hatte, flchtete er mit allen
Zeichen groer Angst.

Ein deutscher Forstbeamter in Ruland berichtete vor dem Weltkriege
folgendes Erlebnis. Sein Dachshund wurde von einem Wolf gepackt
und fortgeschleppt. Schnell scho er nach dem Ruber, der zwar
nicht getroffen wurde, aber die Beute fallen lie. Nachdem der Hund
wiederhergestellt war, flchtete das sonst so mutige Tier vor jedem
grauen Geschpf von Wolfsgre, z. B. vor einem Schafe.

Von eigenen Erlebnissen mchte ich hier nur folgende anfhren.

Wir hatten einmal einen Hund, der sich sehr zum Raufbold entwickelt
hatte, weshalb ich ihn an der Leine fhrte. Wie alle Hunde, suchte er
mit Vorliebe Hundebekanntschaften auf der Strae zu machen. In einer
ziemlich leeren Strae eines Vororts zerrte er pltzlich mchtig an der
Leine, was mich wunderte, da ich keinen anderen Hund erblicken konnte.
Dagegen hatte ein Arbeiter das Pflaster aufgerissen und arbeitete in
der Grube, wobei sein Rcken hervorschaute und sich hin und herbewegte.
Wie ich den Blick des Hundes verfolgte und die Leine nachlie, wollte
er wirklich auf diesen Mann zulaufen, dessen Rcken er fr einen Hund
hielt.

Sehr oft habe ich erlebt, da Hunde die auf Zunen verkehrt
aufgestlpten Geschirre fr Katzen hielten und anbellten.

Noch beweisender drfte folgender Vorfall sein. Wir, d. h. ich und etwa
ein halbes Dutzend Herren, waren bei einem Freunde zu einer Hasenjagd
eingeladen. Jeder fhrte einen prchtigen Hund bei sich. Es war im
Januar und schnster Sonnenschein, aber sehr windig. Wie wir das Revier
betreten hatten, sahen wir mit einem Male, da der Wind von der etwa
einige hundert Schritt entfernten Chaussee ein Stck braunes Packpapier
uns zutrieb. Ein menschliches Auge konnte mit Leichtigkeit bei dem
klaren Sonnenschein erkennen, was es war. Die Hunde dagegen hielten
das heranrollende Papier fr einen Hasen, und als wir zum Zwecke einer
Prfung sie loslieen, strzten sie alle darauf. Erst als sie kurz vor
dem Papiere in die Windrichtung gekommen waren, klrte sie ihre Nase
ber den Irrtum auf.

Das Auge des Hundes kann also bei Tageslicht keine Einzelheiten
unterscheiden. Daher rhren die groben Verwechselungen.

Was man dagegen anfhrt ist nicht stichhaltig. So hrt man oft
erwidern: Ein Hase, der ein paar hundert Schritt entfernt lief, wurde
von meinem Hunde gesehen. Folglich mu er gute Augen haben.

Der Schlu ist falsch. Der Hund hat nur gesehen, da sich etwas
Braunes bewegte. Er hat vermutet, da es ein Hase war, aber nicht
gewut. Ebenso beweist es nichts, wenn er einen im Schaufenster
ausgestellten ausgestopften Fuchs wtend anbellt. Denn er wrde ebenso
wtend bellen, wenn man diesen Fuchs mit einem rothaarigen Dachshund
vertauschte.

Dagegen sieht der Hund unzweifelhaft in der Dunkelheit besser als der
Mensch. Infolge der groen Pupillen, d. h. des Schwarzen im Auge,
fallen alle Lichtstrahlen in das Auge. So findet sich der Hund in
der Dunkelheit leicht zurecht, beispielsweise wenn wir mit ihm zur
Nachtzeit durch einen Wald wandern. Das ist auch gar nicht wunderbar,
denn wie Wlfe, Schakale und Fchse, ist auch der Hund ursprnglich ein
nchtliches Tier.

Gewhnlich heit es von der Katze, da sie ausnahmsweise ein
nchtliches Leben fhre. Das ist aber nicht zutreffend. Allerdings ist
die Katze noch mehr Nachttier als der Hund. Das kommt aber daher, weil
ihre Beutetiere, die Muse und Ratten, erst in der Dunkelheit aus ihren
Lchern kommen. Sie mu also aus diesem Grunde ihre Hauptttigkeit
in der Nacht ausben, whrend der Hund sich mehr der Lebensweise des
Menschen angeschlossen hat und deshalb als Haustier mehr am Tage ttig
ist.

Sodann nimmt das Auge des Hundes infolge seines Baues Bewegungen
schneller wahr als das des Menschen. Das mu man daraus schlieen,
weil alle Tiere mit schwachen Augen allgemein auf Bewegungen furchtbar
achten. Fr den Jger frherer Zeiten ist es oft eine Lebensfrage
gewesen, ein Stck Wild zu erbeuten, um seinen qulenden Hunger zu
befriedigen. Er hat daher stets zu den besten Tierbeobachtern gehrt.
Nun ist es seit alter Zeit fr den Jger ein feststehender Grundsatz,
angesichts eines Tieres, das er erbeuten will, niemals eine Bewegung
zu machen. Ein Hirsch, ein Reh, ein Fuchs und andere feinnasige
Tiere flchten gewhnlich nicht, wenn man regungslos stehen bleibt,
namentlich wenn die Kleidung mit der Umgebung bereinstimmt. Deshalb
trgt ja auch der Jger ein der Waldfarbe angepates Kleid. Die
geringste Bewegung gengt jedoch, den Hirsch, das Reh oder den Fuchs zu
einer blitzschnellen Flucht zu veranlassen.

Das Anbellen der Rder durch Hunde erscheint daher erklrlich, weil
sie als frhere Hetzraubtiere gern alles, was sich schnell bewegt,
verfolgen, damit es ihnen nicht entkommt, und weil das Auge der Hunde
Bewegungen sehr gut sieht.


3. Das Fressen unappetitlicher Sachen.

Peter hat, wie wir zu unserm Staunen sahen, schauderhaften Unrat mit
Wonne verzehrt. Auch das kann man nur verstehen, wenn man wei, da der
Hund ein frheres Raubtier war.

Wir wissen, da, wenn ein Mensch oder ein greres Tier stirbt, fr die
Beseitigung der Leichen gesorgt werden mu. Denn ohne eine derartige
Vorsorge knnten gefhrliche Krankheiten ausbrechen. Namentlich in
heien Lndern wrde die Gefahr sehr gro sein. Es ist nun fr die
Menschen in diesen Gegenden sehr bequem, da es zahlreiche Tiere gibt,
die ihm diese gerade nicht sehr angenehme Arbeit abnehmen. Namentlich
Geier, Hynen und Schakale finden sich bei jedem toten Tier ein, und in
kurzer Zeit ist alles aufgefressen.

In Europa sind besonders Wolf und Fuchs, auerdem aber auch das
Wildschwein neben den rabenartigen Vgeln als Aasfresser bekannt. Der
Hund ist seinen Verwandten in dieser Hinsicht sehr hnlich und hat
ebenfalls eine besondere Vorliebe fr verweste Dinge. Manche Hunde
pflegen sogar sich mit dem Rcken auf dem Unrat zu wlzen. Das ist fr
den Herrn besonders unangenehm, denn das Tier verpestet spter die
ganze Wohnung.

Reiche Leute sind oft entsetzt, wenn ihr Kter, der in ihrer Wohnung
nur die besten Sachen vorgesetzt erhlt, auf der Strae allerlei Unrat
verzehrt. Sie eilen gewhnlich dann mit dem Hunde zum Tierarzt, was
ganz berflssig ist. Im allgemeinen wei jedes Tier viel besser, was
ihm zutrglich ist, als der Mensch.

Ich bin oft gefragt worden, was man bei einem Hunde machen soll, der
ein sogenannter Parfmeur ist, d. h. sich den Rcken mit Unrat
einreibt. Manche Jger haben schon ihren Hund erschossen, nachdem alles
Prgeln vergeblich war. Sie haben das schweren Herzens getan, weil
gewhnlich Parfmeurs ausgezeichnete Hunde sind. Prgeln ist wertlos.
Der Hund versteht ja gar nicht, weshalb er Strafe bekommt. Jedem
Geschpfe riecht das schn, was ihm bekmmlich ist. So riecht dem Hunde
der Unrat wunderbar schn, weshalb er sich von dem Duft etwas mitnehmen
mchte. Wie der Mensch sich ein Veilchen in das Knopfloch steckt, so
wlzt sich der Hund mit dem Rcken im Unrat. Ich habe immer gefunden,
da die Leute es am besten machten, die ihren Hund bevor er die Wohnung
betrat, erst nach einem Teich oder Graben fhrten und ihn etwas daraus
apportieren lieen. Dann war er ohne groe Umstnde wieder gereinigt.

Jedenfalls darf ein Mensch, der auf Sauberkeit hlt, niemals einen Hund
kssen. Weil der Hund als frherer Aasfresser jeden Dreck beschnuppert,
deshalb soll man namentlich Kindern aufs strengste verbieten, ein
Hundemaul ihrem Gesicht zu nahe kommen zu lassen. Es wird spter
besprochen werden, da hierbei noch andere Gefahren drohen.


4. Das Lappen des Wassers mit der Zunge.

Wenn wir einem Pferde oder Schafe beim Saufen zusehen, so bemerken
wir, da es die Lippen in das Wasser steckt und saugend trinkt. Hunde
dagegen, wie die meisten Raubtiere, lecken das Wasser mit ihrer langen
Zunge. Sie sind dadurch imstande, einen Teller mit einer Flssigkeit
ganz rein zu lecken, whrend der Mensch, wenn er das gleiche Ziel
erreichen wollte, zu diesem Zwecke den Teller hochkippen mte.

Die Pflanzenfresser, die den Tag ber ein- oder zweimal zum Wasser
laufen, um ihren Durst zu lschen, knnen sich eine Wasserstelle
aussuchen, die tief genug ist, um das Trinken durch Saugen zu
gestatten. Bei den Raubtieren aber liegt die Sache anders. Sie
kommen bei der Verfolgung oft in Gegenden, wo weit und breit
keine Trinkstellen anzutreffen sind, hchstens infolge eines
vorhergegangenen Regens ganz flache Wasserpftzen. Trotzdem knnen sie
mit ihrem Lappen den Durst stillen.

Unser Peter lappt also das Wasser unten am Brunnen, weil das groe
Hundemaul zum Saugen schlecht pat, und weil das Schnellen mit der
Zunge fr Raubtiere vorteilhaft ist.

Uralter Aberglaube ist es, da der Wolf, im Gegensatz zum Hunde, das
Wasser nicht lappt, sondern wie ein Schaf suft. Ich habe mir daraufhin
im Zoologischen Garten smtliche Wolfsarten beim Saufen angesehen
und konnte feststellen, was so auch ganz selbstverstndlich ist, da
sie genau wie unsere Hunde das Wasser mit der Zunge lappen. Da der
Aberglaube unausrottbar ist, so sei hier das bei dieser Gelegenheit
immer wieder aufgetischte Mrchen erzhlt.

Hiernach befnden sich unter den Jungen der Wlfe hufig solche,
die aus einer Paarung mit Haushunden herrhrten. Diese sogenannten
Wolfshunde seien als ausgezeichnete Hunde von den Bewohnern besonders
geschtzt. Deshalb warteten diese, bis die Wlfin ihre Jungen zum
Wasser fhrte. Hierbei stellte sich nmlich der Unterschied zwischen
den echten Wlfen und den Wolfshunden heraus. Jene sffen als Wlfe wie
die Schafe, whrend die Wolfshunde, weil sie von Hunden stammten, wie
diese lappten. Die Wlfin wre ber diese ungeratene Brut emprt und
stiee sie ins Wasser, damit sie ertrnken. Die Landbewohner warteten
auf diese Verstoung der eigenen Kinder und fingen die zappelnden
Wolfshunde auf, um sie grozuziehen.

Dieses Mrchen ist ganz albern. Es ist nicht wahr, da der Wolf anders
trinkt als der Hund. Bei seinem groen Rachen ist das Trinken, wie
das Schaf es tut, ausgeschlossen. Trotz seiner Albernheit wird dieses
Mrchen von ernsten Mnnern weiter erzhlt, als wenn sie selbst ein
Dutzend Wolfshunde in der geschilderten Weise aufgefangen htten.


5. Der Platz in der Sonne und am warmen Ofen. Das Sich-herumdrehen vor
dem Hinlegen.

Es ist nicht weiter wunderbar, da unser Peter sich in die Sonne gelegt
hat. Denn die Vorliebe des Hundes fr einen warmen Platz ist sehr
bekannt. Der Landbewohner, der das ganze Jahr ber beobachten kann,
mit welchem Wohlbehagen die Hunde in dem warmen Sonnenschein ihre
Glieder strecken, sagt zu seinen Kindern, wenn sie ebenfalls ruhen
und ihren Gliedern die bequemste Lage geben, sie sollen sich nicht
rekeln. Rekel oder Rkel ist nmlich der Hund, und der Sinn der Worte
ist natrlich der, sie sollen es nicht dem Hunde nachtun, der in der
Sonnenwrme ruht.

Noch bekannter ist die Vorliebe des Hundes fr den warmen Ofen, woher
die Redensart stammt, den Hund vom warmen Ofen fortlocken. Allgemein
heit es, da es fr den Hund sehr schdlich sei, sich am warmen Ofen
aufzuhalten, und da es daher gut sei, ihn davon fortzujagen.

Wir haben schon frher darauf hingewiesen, da ein Tier gewhnlich weit
besser versteht, was ihm frommt, als der Mensch. Der Hund gehrt wie
seine Vettern Wolf, Fuchs usw. eben zu den nchtlichen Tieren. Alle
nchtlichen Tiere haben das Bedrfnis, zur Erhhung ihrer Krperwrme
warme Stellen aufzusuchen.

Es kommt einfach daher, da die Katze, wenn sie sich sonnt, weit
weniger auffllt, weil sie das mit Vorliebe auf Dchern tut, wo sie
vom Menschen nicht gesehen wird. Fchse sind oft vom Jger berrascht
worden, wenn sie sich am Tage von den warmen Sonnenstrahlen bestrahlen
lieen und hierbei die Annherung des Jgers bersehen hatten. Die
Eulen, diese ausgesprochenen Nachttiere, gehen in der Gefangenschaft
zugrunde, wenn man ihnen nicht Gelegenheit gibt, sich von der warmen
Sonne bescheinen zu lassen.

Wenn also ein sonst abgehrteter Hund hin und wieder am Ofen liegt, so
braucht man sich darber nicht aufzuregen. Denn im allgemeinen wird es
fr seine Gesundheit vorteilhaft sein.

Vor dem Hinlegen pflegen die meisten Hunde sich einige Male
herumzudrehen. Der groe Naturforscher Darwin erklrte diese
merkwrdige Bewegung damit, da sich die Wildhunde in der Vorzeit erst
herumdrehen muten, ehe sie in dem dichten Grase eine geeignete Stelle
zum Niederlegen hatten. Diese Ansicht drfte aus folgenden Grnden
nicht richtig sein. Bei groer Hitze dreht sich der Hund berhaupt
nicht vorher herum, sondern streckt alle Viere mglichst weit von sich.
Auch drehen sich die Wildhunde dort, wo dichtes Gras steht, nicht vor
dem Hinlegen herum. Der Hund dreht sich vielmehr immer dann herum,
wenn er warm liegen und zu diesem Zwecke den Krper einen Kreis bilden
lassen will, damit mglichst wenig Auenflche vorhanden ist. Um den
Kreis bei seinem ungelenken Rckgrat herauszubekommen, gibt sich der
Hund vorher mehrmals einen Schwung durch Herumdrehen.


6. Das Alter des Hundes.

Wir sprachen vorhin davon, da Peter etwa zwei Jahre alt ist. Welchem
Alter des Menschen entspricht ein solches Hundealter?

Ein alter deutscher Ausspruch sagt, da ein Menschenalter gleich
drei Pferdealtern sei, und ein Pferdealter wiederum drei Hundealtern
gleichkomme. Dieser Ausspruch ist recht ungenau. Setzt man ein
Menschenalter auf 70 Jahre, so kmen auf das Pferd fast 25 Jahre, was
etwas hoch ist. Auf den Hund kmen aber nur etwa acht Jahre, was viel
zu wenig ist.

Gewhnlich setzt man das Alter des Hundes auf 10 bis 12 Jahre fest.
Manche nennen auch 15 Jahre, sogar 30 Jahre. Wie beim Menschen kommt es
natrlich sehr auf die Lebensweise an. Es gibt Menschen, die hundert
Jahre alt werden, whrend andere schon mit fnfzig Jahren verbraucht
sind. Aehnliches beobachten wir bei den Hunden. Unter gnstigen
Verhltnissen erreichen sie ohne Frage ein Alter von etwa 18 Jahren.
Das ist mir von verschiedenen Hundebesitzern besttigt worden, und ich
habe nach meinen eigenen Beobachtungen keinen Anla, daran zu zweifeln.
So fllt mir folgendes Erlebnis ein, das sich im tiefsten Frieden
vor etwa ein Dutzend Jahren ereignete. Ich war auf einer Wanderung
begriffen und kehrte in dem Gasthof eines Dorfes nicht weit von Berlin
ein. Die Besitzerin war eine reiche Buerin, die sehr viel Land und
Vieh besa. Mir fiel der Hund auf, da er anscheinend sehr bejahrt war,
und ich erkundigte mich bei der Wirtin nach seinem Alter. Die Frau
erzhlte mir, da er gleichzeitig mit ihrer Tochter, die jetzt achtzehn
Jahre alt sei, Geburtstag feiere. Das wollte ich nicht glauben und
ich fragte bei einem zweiten Besuche die Tochter nach dem Alter des
Hundes. Diese machte die gleichen Angaben wie ihre Mutter und erzhlte
mir noch mancherlei von dem Tiere. Namentlich ist mir noch folgendes
im Gedchtnis geblieben: Ihre Mutter knne sich von dem alten Tier
nicht gut trennen und sei deshalb vor einiger Zeit mit ihm zum Tierarzt
gegangen. Dieser habe sich den Hund angesehen und dann gesagt: Frau
Krger, haben Sie nicht eine Schrotflinte zu Hause? Da sei ihre Mutter
furchtbar wtend geworden und mit dem Hunde fortgegangen. Seitdem wolle
sie von dem Tierarzt nichts mehr wissen.

Bei gesundem Leben auf dem Lande, wo der Hund sich unter natrlichen
Verhltnissen befindet, ist also ein Lebensalter von achtzehn Jahren
nicht unmglich.

Wenn ein Geschpf kaum zwei Jahrzehnte alt wird, so mu es natrlich
frher als der Mensch erwachsen sein. Das ist auch bei dem Hunde der
Fall. Mit sechs Wochen entwhnt man ihn gewhnlich von der Milch der
Hndin, und mit sechs Monaten pflegt er die volle Gre zu erreichen.
Aber richtig ausgewachsen ist er erst mit zwei Jahren.

Hier liegt ein groer Unterschied zwischen Mensch und Hund vor. Der
Hund erreicht seine volle Gre schon nach einem halben Jahre, whrend
der Mensch etwa achtzehn Jahre alt werden mu. Ist der Mensch aber mit
achtzehn Jahren zu seiner vollen Gre gelangt, so ist er sicherlich
mit 24 Jahren vollkommen ausgewachsen. Diese Verschiedenheit mu
natrlich ihren Grund haben und hat ihn auch. Die Aufklrung finden wir
wieder dadurch, da wir an die Lebensweise der wilden Verwandten denken.

Die Wlfe paaren sich im Januar oder Februar. Nach 63 Tagen, also etwas
ber zwei Monaten, gewhnlich im April, wirft die Wlfin etwa drei bis
zwlf, gewhnlich vier bis sechs Junge.

Die im Frhjahr geworfenen Welpen (Wolfsjunge) knnen sich in der
schnen Jahreszeit prchtig entwickeln. Kommt der Herbst heran, so
haben sie schon die Gre eines Wolfes und mssen sie haben. Denn
jetzt rudeln sich die Wlfe zusammen, um gemeinsam whrend der kalten
Jahreszeit auf alles Getier Jagd zu machen. Wren die jungen Wlfe
nicht schon so gro wie die alten, so wrden sie nicht imstande sein,
gemeinsam langdauernde Hetzen zu machen. Auch wrden sie, wenn endlich
der Elch oder der Hirsch erbeutet ist, bei den gemeinschaftlichen
Mahlzeiten weggebissen, wohl gar gettet werden.

Da Hund und Wolf die gleiche Tragezeit haben, so verstehen wir, weshalb
sich jeder Hundekenner einen im April oder Mai geworfenen Hund zur
Aufzucht whlen wird. Genau so liegt die Sache bei der Katze. Bei dem
Menschen ist es gleichgltig, ob er im Winter oder im Sommer geboren
ist. Denn er kann das Versumte nachholen. Ein Hund dagegen oder
eine Katze, die im August geboren ist, kann niemals die mangelnde
Entwicklung nachholen. Denn wenn der nchste Sommer kommt, sind sechs
Monate schon vorber, und die Entwicklung bereits abgeschlossen.

Die jungen Hunde knnen bei der Geburt weder sehen noch hren. Erst
nach neun bis zwlf Tagen ffnen sich ihre Augen.

Allgemein herrscht der Glaube, da man das vortrefflichste Junge an
folgendem Merkmal erkennen kann. Man bringt die Jungen auf eine andere
Stelle, dann wird es zuerst von der Mutter zum Lager zurckgetragen
werden. Erfahrene Hundezchter bestreiten jedoch, da das richtig sei.

Warum hat nun der Mensch nur ein Kind, hchstens zwei bis vier, der
Hund dagegen manchmal 15 und 18 Junge? Auch das hat natrlich seinen
Grund, den wir ausfindig machen, wenn wir uns die Lebensweise der
wilden Verwandten nher ansehen.

Im Winter zwingt der Hunger die Wlfe, sich an groe wehrhafte
Pflanzenfresser, also Wildrinder, Wildschweine, Elche usw. zu wagen.
Wenn auch gewhnlich das Rudel Wlfe siegreich bleibt, so verkaufen
die Pflanzenfresser ihr Leben nicht billig. Ein paar Wlfe mssen
gewhnlich daran glauben. So sagt schon ein altes Jgersprichwort: Wer
Eberkpfe haben will, mu Hundekpfe daransetzen. Das heit also, da
die Ueberwindung eines starken Keilers, d. h. mnnlichen Wildschweins,
ein paar Hunde kostet, die von den Hauern des Borstentieres zuschanden
geschlagen werden. Bei den anderen Wildhunden liegt die Sache hnlich.
Die Hynenhunde in Afrika sollen den Lwen, die Kolsums in Asien
den Tiger angreifen, wobei natrlich ein Rudel sehr viel Mitglieder
verliert.

Der Hund mu also deshalb so viel Junge haben, weil er in jedem Jahre
bei seinen Angriffen zahlreiche Kameraden verliert. Diese Lcken mssen
notgedrungen ausgefllt werden.

An mancherlei Eigentmlichkeiten ersieht man, da der Hund, wenn er
auch mit sechs Monaten bereits die volle Gre erlangt hat, doch erst
mit zwei Jahren wirklich erwachsen ist. Die Jugend ist am meisten zum
Spielen aufgelegt, und so sind auch junge Hunde sehr spiellustig.

Die Einflung des Spieltriebes bei jungen Menschen und jungen Tieren
dient natrlich gewissen Zwecken. Die Kinder und die Jungtiere sollen
sich nmlich fr ihre knftigen Lebensaufgaben die Glieder strken.

Jetzt verstehen wir, weshalb junge Hunde regelmig Haschen spielen,
junge Katzen aber nicht. Hunde sind Hetzraubtiere, schnelles Laufen ist
demnach bei ihnen die Hauptsache. Katzen erbeuten aber ihre Nahrung
nicht durch Hetzen.

Der junge Hund ist nicht nur spiellustig, sondern ihm fehlt auch noch
der feste Grundzug seines Wesens, der sogenannte Charakter. Sehr
oft wollen Leute ihren jungen Hund weggeben, weil er zu Fremden zu
zutraulich ist, keinen Mut zeigt und berhaupt zu waschlappig ist. Da
viele Hunde, die in der Jugend zu solchen Beanstandungen Anla gegeben
haben, sich mit zwei Jahren vollkommen verndert haben, so kann man
ber den Grundzug eines Hundes vor Erreichung dieses Alters kein Urteil
abgeben.


7. Die Rassen (Unterarten) des Hundes.

Peter ist, wie schon erwhnt wurde, ein Spitz, und zwar ein sogenannter
Wolfsspitz von grauer Farbe. Die Hunde gehren zu den Sugetieren,
denn sie werden von ihren Mttern gesugt. Mit den Vgeln, Fischen,
Reptilien, z. B. Schlangen, und Amphibien, z. B. Frschen, gehren
die Sugetiere zu den Wirbeltieren d. h. den Rckgrattieren, deren
Krper eine Wirbelsule durchzieht, im Gegensatz zu den andern Stmmen
des Tierreichs. Zu den letztgenannten gehren z. B. die Schnecken und
andere Weichtiere, die Insekten und andere Gliederfer, die Wrmer und
andere mehr.

Die Sugetiere zerfallen in zahlreiche Ordnungen, so in die Affen,
die dem Menschen hnlich sind, die Nager, z. B. die Ratten mit ihren
Nagezhnen, die Huftiere, z. B. die Pferde mit ihren harten Hufen,
die im Gegensatz zu denen der meisten anderen huftragenden Tieren
nicht gespalten sind, und in die Raubtiere. Ein Kennzeichen fr das
Raubtier ist das Gebi. Denn wenn ein Tier nicht von Pflanzen, sondern
von anderen Tieren leben will, so mu es sie vorher tten. Da Tiere
kein Handwerkszeug besitzen, so mssen sie hierzu geeignete Gliedmaen
haben, also entweder bewehrte Fe wie die Katzen oder ein zum Tten
geeignetes Gebi.

Hunde haben keine Wehrpfoten, ebenso auch die anderen hundeartigen
Geschpfe nicht (die sogenannten Kaniden). Wehrpfoten nennt man auch
Pranken oder Branten. Es ist also falsch, wenn man von den Pranken des
Wolfes spricht, denn er besitzt keine. Wlfe, Schakale, Wildhunde,
Fchse usw. knnen mit ihren Pfoten nicht kmpfen. Sie knnen damit
nur rennen oder graben. So kann ein Hund sehr schnell ein Museloch
aufbuddeln, was die Katze nicht nachmachen kann. Ebenso knnen sie
Stlle unterwhlen, um zu den Insassen zu gelangen. Hunde haben also
Renn- oder Grabpfoten.

Als Ersatz fr die fehlenden Wehrpfoten, womit die Katzen auer ihrem
Gebi ausgestattet sind, haben die Hunde ein mchtiges Gebi. Ein
Dachshund kann einen Fuchs abwrgen, was die gleichgroe Katze mit
ihrem kleinen Maule nicht knnte.

Der Hund, der wie der Mensch zunchst ein Milchgebi bekommt, hat
ausgewachsen 12 Schneidezhne 4 langhervorragende Eckzhne, oben 12 und
unten 14 Backenzhne. Er hat dnne Beine und vorn meist fnf, hinten
vier Zehen an den Fen. Seine Krallen sind nicht zurckziehbar. Er
ist ein Zehengnger, d. h. er geht nicht wie der Mensch oder Br auf
der Fusohle, sondern auf den Zehen. Sein Knie befindet sich daher am
Bauche, nicht, wie man so hufig hrt, in der Mitte des Beines. Wenn
wir recht schnell fortkommen wollen, laufen wir brigens auch auf den
Zehen.

Von den Hunderassen sollen nur die in Deutschland bekanntesten
angefhrt werden.

Auf den ersten Blick sieht man, da die Spitze mit den Schferhunden
groe Aehnlichkeit haben. Am hufigsten drfte jetzt der deutsche
Schferhund zu sehen sein, whrend es frher der Colly oder schottische
Schferhund war. Zwergform des Spitzes ist der sogenannte Zwergspitz.

Zu den Schferhunden mu man auch die Pudel und Pinscher stellen. Den
Pudel kennt jedes Kind wegen seines auffallenden Haarwuchses. Von den
Pinschern sieht man jetzt sehr hufig den Dobermann-Pinscher, whrend
der frher sehr beliebte Schnauzer seltener ist. Auch hier gibt es
Zwergformen, nmlich die glatthaarigen Pinscher, z. B. Rehpinscher, und
die rauhhaarigen Pinscher, die sogenannten Affenpinscher.

Ein echter deutscher und sehr schner groer Hund ist die deutsche
Dogge. Etwas kleiner ist der deutsche Boxer, der im Gegensatz zur
englischen Bulldogge auf geraden Beinen steht. Die Zwergform der
Doggen ist der Mops, den man jetzt selten zu Gesicht bekommt. Sehr
beliebt dagegen ist jetzt die franzsische Zwergbulldogge mit ihren
Fledermausohren. Andere hierher gehrige groe Hunde sind der
Neufundlnder und die Bernhardiner.

Von Jagdhunden drfte dem Grostdter der kleine krummbeinige
Dachshund oder Dackel am bekanntesten sein, da er viel gehalten wird,
ferner der ewig unruhige, bellustige Terrier, der in seiner Frbung
an ein Meerschweinchen erinnert. Den Gegensatz zum Dachshund bildet
der Windhund, dem man schon uerlich an seinen hohen Beinen seine
Schnelligkeit ansieht. Die Zwergform von ihm ist das Windspiel,
das sehr zierlich, aber gegen Klte sehr empfindlich ist. Zu den
eigentlichen Jagdhunden gehrt der Vorstehhund oder Hhnerhund, wobei
natrlich unter Hhner nicht die Haushhner, sondern die im freien
Felde hausenden Rebhhner gemeint sind. Hhnerhund ist also ein Hund,
der zur Jagd auf Rebhhner bestimmt ist, indem er nmlich dem Jger
durch seine feine Nase die Stellen anzeigt, wo sich Rebhhner aufhalten.

Von auslndischen Hunden wre allenfalls noch zu erwhnen der als
Polizeihund vielfach verwendete Airedaleterrier, der wie unser groer
Pinscher aussieht, aber einen schwarzen Rcken besitzt. Sehr auffallend
ist auch der Skye(kai)-Terrier, der an eine dicke Wurst, die stark
behaart ist, erinnert.


8. Der Zeitsinn der Tiere.

Kehren wir jetzt zu unserem kleinen Helden zurck. Der Mann seiner
Herrin, der jetzt auch sein Herr ist, geht zur Arbeit, und Peter
pflegt ihn bis zur Haltestelle der Straenbahn zu begleiten. Es ist
merkwrdig, welchen Zeitsinn ein Tier besitzt, denn er hat sich
bereits erhoben und wartet unruhig auf das Erscheinen seines Herrn.
Lustig springt er an ihm hoch und apportiert zunchst ein auf den Damm
geworfenes Stck Holz. Das tut er jeden Morgen, denn er apportiert sehr
gern. Das wei sein neuer Herr, und da er auch ein groer Tierfreund
ist, so tut er dem Hunde den Gefallen. Hat er Zeit, lt er das Tier
mehrmals apportieren, denn Peter ist unermdlich darin. Heute aber hat
er es eilig, und so mu sich der Hund mit dem einen Male begngen.
Peter bringt seinem vorangeeilten Herrn das Stck Holz und luft
dann ein Stck voraus. Die schne Morgensonne hat auch ein anderes
Nachttier, eine groe Katze, veranlat, sich vor dem Keller in ihren
Strahlen ordentlich zu erwrmen. Peter bellt sie zwar mchtig an, aber
er mu von seinem Herrn oder von ihr frher ordentliche Hiebe erhalten
haben, denn er ist sehr vorsichtig. Die Katze macht zwar einen Buckel,
aber sie denkt nicht daran, in den Keller zu flchten. Ueberdies wird
der Ausbruch eines Streites durch die Dazwischenkunft seines Herrn
verhindert, der Peter abpfeift und ihm streng alle Angriffsgelste
verbietet.

Peter verschwindet jetzt unseren Augen, aber wir brauchen nicht lange
zu warten, so taucht er wieder in unserem Gesichtskreise auf. Denn die
Haltestelle ist nur wenige Schritte von der Ecke entfernt, und die
Fahrgelegenheit im allgemeinen gnstig. Peter bummelt jetzt heimwrts
und will dabei, wie es alle Hunde tun, mit jedem ihm begegnenden
Artgenossen Bekanntschaft schlieen.

Hchst merkwrdig ist es nun fr unsere Begriffe, da sich zwei
Hunde, die sich kennen lernen wollen, nicht wie Menschen ins Gesicht,
besonders in die Augen sehen, sondern da sie sich gegenseitig
beriechen und ausgerechnet auch noch an der Verlngerung des Rckens.
So tut es auch unser Peter mit einem ihm begegnenden Terrier. Die
Untersuchung mu nicht zur gegenseitigen Zufriedenheit ausgefallen
sein, denn beide Hunde nehmen die Stellung von Kampfhhnen an und
fletschen die Zhne. Weilten wir in der Nhe, so wrden wir sicherlich
auch das Knurren der beiden Tiere hren. Doch auch hier kommt es
nicht zu einer Beierei, da der Besitzer des Terriers seinen Hund am
Halsband packt und fortreit. Befriedigt zieht Peter seines Weges,
doch sein Selbstbewutsein erleidet pltzlich einen starken Sto. Eine
groe Dogge nhert sich ihm mit anscheinend sehr wenig freundlichen
Gefhlen. Peter klemmt den Schwanz zwischen die Beine und flchtet
nach seinem Keller. Kaum ist er in seinem Bereiche angelangt, so dreht
er sich um und bietet seinem Feinde mutig die Spitze. Auch die Dogge
hat anscheinend vor dem fremden Eigentum Achtung, denn sie setzt ihre
Verfolgung nicht fort. Nachdem sie verschwunden ist, und Peter trotz
seines wiederholten Bellens nicht die Tre geffnet wird, was sonst
stets der Fall ist, scheint unserem Spitz der Gedanke zu kommen, da
seine eigentliche Herrin in der Zwischenzeit fortgegangen ist. Das ist
auch in der Tat der Fall gewesen, denn wir haben sie kurz nach dem
Weggange ihres Mannes den Keller verlassen sehen. Peter schnuppert
jetzt vor dem Keller sorgfltig umher und sucht anscheinend die Fhrte
seiner Herrin. Nach mehrfachem Hin- und Herrennen folgt er schlielich
einer Spur, die, wie wir wissen, richtig ist. Doch ist es leicht
mglich, da der Hund nur deshalb die richtige Spur hlt, weil seine
Herrin in der Frhe regelmig diesen Weg zu machen pflegt.

Auch hier wollen wir zunchst eine Pause machen und die Handlungsweise
unseres Peter zu verstehen suchen.

Es ist seit alten Zeiten bekannt, da Haustiere sich pnktlich zu ihren
Mahlzeiten melden. Wenn sich nun jemand darber wunderte, wodurch
das Tier die Stunde der Mahlzeit wisse, da es doch keine Uhr kenne,
so wurde erwidert, da die eigentliche Uhr sein Magen sei, der ihm
die rechte Zeit angebe. Auch knne beispielsweise ein Hund an den
Vorbereitungen, z. B. an dem Decken des Tisches leicht erkennen, da
es bald etwas zu essen gbe. Es ist nun gewi richtig, da man berall
mit den einfachsten Erklrungsversuchen einer Sache auf den Grund gehen
soll. Aber es gibt zu viele Flle, die sich mit der Magenuhr beim
besten Willen nicht erklren lassen.

So wohnte ich bei einem Manne, dessen groer Neufundlnder tglich
seinem Tchterchen um 12 Uhr entgegen lief, um ihr die Schulmappe zu
tragen, wenn sie aus der Schule kam. Woher wute nun der Hund, da es
kurz vor 12 war? Gegessen wurde erst um 1 Uhr.

Ein Kaufmann, der tglich um 5 Uhr sein Geschft schlo, versicherte
mir, da sein Hund, der sonst unter seinem Schreibtisch ruhig lag,
fast auf die Minute genau sich erhebe und seinen Herrn schwanzwedelnd
anblicke, ob es nicht nach Hause gehe. Auf seinen Wunsch habe ich mir
den Hund und sein Benehmen im Geschft mit eigenen Augen angesehen.
Der Vorfall spielte sich in Friedenszeiten ab, so da der Hunger als
Magenuhr nicht in Betracht kam. Ueberdies hat der Kaufmann seinen
Hund whrend der Geschftszeit bis 5 Uhr reichlich gefttert, damit
ihn nicht etwa die Erwartung auf das Essen in der Wohnung veranlasse,
seinen Herrn zum Aufbruch aufzufordern.

Bekannt ist es auch, da gefangene Zugvgel in der Nacht, wo ihre
Artgenossen nach dem Sden gezogen sind, hchst unruhig im Kfig
umherflattern.

Bei der Jagd ist es eine allbekannte Erscheinung, da z. B. ein Rehbock
auf die Minute aus dem Walde tritt, um sich auf das Feld zu begeben,
wo er fressen will. Ebenso zeigen sich die Schnepfen im Mrz fast um
dieselbe Zeit, gewhnlich dann, wenn die Glocken gelutet werden.

Ein aufmerksamer Tierbeobachter kann oft wahrnehmen, da Hunde sich um
dieselbe Zeit treffen, um gemeinsam zu spielen oder zu jagen.


9. Der Ortssinn der Tiere.

Ebenso rtselhaft wie der Zeitsinn der Tiere ist ihr Ortssinn. Gerade
bei Hunden mu man oft ber ihn staunen.

Wir kennen alle die Geschichte von dem Peter in der Fremde. Er hat es
endlich durchgesetzt, da er auf Reisen gehen darf. Jetzt aber kommt er
an einen Kreuzweg, und niemand ist da, der ihn zurechtweist.

Man sollte meinen, da die Tiere erst recht in Verlegenheit wren,
sobald sie an einen Kreuzweg gelangten. Wir Menschen knnen uns
wenigstens dadurch helfen, da wir die Straen benennen und den Husern
Nummern geben. So knnen wir verhltnismig leicht nach Hause finden,
indem wir uns die Strae und die Nummer des Hauses merken, wo wir
wohnen.

Obwohl der Hund nicht lesen kann, auch wegen seines schwachen Gesichts
davon keinen Gebrauch machen knnte, findet er doch die Strae
regelmig wieder, in der sein Herr wohnt. Auch ber das Haus ist er
sich gewhnlich im klaren. Niemals sieht man ihn an einer Straenecke
stehen und sich berlegen, wohin er eigentlich laufen soll, wie es doch
unser zweibeiniger Peter getan hat.

Besen die Tiere nicht einen hervorragenden Ortssinn, so wre es ganz
ausgeschlossen, da man das vllige Erblinden von Hunden und Pferden
manchmal erst durch einen Zufall merkt. Beim Menschen ist es unmglich,
da man nicht seine Blindheit merken sollte. Es hat noch niemand aus
Versehen einen Gehilfen in Stellung genommen, der, wie sich spter
herausstellte, blind war. Aber sehr hufig werden Pferde gekauft, die
blind sind.

Bei einem unserer Hunde, der vollkommen blind war, habe ich immer
wieder darber staunen mssen, wie leicht er sich in den gewohnten
Rumen zurechtfand. Da die Blindheit uerlich kaum erkennbar war,
so merkte kein Besucher sein Leiden, zumal er sich mit groer
Geschwindigkeit bewegte.

Auch wir waren uns erst darber klar geworden, da er gnzlich blind
war, als er eines Tages mit groer Wucht gegen ein Spind, das von
seiner Stelle gerckt war, rannte. Da wir uns von dem Hunde nicht
trennen wollten, zumal er noch nicht sehr alt war, so haben wir ihn
noch etwa zwei Jahre in diesem Zustande behalten. Allerdings haben wir
whrend dieser Zeit die Mbel an ihrer Stelle stehen lassen mssen,
denn bei jeder Ortsvernderung rannte das Tier dagegen. Er wute
es ganz genau, da die Treppe acht Stufen hatte, denn er lief sie
fabelhaft rasch hinauf. Nur in der letzten Zeit seines Lebens hat er
sich geirrt und sprang hufig, wenn er bereits oben war, nochmals in
die Luft. Er glaubte also, es kme noch eine Stufe.

Es ist unzhlige Male vorgekommen, da neu gekaufte Hunde ausrcken und
zu ihrem alten Herrn laufen. So kaufte ein Bekannter von mir, der am
Melchiorplatz wohnte, von einem Freunde in Pankow einen jungen Dackel
und fuhr mit dem Tiere in einem Stadtbahnzuge nach Hause. Ich habe
den kleinen Burschen, der sehr ngstlich zu sein schien, mehrere Male
gesehen. Nach einiger Zeit schien sich der Dachshund mit seiner neuen
Herrschaft, sehr tierfreundlichen Personen, ausgeshnt zu haben. Eines
Tages war er dem Mdchen, das ihn auf dem Platze an der Leine fhrte,
entwischt und konnte trotz allen Suchens nicht gefunden werden. Nach
stundenlangen ergebnislosen Nachforschungen kam mein Bekannter auf
den Gedanken, seinen Freund in Pankow von dem Verlust telephonisch
in Kenntnis zu setzen. Wie erstaunte er aber, als er hrte, sein
Freund wollte ihn soeben telephonisch benachrichtigen, da der an ihn
verkaufte Hund soeben in Pankow eingetroffen sei.

Der Hund war in Pankow geboren und niemals von der Besitzung
fortgekommen. In Berlin war er nur an der Leine auf dem Platze
spazieren gefhrt worden. Der Weg von Pankow nach Berlin war im
Stadtbahnzuge zurckgelegt worden. Dieses junge, ngstliche Tier hatte
also den Mut gehabt, durch das Straengewirr der Grostadt den Weg
nach der Heimat zu suchen. Was uns in Staunen versetzt, ist eben die
Fhigkeit, ohne Kompa und ohne Karte den richtigen Weg zu finden.

Auf den Ortssinn der Tiere kommen wir noch an anderen Stellen zu
sprechen. Der Ha des Hundes gegen die Katze wird besser da errtert
werden, wenn wir uns mit unserer Mieze beschftigen.


10. Das Apportieren (Herbringen von Gegenstnden) des Hundes.

Peter ist, wie wir sahen, ein Freund vom Apportieren. Es ist allgemein
bekannt, da die meisten Hunde gern apportieren. Fr den Jger ist
diese Eigenschaft von der grten Wichtigkeit. Was ntzte es ihm, da
er eine Ente geschossen hat, die im Wasser umhertreibt, wenn sich nicht
sein Hektor freudig in die Fluten strzte und sie herbeibrchte?

Auf das willige Apportieren des Hundes wird demnach von vielen
Hundebesitzern mit Recht ein bedeutender Wert gelegt. Hufig kann man
sie mit groem Selbstbewutsein uern hren: Meinem Hunde habe ich das
Apportieren grndlich beigebracht.

Diese Ansicht ist nicht ganz richtig. Der Mensch liebt es, seine
Leistungen zu berschtzen.

Hinge es ganz allein von uns ab, den Tieren das Apportieren
beizubringen, so mte es uns auch bei den anderen Haustieren glcken.
In Wahrheit ist es schon sehr schwer, einer Katze das Apportieren
zu lehren, und apportierende Khe und Ziegen hat wohl noch niemand
gesehen, obwohl Ziegen recht kluge Tiere sind.

Die Behauptung, die man allgemein hrt, da das Apportieren des Hundes
ein Werk des Menschen sei, drfte also nicht zutreffend sein.

Ein scheinbarer Grund spricht fr diese Ansicht, indem man darauf
hinweist, da es widersinnig sei, wenn ein freilebendes Tier etwas
schleppe, was zum Genusse eines anderen Geschpfes bestimmt sei.

In Wirklichkeit kommt dergleichen sehr oft vor, denn auch im Tierreiche
ist die Mutterliebe unendlich opferwillig. Alle Tiermtter und viele
Tiervter schleppen ihren Jungen, die ihnen zu folgen nicht imstande
sind, die Nahrung nach dem Lager oder Neste. Bei den Vgeln werden die
im Neste hockenden Jungen von frh bis spt von den Eltern gefttert,
die den Kleinen unermdlich passende Nahrung zutragen. Das hat gewi
schon jeder einmal beobachten knnen. Im Gegensatz zu den Vgeln
sind es bei den Raubtieren gewhnlich die Mtter allein, die das
Heranschleppen der Beute besorgen. Alle diese Tiere apportieren also
bereits in der Freiheit, da sie verzehrbare Gegenstnde, die ihnen
selbst gut schmecken wrden, fr andere tragen.

Hunden und Katzen als frheren Raubtieren liegt das Apportieren schon
im Blute. Mancher junge Hund von drei Monaten nimmt bereits ein Stck
Holz ins Maul und rennt damit herum. Das tte eine Katze niemals. Gewi
kann man unsere Mieze, wenn man sie sehr lobt, falls sie eine gefangene
Maus bringt, dazu veranlassen, da sie von jetzt an jede Maus, die sie
erbeutet hat, ihrer Herrschaft erst zeigt, bevor sie diese verzehrt.
Aber das Apportieren ist bei den Katzen immer eine Ausnahme, whrend es
bei den Hunden die Regel ist.

Warum besteht eine solche Verschiedenheit? Um das zu verstehen, mssen
wir uns an das erinnern, was vorhin ber die Beine von Hunden und
Katzen gesagt wurde. Der Hund hat Renn- und Grabpfoten, aber keine
Pranken, wie die Katze.

Der Hund ist also in bezug auf Waffen schlechter gestellt als die
Katze. Dafr hat er als Ausgleich ein mchtiges Gebi, das viel grer
ist als das der Katze. Mit seinem groen Rachen kann er natrlich viel
leichter apportieren als die Katze.

Hierzu kommt noch die Verschiedenheit der Lebensweise zwischen
Wildhunden und Wildkatzen. Wenn der Wolf ein Schaf abgewrgt hat oder
der Fuchs eine Gans oder ein Huhn gestohlen hat, so drfen sie es nicht
an Ort und Stelle verzehren, sondern mssen es fortschleppen. Sonst
wrde ihnen der Hirte mit seinen Hunden, der Jger mit seinem Gewehr
oder der Landmann mit seinem Knttel auf den Pelz rcken.

Das Tragen im Maule, das doch ohne Frage die Grundlage des Apportierens
ist, kommt also bei den hundeartigen Geschpfen, also Wlfen, Fchsen,
Wildhunden alltglich vor.

Um so seltener ereignet es sich bei der Wildkatze, da sie ihr Opfer
unvermutet zu berfallen pflegt. Nur ausnahmsweise braucht sie es
fortzuschleppen. Gewhnlich kann sie ihre Beute an der verborgenen
Stelle des Ueberfalls auch verzehren.

Weil den Hunden das Apportieren infolge ihres groen Rachens sehr
leicht fllt, so haben bereits manche Wildhunde eine Leidenschaft
dafr. In Nordamerika leben zwei Wolfsarten, nmlich der groe Waldwolf
und der nur fuchsgroe Coyote. Von dem letztgenannten ist es allgemein
bekannt, da er mit Vorliebe leblose Gegenstnde im Maule trgt. Den
Rinderhirten in diesem Lande, den sogenannten Cowboys, ist diese
Erscheinung so bekannt, da sie sich hierfr eine Erklrung nach ihrem
Geschmack zurechtgemacht haben. Sie behaupten, der Coyote trage deshalb
gern Sachen im Maule, weil er seine Kiefer strken wolle.

Ja, die Apportierlust so mancher Wildhundarten kann den Reisenden
hchst lstig fallen. In Sdamerika lebt eine Fuchsart, der Aguarachay.
Die Reisenden, die im Freien bernachten, verwnschen ihn in allen
Tonarten. Wenn sie am andern Morgen aufwachen, dann fehlt ihnen ein
Schnupftuch, oder ein Zaum, oder ein Steigbgel, oder hnliche Dinge.
Von den Eingeborenen hren sie, da der Dieb der genannte Fuchs sei.
Jeder Zweifel ist deswegen ausgeschlossen, weil zahlreiche bekannte
Forscher bereinstimmend das gleiche berichten. Auch ein guter
Bekannter von mir, der zehn Jahre in Sdamerika gelebt hat, wurde oft
von diesem Fuchs bestohlen.

Um ein Haar wurde der berhmte Polarforscher Nansen durch die
Apportierlust der Eisfchse in die grte Verlegenheit gebracht. Wie
er in seinem bekannten Werke: In Nacht und Eis schildert, wurde ihm
zur Nachtzeit von den Eisfchsen ein Thermometer fortgetragen. Zum
Glck besa er noch ein anderes, sonst htte die Aufzeichnung der
Temperaturmessungen, die fr den Polarforscher zu den wichtigsten
Dingen gehrt, unterbleiben mssen.

Das Tragen von Gegenstnden im Maule ist also fr alle Hundearten etwas
seit Urzeiten Uebliches. Bei den Wildkatzenarten knnen wir dagegen
hnliches nicht beobachten. Deshalb lernt der Hund das Apportieren
spielend leicht, die Katze dagegen schwer. Genau genommen lehrt der
Mensch den Hund nicht das Apportieren, sondern der Hund besitzt diesen
Trieb, und der Mensch ntzt ihn fr sich aus.

Damit der Jagdhund seinem Herrn eine Beute, die der Hund selbst gern
frit, also einen Hasen oder ein Kaninchen, willig apportiert, mu er
natrlich gut gefttert werden. Lt man ihn hungern, so frit er von
dem Nager oder er verscharrt ihn heimlich, um spter davon fressen zu
knnen.

Peters Apportierlust ist also, wie wir aus der Lebensweise seiner
wilden Verwandten erkennen, nichts Ungewhnliches. Bei dieser
Gelegenheit sei bemerkt, da man es vermeiden soll, einen Hund Steine
apportieren zu lassen, wie es Kinder so gern tun. Zwar hat der Hund,
wie wir wissen, ein krftiges Gebi, um Knochen zu zermalmen, aber es
soll nicht dazu dienen, Steine zu packen. Auch knnen Steine leicht
verschluckt und dadurch das Leben des Tieres schwer gefhrdet werden.
Wer also seinen Hund lieb hat, lt ihn keine Steine apportieren.

Aus meiner Kinderzeit ist mir noch ein Bilderbogen in Erinnerung,
auf dem geschildert wurde, wie ein Mann sich vor einer schweren
Erkltung durch die Apportierlust seines Hundes rettet. Er hat ein
erfrischendes Bad genommen und seinen Hund zur Bewachung seiner Kleider
zurckgelassen. Als er frstelnd aus dem Wasser steigt, will ihn
sein Hund nicht zu seinen Kleidern lassen, da er seinen Herrn nicht
erkennt. Alle Versuche, zu seinen Kleidern zu gelangen, scheitern, bis
schlielich dem frierenden Herrn der rettende Gedanke kommt, seinen
Hund apportieren zu lassen, was er, wie er wei, leidenschaftlich gern
tut. Whrend der Hund im Wasser das Stck Holz sucht, kann sich sein
Herr anziehen. Kaum steckt er in seinen Kleidern, so erkennt auch der
Hund seinen Herrn wieder.

Dieser Fall scheint durchaus glaubhaft zu sein. Das Hundeauge war nicht
imstande, seinen Herrn am Gesicht zu erkennen. Aber auch die Nase
versagte, da der eigentmliche Geruch durch das Bad verflogen war. Erst
als der Herr durch das Anziehen der Kleider wieder seinen dem Hunde
bekannten Geruch hat, ist alles in schnster Ordnung.


11. Die Bedeutung des Geruchssinnes. Der Eigentumssinn der Hunde.

Die Behauptung, da ein Hund seiner Nase mehr traut als seinen Augen,
wird am berzeugendsten dadurch bewiesen, da sich zwei Hunde, die
sich begegnen, gegenseitig beriechen. So hat es auch Peter mit seinem
Artgenossen getan. Wrde der Hund ein scharfes Auge besitzen, so wre
dieses Beriechen ganz zwecklos. Der Mensch, der sich in erster Linie
nach den Augen richtet, also ein Augentier wie die Affen und die Vgel
ist, richtet sich erst dann nach dem Geruch, wenn seine Augen ihn im
Stich lassen. Wei ich beispielsweise nicht, ob eine Flasche, die
mit einer hellen Flssigkeit gefllt ist, Essig oder Petroleum oder
Spiritus enthlt, so rieche ich daran. Mit den Augen allein kann ich
das nicht entscheiden. So sehen wir, da in der Apotheke der Provisor
alle Augenblicke an den Flaschen riecht, weil hier nur die Nase
Bescheid geben kann, woraus der Inhalt besteht. Auch fr den Koch und
den Parfmhndler ist es sehr wichtig, eine gute Nase zu haben.

Wir sagen gewhnlich, da der Geruch zu den niederen Sinnen gehre.
Ganz richtig drfte das nicht sein. Wer seine Wohnung betritt, ohne
zu riechen, da der Gashahn aus Versehen geffnet geblieben ist, kann
leicht ums Leben kommen. Ebenso sitzt unsere Nase deshalb oberhalb des
Mundes, damit wir die Speisen, die wir zu uns nehmen, vorher durch
den Geruch prfen. Viele Menschen sind schon deshalb erkrankt, weil
sie verdorbene Speisen genossen haben. Htten sie vorher ihre Nase
gebraucht, so wren sie vor diesem Schaden bewahrt geblieben.

Naturvlker und Jger werden ganz entschieden bestreiten, da der
Geruch zu den niederen Sinnen gehre. Sie erleben jeden Tag, welche
Bedeutung der Geruchsinn ihres Hundes fr sie hat. Der Jger will Enten
schieen. Ob welche im Schilfe des Sees stecken, knnen wir mit unsern
Augen nicht feststellen. Aber der Hund mit seiner Nase kann es sofort.
Ebenso zeigt er uns, ob ein Fuchs- oder Dachsbau bewohnt ist oder
nicht, wo die Hhner im Kartoffelkraut stecken, wohin der Hase, der
Hirsch, das Reh geflchtet ist.

Hat sich der Hase mit seinem braunen Fell auf dem Acker in einer
Sasse, d. h. ausgehhlten Stelle geduckt, was er mit Vorliebe tut,
so ist er fr unsere Augen unsichtbar. Wir sagen dann, er sei durch
seine Schutzfarbe gerettet. Denn da die Frbung seines Leibes mit
seiner Umgebung verschwimmt, so ist er durch die Farbe geschtzt. Fr
den Hund gibt es keine Schutzfarbe. Mag der Hase noch so hnlich wie
seine Umgebung aussehen, so hat er doch eine andere Ausdnstung. Und
diese Ausdnstung wird von der feinen Nase des Hundes wahrgenommen, und
Freund Hase ist entdeckt.

So wrde ein Hund nie unsere Mrchen verstehen, wonach Kinder im Walde
ausgesetzt werden und nicht wieder nach Hause finden. Wollte ihn
jemand aussetzen, so wrde er einfach die Nase auf die Erde setzen und
denselben Weg zurcklaufen.

So liee sich noch vieles anfhren, woraus hervorgeht, da der Geruch
ein ungeheuer wichtiger Sinn ist. Vorlufig wollen wir es genug sein
lassen. Wir werden nochmals darauf zurckkommen, wenn wir von den
Polizeihunden und ihren Leistungen sprechen.

Peter hat, wie wir sahen, bei dem Terrier, mit dem er sich beroch,
geknurrt und die Zhne gezeigt. Vor der groen Dogge dagegen ist er mit
eingeklemmtem Schwanz geflchtet.

Es wrden sich noch vielmehr Menschen Hunde halten, wenn nicht die
gegenseitige Beierei blich wre. Und zwar kann man beobachten,
da die gleichen Geschlechter am meisten zum Beien geneigt sind.
Ein mnnlicher Hund oder Rde wird gern mit einem andern Rden
kmpfen, aber einer Hndin wird er nichts tun, vielmehr sich bei ihr
einzuschmeicheln suchen.

Wie bei den Menschen, so haben auch die Sugetiere verschiedene
Geschlechter. Peter ist ein Mnnchen, also ein Rde. Der Terrier, den
er traf, war ebenfalls ein Rde. Beide waren nicht abgeneigt, sich das
Fell gegenseitig zu zerzausen.

Der Grund der Kampflust liegt darin, da bei den Wildhundarten der
strkste Hund das Rudel als unbedingter Selbstherrscher leitet. Ein
Auflehnen gegen seine Herrschaft gibt es nicht.

Wer der strkste im Rudel ist, kann sich immer erst durch eine Beierei
feststellen lassen. Jeder Hund ist also bereit, dem andern zu zeigen,
da er zum Herrn, sein Gegner zum Diener berufen ist.

Bei den halbwilden Eskimohunden ist noch heute die Alleinherrschaft
des strksten Hundes im Rudel, der Baas genannt wird, blich. Altert
der Baas, so verliert er die Leitung und ein jngerer Hund, der der
krftigste des Rudels ist, tritt an seine Stelle.

Da sich gewhnlich nur Hunde von gleichem Geschlecht beien, so haben
Gastwirte gewhnlich Hndinnen. Denn die Gste halten sich regelmig
Rden, weil die Hndin viel Umstnde verursacht, namentlich dann, wenn
sie Junge hat.

Ein Glck ist es, da groe Hunde gewhnlich das Geklff kleiner Kter
unbeachtet lassen. Aber es kommen auch Ausnahmen vor. So hat Peter
schon seit Wochen durch sein andauerndes Anbellen und Herausfordern den
Zorn der groen Dogge erregt. Vor ihr flchtet er mit eingeklemmtem
Schwanze.

Dieses Sinkenlassen des Schwanzes drfte eine Eigentmlichkeit aller
Hundearten sein. Von den Eskimohunden her wissen wir auch den Grund
dafr. Kein Hund des Rudels darf an dem Baas, dem Leiter, vorbergehen,
ohne den Schwanz sinken zu lassen. Tut er es nicht, so wird er durch
Bisse gestraft.

Das Sinken des Schwanzes bei Peter ist also ein deutliches Zeichen
seiner Furcht.

Trotzdem dreht er sich herum gegen seinen Feind, sobald er in dem
Bereiche des Kellers ist. Denn hier macht sich sein Eigentumssinn
geltend.

Von allen unseren Haustieren hat eigentlich nur der Hund wirklichen
Eigentumssinn. Ein Pferd lt sich von einem fremden Menschen stehlen,
ohne sich im geringsten dagegen zu wehren.

Warum besitzt der Hund Eigentumssinn?

Wir mssen wieder bei den wilden Verwandten fragen.

Es ist klar, da sich ein solcher Sinn bei Pflanzenfressern schwerlich
entwickeln wird. Denn ein Streiten um den einzelnen Bissen findet bei
ihnen nicht statt, weshalb manchmal verschiedene Tierarten friedlich
nebeneinander weiden. Am bekanntesten ist das Zusammenweiden von
Zebras, Gnus und Strauen in Afrika.

Wildhunde dagegen, die ein greres Tier, einen Hirsch oder eine
Antilope, erbeutet haben, kmpfen um jeden Bissen. Hieraus erklrt sich
auch das fr uns widerwrtige Fressen des Hundes von Erbrochenem.

Wrde bei der gemeinsamen Mahlzeit ein Hund nicht schlingen, so bekme
er so gut wie gar nichts. Um recht viel zu erhalten, pret er so viel
in den Magen hinein, wie nur mglich ist. Nachher geht er abseits und
gibt das Gefressene von sich. Denn alle Hundeartigen haben ihren Magen
sehr in der Gewalt, weshalb es so schwer ist, Wlfe oder Fchse zu
vergiften.

Weil also Wildhunde gewhnlich jeden erhaschten Bissen verteidigen
mssen, deshalb haben Hunde einen sehr ausgeprgten Eigentumssinn.

Hierzu kommt noch folgendes. Jedes Rudel bewohnt einen bestimmten
Bezirk und behandelt jeden Fremden, der ihn betritt, als Feind. Auch
heute noch halten die verwilderten Hunde in den trkischen Stdten an
bestimmten Straen und Gassen fest. Jedes Rudel berfllt einen nicht
zu ihnen gehrigen Hund und zerreit ihn, wenn er nicht rechtzeitig
flchtet.

Jagdhunde sind gewhnlich wenig bissig. Wenn aber ein Fremder einen von
einem Jagdhunde erbeuteten Rehbock oder Hasen berhren will, dann kann
er etwas erleben. Denn selbst der gutmtigste Hund wird dann gefhrlich.

Es entspricht also ganz dem ausgesprochenen Eigentumssinn des Hundes,
da Peter kehrt macht gegen seinen Verfolger. Auch der Verfolger
achtet das fremde Eigentum in gewissem Sinne. In Drfern kann man das
alltglich erleben. Ein Bauer hat einen Hund, der auf der Strae jeden
andern Hund anrempelt; dasselbe Tier ist sehr gesittet, wenn es der
Bauer auf ein fremdes Gehft mitnimmt. Es lt sich auch dort von einem
kleinen Kter anblaffen, der solches niemals auf der Strae wagen wrde.

Kommt es zu einer wirklichen Beierei zwischen zwei groen Hunden,
so ist jedes Prgeln gewhnlich aussichtslos und obendrein sehr
gefhrlich. Die Hunde sind in ihrer Wut fast gefhllos und beien
selbst ihren eigenen Herrn, wodurch schon mancher um einen Finger
gekommen ist.

Nur die Nase, das empfindlichste Organ des Nasentieres, bietet auch
hier Angriffspunkte. Alle Nasentiere, also Fchse, Dachse und andere,
knnen durch einen starken Hieb ber die Nase gettet werden. Handelt
es sich nicht um einen Hund, dessen Nase sehr wertvoll ist, also einen
Jagdhund, so kann man die Empfindlichkeit der Hundenase als Mittel zum
Auseinanderbringen verbissener Hunde benutzen. In Fachzeitschriften ist
wiederholentlich davon berichtet worden, da bei Hunden, die durchaus
unempfindlich schienen, das Bestreuen der Nase mit Schnupftabak oder
das Vorhalten einer brennenden Zigarre die sofortige Lsung der Tiere
zur Folge gehabt hat.


12. Soll man sich in der Grostadt einen Hund halten? Die
Stubenreinheit des Hundes.

Wir haben unsern Peter nur kurze Zeit beobachtet und dabei gesehen, da
er in den wenigen Stunden empfindlichen Menschen recht lstig fallen
konnte. Nervsen Personen ist bereits das Hundegebell etwas, was ihnen
auf die Nerven fllt. Aber selbst gesunden Personen ist es durchaus
nicht angenehm, wenn sie beim Radfahren ein Hund verfolgt. Manche
steigen sogar ab, weil sie bei den unberechenbaren Bewegungen des
Tieres einen Sturz befrchten.

Das Gebissenwerden durch Hunde kommt wohl im groen ganzen nicht so
hufig vor, wie man annehmen sollte. In den Grostdten pflegt der
Maulkorbzwang diese Gefahr sehr herabzumindern. Uebrigens ist der
Maulkorb nur ein unvollkommenes Abwehrmittel. Man ersieht es daran, da
er beilustige Hunde nicht hindert, anderen Hunden Wunden beizubringen.

Andere, verhltnismig selten auftretende Gefahren, beispielsweise
durch Tollwut, sollen spter noch besprochen werden.

Bisher ist noch unerwhnt geblieben, da ein Tier, das Speise und
Trank zu sich nimmt, natrlich auch Ausscheidungen von sich geben mu.
Bei dem Hunde treten diese Entleerungen in besonders unangenehmer
Form auf. Er beschmutzt die Ecken von Husern und berhaupt alle
Vorsprnge beim Nssen, whrend er seine festen Ausscheidungen, die
sogen. Losung, mit Vorliebe auf dem Brgersteig absetzt. Es scheint
ihm keinen Augenblick Sorge zu machen, da dabei die Stiefelsohlen der
Vorbergehenden mit seiner Losung Bekanntschaft machen knnen.

Ein Lichtblick hierbei ist es, da der Hund wenigstens in der Wohnung
stubenrein ist oder, wie es allgemein heit, stubenrein gemacht wird.
Darauf werden wir noch nher zu sprechen kommen.

Was veranlat nun den Hund zu dieser Handlungsweise, die anscheinend
jeder Sitte und Scham Hohn spricht?

Auch hier mssen wir wieder die Lebensweise der wilden Verwandten um
Rat fragen. Von den Wlfen und Fchsen wissen wir es mit Bestimmtheit,
da sie wie unsere Hunde an den Ecken und an vorspringenden Punkten
nssen.

Versetzen wir uns in die Lage eines Nasentieres, so erkennen wir, da
hierdurch die Natur in hchst einfacher Form einen Nachrichtendienst in
der Tierwelt, eine sogenannte Post, eingerichtet hat. Kommt ein Wolf
in ein fremdes Gebiet, so braucht er nur die vorspringenden Punkte und
Ecken zu beriechen und wei dann sofort, ob hier Artgenossen hausen
oder nicht. Am bequemsten kann er das riechen, wenn in der Hhe seiner
Nase gent ist.

Damit sie stets die erforderliche Flssigkeit haben, besitzen
die Hundeartigen nur sehr wenig Schweidrsen. Jeder hat wohl
schon beobachtet, da die Hunde, wie der Volksmund sagt, an der
heraushngenden Zunge schwitzen, aber nicht am Krper. Der von der
Zunge herabflieende Speichel soll ohne Frage die lange Zunge und damit
mittelbar den ganzen Krper abkhlen.

Seine Losung verscharrt der Wolf regelmig. Denn bei den Raubtieren
hat sie einen so starken Geruch, da alle Pflanzenfresser, Hirsche,
Rehe, Hasen usw. das Gebiet verlassen wrden, wo sie die Anwesenheit
ihres Feindes durch diesen Umstand wahrgenommen htten.

Auch unser Hund pflegt sich an dieses frhere Verscharren hufig zu
erinnern. Denn man sieht nicht selten, da er nach der Beendigung
des Vorgangs mit den Hinterbeinen scharrt, obwohl das bei dem festen
Steinpflaster vollkommen wirkungslos ist. Manche Leute behaupten,
da der Hund sich dadurch die Beine reinigen wolle. Das ist ganz
ausgeschlossen, denn im Sande vergrbt er seine Losung auch heute noch,
wie es ja auch die Katze tut.

Zu der Zeit, wo der Hund die Aufmerksamkeit einer Hndin erregen will,
liegen ihm Rubergedanken fern. Dann vergrbt er die Losung nicht,
sondern setzt sie ausgerechnet auf einen Stein oder sonst in einer
solchen Hhe, da sie mit der Nase der Hndin in gleicher Linie ist.

Zum Glck knnen die Ausscheidungen der Hunde nicht Trger von
Krankheiten sein. Niemals hat man etwas davon gehrt, da dadurch
Seuchen entstanden sind. Vielmehr behandelte man die Losung im Altertum
als Arzneimittel. Auch heute spielt sie bei der Handschuhfabrikation
eine groe Rolle.

Zuungunsten des Hundes spricht also sehr viel. Man kann es den
Hundefeinden nicht verargen, wenn sie darauf dringen, da Hunde in der
Stadt berhaupt nicht gehalten werden drfen.

Was lt sich dagegen zugunsten des Hundes geltend machen?

Da gerade bei uns der Stimme des Auslandes eine bermige Bedeutung
beigemessen wird, so sollte es doch den Hundefeinden zu denken geben,
da man in anderen Kulturstaaten von solcher bertriebenen Gegnerschaft
kaum etwas wei.

Hiervon abgesehen sprechen fr den Hund folgende Umstnde:

1. Die Verhinderung von Einbrchen, ja von schweren Verbrechen drfte
alljhrlich einen ziemlich hohen Geldbetrag ausmachen und manchem
Menschen die Gesundheit, ja das Leben bewahrt haben.

2. Die Rettung von Personen durch Hunde, z. B. von Kindern, die ins
Wasser gefallen waren, drfte erheblich die Zahl der Menschenleben
bersteigen, die durch Hunde verloren gegangen sind.

3. Die Leistungen als Blindenfhrer -- von den Polizeihunden sei ganz
abgesehen -- zwingt uns zu einer solchen Hochachtung, da man darber
viele Unbequemlichkeiten, die ihre Haltung mit sich bringt, bersehen
mu.

4. Der Mensch lebt nicht blo vom Brot allein. Die Kinder in der
Grostadt wachsen in einem steinernen Meer auf, ohne von den
Schnheiten der Natur, die das Landleben in sich birgt, etwas zu
erfahren. Sie kennen die Freude nicht, wenn die Strche zurckkehren,
die Schwalben eintreffen, der erste Kuckucksruf erschallt und tausend
andere Dinge, deren Aufzhlung zu weit fhren drfte. Und gerade das
kindliche Herz hat an den Tieren die grte Freude, weil die Kinder
sich unbewut mit ihnen nahestehend fhlen. Wie oft habe ich es
erlebt, da Grostadtkinder, die sich sonst schrecklich langweilten,
stundenlang mit einem Hunde, den ein Verwandter mitgebracht hatte,
spielten, ja schlielich nicht in das Bett gehen wollten, weil sie sich
nicht von ihm trennen konnten. Nein, diese Freude den Grostadtkindern
zu rauben, brchte ich nicht bers Herz, selbst wenn der Hund noch
einige Fehler mehr bese.

5. Selbst im Interesse der Wissenschaft mte man die Verbannung der
Hunde aus der Stadt beklagen. Wer wrde es von den Stdtern noch
zugeben, da der Hund ein Nasentier und nicht, wie der Mensch, ein
Augentier sei, wenn er nicht tglich she, wie der Hund sich mit andern
Hunden berche und berall an der Erde und an den Ecken seine Nase
ttig sein liee?

Trotzdem sich also mancherlei zugunsten der Haltung eines Hundes in der
Stadt sagen lt, so wird doch jeder wirkliche Tierfreund nur unter
besonderen Umstnden einen Hund in der Grostadt halten. Es sind nicht
blo die Belstigungen der Mitmenschen, die er vermeiden will, sondern
er verzichtet darauf, einen Hund zu halten, weil er ihm nicht die
Behandlung bieten kann, die das Tier braucht.

Als Hetzraubtier ist der Hund an Bewegung gewhnt, weshalb er vor
Freude hochspringt, wenn sein Herr mit ihm ausgehen will. In der
Grostadt soll man nur Hunde halten, die wenig Auslauf brauchen
wie unsern krummbeinigen Dachshund. Einen Windhund an der Leine
herumzufhren, wie man nicht selten sehen mu, kann fast als
Tierqulerei bezeichnet werden. Denn ein Geschpf, das zu den
schnellsten Sugetieren gerechnet werden kann und das in der Freiheit
gewi tglich ein paar deutsche Meilen zurcklegen wrde, soll man
nicht auf ein paar Schritte beschrnken.

Ueber die vorhin erwhnte Stubenreinheit der Hunde wre noch folgendes
zu bemerken.

Ich entsinne mich noch aus meiner Kindheit, wie mein Vater uns zeigte,
auf welche Weise ein junger Hund stubenrein gemacht wird. Er wurde mit
der Nase in den von ihm gemachten Pfuhl ordentlich gestukt, bekam dann
auf die Rckseite ein paar Klapse und wurde mit einem Schmst du dich
denn gar nicht zur Tre hinausbefrdert. Da ein solches Verfahren fast
immer den gewnschten Erfolg hatte, so zweifelte ich keinen Augenblick
daran, da der Hund durch die Ermahnung und die Schlge ein gewisses
Verstndnis fr das Verwerfliche seines Treibens bekam und sich
besserte.

Spter, als ich Affen genau studierte, sah ich zu meinem Erstaunen, da
der Affe, trotz seiner Klugheit, fr Stubenreinheit nicht das mindeste
Entgegenkommen zeigte. Ich habe unzhlige zahme Affen kennengelernt,
aber keinen einzigen, der stubenrein ist. Weder Prgel noch Scheltworte
richten bei ihnen das geringste aus.

Hieraus geht klar hervor, da der Mensch nicht den Hund stubenrein
macht, sondern, wie beim Apportieren, einen im Hunde liegenden Urtrieb
zur Entwicklung bringt.

So ist es auch in der Tat. Der Hund ist, wie seine Verwandten Wolf und
Fuchs, frher ein Hhlenbewohner gewesen. Die Hundehtte ist ja weiter
nichts als ein Ersatz fr die frhere Hhle. Wir wissen nun vom Dachs,
Hamster und andern Hhlenbewohnern, da sie fr ihre Entleerungen ein
besonderes Abteil, eine Art Klosett, besitzen. Sie wissen aus Instinkt
-- was das ist, soll spter errtert werden --, da sie ihre Hhle mit
ihrem Unrat verpesten wrden, wenn sie diese Vorsicht nicht beachteten.

Der Hund hat also von Hause aus den Trieb, seine Hhle nicht zu
verunreinigen. Das sieht man am besten daraus, da er sein Lager nicht
verunreinigt, wenn man ihn daran festbindet.

Der Affe, der auf Bumen lebt, kann kein Lager verpesten, und deshalb
hat er fr Stubenreinheit kein Verstndnis.


13. Das Grasfressen der Hunde. Schmen sich manche Hunde?

Da sich die Lebensweise des Hundes besser auf dem Lande als in der
Grostadt beobachten lt, so nehmen wir die Einladung eines Bekannten
an, der ein groer Tierfreund ist und mehrere Hunde auf seinem
Grundstck hlt. Unterwegs fllt uns ein Hund auf, der mit Grasfressen
beschftigt ist.

Dieses Grasfressen eines Fleischfressers hat seit alter Zeit die
Aufmerksamkeit der Menschen erregt und die verschiedenartigste Deutung
gefunden.

Wir beobachten jetzt an dem Hunde, da er sich bergeben mu, wobei
etwas Schleim zu Tage tritt.

Da fr den Landbewohner dieser Vorgang eine alltgliche Erscheinung
ist, so erklrt sich hieraus die Redensart: Es bekommt einem, wie dem
Hunde das Gras, nmlich bel.

Man glaubte also, da der Hund als unvernnftiges Tier so wenig wisse,
was ihm eigentlich gut tue, da er aus reiner Dummheit das Gras fresse.
Weil er vom Grase keine Speise oder Strke erhlt, da es wider seine
Natur ist, so ist die Folge eben die Uebelkeit.

Nur ein oberflchlicher Tierbeobachter kann diesen Standpunkt
einnehmen. Denn in Wirklichkeit ist es doch hchst wunderbar, da die
Tiere ohne Belehrung wissen, was ihnen gut tut, und schdliche Dinge
meiden.

Das Grasfressen soll ferner folgende Grnde haben. Der Hund merkt, da
er Wrmer hat. Um diese zu tten, frit er scharfkantige Grser, damit
sie in seinem Leibe die Bsewichter zerschneiden.

Da viele Wrmer durch Zerschneiden gar nicht gettet werden, so ist
diese Annahme grundfalsch, wobei noch davon abgesehen werden soll, da
das verschlungene Gras gewi zu dem erwhnten Zwecke ganz untauglich
wre.

Manche halten das Grasfressen fr eine bloe Spielerei. Dem kann ich
mich nicht anschlieen, nachdem ich folgendes beobachtet habe.

Ein Hund hatte beim Apportieren von Korken ein kleines Brckchen
verschluckt. So sehr er bei greren Stcken seinen Magen in der
Gewalt hat, so suchte er vergeblich durch Erbrechen das Korkstckchen
wieder von sich zu geben. Da der Hund hinaus in den Garten wollte, so
kamen wir seinem Wunsche nach. Er fing sofort an Gras zu kauen und
nach kurzer Zeit trat die erwnschte Wirkung ein. Hiernach mu ich das
Grasfressen -- wenigstens in manchen Fllen -- fr ein Brechmittel bei
Magenverstimmungen halten.

Da die Hunde sich auf dem Lande so viel wohler befinden als in der
Stadt, fhre ich zum Teil auf diesen Umstand zurck, da der Hund in
lndlichen Verhltnissen bessere Gelegenheit hat, seine natrlichen
Heilmittel zu benutzen.

Wir begren unseren Bekannten, Herrn Bhm, der mit seinem Pudel
bereits am Eingange steht, und werden natrlich von dem Hunde, dem wir
nicht bekannt sind, angeblafft.

Als Wachhunde sind Pudel gewhnlich ebensowenig zu gebrauchen wie
Jagdhunde. Mit Recht hat man vom Pudel gesagt, da jemand seinen Herrn
morden knne, ohne da ihm der Pudel beistnde. Auch der Jagdhund steht
seinem Herrn nicht immer bei.

Dieses Verhalten so kluger Tiere drfte darauf zurckzufhren sein,
da der Pudel ein zu groer Menschenfreund ist, um berhaupt Menschen
zu beien. Dem Jagdhunde steckt sein Wild so im Kopfe, da ihm andere
Menschen, wenn sie nicht auf Jagd gehen, gleichgltig sind.

Dagegen ist der Pudel ausgezeichnet zu allerlei Kunststcken geeignet,
und da solche Kunststcke beim Volke sehr beliebt sind, so ist auch der
Pudel ein sehr geschtzter Hund.

Mit der grten Bereitwilligkeit ist auch unser Karo, wie der Pudel
heit, bereit, zu zeigen was er kann. Kaum haben wir seinem Herrn
gegenber den Wunsch geuert, einige Glanzleistungen von Karo zu
sehen, so erhalten wir eine richtige Vorstellung. Erst werden die
einfachen Sachen vorgefhrt: Hinsetzen, Schnmachen, die Pfote geben,
auf den Hinterbeinen gehen. Dann kommen die schwierigeren Sachen: ber
Stock und Sthle springen und tanzen. Dazwischen mu Karo zeigen, wie
der Hund spricht und beweisen, da er rechts und links unterscheiden
kann. Nur einen Happen, den er von der rechten Hand seines Herrn
bekommt, nimmt er, sonst lt er ihn ganz unbercksichtigt.

Um Karo als Schwimmer und Taucher zu bewundern, gehen wir nach dem
nahegelegenen See. Der Pudel schwimmt vortrefflich, fast wie eine
Ente, und apportiert mit unglaublicher Ausdauer. Wenn er aus dem
Wasser kommt, mu man sich natrlich vorsehen, da man nicht beim
Ausschtteln des Felles na wird. Dieses Schtteln der Haut knnen wir
ihm nicht nachmachen, da die unsrige nicht so beweglich ist. Wie gro
die Beweglichkeit der Hundehaut ist, ersehen wir deutlich, wenn wir
einen Hund am Nacken hochheben.

Karo ist ein Rde und etwa 1 Jahre alt. Wie Herr Bhm erzhlt, hat
er ihn erst seit einigen Monaten. Er ist durch einen Zufall zu ihm
gekommen, da sein bisheriger Herr pltzlich verstorben war, und ihm
der Hund zu einem Spottpreis angeboten wurde. Die erste Zeit sei das
Tier allerdings sehr traurig gewesen und habe wenig Nahrung zu sich
genommen. Jetzt aber habe er sich in die neuen Verhltnisse eingewhnt
und fhle sich augenscheinlich sehr wohl.

Es ist eigentlich recht wunderbar, da fast alle Tiere ohne Unterricht
schwimmen knnen. Wie lange braucht der Mensch, um ordentlich schwimmen
zu knnen? Mancher lernt es berhaupt niemals.

Auch hier wollen wir uns bei den wilden Verwandten erkundigen, wie es
mit ihrer Schwimmkunst steht.

Die Wildhundarten als Raubtiere mssen natrlich schwimmen knnen, denn
sonst wrden die Pflanzenfresser, die sie verfolgen, sich jedesmal
dadurch retten, da sie in das Wasser flchten. Wlfe schwimmen nicht
nur gut, sondern scheinen auch gern in das Wasser zu gehen. Der Fuchs
kann ebenfalls schwimmen, aber man wird nicht behaupten knnen, da
er gern ins Wasser geht. In Jagdrevieren kann man beobachten, da er
lieber einen Umweg macht und ber einen Steg geht, als da er den
Graben durchschwimmt.

Oft hat Herr Bhm gesagt, wenn der Pudel etwas falsch machte: Aber
Karo, schmst du dich gar nicht? Wir kommen darauf zu sprechen, ob der
Hund ein wirkliches Gefhl fr sich schmen besitzt? Ich bezweifle es
sehr stark, denn ich nehme an, da der Hund aus dem Tone der Sprache
heraushrt, da der Herr bse ist, und da ihm etwas Aergerliches in
Aussicht steht. Ich glaube also, da diese allgemein bliche Redensart
eine Vermenschlichung ist, die beim Tier nicht recht pat. Zu einem
sonst braven Knaben, der eine Dummheit begangen hat, knnen wir mit
Recht sagen: Schmst du dich nicht? Wir rufen sein Ehrgefhl an und
verzichten deshalb auf eine Bestrafung. Beim Tiere aber, selbst wenn es
ein kluger Pudel wre, ein solches Ehrgefhl anzunehmen, scheint mir
unbegrndet zu sein. Bei jeder Erklrung mu man zunchst versuchen,
mit einer mglichst einfachen auszukommen.

Mein Bekannter macht hiergegen geltend, da ein feinfhliger Hund
oft, wenn er gescholten sei, seinen Herrn links liegen lasse, also
gewissermaen schneide. Diesen Einwand habe ich schon oft gehrt.
Dieses Benehmen ist wohl aber mehr auf Eitelkeit als auf Ehrgefhl
zurckzufhren. Ein Knabe schmt sich bei der Ermahnung seines Lehrers,
weil er sich im stillen sagt: Wenn ich mich ordentlich angestrengt
htte, wrde ich das aufgegebene Gedicht flieend aufsagen knnen. Bei
einem Hunde kann man aber einen solchen Gedankengang nicht annehmen.


14. Das Laufen gegen den Wind. Warum ist die Hundenase khl und
feucht? Warum gibt es bei den Hunden Steh-, Kipp- und Hngeohren? Die
Wichtigkeit des Gehrs.

Whrend unserer Unterhaltung hat Karo einen kleinen Privatbummel
gemacht. Wir sehen an dem Rauche der Zigarren, da der Wind aus
Sdwesten kommt und knnen feststellen, da der Hund gegen die
Windrichtung gelaufen ist. Jeder Hund, der nicht besondere Ziele
verfolgt, wird bei freier Wahl die Richtung gegen den Wind bevorzugen.
Das liegt allen Raubtieren im Blut. Wie Hunde und Katzen ihre
Ausscheidungen verscharren, damit sie nicht von den Pflanzenfressern
gewittert werden, so laufen sie aus demselben Grunde gegen den
Wind. Denn ein Hirsch oder Reh mit ihren feinen Nasen wrden einen
Wolf schon aus sehr weiter Entfernung wittern, wenn er nicht diese
Vorsichtsmaregel gebrauchte. Der Wind trgt bekanntlich alle Dfte
sehr weit. Vor vielen Jahren wohnten wir fast zwei Kilometer weit von
einer chemischen Fabrik. Wehte der Wind von der Fabrik zu uns, so war
es nicht zum Aushalten, whrend man sonst nichts davon bemerkte.

Karo, der schwarze Pudel, hat auch eine khle und feuchte Nase. Man
nimmt, und wohl mit Recht, an, da das ein Zeichen von Gesundheit des
Hundes ist. Denn ein kranker Hund pflegt eine trockene und warme Nase
zu haben. Woher kommt das?

Auch in diesem Falle sieht man wiederum, da der Hund ein Nasentier
ist. Einmal ist die Nase bei den Geschpfen, bei denen sie die
Hauptrolle spielt, sehr empfindlich, wie bereits erwhnt wurde. Wenn
wir Menschen einen Schlag auf die Nase bekommen, dann blutet sie
wohl, aber wir empfinden keinen uns betubenden Schmerz. Ganz anders
liegt die Sache bei einem Schlag ins Auge. Dann sehen wir ordentliche
Feuergarben aufblitzen. Denn bei uns ist das Auge das wichtigste Organ,
weshalb wir eine uns ans Herz gewachsene Sache wie einen Augapfel
hten. Also die Nase ist der wichtigste Sinn des Hundes, und als solche
mu sie feucht sein aus folgenden Grnden.

Nehmen wir an, wir betreten nach einem Gewitterregen unseren Garten.
Dann empfinden selbst unsere stumpfen Nasen, da alles doppelt so stark
riecht. Feuchtigkeit untersttzt das Riechvermgen, wie jeder Jger
wei. An heien, trockenen Augusttagen finden die Jagdhunde manchmal
keine Hhner, obwohl solche vorhanden sind. Die trockene Wrme und die
trockene Klte lassen die Hundenasen viel weniger leisten als sonst.

Damit die Hundenase gut wittert, mu sie also feucht sein. Um feucht zu
bleiben, mu sie khl sein.

Da die schwarze Farbe alle Duftstoffe stark anzieht, weshalb viele
Aerzte gegen die schwarzen Kleider der Krankenschwestern eingenommen
sind, so ist wahrscheinlich aus diesem Grunde die Nase aller Nasentiere
schwarz. Selbst der Eisbr hat in seinem weien Pelz eine schwarze
Nase, die schon von weitem auffllt. Man glaubt den Eskimos, da er
beim Beschleichen der Seehunde mit einer seiner groen Pranken die Nase
bedecke, damit sie ihn nicht verrate.

Jetzt wissen wir also, weshalb die Nase des Hundes empfindlich, khl,
feucht und schwarz ist.

Karo hat Hngeohren, whrend Schferhunde gewhnlich Steh- oder
Kippohren besitzen. Wie knnen wir diesen Unterschied erklren?

Das Gehr ist ein auerordentlich wichtiger Sinn. Nach meiner Ansicht
hren alle Sugetiere mindestens so gut wie der Mensch, gewhnlich aber
schrfer.

Auch hier will ich mit grtem Nachdruck die ungeheure Wichtigkeit
des Gehrs hervorheben. Hoffentlich wird also die Bezeichnung Augen-
und Nasentiere nicht miverstanden und daraus der ganz irrige Schlu
gezogen, da Augen- und Nasentiere schlecht hren knnten.

Alle freilebenden Tiere mssen ihr Gehr fortwhrend anstrengen. Daher
kommt es, da wir unter den freilebenden Sugetieren nur Stehohren
antreffen.

Allerdings sieht man manchmal Hirsche, die in Parks gehalten werden,
mit einem Schlappohr. Da aber solche Hirsche Haustieren gleichen,
weil sie keine Nachstellungen von Feinden erleiden, so besttigen sie
den Satz, da ein Sugetier unter natrlichen Verhltnissen Stehohren
besitzt.

Bei unseren Hunderassen haben also diejenigen, die ihren Verwandten am
hnlichsten leben, noch Stehohren, so die deutschen Schferhunde. Bei
den schottischen Schferhunden fangen bereits die Kippohren an, weil
sie bei uns keine Schafe mehr hten. Die reinen Haushunde wie Pudel,
Mpse, ja selbst die Jagdhunde haben Schlappohren. Braucht die Katze
keine Muse mehr zu fangen, so bekommt sie, wie von der chinesischen
Katze berichtet wird, ebenfalls Schlappohren.

Ist das Abschneiden der Ohrlappen, das sogenannte Kupieren, zu
billigen? Gewhnlich wird es als groe Tierqulerei getadelt. So
einfach liegt die Sache jedoch nicht. Unter natrlichen Verhltnissen
steht, wie wir sahen, das Ohr aufrecht. Bei unseren Haushunden sind
dagegen Hngeohren die Regel. Durch den vorhngenden Ohrlappen wird
namentlich bei langhaarigen Hunden manchmal eine solche Hitze erzeugt,
da die Hunde groe Ohrenschmerzen leiden. Wenn man also durch das
Kupieren beabsichtigt, den Hund vor Schmerzen zu bewahren, so lt sich
dagegen wenig einwenden.


15. Warum frchtet sich der Hund vor dem leeren Wasserglase? Warum
bellt er den Mond an?

Wir kehren zu unserem Karo zurck und benutzen die Gelegenheit, um
ber einige Streitfragen Aufklrung zu bekommen. Die meisten Hunde
frchten sich vor einem leeren Wasserglas, und man findet die Erklrung
darin, da die Hunde frher einmal mit Wasser begossen worden sind
und deshalb das Wasserglas scheuen. Bei der wasserscheuen Katze wre
diese Erklrung einleuchtend, aber die Furcht des Hundes vor dem leeren
Wasserglase habe ich bei Katzen nicht feststellen knnen. Auerdem
mte sich ein Hund dann erst recht vor einer Giekanne frchten, mit
der man ihn begossen hat. Das habe ich wiederholentlich getan, aber
niemals das Zurckweichen wie vor dem Wasserglase beobachten knnen.

Unser Bekannter hat inzwischen ein Wasserglas geholt und wir knnen
bei Karo genau das beobachten, was bei Hunden blich ist. Bringt man
ihm das Glas in die Nhe des Kopfes, so ist ihm das anscheinend sehr
unangenehm, und er weicht zurck.

Da der Hund ein Nasentier ist, das sich in erster Linie nach der Nase
richtet, und das Glas wohl zu den wenigen Gegenstnden gehrt, die
wenig oder gar keine Ausdnstung haben, so befindet sich der Hund in
der blen Lage, da seine Augen etwas wahrnehmen, seine treue Nase aber
nichts. Das ist ihm unangenehm und er will sich fortwenden. Das sieht
man beispielsweise, wenn ein Hund von fern in einen Spiegel schaut,
wie es bei Umzgen vorkommt, wo ein groer Wandspiegel auf der Strae
steht. So sah ich, wie eine Dogge in einem solchen Falle die Haare
strubte und auf den Spiegel zuging, weil sie glaubte, einen Gegner
anzutreffen. In der Nhe beroch sie den Spiegel und lief fort, da ihre
Nase ihr berichtet hatte, da es sich um ein Gespenst gehandelt hatte.

Augentiere dagegen, wie der Affe, haben groe Vorliebe fr einen
Spiegel, wovon man sich in Zoologischen Grten oft berzeugen kann.

Auch die alte Streitfrage, ob Hunde Bilder erkennen, verneint Herr Bhm
aufs entschiedenste. Sein Karo und sein Hektor, ein Jagdhund, den wir
gleich noch kennenlernen werden, beachten das groe Bild von ihm gar
nicht, obwohl sie sehr anhnglich wren. Uebrigens hat schon der groe
Naturforscher Alexander von Humboldt vor mehr als hundert Jahren genau
das gleiche beobachtet. Er weist darauf hin, da die klgsten Hunde
ganz kalt bei Bildern bleiben, whrend seine zahmen Affen nach den
gemalten Gegenstnden griffen.

Krzlich, so erzhlt uns unser Bekannter, ging er mit seinem Hektor
spazieren und kam dabei an einem groen Garten vorbei, in dem, wie es
so hufig vorkommt, ein aus einer Tonmasse hergestelltes Reh im Grase
ruhte. Da das Reh sehr natrlich wiedergegeben war, so erregte es die
Aufmerksamkeit des Hundes, der bei der Windrichtung keine Witterung von
dem Gegenstande bekommen konnte. Da der Garten einem lieben Freunde von
ihm gehrte, so ffnete Herr Bhm die Gartentr, um zu sehen, was der
Hund beginnen wrde. Er benahm sich genau so wie die vorhin erwhnte
Dogge vor dem Wandspiegel. Nachdem er das Reh berochen hatte, lie er
es links liegen.

Bei dieser Gelegenheit erwhnt Herr Bhm, da er schon hufig in der
Nachtruhe durch das Gebell der Hunde bei klarem Vollmond gestrt worden
sei. Diese Beobachtung ist sehr alt, denn sie hat zu der Redensart
Anla gegeben: Die Hunde bellen den Mond an, um damit auszudrcken, da
der Mensch in diesem Falle ein Bild sinnlosen Tuns erblicken knne.
Diese allgemein herrschende Ansicht, wonach sich ein verchtliches
Geschpf, wie der Hund, ber einen erhabenen Himmelskrper rgere und
ihn zu begeifern trachte, ist unzweifelhaft unrichtig. Darber bin ich
mit meinen Bekannten einig. Was aber der wahre Grund der Erregung der
Hunde gegen den Mond ist, lt sich nicht leicht sagen.

Die Araber erzhlen von ihren Hunden, da sie oft die weien Wolken
am Himmel anbellen. Dann liee sich das Unbehagen des Hundes in der
gleichen Weise erklren, wie bei dem leeren Wasserglase. Seine Augen
sehen etwas Glnzendes, Helles, nmlich den Mond, die Wolken, das Glas,
aber sein Hauptsinn meldet nichts von der Erscheinung. Dem Hunde geht
es genau so, als wenn wir Geisterstimmen hren, aber nichts entdecken
knnen. Oder wir merken, da es brandig riecht, knnen aber die
Brandstelle nicht finden.

Es kann aber auch sein, da der wahre Grund ein anderer ist. Viele
Jger behaupten, da der Vollmond auf alles Wild und Getier eine
auffallend erregende Wirkung ausbe. Dann belle also der Hund gar nicht
den Mond an, wie man vermute, sondern bei ihm als frherem Raubtier
werde durch den Vollmond die Erinnerung an die vergangenen Zeiten
aufgefrischt, wo er beim Vollmondschein besonders eifrig jagte.


16. Warum wedelt der Hund mit dem Schwanze?

Eine der auffallendsten Erscheinungen ist das Wedeln des Hundes mit
dem Schwanze. Sowohl Peter hat seinen Herrn bei seinem Erscheinen
durch Schwanzwedeln begrt, als auch Karo lt in Gegenwart unseres
Bekannten seinen Schwanz kaum zur Ruhe gelangen. Die Erklrung dafr
ist aber recht verwickelt, so da wir sie vorlufig zurckgestellt
hatten.

Auch hier knnen wir einen wirklichen Fingerzeig zum richtigen Wege nur
dadurch erhalten, da wir uns in die Lebensweise der wilden Verwandten
unseres Hundes versetzen. Sowohl Wlfe wie Schakale wedeln mit dem
Schwanze, um ein Zeichen ihrer friedlichen Gesinnung zu geben. Das
Schwanzwedeln mu also in ihrer Lebensweise eine wichtige Rolle spielen.

Auffallend ist es, da wir bei unseren anderen Haustieren eine solche
Kundgebung durch den Schwanz nicht kennen. Wenn die Katze ihren Schwanz
bewegt, so hat das einen ganz anderen Zweck. Pferde und Khe bewegen
zwar auch ihren Schwanz, aber um damit Fliegen abzuwehren, nicht
jedoch, um uns zu zeigen, da sie es gut mit uns meinen.

Wir erwhnten frher, da noch heute die verwilderten Hunde in
Konstantinopel jeden fremden Hund zu zerreien suchen. Nun kommen bei
Wildhunden hufig Flle vor, wo ein Rudel durch Kmpfe so geschwcht
oder durch Nachwuchs so stark geworden ist, da sich einige von
ihnen einem anderen Rudel anschlieen wollen. Noch hufiger wird es
vorkommen, da ein von einem Rudel versprengter Hund erst nach einigen
Tagen seine Artgenossen findet.

Wir wissen, da alle Hunde nach Mglichkeit gegen den Wind laufen, um
durch ihre Nase zu erfahren, was sich vor ihnen befindet. Kommt nun
ein versprengter Wildhund zu seinem Rudel, so wei er zwar durch seine
Nase, da er vor seinem alten Rudel steht, aber die Kameraden wissen
nicht, da es sich um einen Angehrigen von ihnen handelt. Denn der
Wind weht von dem Rudel zum Ankmmling, nicht aber vom Ankmmling zum
Rudel.

Bei Wildpferden und Wildrindern werden ebenfalls versprengte Mitglieder
manchmal zurckkehren. Auch die Wildpferde laufen gegen den Wind und
besitzen ebenfalls nur ein schwaches Auge wie der Hund. Trotzdem ist
das Leben des Ankmmlings nicht gefhrdet. Er erhlt vielleicht einen
unbedeutenden Sto oder Huftritt, ehe die Seinen erkennen, da es ein
alter Genosse ist.

Ganz anders liegt die Sache bei den Wildhundarten. Strzen sie sich
infolge ihres schwachen Gesichts, und weil ihre Nase wegen der
ungnstigen Windrichtung nichts leisten kann, auf den vermeintlichen
Fremdling, so ist es um ihn geschehen. Er ist in kurzer Zeit abgewrgt.

Die ungeheure Gefahr, die einem versprengten Wildhund bei seiner
Rckkehr droht, ebenso allen Ankmmlingen, die sich in bester Absicht
dem Rudel nhern, machte fr die Hundearten ein Signal, also ein
deutliches Zeichen fr Freundschaft ntig. Das erhielten sie durch das
Wedeln mit dem Schwanze.

Da das Auge des Hundes, wie wir wissen, Bewegungen sehr gut sieht, so
kann das Signal kaum jemals bersehen werden. Der versprengte Hund
braucht bei seiner Rckkehr also nur mit dem Schwanze zu wedeln,
um dasselbe zu erreichen, was die Menschen, die sich als Krieger
gegenberstehen, durch Hissen eines weien Taschentuches bezwecken.

Allbekannt ist es, da man einen fremden Hund dadurch in eine
freundliche Stimmung versetzen kann, da man mit der Hand auf das
Knie klopft und dabei ruft: Komm, gutes Hundchen, komm her! Der
merkwrdige Erfolg dieser Bewegung erklrt sich einfach als eine
Nachahmung des Schweifwedelns. Die Bewegungen des Armes in Kniehhe
erinnern an die Bewegungen des Schwanzes. Das Klopfen ist vollkommen
gleichgltig.


17. Warum gibt es kurzhaarige Hunde? Der Windhund.

Karo wird jetzt in das Haus gebracht, und uns an seiner Stelle Hektor
vorgefhrt, ein sehr schner, kurzhaariger Jagdhund. Beide Hunde
vertragen sich ganz gut, sind aber sehr eiferschtig aufeinander.
Jeder Hundebesitzer wei, da der Neid unter den Hunden sehr gro ist.
Wenn ein Hund einmal nicht fressen wollte, was in Friedenszeiten nicht
selten vorkam, so brauchte man nur zu rufen: Ich werde es dem Pussel,
nmlich dem Hunde des Nachbars, oder der Katze geben, dann packte
der Neid den Hund derartig, da er alles bis auf den letzten Bissen
hinunterschluckte.

Da der Wildhund, wie wir am Wolfe sehen, selbst im Sommer nicht
kurzhaarig wird, so mu der Mensch den Hunden knstlich die
Kurzhaarigkeit angezchtet haben. Warum hat er das getan?

Der Jger gebraucht den Hhnerhund, wie wir bereits wissen, besonders
bei der Jagd auf Rebhhner. Diese beginnt gewhnlich im August, wo es
manchmal glhend hei ist. Das andauernde Laufen in der brennenden
Sonnenglut kann ein Wildhund nicht vertragen. Denn als nchtliches Tier
ruht er zu dieser Zeit irgendwo in einem schattigen Gebsch.

Ein kurzhaariger Jagdhund kann bei seiner geringen Behaarung der
Sonnenglut viel leichter standhalten. Trotzdem macht der Jger an
heien Augusttagen zur Mittagszeit eine Pause.

Aber nicht nur der Jger hat von der Kurzhaarigkeit Vorteil. Jeder
Hundebesitzer wei, wie schwierig die Haarpflege bei langhaarigen
Hunden ist. Auch kann man dem Ungeziefer schwer beikommen.

In der freien Natur vollzieht sich der Haarwechsel, der im Frhjahr
und im Herbst eintritt, sehr schnell. Wlfe und Fchse brauchen nicht
gekmmt zu werden, um die alten Winterhaare zu verlieren. Sie krauchen
fast alltglich durch Gebsch und Dornen, die das Kmmen besser als der
Mensch mit einem Kamm besorgen. So sehen freilebende Tiere immer glatt
aus.

Stubenhunde dagegen, die wenig Bewegung haben, haaren so ziemlich das
ganze Jahr und knnen dem Besitzer fortwhrend Arbeit verursachen. Bei
langhaarigen Hunden ist das natrlich besonders schlimm.

Kurzhaarigen Hunden im Winter bei strengem Frost eine Decke auflegen,
ist also keine Verzrtlichung, wie man hufig hrt. Denn wir Menschen
haben den Hunden das natrliche Haarkleid, das sie bei groer Klte
brauchen, fortgezchtet.

Wie schn wre es doch fr uns Menschen, wenn auch uns im Winter die
notwendige wrmere Bekleidung von der Natur geschenkt wrde, wie es bei
den Tieren der Fall ist. Namentlich jetzt bei den so teuren Preisen!

Weil kurzhaarige Hunde im Winter leicht frieren, so hat man ein
Mittelglied zwischen ihnen und den langhaarigen Hunden gezchtet,
nmlich stichelhaarige oder rauhhaarige.

Whrend die Kunststcke beim Pudel nur Unterhaltungswert besitzen, ist
die Abrichtung eines Jagdhundes fr den Jger von groem Wert. Er mu
stets an der linken Seite gehen, um seinem Herrn beim Schieen nicht
hinderlich zu sein, er mu auf den Zuruf nieder oder down (daun)!
sich fest auf die Erde legen. Dadurch erreicht man, da man den Hund
ohne Leine fest in der Hand behlt, wenn er beispielsweise bei einer
Hetze uns entschwinden will.

Herr Bhm zeigt uns, wie gut Hektor dressiert ist. Er apportiert mit
Freuden, selbst eine tote Krhe, was Hunde sonst nicht gern mgen.

Unser Bekannter rumt ein, da man Jagdhunde nicht zu sehr wegen
ihrer Anhnglichkeit auf die Probe stellen darf. Wie gro die
Jagdleidenschaft ist, erkennt man daran, da der gierigste Fresser oft
das Essen unbeachtet lt, wenn es zur Jagd geht.

Ich habe selbst erlebt, da in dem Jagdrevier eines Freundes, in dem
ich jagen durfte, die Jagdhunde ihren alten Wrter im Stich lieen und
sich mir, dem Fremden, anschlossen, nur weil ich mit dem Gewehr auf
Jagd ging.

Herr Bhm erzhlt uns von seinen frheren Hunden. So hat er viele
Jahre einen Dachshund Mnne gehabt. Wie alle Dachshunde war er sehr
selbstndig und gehorchte seinem Herrn regelmig nur dann, wenn es ihm
pate.

Der Unabhngigkeitssinn des Dachshundes im Verhltnis zu seinem Herrn,
den man bei anderen Hunden nicht antrifft, mu natrlich seinen
Grund haben und hat ihn auch. Der Dachshund wird von den Jgern dazu
gebraucht, um Dachse und Fchse, die in ihre Hhle geflchtet sind, zu
stellen, mglicherweise auch zu wrgen. Bei diesem unterirdischen Kampf
auf Leben und Tod hat der Mensch es sehr leicht zu sagen: Fa, mein
Hundchen, fa! Das Zufassen wre in dem Zeitpunkte vielleicht gerade
ein groer Fehler, denn es darf nur in einem gnstigen Augenblicke
geschehen. Der Dachshund hat sich also daran gewhnt, das, was sein
Herr sagt, nicht sonderlich zu achten.

Ganz besonders liebte es Mnne, Knochen fr eine sptere Zeit sich
aufzuheben und zu diesem Zwecke zu verscharren. Der Dachshund ist zum
Wiederauffinden der verscharrten Knochen ganz besonders geeignet, da
seine Nase sehr fein ist und sich obendrein ganz nahe am Erdboden
befindet.

Auch einen Windhund Roland hat mein Bekannter lngere Zeit besessen,
hat ihn aber wieder weggegeben, da er fr ihn keine Verwendung hatte.
Der Windhund nimmt noch eine grere Ausnahmestellung unter den Hunden
ein als der Dachshund.

Gerade der Windhund ist ein untrglicher Beweis dafr, da Auge und
Nase in einer gewissen Abhngigkeit voneinander stehen. Von allen
Hunden sieht er am besten und mu auch am besten sehen, da er als
Hetzer vorher das Wild erblicken mu, das er einholen will. Dafr ist
auch sein Geruch, wie schon die kleine Nase andeutet, nicht entwickelt
genug, um, wie die andern Hunde, mit ihm eine Fhrte dauernd zu halten.

Auf dieses geringere Geruchsvermgen des Windhundes fhrt man es
zurck, da er an den Menschen so wenig anhnglich ist. Man hat nmlich
bei sugenden Hunden, die durch einen Unglcksfall ihre Riechfhigkeit
eingebt, festgestellt, eine wie ungeheure Rolle bei den Hunden die
Nase spielt. Sie konnten ihre Mutter nicht mehr finden und spter die
verschiedenen Speisen nicht unterscheiden. Auch waren sie nicht im
geringsten anhnglich an ihren Herrn.

Dieser Mangel an Anhnglichkeit bei riechunfhigen Hunden kommt einfach
daher, weil sie kein Mittel haben, um ihren Herrn von anderen Menschen
zu unterscheiden. Sie gleichen jungen Affen, denen man die Augen
ausgestochen hat. Auch diese wrden nicht anhnglich werden, weil sie
ihren Herrn von andern Personen nicht unterscheiden knnen.

Der Windhund dagegen ist deshalb weniger anhnglich, weil er von einer
Wildhundart abstammt, die, wie die Katze, gewhnlich allein jagt. Der
Windhund mit seiner ungeheuren Geschwindigkeit braucht kaum einen
Mithelfer, um Beute zu erlangen. Deshalb heult er sich auch nicht mit
andern Wildhunden zusammen. Aus diesem Grunde neigt der Windhund sehr
wenig zum Bellen.


18. Der Schferhund als Polizei- und Blindenhund.

Auch einen Schferhund hat Herr Bhm besessen und will sich einen
solchen wieder anschaffen, da Pudel und Jagdhunde, wie wir wissen, als
Wchter fr Grundstcke weniger passen.

Der Schferhund hat nicht ganz das Auge des Windhundes, immerhin aber
ist es viel besser als bei den meisten andern Hunden. Das rhrt von
seiner Ttigkeit beim Hten der Schafe her.

Zum Polizeihund ausgerechnet den Schferhund zu whlen, wird man kaum
gutheien knnen. Bei der Jagd hat man eigentlich den Schferhund
nur gebraucht, wenn man Wildschweine ausfindig machen wollte. Diese
aber haben eine so strenge Ausdnstung, da man sie fast mit der
Menschennase finden kann.

Trotzdem hat man den deutschen Schferhund zum Polizeihund gewhlt. Das
kommt sicherlich daher, weil er der willigste und diensteifrigste Hund
ist. Jeder mu den Schferhund schtzen, weil ohne seine unermdliche
Ttigkeit der Hirte machtlos wre.

Selbstverstndlich ist es nicht der Mensch gewesen, der dem Hunde das
Umkreisen der Schafe beigebracht hat. Vielmehr handelt es sich um einen
uralten Trieb der Wildhunde, die ein Rudel Pflanzenfresser umkreisen,
um sie an Abhnge zu treiben, von denen sie abstrzen und den Feinden
zur Beute werden.

Wie sehr auch heute noch in den Schferhunden das Raubtier schlummert,
beweist die Tatsache, da manche bei groer Langeweile von der
Schafsucht gepackt werden, indem sie nach Art ihrer Vorfahren Schafe
zu wrgen beginnen. --

Die Leistungen der Polizeihunde sind erst berschwenglich gelobt
worden. Spter hat eine wissenschaftliche Kommission Untersuchungen
veranstaltet und ist zu dem Ergebnis gelangt, da die Hunde nicht
die Fhigkeit besitzen, einzelne Personen durch ihren Geruch zu
unterscheiden.

Demgegenber mu auf die uralte Tatsache hingewiesen werden, da
erlegtes Wild durch Schreckmittel vor dem Verzehren durch Nasentiere
bewahrt werden mu. Hat der Jger in Afrika eine Antilope erlegt,
die er nicht nach dem Lager schleppen kann, so mu er durch ein
Taschentuch oder andere Gegenstnde Hynen und Schakale abschrecken.
Diese Raubtiere sind nicht schnell genug, um eine Antilope zu fangen.
Sowie sie aber verwundet ist, dann folgen sie ihrer Fhrte. Genau so
ist es in Deutschland mit dem Hirsch und Fuchs und war es frher mit
dem Bren. Ein Fuchs oder ein Br kann keinen gesunden Hirsch einholen
oder einen gesunden Rehbock. Haben Hirsch oder Reh aber die Kugel vom
Jger erhalten, so verfolgen die genannten Raubtiere die verwundeten
Pflanzenfresser. Ein Nasentier unterscheidet also an der Fhrte ohne
Frage, ob das Geschpf gesund oder krank ist. So sehen wir im Frhjahr
die mnnlichen Hasen (Rammler) mit gesenkter Nase in fliegender Fahrt
der Spur der Hsin folgen. Der Hase findet also durch die Nase nicht
nur die Spur, sondern erkennt auch durch den Geruch, ob es ein Mnnchen
oder Weibchen ist.

Hunde haben so hufig die Spur ihres Herrn unter zahlreichen anderen
herausgefunden, da ein Zweifel daran ausgeschlossen ist. Ich habe es
oft erlebt, und es berhaupt nicht fr mglich gehalten, da man eine
solche Tatsache bestreiten kann.

Der Mensch kann unzweifelhaft mit seinen Augen seine Bekannten von
anderen Leuten unterscheiden. Aber in einer groen Versammlung,
in einem vollbesetzten Zirkus vermag er seinen Bekannten nicht
herauszufinden. So geht es dem Polizeihund auch in dem Gewirr der
Spuren in einer Grostadt. In groen Stdten wird die Leistung eines
Polizeihundes kaum der Rede wert sein. Dagegen kann er auf dem Lande
sehr wohl zur Aufdeckung eines Verbrechens beitragen.

Vllige Klarheit in die Sachlage drfte erst die Zukunft bringen.

In Jgerkreisen zweifelt kein Mensch an den hervorragenden Leistungen
der Hundenase, selbst wenn der Hund dicht an der gesuchten Beute
vorbeilaufen sollte. Man sagt sich mit Recht, da der Mensch die
Nasenttigkeit eines Tieres zu schwer beurteilen kann.

Bei Hundeprfungen, die hufig stattfinden, lt man deshalb jedesmal
zwei Hunde arbeiten, um einen besseren Mastab fr die Beurteilung zu
haben.

Viel besser als zum Polizeihund eignet sich der deutsche Schferhund
zum Blindenhund. Hier ist seine Dienstwilligkeit unbezahlbar, und hier
kommt ihm sein besseres Auge sehr zustatten. Mit tiefer Rhrung habe
ich oft zugesehen, wie tadellos er seinen blinden Herrn gefhrt hat.
Allerdings wird nur der Blinde mit seinem Hunde gut auskommen, der
etwas Hundeverstndnis besitzt.

Das Publikum aber sollte dem Blinden und dem Hunde nach Mglichkeit
behilflich sein. Das mindeste aber, was man verlangen kann, ist das,
da man den eigenen Hund festhlt, damit er den Hund des Blinden nicht
strt. Bekanntlich haben alle Hunde den unbezhmbaren Drang, sobald sie
einen Artgenossen wahrnehmen, seine Bekanntschaft zu machen.


19. Die Ftterung des Hundes.

In seiner langjhrigen Praxis ist Herr Bhm zu dem Ergebnis gelangt,
da eine einmalige grndliche Ftterung abends fr erwachsene Hunde das
Zutrglichste ist.

Das stimmt ganz damit berein, da die Wildhunde als Nachttiere mit
Einbruch der Dmmerung auf Raub ausgehen. Haben sie ein greres Tier
erbeutet, so fressen sie sich grndlich satt, was bis zum nchsten
Abend vorhalten mu.

Alle Wildhundarten lieben auch pflanzliche Nahrung. Fchse sind
arg nach Weintrauben, Wlfe fressen gern Krbisse, Gurken, Brot
und dergleichen. Hunde, die Frchte, ja Aepfel fraen, habe ich
wiederholentlich kennen gelernt. Die reine Fleischftterung ist also
bei dem Hunde unrichtig.

Gesalzene und gewrzte Speisen sind fr den Hund nachteilig.
Hundebesitzer, die aus Gastwirtschaften das Futter beziehen, pflegen
wieder davon abzugehen, weil die Hunde wegen der stark gesalzenen und
gewrzten Speisen nicht gedeihen. Bei Schohndchen soll es anders
sein. Diesen sollen solche Sachen sehr gut bekommen. Aus eigener
Wissenschaft wei ich hierber nichts.

Ueber den Salzhunger der Pflanzenfresser und die Gefhrlichkeit des
Salzes beim Raubtier soll noch beim Schwein nher gesprochen werden.

Rhrenknochen vom Geflgel vermeiden viele Hunde aus Instinkt
(vergleiche Kapitel 69). Durch Zerbeien entstehen nmlich Knochenenden
mit langen scharfen Spitzen, die dem Tiere sehr gefhrlich werden
knnen.

An dem Hunde eines Konditoreibesitzers konnte ich im Frieden
beobachten, da andauernder Zuckergenu Hunden sehr nachteilig ist.
Dieser bettelte allen Besuchern durch Schnmachen den Zucker ab und
starb nach kurzer Zeit.

Wie die Tiere in den Zoologischen Grten, die meistens Nachttiere sind,
durch die Besucher Tagtiere geworden sind, so hat sich der Hund durch
den Verkehr mit dem Menschen daran gewhnt, am Tage ttig zu sein. An
seine alte Ttigkeit erinnert noch folgendes:

Alle Hunde, namentlich Wachhunde, sind mit Einbruch der Dmmerung
besonders zu Angriffen geneigt.

Viele Hunde heulen noch heute gern, wenn es Abend wird.

Die meisten Hunde schlafen gern am Tage bei groer Hitze. Hierbei kann
man bei ihnen fter beobachten, da sie wie die Menschen trumen.

Ihr Schlaf ist sehr unruhig und sie erwachen bei dem kleinsten
Gerusch. Auch die Wildhundarten jagen ausnahmsweise auch am Tage, wenn
sich eine gnstige Gelegenheit bietet. Bei der Katze ist es ebenso.

Schwerlich wrde der Hund ein so guter Wchter in der Nacht sein, wenn
er nicht ursprnglich ein nchtliches Raubtier gewesen wre.

Auf die feine Nase des Hundes wird von den Besitzern gewhnlich viel
zu wenig Rcksicht genommen. Zigarrenhndler, Drogisten, ja Apotheker
halten in ihren Lden Hunde, obwohl hier schon den menschlichen Nasen
nicht wohl ist.

Wir haben schon darauf aufmerksam gemacht, da Menschen und Tiere
nicht dieselben Gerche lieben. Klnisches Wasser duftet unserer Nase
angenehm, aber der Hund wendet sich mit Abscheu ab.

Ebenso kann ihm die schnste Havannazigarre nicht gefallen. Die
Scherze, die man mit Hunden macht, indem man ihnen brennende
Tabakspfeifen ins Maul steckt, sind also nicht ohne Nachteil fr das
Tier.

Ist die Htte voll Ungeziefer, so reinigen wir sie mit Karbol und
reiben den Hund mit Insektenpulver ein. Und wir bilden uns noch etwas
auf unsere Tierfreundlichkeit ein, wenn wir dem armen Hunde diese
Hllenqual bereitet haben.

Was machen denn Wolf und Fuchs, wenn das Ungeziefer und die Wrme in
der Hhle im Sommer zu toll wird? Sie schlafen einfach im Freien und
zwingen das Ungeziefer zum Auswandern, weil es in der leeren Hhle
nichts zu saugen gibt.

Gegen Petroleumfsser war ich frher eingenommen, weil wir einen Hund
besaen, der groe Abneigung gegen den Geruch von Petroleum zeigte.
Ich schlo auf einen allgemein herrschenden Widerwillen gegen diese
Flssigkeit. Spter habe ich mich davon berzeugt, da unser Hund eine
Ausnahme bildete.

Es ist die Vermutung aufgestellt worden, da das Petroleum tierischen
Ursprungs ist. Es soll von den groen Landtieren herstammen, die
in Vorzeiten die Erdkugel bewohnten. Diese Vermutung wrde dadurch
untersttzt werden, da unsere Hunde Petroleum gern haben, wie sie alle
Tierreste lieben.

Auffallend ist es, wie schnell Wunden bei Hunden heilen. Doch kommen
auch Ausnahmeflle vor. So zeigt uns unser Bekannter an seinem
Hektor eine oberhalb der Nase verlaufende Narbe, die sich erst nach
mehrwchiger Bepinselung gebildet hat. Wie die meisten Praktiker, so
schwrt auch Herr Bhm darauf, da die Wunde sehr schnell geheilt wre,
wenn sie der Hund htte belecken knnen.

Tatsache ist es jedenfalls, da die von der heutigen Heilwissenschaft
so sehr gepriesene Freiluftbehandlung der Wunden ohne Verband von
jeher bei den Tieren blich war. Alle Hunde haben sich stets den von
Menschenhnden gemachten Verband abzureien versucht. Der Brgermeister
einer kleinen Stadt, in der ich damals wohnte, lie, um seinen Hund an
dem Abreien des Verbandes zu hindern, eine Blechhlle um den Verband
anbringen. Jetzt war der Hund machtlos, aber geheilt ist das verletzte
Bein niemals.


20. Die Feinde des Hundes. Hund und Wolf.

Jedes Geschpf, das sich auf der Erde befindet, hat Feinde. Die
Pflanzenfresser haben ihre Feinde in den Raubtieren und die Raubtiere
wieder untereinander. Selbst die strksten Raubtiere haben ihren
gefhrlichsten Feind im Menschen, der sie an manchen Stellen bereits
ausgerottet hat, weshalb man den Menschen als das allerstrkste
Raubtier bezeichnet hat.

Die Hunde haben ihre Feinde zunchst in den groen Katzen, namentlich
in dem Leoparden und Jaguar, wovon noch nher gesprochen werden soll,
wenn wir bei der Katze von dem Ha des Hundes gegen sie sprechen.
Sodann stellen ihnen in den heien Lndern die grten Schlangenarten
nach. Besonderen Appetit auf Hundebraten versprt das Krokodil, weshalb
die dort lebenden Hunde nur unter den grten Vorsichtsmaregeln zur
Trnke gehen. Die Bren schlagen wohl Hunde bei ihrer Verteidigung
nieder, aber zu fressen scheinen sie ihre Feinde nicht.

Im Gebirge wird den Hunden der Lmmergeier gefhrlich, da er sie, wenn
sie in der Nhe von Abgrnden weilen, hinabzustrzen sucht. Da Adler
sich nicht besinnen, einen Fuchs anzugreifen, ebenso auch der Uhu, so
werden diese Raubvgel unter Umstnden auch jungen Hunden gefhrlich,
wenn sie von der Mutter nicht verteidigt werden.

In unserem Vaterlande spielen alle diese Feinde keine Rolle. Das
einzige Tier, das ihm direkt tdlich werden knnte, ist die Kreuzotter.
Trotzdem namentlich Jagdhunde berall umherstbern, kommt es doch sehr
selten vor, da sie von Kreuzottern gebissen werden. Herr Bhm erzhlt
uns, da ihm bei seinen eigenen Hunden noch nichts vorgekommen sei,
obwohl die Kreuzotter in der Gegend nicht selten sei. Dagegen habe ihm
ein Jagdfreund von einem solchen Fall bei seinem Hunde erzhlt. Dieser
Hund habe sich selbst geheilt, indem er zu einem Strom lief und die
gebissene Stelle ununterbrochen vierundzwanzig Stunden darin hielt.
Unmglich wre diese Handlungsweise nicht, da Tiere sich auch, wenn man
ihnen vergiftete Brocken hinlegt, durch Gegenmittel zu retten wissen
(vergl. Kapitel 69).

Der grte Feind der Hundearten ist aber die eigene Verwandtschaft, wie
es bei den Menschen auch so hufig der Fall ist. Wer die Fabeln von der
Freundschaft zwischen Haushund und Wolf, ebenso die zwischen Wolf und
Fuchs ausgeheckt hat, war kein wirklicher Tierkenner.

Ebenso hrt man die unausrottbare Ansicht, da ein verwilderter Hund
von den Wlfen zum Anfhrer gewhlt wird. Der Gedankengang ist dabei
folgender. Der Hund hat von dem klugen Menschen so viel Klugheit
mitbekommen, da die Wlfe willig seine geistige Herrschaft anerkennen
und auch von der Klugheit des Hundes Nutzen ziehen wollen.

In Wirklichkeit liegt die Sache so, da die Haushunde im Kampfe mit
dem Wolfe in der lcherlichsten Weise bertlpelt werden. Schon im
Altertum schilderte man ganz zutreffend, wie leicht ein paar Wlfe ein
Schaf erbeuteten trotz der Anwesenheit von dem Hirten und seinem Hunde
oder seinen Hunden. Ein Wolf nhert sich der Herde und wird natrlich
von der wachsamen Schar der Hunde wahrgenommen und von ihr ingrimmig
verfolgt. Unterdessen hat sich unbemerkt der andere Wolf an die Herde
geschlichen und trgt in Gemtsruhe ein Opfer fort.

In wolfreichen Gegenden holen sich, wie mir erfahrene Jger versichert
haben, in hnlicher Weise die Wlfe den starken Haushund, wenn sie der
Hunger khn gemacht hat. Ein Wolf nhert sich dem Tore des Gehfts.
Der Hund ist sich seiner Pflicht bewut und verfolgt den grauen Ruber
eine Strecke weit. Inzwischen hat ein anderer Wolf dem Hunde den
Rckzug abgeschnitten und eilt ihm nach. Der verfolgte Wolf dreht sich
pltzlich um, und beide strzen sich auf den Hund, der in kurzer Zeit
sein Grab im Wolfsmagen findet.

Trotz der groen Aehnlichkeit zwischen dem Wolfe und manchen groen
Hunderassen ist der Wolf unzweifelhaft der an Krften Ueberlegene.
Der Wolf, der am Waldesrande sitzt oder durch den Forst trabt, ist
nach Tschudi in Bau und Farbe dem Fleischerhunde so hnlich, da er
mit ihm verwechselt werden knnte und von gleicher Abstammung zu sein
scheint. Und doch hat man von jeher die Erfahrung gemacht, da beide
Tiere einen entschiedenen Widerwillen gegeneinander haben. Der starke
Wolf vermeidet es gern, dem viel schwcheren Hunde zu begegnen. Dieser
zittert und strubt die Haare, wenn er den Wolf wittert. In der Schweiz
wagen es nur jene starken und treuen Hunde, welche die Bergamasker
Schafherden in den Engadiner Alpen bewachen, einzeln auf den die Herde
umlauernden Ruber loszugehen und mit ihm in hchster Erbitterung auf
Leben und Tod zu kmpfen. Wird der Wolf Meister, so liebt er es, den
halbzerfleischten Hund aufzufressen, whrend der siegreiche Hund selbst
den erlegten Wolf noch verabscheut.

Ein Fall aus der Schweiz, in dem zwei Mnner mit ihrem Gespann durch
einen Hund vor dem Ueberfall eines Wolfes bewahrt wurden, sei hier
angefhrt. Es war klarer Mondenschein, aber auch eine bitterkalte
Winternacht, als ein Arzt mit dem abgesandten Eilboten sich auf den
offenen sogenannten Reitschlitten setzte und, von seinem mchtigen
Bergamasker Hunde Beloch, der ihm schon manche Probe von Klugheit,
Treue und Mut gegeben, begleitet, die Fahrt zu einem Kranken begann.
Rasch wurde mit dem guten Pferde auf frostharter Bahn ein Stck Weg
zurckgelegt. Als das Cotza-Tobel erreicht war, hielt pltzlich der
Hund, der mit dem Pferde bisher Schritt gehalten, an und sprang mit
einem groen Satz auf eine hochbuschige Hecke am Wege, hinter der
sich ein Tier bewegte, das von dem nchtlichen Reisenden fr einen
Fuchs gehalten wurde. Langsam gelangte das Fuhrwerk auf die Hhe
von Quartins. Der Hund folgte lngs des Buschwerks und nherte sich
hier seinem Herrn wieder, sich hoch neben demselben aufrichtend und
zhnefletschend, mit gestrubten Haaren, gegen einen groen Wolf
knurrend, dessen Augen durch die Hecke glnzten. Unwillkrlich hielt
das Pferd an. Wolf und Hund maen sich, beide knurrend, mit wtendem
Blicke. Der Arzt und sein Begleiter erkannten entsetzt die Gefahr,
deren Opfer sie jeden Augenblick werden konnten, und da sie ganz
waffenlos waren, suchten sie ihre Rettung in der Flucht. Sie peitschten
das Pferd, und pfeilschnell scho der leichte Schlitten dahin. Aber
ebenso schnell folgten Wolf und Hund diesseit und jenseit der Hecken
und Mauern, die sich des Weges entlang zogen. Mehrere Male versuchte
die heihungrige Bestie ber die Verzunung zu springen, aber berall
fand der Wolf Beloch vor der Lcke, bereit, ihn mit seinem gewaltigen
Gebi zu empfangen. So ging die Hatz eine halbe Stunde lang bis zur
Kirche von Lovin, wo erst der Wolf seine Beute aufgab und mit wtendem,
heulendem Gebrll sich gegen das Gebirge zurckzog. Die geretteten
Mnner weckten ihren Gastfreund im Dorfe, um sich eine Erfrischung und
Waffen zu erbitten. Nicht ohne Rhrung bemerkten sie, wie nun Beloch
das ihm gereichte Stck Brot sofort aus der Stube trug und sich vor das
Pferd setzte, um das Brot zu verzehren, alle Augenblicke bereit, das
Pferd gegen den vielleicht zurckkehrenden Wolf zu verteidigen.

Der Gewhrsmann des vorstehenden Erlebnisses ist der bekannte
Naturforscher Tschudi. Folglich ist der Bericht durchaus glaubwrdig.
Der zur Sommerzeit am Tage nach unseren Begriffen feige Wolf zeigt
sich als nchtliches Raubtier in der Mitternachtszeit bei starker
Winterklte, wo ihn der Hunger plagt, als ein sehr gefhrliches
Raubtier. Wahrscheinlich war es noch ein junges Tier und gehrte zu der
kleineren Wolfsart, da er zunchst fr einen Fuchs gehalten wurde. Denn
auch die Wlfe sind in ihrer Gre sehr verschieden.

Es wurde schon erwhnt, da in Nordamerika der groe Waldwolf und der
fuchsgroe Coyote leben. Der Coyote wird natrlich wie unser Fuchs von
jedem strkeren Hunde abgewrgt. Dagegen nimmt es nach Thompson der
Waldwolf mit mehreren Hunden auf. Er schildert Flle, wo ein Dutzend
Hunde es nicht wagten, einen einzelnen Waldwolf anzugreifen.

Thompson hat bei den Viehzchtern gelebt, deren grte Feinde die Wlfe
sind, und so kann man ihm Sachkunde nicht absprechen. Da die Wlfe von
den Herden der Zchter lebten, so richteten sie unermelichen Schaden
an, und alle Mittel wurden gegen sie versucht, um sie zu vernichten. Da
riet ein Auslnder den Viehzchtern, gegen die Wlfe mit den strksten
Hundearten vorzugehen.

Bald schaffte auch der Auslnder, um die Wahrheit seiner Worte zu
erweisen, zwei prachtvolle dnische Doggen herbei, eine weie und eine
blaue mit schwarzen Flecken und einem eigentmlichen weien Auge, das
ihr ein besonders wildes Aussehen gab. Fast jedes von diesen Geschpfen
wog nahezu 200 Pfund. Muskeln hatten sie wie Tiger, und man glaubte
dem Auslnder gern, als er erklrte, diese beiden allein nhmen es mit
dem grten Wolf auf. Ihre Art zu jagen beschrieb er folgendermaen:
Sie haben nichts weiter zu tun, als ihnen eine Fhrte zu zeigen, und
wenn sie auch schon einen Tag alt ist, folgen sie ihr unverzglich
und lassen sich auf keine Weise davon abbringen. Bald werden sie den
Wolf finden, mag er auch noch so sehr die Spur zu verwirren und zu
verstecken suchen. Dann gehen sie ihm an den Leib; er will davonrennen,
aber der Blaue packt ihn in der Flanke und schleudert ihn so -- der
Erzhler warf eine Brotkrume in die Luft -- und ehe er wieder auf den
Boden kommt, hat ihn der Weie am Kopf und der andere am Schwanz, und
sie reien ihn auseinander -- sehen Sie, so!

Das klang nicht schlecht, und alle brannten darauf, die Probe zu machen.

Leider fanden die Viehzchter bei ihren Ausflgen keinen Wolf, auf den
sie die Doggen htten hetzen knnen. Sie kamen daher auf den Gedanken,
den zahmen, einem Gastwirt gehrenden Wolf, der an der Kette lag, als
Versuchskaninchen zu gebrauchen. Sie kauften dem Wirt das Tier ab.
Die Hunde lieen sich mit Mhe zurckhalten, so kampflustig waren sie,
nachdem sie einmal den Wolf gewittert hatten. Aber ein paar starke
Mnner hielten sie an den Riemen fest, und der Wolf wurde nicht ohne
Schwierigkeiten herausgebracht. Zuerst sah er erschreckt und verwirrt
aus. Als er sich frei fhlte und mit Geschrei und Hallo gescheucht
wurde, machte er sich in langsamem Trott davon nach Sden zu, wo
unebenes Terrain lockte. In diesem Augenblick lie man die Hunde frei,
die mit wtendem Gebell dem jungen Wolfe nachsprangen. Die Mnner
ritten mit lautem Hurra hinterdrein. Von vornherein schien fr den Wolf
keine Mglichkeit des Entkommens zu bestehen, denn die Hunde waren weit
schneller als er, und der Weie konnte rennen wie ein Windhund. Der
Auslnder war auer sich vor Begeisterung, wie sein schnellster Hund
ber die Prrie flog und jede Sekunde dem Wolfe sichtlich nher kam.
Viele wollten auf die Hunde wetten, aber kein Mensch nahm die Wette
an. Jetzt griff der Wolf aus, so gut er konnte, aber nach tausend und
einigen Metern war der Hund gerade hinter ihm und fuhr auf ihn los.

Im Augenblick waren die Tiere aneinander. Beide fuhren zurck, aber
keiner flog, wie es der Auslnder vorausgesagt hatte, in die Luft, im
Gegenteil, der Weie berschlug sich mit einer furchtbaren Wunde in der
Schulter und war kampfunfhig, wenn nicht tot.

Nach zehn Sekunden war der Blaue zur Stelle. Auch diesmal dauerte das
Duell nur kurze Zeit und verlief fast ebenso unbegreiflich wie das
erste. Kaum sah man, da die Tiere sich berhrten. Der Graue sprang
beiseite, whrend sein Kopf bei einer blitzschnellen Wendung einen
Augenblick unsichtbar blieb, und der Blaue taumelte und zeigte eine
blutende Flanke. Von den Mnnern angefeuert, griff er noch einmal
an, aber nur, um sich noch eine Wunde zu holen, die ihn nach keiner
weiteren Verlangen tragen lie.

Ein einjhriger Wolf, der an der Kette gelegen hat, wird also spielend
mit zwei riesigen Doggen fertig. Das beweist die groe Ueberlegenheit
des grauen Rubers. Allerdings hatte dieser junge Wolf bereits groe
Erfahrung im Kampfe mit Hunden, denn man hatte zahllose Hunde auf ihn
gehetzt.

Der Wolf als freilebendes Tier ist ungeheuer viel schneller und
gewandter im Beien, auch bringt er den Hunden, besonders kurzhaarigen,
furchtbare Wunden wegen des mangelnden Haarschutzes bei.


21. Rtselhaftes beim Hunde.

Von einigen Rtseln, die uns der Hund aufgibt, haben wir bereits
gesprochen, nmlich von seinem Zeitsinn und Ortssinn. Beide Sinne teilt
er mit den meisten anderen Tieren.

Seit dem Altertum glaubt man vom Hunde, da er Gespenster und
Gottheiten wahrzunehmen vermge. Dieser Glaube ist sehr verstndlich.
Der Naturmensch beobachtete tglich, da der Hund das Vorhandensein von
Dingen merkte, die ihm trotz aller Anstrengungen entgingen, man denke
z. B. an die Anwesenheit eines durch Schutzfrbung unsichtbaren Wildes.
Da der Naturmensch Gespenster und Gottheiten mit eigenen Augen nicht
erblicken konnte, so war es naheliegend, dem Hunde auch in diesem Falle
die Fhigkeiten beizulegen, die dem Menschen fehlten.

Die Ansicht, da der Hund manchmal durch sein Geheul den bevorstehenden
Tod seines Herrn anzeigt, scheint kein Aberglaube zu sein. Ich habe
einen solchen Fall selbst in meiner Verwandtschaft erlebt. Die Frau
eines schwer Erkrankten schickte sofort zum behandelnden Arzte, weil
sie durch das pltzliche Geheul des Hundes und sein Verkriechen in
eine dunkle Ecke sehr beunruhigt war. Der Arzt untersuchte den Kranken
eingehend und trstete die Frau durch den Hinweis, da fr die nchsten
24 Stunden nichts zu befrchten sei. Der Hund war jedoch der bessere
Prophet, denn nach drei Stunden war sein Herr tot.

Aehnliche Flle sind folgende: Vielen Zchtern ist es bekannt, da
die feine Nase des Hundes oft Krankheiten bei Tieren feststellt, von
denen der Besitzer nichts ahnt. So behandeln manche Hunde gewisse
Ferkel schlecht, denen jedoch uerlich nichts anzusehen ist. Nach
dem Schlachten zeigt es sich, da sie an schweren inneren Krankheiten
gelitten hatten. An sich ist also durchaus nicht wunderbar, da
der Hund bereits die innere Zersetzung eines Sterbenden wahrnimmt,
wo wir mit unseren stumpfen Sinnen nichts feststellen knnen. In
Uebereinstimmung hiermit wurde in einer ernsten wissenschaftlichen
Zeitschrift vor einigen Jahren gemeldet, da vor dem Tode eines
Menageriebesitzers die Hynen, Schakale und Hunde ein grauenhaftes
Konzert anstimmten. Auch hier handelt es sich um lauter Nasentiere.

Es ist bereits erwhnt worden, da Hunde gut schwimmen knnen. Wie
berlegen sie aber darin dem Menschen sind, konnte ich im vergangenen
Sommer recht deutlich erkennen. Die Netze fhrte sehr viel Wasser, und
der Strom war so stark, da ein mir bekannter Meisterschwimmer, ein
auffallend krftiger Mann, nicht einen Schritt dagegen vorwrtskommen
konnte. Dagegen schwamm der kleine Hund eines Schiffers, eine
sogenannte Schiffertle, nicht nur mehrmals in einer Stunde gradlinig
ber den Strom, sondern schwamm auch mit Leichtigkeit gegen die
Strmung. Selbst durch die Wirbel, die bei den Buhnen, d. h. den
Schutzbauten der Ufer, gebildet wurden, schwamm er, als wenn er durch
einen Teich schwmme, whrend der Meisterschwimmer durch den Wirbel
in die Tiefe gerissen wurde und sich nur ganz mhsam retten konnte.
Wenn ich diese Leistungen eines kleinen Hundes nicht mit eigenen Augen
gesehen htte, wrde ich sie nicht glauben. Eine Erklrung fr sie habe
ich vorlufig nicht.

Noch eine seit Jahrtausenden bekannte Eigentmlichkeit des Hundes
sei erwhnt, weil sie von groer praktischer Bedeutung ist. Vorher
sei folgendes bemerkt: Der Hund soll unser Eigentum schtzen und
ist natrlich, je wachsamer er ist, um so mehr dem Einbrecher ein
Dorn im Auge. Gegen das Vergiften des Wachhundes kann man sich
einigermaen dadurch schtzen, da man ihn vorher leidlich fttert
und ihn lehrt, von fremden Personen nichts anzunehmen. Viel wirksamer
ist das Verfahren der Verbrecher, den Hund durch eine Hndin seine
Wchterpflichten vergessen zu lassen. Zigeuner, Hundefnger und
hnliche Gesellen fhren deshalb mit Vorliebe Hndinnen bei sich. Es
gengt, da auf ihren Kleidern eine Hndin geschlafen hat, um einen
Rden als Nasentier gnzlich umzustimmen. Deshalb sind Hndinnen viel
geeigneter zur Bewachung gegen durchtriebene Verbrecher als Rden.

Im Notfalle hat der waffenlose Verbrecher selbst gegen den strksten
Hund ein Mittel, das hufig Erfolg haben soll. Er luft auf allen
Vieren und nimmt seine Mtze in den Mund. Der Hund hlt dem Ankmmling
nicht stand, sondern flchtet. Es ist schade, da man einem solchen
Bericht nicht auf den Grund gehen kann, ob er auf Wahrheit beruht oder
nicht.

Wrden wir Herrn Bhm bitten, diesen Versuch an seinem Karo und Hektor
machen zu lassen, so wre dadurch noch nichts bewiesen, wenn er Erfolg
htte. Denn wenn ein Pudel oder ein Jagdhund flchtet, dann braucht es
nicht eine bissige Dogge zu tun.

Bereits der listenreiche Odysseus, dessen Irrfahrten Homer vor
dreitausend Jahren schilderte, setzt sich hin, um von den grimmigen
Wachhunden nicht zerrissen zu werden. Das gleiche Mittel empfiehlt der
Deutsche Schlatter vor etwa hundert Jahren, der viele Jahre bei den
Tataren gelebt hat. Er erzhlt, da die zahlreichen herrenlosen Hunde
eine groe Gefahr fr den Fremden bilden, und da das beste Mittel
gegen sie das Sichhinsetzen sei.

Eine Besttigung dieser Angaben kann man nicht selten bei
Hundeprfungen beobachten. Wenn ein Hund den Rehbock gefunden hat
und es seinem Herrn durch Bellen meldet, dann soll das freudige
Ereignis durch eine Photographie verewigt werden. Kaum nhert sich der
Photograph in seinem schwarzen Gewande und mit seinem Kasten kriechend
dem Hunde, so rckt dieser aus, obwohl er sonst seine Beute in der
hartnckigsten Weise verteidigt.

Herr Bhm hat hnliche Flle ebenfalls beobachtet, kann aber hierfr
keine Erklrung geben.

Wir mssen, um die Sache zu begreifen, auf frhere Zeiten
zurckgreifen. Jeder Elefantenwrter wei, da ein Elefant heftig
trompetet, sobald er einen Schimmel erblickt. Ich habe das selbst
mehrmals beobachtet. Es steht das ganz im Einklange mit den Berichten
der Jger aus heien Lndern, wonach der Elefant stndig zuerst den
Feind angreift, der auf einem hellen Pferde sitzt.

Was veranlat den Elefanten zu seiner Wut gegen den Schimmel? Wir
wissen es nicht, wir mssen aber vermuten, da es in Vorzeiten ein
weies, pferdehnliches Geschpf gab, mit dem der Elefant wtend
kmpfte.

So mssen wir auch vermuten, da in Vorzeiten ein auf allen Vieren
gehender menschenhnlicher Feind der Hunde lebte, vor dem sie noch
heute groe Angst haben.

Wir verabschieden uns jetzt von Herrn Bhm und seinen Hunden und werden
ihn gelegentlich wieder aufsuchen.


22. Allerlei Hundegeschichten. Richtige Behandlung des Hundes.

Die von Hundebesitzern erzhlten Geschichten darf man nicht ohne
weitere Prfung glauben. Dagegen wollen wir wirkliche Tierkenner zu
Wort kommen lassen, denn man kann aus ihren Berichten vieles lernen. So
schildert ein ostpreuischer Naturforscher seine Hndin Gretel in
folgender Weise. Zunchst leistet sie auf der Jagd Ausgezeichnetes.
Auch auerhalb des regelmigen Jagdbetriebes, heit es weiter,
benutze ich Gretel zu allerhand Handlangerdiensten. Einige wenige
Beispiele mgen das beweisen. Im vorigen Jahre hatte ich auf meinem
Teiche junge Mrz-, Pfeif- und Krickenten grogezogen, die nach und
nach halb verwilderten, so da es unmglich war, die Vgel, denen ich
die Flgel gestutzt hatte, im Sptherbste einzufangen. Ich wartete
daher, bis die erste dnne Eisdecke gefroren war, die sich gerade stark
genug zeigte, um Gretel zu tragen. Bei meiner Annherung watschelten
die Enten natrlich auf die Mitte des Teiches hinaus und fhlten sich
dort in grter Sicherheit. Diesmal aber hatten sie ihre Rechnung ohne
meine Gretel gemacht. Gretel, hol das Entchen! Zunchst wurde etwas
zaghaft vorwrts geschritten, weil sich das dnne Eis noch bog, dann
aber ging's herzhaft weiter, und bald waren die Enten, die sich auf dem
glatten Eise nicht schnell vorwrtsbewegen konnten, eingeholt. Nun war
es hchst interessant, das Benehmen der Hndin zu beobachten. Sie wei
genau, da sie jeden Vogel lebendig bringen soll; wenn sie aber einen
krftigen Mrzerpel fassen wollte, so schlug dieser so heftig mit den
Flgeln und zappelte so sehr, da er nur durch krftiges Zufassen zu
halten gewesen wre. Einige Federn stoben schon, und Gretel ugte
verlegen und unschlssig nach mir hin, der ich zu weiterem Handeln
aufforderte. Da kam ihr der rettende Gedanke. Pltzlich erfate sie
energisch eine Flgelspitze und fhrte das sich strubende Tier zu mir
heran, ein Verfahren, das sie brigens schon fter angewendet hatte,
und zwar bei angeschossenen wehrhaften Vgeln, z. B. groen Mwen. Auch
die Pfeifenten wurden noch herangefhrt, aber die kleinen Krickentchen
lieen sich bequem im Maule herbeitragen. So hatte ich meine Entenschar
bald im Korbe versammelt.

Ein andermal wurden mir mehrere junge, lebende Tpfelsumpfhhner
gebracht. Beim Einsetzen in das Vogelhuschen huscht mir das eine ber
den Kopf. Eben will ich anfangen mich zu rgern und drehe mich um,
da kommt Gretel, die natrlich bei mir war, schon wieder mit dem
Ausreier an, der nun seinen Genossen zugesellt werden konnte. Oder ich
bin mit meiner Frau auf dem Spaziergange. Wir haben uns etwas getrennt,
und meine Frau winkt oder ruft mir zu, da sie von mir vielleicht das
Messer zum Blumenschneiden oder irgendeinen anderen Gegenstand haben
mchte. Sofort tritt Gretel ihre Botendienste mit grter Promptheit
an. Es ist selbstverstndlich, da sie dann jedesmal ein Blmchen oder
einen Zweig als Dank zu ihrer grten Freude zurckbringen darf. Solche
kleinen Liebesdienste verrichtete sie sehr gern, weil wir uns den Spa
machen, sie dafr jedesmal malos zu loben und uns an dem drolligen
selbstgeflligen Wesen unseres Lieblings zu erfreuen. Wenn mir beim
Einwickeln von erlegten Vgeln der Sturm etwa das Papier fortweht
oder sonst den Hut vom Kopfe reit, so brauche ich mich gar nicht zu
bemhen, brauche nicht einmal ein Wort zu sagen: das Entschwundene wird
mir von meiner Gretel prompt wieder zur Stelle gebracht. So knnte
ich noch manche Beispiele erzhlen, und alles das haben wir unserem
Zgling nicht etwa mhsam beigebracht, sondern das hat er durch den
tglichen Umgang alles von selbst gelernt.

Als Hausgenossen knnte man sich keinen liebenswrdigeren,
freundlicheren und artigeren Hund wnschen wie unsere Gretel.
Ein Lstigwerden oder Aerger ber Dummheiten, woran es bei einem
unerzogenen Hunde sonst nicht mangelt, gibt es nicht. Es mag das mit
darin seinen Grund haben, da das Paudelwesen in der Erziehung der
Gretel eine groe Rolle gespielt hat und noch spielt. Damit hat
es folgende Bewandtnis. Im Hausflur steht Gretels Hauptpaudel, d.
h. ein Korb mit Heu, in dem die Hndin whrend der Nacht schlft.
Ferner hat sie aber auch noch in jedem Zimmer eine sogenannte Paudel
angewiesen erhalten, das ist meist ein Fellteppich. So wei sie stets
wo sie hingehrt und braucht sich nicht planlos umherzutreiben, um
den Besuch etwa zu belstigen oder am Ofen, oder gar auf den Mbeln
herumzuliegen. Der Befehl In die Paudel! bedeutet fr Gretel vom
Herrn weggehen, an den ihr angewiesenen Platz sich begeben und da sich
ruhig und artig verhalten, bis sie gewnscht wird. So habe ich's also
in der Hand, die Hndin nicht nur an mich heranzurufen, sondern stets
auch von mir wegzubringen, was mir schon oft zustatten gekommen ist.
Abgesehen davon, da ich sie so von jedem Punkte des Dorfes nach Hause
schicken kann, habe ich auch im Reviere drauen manchen Vorteil davon.
Wenn ich dort aufs Gratewohl den Befehl In die Paudel! ergehen lasse,
dann luft die Hndin mit eingeklemmter Rute ein Stck von mir fort,
macht dann auf Zuruf down (nieder) und verharrt daselbst, solange ich
es haben will. Liegt aber etwa mein Rucksack oder irgendein anderer
Gegenstand von mir in der Nhe, oder sind wir nicht weit von einem
Punkte, wo ich etwa fter zu rasten pflege, so wird nach ergangenem
Befehle diese Stelle als willkommene Paudel aufgesucht. -- *Beim
Essen liegt Gretel ruhig an ihrem Platze, nie bekommt sie etwas
vom Tisch; ja, wenn nicht das Dienstmdchen trotz strengen Verbotes
ihr manchmal einen Bissen zusteckte, dann wte sie gar nicht, was
es zu bedeuten hat, wenn Menschen essen.* Ein zudringliches Betteln,
ja Herumhopsen um den Tisch, wie ich es von verwhnten Stubenhunden
zu meinem Entsetzen schon gesehen habe, ist ganz ausgeschlossen. So
kann man auch drauen auf der Jagd beim Rasten in Ruhe sein Butterbrot
verzehren *und braucht nicht zu frchten, da einem die Hundenasen
daran herumschnffeln, oder da einem so ein sogenannter wohlerzogener
Jagdhund gegenbersitzt, einem die Bissen in den Mund zhlt, whrend
die langen Geiferfden aus den Mundwinkeln heraushngen, wie ich es
bei Hhnerjagden in den Frhstckspausen erlebt habe*. Gretel liegt
oder sitzt bei solcher Gelegenheit ruhig in ihrer Paudel, d. h.
ein Stck von dem Essenden entfernt, und erwartet gar nicht, da sie
etwas bekommt. -- Es wre sehr schn, wenn alle Menschen ihre Hunde
so erzgen, wie es hier geschildert worden ist. Dann wrde es viel
weniger Hundefeinde geben. Aber um einen Hund zu erziehen, mu man
selbst erzogen sein. Und da hapert es eben. Nicht mit Unrecht gilt das
Sprichwort: Wie der Herr, so das Gescherr.

Ueber die Bestrafung des Hundes wre folgendes zu sagen: Ein Hund darf,
wenn er wirklich Strafe verdient hat, nur auf frischer Tat und auf
eine solche Weise bestraft werden, da er wirklich wei, wofr er die
Strafe bekommt. Geschlagen darf er nur werden, wenn an eine Hilfe durch
andere Mittel nicht zu denken ist; die Hiebe mu er aufs Hinterteil
bekommen, whrend er im Genick, womglich auf den Boden gedrckt,
festgehalten wird. Bei groen Hunden, die zum Beien neigen, mu man
besondere Vorkehrungen treffen. Zausen oder treten darf man ihn nicht,
ebenso nicht mit der bloen Hand schlagen, da er sonst handscheu wird.
Tckisch darf man nie zu Werke gehen. Um ihn zu gewhnen, da er auf
den Ruf jedesmal kommt, ist es ein gutes Mittel, da man ihm recht
sowie er auf den Ruf kommt, einen Leckerbissen gibt. Auch kann man
ihn auf dem Rcken gegen den Strich der Haare mit den Fingern tchtig
krabbeln, denn das liebt er sehr. Da Hunde beim Stehen leicht ermden,
so ist es eine zweckmige Strafe, sie hoch anzubinden, so da sie sich
nicht hinlegen knnen. Dagegen ist das Einsperren in eine dunkle Kammer
bei einem Nachttier wirkungslos.

Ueber Eingewhnung fremder Hunde auf dem Lande werden folgende
Ratschlge erteilt:

Ist ein neugekaufter Hund angelangt, so vernichtet man ihm fr zwei
bis drei Monate, jedenfalls bis er ganz eingewhnt scheint, jede
Aussicht auf Entwischen, fttert und trnkt ihn wenig, damit er alles
Dargebotene dankbar annimmt, und lt ihm durch alle Mitglieder der
Familie oftmals am Tage etwas darreichen; abends bekommt er womglich
einige bei Nacht zum Zeitvertreib zu benagende Knochen. Hat er erst
in seiner neuen Behausung eine Knochensammlung, so gewinnt er die
Heimsttte lieb. Als Streu mu er tchtige Bndel Stroh bekommen, das
aus den Betten der Hausbewohner entnommen ist. Auf diese Weise lernt er
den Hausgeruch kennen.

Kommen neue Dienstleute oder sonstige Leute fr lngere Zeit ins Haus,
wo sie bei Tag oder Nacht dem Haus- oder Hofhunde begegnen knnen, so
werden sie diesem erst vorgestellt, nachdem sie selber erst einige
Nchte in Betten geschlafen haben, die schon lnger im Hause benutzt
sind.

Alle diese Vorsichtsmaregeln, die schon ber hundert Jahre alt sind,
werden nur begreiflich, wenn man wei, da der Hund ein Nasentier ist.


23. Sogenannte Unarten der Hunde und ihre Bekmpfung.

Wir Menschen reden von den Unarten der Haustiere als etwas ganz
Selbstverstndlichem. Wir nennen eben einfach alles, was uns nicht
pat oder Schaden zufgt, eine Unart oder Untugend, genau wie wir von
schdlichen oder ntzlichen Tieren sprechen. Wenn der Hund verwestes
Fleisch frit, so bezeichnen wir das als eine Unart, obwohl das
Tier nur seinem Triebe folgt und eine ihm vollstndig zusagende und
bekmmliche Nahrung zu sich nimmt. Ob Tiere berhaupt Unarten an sich
haben, bedarf noch sehr der Aufklrung. Richtiger spricht man in
solchen Fllen von Unbequemlichkeiten. Diese mssen wir Menschen, die
wir von den Haustieren Nutzen ziehen, in den Kauf nehmen. Natrlich
werden wir sie nach Mglichkeit zu verringern suchen.

Selbst auf dem Lande hat man mit Hunden manchmal groe
Unannehmlichkeiten. Der vorhin erwhnte Naturforscher, der so schn
ber die richtige Bestrafung der Hunde zu reden wei, erzhlt von
seinen Hunden folgendes:

Als ich mir mein Haus in Thringen gebaut hatte, hielt ich mir anfangs
einen sehr wachsamen und scharfen Hhnerhund nebst zwei ganz kleinen,
niedlichen Spitzchen. Der erstgenannte war den Tag ber in einem
eigenen Stalle, die Spitzchen steckten auf dem Hofe in einem groen
Vogelbauer, worin sie, so oft ein Fremder kam, einen solchen Lrm
machten und vor Bosheit so grimmig in die daumendicken Holzstbe des
Kfigs bissen, da ich immerfort neue einziehen mute, wenn die alten
zerbissen waren. Ueber Nacht waren alle drei auf dem Hofe los, und
machten, so oft sich jemand dem einsam zwischen Grten liegenden Hause
nahte, einen ungeheuren Lrm. Die feinsten Sinne hatte der Hhnerhund.
Kam ich abends von der Stadt und ging um die Ecke eines 160 Schritte
von meinem Hofe entfernten Stalles, so wute er in dieser Entfernung
genau meinen Tritt zu unterscheiden und winselte vor Freuden; kam
aber jemand anderes um besagte Ecke oder anderswoher auf 200 bis 300
Schritte Entfernung, so schlug er laut und drohend an. Verstellte ich
meinen Schritt absichtlich, so bellte er, wenn er im Oberwinde stand,
auch bei mir. Weil es um meine Wohnung her ber Nacht von Hasen, Rehen
und Hirschen wimmeln, so durften die Hunde, weil sie sonst Hetzjagden
gehalten, dabei auch wohl Menschen angefallen haben wrden, nicht vom
Hofe. Einstmals hatte ich vergessen, abends das Trchen zu schlieen,
durch welches bei Tage die Hhner ins Freie gingen. Als ich frhmorgens
aufstand, fand sich's, da es der groe Hund mit seinen gewaltigen
Zhnen erweitert hatte und mit den zwei Zwergen ausgerckt war. Die
ganze Schar war verschwunden und mochte ber Nacht eine tolle Hetze
gehalten haben. Ich erlie in der Zeitung eine Anzeige und durchsuchte
alle benachbarten Drfer. Nach acht Tagen bekam ich die zwei Spitzchen
wieder; man hatte sie am zweiten Tage eine Stunde von hier ganz
ermattet angetroffen und in ein Haus gelockt. Den groen Hund, der sich
wohl durch seine Schnelligkeit und grere Hetzbegier von den Zwergen
verloren hatte, erhielt ich einige Tage spter zurck. Er hatte sich
etwa am sechsten Tage nach seiner Abreise abgehungert und todmde in
die Stadt Waltershausen begeben und anfangs jedem, der sich ihm nahte,
die Zhne gezeigt. Endlich wurde er mit Futter in ein Haus gelockt,
hatte dort aber gleich bei der Mahlzeit geknurrt und um sich gebissen,
so da die Leute, um ihm gute Sitte beizubringen, ein schweres
Holzscheit ergriffen und es ihm auf Kreuz und Schenkel warfen. Er war
zusammengebrochen und 14 Tage vllig lahm, aber demtig geworden. Ich
erfuhr, wo er war, holte ihn zurck, er erholte sich, war aber von nun
an ganz umgewandelt.

An die Bewachung des Hauses, welches er zwei Jahre lang aufs Treuste
besorgt hatte, dachte er nicht im geringsten mehr, er sann nur aufs
Durchbrennen und Jagen. Gleich am ersten Abend, wo ich ihn wieder auf
den Hof lie, begann er an dem Hhnertrchen zu arbeiten. Ich gab ihm
ein paar Hiebe, er setzte sich mrrisch in eine Ecke, lauerte, bis ich
beim Schlafengehen das Licht ausgemacht, begann nun die Arbeit von
neuem, whlte sich unter dem Gelnder ein groes Loch, ging hinaus ins
Freie und jagte nach Herzenslust. Den anderen Tag nahm ich ihn beim
Kragen, fhrte ihn an seine Grube, verwies ihm das Whlen, gab ihm
einige Hiebe und brachte ihn dann wie gewhnlich in seinen Stall. Die
nchste Nacht machte er ein neues Loch, da das alte fest verrammelt
war, und brach wieder durch. Er bekam Hiebe, und ich lie nun rings
inwendig am ganzen Gelnder hin 5 Zentimeter dicke und 50 Zentimeter
lange Pflcke dicht nebeneinander in die Erde schlagen. Aber das half
nichts. Er whlte einen Schuh tief, packte die Pflcke dann mit den
Zhnen, zog sie heraus und whlte dann weiter. Ich lie eine doppelte
Reihe schlagen; auch das half nichts. So hatte er sich sechs Nchte
hintereinander mit gewaltiger Kraft durch den festen Tonboden und die
Pfhle durchgearbeitet und jeden Tag seine Hiebe entgegengenommen, und
ich sah wohl, da die letzteren keine guten Frchte trugen. Daher lie
ich das letzte Loch offen, nagelte daneben zwei wagerecht liegende
Bretter sehr fest, lie zwischen ihnen ber der Mitte der Grube 12
Zentimeter Raum und stellte unter diese Oeffnung eine starke eiserne
Marderfalle. Abends lasse ich den Hund los. Er geht wie gewhnlich
mit unschuldiger Miene, ohne nach dem Loche zu gucken, auf dem Hofe
herum, verzehrt sein Abendbrot mit gutem Appetit, wartet ab, bis ich
das Licht lsche, eilt dann zum Loche, steckt die Tatze hinein und wup!
da schlgt's unten zu und er sitzt in einer abscheulichen, furchtbar
zwickenden Klemme. Unter lautem Jammergeschrei sucht er sich zu
befreien, zerrt nach oben, die Bretter leisten der Falle Widerstand;
er stemmt sich mit dem freien Fu und zieht nach einer Gefangenschaft,
die zehn Minuten gedauert hat, die Pfote glcklich heraus. Am folgenden
Morgen hatte er ein sehr schwermtiges Gesicht und eine lahme,
geschwollene, geschundene Pfote. Ich lie ihn ruhig in seinem Stalle
und dachte: Da hast du nun genug daran! Er hatte nun auch wirklich
die Lust zum Whlen, jedoch nicht die zum Jagen verloren. Dies mute
ich gleich in der ersten Nacht zu meinem eigenen Schaden gewahren, denn
er bi in das auf dem Hofe stehende Vogelhuschen, das er zwei Jahre
lang nie angetastet hatte, ein groes Loch, ging hinein und wrgte
zwlf Vgel. Am folgenden Tage gab's Hiebe zum Frhstck, das Huschen
ward sogleich ausgebessert, zu den wenigen Vgeln, die er nicht hatte
erhaschen knnen, einige neue getan und rings ein Gelnder gebaut. Das
tat fr einige Tage gut, aber sobald seine Pfote gesund war, benutzte
er sie, whlte sich unten hinein und mordete wie zuvor. Am folgenden
Morgen regnete es Hiebe, das Huschen ward ausgebessert, neu bevlkert
und die Marderfalle hineingehngt. Die folgende Nacht war mondhell, und
es machte mir viel Spa, da ich ihn, wer wei wie lange, schchtern
um das Vogelhuschen herumgehen und nach der verhngnisvollen Falle
gucken und schnuppern sah. Die Vgel waren nun sicher, der Hund mute
aber, sobald ich seine Stelle durch einen neuen ersetzt hatte, weg.

Auch in diesem Falle sehen wir wieder, wie unausrottbar dem Jagdhund
die Jagdleidenschaft im Blute steckt. Aber knnen wir uns ber seine
Unarten wundern? Wir Menschen haben ja erst dieser Hunderasse die
Jagdleidenschaft knstlich angezchtet.


24. Klugheit und Verstellungskunst einer deutschen Dogge.

Die deutsche Dogge gilt im allgemeinen fr kein besonders kluges
Geschpf. Wir schtzen wohl ihre Strke, aber wenn wir einen klugen
Hund haben wollen, nehmen wir lieber einen Pudel oder eine andere
Hunderasse.

Um so mehr wird es uns in Erstaunen versetzen, was ein durchaus
wahrheitsliebender Mann von seiner Dogge erzhlt. Unser Gewhrsmann,
der als Rektor einer Schule in nicht recht geheuerer Lage vor dem
Tore einer groen Industriestadt Deutschlands lebte, hielt es fr
ntig, sich zum Schutze der Familie und des Hauses einen tchtigen
Hund anzuschaffen. Meine Wahl fiel, erzhlt er, auf eine fnf
Monate alte schwarze deutsche Dogge, deren Eltern infolge ihrer
Gre, Intelligenz und Treue bei den Hundeliebhabern der ganzen
Umgegend in hohem Ansehen standen, zugleich aber auch wegen ihrer
Bsartigkeit gefrchtet waren. Als ich den Hund ins Haus brachte,
war man ber sein tppisches Wesen und seinen bsen Blick nicht
sonderlich erbaut. Er hatte sein Leben bisher in einem einfachen
Hofe zugebracht, selten einen fremden Menschen gesehen, niemals ein
Zimmer betreten, war daher vollstndig verblfft, als ich ihn in die
Wohnstube fhrte, und nicht von der Stelle zu bewegen, nachdem er seine
Beine, um greren Widerstand leisten zu knnen, wie ein Sgebock
auseinandergespreizt hatte. Nach Verlauf einiger Stunden legte er
sein unbeholfenes Wesen aber schon etwas ab und fhlte sich in seinen
neuen Verhltnissen ziemlich heimisch und erhielt den Namen Tom.
Trotz der armseligen Verhltnisse, in denen er aufgewachsen, hat sich
Tom niemals die geringste Unreinlichkeit zuschulden kommen lassen ...
Selbstverstndlich wurde er mein bestndiger Begleiter auf meinen
tglichen Ausflgen. Hier entwickelte er eine ungeahnte Lebhaftigkeit
und Regsamkeit seines Wesens. Da ich mich selbst mit ihm nur wenig
beschftigte, verschaffte er sich auf eigene Art und Weise allerlei
Kurzweil, verfolgte vorzugsweise mit unausgesetzter Aufmerksamkeit
alles Tun und Treiben der Menschen und griff ohne weiteres in dasselbe
ein, sobald es ihm unstatthaft erschien. Zank und Streit waren ihm
z. B. hchst zuwider. Selbst wenn ziemlich weit entfernte Personen
in heftigen Wortwechsel miteinander gerieten, strzte er auf sie zu,
stellte sich knurrend und zhnefletschend zwischen die Streitenden
und brachte sie bald auseinander.... Am meisten rgerte er sich, wenn
Fuhrleute ihre Pferde mihandelten. Zunchst nahm er in drohender
Haltung neben den gequlten Tieren Stellung; wagte ihr Peiniger
dann nur noch einen Schlag, so wurde er mit solcher Heftigkeit zu
Boden geworfen, da ihm Hren und Sehen verging. Sah er dagegen, da
jemand kaum imstande war, einen schwer beladenen Schubkarren von der
Stelle zu bringen, so eilte er hilfreich hinzu, erfate den Bock des
Fuhrwerkes mit den Zhnen und zog, mit rckwrts gerichtetem Krper,
aus Leibeskrften.

Seiner gewaltigen Gre entsprach auch seine Krperkraft. Spielend
trug er z. B. einen Henkelkorb von einem halben Zentner Gewicht weite
Strecken. Einen wtenden, drohend auf mich zuschreitenden Ochsen,
der mit einer Anzahl Khe zur Weide getrieben wurde, hielt er so
nachdrcklich am Halse fest, da das Tier vor Schmerz laut aufbrllte
und entsetzt davonlief, als es von seinem Angreifer befreit wurde. Die
Wnde einer starken, aus neuen Brettern hergestellten Transportkiste,
in welcher Tom einmal versandt werden sollte, und von welcher der
Schreiner meinte, dieselbe sei fr einen Tiger fest genug gearbeitet,
zermalmte er schon auf der kurzen Strecke bis zum Bahnhofe zu Spnen.
War er im Begriffe, sich auf einen Gegenstand zu strzen, der ihn
in Wut versetzte, vermochte ihn selbst der strkste Mann nicht zu
bndigen; er wurde wie ein Kind umgerissen und fortgeschleift.

An allen Familienerlebnissen nahm er wie ein Mensch Anteil. Wurde z.
B. jemand bettlgerig, so sa er stundenlang an dem Lager des Kranken,
schaute unverwandt nach dessen Angesicht und legte seine Schnauze
oder Pfote leise auf die ihm entgegengestreckte Hand, um sein Mitleid
auszudrcken.... Traf eine Postsendung von einem in der Ferne weilenden
Kinde ein, so konnte er vor Freude kaum die Zeit erwarten, bis der
Inhalt ausgepackt wurde, ergriff dann den ersten besten zum Vorschein
gekommenen Gegenstand und eilte damit zu allen Familienangehrigen im
Hause, die beim Auspacken nicht zugegen waren, um sie auf diese Weise
von dem frohen Ereignis in Kenntnis zu setzen. Kehrte ein lngere
Zeit abwesendes Familienmitglied von der Reise zurck, whrend ich
mich in der Schule befand, so eilte er sofort dahin, obgleich er es
sonst nicht wagte, mir dort einen Besuch zu machen, und suchte, indem
er mir Stock und Hut herbeitrug und sich vor Freude wie unsinnig
gebrdete, mich zum Fortgehen mit ihm zu bewegen. Gelang ihm dieses,
so strzte er vor mir ins Haus und brachte mir irgendein Besitztum
des Angekommenen entgegen, um mir anzudeuten, weshalb er mich geholt.
Reiste dagegen ein ihm lieber Besuch wieder ab, so suchte er die
Abfahrt zu verhindern, schleppte das Reisegepck wieder aus dem Abteil
und verfolgte den abfahrenden Zug eine weite Strecke mit Bellen und
Heulen. Bei schweren, Kraft beanspruchenden Verrichtungen im Hause
war er stets mit seiner Hilfe bereit; so trug er z. B. Kartoffeln
und Kohlen im Henkelkorb aus dem Keller, befrderte die Waschkrbe
nach der Bleiche und der Mangel usf.; besa berhaupt das Bestreben,
jedem nach eigenem Wunsch und Gefallen zu leben. Kein Wunder daher,
da er bald der Liebling der ganzen Familie, besonders der weiblichen
Mitglieder des Hauses, wurde, die ihn freilich leider auch mit der
Zeit verhtschelten und angenommene Unarten, die spter viel Verdru
und Aerger bereiteten, anfangs als interessante Eigenheiten belachten,
anstatt sie zu bestrafen. Fhlte er sich z. B. auf seinem harten
Lager, einer Strohmatratze, unbehaglich, so pflegte er whrend meiner
Abwesenheit auf meinem Sofa der Ruhe; vereitelten ihm absichtlich
darber gebreitete harte Gegenstnde sein Vorhaben, so nahm er auch
mit dem hrteren Sofa in der Kinderstube vorlieb. Auf diesem hatte er
mit Erlaubnis die bekannte Kinderkrankheit, der die meisten jungen
Hunde unterworfen sind, in schwerer Weise berstanden, wurde aber
nach derselben ebenfalls nicht mehr darauf geduldet. Ueberrumpelte
man ihn dennoch ein oder das andere Mal auf der verbotenen Ruhesttte
und rief ihm dann zu: Tom bist du krank? so blieb er ruhig liegen,
schlo die Augen, sthnte und chzte laut, so da jeder Fremde, der
seine Verstellungsknste nicht kannte, annehmen mute, er liege im
Sterben. In der Regel gelang es ihm aber, sich, ehe die Tr geffnet
wurde, mit einem Satze vom Sofa zu schnellen; in diesem Falle stellte
er sich mit der unschuldigsten Miene von der Welt daneben, suchte
seine Verlegenheit durch lautes Ghnen und Dehnen seines Krpers zu
vertuschen und war, wenn er nicht ausgescholten wurde, berzeugt,
seine List sei ihm geglckt. Natrlich nahm er dann sein Ruhepltzchen
von neuem ein, sobald er sich wieder allein im Zimmer befand. Gelang
es ihm nicht, ein Sofa zu erobern, so begngte er sich mit einem
weichen Kopfkissen, indem er sich einen Puff von einem Sofa oder ein
Paar Strmpfe aus dem Strumpfkorbe im Nebenzimmer auf sein Lager
herbeiholte. Die wollene Decke, welche ber das letztere gebreitet
war, glttete er mit Hilfe von Nase und Pfoten mehrmals tglich so
sorgfltig, da sie nicht das geringste Fltchen zeigte; auch reinigte
er sie von Zeit zu Zeit von dem auf ihr haftenden Staube, indem er sie
mit den Zhnen fate und heftig hin und her schttelte.

Am ergtzlichsten war sein Benehmen, wenn sich ihm die Gelegenheit
darbot, meinen Tchtern einen Gegenstand, mit dem sie sich gerade
bei ihrer Handarbeit beschftigten, etwa ein Paar zusammengefaltete
Strmpfe, einen groen Wollenknuel usw., heimlich, wie er sich
einbildete, wegzustibitzen und in seinem groen Rachen verschwinden zu
lassen. Suchten meine Tchter dann den geraubten Gegenstand absichtlich
mit auffallender Emsigkeit, so hatte er seinen Zweck erreicht; er nahm
unter besonders gemessener Haltung eine mglichst einfltige Miene an,
um zu zeigen, da er keine Ahnung von dem Grunde der stattfindenden
Aufregung habe, und gab das Vermite unter schlauem Blinzeln nicht
frher heraus, als bis man sich direkt an ihn mit der Frage gewandt
hatte: Tom, weit du denn nicht, wo ... hingekommen ist? War ich
zufllig bei diesem Spiele zugegen, so kam er, ehe jene Frage an ihn
gestellt, und er mit einem Blicke auf die Mdchen sich berzeugt,
da er nicht beobachtet wurde, unaufgefordert zu mir, sperrte sein
Maul so weit auf, da ich den gesuchten Gegenstand erblicken mute,
warf mir einen verstndnisinnigen, schelmischen Seitenblick zu, um
dann im Umdrehen das vorher gezeigte dumme Gesicht wieder anzunehmen
und auf seinen Platz zurckzukehren. Unglaublich war sein schnelles
Verstndnis fr unsere Wnsche und Befehle. Es sei mir gestattet, nur
einige Tatsachen als Beleg anzufhren. Einmal hatte er mit seinen
schmutzigen Fen das frisch gescheuerte Wohnzimmer arg verunreinigt.
Er wurde auf sein Vergehen aufmerksam gemacht, ausgezankt, vor die
Tr gewiesen und belehrt, wie er sich auf der vor derselben liegenden
Strohdecke zu reinigen habe. Seitdem hat er sich nicht wieder erlaubt,
eher einzutreten, als bis er seine Fe selbst nach Mglichkeit vom
Schmutze befreit hatte. Fehlte zufllig der Abtreter, so bellte er
bittend so lange vor der Tr, bis jemand mit einem Lappen herauskam
und ihm die Fe, die er dann der Reihe nach aufhob und zum Reinigen
hinhielt, abrieb. Obgleich er die Schule aus eigenem Antriebe zu allen
Tageszeiten besuchte, um die aus den Papierkrben von dem Kastellan
gesammelten Brotreste in Empfang zu nehmen, wagte er es niemals, wie
bereits erwhnt, mir dort einen Besuch abzustatten. Rief man ihm
dagegen zu Hause zu: Tom! lauf schnell nach der Schule und hole den
Papa! so strmte er zunchst nach meinem Zimmer im Schulgebude; fand
er mich hier nicht, so ergriff er meinen Hut und brachte ihn nach dem
Zimmer, in welchem ich mich gerade aufhielt.

Leider besa der Hund, wie bereits mitgeteilt, neben seinen glnzenden
Eigenschaften auch verschiedene ble Angewohnheiten, die schon in
seiner Jugendzeit das von ihm entworfene Bild wie vereinzelte dunkle
Punkte trbten, mit seinem fortschreitenden Alter zum Teil aber einen
solchen unheilvollen Charakter annahmen, da sie das Zusammenleben
mit ihm immer mehr verleideten. Schon die Gier, mit welcher er trotz
seiner reichlichen Fleischkost dem Aas nachstellte, das sich hufig
unter dem Miste auf dem Felde befand, machte die Spaziergnge in
seiner Gesellschaft oft unertrglich ..... Whrend seiner Jugendzeit
durften die Mdchen sich unbedenklich den Scherz erlauben, in seiner
Gegenwart einem beliebigen Gegenstand in recht sichtbar zur Schau
getragenen Weise zu schmeicheln und ihn zu liebkosen; er knurrte und
bellte wohl diesen heftig an, zeigte jedoch durch sein komisches
Gebrdenspiel, da der an den Tag gelegte Zorn nur ein erknstelter
war; aber schon nach wenigen Jahren nahm sein Wesen bei diesem Spiele
einen solchen bedrohlichen Charakter an, namentlich wenn es Menschen
oder Tiere waren, die ihm bevorzugt wurden, da man es aufgeben mute,
um nicht ein Unglck heraufzubeschwren ... Zugleich nahm er ein immer
unfreundlicheres und mrrischeres Wesen gegen die Kinder an und zeigte
sich selbstbewuter in seinem Auftreten erwachsenen Personen gegenber.
Whrend er frher z. B. den Schulkastellan durch Schmeicheleien zum
Oeffnen der die Leckereien enthaltenden Schublade zu bewegen suchte,
packte er ihn spter, wenn er ihm nicht augenblicklich zu Willen war,
mit allen Zeichen wirklichen Zornes am Arme und zog ihn mit Gewalt nach
derselben. Hatte er sich in seinen ersten Lebensjahren auerordentlich
feinfhlig gezeigt, so da ihn ein unfreundliches Wort bitter krnkte,
nahm er von den Meinigen jetzt Schelte und selbst Prgel mit vlliger
Gleichgltigkeit hin und drohte zu beien, wenn ihm die Behandlung
nicht pate. Nur mir gehorchte er noch unbedingt und ertrug demtig
die ihm wegen seines widerspenstigen Wesens erteilten Zchtigungen.
Seine Anhnglichkeit und Sorge fr mich schien sogar mit seinem Alter
zuzunehmen.

Er stand jetzt in seinem siebenten Lebensjahre. Was bewhrte Kenner
der Hunderassen mir lngst vorhergesagt hatten, traf ein: sein
ursprngliches bsartiges Naturell, das Erbteil seiner gefrchteten
Eltern, scheinbar durch den stetigen, jahrelangen Verkehr mit Menschen
erttet, kam wieder zum Durchbruch, sobald er gereizt wurde .... Da
verffentlichten die Zeitungen in kurzer Zeit hintereinander zwei
Flle, in welchen deutsche Doggen sich wie wilde Bestien gegen ihre
eigene Herrschaft benommen hatten ..... Wie ein drohendes Gespenst
verfolgte von jetzt ab mich Tag und Nacht der Gedanke, welche Schuld
ich auf mich laden wrde, wenn durch Tom ein hnliches Unglck
herbeigefhrt werden sollte. Trotzdem er mir unentbehrlich geworden,
konnte ich mich der Ueberzeugung nicht verschlieen, es sei unbedingt
notwendig, mich von ihm zu trennen. Ihn fr schndes Geld fremden
Hnden zu berlassen und einer ungewissen Zukunft preiszugeben, wrde
mir wie ein Verrat an meinem besten Freunde erschienen sein; ich
beschlo daher, ihn an eine befreundete Person, welche sichere Garantie
fr eine liebevolle Behandlung bot, zu verschenken.

Vorstehendes berichtet ein Schulmann, der Anspruch auf Glaubwrdigkeit
hat. Trotzdem wollen mir zwei Angaben nicht in den Kopf, weil ich sie
in meinem langen Leben, whrend dessen ich unzhlige Hunde beobachten
konnte, niemals von anderen Tieren gesehen, ja nicht einmal davon
gehrt habe. Einmal hat sich die Dogge die Fe vor der Tr gereinigt.
Wie schn wre es, wenn auch nur die klugen Hunde, wie Pudel,
Schferhunde usw., das nachmachen wrden. Ferner hat die Dogge Sinn fr
Humor gehabt, indem sie gewissermaen mit dem Verstecken des Knuels
einen Witz machte. Humor ist mir unter den Sugetieren nur bei den
Affen bekannt, niemals bei den Hunden. Uebrigens wird auch hier das
Aasfressen fr eine Unart gehalten, was es gar nicht ist.

Dagegen sind die von mancher Seite angezweifelten Angaben ber die
Bereitwilligkeit zum Beistand und die Neigung zur Verstellung durchaus
glaubhaft. Es sollen dafr noch andere Beispiele angefhrt werden.


25. Verstellung und Beistand bei Hunden.

Von den Fllen, wo Hunde sich verstellten, seien hier folgende
angefhrt:

1. Ich besa, schreibt ein Naturforscher, einen rauhhaarigen Hund,
Pintsch genannt, der in ausgezeichnetem Grade log. Pintsch vertrieb
sich die Zeit sehr gern mit Bummeln, wute auch sehr wohl, da
er das nicht durfte, und kam infolgedessen nicht offen von seinen
Spaziergngen nach Hause, sondern schlich sich heimlich ein. Dann
aber, wenn er im Hause war, ging er meist nicht auf geradem Wege zu
den Menschen, sondern machte folgendes Kunststck: er stieg, immer
noch heimlich, auf den Speicher oder an eine andere versteckte Stelle,
wartete, bis er unten im Hause jemand sprechen hrte und kam dann,
tapp, tapp, mit unschuldigster Miene die Treppe herab. Sein spterer
Besitzer besttigte mir diese Beobachtung, ohne von mir darauf
aufmerksam gemacht worden zu sein; so auffallend war die List, womit
er seinem Herrn weiszumachen strebte, da er den ganzen Tag im Hause
verschlafen habe.

2. Es waren in einem Gasthause verschiedene Hunde, die sich alle
Winterabende um das Kaminfeuer in dem Gastzimmer herumlagerten, doch
so, da sie den Gsten nicht im Wege waren. Einer von diesen Hunden,
der sich gewhnlich immer spter als die anderen einfand, mute mit
einem entfernten Platze vorlieb nehmen. Bisher hatte er immer Geduld
gehabt; an einem Abend aber, an welchem die Klte ihm wahrscheinlich
zu unertrglich war, ersann er folgenden listigen Streich, der ihm
auch vollkommen gelang. Nachdem er sich einige Zeit zur Rechten und
zur Linken umgesehen hatte, um ein Pltzchen in der Nhe des Feuers
zu bekommen, aber seine Absicht nicht erreichen konnte, verlt er
auf einmal das Zimmer, luft nach der Haustr und fngt an, aus allen
Krften zu bellen. Augenblicklich machen sich alle Hunde im Zimmer auf
die Beine, laufen und bellen, so gut ein jeder kann. Der Hund, der das
Zeichen gegeben hatte, lie sie gehen, kam mit einer triumphierenden
Miene zurck und suchte sich die beste Stelle beim Feuer aus. Seit der
Zeit bediente er sich zur groen Belustigung der Gste jedesmal, wenn
er es fr ntig fand, dieses Kunstgriffes und verfehlte nie seinen
Endzweck.

3. Den gleichen Kunstgriff wandte ein kleiner gieriger Hund an, um
dem groen Hausgenossen das Futter zu stehlen. Nachdem er seine
Mahlzeit verschlungen hatte, lief er bellend zum Tore, gefolgt von
dem Bernhardiner. Heimlich ging er zurck und fra das Futter des
Groen. Am vierten Tage kam der Bernhardiner hinter den Schlich des
Kleinen und htte ihn zuschanden gebissen, wenn der Hausherr nicht
dazwischengetreten wre.

Ueber Beistand, den die Hunde einander leisten, schreibt der vorhin
erwhnte Besitzer von Pintsch folgendes: Meiner Wohnung gegenber
lag der Hund eines Bierwirts, ich will ihn Boxer nennen, hufig auf
der Strae und sonnte sich. Boxer war ein ungeschlacht aussehendes
Vieh, von dem ich nichts kannte als die Kraft seiner Zhne; die
Lasttrger, welche bei seinem Herrn verkehrten, belustigten sich
fter damit, ihn in einen vorgehaltenen Strick beien zu lassen und
ihn dann an diesem herumzutragen, was er beliebig lange aushielt.
Eines Tages kam ein fremder kleiner schwarzer Hund durch das Stadttor
gelaufen, und wie das zu geschehen pflegt, wurde er sofort von den
kleinen Ktern, denen er in den Weg lief, angebellt. Bald stellten
sie ihn; gerade unter meinem Fenster blieb das schwarze Tierchen
ngstlich stehen, und um ihn bildete sich ein Kreis, bestehend aus
allen kleinen Hunden der Nachbarschaft, die ihn feindselig anklfften
und berochen. Er war augenscheinlich in groer Not, und schon wollte
ich mit einem Wurfgescho zu seinen Gunsten einschreiten, da erhob
sich Boxer, der auf der anderen Seite der Strae lag, aus seiner faul
behaglichen Ruhe, schritt herzu, durchbrach den Kreis der Klffer
und stellte sich breitbeinig mitten ber den kleinen schwarzen Hund!
Boxer sagte nichts dazu, aber er warf einen Blick rings um sich,
solch einen Allgemeinblick, wie ihn kein ernster Schauspieler beredter
und verchtlicher loslassen kann! Die wrdige Haltung stand zwar zu
seinem ziemlich gemeinen Gesichtsausdruck in einem auerordentlichen
Widerspruch, der zum Lachen reizte, aber sie wirkte unbertrefflich;
in wenigen Sekunden war die Meute der Angreifer nach allen Richtungen
zerstoben, und Boxer blieb mit seinem Schtzling allein. Einige
Augenblicke lie er diesen noch unter sich stehen, dann zog er
schwerfllig sein rechtes Vorderbein ber dessen Rcken weg, wandte
sich und suchte, ohne umzuschauen, sein frheres Lager wieder auf. Der
kleine Schwarze aber lief frhlich davon.

Aehnliche Flle, wo Hunde dem Menschen oder anderen Hunden oder
Tieren Beistand geleistet haben, kann man nicht selten beobachten.
Beistand und Verstellung sind dem Hunde naturgem, weil sie beide
ihm in seiner frheren Lebensweise angeboren waren. Von jeher muten
sich die einzelnen Glieder eines Rudels im Kampfe gegen wehrhafte
Pflanzenfresser beistehen. Aber auch die Verstellung ist ihm etwas
Natrliches. Noch heutigen Tages schleppen die Schakale eine Beute
ins Gebsch und sehen erst mit der harmlosesten Miene nach, ob die
Luft rein ist. Es knnte ja sonst sein, da ihnen ein Mensch oder ein
groes Raubtier die Beute entrisse. Da ferner der Leiter des Rudels als
unbeschrnkter Herrscher diejenigen straft, die sich seinen Befehlen
nicht fgen, so hat sich der Hund von jeher daran gewhnt, seinen
Gebieter durch Verstellung zu tuschen.


26. Leistungen der Hunde zum Nutzen der Menschen.

Ueber Polizei- und Blindenhunde ist schon an einer frheren Stelle
gesprochen worden. Allgemein drfte bekannt sein, da im Weltkriege
viele Soldaten durch Sanittshunde gerettet worden sind.

Die Sanittshunde haben ihre Vorlufer in den sogenannten
Bernhardinerhunden. Das Ueberschreiten des Bernhardpasses ist wegen der
Unbilden der Witterung sehr gefahrvoll. Deshalb besteht dort ein Hospiz
zur Pflege und Rettung der Reisenden. Jeden Tag gehen zwei Knechte mit
Hunden ber die gefhrlichen Stellen des Passes. Gro ist die Zahl der
durch diese klugen Hunde Geretteten. Der berhmteste Hund der Rasse
war Barry, das unermdlich ttige und treue Tier, das in seinem Leben
mehr denn vierzig Menschen das Leben rettete. Er ist im Museum von Bern
ausgestellt.

Ueber die Leistungen der Jagdhunde soll im zweiten Bande gesprochen
werden, wo die heimische Tierwelt geschildert wird.

Fr den Landbewohner sind auer den Wachhunden am wichtigsten die Hunde
zum Treiben des Viehs (Fleischerhunde) und die Hunde zum Bewachen des
Viehs, namentlich der Rinder und Schafe (Hirtenhunde). Ueber diese
Hunde wre folgendes zu sagen:

Man hat den Fleischerhund am liebsten schwarz oder braun. Ein guter
Fleischerhund ist in seiner Pflicht unermdlich, luft unaufhrlich
hinter dem Vieh, das er vor sich hertreibt, hin und her; geht ein
Ochse durch und lt sich nicht zurcktreiben, so springt er ihm an
die Schnauze und hngt sich mit den Zhnen daran fest. Schweine packt
er am Ohr, was er teils von selbst tut, teils bei einiger Anleitung an
kleineren Schweinen leicht lernt. Man richtet ihn auch ab, falls er
dies nicht von selbst tut, da er, sobald er das Ohr fest gepackt hat,
ber den Rcken des Schweines wegspringt, wodurch er auf die andere
Seite kommt, das Ohr mit hinberzieht, dem Schweine den Kopf umdreht
und es auf solche Weise leicht zum Stehen bringt.

Der Hund des Kuhhirten mu immerfort seinen Herrn beobachten und
aufmerken, ob dieser ihm etwas befiehlt, was er dann augenblicklich
ausfhrt. Er mu volle Spitzzhne haben. Khe, welche nicht sogleich
gehorchen, mu er wirklich beien, sonst haben sie keine Achtung
vor ihm. Treibt er die Kuh vor sich her, so darf er nur nach den
Hinterfen beien, und zwar, um nicht geschlagen zu werden, von der
Seite, nie nach dem Schwanze oder den Seiten, am allerwenigsten nach
dem Euter. Schlgt die Kuh nach ihm, so mu er sich gut in acht nehmen,
aber dennoch beien. Will er die Kuh wenden, so mu er nach dem Kopfe
beien. Widersetzt sich ihm eine Kuh oder ein Ochse geradezu mit den
Hrnern, so trgt er, wenn er seinem Amte ganz gewachsen ist, dennoch
den Sieg davon, indem er das Vieh ohne Umstnde in die Schnauze beit
und sich daran festhngt. Ist ein Ochse nur *einmal* von dem Hunde in
dieser Art gebissen worden, so hat er vor einem solchen Schnauzenbi
entsetzliche Angst. So hatte vor vielen Jahren der Waltershuser
Hirt einen trefflichen Hund von Gre und Farbe eines Fuchses. Der
Hauptbulle der groen Herde war zu jener Zeit ein lebensgefhrliches
Tier, wagte aber, nachdem ihm der Hund einmal fest, schwer und lange an
der Nase gehangen, gegen diesen nicht die geringste Widersetzlichkeit.
Einstmals hatte sich der Hund in der Stadt mit Beitreiben von Khen
versptet, der Bulle glaubte sich sicher, achtete nicht auf den Hirten,
bis dieser laut nach dem Hunde pfiff; da sah sich der Bulle ngstlich
um und rannte, anscheinend vom bsen Gewissen getrieben, wie der Hund
gesaust kam, geradeaus auf einen hinter dem Burgberge gelegenen Teich
los, sprang ohne Zaudern in diesen hinein, eilte bis zu einer Stelle,
wo nur noch sein Kopf hervorragte, machte dort Halt, schwenkte und sah
den Hund und den Hirten erwartungsvoll und schweigend an. Der Hirt rief
den Hund ab, trieb die Herde, denn es war Abend, heimwrts und der
Bulle folgte von fern wie ein demtiger Snder. Von dieser Zeit an war
das Betragen des Bullen immer tadellos.

Die auerordentliche Wirkung des Schnauzenbisses ist ganz einleuchtend.
Denn auch der Bulle ist ein Nasentier, dessen Nase ungeheuer
empfindlich ist. Deshalb zieht man ihm hufig zu seiner Bndigung einen
Ring durch die Nase.

Der Schferhund mu ebenfalls nach den Hinterfen und beim Wenden nach
Kopf und Hals beien. Ist ein Saat- oder Kleefeld in der Nhe, das er
schtzen soll, so luft er entweder rastlos an ihm auf und nieder oder
er legt sich lauernd hin und springt pltzlich zu, wenn ein Schaf zu
naschen wagt. Ueber die Klugheit mancher Schferhunde beim Hten der
Schafe soll noch spter bei dem Schafe gesprochen werden.

Die Rattenplage und ihre Bekmpfung durch Hunde und Katzen soll bei der
Katze geschildert werden.

Die krperliche Leistungsfhigkeit der Hunde ist ganz erstaunlich. Was
ein Fleischerhund oder ein Schferhund den Tag ber zusammenluft, lt
sich schwer berechnen, aber es ist jedenfalls eine riesige Strecke.
Bei den schnellen und ausdauernden Hhnerhundrassen hat man berechnet,
da sie in sechs bis sieben Stunden eine Strecke von mehr als 100
Kilometern im Galopp durchmessen. Von einem russischen Windhund wird
berichtet, da er an einem Tage 140 Kilometer auf der Landstrae
zurcklegte, ohne wunde Ballen zu erhalten.


27. Gefahren durch Hunde.

Wo viel Licht ist, da ist auch viel Schatten. Von den Schmutzereien,
durch welche die Hunde lstig fallen, ist schon frher die Rede
gewesen. Die Kellerbewohner suchen sich den unerwnschten Besuch von
Hunden durch Bestreuen mit einem scharfriechenden Pulver fernzuhalten.
Dieses Verfahren ist bei einem Nasentier ganz zweckmig.

Bei der ungeheuren Anzahl von Hunden, die in unserem Vaterlande
gehalten werden, sind erhebliche Verletzungen durch Bisse
verhltnismig selten. Immerhin kommen sie vor und mahnen daher zur
Vorsicht.

Das mssen selbst begeisterte Hundefreunde zugeben. So schreibt einer
zum Lobe der Hunde folgendes: Ich habe kluge Hunde gekannt, die fast
jedes Wort und jeden Wink ihres Herrn zu verstehen schienen, auf
seinen Befehl die Tr ffneten oder verschlossen, den Stuhl, den
Tisch oder die Bank herbeibrachten, ihm den Hut abnahmen oder holten,
ein verstecktes Schnupftuch u. dgl. aufsuchten und brachten, den Hut
eines ihnen bezeichneten Fremden unter anderen Hten durch den Geruch
hervorsuchten usw. Es ist auch eine Lust zu sehen, wie entzckt ein
Hund ist, wenn er seinen Herrn ins Freie begleiten darf, wie jmmerlich
dagegen sein Gesicht, wenn er zu Hause bleiben mu.

Derselbe Hundefreund mu aber auch folgendes einrumen: Sehr groe
Hunde sind, wenn sie in Wut geraten, selbst ihrem Herrn und ihren
Freunden gefhrlich. Ich fge hier einige Flle bei, die sich ganz in
meiner Nhe ereignet haben. Als Student wohnte ich nicht weit von dem
Hause eines Gerbers. Ueber Nacht kam in dessen Nhe Feuer aus; der
Mann sprang rasch in ungewhnlicher Kleidung auf den Hof und wurde da
sogleich von seinen zwei Fleischerhunden angefallen und totgebissen.

Als ich einen in Oesterreich wohnenden Freund besuchte, hatte dieser
einen parkartigen Garten, der mit dem Hofe in Verbindung stand, mit
einer Mauer umgeben, aber so oft es etwas Gutes darin gab, kamen
bei Nacht Diebe ber die Mauer. Er versuchte allerlei Gegenmittel
vergeblich und lie dann aus Ungarn mit groen Kosten drei groe
bsartige Wolfshunde samt einem Wrter kommen, der dann auch gleich
als Tagelhner diente. Jede der drei Bestien lag an einer starken,
zugleich als Halsband dienenden eisernen Kette und war mit dieser auf
einem mit Stroh ausgepolsterten Wagen gefesselt. Dort machten die
Fesseltrger von Zeit zu Zeit einen Hllenlrm, waren zuletzt, wie
sie abgeladen waren, seelenvergngt, und jeder wurde an ein schnes,
bequemes Huschen gelegt, vor welchem eine Empfangsmahlzeit bereit
stand. Nach einigen Monaten waren sie eingewohnt, der Ungar lie sie
fr die Nacht los, sie tobten vor Freude in allen Ecken und Enden,
taten mehr Schaden als frherhin die Diebe und leisteten dem Ungar, als
er sie am nchsten Morgen wieder anlegen wollte, solchen Widerstand,
da sogleich der Beschlu reifte, sie fr immer an der Kette zu lassen.
-- Dergleichen knnte ich aus meiner Erfahrung noch viel beifgen. Es
mge jedoch noch bemerkt sein, da drei meiner Freunde, deren jeder
einen Neufundlnder besa, den er fr ausgezeichnet fromm erklrte, von
diesen bei geringer und ganz verschiedener Gelegenheit erbosten Bestien
mordgierig berfallen, stark verwundet und nur durch schnelle Hilfe
gerettet worden sind. Ueber dem einen der Herren mute der Hund, der
ihn niedergeworfen, rasch erschossen werden. -- Groe Ziehhunde haben
schon oft Unheil angerichtet.

Die hier geschilderten Unglcksflle htten sich wohl zum Teil
vermeiden lassen, so z. B. wenn der Gerber seine Hunde vorher angerufen
htte. Jeder erfahrene Tierkenner, der einen Stall oder Zwinger
betritt, ruft die Tiere zunchst an, damit sie merken, da es ihr Herr
oder eine ihnen bekannte Persnlichkeit ist. Aufgeregte Nasentiere
haben keine Zeit, vorher den sich Nhernden zu beschnffeln. Die Nase
ist insofern ein sehr viel langsamer arbeitendes Sinnesorgan als
das Auge. Es braucht wohl nicht erst hervorgehoben zu werden, da
selbstverstndlich auch das Auge bei Nasentieren wichtig ist. Denn
zwecklos verleiht die Natur keine Gaben.

Vor Ziehhunden soll man sich stets in acht nehmen, weil sie wegen ihrer
anstrengenden Ttigkeit gewhnlich schlechter Stimmung sind. Ob man
Hunde berhaupt zum Ziehen verwenden soll, wird beim Esel besprochen
werden.

Es wurde schon erwhnt, da man Hunde nicht kssen soll, da sie
als frhere Raubtiere Aas fressen. Es kommt aber noch ein anderer
Grund hinzu. Der Hund beherbergt mehrere Bandwrmer, von denen
der Hlsenbandwurm (_taenia echinococcus_) der fr den Menschen
gefhrlichste ist. Da der Hund Kot beschnffelt, so kann er die Eier
dieses Bandwurms an die Schnauze bekommen und durch Belecken -- am
leichtesten durch Kssen -- auf den Menschen bertragen. Im Innern
des Menschen, der die Eier in den Mund bekommen hat, bilden sich
kohlkopfgroe Blasen, die tdlich werden knnen. Zur Beruhigung sei
mitgeteilt, da seit Jahrzehnten nur zwei Personen daran erkrankt sind.

Hufiger tritt die berchtigte Tollwut auf. In Deutschland wurden im
Jahre 1912 durch tolle oder tollwutverdchtige Tiere 240 Personen
gebissen. Hiervon wurden 232 Personen geimpft. Sehr zugunsten der
Schutzimpfung spricht, da nur drei Personen starben, von denen
obendrein sich zwei zu spt hatten impfen lassen.

Der Volksglaube, da man einen tollen Hund am eingeklemmten Schwanz und
an der Wasserscheu erkennt, ist irrig. Wohl aber zeichnet er sich durch
verndertes Benehmen, namentlich durch groe Beilust aus.

Die Tollwut endet immer tdlich. Eine bestimmte Rudekrankheit, die
Acarusrude, pflegt ebenfalls unheilbar zu sein. Sonst werden junge
Hunde namentlich im Alter von vier bis zu neun Monaten gewhnlich
von der Staupe befallen, die in einer ansteckenden Entzndung der
Schleimhute besteht. Die Gelehrten stehen dieser Seuche, die fast die
Hlfte aller Junghunde dahinrafft, ziemlich machtlos gegenber. Auf dem
Lande hat man die seltsamsten Kuren dagegen und hufig mit Erfolg.

Ein Glck ist es, da die Flhe, die der Hund besitzt, nicht dauernd
auf den Menschen bergehen. Nach kurzer Zeit verlassen sie ihn wieder.
Der Ausspruch: Wer sich mit Hunden niederlegt, steht mit Flhen auf,
ist also nicht ganz richtig.

Man knnte nun sagen, da schon allein die Tollwut der Hunde Grund
genug wre, alle Hunde abzuschaffen, da ein einziges Menschenleben
unendlich wertvoller als das zahlreicher Tiere ist. Dagegen mu man
darauf hinweisen, da man berall im Leben Vorteile und Nachteile
abwgen und danach seinen Entschlu fassen soll. Heute las ich in den
Zeitungen, da allein in Berlin fnf Personen durch unbeaufsichtigt
gelassene Gashhne gettet worden sind. Werden wir deshalb die
Gasbenutzung aufgeben? Nein, ebensowenig wie auf das Baden, Schwimmen,
Schlittschuhlaufen verzichtet wird, obwohl alljhrlich eine Menge
blhende Menschenleben dieser von der Jugend so beliebten Bettigung
zum Opfer gebracht werden.

Dagegen wird man zweckmig handeln, wenn man sich die Gefahren
vergegenwrtigt, und doppelte Vorsicht anwendet.

Eigentmlichkeiten des Hundes, die bisher noch nicht errtert worden
sind, werden an einer spteren Stelle besprochen werden (vgl. das
Sachregister).


28. Geschichtliches vom Hunde.

In welcher Weise der Haushund gezhmt worden ist, wissen wir nicht. Da
viele Hundeartige (Kaniden), beispielsweise die Schakale, den Lwen und
Tigern folgen, um an ihrer Beute teilzunehmen, so werden sie sich auch
dem Urmenschen angeschlossen haben, um etwas von den Abfllen seiner
Mahlzeiten zu ergattern. Der Mensch wird bald bemerkt haben, da die
Nachbarschaft dieser Tiere fr ihn von grtem Vorteil war. Sie machten
Lrm, sobald sich etwas Ungewhnliches zeigte, und sie fanden durch
ihre feine Nase dort Wild, wo er achtlos vorbergegangen war. Wie heute
in der Trkei noch die Straenhunde leben, die keinen eigentlichen
Herrn haben, also halbwild sind, so haben sich wahrscheinlich schon
in frheren Zeiten halbwilde Hunde dem Menschen angeschlossen. Wir
machen eine hnliche Beobachtung bei andern Tieren. Der Hausstorch,
der Hausrotschwanz, die Hausschwalbe, der Haussperling, der Haus- oder
Steinmarder, die Hausmaus und andere Tiere haben sich ebenfalls mit
dem Menschen angefreundet und sehen jetzt ganz anders aus als ihre ganz
wilden Verwandten. Der Hausstorch sieht schwarz-wei-rot aus, der im
Walde lebende Waldstorch ist dagegen fast schwarz. Der in der Scheune
lebende Hausmarder hat eine weie, der im Walde lebende Edelmarder
eine gelbe Kehle usw. Halbwilde Hunde, hnlich dem Straenhunde in der
Trkei, sind wahrscheinlich die Vorfahren unserer Haushunde, die durch
Kreuzung mit Wlfen und Schakalen im Laufe der Zeiten entstanden sind.


29. Der Hund in Sprichwrtern und Redensarten.

Einige Sprichwrter und Redensarten, die sich mit dem Hunde
beschftigen, sind bereits erklrt worden (ber Bellen und Beien der
Hunde, sich rekeln, Eberkpfe und Hundekpfe, Grasfressen, Anbellen des
Mondes sowie ber Hund und Ofen und Hund und Flhe). Hier sollen noch
weitere angefhrt werden.

Der Hund wurde einerseits wegen der bereits erwhnten Eigenschaften,
die uns Menschen widerwrtig sind, sehr verachtet, andererseits wegen
seines Nutzens fr uns sehr geschtzt.

Fr die Verachtung spricht die Strafe des Hundetragens, womit man
andeuten wollte, da jemand wert sei, wie ein Hund erschlagen und
aufgehngt zu werden.

Hiermit bringt man die Redensart in Verbindung:

  *Auf den Hund kommen*, d. h. also in eine solche Lage kommen, wie
     einer, der Hunde tragen mu. Damit will man andeuten, da jemand
     in verchtliche oder schlimme uere Verhltnisse geraten ist,
     oder da es mit seiner Gesundheit schlecht steht.

  *Jemanden auf den Hund bringen* heit also, ihn in solche schlechte
     Verhltnisse bringen.

  *Ueber den Hund kommen* heit hiernach, jene Strafe berstehen.
     Vervollstndigt wird der Gedanke in der Redensart:

  *Komm ich ber den Hund, komm ich auch ber den Schwanz*, d. h. also,
     berstehe ich die Strafe, so werde ich auch die Nachklnge hieraus
     berstehen.

  *Einer ist so verachtet, da nicht einmal die Hunde ein Stck Brot
     von ihm nehmen.* Es ist das natrlich eine Uebertreibung, um
     zu sagen, da das verchtlichste und gierigste Tier von diesem
     Menschen nichts annehmen wrde.

  *Etwas geht vor oder fr die Hunde*, d. h. es geht dahin, wo sich die
     verchtlichsten Geschpfe befinden, also es geht zugrunde.

  *Hunde und Flhe gehren zusammen. Je magerer der Hund, desto grer
     die Flhe.* Das bezieht sich auf die Menge Ungeziefer, das auf den
     meisten Hunden haust.

  *Er ist bekannt wie ein bunter Hund.* Diese Redensart wrde heute
     nicht entstehen, denn bei uns gibt es jetzt eine Menge mehrfarbige
     Hunde, z. B. Terriers, Tigerdoggen usw. Frher mu es fast nur
     Hunde mit einfarbigem Fell gegeben haben.

Die enge Zusammengehrigkeit des Hundes mit dem Menschen geht daraus
hervor, da man in Tirol sagt statt gar niemand:

  *Kein Hund und kein Seel.*

Auch bei uns heit es deshalb:

  *Da krht weder Hund noch Hahn danach*, denn zum Haushalte gehren
     Hund und Hahn.

  *Mit allen Hunden gehetzt sein.* Das sind manche Stcke Wild, z. B.
     manche Hasen, die durch Zurcklaufen auf ihrer Spur die Hunde in
     die Irre fhren.

  *Viele Hunde sind des Hasen Tod.* Das soll im nchsten Bande, der die
     heimische Tierwelt enthlt, erklrt werden.

  *Wenn die Hunde schlafen, hat der Wolf gut Schafe stehlen.*

Trotz des Nutzens, den der Hund dem Menschen bringt, hat er wenig Dank
dafr. Schlechte Behandlung und wenig Futter sind sein Lohn. Daher die
Redensarten:

  *Es haben wie ein Hund.* -- *Leben wie ein Hund.* -- *Arbeiten wie
     ein Hund.* -- *Mde sein wie ein Hund oder hundemde sein.* --
     *Hunzen = schelten wie einen Hund.* -- Der Hund ist launischer
     Behandlung ausgesetzt, weshalb man sagt:

  *Wer einen Hund will werfen, findet bald einen Prgel.*

  *Der Knttel liegt beim Hunde*, d. h. da der Hund so handeln mu,
     wie der Herr will, weil der sonst allzeit bereite Knttel zur
     Anwendung gelangt.

Wegen seiner Gefrigkeit sagt man:

  *Er wird halten, wie der Hund die Fasten*, das heit gar nicht.

Aus seiner Unvertrglichkeit mit der Katze erklrt sich:

  *Wie Hund und Katze leben.*

Weil der Hund der geborene Wchter ist, so nennt man auch die
Schlsser, die den Dieb vom Stehlen des Schatzes abhalten Hunde. In
Bayern heit der Schatz selbst so. Hieraus stammen die Redensarten:

  *Hunt hint haben*, d. h. einen heimlichen Schatz haben.

  *Den Hunt schmecken wissen*, d. h. wissen, wo Vermgen und etwas zu
     erhaschen ist.

  *Da liegt der Hund begraben.* Manche meinen, da hier mit Hund der
     Schatz bezeichnet werde. Das pat aber schlecht in vielen Fllen.

Wahrscheinlich stammt die Redensart aus dem alltglichen Kampfe
zwischen Jger und Landwirt. Der Bauer lt seinen Hund wildern, und
der Frster greift zur Selbsthilfe. Wenn er annimmt, da niemand es
sieht, erschiet er den Hund und vergrbt ihn. Manchmal hat aber
doch ein Knecht oder sonst ein Mensch die Tat gesehen, der nun wei,
wo der Hund begraben liegt. Er ist froh darber, denn entweder mu
ihm der Frster, der natrlich dem Bauern gegenber alles bestreitet,
Schweigegeld geben oder der Bauer mu ihm das Geld geben, damit er ihm
zeigt, wo der Hund begraben liegt.

Sehr hoch schtzt die Treue des Hundes der Ausspruch:

  *An fremden Hunden und Kindern ist das Brot verloren*, d. h. die
     Hunde lassen sich dadurch nicht verleiten wegen ihrer Hundetreue.

Nur bei einem sehr hundefreundlichen Volke konnte der Vers entstehen:

        *Einen Mann hungerte manche Stund,
        Er ging und kaufte sich einen Hund.*

  *Hundehaare auflegen* kommt von dem Glauben, da, wer Schaden zufgt,
     auch die Kraft zum Heilen besitzt. Auf eine von einem Hund
     verursachte Wunde soll man also Hundehaare legen. In bertragenem
     Sinne spricht man davon, wenn man die durch den Alkohol
     entstandene Magenverstimmung durch weiteren Alkohol beseitigen
     will.


[Illustration: Deutsche Dogge]

[Illustration: Wachtelhund]

[Illustration: Schferhunde]

[Illustration: Schnauzer]

[Illustration: Drahthaariger Foxterrier]




Die Katze


30. Hund und Katze waren beide frher Raubtiere. Warum sehen sie
trotzdem so verschieden aus?

Peter hatte, wie wir sahen, ein kleines Geplnkel mit des Nachbars
Katze. Wir wollen uns diese einmal etwas nher betrachten.

Wie damals sitzt sie in dem Kellereingang und lt sich die warme
Morgensonne auf den Pelz scheinen. Schlecht scheint es ihr wirklich
nicht zu gehen, denn sie ist krftig und sieht ganz wohlgenhrt aus.
Das ist auch nicht weiter wunderbar, denn in einem Kohlenkeller pflegt
es stets Muse zu geben. Der Kohlenhndler hlt sie wohl auch deswegen.
Uebrigens ist uns die Katze schon seit lngerer Zeit bekannt. Sie ist
etwa ebenso alt wie Peter und in Wirklichkeit ein Mnnchen, also ein
Kater, der August genannt wird.

Fassen wir das Tier ins Auge, so fllt uns namentlich folgendes
auf. Erstens: der kleine Kopf mit den Schnurrhaaren. Zweitens: die
zierliche, krftige und runde Form des Rumpfes. Drittens: Fe und
Schwanz fgen sich bereinstimmend in dieses Bild. Die Fe sind
fast bedeckt und der Schwanz geht im Bogen nach vorn. Viertens:
bewundernswert ist bei der Gesamterscheinung die unerschtterliche
Ruhe, da am Krper sich nicht das geringste bewegt. Ein aus Erz
gegossenes Kunstwerk knnte sich kaum regungsloser verhalten.

Doch diese Leblosigkeit ist nur Schein, denn sie beruht auf einer
auerordentlichen Beherrschung aller Muskeln. Jetzt *kommt* Leben in
August, denn seine Herrin, deren Liebling er ist, kehrt von einem
Gange zurck. Das Schmeicheln der Katzen ist, wie wir jetzt sehen,
ganz anders wie das der Hunde. Ein Hund, der sich bei seinem Herrn
beliebt machen will, springt an ihm herauf und sucht beide Vorderpfoten
auf seine Beine zu legen. Der Kater dagegen luft hin und her und
reibt sich dabei an den Kleidern seiner Herrin, wobei er den Schweif
hochgestellt hlt. Stnden wir ganz dicht dabei, so wrden wir August
auch schnurren hren.

Doch seine fleiige Herrin hat nicht lange Zeit, sich mit August weiter
zu beschftigen. Sie hat aber ihrem Lieblinge einen Leckerbissen
mitgebracht, den der Kater jetzt frit. Hierbei fllt uns der
merkwrdige Unterschied des Fressens beim Hund und der Katze auf. Einen
solchen Happen, anscheinend ein kleines Stck von einem greren Fisch,
wrde ein Hund im Nu verschlungen haben. Der Kater dagegen braucht eine
ganze Weile, ehe er den Happen bewltigt hat. Nach unseren Begriffen
it die Katze gesittet, whrend der Hund ein roher Schlinger ist. Wir
mssen an das Sprichwort denken: I wie eine Katze und trink' wie ein
Hund. Nach dem Essen putzt sich August, indem er sich gewissermaen
wscht. Nach dem Volksglauben bedeutet es bekanntlich, da Besuch
eintrifft, wenn die Katze sich wscht.

Dieses Waschen bewerkstelligt August in folgender Weise, wie wir
beobachten knnen. Er macht eine Pfote mit der Zunge feucht und benutzt
diese angefeuchtete Pfote als Schwamm, um seinen Kopf und andere
Krperteile, soweit er reicht, damit zu reinigen.

Nachdem August so sein Aeueres wieder in Ordnung gebracht hat,
betrachtet er zunchst die Welt anscheinend mit der Ruhe eines
Weltweisen.

Da August ein krftiges Tier ist, so hat er vor Durchschnittshunden
keine Furcht. Er hat seinen Nachbarn Peter lngst durchschaut und wei,
da dieser wohl im Blaffen gro, aber kein furchtloser Draufgnger
ist. Fr gewhnlich macht er bei der Annherung von Hunden kaum einen
Buckel. Dagegen zieht er sich vor einem ausnehmend scharfen Dachshunde,
der mit Schmarren bedeckt ist und um die Ecke wohnt, regelmig zurck.
Da August jetzt seiner Herrin in den Keller gefolgt ist, so wollen wir
zunchst uns das, was wir bei ihm erschaut haben, zu erklren suchen.

Hund und Katze sind beide Raubtiere, wie wir wissen. Aber sie wenden
ganz verschiedene Mittel an, um zu ihrem Ziele zu gelangen. Der Hund
sprt mittels seiner feinen Nase einen Pflanzenfresser auf, wie noch
jetzt seine wilden Verwandten, die Wlfe und andere hundeartige Tiere,
und sucht ihn durch seine Schnelligkeit zu erbeuten. Er ist, wie wir
schon sagten, ein Hetzraubtier.

Ganz anders verfhrt die Katze. Ueber ihre Abstammung soll spter
gesprochen werden. Jedenfalls gleicht sie heute noch ihrer nahen
Verwandten, der europischen Wildkatze, fast in allen Stcken.
Gleich dieser hat sie erstens keine feine Nase, um eine Hasenspur
zu verfolgen, wie ein Hund. She sie aber wirklich im Felde einen
Lampe, wie man den Hasen nennt, so denkt sie nicht daran, wie ein Hund
hinterher zu laufen. Dazu ist sie nicht schnell genug. Sie kann zwar
sehr schnell einige Sprnge machen, aber ein Dauerlufer ist sie nicht.

Whrend also der Hund den Weg der offenen Gewalt einschlgt,
verabscheut die Katze diese Fangart und bekennt sich zur Anwendung der
List. Sie sagt sich: warum soll ich dem Hasen nachlaufen, den ich doch
nicht einhole? Viel einfacher ist es, wenn ich mir den Hasen kommen
lasse.

Und unsere Mieze hat mit ihrer Fangart auerordentlichen Erfolg. Das
wei jeder Jger, wie gefhrlich gerade wildernde Katzen dem Wildstande
sind.

Man sollte meinen, da Hasen, Rebhhner und anderes Wild nur die
Stellen zu meiden brauchten, wo eine Katze sitzt. Aber die Katze ist
eine solche Meisterin in ihrer Fangart, da sie selten ohne Erfolg
bleibt.

Bricht die Dmmerung herein, so versprt der Hase, der auch ein
nchtliches Tier ist, Hunger im Magen. Er will sich deshalb auf das
Feld begeben, um sich an dem saftigen Klee und anderen Gewchsen
zu laben. Zu diesem Zwecke luft er gewisse Steige, sogenannte
Psse, entlang, wie ja auch der Mensch mit Vorliebe Straen benutzt.
Vorsichtig prft er erst mit der Nase, ob er nicht irgendeinen Ruber
entdecken kann. Aber seine Nase kann nichts Feindliches feststellen.
Noch mehr verlt sich der Hase auf sein feines Gehr. Nicht umsonst
hat er die langen Lffel (Ohren). Aber auch die Ohren knnen ihm keine
Gefahr melden. Nicht das geringste Gerusch ist zu vernehmen.

So hoppelt denn unser Lampe mit Seelenruhe seinen Pa entlang. Trotzdem
ist es sein letzter Weg. Denn hinter einer bewachsenen Erhhung
berfllt ihn blitzschnell eine verwilderte Katze und trotz seines wie
Kindergeschrei klingenden Qukens endet er bald sein Leben unter ihrem
Gebi und ihren Prankenschlgen.

Vergegenwrtigen wir uns diese Ruberttigkeit der Katze als
vollendeter Schleicherin, so wird uns ihre Gestalt und ihr Verhalten
vollkommen klar.

Eine Schleicherin mu scharf sehen knnen, ob sich das Opfer nhert.
Die Katze ist daher ein Augentier, das ein scharfes Sehvermgen, aber
nur einen migen Geruchssinn besitzt. Die Nase braucht daher nicht so
ausgebildet zu sein wie beim Hunde. Infolgedessen erscheint der Kopf
rund. Das ist fr eine im Gebsch harrende Schleicherin von Vorteil,
denn ein langer Kopf wre schwerer zu verbergen.

Wer sich ferner nicht verraten will, der mu ganz geruschlos auftreten
und darf kein Zappelphilipp sein. Die Katze versteht das. Ihr
Auftreten ist so geruschlos, da man selbst im Zimmer bei schrfster
Aufmerksamkeit das Gehen einer Katze nicht hrt.

Jetzt verstehen wir ihren runden Rcken, der dem Erdboden ganz nahe
ist. Eine solche Krperform verschwimmt mit der Umgebung. Auch ihre
Ruhe ist uns jetzt ganz einleuchtend. Denn Nasentiere sind fr
Bewegungen besonders empfindlich.

Eine im Gebsch oder im Versteck lauernde Schleicherin mu sich mit
dem geringsten Raum begngen. Folglich ist fr ihren langen Schweif
kein Platz da. Demnach mu sie ihn, um ihn unterzubringen, nach vorn
krmmen. An dieses Krmmen des Schwanzes nach vorn ist die Katze seit
Urzeiten so gewhnt, da sie den Schweif auch dann so trgt, wenn sie
den weitesten Raum zur Verfgung hat.

Der Hund dagegen, der krumme Wege im allgemeinen nicht liebt und
deshalb auch nicht in engen Verstecken lauert, lt seinen Schweif beim
Hinsetzen in gerader Linie liegen.

Von der Bedeutung des Schweifes in der Tierwelt werden wir noch
sprechen.

Der Hase war also der Schleicherin zum Opfer gefallen, weil seine
Schutzmittel ihn nicht retten konnten. Seine Schnelligkeit, sein
grter Vorzug, war wertlos wegen des pltzlichen Ueberfalls. Auch
seine feine Nase konnte ihm die Feindin nicht anzeigen, weil diese
sich wohlweislich hinter einer bewachsenen Erhhung geduckt hatte.
So konnte der Hase sie nicht riechen. Der Hase ist wie der Hund ein
Nasentier. Auch das vielgerhmte Hasenohr konnte die geruschlose und
unbewegliche Ruberin nicht wahrnehmen.

Trotz ihres Nagergebisses beien die Hasen nur ausnahmsweise. Aber
selbst wenn sich der Hase gegen die Katze wehren wollte, so war er
gegen die auf dem Rcken festgekrallte und festgebissene Feindin
machtlos.


31. Welchen Zwecken dienen die Schnurrhaare der Katze?

August besitzt, wie uns aufgefallen war, auf der Oberlippe wagerecht
stehende Borsten, sogen. Schnurrhaare. Beim Hunde knnen wir nur einige
zerstreute Haare dieser Art an dem gleichen Orte entdecken. Es ist
anzunehmen, da die Schnurrhaare fr August bei seinem Ruberhandwerk
irgendeinen Zweck haben. Worin drfte dieser Zweck bestehen?

Wrden wir einer Katze die Schnurrhaare abschneiden, so knnten wir
die Beobachtung machen, da sie von einer merkwrdigen Unsicherheit
befallen wird. Und das mit Recht. Denn sie, die Schleicherin, liebt es,
alle engen Gnge, alle Hhlungen zu untersuchen, ob nicht irgendwie
etwas Beute fr sie abfllt. Das Durchkriechen enger Wege kann aber
leicht gefhrlich werden; man kann manchmal weder vorwrts noch
rckwrts. So sind kleine Affen, die in Zoologischen Grten ausbrechen
und zu diesem Zwecke sich durch enge Rhren durchzwngen wollten,
steckengeblieben und elendiglich verhungert. Das kann einer Katze wie
allen Tieren, die Schnurrhaare tragen, nicht gut passieren. Wird ihr
Weg so eng, da die Gefahr des Festsitzens droht, so stt sie mit den
Schnurrhaaren an. Sie fhlt das gleich und wei: Bis hierhin und nicht
weiter!

Die Schnurrhaare sind also fr das Leben der Katze von der grten
Wichtigkeit. Sowohl Mnnchen als auch Weibchen haben sie. Selbst junge
Katzen besitzen sie schon, denn auch sie knnten in ihrer Neugierde in
ein Loch hineinkriechen und darin steckenbleiben. Wir ersehen hieraus,
da die Schnurrhaare, die manche als Schnurrbart bezeichnen, mit
unserem Schnurrbart nicht das mindeste zu tun haben. Unser Schnurrbart
ziert nur Mnner, fehlt also den Frauen und allen Jugendlichen. Sodann
hat er nicht die elastische Eigentmlichkeit der Katzenschnurrhaare,
sofort in die alte Stellung zurckzukehren.

Manche nennen diese Schnurrhaare Tasthaare. Das ist keine Verbesserung.
Betrachtet man genau den Kopf einer Katze, so erblickt man oberhalb der
Augen einzelne lange Haare. Das sind reine Tasthaare. Wenn eine Katze
in eine dunkle Hhlung kriecht, so zeigen ihr diese Haare an, da die
Hhle zu Ende ist. Ohne diese Tasthaare wrde also die Katze Gefahr
laufen, mit ihrem Kopfe gegen den Hintergrund anzustoen. Da der Kopf
aller Katzen sehr fest gebaut ist, so wre das weiter kein Unglck.

Der Hund kriecht in keine Hhlen von Brettern, Bumen und dergleichen,
sondern hchstens in Erdhhlen. Hier kann ihm aber keine Lebensgefahr
drohen. Denn sollte er wirklich einmal festsitzen, so kann er mit Hilfe
seiner Grabpfoten sich leicht wieder befreien, indem er die Hhle
erweitert. Der Hund braucht also keine Schnurrhaare wie die Katze und
besitzt sie deshalb nicht.

Bereits bei Peter (Kapitel 7) wurde erzhlt, da der Hund Grab- und
Rennpfoten hat. Im Gegensatz hierzu hat August als Katze einziehbare
Krallen an seiner Pranke, d. h. seiner bewehrten Pfote. Das Einziehen
der Krallen hat zwar den Vorzug, den Tritt unhrbar zu machen, aber zum
Graben in einem harten Boden sind einziehbare Krallen nicht geeignet.

Obwohl also Hund und Katze beide frher Raubtiere waren, sehen sie
deshalb sehr verschieden aus, weil sie sich auf ganz verschiedene
Art ihren Nahrungserwerb suchen. Der Hund mit seiner offenen Gewalt
erinnert an einen mit drhnenden Schritten auftretenden Krassier,
whrend uns bei der formgeflligen Katze die Gestalt eines Tanzmeisters
einfllt. Auch bei Pferden und Rindern finden wir einen hnlichen
Unterschied, obwohl beide Geschpfe friedliche Pflanzenfresser sind und
oft zusammen weiden.


32. Das Schmeicheln der Katze. Ist die Katze falsch?

Schmeichelktzchen ist eine sehr bekannte Bezeichnung fr einen
Menschen, der sich wie eine schmeichelnde Katze bei einem anderen in
Gunst setzen will. Bei August haben wir dieses Schmeicheln als Reiben
an den Kleidern seiner Herrin beobachtet.

Ohne Zweifel ist das eine Art der Katzen, sich beliebt zu machen.
Im Zoologischen Garten knnen wir das gegenseitige Reiben zwischen
Lwe und Lwin oft wahrnehmen, wenn sie aneinander vorberschreiten.
Da Raubtiere sich mit ihrem groen Rachen nicht kssen knnen, so
entsprche dieses gegenseitige Reiben einem Kusse. Das merkwrdig feine
Haar der Katzen scheint fr solche Zrtlichkeiten besonders geeignet zu
sein.

Der Hund besitzt dagegen dieses feine Katzenhaar nicht. Er whlt daher
einen anderen Weg. Er springt an uns empor. Das ist, wenn der Hund
schmutzige Pfoten besitzt, und der Mensch eine saubere Hose angezogen
hat, was in der Stadt sehr hufig vorkommt, fr uns nicht gerade sehr
angenehm. Was bezweckt der Hund mit dem Anspringen? Man geht wohl nicht
fehl, wenn man annimmt, da der Hund uns noch nher kommen will. Der
eigentliche Mensch sitzt wohl nach seiner Auffassung im Kopfe, denn dem
nhert er sich mit Vorliebe und sucht uns zu belecken. Darin bestrkt
wird er wohl dadurch, da gerade aus dem Kopfe unsere Stimme ertnt.

Bekannt ist es, da eine Katze, die einem Menschen ihre Zuneigung durch
Schmeicheln bewiesen hat, wie es August vor unseren Augen getan hat,
nicht selten kurze Zeit darauf denselben Menschen kratzt, wenn dieser
sie neckt. Weil das ein alter Erfahrungssatz ist, so gilt die Katze
allgemein als falsch. Ist das richtig?

Allerdings kann man manchen Hund nach Belieben prgeln, und er wird
trotzdem seinem Herrn anhnglich und treu sein. Man spricht daher von
einer Hundedemut, weil es unseren sonstigen Erfahrungen widerspricht,
da ein Geschpf fr tgliche Prgel sich noch unterwrfig und ergeben
zeigt. Wer ebenso mit einer Katze verfahren will, der kommt an die
unrichtige Stelle. Der Hund ist allerdings eine Sklavennatur, die
Katze dagegen eine Herrennatur. Sich von dem Menschen prgeln zu
lassen, weil dieser grade schlechter Stimmung ist, fllt der Katze
nicht ein. Sie wehrt sich dagegen und kratzt den Angreifer. Der ist
hchlichst erstaunt, weil er denkt: Was sich ein Hund gefallen lt,
mu sich doch auch eine Katze bieten lassen. Da das nicht der Fall ist,
so schilt er die Katze als falsch.

Warum ist nun der Hund demtig wie ein Sklave, die Katze dagegen stolz
wie ein Herrenmensch?

Wir wissen schon, da wir wieder bei den wilden Verwandten nachforschen
mssen, wenn wir Auskunft hierber haben wollen. Schon frher (vgl.
Kap. 11) wurde davon erzhlt, eine wie strenge Zucht der Leiter eines
Rudels bei den Eskimohunden hlt. Dieser Leiter, der sogenannte Baas,
straft umgehend durch Bisse jeden, der sich irgendeine Unregelmigkeit
zuschulden kommen lt. Von Wolfsrudeln hren wir genau das gleiche.
Als Beispiel sei folgendes angefhrt. Wenn die Wlfe wandern, so
tritt jeder einzelne Wolf jedesmal in die Spuren des Vordermanns,
damit es den Eindruck erweckt, als sei nur ein einzelner Wolf den
Weg entlanggelaufen. Wehe dem Wolfe, der aus Sorglosigkeit oder
Unachtsamkeit daneben tritt. Er wird nach den bereinstimmenden
Berichten von dem Leiter des Rudels, dem strksten Wolfe, zerrissen.

Der Hund hat also seit Urzeiten einen unbeschrnkten Herrn ber
sich gehabt, gegen den es keinen Richterspruch gab, und von dem er
widerstandslos alles erdulden mute. Nur die Gewalt, die Strke,
vermochte etwas gegen seinen Vorgesetzten anzurichten. So kennt der
Hund es nicht anders, als sich alles von dem Strkeren gefallen zu
lassen.

Die Wildkatze dagegen lebt nicht in Rudeln, sondern allein. Auch unsere
Katze ist daher eine Einzelgngerin geblieben. Eine Unterordnung unter
einem Vorgesetzten hat sie niemals kennengelernt. Deshalb ist sie eine
Herrennatur geblieben.

Falsch kann also nur der die Katze nennen, der auf dem Standpunkt
steht, da die Katze sich alles wie ein Hund gefallen lassen msse.


33. Warum schlingt der Hund, whrend die Katze gesittet frit?

Von Peter sahen wir, da er ein Stck verwestes Fleisch im Nu
hinunterschlang, whrend August langsam wie ein gut erzogener Mensch
kaut. Fr uns Menschen ist es ein naheliegender Gedanke, diese
Verschiedenheit darauf zurckzufhren, da die Katze das gesittete
Essen dem Menschen abgesehen hat, whrend der Hund darin ein
unbelehrbarer Tropf geblieben ist.

Diese Ansicht ist schon aus dem Grunde nicht wahrscheinlich, weil die
Katze im Vergleich zu dem Hunde erst ein sehr junges Haustier ist. Auch
hier ist die Lebensweise der Verwandten ausschlaggebend gewesen.

Wer, wie die Wildkatze, einzeln lebt, braucht sich bei der Mahlzeit
nicht zu sputen. Es wird ihm deshalb kein Happen fortgenommen, und die
Beute schmeckt desto besser. Wer dagegen im Rudel schmaust, wie die
Wildhunde, der mu sich sputen. Sonst geht er leer aus.

Hierzu kommt noch die Verschiedenheit des Gebisses. Die Katze mit
ihrem kleinen Gebi kann gar nicht so schnell schlingen, wie der
Hund mit seinem groen Rachen. Wenn wir nach dem Zoologischen Garten
gehen und uns die Ftterung der Raubvgel ansehen, so knnen wir bei
ihnen den gleichen Unterschied wahrnehmen. Die Geier mit ihren groen
Schnbeln schlingen, weil sie in der Freiheit gemeinsam an demselben
toten Tiere sich zu sttigen suchen, dagegen fressen die Falken und
Adler gesittet, weil sie einzeln jagen, wie die Katze, auch nicht den
mchtigen Schnabel der Geier besitzen.

Das vorhin erwhnte Sprichwort: I wie eine Katze und trink' wie ein
Hund ist nicht ganz genau. Denn auch die Katze lappt das Wasser genau
wie der Hund. Jedenfalls ist sie keine Suferin, so da es einfacher
wre zu sagen: Nimm dir beim Essen und Trinken die Katze zum Vorbild.


34. Die Katzenwsche. Sind Katzenhaare giftig?

August hat sich nach dem Essen geputzt. Die Katze gilt als ein sehr
reinliches Tier. Mit dieser Reinlichkeit ist es allerdings schwer zu
vereinigen, da das Waschen nur mit der beleckten Pfote geschieht. Von
einem Kinde, das sich aus Abneigung gegen das Wasser ganz oberflchlich
reinigt, sagen wir daher, da es Katzenwsche liebe.

Vergleichen wir damit das Benehmen unserer Sperlinge. Es hat vor
einiger Zeit geregnet, und es sind noch einige Pftzen auf der Strae.
An einer von Menschen nicht begangenen Stelle sehen wir die Sperlinge
sich zu einem Bade drngen. Sie tauchen ordentlich in das Wasser ein
und machen sich manchmal so grndlich na, da ihnen das Fliegen schwer
fllt.

Warum nimmt sich August die Sperlinge nicht als Vorbild oder geht wie
der Hund in das Wasser hinein, um ein erquickendes Bad zu nehmen?

Abneigung gegen die Reinlichkeit kann es nicht sein, denn das Putzen
ist bei der Katze so auffllig, da man einen Menschen, der sehr viel
auf sein Aeueres verwendet hat, als geleckten Kater bezeichnet.

Auch sonst ist die Katze nicht pimplig, was man im Winter, wenn Schnee
und Klte herrschen, oft genug auf den Feldern beobachten kann.
Stundenlang kann sie trotz starken Frostes regungslos sitzen, so da
sie gegen Klte ziemlich unempfindlich sein mu.

Der Grund fr das Waschen mit der feuchten Pfote mu also anderswo
liegen. Er drfte in dem Bau ihrer Haare zu suchen sein. Diese sind so
fein, da nicht einmal eine Fliege auf ihnen sitzen kann.

Den Landleuten ist es lngst aufgefallen, da Fliegen, die den Hund
furchtbar belstigen, der Katze fast aus dem Wege gehen. Natrlich
versucht auch eine Fliege, sich auf einer Katze niederzulassen. Aber
bald kommt sie dahinter, da ihr das nicht gelingt, und sie fliegt
weiter.

Bei Landleuten hrt man auf Grund dieser auffallenden Erscheinung
vielfach die Ansicht, da Katzenhaare giftig seien. Das ist entschieden
ein Irrtum. Denn Hunde, die beim Raufen mit Katzen das ganze Maul
voll Katzenhaare bekommen, erleiden keinen Nachteil davon. Auch
werden Katzenfelle in Unmenge getragen, ohne da man von einem
gesundheitlichen Schaden hrt. Im Gegenteil: Katzenfelle gelten als
vortreffliches Mittel gegen allerlei Krankheiten.

Uebrigens sind die Fliegen auch ganz verschieden zudringlich zu zwei
anderen Haustieren, nmlich Khen und Ziegen. Der Kuhstall wimmelt von
Fliegen, whrend sich im Ziegenstalle nur wenige aufhalten.

Wegen der Feinheit ihrer Haare scheint das Wasser sehr schnell auf
die Haut der Katzen zu gelangen. Der Hund dagegen, der sein Naturhaar
besitzt, kann stundenlang im Regen weilen, ohne im gleichen Grade
durchnt zu werden, da ihn die Unterwolle schtzt.

Hiermit steht im Einklang, da alle Katzen es vermeiden, bei
Regenwetter ins Freie zu gehen. Whrend ein abgehrteter Hund sich
nicht durch einen strmenden Regen abhalten lt, seinen Herrn zu
begleiten, sucht die Katze ein schtzendes Obdach. Auch unser August
ist wie alle Katzen kein Freund von Regen.

Die Katze kann wohl schwimmen, aber sie tut es nur im Notfalle, denn
sobald sie aus dem Wasser kommt, sieht sie wirklich wie eine gebadete
Katze aus.

Von den vielen Beobachtungen auf diesem Gebiete fllt mir gerade
folgende ein. Im Schilfe eines Sees zeterte und verfolgte sich ein
Vogelprchen. Die Katze von einem benachbarten Besitzer hrte das und
dachte sich: Halt, hier kannst du dir wohl einen leckeren Braten holen.

Mieze kam also ganz leise angeschlichen und wartete, bis die Vgel
nahe genug geflogen waren. Dann sauste sie mit einem Sprunge durch die
Luft. Doch die Vgel hatten im letzten Augenblick die drohende Gefahr
erkannt und sich eiligst davongemacht. Mieze konnte mit ihren Pranken
keinen von ihnen fassen und fiel in den See, der ihre Jagdleidenschaft
etwas abkhlte. Der Anblick der zurckkehrenden Katze mit ihrem
betrbten Gesicht wegen des fehlgeschlagenen Unternehmens und mit dem
pitschenassen Felle ist mir heute noch gewrtig.

Einen untrglichen Beweis, da Dauerregen sehr nachteilig auf Katzen
wirkt, liefern uns Lnder, die wie Paraguay andauernde Regenzeiten
haben. Es ist in diesen Lndern bekannt, da verwilderte Katzen whrend
dieser Zeit sterben.

Uebrigens gibt es auch bei andern Vlkern Haustiere, die sehr
empfindlich gegen Nsse sind, z. B. das Kamel. Ein Freund von mir, der
whrend des Weltkrieges im Orient ttig war, erzhlte mir, da man von
dieser Eigentmlichkeit der Kamele keine Ahnung gehabt hat und sie
deshalb in bester Absicht in die Schwemme getrieben habe. Die Wirkung
sei verheerend gewesen, denn etwa die Hlfte der Kamele sei daran
gestorben.

Das Kamel stammt aus Gegenden, wo es fast niemals regnet. Wasser am
Krper ist ihm deshalb sehr nachteilig.

Aehnlich liegt die Sache bei dem Esel, von dem wir noch spter sprechen
werden. Pferde reitet man in die Schwemme, aber Esel nirgends.

Ein Knabe, der sich aus Pimpligkeit nicht waschen will, darf sich also
niemals auf die Katze berufen. Die Katze wscht sich deshalb nur mit
der feuchten Pfote, weil Nsse ihrem Krper nachteilig ist.

Wenn man bedenkt, da der Hund ein vortrefflicher Schwimmer ist, der
gern ins Wasser geht, so scheint die Katze mit ihren feinen Haaren als
Raubtier sehr benachteiligt zu sein. Warum hat die Katze nicht auch ein
so vortrefflich schtzendes Fell wie der Hund?

Das hat zwei Grnde. Wir haben vorhin geschildert, wie die Katze am
Passe des Hasen auf ihr Opfer wartet und es erbeutet. Bese die Katze
ein Hundefell, so wrde sie wie ein Hund von Fliegen belstigt werden.
Sie knnte unmglich regungslos bleiben, sondern wrde, wie der Hund
es tut, von Zeit zu Zeit nach den Plagegeistern schnappen oder nach
Katzenart sie mit den Pranken zu verjagen suchen. Diese Bewegungen
wrden jedoch Gerusche verursachen, die von dem feinohrigen Lampe
schon von weitem wahrgenommen werden wrden. Selbst seinem schwachen
Gesicht wrden brigens diese Bewegungen auffallen, da alle Nasentiere,
wie wir wissen, fr Bewegungen besonders empfnglich sind. Die lauernde
Katze wrde also um ihre Beute kommen.

Der zweite Vorteil, den die Katze von ihrem feinen Haar hat, besteht
darin, da sie in Dornendickichte eindringen kann, die dem Hund
unzugnglich sind. Die Dornen halten wohl den Hund fest, weil seine
Haare so widerstandsfhig sind, aber nicht die weichen Katzenhaare.

Wir sehen also, da auch in diesem Falle, wie so hufig im Leben,
Nachteile durch Vorteile auf anderem Gebiete aufgewogen werden. Fr die
Nsse sind die Katzenhaare ungeeignet, aber fr andere Dinge passen sie
besser als Hundehaare.

Mit dem besonderen Bau der Katzenhaare drfte es zusammenhngen, da
sie sich gut zu Versuchen auf dem Gebiete der Elektrizitt eignen. Es
drfte aber bertrieben sein, da man durch Reibung eines Katzenfells
elektrische Funken hervorrufen kann, wie es in manchen Bchern heit.
Wenigstens habe ich solche Funkenerzeugung noch nicht beobachten knnen.


35. Warum hat die Katze eine rauhe Zunge?

Gewhnlich heit es, da die Katze deshalb eine rauhe Zunge besitzt, um
als Raubtier besser das Fleisch zerkleinern zu knnen. Ob die Stacheln
auf der Zunge wirklich in einem solchen Falle von groem Nutzen sind,
erscheint doch sehr zweifelhaft zu sein.

Sieht man, mit welcher Sorgfalt die Katze ihr Fell leckt, so scheint
es doch wahrscheinlicher zu sein, da die Katze, da sie Regen wie
berhaupt Wasser meidet, das Fell wenigstens zu kmmen sucht. Die
Stacheln wrden hiernach als Ersatz fr einen Kamm dienen. Gerade
die Katzen in kalten Lndern brauchen einen reichlichen Haarwuchs,
und dieser mu, wenn schon das Wasser von ihm ferngehalten wird, in
irgendeiner Weise in Ordnung gehalten werden.

Nach unseren Begriffen kann uns das Belecken der Pfote, um damit die
Haut zu bearbeiten, wie es August macht, sehr wenig gefallen. Aber wir
mssen natrlich die Tiere mit einem anderen Mastab messen als den
Menschen. Wir tauchen unsere Hand in eine Schssel Wasser und reinigen
die beschmutzte Stelle oder wir nehmen zu diesem Zwecke einen Schwamm.
Der Katze fehlen diese Dinge, und daher whlt sie ihre Zunge als Ersatz.

So halten auch Hundemtter und Katzenmtter ihre Jungen durch Belecken
sauber. Was wrde es fr Umstnde machen, wenn ein Hund oder eine
Katze fr jedes Junge -- es sollen nur sechs angenommen werden -- ein
besonderes Bad anrichtete?

Die Zunge hat also, wie wir sahen, bei den Tieren, namentlich bei
Hunden und Katzen eine ganz andere Bedeutung wie beim Menschen. Sie
ersetzt dem Tier hufig die Hand. Wenn ein Hund uns seinen Dank
ausdrcken will, so kann er uns nicht die Hand geben, weil er keine
hat, sondern sucht uns die Hand zu belecken.


36. Das Vorgefhl der Tiere fr kommendes Wetter.

Da wir gesehen haben, wie sorgfltig August sein Fell in Ordnung
gebracht hat, so wollen wir bei dieser Gelegenheit etwas nher auf den
Volksglauben eingehen, wonach Besuch zu erwarten ist, wenn die Katze
sich putzt.

Es ist natrlich sehr bequem zu sagen: Das ist ja frchterlicher
Unsinn. Wie kann ein aufgeklrter Mensch so etwas glauben?

So einfach liegt die Sache nicht. Ich will hier erzhlen, was ich mit
eigenen Augen gesehen habe.

Auf einem Jagdrevier gab es eine Unmenge wildernder Katzen, die groen
Schaden anrichteten. Der Jagdaufseher, der ein hervorragender Schtze
war, gab sich alle Mhe, ihre Anzahl zu verringern.

Das ist aber nicht leicht auszufhren. Die Katze merkt sehr bald, da
man ihr nachstellt, und als nchtliches Tier geht sie dann nur in der
Dunkelheit auf Raub aus. Was ntzt dem vortrefflichsten Schtzen seine
Kunst? Um zu treffen, mu man sehen knnen, und in der Dunkelheit ist
nichts zu sehen.

Diese Verhltnisse waren mir genau bekannt. Ich war daher aufs uerste
erstaunt, als ich am hellen Nachmittage etwa gegen 4 Uhr erst eine und
dann spter noch zwei andere Katzen aus dem Dorfe wandern sah, um ihrer
Jagdlust zu frnen. So etwas hatte ich noch nicht erlebt.

Mir ging die Sache nicht aus dem Kopfe, und ich grbelte darber
nach, was wohl die Katzen veranlat haben mochte, sich einer so
augenscheinlichen Gefahr auszusetzen. Es war ein wunderschner Tag, und
kein Wlkchen am Himmel sichtbar. Gegen Abend nderte sich pltzlich
das Bild. Es zog ein schweres Gewitter auf, und in der Nacht regnete es
in Strmen.

Jetzt wurde mir das Verhalten der Katzen klar. Sie hatten den
Wetterumschlag bereits gefhlt und, da sie bei Regen nicht auf Jagd
ausgehen, sich entschlossen, sich lieber am hellen Tage der Gefahr
auszusetzen, als auf die Jagd zu verzichten. Aehnliche Flle habe
ich noch mehrfach erlebt, so da fr mich kein Zweifel besteht, da
manche Tiere ein Vorgefhl fr einen Wetterumschlag besitzen, der dem
Durchschnittsmenschen abgeht.

Ein solches Vorgefhl treffen wir namentlich bei den Tieren an, denen
das bevorstehende Wetter gesundheitlichen oder sonstigen Schaden
bringen kann. So ist es bekannt, da, wenn Kaninchen am Tage eifrig auf
Nahrungssuche ausgehen, baldiger Regen zu vermuten ist. Denn auch das
Kaninchen ist sonst ein nchtliches Tier. Ferner ist es wie die Katze
empfindlich gegen Regen.

Ein besonders feines Vorgefhl finden wir bei den Vgeln, namentlich
den Raubvgeln. Fr den Raubvogel ist es eine Lebensfrage, rechtzeitig
den eintretenden Wetterumschlag zu kennen, denn mit Flgeln, die mit
Wasser beschwert sind, kann er nichts fangen, auch sind dann wenige
Friedvgel zu erblicken. Es ist daher kein Wunder, da es im Altertum,
wo man die Tiere weit eifriger beobachtete als zu unseren Zeiten, eine
besondere Kaste der Vogelflugdeuter, die sogenannten Auguren, gab.

Die an sich ganz richtige Beobachtung, da gewisse Tiere einen
Wetterumschlag im voraus fhlen, ist den Gebildeten dadurch
unglaubwrdig geworden, weil man durch ganz haltlose Zustze den wahren
Kern verdunkelt hat. Nebenbei bemerkt wollen Leute, die an Migrne und
hnlichen Krankheiten leiden, einen solchen Wetterumschlag ebenfalls im
voraus empfinden.

*Das Vorgefhl kann sich natrlich nur auf die nchsten vierundzwanzig
Stunden erstrecken.* Es ist daher geradezu albern, wenn man alljhrlich
in vielen Zeitungen lesen kann: Da die Zugvgel uns sehr zeitig
verlassen, so steht uns ein strenger Winter bevor. Oder das Bevorstehen
von starkem Frost wird damit begrndet, da die Bienen ihre Wohnung
besonders stark gegen Klte abschlieen.

Noch grer aber war die Torheit, da man bei vielen Vlkern den Schlu
zog: Wenn das Tier wei, wie das zuknftige Wetter ausschaut, so kann
es berhaupt in die Zukunft sehen. Ehe man etwas Wichtiges unternahm,
schaute man daher auf die Vgel, ob sie sich dem Unternehmen durch ihr
Benehmen gnstig oder ungnstig erwiesen.

Diesen Schlu hat man auch fr das Benehmen der Katze gezogen, was
natrlich Aberglauben ist. Wahr dagegen ist folgendes:

Die Katze fhlt voraus, da fr die nchsten vierundzwanzig Stunden
das Wetter schn bleibt oder wenigstens kein Regen eintritt. Sie
beabsichtigt daher, einen Ausflug zu machen und putzt sich daher vorher
zu diesem Zwecke. Tatschlich bleibt das Wetter an diesem Tage schn,
und die in der Nhe wohnenden Lehmanns sagen daher: Bei dem schnen
Wetter wollen wir heute Schulzes besuchen. Diesen Schulzes gehrt
die sich putzende Katze. Beim Eintritt der Familie Lehmann sagen sie:
Wir wuten, da heute Besuch kommt, denn unsere Mieze hat sich so
sorgfltig geputzt. Richtig wre es, wenn Schulzes sagten: Unsere
Mieze hat sich heute sorgfltig geputzt und ist in die Felder gegangen.
Da Katzen aus Furcht vor Regen nur dann einen greren Ausflug machen,
wenn das Wetter in den nchsten Stunden schn bleibt, so war das
also vorlufig anzunehmen. Bei schnem Wetter kommt leicht Besuch.
Daher wundern wir uns nicht, da ihr uns heute besucht! Ein Kern von
Berechtigung ist also in dem alten Glauben enthalten. Natrlich htten
Schulzes auch auf das Benehmen anderer Tiere hinweisen knnen. Wenn
Bienen schwrmen oder Spinnen ihr Netz erneuern, kann man ebenfalls
annehmen, da vorlufig das Wetter schn bleibt.

Bei dem feinen Gefhl der Katze ist es sehr wahrscheinlich, da sie
die einem Erdbeben voraufgehenden schwcheren Ste, die uns Menschen
entgehen, wahrnimmt und Todesangst bekundet. In Italien hat man ja
reichlich Erfahrungen mit Erdbeben. Dabei wird hufig erwhnt, da
Katzen -- auch Hunde -- bereits vorher mit allen Zeichen der Angst die
Huser verlieen.


37. Der Ha des Hundes gegen die Katze. Warum macht die Katze einen
Buckel? Ist sie tapfer?

Wir hatten beobachtet, da der Spitz Peter zu den Katzenfeinden gehrt,
aber von August nicht fr voll angesehen wurde. Sie machte kaum einen
Buckel. Wir fragen uns zunchst, woher der fast allgemeine Ha der
Hunde gegen die Katzen stammt.

In der Tierwelt sind Abneigungen und Zuneigungen verschiedener
Tierarten durchaus keine Seltenheit. Der Jger benutzt den Uhu, unsere
grte Eule, dazu, um damit die Krhen anzulocken. Sie sind sehr
vorsichtig, aber in ihrem Ha gegen die Eule sind sie fast blind und
knnen leicht geschossen werden. Auch Rinder haben, wie wir spter
sehen werden, eine ausgesprochene Abneigung gegen Hunde, ebenso
Schweine.

Die Wut der Krhen ist begreiflich, denn in der Nacht geht der Uhu
auf Raub aus und frit mit Vorliebe Krhen. Merkwrdigerweise haben
aber die schwarzen Vgel auch groen Ha gegen kleine Eulen, die ihnen
selbst in der Nacht nicht das Geringste zuleide tun.

Hieraus erkennen wir deutlich, da Tiere nicht nur ihre Feinde hassen,
sondern auch die Verwandten ihrer Feinde. Genau so schreibt bei vielen
Vlkern die Blutrache vor, nicht nur den Feind, sondern auch seine
Verwandten zu tten. Schweine und auch Rinder hassen ebenfalls den Hund
nur seiner Verwandten wegen. Er selbst hat ihnen nichts getan, aber
sein Vetter Wolf ist ihr schlimmster Feind.

Hat nun die Katze Verwandte, die dem Hunde gefhrlich werden? Gewi,
Leopard und Jaguar sind die schlimmsten Hundefeinde. Kein Deutscher
kann in Afrika sich lngere Zeit einen deutschen Hund halten, denn es
dauert nicht lange, und der Leopard raubt ihn.

In Deutschland war der jetzt ausgerottete Luchs, der wie eine groe
Wildkatze aussieht, ein groer Hundefeind. Ein deutscher Forstbeamter
berichtete vor dem Kriege aus Ruland, da sein prchtiger Jagdhund von
einem Luchs berfallen und jmmerlich zerrissen wurde.

Der Hund hat also die Katze genau wie die Krhen die kleinen Eulen.
Die Katze hat ihm nichts getan, aber die groen Katzen sind seine
gefhrlichsten Feinde, genau wie die kleinen Eulen die Krhen in Ruhe
lassen, dagegen der Uhu besonderes Verlangen nach Krhenfleisch besitzt.

Scheint einer Katze ein Hund bedenklich, so macht sie einen Buckel,
faucht und hebt eine Pranke hoch. Fauchen, ebenso Speien als Vorboten
der Abwehr sind verstndlich, ebenso das Hochheben der Pranke, um
sofort bereit zu sein, dem Gegner eins auszuwischen. Aber wozu soll der
Buckel ntzen?

Der groe Naturforscher Darwin sieht den Zweck dieses Buckels darin,
da die Katze ihrem Feinde dadurch grer und so auch gefhrlicher
erscheinen soll. Da alle Hundeartigen (Kaniden) mit Vorliebe Tiere
angreifen, die viel grer sind als sie selbst -- z. B. Wlfe ein
Pferd, einen Hirsch usw. -- so kann der Buckel keinen Eindruck auf
den Gegner machen, zumal er von den schwachen Augen des Gegners kaum
wahrgenommen wird.

Vielmehr drfte die Katze deshalb einen Buckel machen, um ihre
schwchste Stelle zu schtzen. Ein Hund, der Erfahrungen im Wrgen von
Katzen besitzt, packt die Katze stets am Nacken. Das wei die Katze
sehr wohl, da der Nacken ihr gefhrdetster Krperteil ist, und deshalb
macht sie zu seinem Schutz einen Buckel. Deshalb flchtet auch eine
Katze nur in den seltensten Fllen. Sie wei, da ihr Feind sie in
Krze einholt und beim Nacken packt. Also kmpft sie lieber bis zum
uersten gegen den grten Hund. Sind mehrere Hunde vorhanden, so
wirft sie sich auf den Rcken und kmpft mit allen vier Pranken.

Wir ersehen daraus, da der Mut der Katze in Wirklichkeit nicht so
auerordentlich ist, wie es den Anschein hat. Sie hat gar keine andere
Wahl als mutig zu sein. Ferner fllt uns auf, da die Katze im Kampfe
gegen den Hund sich auf ihre Pranken, fast niemals auf ihr Gebi
verlt. Blitzschnell schlgt sie mit den Pranken, namentlich nach der
Nase, die, wie wir wissen, hchst empfindlich ist. Mit ihrem kleinen
Gebi knnte sie gegen den groen Rachen des Hundes wenig ausrichten.

Unter den Hunden gibt es Draufgnger, die durch Wunden nur noch
wtender werden. Solchen geht auch eine starke Katze aus dem Wege,
whrend sie wei, da die groe Mehrzahl ihrer Feinde nur blafft, aber
sich ihren Prankenhieben nicht aussetzt.

Zu den Draufgngern unter den Hunden gehren Dachshunde, Terriers,
insbesondere Bullterriers, Bulldoggen und berhaupt manche Doggen,
sowie zahlreiche rasselose Dorfhunde. Den Hund ganz allgemein als feige
zu bezeichnen, drfte irrig sein.

Die Kraft der Katze erkennt man daran, da sie einen schweren Hasen
ber einen Zaun schleppen kann.


38. Warum begleitet die Katze ihren Herrn nicht wie ein Hund? Warum
geht sie nicht mit ihm auf die Jagd?

Die Frage, warum August seine Herrin, die er so gern hat, nicht beim
Einholen begleitet hat, wie es doch alle Hunde so gern tun, will ich
dadurch beantworten, da ich von meinem Erlebnis mit dem Katzenmann
erzhle.

Vor dem Kriege konnte man in Berlin in der Nhe der Potsdamer Brcke
hufig einen Herrn sehen, der mit einer Katze spazieren ging und
deshalb Katzenmann genannt wurde. Ich habe ihn oft getroffen, hatte
aber jedesmal wichtige Dinge eiligst zu erledigen, so da ich seine
Bekanntschaft nicht machen konnte. Endlich traf ich ihn in einer
vegetarischen Speiseanstalt, wo er hufiger Mittagsgast war. Ich habe
mich mit ihm bekanntgemacht und mich nach seinen Katzen und seinen
Erfahrungen, die er mit ihnen gemacht hat, erkundigt.

Seine Augen glnzten, als er mir von seinen Lieblingen erzhlte.
Selbstverstndlich besaen sie alle hervorragende Eigenschaften.

Ich freue mich sehr, wenn ich einen wirklichen Tierfreund kennen lerne.
Aber man darf doch nicht alles bei den Tieren nur in rosarotem Lichte
erblicken.

Ich habe den Katzenmann mehrfach heimlich beobachtet und wurde in
meiner Ansicht bestrkt, da selbst der grte Katzenfreund es niemals
durchsetzen wird, mit einer Katze genau wie mit einem Hunde spazieren
zu gehen. Der Katzenmann hatte seine Katze an einer Strippe. Das war
natrlich ntig, weil ihm sonst die Katze einfach fortgeklettert wre.
So suchte sie nun das Klettern im Bereiche der Strippe auszuben. Die
Katze die Treppe hinunterzubringen, war ein wahres Kunststck, was
lange Zeit in Anspruch nahm. Auf der Strae verbarg sich das Tier
hinter jedem geeigneten Gegenstand, namentlich hinter jedem Kellerhals.
Mit groer Mhe konnte sie erst jedesmal von ihrem Herrn losgebracht
werden. So nahm die kleine Strecke von der Potsdamer Brcke bis zur
Matthikirchstrae wohl eine halbe Stunde in Anspruch. Hinter der
Kirche steht auf der Rasenflche ein Gebsch. Hierhinein verkroch
sich die Katze und konnte trotz aller Anstrengungen ihres Herrn nicht
wieder herausgebracht werden. Ich habe sehr lange Zeit gewartet, mute
aber schlielich gehen, um bernommene Verpflichtungen zu erfllen.
Jedenfalls war ich mir klar darber, da das Spazierengehen mit Katzen
nur fr solche Leute in Betracht kommt, die furchtbar viel Zeit brig
haben. Denn es ist stets eine Reise mit Hindernissen.

Viel schlimmer aber ist es, da der Katzenfreund glaubt, seinem
Lieblinge eine groe Freude zu bereiten, whrend es in Wirklichkeit
schon an Tierqulerei grenzt.

Die Katze fhlt sich nur dort wohl, wo sie sich durch Klettern vor
den ihr drohenden Gefahren schtzen kann. Wenn auch die meisten
Grostadthunde keinen ernstlichen Kampf mit einer starken Katze wagen,
so gibt es auch hier Ausnahmen. Die Katze, die der Katzenmann bei sich
fhrte, war nun noch ein junges, und eher schwchliches als krftiges
Tier. Es war daher kein Wunder, da sie sich auf der Strae vor Hunden
frchtete. Jede Katze hat den natrlichen Wunsch, ihre schwache Seite,
den Nacken mit dem Rcken, zu schtzen, und stellt sich ihrem Feinde
stets so, da der Rcken gedeckt ist. Deshalb flchtete sie hinter
jeden Kellerhals. Viel willkommener war ihr natrlich noch das hohe
Gebsch. Hier htte ihr kein Hund etwas anhaben knnen. Deshalb wollte
sie durchaus nicht davon fort. Vielleicht lie sich auch noch dort ein
Vgelchen fangen. Es war da ein Grund mehr, sich von dem Gebsch nicht
zu trennen.

Warum hat aber die Katze Furcht? Ihr Herr steht ihr doch zur Seite?
wird mancher fragen. Wer Katzen kennt, stellt diese Frage nicht. Ein
Tier, das seit Urzeiten selbstndig handelt, kann sich gar nicht in die
Lage versetzen, auf Schutz und Beistand eines anderen zu rechnen. Das
tut wohl der Hund, aber nicht deswegen, weil er klger ist, sondern
weil er den Schutz durch seine Artgenossen als ein in Rudeln lebendes
Geschpf fr selbstverstndlich hlt.

Will man eine Katze durchaus im Freien bei sich haben, so soll man sie
auf seine Schulter setzen, wo Katzen berhaupt furchtbar gern sitzen.
Freiwillig wird uns eine Katze nur begleiten, wo sie jederzeit eine
Zuflucht hat, also im Walde, an Zunen, Gebschen und anderen Deckungen
entlang.

Es gibt verwilderte Katzen, die so stark sind, da sie sich vor keinem
Hunde frchten. Diese denken aber nicht daran, den Menschen bei seinen
Ausflgen zu begleiten.

Hiervon abgesehen will die Katze das selbst dann nicht tun, wenn er auf
die Jagd geht, whrend Hunde dann vor Freude auer Rand und Band sind.
Wir sind der Katze zu laut, zu tolpatschig und reden zu viel. Bedenken
wir, wie lautlos die Katze auftritt, welche federnde Bewegungen sie
besitzt und wie schweigsam sie sich verhlt, so knnen wir ihr nicht
Unrecht geben.


39. Warum fllt die Katze immer auf die Fe? Warum leuchten ihre Augen?

Wir wollen jetzt von August, dem Kater im Kohlenkeller, Abschied nehmen
und ein befreundetes Katzenfrulein aufsuchen, um die Eigenarten der
Katze weiter zu beobachten. Frulein Bachmann -- das ist der Name des
Katzenfruleins -- ist wie der Katzenmann eine groe Tierfreundin und
namentlich eine Verehrerin von Katzen. Selbst jetzt in den schlechten
Zeiten hat sie sich von ihrem Kater Hans nicht trennen knnen.
Allerdings mu jetzt Hans ebenfalls arbeiten, was aber kein Nachteil
fr ihn ist -- im Gegenteil, ihm auerordentlich gut bekommt. In der
Nachbarschaft ist nmlich ein Holz- und Kohlenplatz. Dort wird Hans
abends hingebracht, damit er whrend der Nachtzeit Muse fngt.

Frulein Bachmann, der bei ihrer auffallenden Rstigkeit niemand
ansieht, da sie bald 60 Jahre alt wird, stellt uns das Wundertier Hans
vor, und wir mssen zunchst geduldig und in Ergebenheit alle seine
ans Mrchenhafte grenzenden hervorragenden Eigenschaften mit anhren.
Natrlich ist er von vorbildlicher Reinlichkeit, und alles an ihm ist
schn.

Wir knnen auf Hans keinen abstoenden Eindruck gemacht haben, denn
nach nicht langer Zeit beginnt er, whrend er bequem auf dem Schoe
seiner Herrin liegt, behaglich zu schnurren.

Dieses Schnurren entsteht nach den Angaben naturgeschichtlicher Werke
durch Falten im Kehlkopf.

Der Zweck des Schnurrens wre nicht zu verstehen, wenn die Katzen
stndig allein lebten. Aber auch sie haben Zeiten, wo sie paarweise
hausen. Dann ist es wichtig, da der andere Teil wei, sein Genosse ist
in guter Stimmung. An den Mienen des regungslosen Gesichts kann er es
nicht ablesen. Noch wichtiger aber ist das Schnurren fr die Katze als
Mutter. Sie deutet damit ihren Kindern an: Seid unbesorgt -- es droht
keine Gefahr! Da bei den grten Katzen von einer solchen Gefahr keine
Rede sein kann, so schnurren Lwe und Tiger wahrscheinlich aus diesem
Grunde nicht.

Besonders auffallend ist es, da die Katze uns Fremde in keiner Weise
beschnuppert oder zu beschnuppern versucht hat, wie es doch die beiden
Hunde von Herrn Bhm, Karo und Hektor, getan haben. Hieraus sieht man
wieder, da die Katze im Gegensatz zum Hunde ein Augentier ist. Wie
der Mensch es nicht ntig hat, einen Fremden erst zu beriechen, so
verzichtet auch die Katze darauf. Bei dem Hunde mit seinem schwachen
Gesicht ist es etwas anderes.

Sehen wir unsere eigene Katze im Freien, so brauchen wir ihr nicht zu
pfeifen, denn gewhnlich hat sie uns bereits bemerkt. Dem Hunde dagegen
mu man pfeifen, weil er bei seinem schwachen Gesicht seinen Herrn aus
einiger Entfernung nicht erkennen kann. Auch ergibt sich das schlechte
Sehvermgen des Hundes daraus, da er seinen verlorenen Herrn meistens
mit der Nase sucht. Das tut eine Katze niemals.

Unsere Bitte, den Kater einmal aus der Rckenlage fallen zu lassen, um
aus eigener Wahrnehmung die allbekannte Erscheinung festzustellen, da
Katzen stets auf die Fe fallen, stt zunchst bei Frulein Bachmann
auf heftigen Widerstand. Sie hlt das geradezu fr eine Tierqulerei
und eine Versndigung an ihrem Liebling. Erst als ich es fr ganz
selbstverstndlich erklre, da der Versuch auf dem Sopha gemacht
werden soll, so da Hans schlimmstenfalls ganz weich fllt, lt der
Widerstand von Frulein Bachmann nach. Um zum Ziele zu gelangen, lasse
ich durchblicken, da wahrscheinlich der Versuch, wenn er geglckt ist,
photographiert werden soll. Der Gedanke, da sie und ihr Liebling fr
immer der Nachwelt in einer so wichtigen Angelegenheit erhalten bleiben
sollen, lt schlielich jedes Bedenken schwinden.

Wie ich es an meinen eigenen Katzen oft erprobt habe, so geschieht es
auch hier. Die auf dem Rcken liegende Katze, die das Frulein auf dem
Arm hlt, wird pltzlich losgelassen. Mit der grten Seelenruhe sieht
man sie gleich darauf auf dem Sopha auf den Fen stehen. Das alles
geschieht so schnell, da man den Vorgang nicht in seinen Einzelheiten
mit den Augen verfolgen kann, selbst wenn man ihn mehrfach wiederholen
lt. Belehrender sind daher die Momentaufnahmen. Auf ihnen sieht
man, wie die Katze es versteht, durch Einziehen des Kopfes und der
Vorderbeine und seitliche Krmmung des Rckgrates ihren Schwerpunkt
nach hinten zu verlegen und dann durch verschiedenartige Beugung der
Beine die Drehung nach der einen oder anderen Seite zuerst vorn, dann
hinten zu bewerkstelligen.

Die Beobachtung dieser Fhigkeit der Katze ist sehr alt, denn es gibt
das Sprichwort: Katzen und Herren fallen immer auf die Fe.

Ein Irrtum drfte es sein, da die Katze mit dieser Fhigkeit
ganz einzig in der Tierwelt dasteht. Noch niemals hat man einen
totgefallenen Affen, Marder, Eichhrnchen u. dgl. gefunden, so da also
wahrscheinlich alle Baumkletterer bei einem Absturze, wie die Katze,
auf die Fe fallen. Aehnlich liegt die Sache mit der Schwindelfreiheit
der Gebirgstiere. Steinbcke, Wildziegen, Gemsen und andere Bewohner
des Gebirges knnen in die schrecklichsten Tiefen sehen, ohne da sie
es rhrt, whrend wir Menschen leicht vom Schwindel gepackt werden.

Jetzt soll Hans in einen dunklen Raum gebracht werden, damit wir
seine Augen leuchten sehen. Augenblicklich sind bei ziemlich heller
Beleuchtung seine Pupillen bis auf einen Spalt zusammengezogen, so
da fast die ganze gelbe Iris oder Regenbogenhaut sichtbar ist. Das
Augenleuchten ist brigens nicht nur eine Eigentmlichkeit der Katzen,
sondern auch anderer Tiere, der Hunde, Pferde, Khe usw. Es beruht zum
Teil auf dem feineren Bau des Auges, zum Teil auf dem im Hintergrunde
des Auges befindlichen _tapetum lucidum_, d. h. Stellen, welche die
Fhigkeit besitzen, stark Licht zurckzuwerfen. Die Augen leuchten,
sobald sie in der Dunkelheit von einem Lichtstrahl getroffen werden.

Leider befindet sich in der Wohnung keine ganz dunkle Kammer. Wir
mssen uns damit begngen, da Hans von seiner Herrin in den dunklen
Korridor gebracht wird. Hier kann man sich deutlich davon berzeugen,
da die Augen der Katzen im Dunkeln, wenn gewisse Voraussetzungen
fehlen, *nicht* leuchten. Es ist also ein Irrtum, wenn Eulen auf
Bildern mit leuchtenden Augen dargestellt sind. Das ist nur der Fall,
wenn ein Lichtstrahl in sie hineinfllt, wovon man sich im Zoologischen
Garten berzeugen kann.

Der Versuch mit dem Oeffnen der Tr, um durch einen Spalt Licht in
Hansens Augen fallen zu lassen, gelingt nur mig. Ueberhaupt ist fr
unsere Zwecke der sehr helle Frhlingstag recht ungnstig. Nur in dem
Augenblicke, wo das Licht die Augen trifft, leuchten sie auf.

Das Augenleuchten der Tiere hat den Anla zu der hchst wichtigen
Entdeckung des Augenspiegels gegeben.


40. Wie fngt die Katze Muse? Die Katze als Vogelfeindin.

Ein Rotschwnzchen, das sich auf dem Balkon niedergelassen hat,
veranlat Hans zu einem sehnschtigen Blicke nach dem schmucken
Tierchen. Zwar besteht keine Gefahr fr den zutraulichen Vogel, denn
die Tr ist fest geschlossen. Auch erhlt er von seiner Herrin eine
ernste Verwarnung. Ob sie helfen wird, mu man allerdings bezweifeln.

Der Katze ist von der Natur die Nahrung von Vogel- und Nagerfleisch
bestimmt. Es ist uns natrlich sehr angenehm, da sie Muse und Ratten
frit. Im Gegenteil; sie kann uns auf diesem Gebiete gar nicht genug
leisten. Es will uns aber gar nicht gefallen, da sie auch gern Hasen
und Kaninchen verzehrt. Am schlimmsten aber ist es, da sie durch ihre
Vorliebe fr die Singvgel zu ihrer Ausrottung beitrgt. Wie manche
brtende Nachtigall, deren Nest durch den Gesang des Mnnchens verraten
wurde, hat in dem Magen einer Katze ihr Ende gefunden!

Die Katze ist wie geschaffen, den auf dem Erdboden oder Baume weilenden
Vogel zu haschen. Ich beobachtete einmal auf dem Lande, wie eine Katze
einen ausgewachsenen Sperling fing. Und gerade unser Sperling pflegt
kein Dummkopf zu sein.

Alle Vgel kennen ihren grausamen Feind und machen oft den Menschen auf
eine Katze aufmerksam. Beispielsweise kann man mit Sicherheit darauf
rechnen, da, wenn im Frhjahr das anhaltende Zetern der Amseln aus
einem Garten ertnt, sich eine Katze hereingeschlichen hat und die
Jungen gefhrdet. Sie ist auch wie geschaffen zur Verzehrerin eines
Vogels, da sie mit ihren Pranken den Vogel meisterhaft rupft. Man
versteht, wenn man ihr zuschaut, weshalb ein Hund niemals so gierig auf
Vogelfleisch sein wird. Ihm fehlt das Werkzeug, um die Federn schnell
zu entfernen.

Um ihren Hans in ein besseres Licht zu rcken, erzhlt uns Frulein
Bachmann von seinen vortrefflichen Leistungen als Musefnger. Leider
knnen wir bei dieser Ttigkeit nicht zugegen sein, denn in der Wohnung
sind keine Muse. Er wird, wie schon erwhnt wurde, abends nach dem
Kohlenplatz gebracht. Nach den Angaben des Kohlenhndlers hat er sehr
unter den Musen aufgerumt, was wir schon glauben knnen.

Auf Bildern werden musefangende Katzen nicht selten so dargestellt,
da sie vor dem Museloch sitzen und gewissermaen hineinsehen. Das
drfte nicht richtig sein. Ich stimme nach meinen Beobachtungen den
Schilderungen eines bekannten Naturforschers bei, von denen hier
folgende Stelle ihren Platz finden mge.

Ich habe sie, schreibt er, fters beobachtet, wenn sie so auf der Lauer
sitzt, da sie mehrere zusammenhngende Mauselcher um sich hat. Sie
knnte sich gerade vor ein am Rande des Ganzen stehendes hinsetzen und
so alle leicht berschauen. Das tut sie aber nicht. Setzte sie sich vor
das Loch, so wrde das Muschen sie leichter bemerken und entweder gar
nicht herausgehen oder doch schnell zurckzucken. Sie setzt sich also
mitten zwischen die Eingnge und wendet Auge und Ohr dem zu, in dessen
Nhe sich unter der Erde etwas rhrt, wobei sie so sitzt, da das
herauskommende Geschpf ihr den Rcken zukehren mu und desto sicherer
gepackt wird. Sie sitzt so unbeweglich, da selbst die sonst so regsame
Schwanzspitze sich nicht rhrt; es knnten sonst durch ihre Bewegung
die Muschen, welche nach hinten heraus wollen, eingeschchtert werden.
Kommt *vor* der Katze ein Muschen zutage, so ist es im Augenblick
gepackt; kommt eins hinter ihr heraus, wo sie es nicht sehen kann,
*so ist es ebenso schnell gepackt*. Sie hat nicht blo gehrt, da es
heraus ist, sondern auch *so genau, als ob sie es she, wo es ist;
sie wirft sich blitzschnell herum und hat es, nie fehlend, unter den
Krallen*. Uebrigens vermag sie weit mehr zu leisten. Ich hatte mich
bei warmer, stiller Luft in meinem Hofe auf einer Bank im Schatten
der Bume niedergelassen und wollte lesen. Da kam eins von meinen
Ktzchen schnurrend und schmeichelnd heran und kletterte mir nach
alter Gewohnheit auf Schulter und Kopf. Beim Lesen war das strend, ich
legte also ein zu solchem Zweck bestimmtes Kissen auf meinen Scho, das
Ktzchen darauf, drckte es sanft nieder, und nach zehn Minuten schien
es fest zu schlafen, whrend ich ruhig las und um uns her Vgel sangen.
Das Ktzchen hatte den Kopf, also auch die Ohren, sdwrts gerichtet.
Pltzlich sprang es mit ungeheurer Schnelligkeit rckwrts. Ich sah ihm
erstaunt nach; da lief nordwrts von uns ein Muschen von einem Busch
zum andern ber ein glattes Steinpflaster, wo es natrlich gar kein
Gerusch machen konnte. Ich ma die Entfernung, in welcher das Ktzchen
die Maus hinter sich gehrt hatte; sie betrug 13,5 Meter.

Das Gehr der Katze ist, wie wir aus eigener Beobachtung besttigen
knnen, ungeheuer fein. Sie macht uns auf die Ankunft einer Person
aufmerksam, deren Schritte wir berhrt hatten.

Auch der Hund hrt sehr fein, wie schon frher aus der Schilderung des
Jagdhundes und der beiden Spitze hervorging (Kapitel 23). Man kann das
oft daran erkennen, da er pltzlich anscheinend grundlos bellt. Trotz
angestrengten Horchens kann ein Mensch nicht das geringste Gerusch
hren. Endlich kommt man hinter den Grund seiner Erregung. Jeder Hund
hat regelmig einen Feind. Dieser nhert sich unserem Hause. Es ist
erstaunlich, aus welcher Entfernung der Hund die Annherung seines
Feindes wahrnimmt. Der Mensch, der z. B. einen Vogelruf wahrnimmt, wei
hufig nicht, wo der Vogel sitzt und sieht sich vergeblich nach dem
Tier um. Die Katze hrt nicht nur, da eine Maus kommt, sondern sie
wei auch sofort, von welcher Stelle sie kommt.

Man hat sich hufig darber gewundert, da die Katzen und die meisten
Hunde von der Musik nichts wissen wollen. Fr ihre feinen Ohren ist
eben unsere Musik viel zu grell.


41. Warum schttelt die Katze beim Fressen den Kopf?

Um mich bei Hans und seiner Herrin beliebt zu machen, habe ich fr ihn
ein paar Bcklingskpfe mitgebracht. Sie werden dankbar in Empfang
genommen. Whrend des Fressens schttelt Hans hufig den Kopf, was man
bei fressenden Katzen nicht selten sieht. Zu schtteln ist eigentlich
an dem toten Bcklingskopf nichts.

Ich erklre mir das so. Wildkatzen fressen mit Vorliebe knochenloses
Fleisch. Es ist seit Jahrtausenden bekannt, da der Lwe, also die
grte Katze, zunchst die Eingeweide frit. Um zu den Eingeweiden zu
gelangen, mu die Katze den Kopf in den Leib ihrer Beute stecken. Da
ihr Fell, wie wir wissen, sehr empfindlich gegen Nsse ist, so mu sie
ihren Kopf gegen die Beschmutzung mit Blut und dergleichen zu schtzen
suchen. Um das zu erreichen, schttelt sie mit dem Kopfe.

Bcklinge, wie Fische berhaupt, frit die Katze deshalb gern, weil
die Wildkatzen trotz ihrer Abneigung gegen das Wasser sehr geschickte
Fischfnger sind. Sie lauern regungslos am Wasser und wissen den
arglosen Fisch durch einen blitzschnellen Prankenschlag aufs Land zu
werfen. Hierbei machen sie sich so gut wie gar nicht na.

Eine in der Grostadt geborene Katze zeigte mir einmal, wie
festgewurzelt das Fischefangen in ihrem Triebleben haftet. Ich hatte
einen Strumpf zum Baden benutzt, und, um die Seife auszuwssern, ihn
in eine Wanne gelegt. Bei meiner Arbeit am Schreibtische hatte ich das
schon lngst vergessen, als ein Gerusch meine Aufmerksamkeit auf die
Wanne lenkte. Eine meiner Katzen sa mit gespanntester Aufmerksamkeit
am Rande der Wanne und suchte durch einen Prankenschlag den Strumpf
hinauszuschlagen. Der dunkle Strumpf im klaren Wasser hatte also
gengt, ihre von den Vorfahren ererbte Erinnerung an den Fischfang
wachzurufen.

Bei dieser Gelegenheit knnen wir zugleich das natrliche Futter der
Katze feststellen. Das vor dem Kriege in der Grostadt bliche Fttern
mit Pferdefleisch kann man nicht als naturgem bezeichnen. Ich habe
selbst erlebt, da dauernd mit Pferdefleisch geftterte Katzen sich
wie tollwtig benahmen. Wunderbar ist das auch nicht weiter, denn das
Fleisch der Muse und Vgel ist nicht annhernd so gehaltreich wie das
Pferdefleisch.

Weil Pferdefleisch die bliche Nahrung in den Zoologischen Grten ist,
deshalb sterben auch alle Raubtiere sehr schnell, die in der Freiheit
keine Pferde oder hnliche Tiere, wie Zebras, Esel und andere Einhufer
fressen. Obwohl Luchse in Deutschland heimisch waren, und die Wildkatze
es noch heute ist, knnen sie die Ftterung mit Pferdefleisch auf die
Dauer nicht vertragen. Ebenso sterben Habichte, Wanderfalken, Sperber
und andere Raubvgel sehr bald, wenn sie mit Pferdefleisch gefttert
werden, obwohl diese Vgel unsere Heimat bewohnen.

Die praktischen Amerikaner sollen, wie ich gelesen habe, ihre Katzen
mit Eingeweiden fttern. Das wre sehr klug, denn die Katze hat eine
ausgesprochene Vorliebe fr die Eingeweide. Sollten wir also wieder
einmal eine solche Nahrungsflle haben, wie es vor dem Kriege der Fall
war, dann wre es zweckmig, einer Grostadtkatze, der man keine
Nager oder Vgel vorsetzen kann, Fische zu geben und vom Pferde die
Eingeweide.

Von den Naturforschern wird das scharfe Gebi der Katzen sehr
gepriesen, weil die Zhne infolge ihres Baues eine furchtbare Wirkung
ausben. In Wirklichkeit sieht die Sache ganz anders aus. Keine Katze
verteidigt sich gegen einen Hund mit dem Gebi. Keine Katze kann, wie
schon erwhnt wurde, einen Fuchs abwrgen, was doch der nicht grere
Dachshund oft tut. Keine Katze befreit sich aus einer Holzkiste,
wenngleich ihre Wnde dnn sind. Der Hund dagegen zerbeit, wie wir
von der Dogge Tom hrten, Kisten, die fr bedeutend strkere Raubtiere
berechnet sind.

Bei den groen Katzenarten knnen wir genau das Gleiche beobachten.
Der Lwe berlt doch nicht den Hynen und Schakalen die Reste seiner
Beute, weil er gromtig ist, sondern weil er die starken Beinknochen
nicht zerbeien kann.

Auch unsere Hauskatze denkt nicht daran, sich mit einer anderen Katze
wegen eines Knochens zu balgen, wie es doch der Hund gewohnheitsmig
tut. Das kommt eben daher, weil der Hund mit seinem starken Gebi
spielend krftige Knochen zerbeit, whrend die Katze ihm das nicht
nachmachen kann.

Gerade dadurch ist die Katze so recht in den Ruf der Naschhaftigkeit
gekommen. Sie will keine Knochensammlung haben wie der Hund, sondern
bevorzugt reines Fleisch, insbesondere Eingeweide. So eine zarte
Rehleber ist ganz nach ihrem Geschmack. Natrlich sind wir wtend,
da uns die Katze bestiehlt und obendrein noch das nimmt, was fr den
Hausherrn bestimmt war.

Rehlebern sind nicht blo fr uns Menschen wohlschmeckend, sondern auch
ein naturgemes Futter der Wildkatze. Die Katze ist also eigentlich
nicht naschhaft, sondern ihre naturgeme Nahrung umfat wegen ihres
kleinen Gebisses Dinge, die uns besonders gut schmecken.

Gegen Salz hat die Katze eine noch grere Abneigung als der Hund.

Musefleisch kann nicht sehr gehaltreich sein, denn sonst knnten nicht
Katzen und Eulen eine so ungeheure Anzahl davon verzehren.

Die Aehnlichkeit zwischen Katzen und Eulen besteht brigens nicht nur
in ihrer Vorliebe fr Nagerfleisch. Man hat mit Recht die Eule als
geflgelte Katze bezeichnet. Wie diese ist sie eine nchtliche Ruberin
und gleicht ihr auch vollkommen an Lautlosigkeit.

An Ratten wagt sich nicht jede Katze. Aber die Anwesenheit einer Katze
ist auch den Ratten nicht angenehm und veranlat sie manchmal, das
ungemtlich gewordene Heim zu verlassen.

Zeigen sie sich in einem Gehft in groer Anzahl, so bekmpft man sie
erfolgreicher mit Rattenfngern, also schnellen, bissigen Hunden, wie
Pinschern und Terriern, als mit Katzen.

Es mag bertrieben sein, wenn man in England und in anderen Lndern in
den Katzen die grten Wohltterinnen fr die Menschheit, insbesondere
fr die Landwirtschaft erblickt. Aber das lt sich nicht leugnen,
da unsere Ernten zum grten Teil von den Nagern aufgefressen werden
wrden, wenn wir nicht in den Katzen erfolgreiche Bundesgenossen
besen.

Sonst macht sich die Katze noch dadurch ntzlich, da sie Schlangen
ttet und Maikfer und andere Insekten frit. Spitzmuse frit sie
nicht, ttet sie aber. Das mu ihr als Nachteil angerechnet werden,
denn die Spitzmaus ist als ein insektenfressendes Geschpf ein nach
unseren Begriffen ntzliches Tier. Wahrscheinlich frit sie die
Spitzmaus wegen ihres Moschusduftes nicht. Umgekehrt fllt es auf, da
sie Baldrian sehr liebt und sich wie berauscht auf ihm wlzt.

Wegen ihrer groen Ntzlichkeit wird man ihr manche Unart oder,
genauer ausgedrckt, manche uns unangenehme Eigenschaft verzeihen,
so ihre angeborene Sucht, den Vgeln, insbesondere den Singvgeln,
nachzustellen.

Auch hier gilt das vom Hund Gesagte: Der Mensch lebt nicht von Brot
allein. Berhmte Mnner haben erklrt, da sie die Erinnerung an manche
Katze im Elternhause nicht um vieles hergeben mchten.


42. Die Rassen der Katze. Alter und sogenannte Erziehung.

Hans ist eine wei und braunrtlich gefrbte Katze, wie man sie hufig
sieht. Auch die Katze gehrt zu den Sugetieren. Ihr Raubtiergebi
besteht aus zwlf kleinen Schneidezhnen, vier starken Eckzhnen und
oben acht, unten sechs Backzhnen. Die Katze ist ebenfalls wie der Hund
ein Zehengnger. Die Beine sind mig hoch und sind mit zurckziehbaren
Krallen versehen. An den Vorderfen bemerken wir fnf, an den
Hinterfen vier Zehen. Besonders auffallend ist der kugelrunde Kopf,
die schon besprochenen Schnurrhaare, der lange Schwanz und das biegsame
Rckgrat.

Von Rassen der Katze ist wenig zu sagen, da fr uns in Deutschland
nur noch die Angorakatze zu erwhnen ist. Sie zeichnet sich durch ein
langes, seidenweiches Haar aus. Auch sind ihre Lippen und Fusohlen
fleischfarben.

Es besteht Streit darber, ob unsere Hauskatze von der gyptischen
Falbkatze oder unserer heimischen Wildkatze abstammt. Jedenfalls ist
die Hauskatze, verglichen mit Pferden, Hunden und anderen Haustieren,
ein junges Haustier, da sie in Europa den alten Kulturvlkern, also den
Griechen und Rmern, unbekannt war.

Der Hund erreicht mit einem halben Jahre seine volle Gre, ebenso die
Katze. Ueberhaupt drften sie beide das gleiche Alter erleben.

Die Paarung der Katzen findet zweimal im Jahre statt, und zwar das
erstemal im Januar oder Februar. Die sonst so schweigsamen Tiere
stimmen jetzt ein Geschrei an, um sich gegenseitig zu finden. Fr
unsere Ohren klingt dieses Geschrei abscheulich, weshalb wir von diesem
Lied der Katzen behaupten, da es Steine erweichen und Menschen
rasend machen kann. Ueberhaupt nennen wir eine Musik, die unsere Ohren
zur Verzweiflung bringt, eine Katzenmusik.

Die Tragezeit der Katze ist um eine Woche krzer als beim Hunde. Die
Anzahl der Kleinen betrgt etwa fnf bis sechs. Hieraus ersehen wir,
da die Katze ziemlich viel Feinde haben mu. Das trifft auch zu, wie
in dem Abschnitt ber die Feinde der Katze geschildert werden soll.
Auch die Katzenjungen knnen nicht gleich sehen, sondern erst in neun
Tagen.

Wie die Hndin, so ist auch die weibliche Katze eine ausgezeichnete
Mutter. Ihre Liebe zu ihren Kleinen ist so gro, da sie unbedenklich
das grte Opfer bringt. Fr die Mutterliebe der Hndin sei hier
folgender Fall angefhrt. Eine Jagdhndin war von ihrem Herrn, einem
Rittergutsbesitzer an der Saale, in hochtrchtigem Zustande mit auf
ein *zwei* Stunden entferntes, am anderen Ufer der Saale gelegenes Gut
genommen worden und warf hier acht Junge. Der Besitzer, der wute, da
sie bei seinem Freunde gut aufgehoben sei, fuhr ohne das Tier nach
Hause, war aber auf das Aeuerste erstaunt, als bereits anderen Morgens
vier Uhr die Hndin mit ihren acht Jungen sich bei ihm einstellte.
Der Hund mute hiernach *fnfzehnmal* die Saale durchschwommen haben,
um seine Lieblinge nach Hause zu bringen -- abgesehen von dem dabei
zurckgelegten Landweg.

Solche Flle wie der eben geschilderte sind sehr hufig vorgekommen.
Auch Katzenmtter haben Aehnliches geleistet.

Einen reizenden Anblick gewhrt es, eine Katzenmutter inmitten des
Kreises der Ihrigen zu beobachten. Keine Menschenmutter, schreibt
ein bekannter Naturforscher, kann mit grerer Zrtlichkeit und
Hingebung der Pflege ihrer Kinderchen sich widmen als die Katze. In
jeder Bewegung, in jedem Laute der Stimme, in dem ganzen Gebaren gibt
sich Innigkeit, Sorgsamkeit, Liebe und Rcksichtnahme nicht allein
auf die Bedrfnisse, sondern auch auf die Wnsche der Kinderchen
kund. Solange diese klein und unbehilflich sind, beschftigt sich die
Alte hauptschlich nur mit ihrer Ernhrung und Reinigung. Behutsam
nhert sie sich dem Lager, vorsichtig setzt sie ihre Fe zwischen
die krabbelnde Gesellschaft, leckend holt sie eines der Ktzchen nach
dem anderen herbei, um es an das Gesuge zu bringen, ununterbrochen
bestrebt sie sich, jedes Hrchen glatt zu legen, Augen und Ohren,
selbst den After reinzuhalten. Noch uert sich ihre Liebe ohne Laute:
sie liegt stumm neben den Kleinen, spinnt hchstens dann und wann,
gleichsam um sich die Zeit, welche sie den Kinderchen widmen mu, zu
krzen. Scheint es ihr ntig zu sein, das Lager zu wechseln, so fat
sie eines der Ktzchen mit zartester Behutsamkeit an dem faltigen
Felle der Genickgegend, mehr mit den Lippen als mit den scharfen
Zhnen zugreifend, und trgt es, ohne da ihm auch nur Unbehagen
erwchst, einem ihr sicherer dnkenden Orte zu, die Geschwister eilig
nachholend. Ist sie sich der Freundlichkeit ihres Herrn bewut, so lt
sie es gern geschehen, wenn dieser sie bei solcher Umlegung der Jungen
untersttzt, fgt sich seinem Ermessen oder geht, bittend miauend,
ihm voraus, um das ihr erwnschte Pltzchen zu zeigen. Die Jungen
wachsen heran, und die Mutter ndert im vollsten Einklange mit dem
fortschreitenden Wachstume allgemach ihr Benehmen gegen sie. Sobald
die Aeuglein der Kleinen sich geffnet haben, beginnt der Unterricht.
Noch starren diese Aeuglein blde ins Weite; bald aber richten sie sich
entschieden auf einen Gegenstand: die ernhrende Mutter. Sie beginnt
jetzt, mit ihren Sprlingen zu reden. Ihre sonst nicht eben angenehm
ins Ohr fallende Stimme gewinnt einen Wohlklang, welchen man ihr nie
zugetraut htte; das Miau verwandelt sich in ein Mie, in welchem
alle Zrtlichkeit, alle Hingebung, alle Liebe einer Mutter liegt; aus
dem sonst Zufriedenheit und Wohlbehagen oder auch Bitte ausdrckenden
Murr wird ein Laut, so sanft, so sprechend, da man ihn verstehen
mu als den Ausdruck der innigsten Herzensliebe zu der Kinderschar.
Bald auch lernt diese begreifen, was der sanfte Anruf sagen will: sie
lauscht, sie achtet auf denselben und kommt schwerfllig, mehr humpelnd
als gehend, herbeigekrochen, wenn die Mutter ihn vernehmen lt. Die
ungefgen Glieder werden gelenker, Muskeln, Sehnen und Knochen fgen
sich allgemach dem erwachenden und rasch erstarkenden Willen: ein
dritter Abschnitt des Kinderlebens, die Spielzeit der Katze, beginnt.
Diese Spielseligkeit der Katze macht sich schon in frhester Jugend
bemerklich, und die Alte tut ihrerseits alles, sie zu untersttzen. Sie
wird zum Kinde mit den Kindern, aus Liebe zu ihnen, genau ebenso, wie
die Menschenmutter sich herbeilt, mit ihren Sprlingen zu tndeln.
Mit scheinbarem Ernst sitzt sie mitten unter den Ktzchen, bewegt
aber bedeutsam den Schwanz. Die Kleinen verstehen zwar diese Sprache
ohne Worte noch nicht, werden aber gereizt durch die Bewegung. Ihre
Aeuglein gewinnen Ausdruck, ihre Ohren strecken sich. Plump tppisch
hkelt das eine und andere nach der sich bewegenden Schwanzspitze;
dieses kommt von vorn, jenes von hinten herbei, eines versucht ber
den Rcken wegzuklettern und schlgt einen Purzelbaum, ein anderes hat
eine Bewegung der Ohren der Mutter erspht und macht sich damit zu
schaffen, ein fnftes liegt noch unachtsam am Gesuge. Die gefllige
Alte lt, mit mancher Menschenmutter zu empfehlender Seelenruhe, alles
ber sich ergehen. Kein Laut des Unwillens, hchstens gemtliches
Spinnen macht sich hrbar. Solange noch eines der Jungen saugt, wird
es verstndnisvoll bevorzugt; sobald aber auch dieses sich gengt hat,
sucht sie selbst die kindischen Possen, zu denen bisher nur die sich
bewegende Schwanzspitze aufforderte, nach Krften zu untersttzen.
Bald liegt sie auf dem Rcken und spielt mit Vorder- und Hinterfen,
die Jungen wie Fangblle umherwerfend; bald sitzt sie mitten unter der
sich balgenden Gesellschaft, strzt mit einem Tatzenschlage das eine
Junge um, hkelt das andere zu sich heran und lehrt durch unfehlbare
Griffe der trotz aller Unruhe achtsamen Kinderschar sachgemen
Gebrauch der krallenbewehrten Pranken; bald wieder erhebt sie sich,
rennt eiligen Laufes eine Strecke weit weg und lockt dadurch das
Vlkchen nach sich, offenbar in der Absicht, ihm Gelenkigkeit und
Behendigkeit beizubringen. Nach wenigen Lehrstunden haben die Ktzchen
berraschende Fortschritte gemacht. Von ihren gespreizten Stellungen,
ihrem wankenden Gange, ihren tppischen Bewegungen ist wenig mehr
zu bemerken. Im Hkeln mit den Pftchen, im Fangen sich bewegender
Gegenstnde bekunden sie bereits merkliches Geschick. Nur das Klettern
verursacht noch Mhe, wird jedoch in fortgesetztem Spiele binnen kurzem
ebenfalls erlernt. Nunmehr scheint der Alten die Zeit gekommen zu
sein, auch das in den Kinderchen noch schlummernde Raubtier zu wecken.
Anstatt des Spielzeuges, zu welchem jeder leicht bewegliche Gegenstand
dienen mu, anstatt der Steinchen, Kugeln, Wollflecken, Papierfetzen
und dergleichen, bringt sie eine von ihr gefangene, noch lebende
und mglich wenig verletzte Maus oder ein erbeutetes, mit derselben
Vorsicht behandeltes Vgelchen, ntigenfalls eine Heuschrecke in das
Kinderzimmer. Allgemeines Erstaunen der kleinen Gesellschaft, doch nur
einen Augenblick. Bald regt sich die Spiellust mchtig, kurz darauf
auch die Raublust. Solcher Gegenstand ist denn doch zu verlockend fr
das bereits wohlgebte Raubzeug. Er bewegt sich nicht blo, sondern
leistet auch Widerstand. Hier mu derb zugegriffen und festgehalten
werden; soviel ergibt sich schon bei den ersten Versuchen, denn die
Maus entschlpfte dem jungen Ktzchen, das sie doch sicher gefat zu
haben vermeinte, berraschend schnell und konnte nur durch die achtsame
Mutter an ihrer Flucht gehindert werden. Der nchste Fangversuch
fllt schon besser aus, bringt aber einen empfindlichen Bi ein:
Miezchen schttelt bedenklich das verletzte Pftchen. Doch schon hat
Hnschen die Unbill gercht und den Nager so fest gepackt, da kein
Entrinnen mehr mglich ist. So bildet sich das Ktzchen allmhlich zur
vollendeten Musefngerin heraus.

Zu der vorstehenden naturwahren Schilderung mchte ich bemerken, da
es ganz irrig wre, den Unterricht der Menschen und den der Tiere
gleichzustellen. Der Unterricht bei den Tieren hat immer Erfolg. Er
kann auch ganz fehlen und bezweckt demnach nur eine Beschleunigung des
Lernens. Von dem Unterricht der Menschen lt sich nicht das gleiche
behaupten. Unser Unterricht steht vielmehr der Dressur der Tiere
gleich, die hufig genug erfolglos ist.


43. Die Feinde der Katze.

Wie uns Frulein Bachmann erzhlt, hat ihr Hans wiederholentlich Kmpfe
mit Hunden ausgefochten. Namentlich ist es zu Zusammensten gekommen,
wenn sie ihn nach dem Kohlenplatz brachte. Einmal habe sie rettend
eingreifen und ihren Liebling flink in einen Korb stecken mssen. Sonst
aber habe er sich seinen Gegnern berlegen gezeigt.

Auer den Hunden hat die Katze in allen Hundeartigen Feinde. Der Wolf
zerreit sie sicherlich, denn der viel schwchere Fuchs macht Jagd auf
Katzen. Erfahrene Frster haben mir immer wieder versichert, da man
eine Fuchsfalle mit keinem besseren Leckerbissen versehen knne als mit
einem Stck Katzenfleisch. Zwei Fchse berwltigen jede Katze, wenn
sie sich nicht schnell auf einen Baum rettet. Die einzelne Katze ist
vor dem Fuchs nur sicher, wenn sie sehr stark ist.

Noch schlimmere Feinde drohen der Katze in ihrer eigenen
Verwandtschaft. Wie der starke Wolf nicht der Freund des Fuchses ist,
sondern ihn verzehrt, wenn er ihn packen kann, so sind die greren
Katzenarten die gefhrlichsten Feinde der kleineren. Ein Naturforscher,
der einen gezhmten Luchs besa, berichtet, da er gegen nichts
greren Ha besa als gegen Hauskatzen. Alle auf seinem Besitztum
befindlichen Katzen wurden von ihm zerrissen, ebenso die Katzen in der
Nachbarschaft.

Jede Katze wei auch, da ihr Gefahr von einer greren Katzenart
droht. Der Bildhauer Urs Eggenschwyler, von dem wir frher erzhlten,
da ein Ziehhund mit seinem zahmen Lwen raufen wollte, hat das oft
beobachtet. Whrend der Ziehhund infolge seines schwachen Gesichts den
jungen Lwen gar nicht als Lwen erkannte, flchteten alle Katzen schon
von weitem, sobald sie den gefhrlichen Verwandten zu Gesicht bekamen.

Auch hier kann man wiederum beobachten, da die Katze ein
ausgezeichnetes Sehvermgen besitzt, ganz im Gegensatz zum Hunde.
Uebrigens ist dem Volk das lngst aufgefallen, wie wir aus dem spter
angefhrten Sprichwort ersehen.

Die kleinen Raubtiere unserer Heimat, wie das Wiesel, ttet die
Hauskatze. Mit dem Marder gert sie manchmal in Streit, der fr eine
schwache Katze gefhrlich wird.

Schlimme Feinde besitzt die Katze auch unter den groen Raubvgeln.
Wenn der Adler und der Uhu nicht fast gnzlich ausgerottet wren, so
wrde es lange nicht so viele wildernde Katzen geben. Heute kommt unter
den Raubvgeln eigentlich nur noch der Habicht in Betracht. Ein starker
Habicht ist ein gefhrlicher Gegner fr eine schwache Katze. Junge
Katzen raubt er ohne weiteres.

Die starke Katze macht sich sofort kampfbereit, wenn sie einen Habicht
erblickt hat, whrend schwchere flchten.


44. Die Katze als angebliche Nachahmerin unserer
Reinlichkeitsbestrebungen.

Bereits beim Hunde haben wir erwhnt, da man alle Geschichten
von Hundebesitzern erst vorsichtig prfen soll. Selbst durchaus
wahrheitsliebende Menschen ziehen aus ihren Beobachtungen ganz falsche
Schlsse, weil sie immer vom menschlichen Standpunkte ausgehen.

Als Kind auf dem Lande hat man oft Gelegenheit zu sehen, da Hunde
ihren Unrat vergraben. Fragte man einen Erwachsenen nach dem Grunde,
so bekam man die Antwort, da der Hund das aus Reinlichkeitsgrnden
besorge.

Zunchst hat man das geglaubt. Als man aber spter sah, da derselbe
Hund, der angeblich fr Reinlichkeit schwrmt, sich mit Wonne auf Unrat
wlzt, da erkannte man, da die herrschende Erklrung unmglich richtig
sein knnte.

Ein vortreffliches Beispiel hierfr ist auch unser Hans von
Frulein Bachmann. Die Dame ist eine vollstndig wahrheitsliebende
Persnlichkeit. Nur lt sie ihre Liebe zu den Tieren hufig falsche
Schlsse ziehen.

So wollte ich mich durch meinen Besuch mit eigenen Augen davon
berzeugen, was an der Geschichte wahr sei, die mir als grte
Merkwrdigkeit von Hans mitgeteilt worden war. Er sollte von Hause
aus ein so reinliches Tier sein, da er ohne jeden Unterricht seine
Bedrfnisse in dem Abgu der Wasserleitung erledige.

Wir konnten uns alle persnlich davon berzeugen, da diese Angabe
durchaus auf Wahrheit beruht. Der Kater setzt tatschlich an dieser
Stelle seinen Unrat ab.

Wie ich bereits vermutet hatte, ist die Lsung des Rtsels furchtbar
einfach. Die Katze hat wie der Hund den uralten Trieb, ihren Unrat zu
vergraben. Das tun sie nicht aus Sauberkeit, sondern weil sie wissen,
da alle Pflanzenfresser die Gegend meiden, wo ihnen ihre feine Nase
mitteilt, da gefhrliche Feinde in der Nhe weilen. Gerade die Katze
hat zum Vergraben besondere Grnde, weil ihr Unrat besonders stark
riecht.

Auch der junge Hans wollte es wie die anderen Katzen machen, aber
es gab in der Wohnung seiner damaligen Herrin keinen Sand. Hat das
Raubtier keine Mglichkeit, den Abgang zu vergraben, so sucht es
wenigstens eine Hhlung fr ihn auf.

Da in der Wohnung die einzige Hhlung, die fr die Katze in Betracht
kam, der Ausgu der Wasserleitung war, so sprang sie in diesen hinein.

Hans hat nur den Gedanken der Beseitigung gehabt. Das konnte man ganz
unzweifelhaft daran erkennen, da er nach der Beendigung mit den
Pranken zu scharren anfing, obwohl doch in dem eisernen Behlter seine
Hin- und Herbewegungen mit den Pfoten ebenso nutzlos waren wie das
Scharren der Hunde mit den Hinterfen auf dem steinharten Brgersteig.

Wie wird nun von einfachen Leuten ein so vollstndig einleuchtender
Vorgang ausgeschmckt.

Hiernach hat Hans folgenden Gedankengang gehabt. Wir mssen uns die
klugen Menschen zum Vorbilde nehmen. Diese wissen dadurch die grte
Reinlichkeit zu wahren, da sie einen mit Wassersplung versehenen
Trichter benutzen. Leider kann ich mit meiner Katzengestalt ihnen
das nicht nachmachen. Aber ich will den Menschen wenigstens darin
nacheifern, da auch bei mir Wassersplung fr die grte Reinlichkeit
sorgt. Deshalb springe ich in den Abgu der Wasserleitung.

Dieser Gedankengang entspricht etwa den Anschauungen der meisten
Tierfreunde. Sie werden hierin durch folgende Erwgung bestrkt. Der
Grostdter ist klger als die andere Bevlkerung. Die Tiere sehen dem
Menschen kluge Maregeln ab. Warum soll nun nicht eine Grostadtkatze,
die in der Wohnung Klosetts mit Wassersplung sieht, den Menschen
nachzuahmen suchen.

In Wirklichkeit ist das eine vermenschlichende Anschauung, die dem
Tiere vollkommen fernliegt. Der klgste Affe ist, wie ich schon
erwhnt habe, nicht zur Stubenreinheit zu bewegen. Reinlichkeit in
unserem Sinne kennt berhaupt das Tier nicht. Reinlichkeit ist eine
Vorbedingung fr die Gesundheit. Wir halten uns Unrat, verweste Dinge,
tote Tiere und dergleichen fern, weil sie unserer Gesundheit schdlich
sind. Da sie der Gesundheit des Hundes nichts schaden, so kann der Hund
nicht denselben Reinlichkeitssinn besitzen wie wir.

Bei der Katze liegt die Sache hnlich. Wie oft habe ich gesehen, da
meine Katzen sich auf schmutziger Wsche mit Wonne sielten. Wo sitzt
denn da die Reinlichkeit nach unseren Begriffen?

Zum Schlusse unseres Besuches zeigt uns Hans noch eine Glanzleistung.
Er ist in der Kche, wo wir uns befinden, auf ein Brett gesprungen, wo
zahlreiche kleine Glser stehen. Man mu immer wieder die ungeheure
Geschicklichkeit einer Katze bewundern, wie sie ihre vier Fe zu
setzen wei, ohne im geringsten anzustoen. So wandert auch Hans durch
die Glser, ohne den geringsten Schaden anzurichten.

Bei der Jagd kann man oft die gleiche Geschicklichkeit der Katze
beobachten. Wildernde Katzen wissen, da der Jger ihnen eifrig
nachstellt. Sie verbergen sich deshalb sofort in der Saat oder im
Klee oder einer anderen Deckung. Man sollte meinen, da die Pflanzen
sich bewegen mten, wenn eine Katze hindurchgeht. Aber wenn man oben
auf die Saat oder den Klee schaut, so kann man niemals eine Bewegung
feststellen. So rettet die Katze durch ihre Geschicklichkeit ihr Leben,
da der Jger nicht wei, wohin sie geflchtet ist.

Eine andere Eigentmlichkeit der Katzen besteht darin, da sie
darauf erpicht sind, in jede Hhlung zu kriechen. Es ist daher nicht
unbedingt notwendig, da die Katzenfallen mit einem Kder versehen
sind. Die Katze kriecht auch in einen Kasten, wenn kein Leckerbissen
darin ist. Aus meiner Studentenzeit ist mir noch folgender Vorfall in
der Erinnerung geblieben, der den Beweis hierfr liefert. Ich wohnte
bei Leuten, die sehr groe Tierfreunde waren und eine schwarze Katze
besaen. Die Katze war mehr bei mir als bei ihnen. Eines Tages war es
sehr kalt und es sollte deshalb geheizt werden. Als Feuer angemacht
war, fiel es mir auf, da ich die Katze nicht sah. Auch war es mir so
vorgekommen, als wenn ich ganz leise Laute aus dem Ofenloche vernommen
htte. Meine Wirtin bestritt zwar, da die Katze im Ofenloch sitzen
knne, sah aber doch nach und gewahrte zu ihrem Schrecken die Katze
hinter dem Feuer. Rasch entschlossen ri sie das Feuer aus dem Ofen
und zog die Katze heraus, die glcklicherweise nur einige versengte
Stellen am Pelze aufwies. In dem Ofen war nur Asche, und zwar nicht
einmal warme Asche, da ich in diesen Jahren nur ganz ausnahmsweise
heizen lie. Nur die Hhlung hatte es der Katze angetan, hier sich
aufzuhalten. Wahrscheinlich tauchte vor dem Ofenloch die Erinnerung an
die Felsenhhlen ihrer Vorfahren in ihr auf.


45. Geschichten von Katzen.

Der Naturforscher, der von der Jagdleidenschaft seiner Hunde so schn
plauderte, hat auch mit seinen Katzen mancherlei erlebt. Eine Katze,
die er sich angeschafft hatte, mit Namen Ripp, war ungeheuer scheu.
Erst im Laufe des Sommers, erzhlte er, da ich mit meiner Familie sehr
viel vor dem Hause war, gelang es uns, Ripp so zutraulich und zahm zu
machen, da sie immer am liebsten in unserer Gesellschaft verweilte,
sich streicheln und tragen lie, uns weit weg begleitete, wenn wir
fortgingen, und uns weithin und voller Seligkeit entgegenkam, wenn
wir zurckkehrten. Ripp war kohlpechrabenschwarz mit einem prchtigen
weien Stern auf ihrer treuen Brust, und da die Welt damals gerade
voller Muse war, so hatte ich auch noch einen einfarbig blaugrauen
Kater angeschafft, dem die Kinder den Namen Hnschen gaben. Nach Jahr
und Tag fand ich Gelegenheit, von einem Freunde ein schnes Ktzchen zu
beziehen, dessen Grovater ein schner Angorakater war. Jetzt ward der
Entschlu, das liebe alte Prchen wegzuschaffen, gefat. Zuerst ward
Hnschen im Kfig gefangen, und whrend er mit schwermtigem Blicke,
als ob er dem Wetter nicht recht traute, in ihm auf und ab ging, fuhr
ein kleiner Korbwagen vor, der Kfig ward hineingestellt, mit einem
Tuche gut bedeckt, dies rings dicht mit Stroh umbanst, und nun Glck
auf, da zog der neue Besitzer des schnen blaugrauen Katers wohlgemut
den Wagen, listig allerlei Umwege durch den Wald whlend, seiner Heimat
zu, die auf geradem Wege ein halbes Stndchen von uns entfernt ist.
Dort angelangt, wurde der Wagen ins Haus gezogen, die Tren wurden
hinten und vorn verriegelt, der Kfig behutsam herausgehoben, enthllt,
-- aber, ach, der war ganz leer und keine Spur vom Kater zu sehen,
obgleich der Wagenlenker ihn doch mit eigenen Augen beim Einpacken im
Kfig gesehen hatte und sorgfltig verwahrt zu haben glaubte. Genaue
Prfung des Tatbestandes ergab, da man im Vertrauen auf die Decke die
Tr des Kfigs zuzubinden versumt hatte und da der reisende Kater
inmitten der Reise unbemerkt die Tre geffnet und Reiaus genommen
haben mute. Als der Wagen zurck und die Trauerbotschaft an mich kam,
da erschrak ich, hielt gleich Haussuchung und fand Hnschen auf dem
Heuboden, wo er ganz ruhig in seinem gewhnlichen Bettchen lag, mir
freundlich grend entgegenkam und mit dem Ergebnis seiner Waldpartie
ganz zufrieden schien. Er ging auch gleich am folgenden Tage wieder
getrost in den Kfig, ward wieder eingesperrt, zu Wagen gebracht,
aufs Allersorgfltigste verpackt, gelangte auf neu ersonnenen Umwegen
richtig an den Ort seiner Bestimmung, begrte mich aber doch am
nchsten Morgen schon wieder ganz unbefangen in der lieben Heimat, weil
er von dem Dachboden, wohin man ihn gesperrt, durch ein Loch entwichen
war, das er selber entdeckt hatte und das der Hausbesitzer hinterdrein
auch noch bei dieser Gelegenheit zu sehen bekam. Das nchste Mal ward
Hnschen in entgegengesetzter Himmelsrichtung nach einem Orte, der eine
Stunde weit entfernt und durch Berg und Tal, Wiese, Wasser und Wald von
hier getrennt ist, zu befreundeten Seelen kutschiert, kehrte aber nach
Verlauf zweier auf Reisen zugebrachter Wochen heim ins Vaterhaus und
sa an einem schnen Morgen im Strahle der aufgehenden Sonne, reicher
an Welt- und Menschenkenntnis, aber rmer an Fett, in Hungersnot sanft
quksend und freundlich winkend unter meinem Fenster. -- Auch die gute
Ripp war whrend aller dieser merkwrdigen Ereignisse schon zweimal in
die Welt hinein kutschiert und beidemal erfahrungsreicher heimgegangen.
-- Nun aber wurde zum dritten- und letztenmal Anstalt zur Auswanderung
getroffen. Das liebe Prchen mute auf einem ganz neuen Wege eine gute
geographische Meile weit zu Leuten fahren, die den ernstlichen Willen
kundgegeben hatten, die zwei Auswanderer wenigstens zwei Wochen lang
hinter Schlo und Riegel gut zu verpflegen. Nach drei Wochen kam die
Nachricht, da sich der Kater Hnschen zwar aus dem ihm angewiesenen
Hause weggeschlichen, aber bei einem Nachbar festes Quartier genommen,
da Ripp dagegen geblieben, ganz einheimisch, zufrieden und sehr
beliebt sei.

Unser Gewhrsmann schildert weiter, da auch Ripp nach einiger Zeit
wieder zu ihm zurckgekehrt ist.

Der wunderbare Ortssinn der Tiere, von dem schon die Rede war (Kap. 9),
zeigt sich auch bei der Katze stark ausgebildet.


46. Redensarten und Sprichwrter von der Katze.

Geldkatze ist ein hohler Gurt, der als Geldbeutel dient und gewhnlich
von Katzenfell hergestellt wird.

    *Katzenmusik*, *Katzenkonzert*,

    *Katzenwsche*,

    *Katzenbuckel*,

    *Schmeichelktzchen*,

    *Katzen und Herren fallen immer auf die Fe*,

               *Willst du lange leben gesund,
               I wie die Katze, trink' wie der Hund*

sind schon besprochen worden. Ein Beweis der im Volke herrschenden
Ansicht von der Falschheit der Katzen ist der Vers:

               *Hte dich vor den Katzen,
               die vorn lecken und hinten kratzen.*

Die Katze sorgt vorsichtig, da ihr keine Schmerzen zugefgt werden.
Daher die Redensart:

    *Drum herumgehen, wie die Katze um den heien Brei.*

Richtiger heit es wohl:

    *Gleichwie die Katzen um den Herd, ttens sich umherreiben.*

Die Katze als Nachttier wnscht am warmen Herd ihren Krper zu erwrmen.

               *Der Katze die Schellen umhngen.*

Nach einer Fabel wollten sich die Muse dadurch vor der Katze schtzen,
da sie ihr Schellen umhngten. Dieser Plan scheiterte jedoch daran,
da sich niemand zu seiner Ausfhrung meldete.

               *Wenn die Katze aus dem Hause ist, springen die Muse
               ber Stuhl und Bnke.*

Ist der gebietende Teil nicht anwesend, also z. B. Lehrer, Eltern, dann
erlauben sich Kinder manche Freiheiten.

               *Die Katze im Sack kaufen.*

Nach Grimm heit es: Die Katze im Sacke kaufen statt eines Hasen.
Andere verstehen darunter: etwas unbesehen kaufen.

               *Bei Nacht sind alle Katzen grau.*

Die Dunkelheit verwischt die Unterschiede, so da man dann auch eine
weniger gute Sache anziehen kann.

Die Katze erhlt die Abflle der Mahlzeiten. Daher sagt man fr
Wertloses:

               *Das ist fr die Katz!*

Nach anderen erklrt sich die Redensart damit, weil die Katze ein
verachtetes Geschpf ist. Man gebraucht also die Redensart dann, wenn
man fr eine Handlung auf Undank rechnen mu.

               *Katzenjammer*

soll die bekannte Magenverstimmung deshalb heien, weil sie der
Stimmung beim Anhren eines Katzenkonzerts gleicht.

Uebrigens hat man schon in frheren Zeiten erkannt, da die Katze im
Gegensatz zum Hunde ein ausgezeichnetes Sehvermgen besitzt. Das geht
aus dem Vers hervor:

    *Nimm die Augen in die Hand und die Katz aufs Knie,
    was du nicht siehst, das sieht sie.*

Der Glaube, da Hexen sich in Katzen verwandeln, rhrt von dem
nchtlichen Leben der Tiere her und ihren im Dunkeln leuchtenden Augen,
sowie ihrem lautlosen Schleichen.

[Illustration: Junge Katzen      Halbangora-Katze]

[Illustration: Silberfarbige Cypernkatze mit Jungen]


Das Pferd


47. Warum gibt es so viele braune Pferde?

In der Grostadt werden jetzt die Pferde vielfach durch andere Krfte
ersetzt. Manche sind der Ansicht, da in nicht zu ferner Zeit das
Pferd gnzlich von den Straen verschwinden werde. Das ist wenig
wahrscheinlich, weil manche Gensse, beispielsweise das Reiten, durch
keine Maschinenttigkeit ersetzt werden knnen.

Immerhin mssen wir jetzt schon, um uns ein paar Omnibuspferde
anzusehen, auf die Suche gehen, denn es wird nur noch eine Strecke mit
dem Pferdeomnibus befahren. Bequemer ist es daher, wenn wir bei einem
Droschkenpferde haltmachen und es uns etwas besehen, da der Kutscher
sich in dem benachbarten Lokal gerade strkt. Er hat aber auch seinen
treuen Gehilfen nicht vergessen, sondern ihm vorher den gefllten
Futterkbel umgehngt.

Aus meiner Jugendzeit fallen mir verschiedene schlechte Witze ein,
die damals ber das Berliner Droschkenpferd blich waren. Einer von
ihnen lautete: Was ist schneller als ein Gedanke? Die Antwort war: Das
Droschkenpferd, denn, wenn man denkt, es fllt, dann liegt es schon.

Wie so viele Pferde ist unser Droschkenpferd von brauner Farbe mit
schwarzer Mhne und schwarzem Schwanz. Auffallend ist die Beweglichkeit
seiner Ohren, die sich sofort nach der Seite ffnen, von der aus ein
Gerusch ertnt. Die Augen des Pferdes stehen nicht wie beim Menschen
vorn, sondern mehr auf der Seite. Die Fliegen mssen dem Tiere ziemlich
zusetzen, denn alle Augenblicke schlgt es mit dem Schwanze nach
ihnen. Von Zeit zu Zeit tritt es auch mit den Hufen stark auf, um sie
zu verscheuchen. In der Zwischenzeit zuckt es mit dem Felle, um die
Plagegeister zu vertreiben. Vielen Erfolg scheinen die Abwehrmittel
nicht zu haben, da die Fliegen wohl fortfliegen, aber ebenso sicher
auch zurckkehren.

Von seinen Hufen, die ungespalten sind, hat das Pferd den Namen
Einhufer erhalten. Wir staunen, da ein so groer Krper so sicher auf
den kleinen Hufen steht.

Ebenso wundern wir uns ber den auerordentlich langen und starken
Hals, wenn wir ihn mit dem Halse des Menschen vergleichen. Im
Verhltnis zur Lnge des Halses ist wiederum der Kopf nur klein.
Whrend unser Kopf rund ist, hat das Pferd einen lnglichen Kopf.

Inzwischen ist beim Fressen durch das Schnauben des Pferdes eine ganze
Menge Hcksel aus dem Kbel geflogen. Dieses Fortpusten des Hcksels
betrachten viele als ein Zeichen dafr, da das Pferd ein sehr kluges
Tier ist. Der Hcksel, den ihm sein Herr vorsetzt, pat ihm nicht, und
deshalb pustet es einfach eine Menge davon fort.

Mit der Zeit scheint das Futter sich seinem Ende zu nhern, denn das
Pferd schttelt den Kbel hin und her, um sich ja nicht etwas von dem
Futter entgehen zu lassen. Hieraus drfen wir wohl den Schlu ziehen,
da es ihm nicht gerade schlecht schmecken kann.

Wir wissen, da wir, um das Benehmen des Pferdes und sein Aussehen zu
verstehen, seine wilden Verwandten uns nher ansehen mssen. Frher
waren die Vorfahren unseres Hauspferdes unbekannt. Seit Anfang dieses
Jahrhunderts sind sie jedoch entdeckt, und von den gefangenen Fohlen
sind ein Mnnchen und ein Weibchen, also ein Hengst und eine Stute,
nach dem Zoologischen Garten von Berlin gekommen. Leider ist die Stute
vor einigen Jahren gestorben. Der Hengst aber lebt zurzeit noch,
wenngleich er schon einen recht alten Eindruck macht. Anscheinend ist
er auch schon erblindet, wenigstens auf einem Auge drfte er ganz blind
sein.

Der Wildhengst ist kleiner als unser Droschkenpferd, da er nicht
grer als ein Zebra ist. Ueberhaupt sehen wir, da alle Einhufer des
Zoologischen Gartens nach unseren Begriffen klein sind. Das kommt
daher, weil wir unsere Pferde absichtlich auf Gre gezchtet haben, so
da unser Auge an groe Pferde gewhnt ist.

Auch das Wildpferd ist braun mit schwarzer Mhne und schwarzem Schwanz.
Ueberdies luft noch ein schwarzer Streifen auf dem Rcken entlang.
Auch bei unseren Hauspferden kommt er manchmal vor und wird als
Aalstrich bezeichnet.

Diese Zeichnung des Wildpferdes ist natrlich seinen Lebensgewohnheiten
angepat. Es lebt noch heute in Mittelasien. Und zwar ist das Wildpferd
ein Bewohner der Steppe, wo es in Rudeln angetroffen wird. Diese
Rudel werden von einem Hengste geleitet, der fortwhrend achtgibt, ob
irgendwo Gefahr droht. Naht sich ein greres Raubtier, so ergreift das
Rudel eiligst die Flucht. Gegen kleinere Raubtiere kmpft der Hengst
mutig, und zwar schlgt er mit seinen Vorderhufen und packt sie mit dem
Gebi.

Jetzt verstehen wir, weshalb es heute noch bissige Pferde gibt. Das
Beien ist eine ursprngliche Waffe der Pferde. Wir haben absichtlich
alle Pferde, die sich durch Beien auszeichneten, von der Zucht
ausgeschlossen, so da unsere heutigen Pferde nur ausnahmsweise beien.

Das Ausschlagen ist an sich ebenfalls eine natrliche Waffe des
Pferdes. Niemals soll man sich einem fremden Pferde von hinten nhern.
Das Pferd, das im allgemeinen ngstlich ist, hrt ein Gerusch hinter
sich und schlgt naturgem nach hinten aus. Dadurch sind schon
unzhlige Unglcksflle verursacht worden.

Wie die braune Lerche sich von der Erde kaum abhebt und deshalb leicht
bersehen wird, ebenso der braune Hase, so verschwimmt auch das
Wildpferd mit seiner braunen Farbe in der endlosen braunen Steppe.
Wre jedoch das Wildpferd nur braun, so wrde ein so groer brauner
Fleck in der Natur auffallen. Deshalb ist durch die schwarze Mhne, den
Aalstrich und den schwarzen Schweif der braune Fleck geteilt und nicht
mehr so auffllig gro.


48. Warum hat das Pferd eine Mhne? Die Fabel von dem Kreisbilden der
Pferde.

Die Frage, weshalb das Pferd eine Mhne besitzt, scheint sehr leicht zu
beantworten zu sein. Einfach zu dem Zwecke, damit der Reiter sich daran
festhlt, wenn er sich auf das Pferd schwingt.

Jetzt betrachten wir daraufhin das Wildpferd und sehen, da es oben
auf dem Halse nur kurze Borsten wie ein Zebra hat. Die Mhne unserer
Hauspferde, die sehr bequem fr den Reiter ist, hat also bei dem
Wildpferde gar nicht die Lnge, um als geeigneter Handgriff zu dienen.

Die Mhne hat also bei dem Wildpferde andere Zwecke zu erfllen. Der
groe und starke Pferdehals sieht wie ein groes Viereck aus und mu
in der weiten Steppe sehr auffallen. Durch die schwarze Mhne oben
auf dem Halse wird dieses Viereck weniger auffallend. Die Hauptfeinde
der Wildpferde sind in Asien der Tiger und der Mensch. Beide sind
Augentiere, denen gegenber die Schutzfrbung von groer Bedeutung ist.
Weniger kommt sie in Betracht bei den Wlfen, da diese sich wie die
Hunde in erster Linie nach ihrer Nase richten.

Immer wieder taucht die Fabel auf, da die Pferde sich gegen die Wlfe
dadurch verteidigen, da sie einen Kreis bilden mit den Kpfen nach
innen, whrend die nach auen gerichteten Hinterbeine den Angreifer
niederschmettern. In der Mitte des Kreises sollen sich die Fohlen
aufhalten.

Naturforscher und Reisende, die Gelegenheit hatten, die Angriffe der
Wlfe auf Pferdeherden zu beobachten, haben aber nicht das geringste
von diesem Kreisbilden wahrnehmen knnen. Der Wolf sucht sich vielmehr
an die Pferdeherden anzuschleichen, um ein Fllen zu packen, manchmal
auch ein einzelnes Pferd. Merken die Pferde den Wolf, so gehen sie auf
ihn los und bearbeiten ihn mit den Vorderhufen, die Hengste auch mit
den Zhnen.

Ein amerikanischer Reisender schildert folgenden Kampf zwischen
Wlfen und Pferden: Als ich mich am Spokanflu aufhielt, ging ich
nach der Pferdeprrie, um die Manver zu beobachten, welche die Wlfe
bei ihren vereinten Angriffen auf die Pferde anwenden. Ihre erste
Ankndigung bestand in einem gellenden, hundehnlichen Gebell, das sie
von Zeit zu Zeit hren lieen, gleich dem Abfeuern der Gewehre der
verschiedenen Vorposten bei kleinen Gefechten. Dieses Gebell wurde von
der entgegengesetzten Seite durch ein hnliches erwidert, bis sich
die Tne immer mehr nherten, und endlich aufhrten, als die Parteien
sich vereinigten. Wir setzten unsere Flinten in Stand und verbargen
uns hinter einem dicken Gebsch. Indes scharrten die Pferde, welche
die Gefahr merkten, mit den Hufen auf dem Boden auf, schnaubten, hoben
die Kpfe in die Hhe, sahen wild um sich und gaben alle Zeichen von
Furcht. Ein paar Hengste erwarteten mit anscheinender Ruhe den Feind.
Endlich erschienen die Verbndeten in einem Halbkreis, dessen Enden sie
ausdehnten, um ihre Beute einzuschlieen. Es waren zwischen 300 bis 400
an der Zahl. Die Pferde schienen ihre Absicht zu erraten, und da sie
sich frchteten, einer solchen Anzahl entgegenzutreten, galoppierten
sie nach der entgegengesetzten Seite; die Wlfe strzten nach, ohne
ihre Stellung im Halbkreis zu verlieren. Die Pferde, welche nicht im
besten Stande waren, wurden schnell eingeholt und fingen an, nach ihren
Verfolgern auszuschlagen, wovon manche heftige Schlge erhielten.
Doch wrden sie bald ber die Pferde Herr geworden sein, wren wir
nicht zur rechten Zeit aus unserm Hinterhalte hervorgetreten, und
htten des Feindes Zentrum eine tchtige Ladung Kugeln zugeschickt,
die mehrere davon tteten. Sogleich schwenkte sich das ganze Bataillon
und lief in der grten Eile und Unordnung den Bergen zu, whrend die
Pferde, sowie sie die Schsse hrten, ihren Lauf nderten, und auf uns
zu galoppierten. Unser Erscheinen rettete einige aus den Zhnen der
Wlfe, und sie schienen durch ihr Wiehern ihre Freude und Dankbarkeit
ausdrcken zu wollen.

Auch in dem vorstehenden Falle ist von einem Kreisbilden der Pferde
keine Rede. Wohl aber haben ihre Feinde, die Wlfe, einen Halbkreis mit
verlngerten Enden um sie gebildet, damit kein Pferd entweichen konnte.


49. Warum kann das Pferd nur durch die Nase atmen?

An kalten Wintertagen, wo der Atem sichtbar wird, kann man deutlich
erkennen, da das Pferd nur durch die Nase atmet. Aus den Nstern
kommen fortwhrend Wolken wie Dampf, aber aus dem Maule nicht.

Auch hier gibt die Lebensweise der Wildpferde Aufschlu ber die
Eigentmlichkeit. In der Steppe herrschen in der Winterzeit furchtbare
Schneestrme. Diese wrden fr die Pferde besonders nachteilig
sein, da sie die Gewohnheit haben, stets gegen den Wind zu laufen.
Sie tun das natrlich nicht aus Vergngen, sondern um ihre Feinde
rechtzeitig wahrzunehmen. Denn wie der Hund, so ist das Pferd ein
Nasentier, das eine sehr feine Nase, aber am Tage nur ein schwaches
Sehvermgen besitzt. Lauern nun vor ihnen irgendwo Feinde, so wird das
hervorragende Geruchsvermgen sie dem Pferde verraten.

Das Laufen gegen eisige Winterstrme wrde aber der Gesundheit der
Pferde nachteilig sein, falls das Atmen durch das Maul erfolgte.
Deshalb kann das Pferd nur durch die Nase atmen, damit es stets
angewrmte Luft einatmet.

Die Furcht vor seinen Feinden spielt also beim Pferde die grte Rolle.
Immer sind deshalb die Ohren in Bewegung, damit es ja nicht etwas
Gefhrliches berhrt. Kipp- und Hngeohren wird man bei den Pferden
kaum jemals antreffen, obwohl sie bei Hunden und anderen Haustieren
hufig sind. Die Angst lt die Ohren immer gespitzt halten.

Das Fortpusten des Hcksels aus dem Futterkbel geschieht also
nicht deshalb, weil das Pferd sehr klug ist, sondern wegen seiner
Nasenatmung. In der Freiheit fliegt dadurch kein Futter fort, weil die
Grser festgewachsen sind.

Kinder spielen gern Pferd und ahmen ihrem Vorbild durch Schnauben und
Prusten nach. Auch dieses Prusten beruht nur auf der Nasenatmung,
weshalb beispielsweise Khe und Schafe nicht Prusten.


50. Warum scheuen die Pferde und gehen durch?

Ein scheuendes Droschkenpferd wird man nicht hufig zu sehen bekommen.
Einmal hat sich ein Grostadtpferd mit der Zeit an die tollsten
Gerusche gewhnt. Sodann wird ein Pferd um so ruhiger, je lter
es wird. Und die meisten Droschkenpferde haben eine ganze Anzahl
von Jahren auf dem Rcken. Immerhin habe ich erst im vorigen Jahre
ein durchgehendes Droschkenpferd beobachten knnen. Aus welchem
Grunde es gescheut hatte, konnte ich nicht ermitteln. Es raste die
Straen entlang, und der alte Kutscher suchte nach Mglichkeit einen
Zusammensto zu vermeiden. Zum Glck war die Strae fast leer, und zum
weiteren Glck strzte das Pferd zu Boden. Die Wucht, mit der es gerast
war, zeigte sich darin, da das gestrzte Tier eine groe Strecke auf
dem Asphaltpflaster dahingeschleudert wurde. Die menschliche Haut wrde
eine solche Rutschpartie nicht aushalten, aber die Pferdehaut vertrug
sie ohne Schaden.

Durch den Sturz und das Gleiten auf dem Asphalt war das Pferd wieder
einigermaen ruhig geworden und blieb stehen, als es aufgerichtet war.

Ein groer Verlust wre es fr den Droschkenkutscher gewesen, wenn das
Pferd sich ein Bein gebrochen htte. Denn obwohl solche Brche bei
anderen Haustieren, z. B. Schweinen, sehr gut heilen, kann ein Pferd
nach einem Bruch trotz aller rztlichen Kunst nicht mehr zum Ziehen
oder Reiten, sondern nur zur Zucht verwendet werden.

Was veranlate nun das Droschkenpferd zu einer so sinnlosen Raserei?
Wahrscheinlich ein nach unseren Begriffen ganz harmloser Vorfall.
Beispielsweise schwenkt jemand pltzlich eine Fahne -- und schon ist
das Unglck geschehen.

Wir mssen bei der Beurteilung eines solchen Falles gerecht sein
und uns klar darber werden, da, wenn alle Wildpferde vorher eine
grndliche Untersuchung anstellen wollten, wie die Sache eigentlich
liegt, kein einziges mehr lebte. Vergegenwrtigen wir uns das Leben
eines Wildpferdrudels in der Steppe. Trotz der Schutzfrbung hat es ein
Tiger wahrgenommen. Unter Beobachtung der Windrichtung hat er sich nach
Katzenart ganz leise herangeschlichen. Stundenlang hat es gedauert,
bis er in Sprungweite war. Jetzt schnellt er wie ein Ball auf das ihm
zunchst stehende Tier.

Die einzige Rettung fr das Pferd besteht jetzt darin, ohne jedes
Besinnen davonzujagen. Wie der Hund, so hat auch das Pferd ein Auge,
das Bewegungen sehr leicht wahrnimmt. Den anspringenden Tiger hat es
durch seine Bewegung erkannt, oder vielmehr erkannt, da ein groer
bunter Ball urpltzlich hinter ihm flog.

Htte das Pferd erst berlegt, was der bunte Ball eigentlich sei,
so war ihm der Tod durch die groe Katze sicher. Es war sein Heil,
da es noch im letzten Augenblick davonraste. Denn der Tiger sprang
infolgedessen zu kurz. Und ein flchtiges Wildpferd kann er nicht
einholen.

Fr das Scheuen des Pferdes bestehen also folgende Ursachen:

  1. Das schwache Sehvermgen des Pferdes vermag wirkliche und
     scheinbare Gefahren nicht zu unterscheiden.

  2. Unter natrlichen Verhltnissen luft deshalb das Pferd gegen den
     Wind, um zu wissen, ob Gefahr besteht. Dieses Laufen gegen den
     Wind kann aber der Mensch bei der Benutzung der Pferde nicht immer
     durchfhren. So kommt es, da das Pferd vor ganz harmlosen Sachen
     scheut, einem Stck Papier, einem weien Stein und dergleichen.

Das Durchgehen, das dem Scheuen hufig folgt, hat die Ursache, da es
die natrliche Rettung des Pferdes in der Steppe ist.

In der Steppe gibt es keine Huser oder Bume, gegen die ein
Pferderudel strzen kann. Deshalb kann das sinnlose Laufen in der
Steppe auch keinen Schaden anrichten.

Bei uns kann natrlich ein durchgehendes Pferd das grte Unheil
verursachen. Die Insassen des Wagens werden hufig herausgeschleudert,
fremde Personen berfahren usw. Auch das Pferd selbst geht oft
zugrunde, weil es gegen einen Baum oder anderen festen Gegenstand
gerannt ist. Durch Gewalt ist bei einem durchgehenden Pferde wenig
auszurichten, da die Kraft des Tieres in diesem Zustande ganz
auerordentlich ist.

Bei einem Ochsengespann wird ein Scheuen und Durchgehen der Tiere nur
selten vorkommen. Das rhrt daher, weil das Rind im Gegensatz zum Pferd
eine Rettung nicht in der Flucht sucht, sondern mutig auf den Gegner
einstrmt. Das Pferd ist also, wie Hirsche, Rehe, Hasen ein sogenannter
fliehender Pflanzenfresser, whrend das Rind mit den Elchen, Bffeln,
den grten Affenarten zu den wehrhaften Pflanzenfressern gehrt.
Die wehrhaften Pflanzenfresser flchten nur ausnahmsweise vor einem
sehr starken Raubtiere, und zwar die Weibchen leichter als die viel
strkeren Mnnchen.


51. Die Bodenscheu.

Ein Berliner Droschkenpferd wird selten zur Bodenscheu neigen. Das
kommt daher, weil es nicht aus Gegenden stammt, wo noch Wlfe heimisch
sind. Deshalb findet man unter den ungarischen und russischen Pferden
am hufigsten Bodenscheu.

Unter Bodenscheu versteht man die unbegrndete Furcht eines Pferdes vor
dunklen Stellen auf dem Erdboden.

Bereits von dem berhmten Pferde Alexanders des Groen, das Bukephalus
hie, wird uns erzhlt, da es sich vor seinem eigenen Schatten
gefrchtet habe. Das heit mit anderen Worten, da es bodenscheu war.
Man sieht daraus, da ein hervorragend tchtiges Pferd auch diese
Eigentmlichkeit besitzen kann.

Mit Klugheit oder Dummheit hat das gar nichts zu tun, whrend gerade
Kutscher mit Vorliebe auf die Bodenscheu hinweisen, als Beweis dafr,
da das Pferd ein furchtbar dummes Geschpf ist. Wie oft habe ich
Gesprche etwa folgenden Inhalts anhren mssen: Wenn irgend jemand
daran zweifelt, da das Pferd zu den dmmsten Tieren gehrt, so soll
er sich meinen Gaul ansehen. Was ist mir erst heute wieder mit ihm
passiert? Hat da jemand auf dem Asphalt einen Eimer Wasser ausgegossen.
Denken Sie, ich bekomme das dumme Tier an dem nassen Fleck vorbei?
So hat man hufig seinen Aerger wegen der furchtbaren Dummheit des
Pferdes. Kann es etwas Dmmeres geben, als sich vor einer nassen Stelle
zu frchten?

So einfach liegt die Sache nicht, wie der Kutscher meint. Dummheit
liegt nicht vor, wenn die Schwche eines Sinnes zu sonst blichen
Leistungen unfhig macht. So ist der Knabe nicht dumm, der nicht
angeben kann, wieviel die Turmuhr zeigt, weil er kurzsichtig ist.

Umgekehrt ist das Pferd nicht klger als der Mensch, weil es sich in
der Dunkelheit besser zurechtfindet, als wir es vermgen. Unzhlige
Reiter oder Wageninsassen sind durch ihre Pferde gerettet worden. Die
Menschen konnten in der Dunkelheit nicht mehr die Hand vor den Augen
sehen. Trotzdem fanden sich die Pferde zurecht und brachten ihre Herren
glcklich nach Hause.

Wie wrde es uns Menschen gefallen, wenn man uns diese Unfhigkeit, uns
in der Dunkelheit zurechtzufinden, als Dummheit anrechnen wrde?

Das Auge des Pferdes kann bei Tageslicht nicht gut sehen. Deshalb kann
es nicht genau erkennen, was der dunkle Fleck eigentlich bedeutet. In
wolfreichen Gegenden haben die Pferde es oft erlebt, da dieser an der
Erde befindliche Fleck ein sich auf den Boden drckender Wolf war, der
ihnen pltzlich an die Kehle sprang. So unbegrndet ist also die Furcht
des Pferdes vor den dunklen Stellen am Boden durchaus nicht.

Weil in England seit Jahrhunderten im Grase lauernde Wlfe unbekannt
sind, ebenso auch bei uns in dem weitaus grten Teil unserer Heimat,
deshalb neigen englische und deutsche Pferde wenig zur Bodenscheu,
dagegen mehr die russischen und ungarischen Pferde.

Etwas anderes ist es natrlich, wenn ein Pferd in moorigen Gegenden
nasse oder dunkle Stellen meidet, weil es einzusinken frchtet.


52. Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Warum trgt ein
Pferd Hufeisen?

Da Droschkenpferde, wie schon erwhnt wurde, meistens bejahrte Tiere
sind, so werden wir uns hten, den Droschkenkutscher zu bitten, uns das
Gebi seiner Liese oder wie sie sonst heit, zu zeigen. Er wrde uns
in seiner Urwchsigkeit mit einer Antwort dienen, die sich gewaschen
hat, und wegen der Seltsamkeit des Ansinnens gewi glauben, da wir aus
dem Irrenhause entsprungen sind.

So mssen wir uns ohne ihn behelfen. Die allbekannte Redensart Einem
geschenkten Gaul sieht man nicht ins Maul erklrt sich in folgender
Weise.

Was verschenkt der Mensch am liebsten?

Es ist traurig, aber wahr, da er am liebsten wertlose Gegenstnde
verschenkt. Man kann sogar behaupten, da viele erst auf den Gedanken,
etwas zu verschenken, kommen, weil sie einen wertlosen Gegenstand los
sein wollen. Sie wissen, da sie kaum etwas dafr erhalten, und sagen
sich, da es doch einen guten Eindruck macht, wenn man etwas verschenkt.

Es ist also eine alte Erfahrung, da verschenkte Pferde meistens alte
Pferde sind.

Nun gehrt das Pferd zu den Tieren, dessen Alter man mit einer
leidlichen Genauigkeit an den Zhnen erkennen kann.

Es ist leicht verstndlich, da Zhne durch den Gebrauch abgentzt
werden. Da die Zhne des Pferdes Vertiefungen, sogenannte Kunden haben,
so ist klar, da, je weniger die Kunden abgentzt sind, desto jnger
das Pferd, je mehr, desto lter es sein mu.

Man soll also einem geschenkten Gaul deshalb nicht in das Maul sehen,
weil man dann an den Zhnen erkennen wrde, da man ein recht bejahrtes
Tier von dem Schenker erhalten hat. --

Unser Droschkenpferd trgt Hufeisen, und zwar an jedem Hufe eins.
Wildpferde besitzen natrlich keine Hufeisen. Es fragt sich, weshalb
der Mensch dem Tiere diese Eisen aufgenagelt hat.

Im Altertum waren, wie wir wissen, die Pferde unbeschlagen. Auch bei
uns lt man auf dem Lande, namentlich in sandigen Gegenden, die Pferde
hufig unbeschlagen.

Das lt sich deshalb durchfhren, weil die Abnutzung des Hufes auf
sandigem Boden nicht gro ist und durch Nachwachsen wieder ersetzt
wird. Anders liegt aber die Sache in den Stdten mit Steinpflaster.
Pferde, die auf solchem Pflaster schwere Lasten zu ziehen haben, mssen
deshalb beschlagen werden, um die vorzeitige Abnutzung der Hufe zu
verhindern.

Das richtige Aufnageln der Hufe will natrlich verstanden sein. Deshalb
sind tchtige Hufschmiede mit Recht auf ihre Fertigkeit stolz.

Bei Gltte und Eis knnen die Pferde mit ihren eisernen Schuhen
besonders leicht ausgleiten. Um das zu verhindern, gibt es allerlei
Vorkehrungen, beispielsweise das Einschrauben von Stollen.


53. Der Schweif des Pferdes verglichen mit dem Schwanz von Hund und
Katze.

Wir sahen, da das Droschkenpferd durch Schlagen mit dem Schweif sich
die Fliegen abwehrt. Vergleichen wir den Schwanz unserer Hauspferde mit
dem der Wildpferde, so knnen wir feststellen, da die Behaarung bei
unseren Pferden reichlicher geworden ist.

Diese Beobachtung knnen wir berall machen. So behaarte Geschpfe wie
der Pudel und der Kolly, die Angorakatze, die Hausschafe, kommen in der
freien Natur nicht vor.

Immerhin mu uns folgendes auffallen. Das Pferd benutzt den Schwanz, um
Fliegen abzuwehren. Warum tun nicht Hund und Katze das gleiche? Beide
haben doch einen schnen langen Schwanz. Warum schlagen sie niemals
damit nach Fliegen? Wiederum schlgt die Kuh mit ihrem Schwanz nach
Fliegen. Warum hat sie einen so viel lngeren Schwanz als das Pferd?

Wenn wir uns die Tierwelt daraufhin nher ansehen, welche Bedeutung
bei ihnen der Schwanz hat, so finden wir darunter zahlreiche, bei
denen er ein lebenswichtiges Organ ist. Ein Knguruh ohne Schwanz
ist kein Knguruh mehr, weil es den Schwanz als drittes Bein eines
Schusterschemels benutzt. Ebenso ist es bei den Klammeraffen.
Krokodile, Walfische, ferner alle Fische sind ohne Schwanz
Todeskandidaten.

Umgekehrt gibt es Tiere, bei denen der Schwanz gleichgltig ist, so bei
Hasen, Hirschen, Rehen, Ziegen u. dgl. Wird einem Hirsch sein kurzer
Schwanz, der Wedel genannt wird, abgeschossen, so strt ihn das nicht
weiter in seinem Befinden.

In der Mitte stehen die Tiere, bei denen der Schwanz auf ihre
Lebensweise von mehr oder minder wichtigem Einflu ist. So sehen wir
beispielsweise im Zoologischen Garten, da der Lwe vor einem Sprunge
seinen Schwanz schnell dreht. Sehr richtig sagt unser Dichter Schiller
in dem Gedicht: Der Handschuh von dem grollenden Tiger, den man auch
als Waldlwen bezeichnen kann:

          schlgt mit dem Schweif
          einen furchtbaren Reif.

Wir knnen auch verstehen, weshalb der Lwe seinen Schweif so eilig
dreht. Er will einen ganz genauen Sprung machen, um sein Opfer zu
packen. Selbstverstndlich will das bedrohte Geschpf der Gefahr
entrinnen und sucht nach der einen oder anderen Seite zu entkommen.
Nach welcher es sich wenden wird, kann der Lwe vorher nicht wissen.
Das entscheidet sich erst im letzten Augenblick. Darum tut der Lwe am
klgsten, wenn er den Schweif im Kreise dreht. Mag das bedrohte Tier
springen, nach welcher Seite es auch will, stets wird der Lwe durch
die Kreisdrehung imstande sein, richtig zu steuern.

Weil es auf die richtige Steuerung beim Sprunge sehr ankommt, deshalb
haben alle Katzenarten einen langen Schwanz. Die alten Griechen
haben also sehr fein beobachtet, als sie die Katze Ailurus, d. h.
Drehschwanz, nannten. Ausnahmsweise haben einige Katzen nur einen
kurzen Schwanz, nmlich solche, die, wie z. B. der Luchs, hauptschlich
auf Bumen lauern, wo fr das Drehen des Schwanzes kein Platz ist. Auf
der Insel Man lebt eine Katze, die hauptschlich von Vgeln lebt und
deshalb auf Bumen heimisch ist. Auch sie hat keinen Schwanz.

Die Hundearten brauchen zwar zum Springen keinen langen Schwanz, wohl
aber zum schnellen Umkehren. Der Hase sucht sich vor dem schnelleren
Hund durch Hakenschlagen zu retten, indem er ganz pltzlich die
Richtung ndert. Der Hund, der in rasender Eile dem Hasen folgt, ist
dermaen in Schwung, da er noch eine ganze Strecke fortschiet,
nachdem der Verfolgte seinen Haken geschlagen hat. Dadurch erhlt der
Hase einen Vorsprung, bis der Hund ihm wieder bedenklich auf das Fell
rckt. Dann kann das Spiel von neuem beginnen.

Um seinen Krper pltzlich herumzuwerfen, bedarf der Hund wie alle
Hetzraubtiere, also Wlfe, Wildhunde u. dgl., eines langen Schwanzes.
Besonders wichtig ist er fr den Windhund, da dieser der eifrigste
Hasenhetzer ist. Ein Windhund ohne Schwanz ist undenkbar. Vielmehr
zeichnet sich gerade diese Hunderasse durch einen langen Schwanz aus.

Fr alle Katzenarten ist also ein langer Schwanz zum richtigen Steuern
und fr alle Hundearten zum schnellen Herumwerfen ihres Krpers von
Wichtigkeit. Ebenso sehen wir bei Raubvgeln lange Schwnze, damit
sie bei der Verfolgung schnell die Richtung ndern knnen. Auerdem
erleichtert der ausgebreitete lange Schwanz ihnen das Tragen der Beute.

Hasen, Hirsche, Rehe, Elche usw. brauchen dagegen keine Schwnze, weil
sie keine anderen Tiere verfolgen. Das Hakenschlagen kann der Hase ohne
Schwanz sehr gut machen, da er ja vorher die Absicht hat, die Richtung
zu ndern. Wrde auch der Hund vorher diese Absicht haben, so kme er
auch ohne Schwanz aus.

Gegen die Insektenplage helfen sich die Pflanzenfresser dadurch, da
sie Oertlichkeiten aufsuchen, wo weniger Insekten vorhanden sind.

Nur den Pferden und den Rindern ntzen die Wanderungen nicht viel. Das
Pferd ist auf seine Heimat, die Steppe, angewiesen. Viel schlimmer
ist das Rind daran. Es ist gerade in ppig bewachsenen Niederungen
heimisch, wo es sehr viel Insekten gibt. Deshalb hat auch das Rind den
lngsten Schwanz zum Vertreiben der Fliegen, whrend das Pferd, weil es
in der Steppe nicht so schlimm ist, sich mit einem erheblich krzeren
Schweif begngen mu.

Der Schwanz dient also bei Pferd, Rind, Hund und Katze ganz
verschiedenen Zwecken. Bei den beiden erstgenannten ist er
Fliegenabwehrer, bei dem Hunde soll er den Krper herumwerfen helfen,
und bei der Katze soll er das richtige Steuern beim Sprunge besorgen.
Ein Hund ohne Schwanz kann keinen Hasen mehr einholen. Gegen Fliegen
braucht die Katze ihren Schwanz nicht als Abwehrmittel, da sie von
ihnen gemieden wird. Die Hundearten liegen am Tage in einem dichten
Gebsch und ruhen. Hier ist von einer groen Belstigung durch Fliegen
nicht die Rede, weshalb der Hund nach ihnen nur mit dem Maule schnappt,
aber nicht mit dem Schwanze danach schlgt.


54. Sieht das Pferd alles grer?

Ein unausrottbarer Aberglaube ist es, da das Pferd alles doppelt
sieht. Wie schn wre es fr unsern Droschkenkutscher, wenn das der
Fall sein wrde. Er brauchte seiner Liese nur das halbe Futter zu
geben, und sie glaubte, das ganze zu erhalten.

Die Gre eines Gegenstandes bemessen wir nach dem Gesichtswinkel und
der Entfernung. Ist uns die Entfernung unbekannt, so schwanken wir in
den Angaben der Gre. So sagt mancher Landbewohner, der Mond she so
aus wie ein frherer Taler. Ein anderer sagt wiederum, er erscheine
ihm so gro wie ein Heuwagen. Sehen wir ganz in der Ferne einen Vogel
fliegen, so ist oft der beste Tierkenner im Zweifel, wie gro der Vogel
eigentlich ist. Bei unbekannten Entfernungen kann es also vorkommen,
da man etwas fr grer hlt als es ist.

Das meint das Volk aber gar nicht, sondern es ist der Ueberzeugung, da
das Pferd alle Gegenstnde um sich, wo es sich also um ganz bekannte
Entfernungen handelt, doppelt so gro sieht. Namentlich soll der Mensch
in den Augen des Pferdes doppelt so gro, wie er ist, erscheinen.

Es ist klar, da diese Vorstellung vollkommen unhaltbar ist. Sehe ich
alles doppelt so gro, so sehe ich mich selbst ebenfalls doppelt so
gro, und dann hat das Grersehen nicht den geringsten Erfolg.

Nichts deutet darauf hin, da das Pferd, falls man die
Grenverhltnisse in Betracht zieht, anders sieht als der Mensch. Es
hlt einen groen Hund nicht fr ein Pferd, es verwechselt eine Htte
nicht mit seinem Stall, es mit die Weite eines Grabens und die Hhe
eines Hindernisses vortrefflich ab. Der Aberglaube, da das Pferd
alles doppelt sieht, ist nur aus folgendem Gedankengange entstanden.
Der einfache Mann legt sich folgende Frage vor: Wie ist es mglich,
da ein so groes und starkes Tier, wie es das Pferd ist, sich von
einem Schwchling, wie es der Mensch ist, beherrschen lt? Um das zu
erklren, verfiel man auf den anscheinend klugen Gedanken: Es wird den
Menschen doppelt so gro sehen, wie er ist.

Hierbei haben die Leute aber ganz bersehen, da in der Tierwelt hufig
ein David einen Riesen Goliath in Schrecken versetzt. Die groen und
starken Rinder flchten, wenn die kleinen Rinderbremsen kommen (vgl.
Kap. 86), und andere groe Tiere sowie auch Menschen ergreifen die
Flucht vor kleinen Giftschlangen oder gewissen Arten von Ameisen.

Alle Tage knnen wir erleben, da sich groe Pferde vor dem Geklff
kleiner Hunde frchten. Es ist daher nicht im mindesten auffallend, da
es sich dem Menschen unterordnet.

Die seitliche Stellung der Augen hat fr das Pferd groe Vorteile.
Krzlich sah ich ein Bild, auf dem der Knstler die Stellung seiner
Meinung nach verbessert hatte. Das Pferd hatte nmlich, fast wie ein
Mensch, die Augen vorn.

Wir wollen uns einmal vorstellen, da sich ein Pferd gegen einen von
hinten anschleichenden Wolf verteidigen will. Das kann in seiner
Heimat alltglich oder allnchtlich vorkommen. Bei der Stellung der
Menschenaugen knnte das Pferd den anschleichenden Ruber nicht sehen.
Es wrde wahrscheinlich daneben hauen, und der unverletzte Wolf sich in
sein Opfer verbeien.

Man erkennt daraus, da die Natur doch etwas besser versteht, wie die
einzelnen Gaben beschaffen sein mssen, die sie den Tieren verliehen
hat.

Durch die Stellung der Augen hat das Pferd den Vorteil, die Peitsche
des Kutschers zu sehen oder wenigstens die Bewegungen, die er
macht, wenn er schlagen will. Denn auch das Pferdeauge kann wie das
Hundeauge Bewegungen sehr gut wahrnehmen. Weil nun manche Pferde aus
Furcht vor dem Schlage pltzlich schnell anzogen und dadurch eine
gleichmige Fahrt erschwerten, so war dies einer der Grnde, weshalb
man Scheuklappen anbrachte. Durch die Scheuklappen wurden die Pferde
verhindert, nach hinten zu sehen.

Ueber die Scheuklappen ist sehr viel geschrieben worden, weil sie den
Augen des Pferdes sehr nachteilig sein sollten. Man sieht sie auch
jetzt viel weniger als frher. Immerhin hat man sich um eine Sache mehr
aufgeregt, als sie wert war. Denn das Auge hat fr das Pferd nicht die
Bedeutung wie fr den Menschen.

Ganz unerklrlich ist es uns, da ein durchgehendes Pferd nicht die
Huser und Bume, gegen die es gerannt ist, vorher gesehen hat. Aber
wir mssen uns in die Lage des Pferdes hineinversetzen, dann wird der
Zusammensto viel leichter verstndlich. Das Pferd glaubt, da von
hinten ein Feind droht, weshalb es davonstrmt. Hierbei schaut es stets
nach hinten, nicht nach vorn. In diesem Zustande kommt es leicht zu
einem Zusammenprall mit vor ihm befindlichen Gegenstnden, weil der
Blick nach hinten gerichtet ist. Ueberhaupt kann das Pferd wegen der
Stellung seiner Augen nicht so bequem nach vorn sehen wie der Mensch.


55. Ist der Futterkbel praktisch?

In der Zwischenzeit hat sich der Droschkenkutscher gestrkt und will
sich wieder auf seinen Bock schwingen. Liese hat an dem gewichtigen
Schritt gehrt, da ihr Lenker naht, und macht sich reisefertig. Der
Futterkbel wird ihr abgenommen und verstaut, ferner das Gebi in die
sogenannte Lade, d. h. den zahnlosen Raum zwischen Vorderzhnen und
Backzhnen gelegt. Eine Decke war nicht abzunehmen. Vielleicht hat der
Kutscher nur kurze Zeit fortbleiben wollen. Auch ist es warm, und das
Pferd hat anscheinend vorher keine grere Anstrengung leisten mssen.
Peitschenhiebe sind nicht ntig. Liese setzt sich in Bewegung, und wir
nehmen von ihr Abschied.

Ein dem Pferde angehngter Frenapf hat natrlich seine Nachteile. Das
Wildpferd frit regelmig vom Boden und nur ausnahmsweise von Bumen.
Daher ist die Ftterung aus Futterkbeln immer noch naturgemer als
die aus Raufen, wie sie in den Stllen blich sind. Das fortwhrende
Hochheben des Kopfes wirkt auf die Pferde nachteilig ein und ist
besonders fr Fohlen (junge Pferde) geradezu gesundheitsschdlich.

Durch das Atmen durch die Nase pustet das Pferd oft Futter aus dem
Kbel hinaus. Es ist daher vorteilhaft, Wasser zu dem Futter zuzugieen
Dann kann kein Hcksel fortfliegen. Aber fr die Pferde hat diese
Naftterung Nachteile. Denn das Wildpferd frit seine Nahrung trocken.
Erst wenn es sein Trockenfutter genossen hat, luft es nach einer
Trnkstelle.

Sehr oft habe ich Ansprachen des Kutschers an sein Pferd gehrt, die
geradezu komisch waren. Der Kutscher wollte sein Pferd fttern, aber
es sollte vorher trinken. Das Pferd weigerte sich aber hartnckig zu
trinken. Immer wieder nahm es den Kopf fort. Der Kutscher glaubte,
diese Weigerung durch gute Lehren zu bekmpfen, und sagte etwa
folgendes: Aber, du dummer Peter, willst du denn gar nicht trinken?
Weit du denn gar nicht, wie schn das Essen schmeckt, wenn man vorher
getrunken hat?

Es ist richtig, da man ein Haustier vor manchem Schaden behten mu.
Ein freilebendes Tier wei sich allein zu helfen, aber ein Haustier hat
diese Fhigkeit verloren. So berfressen sich Hauspferde, wenn sie an
die Haferkiste gelangen. Da das Pferd im Verhltnis zu seiner Gre nur
einen kleinen Magen hat, der obendrein noch eine Klappe hat, so sind
schon viele Pferde am Ueberfressen gestorben.

Solche Dinge jedoch, ob ein Pferd vor dem Fressen trinken soll oder
nicht, wei das Pferd besser als der Mensch. Der Deutsche schwrmt fr
eine Flssigkeit vor dem Essen. Deshalb wird bei uns das Essen mit
einer Suppe eingeleitet. Auch im Zoologischen Garten mssen Tiger und
Lwen vor dem Frae Wasser trinken, obwohl alle naturgeschichtlichen
Werke darber einig sind, da sie erst nach ihrer Mahlzeit ihren Durst
lschen.

Erhitzten Tieren mssen wir, wenn sie stehen bleiben, eine Decke
auflegen, um gesundheitliche Schden abzuwehren. Ein Wildpferd
braucht eine solche Decke nicht. Zunchst ist es abgehrteter als das
Hauspferd, das in der Nacht geschtzt im Stalle steht. Sodann ist es
jederzeit in der Lage, durch Laufen die etwa erforderliche Wrme sich
zu beschaffen.


56. Die Rassen oder Stmme des Pferdes.

Kaum ist unser Droschkenkutscher entschwunden, so erhalten wir Ersatz.
Ein schwerbeladener Rollwagen kommt auf uns zu. Hu, was mssen die
Pferde ziehen und wie oft erhalten sie Peitschenhiebe. Ein Glck ist
es, da sie jetzt am Ziele sind und sich ausruhen drfen. Wir knnen
uns also in Ruhe die beiden Gule ansehen.

Zunchst fllt uns die Gre und der Bau der Glieder auf. Das
Droschkenpferd Liese war fast klein und zart gegen diese beiden
ungeschlachten Riesen. Auch waren Lieses Hufe klein und hatten oberhalb
kaum oder wenig Haare, whrend die beiden Frachtpferde Riesenhufe mit
mchtigen Haarbscheln besitzen.

Diese ganz verschiedenen Formen des Pferdes erklren sich
folgendermaen. Als die schnsten Pferde werden von Kennern die
arabischen bezeichnet. Das arabische Pferd hat in seiner Heimat
einen trockenen und steinigen Boden, ferner sehr wenig Wasser. Diese
Unfruchtbarkeit hat auf das arabische Pferd groen Einflu ausgebt,
denn es ist sehr gengsam. Kein Lot Fleisch ist an ihm zuviel, die
Knochen sind hart, die Hufe klein und fest. Die orientalische oder
morgenlndische Rasse, zu der das arabische Pferd in erster Linie
gehrt, erinnert also sehr an den drren, behenden und bedrfnislosen
Beduinen.

Im Vergleich hierzu ist das abendlndische Pferd das gerade Gegenteil.
In den wasserreichen und fruchtbaren Gegenden Westeuropas bildete sich
eine Pferderasse, die etwa an einen bermig viel Bier trinkenden
Menschen erinnert. Riesig gro und umfangreich sowie mchtige Glieder,
aber wegen der Aufgedunsenheit weniger schn. Die Hufe wurden auf dem
nassen Boden weich und gro. Zum Schutze gegen die Schneemassen im
Winter bildete sich ein starker Haarschutz.

Die Rollwagenpferde sind richtige Abendlnder, wie es die belgischen,
dnischen Pferde und die Percherons sind. Sie sind Riesen mit
gewaltiger Kraft. Sie gehren dem sogenannten kaltbltigen Schlage an,
weil sie gelassen und ruhig sind. Von der ewigen Unruhe des Arabers
haben sie keine Spur.

So fromme Tiere sind natrlich dem Landwirt und der Industrie viel
willkommener als die schwer zu behandelnden Orientalen. Die Riesen sind
so schwer und unbeholfen geworden, da sie kaum noch durchgehen knnen,
selbst wenn sie es wollen.

Woher kommt es nun, da wir in Deutschland nicht lauter abendlndische
Pferde haben?

Die Antwort ist sehr einfach. Ein Reiter will schnell vorwrts kommen,
ebenso sollen Kutschpferde rasch eine Strecke zurcklegen, sonst knnte
man lieber selbst gehen. Man braucht also zu vielen Zwecken ein Pferd
mit raschen Bewegungen.

Nun haben die Englnder seit vielen Jahrhunderten ihre heimischen
Tiere mit arabischen gekreuzt. Hieraus ist allmhlich das Vollblut
entstanden, das uerst beweglich ist. Mit englischen Pferden haben wir
wiederum unsere heimischen Pferde gekreuzt, so da wir ein Mittelding
zwischen morgenlndischer und abendlndischer Rasse besitzen, wie es z.
B. des Droschkenkutschers Liese war.

Ueber die Farben der Pferde wre bei dieser Gelegenheit folgendes
zu sagen. Braune haben, wie wir bei der Liese sahen, eine schwarze
Mhne und schwarzen Schweif. Auch die Fe sind gewhnlich schwarz.
Fchse sind braunrtlich, und zwar sind Mhne und Schweif ebenfalls
braunrtlich, wodurch sich eben der Fuchs vom Braunen unterscheidet.
Falbe haben gelbliche Frbung und zerfallen in eine Reihe von
Unterarten. Pferde mit kohlschwarzem Haar heien Rappen. Im Gegensatz
hierzu heien Pferde mit weiem Haar Schimmel. Doch werden Schimmel nur
ausnahmsweise gleich wei geboren, wie auch die Rappen zunchst grau
sind. Schimmel mit schwarzen Punkten heien Fliegenschimmel, solche mit
apfelgroen dunklen Flecken Apfelschimmel. Pferde, die wei und dunkel
gefrbt sind, heien Schecken. Manche Schecken haben ein oder zwei
Glasaugen. Whrend sonst nmlich alle Pferde ein dunkelbraunes Auge
besitzen, sieht die Iris oder Regenbogenhaut bei den Glasaugen hell aus.

Es ist schwer festzustellen, wie die Sehkraft des Glasauges beschaffen
ist. Mglicherweise sieht ein Pferd mit dem Glasauge gar nichts. Da man
sich vorsehen mu, da man nicht ein blindes Pferd kauft, so kann ein
Pferd zwei Glasaugen besitzen und trotzdem zur Arbeit verwendbar sein.
Auch beim Hunde ist, wie schon erwhnt wurde (Kap. 9), Blindheit nicht
leicht festzustellen.

Das Alter des Pferdes kann hchstens auf vierzig Jahre angegeben
werden. Gewhnlich ist es schon viel frher verbraucht, bei Warmblut
mit 20, bei Kaltblut mit 15 Jahren. Die Tragezeit der Stute betrgt
11 Monate. Zwillinge sind bei Pferden selten und nicht erwnscht. Das
Fohlen lt man gewhnlich erst mit drei Jahren arbeiten.

Wie den Huftieren berhaupt, so fehlt auch den Pferden das
Schlsselbein.

Das Gebi des mnnlichen Pferdes besteht aus 40 Zhnen, das des
weiblichen aus 36 Zhnen. Den weiblichen fehlen gewhnlich 4
Hakenzhne. Beide haben 12 Schneidezhne und 24 Backenzhne.

Die Gre der Pferderassen ist sehr verschieden. Das englische
Brauerpferd wird ber 2 Meter gro, wobei die Hhe des Widerristes, der
hchsten Stelle des Rckens, gemessen wird. Der Shetlandpony dagegen
wird nur 60 Zentimeter hoch. Schwere Pferde wiegen bis zu 15 Zentnern,
mittlere 7 bis 9 Zentner.

Die Zugfhigkeit des Pferdes ist grer als seine Tragfhigkeit.
Die hchste Rennleistung eines Pferdes ist die Zurcklegung eines
Kilometers in einer Minute.

Ein Irrtum ist es, da der Mensch den Pferden die Schnelligkeit
angezchtet hat. Es ist richtig, da die Zebras keine Dauerrenner sind.
Es fehlen in Afrika die Hetzraubtiere. Aber die asiatischen Wildpferde
werden von Wlfen gehetzt und sind deshalb von Hause aus Dauerrenner.


57. Warum fhrt man lieber zweispnnig als einspnnig?

Ein Rollwagen, wie wir ihn vor uns haben, braucht natrlich zur
Befrderung seiner schweren Lasten zwei Pferde. Hiervon abgesehen, mu
es aber auffallen, da zwei Pferde vor dem Wagen weit hufiger sind als
ein einzelnes. Woran liegt das?

Auch hier gibt uns wieder das Leben der Wildpferde Auskunft. Sie leben
in Rudeln und niemals einzeln. Ein einzelnes Pferd findet sich auch
heute nicht annhernd so wohl wie in Gesellschaft.

Den Reitern ist diese Eigentmlichkeit des Pferdes, lieber in
Gesellschaft anderer zu sein, manchmal sehr unerwnscht. Sie wollen
sich z. B. von ihren Bekannten, mit denen sie zusammen geritten sind,
trennen. Aber das Pferd will nicht. Es gefllt ihm in Gesellschaft der
anderen Pferde viel besser. Es klebt, wie man es nennt. Der Reiter
hat oft groe Mhe, einen solchen Kleber zu seiner Ansicht zu zwingen.

Bei Rennen ist es schon vorgekommen, da ein fhrendes Pferd eine
falsche Richtung einschlug, und die nachfolgenden Pferde aus
Geselligkeitstrieb ebenfalls nachfolgten. Selbstverstndlich gingen
dadurch die auf die Pferde gesetzten Betrge verloren, wodurch
rgerliche Auftritte entstanden.

Pferde, die nicht allein sein knnen, vermgen ihren Besitzer zur
Verzweiflung zu bringen. So hatte beispielsweise ein Forstwart ein
ausrangiertes Militrpferd gekauft. Dieses wollte durchaus nicht
im Stalle sein und schlug alles kurz und klein. Erst als sein Herr
ihm eine Ziege als Gesellschafterin gab, beruhigte es sich und war
zufrieden. Nach zwei Jahren wollte der Forstwart die Ziege verkaufen.
Er mute jedoch darauf verzichten, da sein Pferd wiederum zu rasen
begann.

Die Javaner zeigen sich als gute Tierbeobachter dadurch, da sie Affen
in Pferdestllen halten, damit die Pferde Gesellschaft haben.

Nebeneinanderstehende Pferde schaben sich gern. Hierauf werden wir beim
Putzen der Pferde zu sprechen kommen.


58. Warum schreien Pferde nicht? Das Wiehern der Pferde.

Wir haben gesehen, da die beiden Pferde trotz der heftigsten
Peitschenhiebe nicht schrien. Dagegen heulen geprgelte Hunde manchmal
derartig, da das ganze Haus zusammenluft. Wie erklren sich diese
Unterschiede?

Es wre fr das Pferd sehr vorteilhaft, wenn es schrie, sobald es
Schmerz empfindet. Dann wrden die zahllosen Tierqulereien, namentlich
die Pferdeschindereien bei Neubauten, nicht so hufig vorkommen. Der
Grundsatz: Schreien hilft, gilt nicht nur fr die Menschen, sondern
auch fr die Tiere.

Wir wissen von den Zebras und andern Wildpferden, da sie nicht
aufschreien, wenn sie von der Kugel des Forschungsreisenden getroffen
sind. Das Schreien und Brllen sowie Heulen finden wir berhaupt nur
bei den Tieren, die sich gegenseitig beistehen. Deshalb schreit die
Katze nicht, da sie allein lebt. Umgekehrt heult der Hund, damit ihm
die anderen Hunde beistehen. Man kann auch oft erleben, da Hunde in
einem kleinen Orte sehr unruhig werden, falls ein Kamerad von ihnen
andauernd geprgelt wird.

Die Kuh brllt, wenn ihr das Kalb genommen wird, denn wilde Rinder
stehen sich bei. Dagegen schreit die Stute nicht, falls ihr das Fohlen
geraubt wird. Denn Wildpferde flchten, stehen sich aber nicht bei.

Nur ganz ausnahmsweise schreien Pferde. Aber es kommt so selten vor,
da selbst groe Pferdekenner es noch niemals gehrt haben.

Seine Freude dagegen drckt das Pferd durch Wiehern aus. Ueberhaupt
deutet das Wiehern an, da das Pferd einen Wunsch hat.

Das Pferd besitzt keine Schnurrhaare wie die Katze, da es niemals in
Lcher kriecht. Dagegen sehen wir am Kinn Tasthaare. Welchen Zwecken
mgen diese dienen?

Die Wildpferde sind wie die Wildhunde in der Nacht ttig. Im Gegensatz
zu den rein nchtlichen Tieren, wie den Katzenarten, sieht man Zebras
auch am Tage. Aber selbst wenn sie wollten, knnen sie in der Nacht
nicht schlafen. Zur Nachtzeit geht ihr gefhrlichster Feind, der Lwe,
auf Raub aus.

Die Menschen knnen sich vor dem Lwen schtzen, indem sie sich in
Hhlen zurckziehen und diese verschlieen oder auf Bume klettern, wie
die Affen es tun. Aber die Wildpferde knnen weder in Hhlen flchten
noch auf Bume klettern.

Wann schlafen denn die Wildpferde, wenn sie in der Nacht auf ihre
Feinde aufpassen mssen und am Tage ttig sind?

Ein Schlafen, wie es den Menschen eigentmlich ist, finden wir nicht
bei allen Tierarten. Jeder wei, da Pferde, die wenig zu arbeiten
haben, z. B. auf der Weide sind, sehr wenig schlafen. Kommt man zur
Nachtzeit in den Pferdestall, so wundert man sich, da so viele Pferde
wach sind.

Die Zebras schlafen in Wirklichkeit nur in den Mittagsstunden, wo
sie regungslos unter den Bumen stehen. Daraus erklrt sich auch die
Zeichnung ihrer Haut, die mit den Schatten der Baumste bereinstimmt.

Wildpferde weiden viel in der Dunkelheit. Da das Pferd infolge der
Stellung der Augen das vor seinem Maule Befindliche nicht besonders gut
erkennen kann, so haben die Kinnhaare eine groe praktische Bedeutung.
Wenn es den Kopf senkt, um zu weiden, so zeigen ihm die Kinnhaare an,
da es auf Grser gestoen ist.

Kinnhaare soll man also bei Pferden nicht abschneiden.

Ebenso ist es nicht ratsam, einem abendlndischen Pferde die
Ktenschpfe abzuschneiden, damit die Leute denken sollen, es sei
ein morgenlndisches. Unter Kte versteht man die hintere Seite der
Zehe, und die an den Kten befindlichen Haare werden als Ktenschpfe
bezeichnet, wie wir sie an den Rollkutscherpferden sehen knnen,
wo sie sehr ppig wachsen. Jedenfalls soll man sie nicht im Winter
abschneiden, da sie gegen Schnee und Schneewasser einen vortrefflichen
Schutz bilden und dadurch die Mauke, die Entzndung der Kten,
verhindern.

Unterdessen ist die Sonne ziemlich hochgestiegen und scheint den Tieren
ordentlich auf den Leib. Ist es nun nicht eine Tierqulerei, die Pferde
in der prallen Sonne stehen zu lassen?

Selbstverstndlich wird man sie bei glhender Sonnenhitze in den
Schatten bringen, wenn man eine schattige Stelle in der Nhe hat. Im
brigen vertragen unsere Haustiere die Hitze ganz verschieden. Ein
Schwein kann schon daran sterben, wenn man es an einem glhend heien
Sommertage auf den Wagen befrdert.

Dagegen knnen Pferde furchtbar viel Hitze vertragen. Das kommt daher,
weil ihre Vorfahren seit Urzeiten den erbarmungslosen Strahlen der
Sonne in der Steppe standhalten mssen.

Niemals wird es daher vorkommen, da Wettrennen deswegen abgesagt
werden, weil es an dem Tage zu hei ist. Dabei mssen sich die Pferde
bei den Rennen aufs uerste anstrengen. Wrde ihnen die Hitze
nachteilig sein, so liee kein Rennstallbesitzer seine Pferde laufen.
Denn er wrde sich hten, sich groen Verlusten auszusetzen.

Es war von den Tierschutzvereinen sehr gut gemeint, als sie vor etwa
zehn Jahren den Omnibuspferden Strohhte aufsetzten. Aber sie waren,
wie wir sahen, ganz berflssig und sind deshalb auch nach kurzer Zeit
verschwunden.

Uebrigens nennt man bei einem Zweigespann das vom Kutschersitz rechts
befindliche Pferd Handpferd, das linke dagegen Sattelpferd. Denn bei
ziehenden Pferden wird der Reiter stets links sitzen. Das linke Pferd
trgt also Sattel und Reiter, der mit der Hand das rechts befindliche
Pferd lenkt. So erklren sich die Bezeichnungen Sattelpferd und
Handpferd.


59. Andere Eigentmlichkeiten des Pferdes.

Die Rollwagenpferde werden jetzt getrnkt, wobei wir sehen, da etwas
Neid oder wenigstens Migunst der Seele des Pferdes nicht ganz fremd
ist. Das dem Brunnen zunchststehende Sattelpferd wird zuerst getrnkt,
aber das Handpferd sucht fortwhrend seinen Kopf ebenfalls in den
Trnkeimer zu stecken, wozu der Platz nicht ausreicht.

Es ist merkwrdig, welchen Wert Pferde auf gutes Wasser legen.

Das kommt daher, weil die Wildpferde tglich in der Steppe zur Quelle
laufen und dort sehr gutes und klares Wasser trinken.

Ein Gestt, das kein gutes Wasser besitzt, wird niemals auf die Dauer
groe Erfolge erzielen.

Der Hund als frheres Raubtier mu dagegen aus jeder Pftze trinken
knnen und wird deshalb nicht krank, wie ein Pferd, wenn er dauernd
schlechtes Wasser bekommt.

Jeder Kutscher wei brigens, da die Pferde gewisse Brunnen bevorzugen
und das Wasser von manchen Brunnen nicht saufen mgen.

Whrend wir noch stehen und zuschauen, kommt eine Kutsche vorbei, deren
Pferde Aufsatzzgel tragen. Durch den Aufsatzzgel wird den Pferden
die Mglichkeit genommen, den Kopf nach unten zu senken und wieder
nach oben zu bringen, wie es alle Pferde tun. Dieses Tunken mit dem
Kopfe finden manche Leute nicht schn. Sie bringen deshalb durch den
Aufsatzzgel den Kopf des Pferdes dauernd hoch. Das soll nach der
Ansicht dieser Pferdekenner einen vortrefflichen Eindruck machen.

Jeder Mensch, der sich eingehend mit dem Tierleben beschftigt, wird
zu einem ganz anderen Ergebnis gelangen. Das Tunken mit dem Kopf beim
Pferde hat natrlich einen Zweck, und zwar einen sehr wichtigen. Wir
sprachen frher davon, da wilde Pferde stets gegen den Wind laufen,
um vorher einen etwaigen Feind zu wittern. Dieses Mittel ist ohne
Frage ausgezeichnet. Denn das Riechvermgen des Pferdes ist so gut
wie das eines Hundes, obwohl es den wenigsten Menschen bekannt ist.
Trotzdem kann es vorkommen, da ein auf dem Boden lauerndes Raubtier
nicht gerochen wird. Wie wir das nicht sehen knnen, was hinter unserem
Rcken ist, so kann das Pferd das nicht riechen, was am Boden sich
an Gerchen entlangzieht. Weht also der Wind die Ausdnstung des am
Boden liegenden Wolfes der Pferdenase entgegen, so kann diese leicht
nichts davon merken, wenn sie stets in Kopfhhe bleibt. Dann geht die
Raubtierausdnstung durch die Beine durch.

Um das zu verhindern, tunkt das Pferd. Es senkt den Kopf, um
rechtzeitig die Anwesenheit eines am Boden lauernden Feindes
wahrzunehmen.

Selbstverstndlich ist es eine groe Tierqulerei, einem Haustiere die
seit Urzeiten gebten Vorsichtsmaregeln unmglich zu machen. Es ist
kein Wunder, da Pferde mit Aufsatzzgeln erst recht zum Scheuen neigen.

Was wrden wir Menschen sagen, wenn wir durch einen Kopfhalter
gezwungen wren, stets geradeaus zu sehen, ohne uns nach rechts oder
links umschauen zu knnen, wie wir es doch von jeher gewhnt sind!

Der Aufsatzzgel mu also als Tierqulerei bezeichnet werden. Hier
knnen Tierschutzvereine segensreich wirken, wenn sie fr seine
Abschaffung eintreten.

Aus dem Leben der Wildpferde erklrt sich ferner der Satz: Hte dich
vor den Vorderbeinen des Hengstes und vor den Hinterbeinen der Stute.

Der Hengst als Beschtzer seines Rudels greift eben den Feind,
namentlich den Wolf, mit den Vorderbeinen an. Auch packt er ihn mit
den Zhnen, weshalb gerade Hengste bissig zu sein pflegen. Die Stute
dagegen verteidigt sich und ihr Fohlen durch Auskeilen nach hinten.

Es erklrt sich hieraus ferner, da bsartige Pferde die Ohren
zurckziehen. Wollen nmlich zwei Pferde miteinander kmpfen, so suchen
sie zu verhindern, da der Gegner sie mit den Zhnen an den Ohren
packt. Aus diesem Grunde ziehen sie die Ohren zurck.

Sieht man also, da ein Pferd die Ohren zurcknimmt, so ist immer
Vorsicht am Platze. Das ist z. B. bei manchen Pferden der Fall, wenn
sie fressen. Alle Tiere sind bei ihrer Mahlzeit mehr oder weniger
angriffslustig. Katzen fauchen, wenn sie gerade einen besonders schnen
Bissen fressen, Hunde knnen ihren eigenen Herrn beien, falls er ihnen
einen Knochen fortnehmen will, und selbst sonst fromme Pferde sind
nicht immer beim Fressen zuverlssig.


60. Kummet- und Sielengeschirr. Warum ist das Fahren lter als das
Reiten?

Die Rollwagenpferde haben, wie wir sahen, ein Kummetgeschirr, also ein
Geschirr, das um den Hals luft. Die Kutschpferde dagegen, auch die
Droschkenkutschpferde, haben gewhnlich ein solches Kummetgeschirr
nicht. Hier ziehen die Pferde nur mit der Brust, da sie ein
Sielengeschirr haben.

Es ist augenscheinlich, da ein Pferd im Kummetgeschirr viel besser
ziehen kann als im Sielengeschirr. Wenn man trotzdem Kummetgeschirre
nur bei schweren Lastwagen sieht, so liegt das daran, da ein
Kummetgeschirr nichts taugt, wenn es nicht gut pat. Gerade damit
hapert es aber gewhnlich.

Whrend wir uns die Rollwagenpferde ansehen, kommt ein Reiter vorbei,
und wir knnen uns so recht den Unterschied zwischen einem schweren
Pferde des abendlndischen Schlages und einem leichten Pferde des
morgenlndischen Schlages vergegenwrtigen. Die gewaltigen Formen der
Wagenpferde mit ihren plumpen dicken Beinen stehen im Gegensatz zu den
schlanken Beinen des geschmeidigen Reitpferdes.

Man sollte meinen, da der Mensch, der zuerst das Pferd gezhmt hat,
es zunchst als Reittier und erst spter als Zugtier verwendet hat.
So wird es auch vielfach geschildert, obwohl es mit den Tatsachen
nicht bereinstimmt. Wir haben eine genaue Kunde von den Wagenkmpfen
der alten Griechen, die vor etwa drei Jahrtausenden stattfanden. Aber
niemand reitet dort, obwohl die Kunst des Wettfahrens in hoher Blte
stand.

Der Grund liegt darin, da jeder Pflanzenfresser den Druck auf dem
Rcken sehr unangenehm empfindet. Denn er mu sofort an ein Raubtier
denken, das ihm auf den Rcken springt. Deshalb mu auch heute noch
ein Pferd erst zugeritten werden, obwohl es sich seit Jahrtausenden
als Haustier endlich daran gewhnt haben mte. Das Ziehen dagegen ist
dem Tiere viel weniger unangenehm, da es seit Urzeiten daran gewhnt
ist, die vor seiner Brust befindlichen Hemmnisse fortzuschieben, also
Gebsche u. dgl.

Alle Tiere lassen sich daher viel leichter zum Fahren abrichten als
zum Reiten, so Elche, Renntiere, Wildrinder usw. Deshalb ist auch das
Fahren viel lter als das Reiten.


61. Warum luft das Pferd gerade und der Hund schrg?

Whrend wir dem Reiter nachschauen, fllt uns auf, da sein Pferd ganz
anders die Beine setzt wie ein daneben laufender Hund. Wie alle Pferde,
die gesunde Beine haben, setzt es die Beine so, da eine unter dem
Bauche der Lnge nach befindliche gerade Linie von den Beinen nicht
berhrt werden wrde. Die rechts befindlichen Beine bleiben eben rechts
und die links befindlichen links. Bei dem Hunde aber knnten wir eine
solche gerade Linie nicht ziehen, ohne da sie von den Zehen berhrt
wrde. Woher kommt diese Verschiedenheit im Laufen?

Wie das Pferd die Beine setzt, erscheint uns naturgem. Dagegen ist
das Durcheinanderwirbeln der Beine beim Hunde nach unsern Begriffen
hchst merkwrdig.

Nebenbei sei folgendes bemerkt. Hat man ein Pferd knstlich dazu
abgerichtet, die Beine derselben Seite gleichzeitig vorzusetzen -- im
natrlichen Zustande geschieht es abwechselnd -- so spricht man von
einem Pagange. Diese Gangart ist manchen Tieren natrlich, z. B. der
Giraffe, was sich aus dem Bau ihres Krpers ergibt. Pferde mit Pagang
nennt man Zelter. Sie werden wegen ihres gleichmigen Ganges sehr von
den Damen bevorzugt.

Das schrge Laufen des Hundes ist, wie wir uns schon denken knnen, ein
Erbteil aus der Zeit seines frheren Ruberlebens. Noch heute setzt der
Fuchs seine Spur in *eine* Linie. Der Jger sagt recht treffend: der
Fuchs schnrt. Im Schnee sehen seine Fustapfen wie eine Schnur aus.

Das Schnren ist fr das Raubtier eine Lebensfrage. Es will sich
seinem Opfer nhern, ohne vorher gesehen oder gewittert zu werden.
Zu diesem Zwecke sucht beispielsweise der Fuchs stets die tiefsten
Stellen auf. Er geht ber einen Acker, indem er die Ackerfurchen
benutzt. Kommt er an einen Graben, so springt er hinein und luft auf
der Sohle des Grabens weiter. Ja, auf Fahrwegen luft er aus Vorsicht
regelmig die Wagenspuren entlang, weil diese die tiefsten Stellen der
Strae ausmachen. Der Hund ist frher ebenfalls in der gleichen Weise
gelaufen. Obwohl er jetzt nicht mehr auf Raub ausgeht, so luft er doch
noch auf dem Brgersteig schrg. Man ersieht daraus, wie unausrottbar
die dem Haustiere berkommenen Gewohnheiten haften.

Manche Hunde laufen noch heute mit Vorliebe in einer Wagenspur. Es
ist sogar anzunehmen, da das sogenannte Hinken der Hunde hiermit
im Zusammenhang steht. Frher haben die Menschen die Tiere weit
aufmerksamer beobachtet. Es gibt sogar einen Vers, in dem es heit,
da sich niemand an das Hinken der Hunde kehren soll. Unsere Vorfahren
hielten also das Hinken der Hunde fr eine Heuchelei. -- Heute kann
man zahlreiche Kulturmenschen fragen und wird hren mssen, da ihnen
niemals das Schrglaufen der Hunde, noch weniger aber das Hinken -- und
zwar das grundlose Hinken -- aufgefallen ist.

Obwohl das Bein ganz gesund ist, hebt es der Hund beim Laufen hoch und
luft auf drei Beinen weiter. Regelmig ist es ein Hinterbein.

Wir wissen, da der Hund seiner alten Raubtiernatur gem gern in einer
geraden Linie, womglich in einem Gleise, laufen mchte. Ist er nun
durch gute Pflege, wie es vor dem Weltkriege blich war, gut im Stande,
so ist das Laufen in der geraden Linie fr ihn nicht leicht. Um es
dennoch durchzufhren, hebt er einen Hinterfu hoch.

Das Pferd als friedlicher und harmloser Pflanzenfresser hat sich an
keine Opfer anzuschleichen. Es hat auch auf der Steppe stets gengenden
Platz und braucht nicht wie ein Gebirgstier hufig auf einem schmalen
Pfade zu wandeln. Das Pferd hat also im Gegensatz zum Hunde seinen
natrlichen Gang beibehalten.


62. Die naturgeme Ftterung der Pferde. Das Koppen.

Der Droschkenkutscher hatte sein Pferd mit Hafer und Hcksel gefttert.
Warum fttert man das Pferd ausgerechnet mit Hafer und nicht mit Weizen
oder Gerste?

Selbst die reichsten Leute werden ihre wertvollsten Pferde,
beispielsweise erfolgreiche Rennpferde, nicht mit Gerste, geschweige
denn mit Weizen fttern. Zwar lese ich bei einem sehr angesehenen
Naturforscher, da ein Bauer, dem der Hafer miraten war, seine Pferde
mit Gerste gefttert htte. Ich will nicht bezweifeln, da das fr ein
Jahr ohne Nachteil abgelaufen ist. Im allgemeinen wird man aber auf die
Dauer keine Freude an dieser Futterart haben.

Der Grund hierfr ist folgender: Tiere, die aus einer armen Gegend
stammen, sind fr die Gewchse dieser Gegend passend gebaut. Hierhin
gehren beispielsweise unser Pferd, das Schaf, das Kamel usw. Man
knnte sie als Magerfresser bezeichnen im Gegensatz zu dem in den
fruchtbaren Niederungen heimischen Schwein. Es ist bekannt, da Kamele,
die man in fruchtbare Lnder versetzt, dort nicht etwa Prachtkamele
werden, wie die Durchschnittsmenschen meinen, sondern sterben.

Das Pferd stammt aus der Steppe, also einer Hungerleidergegend.
An sich drfte es nur mit Grsern und nur im Herbste mit Krnern
gefttert werden. Das ist aber deshalb ganz unmglich, weil wir dem
Pferde knstlich eine Gre angezchtet haben, die das Wildpferd nicht
besitzt. Diese Gre mu erhalten werden, und das kann nur durch
reichliches Futter geschehen.

Sodann lassen wir das Pferd viel und schwer arbeiten, whrend das
Wildpferd nach unseren Begriffen den Tag ber bummelt. Auch dieses
schwere Arbeiten erfordert eine entsprechend bessere Ftterung.

Hafer ist das Gewchs eines krglichen Bodens, und deshalb ist Hafer
das bekmmlichste Futter fr Pferde.

Weil Pferde ursprnglich Grserfresser waren, deshalb fehlt ihnen bei
ausgesprochenem Krnerfutter die zur Fllung des Magens erforderliche
Menge. Um dieses Unbehagen zu beseitigen, sind die Pferde auf ein ganz
merkwrdiges Auskunftsmittel verfallen. Sie pumpen sich Luft in den
Magen ein, was wir als Koppen bezeichnen. Hiergegen sind unzhlige
Mittel angewendet worden, doch wird man nicht behaupten knnen, da sie
groen Erfolg gehabt haben. Das Koppen ist einfach eine Folge der nicht
naturgemen Ftterung. Den Russen war es schon lngst bekannt, da
ihre an Grser gewhnten Steppenpferde zu koppen begannen, sowie sie
Krnerfutter erhielten.

Sehr hufig hrt man Tierfreunde jammern, da ein Pferd nicht in Ruhe
fressen kann, wenn ein Fahrgast in eine Droschke einsteigt, whrend
das Pferd noch nicht mit Fressen fertig ist. Diese Klage ist grundlos.
Das Pferd als Pflanzenfresser mu fortwhrend auf der Hut sein, ob ein
Feind es nicht berfllt. Sein Leben zerfllt also in folgender Weise:
Etwas fressen, dann pltzlich laufen, wieder etwas fressen, dann wieder
laufen und so weiter.

Eine Strung beim Fressen schadet also einem Pflanzenfresser wenig,
ganz besonders wenig aber einem Pferde. Wir verstehen jetzt, da das
Pferd einen auffallend kleinen Magen hat. Es ist ganz verfehlt, wenn
der Landwirt klagt: Wie konnte der liebe Herrgott einem so groen
Tiere einen so kleinen Magen geben! Htte das Pferd ein schneller
Renner sein knnen, wenn es einen groen Magen bese, der bis oben
heran voll gefllt war? Gewi nicht. Wir wissen ja, da ein voller
Bauch nicht gern studiert. Wrde der Mensch sich nach der Lebensweise
der Wildpferde richten, so wrde er zwei Fliegen mit einer Klappe
schlagen, nmlich folgende zwei:

Erstens wrde er durch mglichst hufiges Fttern -- wie es bereits die
gewitzigten Pferdehndler tun -- weniger Futter brauchen. Wie Versuche
an Militrpferden ergeben haben, leistet ein Pferd dieselben Dienste
wie frher bei weniger Futter, wenn es nur hufiger gefttert wird.

Sodann wrde die Kolik, dieser ewige Alp der Pferdebesitzer, ebenso
andere Krankheiten, die auf Ueberftterung beruhen, ganz gewaltig
zurckgehen.

Im Gegensatz zu den Pflanzenfressern wollen alle Raubtiere ihre Beute
in Ruhe verzehren, da sie es so in der Natur gewhnt sind. Sie sind
deshalb sehr empfindlich gegen Strung. Auch Wiederkuer wollen beim
Wiederkuen nicht gestrt sein, da sie in diesem Zustande als wilde
Tiere irgendwo in einem Gebsch oder an einer verborgenen Stelle
liegen.


63. Geht es auch ohne Peitsche?

Die Rollwagenpferde mssen jetzt wieder anziehen und erhalten einige
krftige Hiebe mit der Peitsche. Wie wir schon aus der Ladung vermuten
konnten, geht die Fahrt nicht weit. Bereits nach einigen Husern wird
halt gemacht. Die Pferde mssen hier das Abladen gewhnt sein, denn sie
halten aus eigenem Antriebe an.

Da bei manchen tierfreundlichen Vlkern des Morgenlandes Peitsche und
Sporen nicht zur Anwendung gelangen, so ist die Frage naheliegend, ob
wir nicht auch ohne diese Werkzeuge auskommen knnten.

Es wre das in der Tat sehr schn, aber bei unseren deutschen Pferden
ist mit bloen Worten nichts zu erreichen. Ich habe verschiedene
tierfreundliche Landwirte kennengelernt, die ohne Peitsche das Pferd
ziehen lassen wollten. Aber auf die Dauer geht es nicht. Das Pferd
bleibt pltzlich stehen und scheint zu sagen: Ich habe heute genug!
Auch wenn man keine Sporen am Stiefel hat, ist man machtlos.

Also Peitsche und Sporen sind tatschlich bei unseren Pferden, soweit
man sich darber ein Urteil erlauben darf, erforderlich. Damit ist aber
das grundlose rohe Peitschen nicht entschuldigt, ebenso ist damit nicht
gesagt, da nicht allmhlich auf diesem Gebiete eine Besserung mglich
wre.

Das Anhalten der Pferde aus eigenem Antriebe an Stellen, wo ihr Herr
zu rasten pflegt, ist eine allbekannte Erscheinung. Merkwrdigerweise
legt man hierbei wiederum den Pferden Absichten unter, die ihnen
ganz fern liegen. So kann man mit ernster Miene erzhlen hren, da
ein Pferd seinen Reiter zur Wohlttigkeit zwang. Das kam nmlich
folgendermaen. Es lieh sich jemand ein Pferd von einem Manne, der
wegen seiner Wohlttigkeit bekannt war. Der Reiter, der es sehr eilig
hatte, war sehr bestrzt darber, da das Pferd vor jedem Bettler, der
den Hut zog, stehen blieb und nicht eher weiterging, bis er dem Bettler
eine Kleinigkeit gegeben hatte. Richtig ist folgender Tatbestand. Das
Pferd bleibt vor einem den Hut ziehenden Menschen stehen und geht nicht
eher weiter, als bis sein Herr eine Mnze gegeben oder wenigstens eine
Handbewegung gemacht hat, die hierauf schlieen lt. Mit Wohlttigkeit
hat das nicht das mindeste zu tun. Das Pferd will lediglich stehen
bleiben, und zwar mglichst lange stehen bleiben. Denn wenn es auch
seine Arbeit verrichtet, so ist ihm Ruhe noch lieber.

Das Pferd hlt also nicht an, damit der Mensch ein Vergngen hat, etwa
in das Wirtshaus geht oder seinen Freund besucht, sondern lediglich
seinetwegen, damit es eine Ruhepause hat. Das ist eigentlich auch ganz
selbstverstndlich.

Wiederum ziehen die Rollpferde an und entschwinden unsern Augen, als
sie um die Ecke wenden. Etwas haben wir doch von ihnen gelernt.


64. Die Feinde des Pferdes.

Schon frher haben wir erwhnt, da fr die Wildpferde auer dem
Menschen der schlimmste Feind der Tiger ist. Ebenso ist bereits der
Angriff der Wlfe auf eine Pferdeherde geschildert worden. Auch der Br
tritt in einzelnen Gegenden, z. B. am Ural als gefhrlicher Feind der
Pferde auf.

Den groen Katzen gegenber ist das Pferd regelmig verloren. Zebras
wagen gegen den Lwen, der sie berfallen hat, gar keinen Kampf. Nur
einmal habe ich davon gelesen, da ein Zebra durch einen glcklichen
Hufschlag den Knig der Tiere gettet hatte. Da der Lwenschdel mit
dem eingeschlagenen Stirnbein gefunden wurde, ist an der Wahrheit des
Vorganges nicht zu zweifeln. Man kann daraus die ungeheure Kraft der
Hinterfe der Einhufer erkennen. Denn der Lwenschdel ist besonders
hart.

Nach den Schilderungen mancher Reisenden sollen die Hengste gegen den
Bren aufgerichtet losgehen und ihn mit den Vorderhufen niedertrommeln.
Das werden jedenfalls nur Ausnahmeflle sein.

Der Durchschnittswolf wird ein Durchschnittspferd wohl berwltigen,
namentlich wenn es angespannt ist und sich nicht verteidigen kann.
Immerhin gibt es Pferde, die jeden Wolf in die Flucht schlagen. Ein
glaubwrdiger Bericht meldet sogar von einem Pferde, das gegen mehrere
Wlfe siegreich blieb. Er soll hier eine Stelle finden:

Wegen der Unsicherheit der Reisenden und der Fuhrleute whrend der
Zeit des ganz Deutschland verheerenden Dreiigjhrigen Krieges
pflegten die Frachtfahrenden sich zahlreich zu vereinigen, um durch
gemeinschaftliche Wehr sich besser verteidigen zu knnen. Einer von
diesen Fuhrleuten hatte ein Pferd, das in allen Stllen Hndel anfing,
um sich schlug und bi. Sein Herr selbst war nicht sicher dabei, und
hatte oft mit seinen Kameraden deshalb Ungelegenheit. Als einst dieser
vereinigt mit andern Fuhrleuten gegen Abend an einem Gebirge und hohlen
Wege von drei heihungrigen Wlfen angefallen wurde, mit denen sie
lange zu streiten hatten, und die sich nicht ohne Beute abweisen lassen
wollten, wurden die Fuhrleute einig, dem erwhnten Fuhrmanne sein Pferd
zu bezahlen, um es den Wlfen preiszugeben. Dieser spannte es auch nach
dem Vergleich sofort aus. Die hungrigen Wlfe machten sich sogleich an
diese Beute, das Pferd aber schlug um sich, ri aus und ging waldein.
Die Fuhrleute eilten indes in Sicherheit und freuten sich, bei dieser
Gelegenheit ein unbndiges Ro aus ihrer Mitte entfernt zu sehen.

Abends, da sie in dem Wirtshaus zu Tische sitzen, klopft etwas an, und
da die Magd die Obertr aufmacht, reckt das Pferd den Kopf hinein. Die
Magd erschrickt, schreit berlaut und ruft die Fuhrleute herbei; diese
freuten sich sehr, den heldenmtigen Ueberwinder dreier Wlfe, zwar
sehr verletzt, aber doch seinem Herrn getreu zu erblicken. Sie vergaben
ihm von dieser Zeit an gern seine brigen bisher verbten Unarten.

Die vorstehende Erzhlung scheint deshalb glaubhaft zu sein, weil
gerade ein bissiges, unbndiges Pferd sich am besten gegen Raubtiere
verteidigen wird.

Als Feind der Pferde ist noch die Panik zu erwhnen, die angeblich
grundlos manche Herden halbwilder Pferde in Sdamerika berfllt
und sie zu einer rasenden Flucht veranlat, wobei viele in Abgrnde
strzen. Wahrscheinlich ist diese Panik nur ein gemeinsames Durchgehen
der Herden und hat ihren Grund in Dingen, die unsern stumpfen Sinnen
entgehen.


65. Warum knnen Fohlen gleich auf den Beinen stehen?

Ein guter Bekannter hat uns die Erlaubnis erteilt, uns sein einige Tage
altes Fohlen anzusehen. Diese Gelegenheit wollen wir uns nicht entgehen
lassen.

Ein neugeborenes Fohlen ist, wie die meisten jungen Tiere, ein
allerliebstes Geschpf. Es schaut noch so vertrauensvoll in die Welt
und ahnt noch nicht, was ihm alles droht. Es fllt uns besonders auf,
da es schon laufen kann, sodann, da es so lange Beine besitzt, und
schlielich sein wolliges Haar.

Warum liegen junge Hunde und Katzen wochenlang, ehe sie ordentlich
laufen knnen, whrend junge Pflanzenfresser, also Fohlen, Klber,
Zicklein und Lmmer gleich auf den Beinen stehen knnen? Junge Hunde
und Katzen entwhnt man gewhnlich erst nach sechs Wochen.

Auch hier gibt uns wieder die Lebensweise der wilden Verwandten
Aufschlu.

Hunde und Katzen sind frher Raubtiere gewesen. Wer soll der
Wildhndin, die mit ihren Jungen in einer Hhle liegt, etwas Bses
antun? Aehnlich liegt die Sache bei der Wildkatze. Die Anzahl der
Feinde ist sehr klein, und die Gefahr, falls die Mutter anwesend ist,
sehr gering.

Ganz anders liegt die Sache bei den Pflanzenfressern. Zwar knnen
sich die meisten gegen schwache Feinde verteidigen, aber gegen groe
Feinde sind sie machtlos. Gegen einen Lwen kann beispielsweise eine
Zebraherde nichts ausrichten.

Wrden die Fohlen, Klber und andere junge Pflanzenfresser ebenso
unbeholfen sein wie junge Hunde und Katzen, dann wren sie lngst
ausgerottet.

Da die Pferde viel leichter flchten als die wehrhaften Rinder, so
mssen die Fohlen bald nach der Geburt mit der Herde bereits wandern
knnen.

Jetzt verstehen wir die unverhltnismig langen Beine des Fohlens und
seine Fhigkeit, schon so jung laufen zu knnen.

Unser Bekannter, Herr Glnisch, erzhlt uns noch allerlei von seinen
Pferden. So erfahren wir, da die Stute 7 Jahre alt ist, wer der Vater
des Fohlens ist u. dgl.

Die Frage liegt nahe, weshalb bei den meisten Haustieren der Vater sich
nicht um die Aufzucht der Jungen kmmert.

Wir sehen in der Tierwelt, da manche Vter sich aufopfern. So
schleppen manche Vogelmnnchen von frh bis spt Futter fr die
Jungen zu. Beispielsweise ist auch der Schwan ein guter Vater. Aber
Hahn, Erpel, Hund, Kater usw. denken wenig daran, sich um ihre
Nachkommenschaft zu kmmern.

Da bei den freilebenden Tieren, z. B. den so hlichen Affen, die
Mnnchen auerordentlich gute Vter sind, so knnen wir nur folgendes
sagen: Die Natur arbeitet berall mit den einfachsten Mitteln. Wenn der
Vater nicht ntig ist, um die Jungen gro zu ziehen, so kmmert er sich
nicht um sie.

Bei uns Menschen ist die Hilfe des Vaters unbedingt erforderlich, um
die Kinder gro zu ziehen. Aber was bei den Menschen der Fall ist,
braucht noch nicht bei den Tieren zuzutreffen.

Herr Glnisch erzhlt uns noch mancherlei von seinen Erlebnissen mit
Pferden. Er hlt sie nicht fr besonders klug. Beweisend ist fr ihn
folgendes. Er war bei dem Brande eines Stalles zugegen und half, die
Pferde retten. Da geschah nun das Unglaubliche, da die geretteten
Pferde in den Stall zurcklaufen wollten.

Wir wollen Herrn Glnisch nicht widersprechen, zumal wir uns
verabschieden mssen und keine Zeit zu einer Auseinandersetzung haben.
Aber die Sache liegt doch noch etwas anders. Wenn die klugen Menschen,
sobald ein Boot zu kippen beginnt, alle aufspringen und dadurch erst
das Boot zum Umschlagen bringen, dann fllt es niemand ein, den
Insassen wegen ihrer unbegreiflichen Dummheit Vorwrfe zu machen. Der
Mensch rettet sich bei Gefahr durch Aufspringen und Flchten. Das ist
auf dem Lande richtig, aber grundverkehrt im Boote.

So begeht auch das Pferd genau dasselbe wie der Mensch. Es will sich
in Gefahr nicht trennen von seinen Kameraden, wie es das seit Urzeiten
getan hat. Das ist fr uns sehr rgerlich, aber vom Standpunkte des
Pferdes aus begreiflich.


66. Geschichten von Pferden.

Die Araber, die als die besten Pferdekenner gelten, haben eigentlich
nur Lobsprche fr das Pferd. Die Unterhaltung der Mnner am
Lagerfeuer dreht sich fast ausschlielich um das Pferd, was nach
unsern Anschauungen etwas einseitig ist. Von den Lobeserhebungen der
Araber seien hier einige angefhrt: Sage mir nicht, da dieses Tier
mein Pferd ist, sage, da es mein Sohn ist. Es luft schneller als der
Sturmwind, schneller noch als der Blick ber die Ebene schweift. Es
versteht alles wie ein Sohn Adams, nur da ihm die Sprache fehlt.

Das sind natrlich unglaubliche Uebertreibungen, aber sie sind vom
Standpunkte eines Wstenvolkes aus verstndlich. Die arabische Wste
wre ohne das Pferd unbewohnbar. Ein arabisches Pferd kann ohne Wasser
zwei bis drei Tage laufen und begngt sich erforderlichen Falls mit
Wstengrsern.

Wie behandelt aber auch der Araber sein Pferd? Er schlgt es niemals
und bindet es niemals kurz an.

Alexander der Groe lie zu Ehren seines schon erwhnten Pferdes fr
die ihm geleisteten treuen Dienste eine Stadt grnden. Er mu also sehr
hoch vom Pferde gedacht haben.

Bei uns nennt man einen dummen Menschen ein Ro߫. Vielfach hrt man
die Ansicht: Das Pferd ist ein furchtbar dummes Geschpf, nur hat es
ein vortreffliches Gedchtnis.

Es ist merkwrdig, da ausgerechnet eine Dame, eine vortreffliche
Pferdekennerin, sehr vernnftige Ansichten ber das Pferd geuert
hat. Sie liebt die Pferde, aber sie beschnigt nicht, wie es andere
Pferdeliebhaber tun. Von ihren Schilderungen sei hier folgende
angefhrt:

Eines meiner ersten Pferde war ein russischer Doppelpony, namens
Sascha, das ungezogenste Geschpf, das man sich vorstellen kann. Da
er aber gleichzeitig bildschn und hervorragend klug war, konnte man
dem kleinen Kerl nicht bse sein. Im Stall hatte er so ziemlich alle
Untugenden, die bei Pferden vorkommen. Vorn bi er, hinten schlug
er aus; Anhngen war bei ihm ganz vergeblich, da er jedes Halfter
abstreifen konnte. Hatte man ihn in einem Laufstand untergebracht, so
war es fr ihn ein Kinderspiel, die Tre zu ffnen. Ich beobachtete
ihn einmal, wie er den Riegel seiner Boxtr mit dem Maul zurckschob.
Darauf ging er zur Haferkiste. Diese ffnete er, indem er den Deckel
mit der Stirn hob und zurckwarf. Den Hafer lie er sich dann recht gut
schmecken!

Beim Reiten versuchte Sascha so ziemlich alles, um seine eigenen Wege
gehen zu knnen. Sporenstiche wurden regelmig mit einem Bi in die
Fe beantwortet. Im Wagen war es seine Strke umzudrehen, sobald er
genug hatte, und das war leider recht oft der Fall. Da er natrlich
bei solchen Gelegenheiten ordentliche Prgel bekam, so machte er diese
Versuche in der Folge immer an solchen Pltzen, wo man sich in einen
Kampf mit ihm nicht einlassen konnte. Mit wirklich teuflischer Bosheit
blieb er z. B. mitten im Trabe am Rande eines steilen Abhangs stehen
und war nicht mehr zu bewegen, einen Schritt vorwrts zu gehen. Er
stieg kerzengerade in die Hhe, bewegte sich nur mehr rckwrts und
brachte den Lenker damit in Gefahr, mitsamt dem Wagen in den Graben
zu strzen. Einmal berschlug er sich nach rckwrts und fiel auf
mich in den Wagen. Sehr beliebt war auch das Stehenbleiben mitten am
Marktplatz oder sonst an einem belebten Ort, weil er wute, da man ihn
der Leute wegen nicht so streng bestrafen wrde und er mich dadurch
besonders rgern konnte. Es bedurfte eines Studiums, Sascha bei solchen
Gelegenheiten wieder in Bewegung zu setzen. Ich hatte mir mit der Zeit
seinen Tcken gegenber eine solche Festigkeit angeeignet, da Sascha
diese Witze nur mehr selten mit mir versuchte. Der Kutscher hingegen
brachte ihn oft nicht zwei Kilometer weit. Bei mir gengte es spter,
da ich ihm vor jeder Fahrt einen Stock zeigte, der mitgenommen wurde.
Dieser Stock mute aber wirklich mit sein, sonst wurde er wieder frech.

Sascha war bei weitem das gescheiteste Pferd, das ich je gekannt. Nicht
nur, da ich ihm Zirkuskunststcke, wie niederknieen, steigen, auf
den Hinterbeinen gehen im Handumdrehen beibringen konnte, er zeigte
auch seinen Verstand mehr als einmal in hinterlistigen, vollkommen
berlegten Handlungen. Zweimal versuchte Sascha sich durch Verstellung
vom Dienste zu befreien. Diese beiden Flle sind durchaus wahr und
mehreren Zeugen bekannt.

Er sollte eines Tages fr mich gesattelt werden; da kam der Reitknecht
und meldete, Sascha knne auf keinem Bein stehen, da er vollstndig
lahm sei. Wir strzten in den Stall und sahen den armen Sascha ganz
traurig und hilflos in seiner Box stehen, abwechselnd jedes Bein
schonend. Mit vieler Mhe zogen wir ihn heraus und brachten ihn in
die Reitbahn. Hier fiel er beinahe um. Wir schickten zum Tierarzt und
lieen den Pony, der sich anscheinend berhaupt nicht bewegen konnte,
allein in der Bahn zurck.

Nach einiger Zeit ging ich voll Sorge nach dem guten Sascha sehen.
Innerlich machte ich mir die bittersten Vorwrfe ber die strenge
Behandlung, die ich ihm manchmal zuteil hatte werden lassen, und bat
ihm im stillen alles ab. Wer beschreibt aber mein Erstaunen, als ich
mit wehmtigen Gefhlen die Bahntr ffnend, den todkranken Sascha ganz
fidel herumspringen sah! Nicht die leiseste Spur von einer Lahmheit
war mehr zu bemerken. Das Einfangen gestaltete sich zur wilden Jagd;
er schlug vorn und hinten aus und vier Personen arbeiteten im Schweie
ihres Angesichts, um seiner habhaft zu werden. Die Absicht, sich durch
Vorschtzen von Lahmheit dem Dienste zu entziehen, lag hier ganz klar
zutage. Ein spteres Vorkommnis bewies, da wir uns in dieser Annahme
nicht getuscht hatten.

Ich hatte mit meiner Gesellschafterin eine Schlittenfahrt unternommen.
Sascha schien bler Laune zu sein und nach etwa einer Stunde bentzte
er die Gelegenheit, uns beim Passieren einer hohen Schneewehe
umzuwerfen. Nachdem ich mich aus den verschiedenen Decken, Kissen und
Fuscken herausgearbeitet hatte, sah ich den lieben Sascha im vollen
Galopp um die nchste Straenecke verschwinden. Ich berlie die
wehklagende Gesellschafterin, der natrlich gerade so wenig zugestoen
war wie mir, ihrem Schicksal und machte mich an die Verfolgung Saschas.

Es dauerte gar nicht lange, bis ich den Ausreier wieder fand.
Bei einer scharfen Wegbiegung war Sascha offenbar gegen einen
Alleebaum angerannt und lag nun, alle Viere nach oben gestreckt, im
Straengraben. Er rhrte kein Glied, und ich befrchtete wirklich,
da er tot sei. Als ich noch berlegte, was zu tun sei, kam Hilfe in
Gestalt eines Gendarmen, der zwei Handwerksburschen transportierte.
Freundlicher Weise stellte er sich und seine Gefangenen gleich zu
meiner Verfgung. Bei nherer Betrachtung Saschas meinte aber auch der
Gendarm, da sei nichts zu machen, denn das Tier habe sich das Genick
gebrochen. So ohne weiteres wollte ich das nach den bereits mit Sascha
gemachten Erfahrungen nicht glauben, und wir gingen daran, den Pony von
Geschirr und Schlitten zu befreien. Er rhrte sich noch immer nicht,
hielt die Augen halb geschlossen; wenn man ihm ein Bein bewegte, fiel
es schlaff in die alte Lage zurck. Gendarm und Schwerverbrecher
ergingen sich in Mitleidsuerungen ber das schne tote Pferderl.
Als ich die Vermutung aussprach, da es sich um Verstellung handeln
knne, wurde das als gnzlich ausgeschlossen bezeichnet. Ich lie mich
aber nicht irremachen, nahm Sascha beim Zgel, die beiden Gefangenen
-- die sich edler Weise whrend der ganzen Zeit eifrig am Rettungswerk
beteiligt hatten, statt, wie ich es an ihrer Stelle getan htte, die
Gelegenheit zur Flucht zu bentzen --, wurden angewiesen, den Pony am
Schwanz zu fassen. Der Gendarm zog an der Mhne und so mit vereinten
Krften brachten wir den Toten wieder auf die Beine! Kaum zum Leben
erweckt, wollte Sascha sich schleunigst empfehlen. Dafr hatte ich
aber schon vorgesorgt und hielt den Zgel ordentlich fest. Es stellte
sich heraus, da der Pony nicht die geringste Verletzung erlitten und
sich offenbar verstellt hatte. Er wollte, da wir ihn von Geschirr und
Schlitten befreit liegen lassen sollten, worauf er dann den Heimweg,
auf eigene Faust angetreten htte. Wie wrde er sich ber uns belustigt
haben!

Wer zuletzt lacht, lacht am besten, und das war in diesem Falle nicht
der schlaue Sascha. So gut es mit den beschdigten Sachen ging, spannte
ich wieder ein.

Die Gesellschafterin war inzwischen keuchend und jammernd eingetroffen.
Sie erklrte, sich dieser lebensgefhrlichen Bestie nicht mehr
anvertrauen zu knnen, was mir weiter gar nicht viel Eindruck machte.
Ich stellte ihr anheim, entweder zwlf Kilometer im tiefen Schnee
zu Fu zu gehen oder es noch einmal mit mir zu wagen. Sie whlte
schlielich das Zweite, und so fuhren wir heimwrts.

Der kleine Sascha war trotz seiner zahlreichen Untugenden zehn Jahre
lang mein besonderer Liebling. Auch der Umstand, da er mich im Laufe
dieser Zeit elfmal bi, konnte ihm meine Zuneigung nicht rauben. Er
war ein so verstndiges und kluges Tier und dabei uerlich so hbsch,
da ich ihm alles verzieh. Wer Sascha in seiner Box besuchte, ohne
seine Eigenart zu kennen, wurde rettungslos von ihm apportiert. Er
lie solch einen ahnungslosen Besucher erst nahe kommen, dann stieg
er auf, schlug mit den Vorderhufen nach ihm und drngte ihn in eine
Ecke der Box. Hatte er ihn soweit, dann fate er ihn mit den Zhnen
und schleppte ihn herum. Auch in der Schmiede war der kleine Kerl
gefrchtet, seit er eines Tages den Schmied beim Beschlagen hoch hob.

Sascha, der im allgemeinen durchaus kein scheues Pferd war, hatte
merkwrdiger Weise eine unberwindliche Angst vor Schlittengelute.
Als ich ihm das erstemal Schellen anlegte, gebrdete er sich ganz
verrckt. Nach verschiedenen vergeblichen Versuchen, im Stall sowohl
wie im Freien, wendete ich keine weitere Gewalt an, weil ich das an und
fr sich schon sehr reizbare Tier nicht noch verrckter machen wollte.
Da kam mein Bruder zu Besuch und meinte als Reiteroffizier, es sei
lcherlich, mit so einem kleinen Kerl nicht fertig zu werden, er wrde
ihm die Schellen schon anziehen. Ich sagte ihm, er knne einen Versuch
machen, wenn er fr den dabei entstehenden Schaden aufkommen wolle.

Sascha wurde mit verbundenen Augen an die Leine genommen und das
Geschirr mit den Glocken, denen man zuerst die Schwengel festgebunden
hatte, damit sie nicht luten konnten, wurde ihm aufgelegt. Als das
getan war, befreite man Sascha von der Blende und lie die Glocken
klingen. Wie wahnsinnig lief der Pony nun an der Leine im Kreise
herum. Wohl eine Stunde jagte er vollkommen toll dahin, bis man ihn
schaumbedeckt und atemlos endlich zum Stehen brachte. Nun dachte man,
er sei gengend erschpft, um ihn an den Schlitten bringen zu knnen.
Sechs Mann spannten ihn ein, nachdem man vorsichtshalber das Gelute
abermals mit Tchern umwickelt hatte, um den Schall zu dmpfen. Auf
jeder Seite hielten ihn zwei Mann, weitere zwei Mann waren zur etwaigen
Hilfeleistung bereit. Kaum hatte man das Gelute erklingen lassen,
schob Sascha mit unverminderter Vehemenz ab; es gab kein Halten. Der
Schlitten wurde total zertrmmert, vier Mann lagen am Boden und wurden
geschleift, und schlielich war man froh, als man durch schleuniges
Abnehmen des Geschirres der gefhrlichen Geschichte ein Ende bereiten
konnte.

Sascha hat diese Scheu niemals berwunden, und dieses Ereignis blieb
unauslschlich seinem Gedchtnis eingeprgt. In der Folge hatte er
nicht nur Angst vor Glockengelute sondern auch jeder blaue Gegenstand
flte ihm eine unbeschreibliche Furcht ein. Das Schlittengelute war
nmlich mit zwei blauen Federbschen verziert gewesen, und in Saschas
Gehirn waren offenbar die Begriffe der Gefhrlichkeit von Glocken und
blauer Farbe jetzt vereinigt. Eine blaue Wagendecke durfte er nie zu
Gesicht bekommen, wollte man Unglcksflle vermeiden; mit einem blauen
Kleid lie er mich unter gar keinen Umstnden in seine Box; noch viel
weniger konnte ich ihn mit einem Reitkleid dieser Farbe besteigen. Da
Schellengelute im Winter polizeiliche Vorschrift ist, nahm ich stets
eine Glocke mit in den Schlitten und lie sie nur, wenn durchaus ntig,
z. B. wenn ein Schutzmann in Sicht war, ertnen. Dies trieb Sascha dann
zwar zu sehr beschleunigten Gangarten, Unflle konnten aber auf diese
Weise doch vermieden werden.

Ich glaube, da Sascha, der einerseits ein auergewhnlich gescheites
Tier war, doch in gewisser Hinsicht einen seelischen Mangel hatte. Es
war nicht alles Ungezogenheit bei ihm, manchmal schien er wirklich im
Gehirn nicht ganz in Ordnung zu sein. Besonders an sehr heien Tagen
blieb er z. B. beim Reiten oder Fahren pltzlich stehen, schttelte
mit dem Kopf und zeigte alle Zeichen von Dummkoller. Da er sich
gern verstellte, so war es schwer, eine etwaige Gehirnkrankheit von
einer Ungezogenheit zu unterscheiden. Mir war er gerade wegen dieser
Abweichung vom Standpunkte der Tierseelenkunde aus wertvoll. Ich
rechnete stets mit seiner Veranlagung und verzieh ihm aus diesem Grunde
viel.

Seine krankhafte Abneigung gegen blaue Farben und Glocken hat er in den
zehn Jahren seines Hierseins nie abgelegt, obwohl er sonst in seinen
alten Tagen braver und ruhiger geworden war. Auch meine Versuche,
ihn im Stall an diese Gegenstnde zu gewhnen, blieben erfolglos.
Er hungerte lieber drei Tage, als da er an die Krippe, vor welcher
ein Gelute oder ein blaues Tuch befestigt war, heranging. Bei einem
Pferd, das weder Eisenbahn noch Dampfstraenbahn, noch Militrmusik,
noch Schieen frchtete, kann eine derartig unberwindliche Angst
vor an sich harmlosen Scheugegenstnden wohl nur auf ungewhnlicher
Veranlagung beruhen.

Als Beispiel von Saschas Klugheit mchte ich noch erwhnen, da er
entgegenkommenden Fuhrwerken immer von selbst richtig auswich, und
dies ist hier an der sterreichischen Grenze keine Kleinigkeit. In
Oesterreich wird links, hier in Deutschland rechts ausgewichen; die
Salachbrcke bildet die Grenze. Sascha irrte sich nie und wechselte
regelmig in der Mitte der Brcke das Ausweichsystem. Ich konnte
ihm ganz ruhig die Zgel auf den Rcken legen, er hielt stets die
richtige Straenseite ein. Die Salzburger Droschkenkutscher, die mit
Vorliebe in Bayern falsch ausweichen, htten sich ein Beispiel an
Sascha nehmen knnen. Begegnete Sascha einem falsch ausweichenden
Wagen, so lie er sich durchaus nicht irremachen, und wartete auf
der richtigen Straenseite ruhig ab, bis ihm Platz gemacht war. Man
sollte glauben, da gerade hier, wo ein Pferd sehr viel in Bayern, dann
wieder hufig in Oesterreich gefahren wird, es durch die verschiedenen
Ausweichsysteme verwirrt gemacht werden mte. Bei Sascha war dies
nicht der Fall, und ich gewann von unglubigen Bekannten mehrere Wetten
in dieser Angelegenheit. --

Die vorstehende Schilderung der vortrefflichen Pferdekennerin besttigt
das frher Gesagte, da mnnliche Pferde mit dem Gebi und den
Vorderhufen kmpfen im Gegensatz zu den Stuten.

Hchst unwahrscheinlich klingt die Geschichte von dem richtigen
Ausweichen des Pferdes. In der Lebensgeschichte berhmter Gelehrter
lesen wir, da sie als Freiwillige niemals rechts- und linksum
unterscheiden lernten. Hier wird von einem Pferde berichtet, da es
in Deutschland und Oesterreich stets richtig auswich, obwohl das
Ausweichen in beiden Lndern verschieden ist. Ich kann mir kein Urteil
darber erlauben, ob das wahr ist. Es ist hierbei selbstverstndliche
Voraussetzung, da stets ber dieselbe Brcke gefahren wurde. Da die
Dame in ihrem Buche einen in jeder Hinsicht glaubwrdigen Eindruck
macht, so finde ich als einzigen Ausweg die Tatsache, da die Tiere zum
Raume in einem ganz anderen Verhltnis stehen als der Mensch. Tiere
finden sich im Raume leichter zurecht als wir, wie ihr Ortssinn beweist.

Selbst diese vortreffliche Tierkennerin hlt ein Pferd fr
geisteskrank, weil es nicht mit Schellengelut laufen will. Kann es
denn nicht begrndete Ursache zu seinem Verhalten haben? Man nehme
einmal an, da Sascha frher in Ruland bei einer Schlittenfahrt einen
Ueberfall durch eine Ruberbande oder durch Wlfe erlebte. Hierbei
wurde sein Herr oder der Kutscher oder ein Nebenpferd gettet, und er
selbst nur durch Zufall gerettet. Ist es nun nicht ganz natrlich, da
ein Pferd bei seinem guten Gedchtnis ein solches Erlebnis nicht wieder
vergit?

Schaffen wir Menschen nicht alle Gegenstnde fort, die uns an hchst
unangenehme Vorkommnisse erinnern? Die meisten Menschen werden
berhaupt sofort verstimmt, sobald das Gesprch auf Dinge stt, die
ihnen verdrieliche Sachen ins Gedchtnis zurckrufen.

Man hat dem Pferde mit Gewalt seine Abneigung gegen das Schellengelute
austreiben wollen. Hierbei hat es stundenlang in seinem verzweifelten
Widerstand die blaue Farbe vor Augen gehabt. In der Folgezeit erinnerte
es die blaue Farbe an das Schellengelute, und das Schellengelute
wiederum an das furchtbare Ereignis. Auch das kann man nicht
unbegreiflich finden.

Sascha hat sich durch Verstellung und Widerstand von der Arbeit
gedrckt, wenn sie ihm nicht mehr pate. Wir Menschen haben unsere
menschlichen Interessen wahrzunehmen gegenber den Haustieren, die wir
fttern. Deshalb halten wir uns fr berechtigt, ihren Widerstand zur
Arbeit durch uns zugngliche Mittel zu brechen, also durch Peitsche und
Sporen bei Pferden. Das ist alles ganz klar.

Eine ganz andere Frage ist es, ob ich ein Haustier, das sich der
Arbeit entziehen will, deshalb fr dumm halten mu. Da ich noch keinen
Menschen angetroffen habe, der das Sichdrcken von der Arbeit fr ein
Zeichen von Dummheit angesehen hat -- eher das Gegenteil --, so kann
ich also ein Tier nicht deshalb fr tricht halten, weil sein Verhalten
uns Unannehmlichkeiten bereitet.

Aus dem Vorstehenden ist ersichtlich, da gute Tierkenner sehr leicht
zu einem ganz verschiedenen Urteil gelangen. Die Dame, die sich ihr
Leben lang mit Pferden beschftigt hat, hlt ihren Liebling fr
teilweise geisteskrank und gibt die Grnde hierfr an. Ich glaube, da
meine Bcher gezeigt haben, da ich auch eine Kleinigkeit von Tieren
verstehe. Ich mu gestehen, da ich keine Spur von Geisteskrankheit
entdecken kann und Sascha fr ein ungewhnlich kluges Tier halte.


67. Ueber richtige Behandlung der Pferde.

Es ist betrbend, da erst eine Dame kommen und uns Mnnern so
verstndige Worte ber die richtige Behandlung der Pferde sagen mute.

Die im vorigen Kapitel erwhnte vortreffliche Pferdekennerin gehrt zu
den wenigen, die den uerst feinen Geruch der Pferde oft hervorheben.
Als groe Tierfreundin hielt sie sich allerlei Getier, darunter auch
eine zahme Lwin. Hierbei konnte sie tglich beobachten, da die Lwen
wie alle Katzen ausgezeichnet sehen, Pferde dagegen vortrefflich
riechen knnen.

Mit Vorliebe kaufte sie solche Pferde, die andere Menschen fr
vollkommen unbrauchbar erklrten und deshalb los sein wollten. Sie
sagte sich mit Recht, da die Pferde schon ihren Grund zu ihrem
Verhalten haben werden. Sobald sie diesen Grund herausgefunden hatte,
konnte sie das Tier wie jedes andere gebrauchen. Nur mute sie auf die
bestimmte Eigenart Rcksicht nehmen.

Ihre Erfahrungen auf diesem Gebiete sind sehr lehrreich und so sollen
einige hier ihre Stelle finden:

Als ich eine neugekaufte Stute das erstemal ritt, machte sie,
neben anderen Unarten, auch ganz pltzlich kehrt in der Nhe eines
Wirtshauses. Da dort ein Planwagen stand, so glaubte ich, dieser sei
die Ursache ihrer Furcht gewesen. In der Folge bemerkte ich aber,
da ihr derartige Wagen, die ihr auf der Strae begegneten, ganz
gleichgltig waren, whrend sie sich einzelnen Husern, besonders
Gasthusern, mit allen Anzeichen der Furcht nherte, auch wenn
keinerlei Gegenstnde, vor denen Pferde scheuen, dort zu sehen waren.
Sie machte pltzlich Kehrt und warf sich mit solcher Schnelligkeit auf
den Hinterfen herum, da ich mich sehr in acht nehmen mute nicht
herunterzufliegen. Nur nach langem Kampf konnte man sie an einzelnen
Stellen vorbeibringen.

Es bedurfte einer lngeren Untersuchung, um herauszufinden, was
die eigentliche Ursache ihrer Furcht und der damit verbundenen
Widersetzlichkeit war. Schlielich stellte ich fest, da die Stute
eine wahnsinnige Angst vor Blutgeruch hatte. Auf dem Land wird in
den meisten Gasthusern geschlachtet, und diesen nherte sich die
Stute stets mit allen Anzeichen der Furcht. Schon von weitem begann
sie zu schnauben und zu pusten und fing mit ihrer Widersetzlichkeit
an, um sich, wenn irgend mglich, das Vorbeigehen am Wirtshaus zu
ersparen. Als ich sie einmal in einem solchen einstellte, wollte mir
der Hausknecht beim Absatteln behilflich sein. Die Stute wurde ganz
toll vor Angst, als der Mann, der, wie er mir dann sagte, kurz vorher
beim Schlachten beschftigt gewesen war, sich ihr nherte. Sie wre mir
bei dieser Gelegenheit fast davongelaufen; ich hatte alle Mhe sie zu
halten.

Ich wollte nun feststellen, warum dieses Pferd eine derartig
auergewhnliche Angst vor Schlachthusern hatte, und schlielich
konnte ich den Grund herausfinden. Der Stute war seinerzeit bei
einem Metzger der Schwanz gekrzt worden, und die Erinnerung an die
Verstmmelung blieb fr sie unauslschlich mit Schlachthausgeruch
verbunden. Erinnerungsvermgen und Geruchssinn sind beim Pferde
hochentwickelt.

Der Widerstand dieser Stute beruhte also keineswegs auf Bosheit,
sondern lediglich auf Furcht. Menschen, die der Sache nicht auf den
Grund gegangen wren, htten das arme Tier natrlich als vollkommen
strrisch betrachtet, wenn es ohne anscheinende Ursache sich weigerte,
an gewissen Stellen vorbeizugehen. Tiere tun selten etwas ohne Grund;
bemht man sich ein wenig sie zu verstehen, ihnen zu folgen, so wird
man meist einen, von ihrem Standpunkte aus gesehen, triftigen Grund fr
ihre Handlungsweise feststellen. Viele Menschen finden dies aber nicht
der Mhe wert, sie fertigen derartige Tiere nur mit den Worten ab: Der
dumme Bock scheut vor allem. Dumm braucht das Tier deshalb noch nicht
zu sein. Wenn es mit einem Gegenstand einmal schlechte Erfahrungen
gemacht hat, so ist es ganz natrlich, da es sich auch in Zukunft
vor demselben frchtet, denn die Fhigkeit, logisch zu denken, geht
ihnen ab. Sache des Menschen ist es, das Tier in solchen Fllen durch
geeignete Mittel von der Grundlosigkeit seiner Furcht zu berzeugen,
ihm Vertrauen und Mut einzuflen.

Bei dieser Stute schien die Nase ganz besonders entwickelt gewesen zu
sein. Alle Ursache ihres Scheuens konnte man auf irgendwelche Witterung
zurckfhren.

Einmal machte sie mir mitten auf der Landstrae ohne jeden Anla
kurz kehrt, und da ich genau wute, da in der ganzen Gegend kein
Gasthaus und keine Metzgerei vorhanden waren, mute diese scheinbare
Ungezogenheit auf anderen Grnden beruhen. Weit und breit war nichts zu
sehen; ich zweifelte aber trotzdem nicht, da meine Stute irgend etwas
bemerkt hatte, was menschlichen Sinnen eben nicht wahrnehmbar ist.
Ich zwang sie weiter zu gehen. Durch ein Nachgeben in solchen Fllen
wrde das Pferd selbstverstndlich verdorben werden. Es wrde spter
im Gefhle seiner Macht auch aus anderen Grnden als dem der Furcht
kehrtmachen. Das Tier mu sich also stets bewut sein, da es eine
Auflehnung gegen den Willen seines Herrn nicht gibt. Hat man in einem
solchen Kampf einmal den Krzeren gezogen, so kann die Mhe von Wochen
umsonst sein, und die Dressur mu von neuem beginnen. Es gilt dies
nicht blo vom Umgang mit Pferden, sondern von allen Tieren.

Ich war also etwa 300 Meter weiter geritten, als ich bei einer
Wegbiegung am Rande eines Waldes eine Zigeunergesellschaft mit Bren
und Kamelen lagern sah. Nun war das Benehmen meiner Stute schon erklrt.

Die Furcht vor Raubtieren ist dem Pferde gleich allen anderen
Geschpfen eigen, und die Natur hat ihm die feine Nase und die
Schnelligkeit verliehen, um diese Gefahren zu wittern und ihnen zu
entfliehen. Es lag also auch in diesem Fall eine von seinem Standpunkt
aus ganz verstndliche Handlungsweise vor.

Die Scheu vor Raubtieren konnte ich ja bei meinen Pferden am besten
beobachten. Ging ich in den Stall, nachdem ich kurz vorher meine
zahme Lwin gestreichelt hatte, so nahmen meine Pferde keinen Zucker
aus meiner Hand. Unter Schnauben und Pusten zogen sie sich in die
entfernteste Ecke ihrer Box zurck.

       *       *       *       *       *

Alles, was die Dame hier von der Behandlung der Pferde gesagt hat,
kann man nur unterschreiben. Zur Besttigung ihrer Angaben von dem
feinen Geruch der Pferde und ihrer Furcht vor Blut und Raubtieren sei
folgendes angefhrt.

In heien Lndern sind Reiter oft durch ihr Pferd vor dem Tode des
Verdurstens gerettet worden. Es fand nmlich durch seinen feinen Geruch
verborgenes Wasser, das der stumpfen menschlichen Nase vollkommen
entgangen war.

Ein Bekannter von mir, ein vorzglicher Reiter, kommt nach Hause
geritten und wird von dem sonst ruhigen Pferde um ein Haar aus dem
Sattel geschleudert, da es urpltzlich davonstrmt. Er geht der
Sache auf den Grund und stellt fest, da in seiner Abwesenheit eine
Zigeunerbande mit einem Bren auf dem Gehft geweilt hatte.

Etwas Aehnliches ereignete sich vor vielen Jahren auf einer Fhre. Ein
sonst frommes Pferd will pltzlich auf der Fhre mit dem Wagen und
seinen Insassen in den breiten Strom springen. Nur mit Mhe kann ein
grliches Unglck vermieden werden. Auch hier wird festgestellt, da
eine Zigeunerbande mit Bren und Kamel vorher die Fhre benutzt hatte.

Man ersieht hieraus, wie notwendig es ist, da die Fhre, wenn sie
Raubtiere bergesetzt hat, gereinigt oder doch mit Wasser bergossen
wird. Wenigstens mu es an den Stellen geschehen, wo die Tiere gelegen
haben.


68. Die geistigen Fhigkeiten der Tiere.

Wir haben jetzt eingesehen, wie auerordentlich schwierig es ist,
die geistigen Fhigkeiten der Tiere zu beurteilen. Die Tierliebhaber
erheben sie in den Himmel, whrend die Gegner die Tiere nur als
Maschinen betrachten. Als im Jahre 1904 der sogenannte kluge Hans
vorgefhrt wurde, glaubten viele Berliner, die sich das Pferd des
Herrn von Osten angesehen hatten, da ein Pferd sich durch geeigneten
Unterricht, wie ihn Herr von Osten erteilt hatte, die Kenntnisse eines
zwlfjhrigen Knaben, namentlich aber Lesen und Rechnen, aneignen kann.

Nehmen wir einen Fall, wie er sich in Wirklichkeit unzhlige Male
ereignet hat. Wir haben uns vollstndig verirrt. Der Kutscher wei
nicht mehr, wo der richtige Weg ist. Es wird dunkel, und wir fangen an
zu frieren. Niemand ist weit und breit, den wir nach dem Wege fragen
knnten. Da macht der Kutscher es, wie es so oft schon geschehen ist,
-- er berlt dem Pferde die Fhrung. Und das Pferd schlgt ohne
Besinnen einen Weg ein, der uns in stockdunkler Nacht nach unserm Ziele
bringt.

Oder wir wollen an den vorher erwhnten Reiter denken, der, von Durst
gemartert, schon zu phantasieren beginnt und die Zgel nicht mehr
halten kann. Da fngt sein Pferd pltzlich an, im Sande zu scharren,
und nach kurzer Zeit ist eine unterirdische Quelle freigelegt.

Oder ein Jger hat bei Eintritt der Dmmerung einen Rehbock geschossen.
Er hat keine Zeit, den nchsten Morgen abzuwarten. Deshalb holt er
seinen Hund und wartet zunchst die Zeit ab, die nach solchen Schssen
blich ist. Inzwischen ist es so dunkel geworden, da man nicht mehr
die Hand vor Augen sehen kann. Der Jger braucht also eine Laterne, um
berhaupt die Stelle wiederzufinden, wo der Rehbock gestanden hat. Auf
diese Anschustelle fhrt er den Hund. Dieser luft mit gesenkter Nase
der Fhrte nach. Es dauert nicht lange, so hrt der Jger das Gebell
seines Hundes, das ihm anzeigt, da er den Bock gefunden hat. Wo der
Mensch nichts sah, findet der Hund einen geschossenen Rehbock.

Kann man es im Ernste einfachen Leuten verdenken, da sie, wenn sie
solche Sachen erlebt haben oder tglich erleben, von der Klugheit
der Tiere schwrmen? Die Gegner haben ja natrlich darin durchaus
recht, da die Tiere diese Leistungen nicht auf Grund geistiger Gaben
verrichten. Der Hund findet den Rehbock in der dunklen Nacht, weil
seine Augen in der Dunkelheit viel besser sehen knnen als die des
Menschen, und weil sein Geruchssinn ganz unabhngig davon ist, ob
es hell oder dunkel ist. Das Pferd findet das unterirdische Wasser
ebenfalls durch die feine Nase und den Weg nach dem Ziele durch seinen
Ortssinn. Ebenso ist das Pferd nicht deshalb sehr klug, weil es sich
von einer Fata morgana, dem Spiegelbilde einer Oase, in der Wste
nicht tuschen lt, wie es den Menschen passiert. Das Pferd als
Nasentier traut seinen Augen berhaupt nicht, und fr die Nase ist das
Spiegelbild gleichgltig.

Fhren wir noch weitere Flle an, die hierhin gehren:

Ich nehme ein junges Ktzchen und setze es auf eine Tischplatte. Ich
kann ganz unbesorgt sein -- das erst einige Wochen alte Tier fllt
nicht hinunter.

Oder ich nehme es an das offene Fenster. Es wird ebenfalls nicht
hinunterfallen, whrend man Kindern fortwhrend zurufen mu: Nehmt euch
in acht, damit ihr nicht hinunterfallt!

Jetzt setze ich das Ktzchen auf eine Holzplatte und stelle die Platte
schrg. Sofort bringt es seine Krallen zum Vorschein und hlt sich fest.

Wie oft fliegen Vgel, wenn sie ein bser Bube ausnehmen will,
sofort ohne jeden Unterricht aus dem Neste! Ich zog einmal einen
jungen Kuckuck gro, der in einem Bauer stak. Er hatte noch niemals
Flugversuche gemacht. Eines Tages flog er vom Tische in dem Garten, wo
ich ihn ftterte, tadellos nach dem nchsten Baum und setzte sich auf
einen Ast.

Wenn man sich die Schwierigkeit des Fliegens vorstellt, dann mu man
staunen, da ein Tier ohne jede Anleitung sofort alles richtig macht.
Abfliegen, Fliegen, Anhalten, Sichsetzen auf den Ast. Niemand konnte
dem Kuckuck ansehen, da er das alles zum ersten Male macht.

Solche uerst zweckmigen Handlungen sehen wir bei den Tieren in
zahlloser Menge. Sie erkennen ihre Feinde, wissen die passende Nahrung,
vermeiden giftige Stoffe, suchen Heilpflanzen auf, wandern zur rechten
Zeit, wissen den Gefahren der Witterung zu entgehen usw. So nahmen
Krhen, die der Jger durch Phosphorpillen vernichten wollte, als
Gegenmittel Ebereschenbeeren und wurden dadurch wieder gesund. Wo
der Mensch Unterricht und Belehrung braucht, Aerzte aufsuchen mu
und tausend andere Schwierigkeiten berwinden mu, um sein Leben
durchzufhren, knnen wir bei den Tieren nichts Derartiges beobachten.
Und trotzdem leben sie doch. Ja, die Tiere in der Freiheit leben sogar
viel gesnder als unsere Haustiere.

Wie sollen wir uns das, was sich alltglich vor unseren Augen abspielt,
erklren?


69. Was verstehen wir unter Instinkt bei den Tieren?

Weil wir fr die zuletzt genannten Handlungen keine Erklrung finden
knnen, so haben wir uns darber geeinigt, da wir als Grund fr diese
unbewut zweckmige Handlungsweise den Instinkt angeben.

Der groe Naturforscher Darwin hat den Instinkt in folgender Weise zu
erklren versucht. Er behauptet, da die zweckmige Handlungsweise
vor Urzeiten von einem Vorfahren zuflligerweise angewendet wurde. Da
sich die Handlungsweise als zweckmig erwies, so kam das Tier dadurch
in einen Vorteil vor seinen Artgenossen. Es vererbte seine zweckmige
Handlungsweise auf seine Nachkommen.

Diese Erklrung ist sehr gelehrt, ist aber mit den Tatsachen durchaus
unvereinbar. Elefantenherden berschreiten die Gebirge an den
gnstigsten Stellen, so da sie seit Urzeiten fr die Menschen als
Lehrmeister im Wegebau dienen. Genau so ist der Eisbr in unwegsamen
Polarlndern der Wegweiser fr Polarreisende. Wir knnen uns keine
Vorstellung davon machen, woran ein Elefant bei einem riesigen Gebirge
den zum Ueberschreiten gnstigsten Pa erkennt. Sein Auge ist obendrein
auffallend schwach, und sein feiner Geruch kann ihm am Fue eines
Gebirgsstocks ebenfalls nichts ntzen.

Elefanten bleiben stets in Herden. Es ist also ausgeschlossen, da ein
einzelner Elefant durch Zufall die Uebergangsstelle gefunden hat.

Wre der Instinkt eine vererbte Fhigkeit, so mte sie versagen,
sobald neue, ungewohnte Verhltnisse vorliegen. Ist das der Fall?

In der Wirklichkeit ist davon nichts zu merken. Im achtzehnten
Jahrhundert hat ein Sonderling in der Nhe von Kassel eine Affenkolonie
gegrndet. Diese Tiere bewegten sich vollkommen frei und gediehen trotz
unserer kalten Winter prchtig.

Wir mssen unsere Kinder immer wieder warnen, da sie keine unbekannten
Frchte oder Beeren essen. Trotzdem kommen alljhrlich Vergiftungsflle
vor. Woher wuten nun die Affen, welche Beeren und Frchte fr sie
bekmmlich waren oder nicht? Sie stammten aus Afrika, und ihr vererbtes
Wissen konnte ihnen in Deutschland doch nichts ntzen.

Frher gab es kein Saccharin und keine Kunstwaben. Wenn der Instinkt
auf Vererbung beruht, so mten die Bienen dem Saccharin und den
Kunstwaben ratlos gegenberstehen. Das Gegenteil ist eingetreten, wie
die Bienenzchter bereinstimmend bekunden. Alle Bienen haben das
Saccharin abgelehnt, und alle haben die Kunstwaben bentzt. Die Sache
mit dem Saccharin knnen wir uns zur Not erklren. Der Sstoff hat
den feinriechenden Bienen bel gerochen. Aber weshalb alle Bienen die
Kunstwaben angenommen haben, bleibt ein vollkommenes Rtsel.

Wir mssen uns also bescheiden und offen zugeben, da wir vorlufig fr
den Instinkt keine zufriedenstellende Erklrung geben knnen.

Auch bei uns Menschen spielt der Instinkt eine weit grere Rolle,
als man gewhnlich annimmt. Insbesondere lassen sich Frauen von ihren
Instinkten in vielen Fllen leiten. Es kommt oft vor, da eine Frau
erklrt, wenn ihr Mann einen Bekannten einfhrt: Schaffe mir diesen
Menschen aus den Augen -- ich kann ihn nicht leiden! Einen Grund fr
diese Abneigung kann sie nicht angeben, aber sie verlt sich auf ihren
Instinkt.

Vielleicht ist unser Erstaunen ber die durch den Instinkt veranlaten
zweckmigen Handlungen ganz unbegrndet. Denn das Leben wre kein
Leben, wenn ein freilebendes Tier nicht seine Feinde und seine Nahrung
kennen wrde, schwimmen knnte usw. Diese Fhigkeiten gehren also zum
Begriffe des Lebens. Sie verschwinden da, wo sie zum Leben nicht mehr
erforderlich sind, beispielsweise bei den Haustieren und Menschen. Der
Mensch kann durch sein Gehirn die meisten Instinkte ersetzen.

Hiernach mten wir uns nicht ber die Instinkte der Tiere wundern,
sondern darber, da wir als Menschen so wenige haben.


70. Das Gedchtnis des Pferdes.

Jeder Kutscher wird uns besttigen, da Pferde ein ausgezeichnetes
Gedchtnis besitzen. Selbst in der Grostadt kann man solche Leistungen
bewundern. So war vor dem Weltkriege unser Brotkutscher einmal erkrankt
und hatte nach Art dieser Leute kein Verzeichnis seiner Kunden. Da riet
er, einen Mann auf den Bock zu setzen und in jedem Hause, wo das Pferd
anhielt, nach dem Kunden zu fragen. So erhielten smtliche Kunden ihr
Brot.

Das Gedchtnis der Tiere ist vielfach besser als das des Menschen.
Schon im Altertum hat man das gewut. Denn der Held Odysseus,
der nach 20 Jahren in seine Heimat zurckkehrt, wird von keinem
Menschen wiedererkannt, nur von seinem treuen Hunde. Wenn man auf
einem langgestreckten Jagdrevier die geschossenen Hasen nicht alle
mitschleppen will, sondern in ein Gebsch steckt, um sie bei der
Rckkehr mitzunehmen, so ist der Jger abends oft im Zweifel, ob und
wo er morgens einen Hasen versteckt hat. Der Hund dagegen wei immer
Bescheid. Das Gedchtnis kann also keine geistige Gabe sein, sonst
knnte sie beim Tiere nicht strker entwickelt sein als beim Menschen.
Da auch Kinder ein besseres Gedchtnis haben als der Erwachsene, so
geht auch hieraus hervor, da es sich um keine geistige Fhigkeit
handelt.

Das Tier hat aber ein hervorragendes Gedchtnis nur fr Dinge, die es
interessieren. Die rechnenden Pferde in Berlin und Elberfeld waren
insofern Ausnahmeerscheinungen, als sie sich fr Sachen interessierten,
die einem Pferde sonst ganz fernliegen, nmlich Lesen, Schreiben und
Rechnen. Von einem wirklichen Verstehen unserer Sprache, sowie von
einem wirklichen Rechnen kann natrlich keine Rede sein. Vielmehr
hatten sich die Pferde vermittels ihres vortrefflichen Gedchtnisses
gemerkt, was sie auf gewisse Laute fr Hufbewegungen zu machen hatten.
Der sogenannte kluge Hans in Berlin klopfte also neunmal mit dem Hufe
auf, wenn sein Lehrmeister, Herr von Osten, ihn fragte: Wieviel ist 7
und 2? Er hatte die richtige Antwort in mehrjhrigem Unterricht so oft
gehrt, da er die Frage spielend leicht beantworten konnte.

Neuerdings sind in Stuttgart Versuche ber die geistigen Fhigkeiten
der Hunde angestellt worden, woraus sich ergibt, da Hunde trotz ihres
schwachen Gesichts die Anzahl von Gegenstnden schneller erfassen als
der Mensch. Das halte ich fr durchaus mglich. Es ist fr den Wolf,
den Fuchs und andere hundeartige Tiere von groer Bedeutung, die
Anzahl der Pflanzenfresser, also die Zahl der zu einem Rudel gehrigen
Hirsche, die Zahl der Kchlein bei einer Wildente und in hnlichen
Fllen genau zu wissen. Was dagegen sonst von den Aussprchen der
ihre Ansicht klopfenden Hunde mitgeteilt wird, steht in vlligstem
Widerspruch mit unseren bisherigen Anschauungen ber die geistigen
Fhigkeiten der Tiere. Man wird daher erst abwarten mssen, um die
Ergebnisse nachzuprfen. Vorher kann man zu ihnen keine Stellung nehmen.

Es ist klar, da ein Pferd, das neunmal klopft, auf die Frage 7 und
2, deshalb noch nicht rechnen kann. Denn die Zahlen 7 und 2 sind
abstrakte, d. h. gedachte Begriffe. Es ist schon zweifelhaft, ob ein
Tier anschauliche Begriffe versteht, z. B. den Begriff Hund, Pferd
usw. Diese Frage wird man wohl bejahen knnen. Dagegen haben wir
nirgends den geringsten Anla, um anzunehmen, da ein Tier fr gedachte
Begriffe Verstndnis besitzt.

Das Tier kann also die Zahlen klopfen, wie ein Kind ein Wort
nachplappert. Aber von einem Verstndnis hierfr sind beide weit
entfernt.

Menschen, die ber solche Sachen nicht nachgedacht haben, verfallen
leicht in die merkwrdigsten Irrtmer.


71. Das Verstndnis des Pferdes fr Kommandoworte.

Ein lehrreicher Versuch wurde vor dem Kriege mit Militrpferden
angestellt. Jeder Kavallerist schwrt darauf, da die Pferde die
Signale verstehen. Wei er doch, da sie die ntigen Bewegungen viel
richtiger ausfhren, wenn er das Tier sich allein berlt, als wenn er
es lenkt.

Da von Gelehrten diese Angaben bezweifelt wurden, so sollte durch eine
Prfung Klarheit in die Angelegenheit gebracht werden. Den Reitern
wurde aufs strengste befohlen, sich jeder Einwirkung auf das Pferd zu
enthalten. -- Die Signale erklangen, und die Pferde rhrten sich nicht
von der Stelle. Folglich, so schlossen die Gelehrten, verstehen die
Pferde nichts von den Signalen.

Die Sache liegt in Wirklichkeit etwas anders. Sowohl der Kavallerist
irrt, als auch der Gelehrte irrt.

Das Pferd wei, da, wenn ein bestimmtes Signal ertnt *und sein Reiter
gewisse Einwirkungen ausbt*, es bestimmte Bewegungen machen soll.
Bleibt jedoch bei dem ihm bekannten Signal der Reiter wie ein Mehlsack
sitzen, so wird das Pferd irre und wei nicht, was es tun soll.

Der Kavallerist irrt also insofern, als er glaubt, das Pferd verstnde
das Signal als solches oder berhaupt einen Zuruf als solchen. Der Hund
versteht doch auch die Worte nicht als solche. Wenn ich ihm zurufe
Komm!, so kommt er nicht, weil er das Wort Kommen versteht. Er wei
nur, da, wenn er einen ganz bestimmten Laut hrt, so soll er kommen.
Was das Wort bedeutet, wei er nicht. Man kann deshalb einen deutschen
Hund mit franzsischen und englischen Wrtern dressieren und tut es
auch. Man denke an Apport, down (daun) usw. Ein Irrtum aber ist es zu
sagen, es gengen die Vokale des Befehls fr den Hund. Die Sachlage ist
folgende. Der Hund in einer Familie hrt einen Befehl, beispielsweise
Peter, mach' schn! von den einzelnen Familienmitgliedern ganz
verschieden ausgesprochen. Deshalb gengen die Vokale, um ihn zur
Ausfhrung des Befehls zu veranlassen. Hat der Hund jedoch nur einen
einzigen Herrn, so sind die Vokale gewhnlich nicht ausreichend.

Weil das Pferd von der Bedeutung des Signals ebenfalls keine Ahnung
hat, so glaubt es, da es auf Signal *und* Einwirkung des Reiters sich
bewegen mte.

Die Gelehrten irren, wenn sie glauben, da das Pferd gar kein
Verstndnis fr das Signal bese. Wo kein Reiter oder Kutscher ist,
versteht das Pferd die Signale ausgezeichnet. Dafr kann man unzhlige
Beweise anfhren. Hierfr drfte nachstehender gengen. Alltglich
kann man auf dem Lande sehen, da ein Landmann Dung ausbreitet. Hat er
die gengende Menge auf eine bestimmte Stelle gebracht, so ruft er dem
Pferde zu, da es vorwrts gehen solle. Noch niemals habe ich erlebt,
das ein Pferd das nicht verstanden htte. Hier wei das Pferd, da es
allein auf den Zuruf ziehen soll, denn der Lenker steht ja fern vom
Wagen. Den Inhalt des Zurufes versteht es natrlich nicht.

Wir sehen also, da es ungeheuer schwierig ist, ber die geistigen
Gaben der Tiere ein Urteil abzugeben. Die Tiere sind uns durch manche
Sinne und ihre Instinkte berlegen. Hieraus erklrt es sich, da die
einfachen Leute zu den Tieren, als zu ihren Lehrmeistern, emporsehen.
Dagegen sind solche zweckmige Handlungen, die auf Grund einer
wirklichen Ueberlegung erfolgen, bei Tieren sehr selten anzutreffen.
Ja, man mchte bezweifeln, ob sie berhaupt vorkommen.

Das im Kampf ums Dasein stehende Tier hat ja auch keine Zeit zur
Ueberlegung, wie schon beim Scheuen erwhnt wurde. Bei Gefahren
berlegt der Mensch auch nicht erst lange. Sieht er in der Nhe einen
Lwen oder Tiger auftauchen, so verfllt der Mensch nicht erst in ein
lngeres Grbeln und berlegt sich die Sache nach allen Seiten. Er
richtet sich vielmehr nach seinen Instinkten. Genau so ist es, wenn er
durch einen Brand geweckt wird. Angesichts der eindringenden Flammen
denkt er auch nicht daran, erst lange zu berlegen.

Die Tiere haben also weniger Gehirn oder weniger Furchen im Gehirn und
mehr Instinkte, weil sie, die mitten unter Gefahren stehen, mit einem
Menschengehirn nichts anfangen knnten. Sie erreichen aber mit ihren
Instinkten mehr, als man denken sollte. Die menschenhnlichen Affen
werden in heien Gegenden, wo die schrecklichsten Ungeheuer hausen, alt
und grau ohne Waffen, ohne Arzt und ohne alle anderen Hilfsmittel des
Europers.

Es ist also richtig, da das Tier nicht die geistigen Gaben besitzt
wie der Mensch. Es ist aber der Schlu falsch, da es deshalb weniger
als der Mensch leisten knne. Mit seinen schrferen Sinnen und seinen
Instinkten ist es vielmehr dem Menschen in vielen Sachen berlegen.


72. Warum mssen wir das Pferd putzen?

Die Wildpferde werden nicht geputzt -- warum mssen wir Menschen es bei
unseren Hauspferden tun? Hierauf wre folgendes zu antworten:

Alle Einhufer haben die Gewohnheit, sich zu wlzen, was jedenfalls zur
Anregung ihrer Hautttigkeit geeignet ist. Demselben Zwecke dient wohl
auch das gegenseitige Schaben der Pferde, das man bei Zweispnnern oft
beobachten kann.

Dadurch, da wir das Pferd grer gezchtet haben, ist seine
Gelenkigkeit beeintrchtigt worden, und ein Sichwlzen findet nicht
mehr so hufig statt wie frher.

Beim Esel dagegen ist das Sichwlzen sehr beliebt. Hiermit hngt die
Redensart zusammen: Wo der Esel sich wlzt, da mu er Haare lassen.
Das heit: Der Verbrecher soll von dem Gerichte abgeurteilt werden, in
dessen Bezirk seine Tat begangen worden ist.

Das Putzen dient gewissermaen als Ersatz des Sichwlzens. Wie wichtig
es fr das Pferd ist, geht aus der Redensart hervor: Gut geputzt ist
halb gefttert. Denn das Hauspferd hat im Gegensatz zum Wildpferd
schwer zu arbeiten und gert deshalb hufig in Schwei, was bei wilden
Einhufern selten vorkommt.


73. Redensarten und Sprichwrter vom Pferde.

Besprochen sind bereits oder selbstverstndlich sind folgende:

    Einem geschenkten Gaul sieht man nicht ins Maul.

    Ein gut Pferd ist seines Futters wert.

    Ein Pferd schabt das andere.

    Gut geputzt ist halb gefttert.

    Es stolpert oft ein Pferd, das vier Fe hat.

Von jemandem, der eine Sache verkehrt macht, sagt man:

    Er zumt das Pferd von hinten auf.

Dagegen heit es von denen, die ihre Umgebung von oben herab behandeln,
da sie

    auf hohem Pferde (Rosse) sitzen.

Da nach allgemeiner Anschauung der Esel unendlich weniger wertvoll ist
als ein Pferd, so sagt man von dem, der aus einem hochstehenden Beruf
oder Amt in einen weniger hochstehenden gelangt:

    Er setzt sich vom Pferde auf den Esel.

Eine unbestreitbare Wahrheit enthlt der Vers:

          Das Pferd, das am besten zeucht,
          bekommt die meisten Streich.

Unwillkrlich wird das Pferd am meisten ausgenutzt und infolgedessen am
meisten gepeitscht, von dem man wei, da es am besten ziehen kann.

    Gemietet Ro und eigene Sporen machen kurze Meilen.

Der Mensch liebt es, fremde Sachen, die ihm geliehen wurden, nach
Mglichkeit auszuntzen. Seinem eigenen Pferde wrde er Erholung
gnnen, aber ein fremdes hat sie nach seiner Anschauung nicht ntig. Er
wird sich fr ein fremdes Pferd die schrfsten Sporen nehmen und diese
fleiig gebrauchen. So gelangt er schnell zum Ziel.

    In den Sielen sterben

sagt man von einem Menschen, der wie ein Arbeitspferd bis zum letzten
Augenblicke ttig war.

In meiner Gegend war die Redensart blich:

    Die rauhsten Fohlen werden die glattsten Pferde.

Mein Vater hat sich oft damit getrstet, wenn wir Knaben wieder einmal
einen dummen Streich verbt hatten.

[Illustration: Pferdekoppel]

[Illustration: Pferde in der Schwemme]




Esel und Maultier


74. Das Aeuere des Esels.

In frheren Jahren konnte man in der Grostadt hufiger Eselfuhrwerke
sehen. Jetzt mssen wir es als ein besonderes Glck betrachten, da wir
ein solches zu Gesicht bekommen und uns nher ansehen knnen.

Aeuerlich fallen am Esel seine langen Ohren, seine graue Farbe, seine
Kleinheit, sein fast kahler Schweif Und seine zierlichen Hufe auf. Er
sieht aus wie ein kleines Pferd mit gewissen Abweichungen. Natrlich
ist er unserem Pferde nahe verwandt.

Im Volke ist er sprichwrtlich wegen seiner Dummheit, Langsamkeit,
Faulheit und seiner Gengsamkeit. Nach allgemeiner Ansicht sind Disteln
sein liebstes Futter.

In sdlichen Lndern, beispielsweise in den am Mittellndischen Meere
gelegenen Staaten wird niemand dieses Urteil unterschreiben. Dort ist
der Esel ein unbezahlbarer Gehilfe, der trotz seiner kleinen Gestalt
die grten Lasten trgt. Ein altgriechischer Dichter vergleicht einen
der strksten Helden mit einem Esel, um den Kmpfer zu ehren.

Auch hier gibt uns die Abstammung des Esels Aufklrung ber die
verschiedene Beurteilung des geplagten Geschpfes. Wildesel leben in
den glhend heien Lndern von Afrika und Mittelasien, und zwar in
gebirgigen Gegenden.

Jetzt wird uns sofort verschiedenes klar, nmlich folgendes:

Erstens, da ein Tier, das aus den Gleichergegenden (Aequatorgegenden)
stammt, viel Wrme braucht. Das ist auch in der Tat der Fall. In
Deutschland ist es fr den Esel bereits zu kalt. Deshalb gedeiht er bei
uns nicht ordentlich.

Zweitens erklrt sich seine graue Frbung als Schutzfrbung. Sein Fell
stimmt mit den Felsen und dem Gerll seiner Heimat berein, so da er
von seinen schlimmsten Feinden, dem Menschen und den groen Katzen,
schwer entdeckt wird.

Auch der halbkahle Schweif hngt mit der Schutzfrbung zusammen. Im
Felsengewirr wrde der dicke schwarze Streifen des Pferdes auffallen,
weil er sich von der vorherrschenden grauen Frbung abhebt, whrend das
in der Ebene viel weniger der Fall ist.

Drittens verstehen wir seine zierlichen Hufe und seinen im Gebirge so
sicheren Gang. Das Gebirge ist ja seine Heimat, und wer sicher auf
kleinen Stellen im Gebirge auftreten will, darf nicht die unfrmigen
Hufe eines flmischen Pferdes haben.

Viertens. Auch die langen Ohren werden aus seinem Leben in der Heimat
verstndlich. Wir sehen, da alle Tiere sich durch auffallend lange
Ohren auszeichnen, die ihren eigentlichen Hauptsinn, den Geruch,
nur unter ungnstigen Umstnden ttig sein lassen knnen. Das ist
beispielsweise beim Hasen, beim Wstenfuchs und anderen Tieren der
Fall. Der Hase liegt mit aufgelegtem Kopfe in einer Bodenvertiefung.
In dieser Lage kann seine sehr feine Nase einen etwa 10 bis 20 Schritt
entfernten Menschen trotz gnstiger Windrichtung nicht wittern,
falls dieser, was hufig der Fall ist, etwas hher steht. Denn die
Ausdnstung des Menschen geht ber den Rcken des Hasen hinweg. Daher
ist die irrige Ansicht entstanden, da der Hase nicht wittern kann. Wie
vorzglich er riechen kann, sieht man in jedem Frhjahr, wenn er wie
ein Jagdhund in sausender Fahrt die Spur einer Hsin verfolgt.

Auch der Esel hat, wie das Pferd, eine ausgezeichnete Nase. Aber wie
oft lt sie ihn im Felsengewirr im Stich! Die Witterung des Menschen,
des Lwen oder eines anderen Raubtieres, die hinter einem Felsen
lauern, geht an dem Esel vorbei, ohne in das Riechgebiet der Nase zu
gelangen.

Deshalb mssen sich Esel, Hase und Wstenfuchs vor allen Dingen auf ihr
Gehr verlassen. Daher ihr fortwhrendes Spitzen der Ohren. Daher die
ungewhnliche Lnge der Ohren bei den genannten Tieren.

Die Dummheit des Esels ist nicht so gro, wie sie gewhnlich
hingestellt wird. Sie hat in vieler Hinsicht dieselben Grnde wie die
der Schafe, bei denen wir davon noch sprechen wollen.

Die Gengsamkeit des Esels ist fr uns Menschen sehr wertvoll. Aber es
ist nicht richtig, da Disteln ihm ber alles gehen sollen. Wir werden
das gleich noch sehen.


75. Warum sieht man selten kranke Esel?

Whrend das Pferd einer Unmenge von Krankheiten unterworfen ist, mu
man geradezu suchen, wenn man einen kranken Esel finden will. Einen
schnen Fall von dem ungewollten Selbstmord eines Esels erzhlt ein
Naturforscher: Krank wird der Esel nicht leicht, und frit er sich
einmal zu Tode, so geschieht es wenigstens nicht in bser Absicht,
was man aus folgender Tatsache entnehmen mag: Einer meiner Freunde
besa einen alten und einen jungen Esel; als des letzteren Geburtstag
gefeiert wurde, lieen die Kinder auch den alten am Feste teilnehmen,
gaben ihm eine groe Menge reinen Hafers, und da feierte er denn so
eifrig, da er daran starb. --

Solche Menschen, die sich den Geburtstag ihres Esels merken und ihn
gebhrend feiern, sind sicherlich groe Ausnahmen. Jedenfalls geht aus
dem Erlebnis hervor, da der Esel Hafer noch viel lieber als Disteln
frit.

Wie alle Einhufer, hat der Esel einen kleinen Magen und obendrein eine
Klappe davor. Ein gesunder Einhufer kann sich also nicht bergeben. Er
platzt, wenn er zuviel gefressen hat.

Wir haben vorhin (Kap. 62) darauf hingewiesen, da das Pferd ein
Magerfresser ist. Der Esel ist es in noch hherem Grade. Gbe man dem
Esel auch soviel Krnerfutter wie dem Pferde, so wrde er auch koppen
und krank werden. Zum Glck verwhnen wir den Esel nicht.

Es drften also folgende beiden Grnde sein, weshalb der Esel so
selten, das Pferd so hufig krank ist.

Einmal haben wir dem Esel die drre Ftterung seiner Heimat gelassen,
weil es uns sehr angenehm ist, da er so gengsam ist.

Sodann haben wir den Esel so gelassen, wie ihn die Natur geschaffen hat.

Das Pferd dagegen haben wir grer gezchtet, weil wir groe Tiere
brauchten. Um die Gre zu erzielen, mssen wir viel Krner verfttern,
was fr ein Steppentier nicht naturgem ist.

Das Pferd wrde noch viel hufiger erkranken, wenn es nicht als
Haustier die gesndeste Ttigkeit ausbte. Es ist den ganzen Tag in
der frischen Luft und arbeitet sich aus. Wie gesundheitsfrdernd das
fr das Pferd ist, ersehen wir an einer an Feiertagen nicht selten
auftretenden Krankheit, der sogenannten Osterwinde. Die Pferde bleiben
im Stalle und bekommen zur Feier des Tages ihr bliches Krnerfutter.
Die Folge davon ist nicht selten eine furchtbar schwere Erkrankung, die
Osterwinde.


76. Ziehhund oder Esel?

Wir haben uns jetzt das Aeuere des Esels verstndlich gemacht und
wollen jetzt die Frage besprechen, weshalb man nicht allgemein statt
der Ziehhunde Esel verwendet.

Seit vielen Jahren wird gegen die Verwendung der Hunde zum Ziehen
gewettert. Diese Bestrebungen zeugen von dem guten Herzen der
Beteiligten und sollen deshalb sorgfltig geprft werden. Allerdings
ist auch in diesem Falle, wie bei den Hten fr die Omnibuspferde,
vielfach Sachkunde zu vermissen.

Die Verwendung des Hundes zum Ziehen ist eine Tierqulerei, falls

  1. der Hund bermig lange angestrengt wird oder bermige Lasten
     zu ziehen hat,

  2. Ftterung und Trnkung nicht gengend ist,

  3. der Hund als frheres Nachttier bei glhender Mittagshitze ziehen
     mu,

  4. an den Ruhestellen kein trockenes Pltzchen zum Hinlegen ist,

  5. er bei Klte an den Ruhestellen nicht zugedeckt wird.

Pferde und Esel brauchen sich nicht hinzulegen zur Ruhe, wohl aber der
Hund.

Pferden erfrieren trotz der grten Klte nicht die Beine, wohl aber
dem Hunde.

Ein Sachverstndiger uert sich ber die vorliegende Streitfrage
folgendermaen:

In vielen Gegenden spannen Leute, die oft geringe Lasten zu befrdern
haben, statt der Esel Hunde vor, was schon oft getadelt, aber doch
nicht abgeschafft ist. -- Ziehen wir zwischen beiden einen Vergleich,
so stellt sich folgendes heraus: Der Hund ist leichter zu haben, weil
er sich sehr stark vermehrt, ist wohlfeiler, weil er ein Jahr alt
schon angespannt werden kann und weil er oft von Leuten, die ihn zu
Jagd- oder Metzgergeschften dressieren wollten, aber dann unbrauchbar
fanden, sehr billig verkauft oder gar verschenkt wird. Soll ein Hund
jung krftig wachsen, lter tchtig ziehen, so mu er tchtig und gut
gefttert werden, und seine Ernhrung kann leicht ebensoviel kosten wie
die eines Esels. Zu Hause kann er auch durch Nagen, Totbeien anderen
Hausviehes usw. manchen empfindlichen Schaden tun, der beim Esel nicht
vorkommt.

Der Esel hat den groen Vorzug, da er ebensowohl tragen als ziehen,
da er 30 bis 40 Jahre tchtig arbeiten kann, whrend ein Hund kaum 8
Jahre aushlt und jedenfalls nur geringere Lasten fortschafft. -- Bei
diesen Vorzgen des Esels erklrt sich seine Seltenheit nur daraus,
da er in der Jugend 2 bis 3 Jahre lang gefttert werden mu, bevor er
auer dem Ertrag seines gut dngenden Mistes, Nutzen bringt, ferner,
da er bei geringerer Vermehrung nicht leicht zu haben, endlich,
da er aus eben diesen Grnden nicht wohlfeil ist. -- Ganz anders
mchte sich das Verhltnis gestalten, wenn Besitzer groer Gter oder
Aktiengesellschaften eine kleine, aber krftige Eselsrasse in Menge
zgen und wohlfeil verkauften. -- Wrden statt der Esel Pferdchen
kleinster Rasse gezogen, so wrde das Unternehmen noch willkommener
sein. --

Der Sachverstndige befindet sich im Irrtum, wenn er die Gebrauchszeit
eines Ziehhundes auf knapp acht Jahre angibt. Ich kenne eine Menge, die
bis zum fnfzehnten Jahre gezogen haben. Das ist auch der beste Beweis,
da miges Ziehen fr einen groen Hund sehr gesund ist.

Der Kohlenhndler und andere Kellerbewohner haben deshalb einen
Ziehhund, weil er in einer Ecke des Kellers sein Lager haben kann und
obendrein noch wacht. Wo sollen sie einen Esel oder ein kleines Pferd
unterbringen? Futter fr einen Hund ist immer noch leichter in einer
Grostadt zu beschaffen als Futter fr einen Einhufer.

Manche Menschen bilden sich auf ihre Tierfreundlichkeit etwas ein,
wenn ihr groer Hund den Tag ber auf dem Teppich liegt und als
einzige Bewegung das mehrmalige Hinausfhren auf die Strae hat. In
Wirklichkeit liegt hier eine Tierqulerei vor, weil der Hund als zur
Bewegung geschaffenes Raubtier hierbei verkmmern mu. Ebenso sind
Maulkrbe mit einer ledernen oder blechernen Absperrung vor der Nase,
die den Hund am Riechen hindert, als Tierqulerei zu bezeichnen. Noch
schlimmer sind die armen Zwingerhunde daran. Warum hier nicht die
Tierschutzvereine eingreifen, ist schwer zu verstehen. Ich habe manchen
Aufenthalt in Jagdrevieren nur deshalb vorzeitig abgebrochen, weil ich
auf die Dauer das zum Herzen gehende Geheul der armen Zwingerhunde
nicht aushalten konnte.

Um Miverstndnisse zu vermeiden, erklre ich ausdrcklich, da ich
ebenfalls grundstzlich gegen die Verwendung des Hundes zum Ziehen
bin, weil die aufgezhlten Bedingungen in der Praxis nicht immer
bercksichtigt werden.


77. Wie ist der Esel mit dem Maultier verwandt?

Maultiergespanne brauchen wir jetzt in der Grostadt nicht lange zu
suchen. Da taucht bereits ein solches vor uns auf, das einer Brauerei
gehrt.

Die Verwandtschaft mit dem Esel ist, wie wir sehen, sehr gro. Lange
Ohren, dnn behaarter Schwanz und zierliche Hufe fallen uns sofort
in die Augen. Auch fehlt dem Maultier der stolze Ausdruck, den wir
beim Pferde lieben. Das Maultier hat als Mutter ein Pferd und als
Vater einen Esel. Beim Maulesel ist es umgekehrt. Uebrigens ist es
bestritten, ob es irgendwo wirkliche Maulesel gibt.

Was sonst selten vorkommt, knnen wir beim Maultier beobachten. Es
vereinigt die Vorzge des Pferdes mit denen des Esels, nmlich die
Gre und Kraft des Pferdes mit dem sicheren Tritt des Esels. In
gebirgigen und warmen Lndern sind daher Maultiere sehr geschtzt.

Ferner ist das Maultier wie der Esel viel gesnder als das Pferd. Das
ist ein ungeheurer Vorzug. Es wrde auch bei uns verbreiteter sein,
wenn es nicht manche unangenehmen Eigenschaften bese. So ist es
strrisch und liebt es sich zu wlzen. Das ist besonders unangenehm,
wenn es soeben geputzt worden ist.


78. Wie erklrt sich die Abneigung des Pferdes gegen den Esel?

Trotzdem Pferd und Esel beide Einhufer sind, hat das Pferd eine
Abneigung gegen den Esel. Um ein Maultier zu zchten, mu man deshalb
knstlich diese Abneigung unterdrcken. Die Maultiere selbst pflanzen
sich nicht fort.

Man bekommt ein Verstndnis fr den Widerwillen, den nahe verwandte
Tiere oft gegeneinander haben, wenn man sich die Folgen einer Paarung
vorstellt. Das Pferd ist Bewohner der Steppe und Meister im Rennen. Der
Esel ist dagegen im Gebirge zu Hause und ein vorzglicher Kletterer.
Gbe es in der Freiheit Maultiere, also Abkmmlinge von Pferd und Esel,
so knnte ein Maultier nicht so rennen wie seine Mutter und wrde von
den Wlfen zuerst eingeholt werden. Aber auch im Gebirge knnte es
nicht so klettern wie sein Vater und fiele deshalb auch hier zuerst den
Feinden zur Beute.


79. Warum schreit der Esel Ya?

Das uns hchst unangenehme Geschrei des Esels, das an unser Ja
erinnert, hat zu unzhligen Witzen Anla gegeben. Will der Esel im
Gebirge eine Eselin finden, so wre es zwecklos, wenn er wie ein
Kulturmensch snge. Dagegen dringt sein Geschrei bis zu den langen
Ohren der Eselin, wie auch das Jodeln der Tiroler ganz fr das Gebirge
geschaffen ist.


80. Die Rassen des Esels.

Man unterscheidet drei Formen grauer Esel: Hausesel, Nubischer
Steppenesel und Somali-Wildesel. Der Hausesel wird verschieden gro.
Es gibt Esel in Sdarabien und in Frankreich, welche die Gre eines
guten Pferdes erreichen. Umgekehrt kommen auf einigen Inseln Zwergesel
vor, die nicht so gro werden wie ein groer Hund.


81. Der Esel im Sprichwort und in Redensarten.

Der Esel gilt als dummes und verachtetes Tier, besonders bei uns. Daher
sagt man

    *Auf den Esel kommen, sich auf den Esel setzen.*

Das heit aus einer geachteten Stellung in eine niedere treten.

               *Den Esel reiten*,

eine beschimpfende Strafe erleiden.

In Zusammenhang hiermit steht:

    *einen auf den Esel setzen oder bringen*,

was soviel heit wie einen erzrnen.

               *Den Esel luten*,

d. h. die hngenden Beine vorwrts und rckwrts baumeln lassen.

    *Wenn's dem Esel zu wohl ist, dann geht er aufs Eis und tanzt oder
    er geht aufs Eis tanzen und bricht sich ein Bein.*

Das hat gewi noch niemand gesehen. Aber der Mensch braucht eine
Zielscheibe fr seinen Spott. Da nun der Esel als sehr dumm gilt, und
sich nicht verteidigen kann, so unterstellt man ihm die geschilderte
Torheit.

               *Eselsbrcke.*

Nach Grimm versteht man darunter eine Schwierigkeit, vor der Unwissende
stutzen, wie der Esel vor einer Brcke.

Diese Erklrung befriedigt nicht, denn das Stutzen des Esels vor der
Brcke ist gewi sehr selten.

Der Lehrer nennt die Uebersetzung, die ein Schler bentzt, eine
Eselsbrcke. Das geschieht aus dem Grunde, weil der Esel als Wstentier
sehr wasserscheu ist und statt durchs Wasser zu schreiten, eine Brcke
braucht. Der Lehrer meint also: Anstatt mit geringer Anstrengung
den lateinischen Schriftsteller zu bersetzen, kaufst du dir eine
Uebersetzung. Du machst es also wie der Esel, der ohne Mhe das
Wasser durchschreiten knnte, aber statt dessen eine Brcke verlangt.
Eselsbrcke heit also eine ganz berflssige Erleichterung.

               *Eselsohren*

werden die Einbiegungen der Bltter in Bchern genannt.

    *Wo sich der Esel wlzt, mu er Haare lassen*

ist bereits erklrt worden.

[Illustration: Rumnische Hausierer mit ihren Eseln]



Das Rind


82. Warum knnen wir nicht auch fette Schweizerkse herstellen?

Die Zeiten sind lange vorbei, wo man in den Straen Berlins noch
Rinderherden sah, wie ich es in meinen jungen Jahren erlebt habe. Heute
rennt die ganze Jugend Berlins zusammen, wenn eine Kuh nach oder von
einer Molkerei befrdert wird. Alle staunen das Wundertier an. Was im
Dorfe die alltgliche Erscheinung ist, gehrt in der Grostadt zu den
Seltenheiten.

Um eine weidende Rinderherde zu beobachten, mssen wir schon ein
ordentliches Stck Weg laufen. Das Glck ist uns hold. Wir treffen eine
Herde von Khen an und knnen in Ruhe den Tieren zuschauen.

Da in der Nhe auch ein Pferd grast, so knnen wir so recht den
Unterschied zwischen dem Weiden des Pferdes und der Rinder beobachten.
Das Pferd packt die Grser mit der sehr beweglichen Oberlippe und beit
kurz ab, die Kuh dagegen arbeitet hauptschlich mit der Zunge, die
ihr die fehlenden oberen Schneidezhne ersetzt. Schlchter haben mir
oft erklrt, da man mit einer getrockneten Rinderzunge einen Stuhl
zusammenschlagen kann. Ich habe es in diesen Zeiten der Fleischnot
noch nicht ausprobieren knnen, halte es aber sehr wohl fr mglich.
Jedenfalls ist die Zunge beim Rinde ein uerst wichtiges Glied.

Weil die Kuh das Gras mit der Zunge packt, wird es nicht so tief
abgebissen. Daher kommt es, da, wo Khe gegrast haben, noch sehr gut
Pferde weiden knnen.

Die uerlich auffallendsten Unterschiede zwischen Rindern und Pferden
sind namentlich folgende:

    Die Rinder haben Hrner, die Pferde nicht.

    Die Rinder sehen plump aus, die Pferde nicht.

    Die Rinder haben gespaltene Hufe, die Pferde nicht.

    Die Rinder haben einen langen, kahlen Schwanz, der mit einer Quaste
    endet, whrend Pferde einen schnen, bis zur Wurzel behaarten
    Schweif besitzen.

Wenn wir so die Khe behaglich im hohen Grase weiden sehen, dann taucht
unwillkrlich die Frage auf, weshalb wir nicht, wie die Schweizer, auch
schne fette Kse herstellen knnen. Warum mssen wir unser schnes
Geld an sie abgeben?

Die Antwort darauf ist folgende: Wir knnen aus zwei Grnden solche
Kse nicht herstellen. Einmal fehlt uns das Gebirgsgras und dann die
Gebirgsweiden.

Gras ist nmlich nicht Gras, wie der Grostdter meint, sondern
das Gebirgsgras ist so krftig, da eine Kuh, die sonst 36 Pfund
Niederungsgras frit, nur 24 Pfund Gebirgsgras braucht.

Im Zoologischen Garten knnen wir die Verschiedenheit der Grasarten
recht deutlich beobachten. Gemsen leben nicht lange im Zoologischen
Garten und pflanzen sich noch seltener darin fort. Dabei gibt es doch
in Bayern noch zahlreiche Gemsen. Sie sind also heimische Tiere. Aber
in der Gefangenschaft fehlt ihnen das gewrzige Gebirgsheu. Was wir
ihnen vorsetzen, ist nicht ihr Fall.

Pferde in den Alpen brauchen keinen Hafer, weil das Gebirgsgras so
krftig ist.

Es ist klar, da dieses Gebirgsgras eine viel fettere Milch und
demgem einen viel fetteren Kse liefert.

Nun kommt hinzu, da oben in den Gebirgsweiden die Verhltnisse fr die
Khe viel gnstiger liegen. Bei uns in der Ebene werden die Khe mit
dem Eintritt des Sommers dermaen von Insekten belstigt, da sie in
bestndiger Unruhe sind, und der Ertrag der Milch darunter sehr leidet.

Ganz anders ist es auf den Alpenweiden. Die Rinder knnen daher
behaglich und ohne fortwhrend gepeinigt zu werden, sich dem Fressen
und Wiederkuen widmen.

Die Schweiz hat also durch Natur gegebene Vorzge, die wir nicht
nachmachen knnen. Auch ist die Art der Herstellung von rtlichen
Verhltnissen abhngig.


83. Der Stier und die rote Farbe.

Bei der Rinderherde befindet sich auch ein Stier oder Bulle. Er ist
noch ein ziemlich junges Tier und deshalb allem Anscheine nach noch
umgnglich. Aelteren Stieren ist gewhnlich schlecht zu trauen.

Es drfte bekannt sein, da besonders der Stier eine ausgesprochene
Abneigung gegen die rote Farbe hat. Es ist schon oft Unglck dadurch
entstanden, da Menschen, die von dieser Eigentmlichkeit nichts
wuten, den Stier ahnungslos gereizt haben und infolgedessen schwer
verletzt, ja gettet worden sind.

Was veranlat den Stier zu diesem Hasse auf die rote Farbe?

Wir kennen heute noch nicht genau die Stammeltern unserer Hausrinder.
Aber es ist sicher, da sie wie alle Wildrinder ihren grten Feind in
den Katzen haben. Besonders der Tiger macht eifrig auf Wildrinder Jagd.

Die rote Farbe lt wahrscheinlich den Stier an seinen grimmigsten
Feind denken. Da der Stier nicht wie ein Pferd flchtet, sondern mit
seinem Gegner auf Tod und Leben kmpft, so ist der wtende Angriff des
Stieres auf einen Menschen mit roter Kleidung verstndlich.

Die Abneigung des Truthahns gegen die rote Farbe drfte denselben Grund
haben. Wir werden bei der Schilderung des Truthahns nher darauf zu
sprechen kommen.


84. Das Flotzmaul der Rinder.

Bei den weidenden Rindern beobachten wir ferner, da sie im Gegensatz
zu dem Pferde ein Flotzmaul besitzen, d. h. eine breite haarlose und
feuchte Stelle zwischen den Nasenlchern.

Weshalb hat wohl das Rind einen solchen Nasenspiegel, den wir in
hnlicher Form bei Bffeln, Hirschen und anderen Pflanzenfressern
finden?

Der Nasenspiegel ist sehr empfindlich und deshalb hindert er die
Rinder, brennende und stachlige Pflanzen zu fressen. Whrend der
Kriegsjahre konnte ich das sehr hufig im Zoologischen Garten
beobachten. Die Futterration war nur knapp, und deshalb das Verlangen
nach etwas Ersatz sehr gro. Im Sptsommer wachsen nun in den Stnden
eine Unmenge Brennesseln. Das schne Grn stach den Zebus, den
indischen Rindern, in die Augen, und sie suchten immer wieder die
Brennesseln zu fressen. Doch das empfindliche Flotzmaul trieb die Zebus
immer wieder zurck. Nur junge oder verwelkte Brennesseln scheinen von
Rindern gefressen zu werden.

Das Flotzmaul ist stets feucht und empfindlich wie beim Hunde die Nase
und zwar aus denselben Grnden. Bei Wildrindern ist das Flotzmaul auch
stets schwrzlich wie die Nase der Wildhunde.


85. Die Furcht der Rinder vor dem Blutgeruch.

Wenn wir unter uns einen Schlchter htten, der eben geschlachtet hat,
so knnte seine Witterung die ganze Rinderherde in Aufruhr versetzen.

Es braucht natrlich nicht gerade ein Schlchter zu sein. Es gengt,
da ein Jger einen erlegten Rehbock im Rucksack trgt, dessen Blut von
den Khen gewittert wird. Ausschlaggebend ist stets der Blutgeruch.
Es gengt also, da wir die Hnde in Blut getaucht oder da wir ein
Kleidungsstck mit Blut getrnkt haben.

Der Grund des Verhaltens der Rinder ist einleuchtend, sobald wir an die
Lebensweise der Wildrinder denken. Unzhlige Male ist es vorgekommen,
da ein weidendes Rind gar nicht gemerkt hatte, da ein Raubtier ein
Kalb gettet oder einen Kameraden berfallen hatte. Die Anwesenheit des
Raubtieres nahm es regelmig erst durch den Blutgeruch wahr.

Blutgeruch und zwar Geruch vom Blut eines Pflanzenfressers und
Anwesenheit eines Raubtieres ist also fr ein Rind so ziemlich dasselbe.

Hat daher ein Schlchter einen Kuhstall betreten, etwa um ein Kalb
zu besichtigen, das er kaufen will, so sind die Khe den ganzen Tag
unruhig, was den Landleuten wohl bekannt ist.

Auch das Schlachthaus wollen Rinder nicht betreten, weil ihre feine
Nase ihnen sagt, da ihnen der Tod droht. Oft habe ich zugesehen,
welche Anstrengungen erforderlich sind, um eine Kuh in den Schlachtraum
zu bringen.

Die Furcht vor dem Blutgeruch besitzen auch Pferde, wovon schon frher
(Kap. 67) die Rede war.


86. Die Furcht der Rinder vor den Bremen.

In groe Aufregung knnten wir die Herde auch versetzen, wenn wir das
Gerusch einer fliegenden Breme (auch Bremse genannt) nachmachten. Wir
werden das natrlich nicht tun. Allerdings ist die eigentliche Flugzeit
der Bremen erst im Hochsommer und zwar in den Mittagsstunden.

Die Furcht der Rinder vor den Bremen ist sehr wohl begrndet. Diese
Insekten umschwrmen die groen Pflanzenfresser und suchen ihre Eier
auf ihnen abzulegen. Obwohl die Rinder bei ihrer Ankunft die Schwnze
hochnehmen und davonrasen, gelingt den Bremen ihr Vorhaben. Das
abgelegte Ei entwickelt sich zur Made, die auf Kosten des Wirts lebt
und groe dicke Beulen, sogen. Dasselbeulen hervorruft. Diese Beulen,
aus denen das fertige Insekt auskriecht, verursachen natrlich groe
Lcher in der Haut.

Man sollte meinen, da der Gerber solche durchlcherten Rinderhute
nicht haben will. Das Gegenteil war vor dem Kriege der Fall.
Durchlcherte Hute wurden gern genommen, weil die Erfahrung gelehrt
hatte, da die Insekten mit ihrem feinen Geruchsvermgen stets die
gesndesten und krftigsten Tiere zur Eiablage ausgesucht hatten.


87. Die Abneigung der Rinder gegen Hunde.

Es ist gut, da wir keinen groen Hund bei uns haben. Denn man kann
immer wieder erleben, da die Rinder eine ausgesprochene Abneigung
gegen Hunde haben.

Will ein Jger mit seinem Hunde durch eine weidende Kuhherde wandern,
so mu er sich vorsehen, da sie seinen Hund nicht angreifen.

Hier zeigt sich so recht deutlich der Unterschied zwischen Pferd und
Rind im Benehmen gegen ihren Feind. Das Pferd flchtet regelmig
und kmpft nur gegen kleinere Raubtiere. Auch stehen sich Pferde
gegenseitig nicht bei.

Ganz anders liegt die Sache bei den Rindern. Diese halten zusammen und
strmen gemeinsam auf den Feind. Zur Flucht sind sie ja auch viel zu
schwerfllig gebaut.

Deshalb brllen auch die Rinder, die von einem Raubtier berfallen
worden sind oder sonst Schmerz empfinden. Denn das Brllen hat bei
ihnen einen Zweck. Es soll die Genossen zum Beistand anspornen. Pferde
dagegen stehen sich, wie wir wissen (Kap. 58), nicht bei, und deshalb
erleiden sie stumm alle Qualen.


88. Das Aufblhen der Rinder.

Wenn die Rinder gierig ppig gewachsenes Futter, z. B. Klee, Luzerne
und Esparsette fressen, dann ereignet sich oft, namentlich, wenn die
Sonne sehr sticht, und es schwl ist, das sogen. Aufblhen der Rinder.
Dieses Aufblhen entsteht durch Auftreibung des Pansens infolge der
Entwicklung von ungewhnlichen Gasmengen.

Man ersieht hieraus, wie leicht den Landwirt schwere Verluste treffen
knnen, gerade dann, wenn er seinen Tieren das schnste, was er ihnen
geben kann, zu fressen gibt.

Da die Tiere nur weiden, wie es auch die Wildrinder tun, so scheint
die Frage berechtigt zu sein, warum die an sich naturgeme Art des
Fressens zu schweren Erkrankungen fhren kann.

Vergegenwrtigen wir uns die Lebensweise der Wildrinder und vergleichen
wir sie mit der Lebensweise unserer Hausrinder, so ergeben sich
folgende Unterschiede.

Zunchst sind die Wildrinder Nachttiere, wie schon aus ihren groen
Pupillen ersichtlich ist. Genau wie unsere Hirsche und Rehe gehen sie
erst mit dem Anbruch der Dmmerung auf die Nahrungssuche aus. Zu diesem
Zwecke verlassen sie den Wald oder das Gebsch, das ihnen am Tage
Deckung gewhrt hat, und treten auf die Felder.

Also von der Sonne prall beschienene Futterpflanzen, obendrein bei
uerst schwler Luft, fressen die Wildrinder niemals.

Sodann gab es in Vorzeiten, als der Mensch noch nicht dem Acker seinen
Stempel aufgedrckt hatte, niemals Futterpflanzen in solcher Flle.
Erst das Sen, die Bewsserung, die knstliche Dngung und anderes hat
diese Unmasse hervorgerufen. Frher wuchsen blhende Futterpflanzen
nur vereinzelt. Dazwischen standen andere Pflanzen, die dem Blhen
entgegenwirkten, z. B. Kmmel. Also hatten die Wildrinder frher gar
keine Gelegenheit, soviel blhendes Zeug zu fressen, wie heute die
Hausrinder.

Drittens aber -- und das ist die Hauptsache -- fehlen unseren
Haustieren die Raubtiere. Man beobachte einmal ein freilebendes Tier,
z. B. ein Reh, wenn es abends aus dem Walde tritt. Erst wird gesichert,
d. h. alle Sinne werden aufs uerste angestrengt, ob nicht irgendwo
ein Feind, namentlich ein bser Jger, nach Rehbraten Verlangen trgt.
Erst wenn die angestrengten Sinne nichts feststellen knnen, und wenn
eine lngere Prfung dasselbe Ergebnis hat, dann wird vorsichtig ins
Feld getreten. Hier wird nochmals aufs grndlichste gesichert, ob
irgendwas Verdchtiges zu erkennen ist. Erst dann werden einige Happen
ganz hastig genommen. Von einem gemtlichen Futtern ist aber gar keine
Rede. Nach einer halben Minute geht schnell der Kopf hoch, und wiederum
werden alle Sinne angestrengt.

In hnlicher Lage nehmen auch die Wildrinder ihre Nahrung zu sich,
wenngleich sie im Gefhl ihrer Strke nicht so ngstlich zu sein
brauchen. Immerhin wissen sie, da ihnen der Mensch oft berlegen ist,
und da sie gegen seine Fallgruben machtlos sind.

Von einem hastigen gierigen Hinunterschlingen ohne Pause, wie es unsere
Hausrinder tun, kann also bei Wildrindern niemals die Rede sein.

Da wir Menschen die Raubtiere ausgerottet haben, so mssen wir sie
in den Fllen, wo sie uns ntzlich waren, ersetzen. Die Raubtiere
verhinderten, da die Pflanzenfresser in ihrer Gier zu hastig ohne
Pausen schlangen. Denn die Pflanzenfresser muten immer solche Pausen
machen, um nicht von einem Feinde berfallen zu werden.

Solche Pausen beim Fressen der Rinder knnen wir dadurch erzielen, da
wir die Tiere in stndiger Bewegung halten. Viele praktische Landwirte
sind davon berzeugt, da das beste Mittel gegen das Aufblhen die
fortwhrende Beunruhigung der Tiere ist. Sie mssen dann Pausen im
Fressen machen, und Fressen mit Pausen ist naturgem, whrend Fressen
ohne Pausen unnatrlich ist.


89. Die Kuh vorm neuen Tor. Der Ortssinn der Tiere.

Eine bekannte Redensart ist die: Er steht da, wie die Kuh vorm
neuen Tor. Man meint damit ein bldes, unbeholfenes Anstarren eines
Gegenstandes, den man an dieser Stelle nicht erwartet hat.

Ochse und Kuh, Esel und Schaf gelten ja von unsern Haussugetieren
als die dmmsten. Natrlich sind die Raubtiere klger als die bloen
Pflanzenfresser. Die Raubtiere mssen ihre Opfer berlisten, was nicht
immer sehr leicht ist. Dagegen haben es die meisten Pflanzenfresser
bequemer, da sie manchmal nur ihr Maul aufzumachen brauchen.

Immerhin sind die Grnde, die man fr die Dummheit der genannten
Tiere anfhrt, in den meisten Fllen nicht berzeugend. Wir drfen
doch nicht vergessen, da wir frei lebende Tiere, die sich allein und
ohne Belehrung und Schutz durch die Welt schlugen, erst durch unsere
Behandlung zu den Jammergestalten gemacht haben, als welche sie so
hufig vor uns stehen. Das Wildschaf ist nach der Ansicht erfahrener
Jger ein sehr schwer zu erlegendes Geschpf, whrend unser Schaf
vollkommen hilflos ist.

Mit Dummheit hat das Anstarren des neuen Tores durch die Kuh nicht
das mindeste zu tun, sondern es rhrt von der Verschiedenheit der
menschlichen und tierischen Auffassung her. Fr den Menschen ist der
Gegenstand magebend, der ihm die Stelle bezeichnet, wohin er will,
whrend das Tier sich nach diesem Gegenstand gar nicht richtet.

An einem naheliegenden Beispiel knnen wir uns das am besten
klarmachen. Angenommen, der Besitzer der weidenden Kuhherde lie heute
sein Tor neu anstreichen -- was allerdings bei den jetzt so teueren
Farbpreisen ausgeschlossen ist, aber angenommen werden soll --, so
wrde sich der Htejunge um den neuen Anstrich kaum viel kmmern. Auch
wrde es dem Jungen gewhnlich ganz gleichgltig sein, da das Schild
des Gasthofes neu angestrichen ist. Es soll nmlich angenommen werden,
da die Khe einem Gastwirt im Dorf gehren. Das wrde auch der Fall
sein, wenn der Htejunge aus der Fremde gekommen wre und zum ersten
Male seinen Dienst verrichtete. Die Khe dagegen stutzen am Tor wegen
des ihnen fremden Farbgeruchs, vielleicht auch deswegen, weil die
frheren dunkeln Farben durch helle ersetzt worden sind.

Der im Orte ganz fremde Htejunge sagt sich: Dort ist das Schild
meines neuen Herrn: Gastwirt Friedrich Schultze. Also bin ich an der
richtigen Stelle. So handeln wir alle und denken, da die Tiere es
auch so machen. Das Tier richtet sich aber nur, wenn es vorzgliche
Augen besitzt, also ein Augentier ist, nach seinen Augen und selbst
dann nicht immer. Die Nasentiere richten sich aber nur selten nach den
Augen.

Die Rinder, die ein schwaches Auge, aber eine feine Nase besitzen,
haben wie alle Sugetiere einen vorzglichen Ortssinn. Dieser Ortssinn
ist fr sie entscheidend. Kehrt eine Kuh zurck, so zweifelt sie
keinen Augenblick daran, da sie auf dem richtigen Wege ist. Denn ihr
Ortssinn lt sie nicht irren. Aber sie stutzt vor dem neuen Tor, und
ihr Verhalten knnte man in menschlicher Sprache etwa so ausdrcken:
Als ich frher hier entlangging, gab es so etwas von heller Farbe und
scharfem Geruch nicht. Das setzt mich in Erstaunen.

In diese ganz verschiedene Auffassung der Tiere knnen wir uns gar
nicht hineinversetzen und machen uns ber Dinge lustig, die hierzu gar
keinen Anla geben.

Ich erzhlte frher (Kap. 9) von unserm blinden Hunde, der zwei Jahre
lang sich darin nicht irrte, wie die einzelnen Mbel in unserer Wohnung
standen, und sich niemals daran stie, wenn man sie in ihrer Stellung
lie. Er wute ferner auf der Treppe Bescheid, in unserm Garten und
auf der Strae. Welche Riesenleistung ist das, wenn man sich das
vergegenwrtigt! Welcher Mensch knnte auch nur die Stellung der Mbel
einer einzigen Stube im Kopfe so sicher haben, da er im Dunkeln
nirgends daran stiee! Als wir spter die Wohnung im Hause wechselten
und eine Treppe hoch zogen, mute sich der Hund erst die neue Stellung
der Mbel merken. Aber das gelang ihm in berraschend kurzer Zeit.
Schwerlich htte ihm ein blinder Mensch das nachgemacht.

Wie wre es mglich, da man ein Pferd kauft und erst zu Hause merkt
da es blind ist. Ohne den Ortssinn der Pferde knnte es gar nicht den
Eindruck eines sehenden Geschpfes machen.

Bei Schwadronspferden ist oft festgestellt worden, da sie erblindet
waren, ohne da es einer von den Mannschaften oder den Vorgesetzten
gemerkt hatte. Wie wre es denkbar, da ein Mensch in einer Schule,
in einer Kaserne, in einer Fabrik erblindet, ohne da diese Blindheit
irgendwie von seinen Kameraden entdeckt wird.

Der Blinde bei uns sucht einen Fhrer, namentlich wenn er ein Stdter
ist. Ohne Frage haben wir Menschen frher ebenfalls den Ortssinn der
Sugetiere besessen. Auf dem Lande habe ich Blinde kennengelernt, die
sich allein auf schwierigen Wegen zurechtfanden. Ohne das Vorhandensein
eines Ortssinnes lt sich eine solche Leistung nicht verstehen.

Den Ortssinn knnen wir am besten beim Pferde beobachten, wenn es seine
regelmigen Fahrten macht. Es bleibt dann mit tdlicher Sicherheit vor
dem Hause, in dem der Kunde wohnt, stehen.

Auf dem Lande kennt man allgemein die Fhigkeit der Pferde, den
richtigen Platz wiederzufinden. Selbst in Berlin habe ich vor dem
Kriege einen solchen Fall mit dem Kutscher eines Bckermeisters erlebt
und vorhin (Kap. 70) erzhlt.

Das Pferd kann weder lesen noch kennt es die Hausnummern. Trotzdem irrt
es sich in den Husern nicht, gleichgltig, ob man die Nummern verdeckt
oder nicht.

Beim Hunde knnen wir den Ortssinn, wie bereits erwhnt wurde,
ebenfalls hufig beobachten. Wir Menschen mssen uns Mhe geben,
beispielsweise uns die Querstraen der Friedrichstrae zu merken. Man
sollte meinen, da ein Hund, der nicht lesen kann, sich allein hier
niemals zurechtfindet. Das Gegenteil ist der Fall. Wie der frher
erwhnte junge Hund von dem Michaelkirchplatz nach Pankow auf schnellem
Wege fand, so wurde mir auch von Bekannten versichert, da ihre Hunde,
die zum ersten Male mitgenommen waren, trotzdem die Querstraen nicht
verwechselten. Beispielsweise lie einer, der in der Zimmerstrae
wohnt, absichtlich seinen Hund in der Jgerstrae allein, um ihn beim
Rckwege von fern zu beobachten.

Hufig sehen sich zwei Nachbarhuser zum Verwechseln hnlich. Der
Mensch sieht dann genau hin, um zu prfen, ob es die richtige Nummer
ist. Bei einem Hunde wird man niemals hnliches beobachten.

Wie sollte sich ein Pferd in der endlosen Steppe ohne Kompa
zurechtfinden, wenn es nicht einen Ortssinn bese? Die Sonne kann ihm
nichts ntzen, da es als Nachttier auch in der Dunkelheit finden mu.

Eine wie groe Macht der Ortssinn auf das Tier ausbt, konnte man in
Amerika recht deutlich an den Prrie-Bisons oder Bffeln sehen. Seit
Jahrtausenden machten diese Tiere ihre Wanderungen auf gewissen ganz
bestimmten Wegen. Jetzt wurde durch die Ausdehnung der Bevlkerung
das Land, auf dem sich ein solcher Weg befand, urbar gemacht und mit
Getreide bestellt. Als die Wanderzeit herankam, erschienen die Bisons
und liefen mitten durch das Getreide genau an den Stellen, wo frher
ihre Wege gewesen waren.

Ohne den Ortssinn der Tiere wre es undenkbar, da man ihre Blindheit
nicht sofort merkt. Ebenso rhrt das Anstaunen des neuen Tores durch
eine Kuh von ihrem Ortssinn her, wobei noch hinzukommt, da ihr Gesicht
sehr schwach ist.


90. Weitere Vergleiche zwischen Rind und Pferd.

Das in der Nhe der Herde weidende Pferd gibt uns noch Gelegenheit,
einige weitere Vergleiche zwischen ihm und den Rindern anzustellen.

Zunchst sehen wir, da das Pferd einen schmalen Kopf hat im Vergleich
zum Rinde, das unser Schiller breitgestirnt nennt. Die Erklrung ist
folgende.

Ein schneller Renner mu einen schmalen Kopf haben, um die Luft schnell
zu durcheilen. Das Rind ist kein schneller Renner, wohl aber das Pferd.
Vorteilhaft ist es auch, wenn ein Renner kleine Ohren hat, wie z. B.
der Windhund sie besitzt. Aus dem gleichen Grunde trgt das Pferd
kleine Ohren.

Wir sehen ferner, da beide Tierarten ihre Nahrung vom Erdboden
aufnehmen. Da Pferde und Rinder eine ziemliche Gre besitzen, so ist
das nicht so einfach zu bewerkstelligen. Das Pferd mute zu diesem
Zwecke einen langen Hals und einen langgestreckten Kopf erhalten.

Auch das Rind hat zu diesem Zwecke einen langen Kopf. Sein Hals
brauchte nicht so lang wie beim Pferd auszufallen, da es etwas anders
gebaut ist.

Die Kuh mu einen gespaltenen Huf haben, weil das Rind seine
eigentliche Heimat in feuchten Wldern hat. Durch sein Gewicht sinkt
es etwas in den Boden ein und braucht schon aus diesem Grunde nicht
einen so langen Hals wie das Pferd. Denn dieses lebt auf der trockenen
Steppe, wo es niemals einsinkt.

Unsere Rinder gehen heute noch mit groem Vergngen in den Wald. Das
ist ein Beweis, da sie hier ihre eigentliche Heimat finden. Jeder
Zweifel wird dadurch ausgeschlossen, da verwilderte Rinder stets nach
Wldern flchten und sich dort aufhalten. Kein Haustier verwildert
vielleicht so rasch wie das Rind. Es kommt immer wieder vor, da sich
Rinder bei der Befrderung losreien und die Freiheit erringen, ehe sie
wieder ergriffen wurden.

Verwilderte Rinder fhren ganz das Leben wie unsere Hirsche. Sie
bleiben am Tage im Dickicht des Waldes verborgen und treten mit
Einbruch der Dmmerung aus, um sich ihre Nahrung zu suchen.

Weil das Rind auf dem schwankenden Boden des Sumpfes heimisch ist,
deshalb steht es gewhnlich kuhhessig, d. h. seine Sprunggelenke an
den Hinterfen sind auffallend genhert. Wir wissen, da das Rind im
Gegensatz zum Pferde ein wehrhafter Pflanzenfresser ist. Um dem Gegner
auf dem schwankenden Sumpfboden besser standzuhalten, ist bei dem Rinde
die Standflche etwas vergrert. Genau aus dem gleichen Grunde stellen
Leute, die schwere Lasten zu schieben haben wie z. B. die Bcker, ihre
Beine auseinander. Das Rind hat von Natur Kuhhessigkeit, der Mensch nur
ausnahmsweise Bckerbeine.

Bei dem Pferde, das sich in der Regel nicht verteidigt und auf dem
harten Boden der Steppe steht, ist Kuhhessigkeit nicht erforderlich und
deshalb ein Fehler.

Den langen Kopf brauchen Pferde und Rinder nicht nur deswegen, weil sie
ihre Nahrung vom Boden aufnehmen, sondern weil alle Tiere mit feiner
Nase, also alle Nasentiere, den Boden erreichen mssen. Denn der grte
Vorzug eines Nasentieres ist es, niemals seine Kameraden verlieren zu
knnen. Es braucht nur seine Nase auf die Erde zu setzen und ihnen
zu folgen. Augentiere knnen sich dagegen leicht verlieren. Menschen
geraten in die grte Bedrngnis, wenn sie in der Wildnis von ihren
Kameraden im Stich gelassen sind.

Je wichtiger ein Sinn ist, desto mehr wird er behtet, je unwichtiger
er ist, desto leichter geht er verloren. Weil bei Pferden und Rindern
der Geruch der feinste Sinn ist, deshalb wird es schwerlich ein
riechunfhiges Pferd oder Rind geben. Dagegen ist Blindheit nicht
selten, und namentlich ist Blindheit auf einem Auge ungemein hufig.
Dem Menschen ist das schon lngst aufgefallen, und es ist daraus die
Redensart entstanden: Auf einem Auge war die Kuh blind.

Weil der Geruch bei Pferden und Rindern sehr fein ist, deshalb ist ihre
Nase sehr empfindlich. In der Praxis hat man diese Eigentmlichkeit zu
folgenden Zwecken ausgentzt. Um Pferde zu operieren, wendet man die
Nasenbremse an, welche die Nstern zusammenquetscht. Dadurch werden so
wahnsinnige Schmerzen erregt, da die Pferde gegen andere Schmerzen
unempfindlich sind. Um den Stier zu lenken, zieht man ihm einen Ring
durch die Nase. Das Ziehen am Ringe hat wegen der Empfindlichkeit der
Nase groe Wirkung.


91. Geschichten vom Rind.

Bei dem schon erwhnten Schweizer Naturforscher finden wir eine
prchtige Schilderung des Rindviehs seiner Heimat. Folgende Stellen
davon sollen hier ihren Platz finden:

Den Rindviehherden auf den Alpen fehlt mitunter jede Stallung. Die
Khe treiben sich in den Revieren ihrer Alp umher und weiden das kurze
wrzige Gras ab, das weder hoch noch reichlich wchst. Fllt im Frh-
oder Sptjahr pltzlich Schnee, so sammeln sich die brllenden Herden
vor den Htten, wo sie kaum Obdach finden, wo ihnen der Senne oft nicht
einmal eine Hand voll Heu zu bieten hat. Hochtrchtige Khe mssen oft
weit entfernt von menschlichem Beistand kalben und bringen am Abend dem
erstaunten Sennen ein volles Euter und ein munteres Kalb vor die Htte;
nicht selten aber gehts auch schlimmer ab. In einigen Kantonen hat man
in neuester Zeit endlich die Erbauung ordentlicher Stlle durchgesetzt.
Das Leben der schnen, breitgestirnten, blanken Rinder auf den
freien Hhen darf man sich nicht allzu rosig denken.

Und doch ist auch dem schlechtgeschtzten Vieh die schne, ruhige
Zeit des Alpenaufenthaltes beraus lieb. Man bringe nur jene groe
Vorschelle, welche bei der Fahrt auf die Alp und bei der Rckkehr ihre
weithin tnende Stimme erschallen lt, im Frhling unter die Viehherde
im Tal, so erregt dies gleich die allgemeine Aufmerksamkeit. Die Khe
sammeln sich brllend in freudigen Sprngen und meinen, das Zeichen
der Alpfahrt zu vernehmen. Und wenn diese wirklich begonnen wird, wenn
die schnste Kuh mit der grten Glocke am bunten Band behangen und
wohl mit einem Straue zwischen den Hrnern geschmckt wird, wenn das
Saumro mit dem Ksekessel und Vorrten bepackt ist, die Melksthle
den Rindern zwischen den Hrnern sitzen, die saubern Sennen ihre
Alpenlieder anstimmen und der jauchzende Jodel durchs Tal schallt,
dann soll man den trefflichen Humor beobachten, in dem die gut-, oft
bermtigen Tiere sich in den Zug reihen und brllend den Bergen
zumarschieren. Im Tal zurckgehaltene Khe folgen oft unversehens
auf eigene Faust den Gefhrten auf entfernte Alpen. Freilich ist es
bei schnem Wetter auch fr eine Kuh gar herrlich hoch im Gebirge.
Das Frauenmntelchen, Mutterkraut, der Alpenwegerich bieten dem
schnobernden Tiere die trefflichste und wrzigste Nahrung. Die Sonne
brennt nicht so hei wie im Tale. Die lstigen Bremsen qulen das Rind
whrend des Mittagschlfchens nicht und leidet es vielleicht noch von
dem Ungeziefer, so sind die zwischen den Tieren ruhig herumlaufenden
Stare und gelben Bachstelzen stets bereit, ihnen die erforderlichen
Liebesdienste zu erweisen. Die gute, freie Luft schmeckt ihm auch
besser als der stinkende Qualm der dumpfigen Stlle, und die stete
Bewegung, die natrliche Dit, nach der es frit, wenn es eben Lust
hat und was ihm zusagt, der beliebige Verkehr mit den gehrnten
Kolleginnen, alles dies trgt dazu bei, das Vieh munter, frisch und
gesund zu erhalten, wie es denn berhaupt Tatsache ist, da die in
mancher Hinsicht so vorteilhafte Stallftterung den Grund von einer
Menge Krankheiten bildet, denen das Alpenvieh nicht anheimfllt. Ebenso
geht bei diesem der Proze der Fortpflanzung viel regelmiger und
naturgetreuer vor sich als bei jenem.

Man meint nicht mit Unrecht, das Vieh des Hochgebirges sei klger
und munterer als das des Tales. Das naturgeme Leben bildet den
natrlichen Instinkt besser aus. Das Tier, das fast ganz fr sich
sorgen mu, ist aufmerksamer, sorgfltiger, hat mehr Gedchtnis als das
stets verpflegte. Die Alpkuh wei jede Staude, jede Pftze, kennt genau
die besseren Graspltze, wei die Zeit des Melkens, kennt von fern die
Lockstimme des Hters und naht ihm zutraulich; sie wei, wann sie Salz
bekommt, wann sie zur Htte und zur Trnke mu. Sie sprt das Nahen des
Unwetters, unterscheidet genau die Pflanzen, die ihr nicht zusagen,
bewacht und beschtzt ihr Junges und meidet achtsam gefhrliche
Stellen. Letzteres aber geht bei aller Vorsicht doch nicht immer gut ab.

Sehr ausgebildet ist namentlich bei dem schweizerischen Alpenrindvieh
jener Ehrgeiz, der das Recht des Strkeren mit unerbittlicher Strenge
handhabt und danach eine Rangordnung aufstellt, der sich alle fgen.
Die *Heerkuh*, welche die groe Schelle trgt, ist nicht nur die
schnste, sondern auch die strkste der Herde und nimmt bei jedem
Umzug unfehlbar den ersten Platz ein, indem keine andere Kuh es wagt,
ihr voranzugehen. Ihr folgen die strksten Hupter, gleichsam die
Standespersonen der Herde. Wird ein neues Stck zugekauft, so hat es
unfehlbar mit jedem Gliede der Genossenschaft einen Hrnerkampf zu
bestehen und nach dessen Erfolgen seine Stelle im Zuge einzunehmen.
Bei gleicher Strke setzt es oft bse, hartnckige Zwiegefechte ab,
da die Tiere stundenlang nicht von der Stelle weichen. Die Heerkuh,
im Vollgefhl ihrer Vorherrschaft, leitet die weidende Herde, geht
zur Htte voran, und man hat oft bemerkt, da sie, wenn sie ihres
Ranges entsetzt und der Vorschelle beraubt wurde, in eine nicht zu
besnftigende Traurigkeit verfiel und ganz krank wurde.

So vertraut die Sennen mit ihrem Vieh sind und so gern eine jede Kuh
dem Namen, mit dem sie gerufen wird, folgt, so gibt es doch auch fast
in jedem Sommer Stunden der vollen Anarchie, in der alle Ordnung in
der Herde reit und der Senne sie fast nicht mehr zu halten wei. Wir
meinen die Stunden der nchtlichen Hochgewitter, die den Alpenbewohnern
wahre Not- und Schreckensstunden sind. Jetzt springen die halbnackten
Sennen, die Milcheimer ber die Kpfe gestrzt, unter die zerstubende
Schar, johlend, fluchend, lockend und die heilige Mutter anrufend. Aber
das tolle Vieh hrt und sieht nichts mehr. In schauerlichen Tnen, halb
sthnend, halb brllend, rennt es blind mit vorgestrecktem Kopfe, den
Schwanz in den Lften, geradeaus. Das ist eine Stunde des Schreckens
und Unheils. Die Sennen wissen sich nicht zu helfen; bald schwarze
Nacht, bald blendendes Feuer; der Hagel klappert auf dem Eimer und
zwickt die nackten Arme und Beine mit scharfen Hieben, whrend alle
Elemente im greulichen Aufruhr sind.

Bei jeder greren Alpenviehherde befindet sich ein Zuchtstier.
Er bewacht sein Vorrecht mit sultanischer Ausschlielichkeit und
ausgesprochenster Unduldsamkeit. Es ist selbst fr den Sennen
nicht ratsam, vor seinen Augen eine rindernde Kuh von der Sennte
zu entfernen. In den fter besuchten tieferen Weiden drfen nur
zahme und gutartige Stiere gehalten werden; in den hheren Alpen
trifft man aber oft sehr wilde und gefhrliche Tiere. Da stehen sie
mit ihrem gedrungenen, markigen Krperbau, ihrem breiten Kopf mit
krausem Stirnhaar, am Wege und messen alles fremdartige mit stolzen,
jhzornigen Blicken. Besucht ein Fremder, namentlich in Begleitung
eines Hundes, die Alp, so bemerkt ihn der Herdenstier schon von weitem
und kommt langsam, mit dumpfem Gebrlle heran. Er beobachtet den
Menschen mit Mitrauen und Zeichen groen Unbehagens, und reizt ihn an
der Erscheinung desselben zufllig etwas, vielleicht ein rotes Tuch
oder ein Stock, so rennt er geradeaus mit tiefgehaltenem Kopfe, den
Schwanz in die Hhe geworfen, in Zwischenrumen, wobei er fter mit
den Hrnern Erde aufwirft und dumpf brllt, auf den vermeintlichen
Feind los. Fr diesen ist es nun hohe Zeit, sich zur Htte, hinter
Bume oder Mauern zu retten; denn das gereizte Tier verfolgt ihn mit
der hartnckigsten Leidenschaftlichkeit und bewacht den Ort, wo es den
Gegner vermutet, oft stundenlang. Es wre in diesem Falle tricht, sich
verteidigen zu wollen. Mit Stoen und Schlagen ist wenig auszurichten,
und das Tier lt sich eher in Stcke hauen, ehe es sich vom Kampfe
zurckzge. Selbst unter den Sennen gibt es nur sehr selten Mnner,
die sich einem solchen Angriffe stellen; nur einmal sahen wir, wie ein
Aelpler mit bewundernswerter Kaltbltigkeit einen angreifenden Stier
mit der rechten Hand bei einem Horn packte, mit der Linken ihm ins Maul
fuhr und die Zunge ergriff, dann diese rasch umdrehte und so den Stier
mit herkulischer Kraft herumri und auf den Boden warf. Spter wagte
sich das gebndigte Tier nie mehr an einen Menschen. Schlimmer erging
es bei einem solchen Stierkampfe dem Wirte auf dem Ofnerpa (Engadin),
Simi Gruber, einem Manne von athletischer Gestalt und groer, auf
Bren- und Gemsenjagden oft bewhrter Kraft. Er smmerte auf seinen
Bergweiden eine Herde Stiere, von denen er einen als einen stechenden
Stier kannte und dem er immer sorgsam auswich. Eines Tages wollte
er eine Kuh zu den Tieren fhren, sah sich aber pltzlich seitwrts
von einem Tiere, das er bisher immer fr gutartig gehalten hatte,
mit den Hrnern gepackt und auf die Erde gestoen. Hier fate er den
schnaubenden Stier so rasch als mglich mit der einen Hand beim Ohr,
mit der anderen an der Nase und warf ihn mit einem krftigen Ruck
nieder. Kaum aber war er wieder auf den Fen, als auch das wtende
Tier wieder aufsprang und ihn zum zweiten Male auf den Boden stie.
In gleicher Weise ri Gruber auch diesmal seinen Feind neben sich
nieder und hielt ihn mit Macht so lange auf dem Boden, bis er sich
gefat hatte, mit raschen Sprngen sein Bergwirtshaus zu erreichen.
Der gebndigte Stier stand auf, kam dumpf brllend bis an die Tr und
wollte nicht weichen. Da nun gerade eine fremde Familie abzureisen
beabsichtigte, wollte der Wirt Platz machen, griff zu einem tchtigen
Sparren und trat vor das Haus, um mit einem gewaltigen Hiebe dem Stier
ein Horn abzuschlagen. Allein der Stier wich mit einer Seitenbewegung
aus, rannte den Mann zum dritten Male nieder, stie ihn wtend auf der
Erde und warf den bewutlos Gewordenen mit den Hrnern wie einen Ball
hinter sich. Dann ging er eine Strecke weiter, blieb wieder stehen,
kehrte zu seinem berwundenen Gegner zurck, beroch ihn wiederholt und
kehrte nun erst, nachdem er kein Leben mehr in dem Manne gewahrt hatte,
auf die Weide zurck. Gruber wurde fr tot aufgehoben; als er zum
Bewutsein gebracht worden, zeigte sich's, da er bei dem Stierkampfe
ein Bein gebrochen und mehrere schwere Verletzungen erhalten hatte.
Die Bergkhe, die nur ausnahmsweise einen Menschen angreifen werden,
zeigen oft heftigen Widerwillen gegen fremde Hunde und vereinigen sich
oft zum erbitterten Kampfe, wobei der Gegner es stets vorzieht, mit
eingeklemmtem Schwanze das Weite zu suchen.

Die festlichste Zeit fr das Alpenrindvieh ist ohne Zweifel der Tag
der Alpfahrt, die gewhnlich im Mai stattfindet, ein Tag, der auch im
Leben des Aelplers von Bedeutung ist. Jede der ins Gebirge ziehenden
Herden hat ihr Gelut. Die stattlichsten Khe erhalten, wie bemerkt,
die ungeheuren Schellen, die oft ber einen Fu im Durchmesser halten
und 40 bis 50 Gulden kosten. Es sind Prunkstcke des Sennen; mit drei
oder vier solchen, in harmonischem Verhltnis zueinander stehenden,
lutet er von Dorf zu Dorf seine Abfahrt ein. Zwischenhinein tnen die
kleineren Erzglocken. Voraus geht ein Handbub mit sauberm Hemde und
kurzen gelben Beinkleidern; ihm folgen die Khe mit dem Herdenstier
in bunter Reihe, dann oft etliche Klber und Ziegen. Den Beschlu
macht der Senn mit dem Saumpferde, das die Milchgertschaften,
Bettzeug u. dgl. trgt, und mit buntem Wachstuche bedeckt ist. An
diesem Tage besonders ertnt der Kuhreigen, den jeder Alpendistrikt in
eigentmlicher Weise besitzt. Es ist dies jener hchst eigentmliche
jauchzende Gesang, dessen ltester Text sich nur noch in einzelnen
Versen vorfindet, whrend seine Melodie in stundenlangen Trillern,
Jodeln, bald hpfenden, bald gedehnten Tnen besteht. Etwas anderes
ist der einfache Jodel, der keine Worte hat, sondern blo in schnell
wechselnden, oft in der Tiefe anhaltenden und rasch in die Hhe
steigenden, seltsamen, melodischen Tonverbindungen besteht, mit denen
der Hirte die Khe herbeilockt, seine Kameraden begrt und dessen
er sich berhaupt als Fernsprache im Gebirge bedient. Trauriger als
die Alpfahrt ist fr Vieh und Hirt die Talfahrt, die in hnlicher
Ordnung vor sich geht. Gewhnlich ist sie das Zeichen der Auflsung des
familienartigen Herdenverbandes.


92. Welches sind die Feinde des Rindes?

In Europa haben die groen Pflanzenfresser ihre Feinde in den Bren und
Wlfen. Der Luchs berfllt nur junge Tiere. In den heien Lndern
sind, wie schon erwhnt, die groen Katzenarten, also namentlich Lwe
und Tiger, die gefhrlichsten Feinde der Rinder.

Das Benehmen der Schweizer Rinder, falls sie von einem Bren
angegriffen werden, schildert unser Gewhrsmann folgendermaen:

Gegenber den Angriffen der reienden Tiere, besonders denen der in den
sdlichen Alpen noch immer allzu hufigen Bren, beweist das Rindvieh
des Gebirges feinen Instinkt und festen Mut. Schleicht sich so in
der Stille auf leisen, breiten Tatzen ein Br heran, so wittern bei
ruhigem Wetter die Khe schon von weitem den Mrder, brllen heftig,
eilen gegen die Htten oder rasseln, wenn sie angebunden sind, so
laut und anhaltend mit ihren Ketten, da die Sennen auf die Gefahr
aufmerksam werden. Immer sucht das Raubtier von hinten anzukommen, da
auch das halberwachsene Rind im Notfall auf die Kraft seiner Hrner
vertraut. Ist es dem Bren aber gelungen, eine Kuh niederzureien und
zu zerfleischen, so sammeln sich die versprengten Khe sonderbarerweise
ziemlich rasch wieder dicht um den Ruber, schauen mit gesenkten
Hrnern, heftig schnaubend und von Zeit zu Zeit dumpf aufbrllend dem
Frae zu, als ob sie Lust htten, ohne alle Scheu den Feind anzufallen.
Nach der Aussage zuverlssiger Leute soll in diesem Falle der Br
sich nicht allzulange beim Mahle aufhalten, und es soll nie geschehen
sein, da er sich an eine zweite Kuh gewagt htte. Bei anhaltendem
Regen und dichtem Nebel wittert aber das Rindvieh die Raubtiere gar
nicht, und es sind Beispiele bekannt, wo Bren dicht beim Vieh und
den Htten herumlauerten, ja selbst ein Rind angriffen, verzehrten
oder forttrugen, ohne da die brige Herde etwas davon merkte oder
irgendwelche Bewegung kundgab.

Das tolle Benehmen der Schweizer Khe bei schweren Gewittern, das
vorhin geschildert wurde, drfte folgenden Grund haben. Wildrinder
merken das Herannahen eines solchen Ungewitters rechtzeitig vorher und
suchen geschtzte Stellen auf. Die Schweizer Khe sind als Haustiere an
einem solchen Verfahren durch den Menschen gehindert. Deshalb geraten
sie beim Ausbruch des Gewitters gewissermaen in Verzweiflung.

Der Anspruch der Heerkuh auf den ersten Platz ist ausfhrlich
geschildert worden. Wir sehen daraus, da unser Dichter Schiller recht
hat, wenn er im Tell sagt:

  Das wei sie auch, da sie den Reihen fhrt,
  Und nhm ich ihr's (das Band), sie hrte auf zu fressen.

Uebrigens hat mir ein Bekannter, der zehn Jahre unter den Rinderherden
in Sdamerika lebte, genau das gleiche von dem ausgesprochenen Sinn der
Rinder fr eine Rangordnung erzhlt.


93. Wie hoch ist der Milchertrag einer Durchschnittskuh?

Unsere Herde wird jetzt nach Hause getrieben, um gemolken zu werden.

Wildrinder haben nur Milch fr ein oder zwei Klber. Der Milchreichtum
unserer Khe ist erst knstlich vom Menschen angezchtet worden. Ohne
fortwhrendes Melken wrde die Milcherzeugung wieder zurckgehen.

Die Tragezeit der Kuh betrgt etwa 9 Monate. Nach dem Kalben ist
naturgem die Erzeugung der Milch sehr hoch. Etwa 300 Tage oder 10
Monate lang dauert die Laktation oder Milcherzeugung. Gute Khe liefern
whrend dieser Zeit den Tag bis zu 10 Liter, manche ausnahmsweise
bedeutend mehr. Dann steht die Kuh gewhnlich 6 Wochen trocken. Es gibt
aber ausgezeichnete Khe, die auch whrend dieser Zeit Milch liefern.

Der Milchertrag ist also auerordentlich verschieden. Es kommt aber
nicht blo auf den Milchertrag, sondern auch auf den Fettgehalt der
Milch an.

Selbstverstndlich wird jeder Landwirt suchen, Khe zu halten, die
recht viel und recht fettreiche Milch liefern. Berhmt wegen ihres
Milchreichtums sind Hollnder und Oldenburger Khe. Doch ist ihre
Milch nicht so fettreich und liefert nicht soviel Butter und Kse
wie die Milch der Schwyzer, Allguer und anderer Hhenkhe. Auf die
Verschiedenheit von Gebirgs- und Niederungsgrsern ist schon frher
aufmerksam gemacht worden.

Bei den praktischen Englndern und Amerikanern, ebenso bei den
Schweizern melken Mnner, nicht Frauen. Es ist das wahrscheinlich kein
Zufall. Bei uns in Deutschland herrscht vielfach die Ansicht, da es
eines Mannes unwrdig ist zu melken. Sonst ist das Ausland fr uns
magebend, aber in diesem Falle, wo es von Vorteil fr uns sein drfte,
leider nicht.


94. Warum ist das Rind ein Wiederkuer, das Pferd nicht?

Es ist gewi auffallend, da zwei groe Pflanzenfresser in dem Punkte
grundverschieden sind, da die Rinder ihre Nahrung wiederkuen, das
Pferd aber nicht.

Der Magen der Wiederkuer zerfllt in vier Abteilungen, nmlich den
Pansen oder Wanst, den Netzmagen oder die Haube, den Blttermagen oder
den Psalter und den Labmagen. Zunchst gelangt das Futter in den Pansen
und von dort in den Netzmagen. Im Netzmagen wird das Futter erweicht
und durch eine Art von Erbrechen in das Maul zurckgeschafft. Im
Maule wird es nun grndlich gekaut und geht von hier aus jetzt in den
Blttermagen und dann in den Labmagen. Auer den Rindern sind Ziegen
und Schafe Wiederkuer.

Viele nehmen an, da das Wiederkuen den Tieren in folgender Weise von
Vorteil ist: Hirsche beispielsweise, die ebenfalls Wiederkuer sind,
mten lange auf der Lichtung fressen, ehe sie alles Futter, das sie
brauchen, gekaut haben. Deshalb ist es fr sie vorteilhafter, schnell
Futter hineinzuschlingen und in Ruhe im Dickicht oder im Walde, wohin
sie zurckgeflchtet sind, zu wiederkuen.

Unsere Hirsche fressen aber nicht in dieser Weise. Sie treten abends
aus dem Walde und bleiben whrend der Dunkelheit auf den Feldern.
Mit Tagesanbruch gehen sie in den Wald zurck. Ist es am Morgen sehr
neblig, so bleiben sie drauen. Der Jger sagt dann: Heute kneipen
die Hirsche durch. Die Hirsche wissen, da sie in der Dunkelheit und
im Nebel geschtzt sind, weil kein Jger dann auf sie schieen kann.

Das Wiederkuen drfte vielmehr den Zweck haben, groe, umfangreiche
Futtermengen, die nur geringen Nahrungswert haben, fr die tierische
Nahrung verwendbar zu machen.

Solche Futtermengen findet das Pferd in seiner Heimat, der Steppe,
nicht. Deshalb konnte es kein Wiederkuer werden. Auch wre ein groer
Magen fr das Pferd als Renner nicht vorteilhaft gewesen.

Jetzt verstehen wir auch, weshalb die Wiederkuer oben keine
Schneidezhne haben. Mit oberen Schneidezhnen ausgerstet, wrden sie
in der Freiheit vielleicht lieber Krner als Massen von Pflanzen und
Blttern fressen. Ohne Schneidezhne sind sie aber nicht imstande,
ganze Krner gut zu verdauen, whrend das Pferd mit seinen scharfen
Zhnen es vortrefflich kann.

Wir mssen also unseren Khen Krner geschrotet verabreichen, weil sie
sonst regelmig unverdaut abgehen.

Alle Wiederkuer haben eine ausgesprochene Vorliebe fr Salz. Vielfach
ist es blich, das neugeborene Klbchen mit Salz abzureiben, damit es
von der Mutter abgeleckt wird.


95. Die geistigen Gaben der Rinder.

Trotz der sprichwrtlichen Dummheit des Rindviehs ist es damit nicht
so schlimm bestellt. Bei der Kuh vorm neuen Tor haben wir das bereits
hervorgehoben. Auch hier trgt der Schein. Das Rind ist sich seiner
Strke bewut und bleibt daher seelenruhig, was wir als Stumpfheit
auslegen.

Beim Hunde wurde die Geschichte erzhlt, wie ein Bulle in tiefes
Wasser flchtete, um vor einem Nasenbi sicher zu sein. Kann es ein
zweckmigeres Verfahren geben?

Im Harz tragen die Rinderherden oft Glocken, die genau abgestimmt
sind. Allgemein wird behauptet, da die Khe die Glocken ihrer Herde
von denen anderer unterscheiden und sich, wenn sie sich verirrt haben,
danach richten.


96. Die Rassen der Rinder.

Ueber die Stammeltern unserer heutigen Rinder ist man sich noch nicht
einig. In Europa lebten frher zwei Wildrinder, und zwar der Auerochs
und der Wisent. Der Auerochs hatte lange Hrner und keine Mhne,
whrend der Wisent eine Mhne, aber kleine Hrner besitzt. Der Wisent
lebt heute noch in Zoologischen Grten und an vereinzelten Stellen,
whrend der Auerochs gnzlich ausgerottet ist. Es ist daher unrichtig,
den noch heute lebenden Wisent als Auerochs zu bezeichnen.

Wahrscheinlich ist der Auerochs in unseren heutigen Rindviehrassen
aufgegangen.

Man unterscheidet folgende Rassen: 1. Steppenrassen, 2.
Niederungsrassen, 3. einfarbige Gebirgsrassen, 4. bunte Gebirgsrassen,
5. Landrassen, 6. englische Rassen, 7. franzsische Rassen.

Die Steppenrassen mit ihren langen Hrnern sind jedenfalls erst
allmhlich in der Steppe heimisch geworden. Denn nach dem Bau seiner
Fe ist das Rind, wie wir schon erwhnten, ein Geschpf der Niederung,
und zwar der bewaldeten Niederung.

Im Gegensatz zum Pferde gehrt das Rind zu den paarzehigen Huftieren
aus der Familie der Horntiere.

Der Stier oder Bulle heit auch Farren, whrend Frse oder Strke die
Kuh ist, die noch nicht gekalbt hat.

Das Rind ist etwas frher reif als das Pferd. Der Stier wird mit 1
Jahren, die Kuh mit 2 Jahren zur Zucht benutzt. Dementsprechend ist
auch ihr Alter etwas niedriger als das des Pferdes.


97. Krankheiten der Rinder.

Bereits die Stallhaltung unserer Haustiere ist etwas Unnatrliches.
Kommt nun noch die knstliche Anzchtung der Milcherzeugung hinzu, so
drfen wir uns nicht wundern, da wir diesen groen Vorzug mit manchen
Krankheiten bezahlen mssen. Rinderpest, Maul- und Klauenseuche und
Tuberkulose seien an dieser Stelle genannt. Das Aufblhen wurde bereits
erwhnt.

Manchmal fhren ganz unbedeutende Dinge den Tod einer Kuh herbei.
Frher trugen die Mgde keine Kmme im Haar, wie das jetzt der Fall
ist. Diese Kmme fallen leicht in das Futter und werden von den
Khen verschlungen. Als Folge davon knnen Magenverletzungen und
Notschlachtungen eintreten. So verliert der Landwirt ein schnes Stck
Vieh, das heute ein Vermgen wert ist.


98. Das Rind in Redensarten und Sprichwrtern.

Es wurde bereits erwhnt, da *Rindvieh* oder *Ochse* zur
Bezeichnung eines dummen Menschen dient. Ebenso wurden schon die
Redensarten angefhrt: *Auf einem Auge war die Kuh blind* und: *Er
steht da, wie die Kuh vorm neuen Tor*. Unter

               *ochsen*

versteht man andauernd arbeiten oder bffeln.

               *Ochsengang*

ist der sachte, gemessene Schritt des Ochsen.

    *Den Stier bei den Hrnern packen*

bedeutet, da man einer Gefahr tollkhn entgegengeht, indem man einen
mchtigen Gegner bei seinen eigenen Waffen anpackt. Wenn das einen Sinn
haben soll, mu man selbst ber groe Krfte verfgen.

[Illustration: Auf der Alm]

[Illustration: Khe im Wasser]

[Illustration: Zugochsen]



Das Schwein


99. Wodurch unterscheidet sich das Hausschwein vom Wildschwein?

Um unser Hausschwein richtig zu verstehen, wollen wir uns zunchst
das Wildschwein in unserm weltberhmten Berliner Zoologischen Garten
ansehen.

Vorher sei bemerkt, da unsere heimischen Schweinerassen nicht allein
vom europischen Wildschwein abstammen.

Wenig angenehm fllt uns zunchst in dem Teile des Zoologischen
Gartens, der fr die Schweine bestimmt ist, der Geruch dieser Tiere
auf. Aber das wird auf Gegenseitigkeit beruhen. Alle freien Tiere
flchten, sobald sie den Menschen gewittert haben. Folglich mu ihnen
unsere Ausdnstung auch nicht behagen.

Hiervon abgesehen mssen wir staunen, wie reich gerade der Tierbestand
an Wildschweinen in unserem Zoologischen Garten ist, obwohl gerade der
Weltkrieg bei ihm groe Lcken verursacht hat. Auer einer Wildsau
mit Ferkeln sind noch drei Keiler, d. h. drei mnnliche europische
Wildschweine vorhanden. Obwohl es bereits Anfang Juni ist, hat erst ein
Keiler sein Winterhaar verloren.

Vergleichen wir einen der Keiler im Winterhaar mit unserem Hausschwein,
so fllt uns zunchst seine Behaarung auf, sodann die mchtigen
Eckzhne, die sogenannten Gewehre. Schlielich wre noch erwhnenswert,
da sein Kopf lnger als der des Hausschweins ist, da er berhaupt
nicht so fett, dafr aber strker, hher und ungemtlicher ist als
unser Hausschwein.

In frheren Zeiten war das Wildschwein eine der hufigsten Wildarten
unserer Heimat. Da es jedoch dem Ackerbau sehr schdlich ist, so
besitzt es keine Schonzeit und ist an vielen Stellen bereits vollkommen
ausgerottet worden.

Wenn wir uns die kleinen Augen des Wildschweins ansehen und dabei
beobachten, da sein groer Rssel unter fortwhrendem Geschnffel in
Ttigkeit ist, so knnen wir keinen Augenblick daran zweifeln, da das
Wildschwein ein Nasentier ist. In der Tat ist es ein ausgesprochenes
Nasentier wie Elefant, Tapir, Maulwurf und andere Tiere, die sich durch
ein bewegliches Riechorgan und ein nichtssagendes Auge auszeichnen.


100. Warum ist der Kopf des Schweines kegelfrmig?

Mit dem Maulwurf hat das Wildschwein nicht nur das schwache Sehvermgen
gemeinsam. An den Maulwurf erinnert auch der ganze Kopf des
Wildschweins. Und so verschieden die Gre der beiden Geschpfe auch
ist, so haben sie doch in ihrer Lebensweise etwas Uebereinstimmendes.

Der Maulwurf lebt unter der Erde, indem er auf Regenwrmer und andere
Insekten Jagd macht. Zu diesem Zwecke mu er, um sich schnell durch
die Erde durchzubohren, einen kegelfrmigen Kopf besitzen. Auch das
Wildschwein frit gern Regenwrmer und andere Insekten des Erdbodens,
dann aber vor allen Dingen pflanzenartige Stoffe, die im Erdboden
stecken, also Wurzeln, Kartoffeln und dergleichen. Das Wildschwein mu
also einen Whlkopf haben. Wo es etwas gewittert hat, bricht es mit
seinem Rssel die Erde auf, um zu dem durch den Geruch wahrgenommenen
Gegenstande zu gelangen.

Der maulwurfartige Kopf kommt dem Wildschwein aber auch noch zustatten,
wenn es schnell in Gebsche flchtet. Wie der Maulwurf schnell die Erde
durchschneidet, so kann das Wildschwein schnell durch Gebsche laufen.
Hierbei ist es fr das Wildschwein sehr von Vorteil, da seine kleinen
Augen seitlich stehen. Schon Wlfe oder Hunde knnen dem Wildschwein
nicht so schnell in die Gebsche folgen, weil ihre Kpfe viel weniger
dazu geeignet sind, auch ihre Augen mehr nach vorn stehen. Zweige und
Bltter werden ihnen also viel leichter in die Augen geschleudert als
dem Wildschweine.


101. Warum nennt man einen Menschen mit kleinen Augen schweinsugig?

Unser Wildschwein hat wohl kleine, aber eigentlich keine blden Augen.
Dagegen fallen bei den in der Nhe stehenden Hausschweinen die kleinen,
blden Augen sehr auf. Es ist also kein Wunder, da man von einem
Menschen, der kleine Augen hat, sagt, er habe Schweineaugen.

Schon uerlich ist erkennbar, da das Auge bei den Schweinen wenig
leistet. Jeder Jger kann das auch von den Wildschweinen besttigen.

Die Schwche der Augen wird bei den Schweinen durch die Leistungen der
Nase ausgeglichen. Von der Feinheit ihres Geruchsvermgens knnen wir
uns kaum eine Vorstellung machen. Ein Forstbeamter zeigte mir einmal
folgenden Fall, da er wute, da ich fr solche Dinge groes Interesse
habe. Er hatte Kiefern angepflanzt und den Platz von der Gre eines
Morgens mit einem Bretterzaun umgeben. In der Mitte des Platzes war
eine kleine Stelle freigeblieben. Hier hatte sich mein Bekannter ein
paar Kartoffeln gesteckt. Nun war an den Fhrten deutlich zu erkennen,
da ein Wildschwein drauen am Zaun entlang gelaufen war. Hierbei mu
es die Kartoffeln gewittert haben, denn es war pltzlich an einer
Stelle durch den Zaun gekrochen. Das war ihm dadurch gelungen, da es
eine vorhandene Lcke vergrert hatte. Auf mindestens 50 Schritte
hatte es also die in der Erde verborgenen Kartoffeln gewittert.

Der Landwirt zweifelt an der unglaublichen Feinheit des Geruchssinns
der Wildschweine keinen Augenblick. Denn er hat auf seinen Aeckern oft
Gelegenheit, sich in hchst unerfreulicher Weise davon zu berzeugen.
Sehr hufig kommt es beispielsweise vor, da ein mit Kartoffeln
bestellter Acker im nchsten Jahre Getreide trgt. Eines Tages sieht
man im Getreide die Fhrten eines Wildschweins, das im Boden gewhlt
und schweren Schaden angerichtet hat. Was hat den berall verfolgten
Schwarzkittel zu dieser landwirtschaftsfeindlichen Handlung veranlat?
Htten die Leute beim Ausbuddeln mit Sorgfalt alle Kartoffeln
gesammelt, so wre der Schaden im Getreide nicht geschehen. So hat
das Wildschwein die in der Erde verborgenen Kartoffeln gewittert. Da
es Kartoffeln sehr liebt, so hat es sie herausgewhlt ohne Rcksicht
darauf, da es dabei groe Stellen Getreide zusammentrampelte oder
sonst vernichtete.

Wie alle wildlebenden Tiere hat das Wildschwein aufrechtstehende Ohren,
whrend unser Hausschwein, weil es die Ohren nicht mehr anzustrengen
braucht, Hngeohren besitzt.


102. Warum liegt unser Hausschwein gern in einer Pftze und auf dem
Miste?

Der Freundlichkeit eines Landmannes verdanken wir es, da wir einen
Einblick in sein Gehft und seinen Schweinestall werfen drfen. Eines
seiner Schweine liegt in einer Pftze, whrend ein anderes sich auf
dem Miste herumtreibt. Nachher legt es sich in die Sonne und macht ein
hchst zufriedenes Gesicht. Da es eine Sau ist, so trifft hier die
Bezeichnung sauwohl vollkommen zu.

Die Vorliebe des Schweines fr den Mist darf nicht mit dem Mastabe
des Menschen gemessen werden. Wie der Hund, so ist das Wildschwein von
Hause aus ein Aasfresser. Auf dem Misthaufen findet es also vieles, was
ihm naturgem und sehr bekmmlich ist.

Alle Nachttiere lieben, wie wir wissen, die Bestrahlung durch die
Sonne. Das Wildschwein ist ein ausgesprochen nchtliches Tier.

Dem viel strkeren Schwein, das in der Pftze liegt, ist es dagegen
schon zu warm. Um das Wlzen in der Pftze zu verstehen, mssen wir uns
folgendes vergegenwrtigen.

Als wir im Zoologischen Garten waren, hatten sich die Wildschweine eine
Art Grube gemacht, in der sie behaglich ruhten. Wer die Lebensweise
des Wildschweins kennt, konnte keinen Augenblick im Zweifel darber
sein, was sie mit diesem Liegen in der Bucht bezweckten. Es war damals
auch warm, und an warmen Tagen sehnt sich das Wildschwein nach seiner
geliebten Suhle. Darunter versteht man ein mit Wasser, Moor, Schlamm u.
dgl. ausgeflltes Loch. Solche sucht das Wildschwein gern auf, um sich
darin zu wlzen. Einmal erzielt das Wildschwein dadurch eine Abkhlung,
sodann aber bleibt der Schlamm auf seiner Haut sitzen. Nachdem er
trocken geworden ist, bietet er ein gutes Abwehrmittel gegen Insekten.


103. Welches sind die Vorzge unseres Hausschweins?

Wie ungeheuer ntzlich das Hausschwein ist, haben wir alle am eigenen
Leibe schmerzlich erfahren. Worin bestehen die groen Vorzge des
Hausschweins?

Erstens kann es mit verhltnismig geringem Futter aufgezogen, dann
schnell fettgemacht werden. Es liefert vortreffliches Fleisch und
fetten Speck, der durch Salzen und Ruchern leicht aufzubewahren ist.

Zweitens hat es nicht nur ein Junges wie das Pferd oder manchmal
Zwillinge wie die Kuh, sondern die Sau hat 10, ja 20 Ferkel. Die
Vermehrung ist also im Vergleich zu den anderen nutzbringenden
Haussugetieren ungeheuer gro.

Ich habe oft in frheren Zeiten bei kleinen Leuten gewohnt und mich
darber gefreut, wie gut die Schweine bei ihnen gediehen. Sie kauften
gewhnlich im Frhjahr ein paar Ferkel, weil sie damals noch zu dieser
Zeit viel Kartoffeln und Ueberflu an Milch hatten. Den Sommer ber
wurden die Tiere mit allerlei Grnzeug, namentlich mit dem Unkraut
und den Abfllen der Mahlzeiten gefttert. Im Oktober war dann die
Kartoffelernte, so da man reichlich mit Kartoffeln fttern konnte,
ebenso im November. Im Dezember wurde Gerstenschrot gefttert und um
Weihnachten herum gewhnlich geschlachtet. Was fr Prachtstcke hatten
die Leute manchmal herangefttert! Wurde man zum Schweineschlachten
eingeladen, was in frheren Zeiten etwas Selbstverstndliches war,
so konnte man trotz des ursprnglichen Riesenhungers seine Portion
Wellfleisch und warme Wurst kaum bezwingen.


104. Warum gedeihen die Schweine bei kleinen Leuten so gut?

Die vorhin geschilderte Art und Weise, wie der kleine Mann seine
Schweine behandelt, hat sehr gnstige Erfolge. Sie drften in folgenden
Dingen ihren Grund haben.

Je mehr Tiere zusammenstehen, desto gefhrlicher werden die
Ausscheidungen. Bei den zwei Schweinen, die ich gewhnlich im Stalle
angetroffen habe, war es in dieser Hinsicht nicht so schlimm.

Die einfachen Leute auf dem Lande haben den ganz richtigen Grundsatz:
Das Tier wei besser, was ihm guttut, als der Mensch. Der Mensch soll
sich nach dem Tiere richten, aber nicht das Tier belehren wollen.

Selbstverstndlich berfressen sich Haustiere in ihrer Gier, ebenso
nehmen sie ohne Wahl, was man ihnen in den Futterkbel wirft. Da diese
Eigentmlichkeit ganz bekannt ist, so nimmt man darauf Rcksicht.

Im brigen pat man darauf auf, was das Tier beim Fressen bevorzugt. So
gelangt man zu einer naturgemen Ftterung. Man bringt den Schweinen
junge Disteln und Brennesseln, ebenso Schnecken und andere tierische
Nahrung. Denn das Wildschwein ist ein halbes Raubtier, das tierische
Stoffe braucht. Diese Abwechselung trgt zum Wohlbefinden der Schweine
sehr bei.

Durch das Grnfutter im Sommer bleiben die Schweine mager. Auch das
Wildschwein setzt erst gegen den Herbst zu Speck an. So bleiben die
Schweine gesund und werden selten von den in unsern Schweinestllen
fortwhrend herrschenden Seuchen ergriffen.

Ein groer Vorteil ist es, da das Schlachten bei Eintritt der kalten
Jahreszeit stattfindet. Denn dadurch ist die Mglichkeit gegeben,
Schinken und Speck recht lange aufzubewahren.


105. Wie soll der Schweinestall beschaffen sein?

An sich ist die Stallhaltung unnatrlich und deshalb ungesund.
Zuchttiere, d. h. Tiere, von denen man Nachkommenschaft ziehen will,
drfen auch nicht dauernd im Stalle stehen, wenn man Freude an seiner
Zucht haben will. Bei Tieren jedoch, die geschlachtet werden sollen,
brauchen die gesundheitlichen Grundstze nicht so streng beobachtet zu
werden.

Gerade das Schwein stellt groe Anforderungen an den Stall. Das soll
nicht heien, da es Luxusbauten wnscht, -- im Gegenteil. Wenn ein
Schwein im Winter sich in den warmen Dngerhaufen einschieben kann,
dann ist ihm hchst wohl zumute. Und diese Art Stallung kostet gar
nichts. Im Sommer dagegen soll der Stall khl sein.

Das ist nur aus der Lebensweise des Wildschweins zu erklren. Im Sommer
sucht es, wie wir wissen, eine khle Suhle auf. Im Winter dagegen liegt
es in einem warmen Kessel. Das Schwein will also vor allen Dingen im
Winter einen warmen Fuboden. Es ist ein Warmfler im Gegensatz zum
Pferde, das als Steppentier ohne Schaden bei groer Klte auf kaltem
Fuboden stehen kann.

Weil es nun nicht immer leicht ist, einen Schweinestall mit warmem
Boden herzustellen, so entgeht der einfache Mann durch Schlachtung
seiner Schweine zu Beginn der eigentlichen Winterszeit allen weiteren
Sorgen.

Im Luxusbau sind gewhnlich kalte Fubden, schlechte Luft, obendrein
Zugluft und der feuchte Niederschlag von den Ausdnstungen. Es ist
daher kein Wunder, da Seuchen unter den Schweinen gar kein Ende nehmen.

Zum Wohlbefinden der Schweine gehren auch Pfhle, an denen sich das
Schwein reiben kann. Denn das Wildschwein fhlt sich ganz besonders
wohl, wenn es sich an Baumstmmen gehrig reiben kann. Solche Pfhle
fehlen bei Luxusbauten, whrend sie der praktische Landwirt oft
anbringt. Auch in unserem Zoologischen Garten sind sie glcklicherweise
angebracht, und ihre starke Abnutzung zeigt, wie dringend notwendig sie
sind.


106. Warum frit die Sau die eigenen Ferkel?

Ein groer Schmerz fr den Landwirt ist es, da manche Sauen ihre
eigenen Kinder fressen. Alle Mittel, die man dagegen anwendet, taugen
im allgemeinen nicht viel.

Wir Menschen sind entsetzt, da eine Mutter so entartet sein kann. Aber
ist unser Standpunkt richtig?

Mir ist kein Fall bekannt, da eine Wildsau ihre Frischlinge gefressen
hat. Vielmehr wei jeder Jger, da sie ihre Jungen mit Aufopferung
ihres Lebens verteidigt.

Deshalb wird die Schuld an uns liegen. Das Wildschwein ist ein halbes
Raubtier, das mit Vorliebe Aas frit. Dem Hausschwein geben wir aber
regelmig nur Pflanzennahrung. Ist es da ein Wunder, da der andauernd
unterdrckte Fleischhunger sich gewaltsam Bahn macht?

Erfahrene Schweinezchter haben mir brigens versichert, da eine Sau
nur kranke oder lebensunfhige Ferkel frit. Ob das zutrifft, kann ich
nicht beurteilen.

Der Stieglitz, den man mit einem Kanarienvogelweibchen paart, frit
die Eier des Weibchens, weil wir ihm keine Rupchen geben, die Hhner
reien sich die Federn aus, weil sie im Frhjahr Mangel an tierischer
Nahrung haben. Auch sie werden durch falsche Ftterung zu halben
Kannibalen.


107. Mu ein gutes Schwein alles fressen?

Bekannt ist der Satz, da ein gutes Schwein alles fressen mu. Ich kann
ihn leider nicht unterschreiben. Ich wei sehr wohl, da das Schwein
einen sehr groen Speisezettel besitzt, da es sowohl Pflanzenfresser
als auch ein halbes Raubtier ist. Dennoch gibt es gewisse Dinge, die
das Schwein nicht frit. So lieen alle Schweine trotz des grten
Hungers Kastanien liegen, whrend Schafe, wie wir noch besprechen
werden, sie gierig fraen.

Auch mit gesalzenen Dingen mu man beim Schweine sehr vorsichtig
sein. Fr Wiederkuer, auch fr Pferde, ist Salz bekmmlich. Fr alle
Raubtiere ist Salz jedoch sehr nachteilig.

Gesalzenes Pkelfleisch, ebenso Heringslake haben schon oft den Tod von
Schweinen herbeigefhrt. Das kam daher, weil man auf den Satz schwor,
da ein gutes Schwein alles fressen mu.

Uebrigens frit das Schwein auch Heu und Stroh ungehckselt nicht.


108. Die Ftterung der Schweine mit Rohrwurzeln.

Immer wieder mu ich betonen, da wir zu einem richtigen Verstndnis
eines Haustieres nur gelangen, wenn wir die Lebensweise seiner wilden
Verwandten erforschen.

Bereits lange vor Ausbruch des Krieges habe ich darauf hingewiesen, da
wir auf diesem Wege auch zur Erlangung neuer Futtermittel fr unsere
Haustiere gelangen. So war es mir aufgefallen, da das Wildschwein im
Winter gern die Farnwurzeln frit, ebenso die Wurzeln von Schilfrohr.

Praktische Schweinezchter haben mir besttigt, da die Farnwurzeln
ein sehr bekmmliches Futter fr Hausschweine sind. In Amerika ist
es, wie mir mitgeteilt wurde, an vielen Stellen blich, Schweine mit
Farnwurzeln zu fttern. Ebenso sind die verwilderten Hausschweine an
der Westkste Neuseelands von den Eingeborenen ausgerottet worden aus
Furcht, die Schweine mchten die Farnwurzeln vollends zerstren, auf
welche die Eingeborenen zu ihrer Nahrung besonders angewiesen sind.

Die Vermutung spricht daher dafr, da auch die Rohrwurzeln fr
Schweine ein bekmmliches Futter sind.

Es hat daher mein hchstes Interesse erweckt, da der Rohstoffverband
in Charlottenburg jetzt in grozgiger Weise die Rohrwurzeln mit
Greifern und Baggern gewinnen und daraus ein Futtermittel Fragmit
herstellen lt. Der Name ist verdeutscht aus _phragmites communis_,
das Schilfrohr.

Es scheint mir das ein sehr glcklicher Gedanke zu sein, da hierdurch
folgendes erzielt wird:

  1. Gewinnung eines Futtermittels von hohem Zuckergehalt,

  2. Verhinderung der Verlandung der Seen und Flsse,

  3. Ausnutzung von hunderttausend Hektaren Land, die jetzt vollkommen
     tot daliegen.

Es liegt im vaterlndischen Interesse, alle Bestrebungen zu
untersttzen, die eine grere Ausbeute der heimischen Naturschtze
gestatten und uns dadurch, wenn auch vorlufig nur wenig, von der
Einfuhr auslndischer Futtermittel unabhngig machen. Es wre daher
sehr erwnscht, wenn praktische Schweinezchter Versuche mit Fragmit
anstellen wrden.

Selbstverstndlich mssen die Wurzeln im Winterhalbjahr gewonnen sein,
weil sie zu dieser Zeit die meisten Nhrstoffe besitzen. Im Sommer
frit das Wildschwein weder Farn- noch Rohrwurzeln.

Fr Hhentiere, also Ziegen und Schafe, kme das Fragmit weniger
in Betracht. Dagegen knnten Versuche auch bei Rindern und Pferden
angestellt werden, da Rinder in Niederungen leben, und Pferde die
Schlinge des an Steppenseen wachsenden Rohrs fressen.


109. Die Rassen des Schweins.

Man unterscheidet folgende Rassen: 1. krausborstige Schweinerassen, die
hauptschlich im Sdosten Europas leben, z. B. das Mangaliczaschwein,
2. romanische Schweinerassen, die in Sdeuropa leben, 3. kurzohrige
Schweinerassen, wozu das bayerische Schwein und das Bakonyer Schwein
gehren. In Berlin wird das Bakonyer Schwein gewhnlich Pachuner
genannt. 4. Groohrige Schweinerassen, 5. englische Schweinerassen.

Die Englnder haben es verstanden, durch Kreuzung mit indischen und
romanischen Schweinen ausgezeichnete Rassen zu erzielen, beispielsweise
Essex-Schweine, Yorkshire-Schweine, Berkshire-Schweine usw. Diese
englischen Rassen sind stark bei uns eingefhrt worden und haben die
heimischen Schlge vielfach verdrngt. Da das englische Edelschwein
neben groen Vorzgen sehr empfindlich und wenig fruchtbar ist, so hat
man es mit deutschen Schweinen gekreuzt und zchtet das sogenannte
deutsche Edelschwein.

Das Schwein ist kein Wiederkuer, wie bereits erwhnt wurde. Es hat
auer den Eckzhnen im Oberkiefer sechs Schneidezhne. Es gehrt zu
den Paarhufern aus der Familie der Schweine. In Bessarabien gibt es
Einhuferschweine.

Der Zuchteber wird mit Ablauf eines Jahres zur Zucht verwendet, die Sau
im Alter von 10 bis 14 Monaten. Die Tragezeit whrt fast vier Monate.
Man nimmt an, da das Schwein ein Alter von 30 Jahren erreicht.

Es ist schon erwhnt worden, da Krankheiten bei den Schweinen sehr
hufig sind. Es seien genannt Rotlauf, Schweineseuche und Schweinepest.
Am bekanntesten ist, da im Schwein Trichinen leben, weshalb man
Schweinefleisch nur gekocht essen soll.

Zu den besten Bekmpfern der Krankheiten gehrt der Weidegang der
Schweine. Namentlich scheint der Weidegang auf Kleeweiden immer mehr
Anhnger zu finden.


110. Das Schwein in Redensarten und Sprichwrtern.

Erwhnt wurden bereits sauwohl, schweinsugig und die Redensart
Ein gutes Schwein mu alles fressen.

Wegen seines Wlzens im Schmutz und Kot dient das Schwein als
Bezeichnung fr einen schmutzigen oder unsittlichen Menschen.
Ueberhaupt dient die Verbindung mit Schwein dazu, um den schrfsten
Tadel auszusprechen. So ist ein sehr schlechtes Essen

               *Schweinefra*,

               *Schweinestall*

eine sehr schmutzige Wohnung.

Man sagt ferner:

  *dumm, faul, gefrig, dreckig sein wie ein Schwein, bluten wie ein
     Schwein*.

Zu ergnzen ist: wenn es geschlachtet wird. Um plumpe Vertraulichkeiten
abzuwehren, gebraucht man die Redensart:

    *Wo haben wir zusammen die Schweine gehtet?*

Merkwrdigerweise gilt das Schwein auch als glckbringend. In der
Studentensprache heit Schwein soviel wie Glck.

               *grenzenloses Schwein*

bedeutet grenzenloses Glck.

[Illustration: Schweine auf der Weide]

[Illustration: Laufraum fr junge Schweine]




Die Ziege


111. Warum knnen junge Ziegen bereits vortrefflich klettern?

Die Ziege, die Kuh des armen Mannes, knnen wir in oder nahe bei dem
alten Berlin noch hufig zu sehen bekommen. Auf dem unbebauten Teil des
Tempelhofer Feldes trifft man sie regelmig im Sommer an, ebenso auf
Baustellen der Vororte. Selbst in Grten habe ich sie schon gesehen,
wobei sie natrlich, um Schaden zu verhten, angebunden war.

Wir wollen einmal eine solche Mutterziege, die zwei muntere Zicklein
bei sich hat, etwas nher betrachten.

Bei der Ziege haben auch die Weibchen Hrner, ebenso wie die Gemsen,
whrend sie den weiblichen Schafen, wie wir spter sehen werden, fehlen.

Das hat natrlich seinen Grund, und zwar folgenden: Gemsen und Ziegen
haben ihre Heimat im hohen Gebirge, wo die Jungen von Adlern und
anderen Raubvgeln bedroht werden. Um sie abzuwehren, brauchen die
Weibchen Hrner.

Das Schaf stammt auch aus dem Gebirge, aber aus dem bewaldeten Teile
der Gebirge. Die Schafmutter braucht ihr Junges nur in den Wald zu
bringen, dann ist es vor Raubvgeln sicher. Deshalb haben auch die
Weibchen von Reh und Hirsch keine Waffen, weil auch sie in den Wald
flchten knnen.

Die kleinen Tierchen, die allerliebst aussehen, tollen jetzt in
der bermtigsten Weise umher. Ihre Gewandtheit im Klettern ist
erstaunlich. Je hher sie klettern knnen, desto lieber ist es ihnen.
Man sieht ihnen an, da ihre Vorfahren im Gebirge heimisch waren.
Auch fhren sie schon Scheingefechte auf, indem sie mit den Kpfen
gegeneinander rennen. Schwindel mu ihnen ganz unbekannt sein, denn
sonst knnten sie nicht mit solchem Vergngen am Dachrande eines
kleinen Hauses entlanglaufen.

Diese frhzeitige Kletterkunst erregt unser Erstaunen, besonders wenn
wir bedenken, da eben geborene junge Ziegen bereits nach einigen Tagen
ihrer Mutter berallhin folgen knnen.

Auch hier gibt uns die Lebensweise der Stammeltern Aufschlu ber diese
merkwrdige Eigenschaft. Unsere Hausziege stammt von der Bezoarziege
ab, die an den Ksten des mittellndischen Meeres lebt. Wie alle
Pflanzenfresser hat auch die Bezoarziege Feinde, die ihr nachstellen.
Von den Sugetieren sind es namentlich Luchse und Wlfe.

Wie soll nun die Ziegenmutter ihre Jungen gegen berlegene Feinde
schtzen, beispielsweise, wenn ein Jger oder ein schnellfiger Wolf
kommt? Auf dem Rcken kann sie das Junge nicht tragen. Deshalb mu das
Junge bald klettern knnen, weil sonst die Ziegen ausgerottet wren.


112. Warum fressen unsere Ziegen ungern Gras?

Inzwischen ist die Herrin der Ziegenfamilie zu der alten Ziege getreten
und schilt sie tchtig aus. Wir knnen zwar nicht alles verstehen, was
sie sagt, aber wir knnen es uns schon denken. Es ist das alte Lied,
das wir immer hren mssen. Entweder heit es: Du Ziege bist ein
ganz niedertrchtiges Geschpf. Du stehst im tiefen Gras, doch darum
kmmerst du dich nicht. Aber den Pfahl, an den du gebunden bist, den
knabberst du an. Oder: Du bist ein ganz eigensinniges Tier; Gras
willst du nicht fressen, aber zu den Struchern willst du hin. Der
gebildete Grostdter sagt oft verzweifelnd, wenn die Ziege das mhsam
besorgte Gras nicht fressen will: Die Ziege gehrt zu den Trumern,
die in die Weite schweifen, obwohl ihr das Gute so nahe liegt.

Alles das ist natrlich eine ganz falsche Ansicht. Wir Menschen machen
folgenden Schlu: Die Ziege ist ein Pflanzenfresser. Grser sind
Pflanzen. Folglich mu die Ziege Grser fressen, oder sie ist nicht
ganz bei Trost.

Schon frher haben wir darauf hingewiesen, da die Gemsen in unseren
Zoologischen Grten bald sterben, weil ihnen das gewrzige Gras ihrer
Heimat fehlt. Die Bezoarziege bewohnt nun solche Teile des Gebirges, wo
Grser wenig oder gar nicht vorkommen. Auf dem den, trockenen Gestein
der Mittelmeerlnder kommen Grasflchen, wie sie unsere Heimat in Hlle
und Flle bietet, nur selten vor.

Das Gras unserer Ebene ist also gar kein natrliches Futter der Ziege.

Deshalb werden wir niemals in unserer engeren Heimat, in einer Provinz
ohne Bodenerhebungen, eine berhmte Ziegenrasse zchten, weil wir den
Ziegen so wenig natrliches Futter bieten knnen.

Wir mssen vielmehr immer wieder unsere Ziegen mit solchen aus
gebirgigen Lndern auffrischen, wo sie viel besser gedeihen,
beispielsweise im Harz und in der Schweiz.


113. Wie erklrt sich die Giftfestigkeit der Ziege?

Wir haben also gesehen, da die Besitzerin der Ziegenfamilie im Unrecht
ist, wenn sie die Ziege schilt, weil sie so ungern das Gras unserer
Ebene fressen will.

Damit soll nun nicht gesagt sein, da wir demutsvoll allen angestammten
Eigenarten der Ziegen nachkommen sollen. Davon kann keine Rede sein.
Nur sollen wir uns von der Vorstellung freimachen, da wir vor
einer unverbesserlichen Snderin stehen. Das ist nicht der Fall, da
kein Tier seine angeborenen Triebe ablegen kann. Noch eine andere
Eigentmlichkeit der Ziege erregt unseren Zorn. Sie ist nach unseren
Begriffen lecker, weil sie bald dieses, bald jenes sich aus dem Futter
herauszieht und am liebsten eine Menge an die Erde wirft, wo es
natrlich zertreten wird.

Diese Art des Fressens ist ganz einleuchtend, wenn man sich die
Lebensweise der Wildziegen vorstellt. Auf dem den Gestein ist ein sehr
geringer Pflanzenwuchs. Zum Sattwerden an einer einzigen Pflanzenart
reicht es nicht aus. Deshalb mu die Ziege von dem wenigen, was das
Gebirge hervorbringt, fressen, ganz gleich, was es ist. Hieraus erklrt
sich auch die merkwrdige Erscheinung, da die Ziege gewissermaen
giftfest ist. Sie frit beispielsweise den giftigen Schierling
krbeweise, ohne da es ihr schadet. Auch frit sie viele Dinge, die
jedes andere Tier meidet, so den scharfen Mauerpfeffer, Zigarren und
Schnupftabak und dergleichen.

Wenn eine Ziege also den Pfahl beknabbert, an dem sie angebunden ist
und das Gras links liegen lt, so ist das keine Niedertrchtigkeit,
sondern die ganz naturgeme Art des Fressens. Ueppige Weiden behagen
ihr nicht, wohl aber Strucher und Baumzweige. Deshalb ist sie
der Fluch fr die Mittelmeerlnder, weil sie durch ihr Beknabbern
eine Bewaldung dieser Lnder nicht aufkommen lt. Sieht man einer
freiweidenden Ziege zu, so wird man sich davon berzeugen knnen, da
sie von den am Boden wachsenden Pflanzen die Bltter bevorzugt und
viel lieber als Grser frit. Das ist auch nach ihrer Herkunft nicht
wunderbar.


114. Warum heit die Ziege die Kuh des armen Mannes?

Wir sehen, da hier eine Familie sich eine Ziege hlt, obwohl sie nur
einen ziemlich groen Garten besitzt. Diese Leute sind wahrscheinlich
wohlhabend, mglicherweise sogar sehr reich. Bei ihnen wrde also die
Bezeichnung nicht zutreffen, da die Ziege die Kuh des armen Mannes sei.

Grostdtische Verhltnisse sind eben nicht immer die naturgemen.
Die Redensart bezieht sich auf die sonst in unserer Heimat blichen
Verhltnisse. Hiernach hat der arme Mann auf dem Lande bei seinem
Huschen einen Garten, aber er hat sonst kein Land, namentlich keine
Wiesen, wie es fr eine Kuh erforderlich ist. Mit dem, was ein Garten
bringt, kann man eine Ziege ernhren, da fnf Ziegen zusammen nicht
so viel fressen wie eine Durchschnittskuh. Auerdem mu die Ziege bei
armen Leuten vieles fressen, was man ihr sonst nicht vorsetzt, z. B.
Abflle, Splicht usw. Der arme Mann mchte selbstverstndlich auch
gern frische Milch genieen, und da er sich, wie wir sahen, keine Kuh
halten kann, so nimmt er eine Ziege, woher sich die Redensart erklrt.

Eine gute Milchziege liefert wchentlich 10 bis 12 Liter Milch. Sie hat
den Nachteil, da viele Menschen sie nicht mgen. Auch lt sich aus
Kuhmilch viel bessere Butter und leichter Kse machen. Auch schmeckt
saure Kuhmilch viel besser. Da auerdem Rindfleisch viel schmackhafter
als Ziegenfleisch ist, so wird die Kuh durch die Ziege nicht verdrngt
werden.


115. Wie lebt die Ziege im Gebirge?

Von der Lebensweise der eigentlichen Stammeltern unserer Hausziege
wissen wir recht wenig. Wir wollen daher als Ersatz die Schweizer
Ziegen whlen, deren Lebensweise ein dort heimischer Naturforscher
vortrefflich geschildert hat.

Die Ziegenbcke des Gebirges haben mitunter so auerordentlich groe
Hrner, da sie von weitem Steinbcken hnlich sehen. Sie zeichnen
sich besonders durch ihren kecken, mutwilligen Humor aus. Es liegt
etwas Ernstes in der Haltung ihres Kopfschmuckes, aber sie haben ein
schalkhaftes Auge und zeigen, wenn es ans Naschen oder ans Spielen und
Stoen geht, ihre ganze Leichtfertigkeit. Das Schaf hat nur in seiner
Jugend ein munteres Wesen, ebenso der Steinbock; die Ziege behlt es
lnger als beide. Ohne eigentlich im Ernste hndelschtig zu sein,
fordert sie gern zum munteren Zweikampfe heraus.

Neugierde ist berhaupt neben der Launenhaftigkeit ein hervorstechender
Wesenszug der Ziege. Sie ist in weit hherem Grade neugierig als die
Kuh; die Gemse ist ihr darin hnlich. Zu den Gemsen verliert sich hier
und da eine Alpenziege und bleibt monatelang in der Gesellschaft. Doch
mu es ihr sauer werden, diesen Meistern im Springen und Klettern
nachzukommen, und gewhnlich kehrt sie im Herbst unvermutet ins Tal zu
ihrer Htte zurck. Im Appenzellerlande berwinterten schon verloren
geglaubte Ziegen in geschtzten Alpen unter groen Tannen bald allein,
bald mit Gemsen, und kehrten im Frhling mit frischgeworfenen Zicklein
ins Tal zurck.

Ueberhaupt ist unsere Ziege eines der muntersten und aufgewecktesten
unter den zahmen Tieren, wie schon ihr Auge, ihr feiner Kopf, ihre
schlanke, leichte Krperbildung und ihr groes Gehirn auf eine kluge
Natur schlieen lt. Sie ist weit empfnglicher fr die Liebkosungen
des Menschen als das Schaf, folgt nicht, wie dieses, dem Gang der
Masse, sondern tritt gern frei und selbstndig auf, liebt Berge und
Freiheit, frchtet sich nicht so schnell, ist im Zorne ziemlich
hartnckig, hat viel Gedchtnis und Ortssinn und wrde vielleicht bei
vlliger Freiheit nach wenigen Generationen an Lebhaftigkeit, Khnheit
und ausgebildetem Instinkt der Gemse wenig nachstehen. Dies gilt
namentlich von den gehrnten Ziegen, die in den Gebirgen weit hufiger
sind als die ungehrnten, die dafr im Tale in den Stllen vorgezogen
werden. Um solche hornlose Ziegen zu erhalten, bedient man sich hie
und da eines hchst gefhrlichen Mittels. Man grbt nmlich Zicklein,
sobald die Hrnchen hervorbrechen wollen, diese samt der Wurzel aus dem
Schdel.

Der die Gebirge durchstreifende Wanderer trifft hufig Ziegengruppen
als malerische Zutat einer einsamen Alpengegend, bald frei weidend,
bald unter Obhut eines wetterbraunen, barfigen Jungen. Sie sind
selten scheu, gewhnlich ganz zutraulich und munter. In manchen
Schweizerbergen folgen sie dem Fremden stundenweit, um ein paar
Fingerspitzen Salz oder ein Stck Brot zu erbetteln. Erhalten sie
kein Salz, so genieen sie mit ebenso groem Behagen eine Portion
Schnupftabak. Gewhnlich sind ein halb Dutzend Stck einer Ochsen- oder
Pferdeherde beigegeben, und ihre Milch ist fast die einzige Nahrung
der Hter; oft finden sich einige Stcke im Gefolge einer Kuhherde,
oder sie werden auch zu Herden vereinigt und zur Alp getrieben. In
diesem Falle teilt man sie im Appenzellerlande in Haufen von je 12
Stck ab; rmere Bauern, die keinen ganzen Haufen vermgen, stoen ihre
Ziegen zusammen und halten gemeinschaftlich einen Geibuben, der nebst
magerer Kost noch geringere Lhnung erhlt.

Mit groer Khnheit schweifen diese Tiere in den steilsten
Gebirgsbnken umher, um vereinzelte Grasbschel oder zarte, leckere
Studchen zu rupfen. Dabei geschieht es nicht selten, da sich die
Ziege verstellt, wo sie sich weder vor- noch rckwrts mehr getraut.
So bleibt sie dann oft zwei bis drei Tage ohne Nahrung zwischen Tod
und Leben, bis der Geibub sie entdeckt und zu lsen sucht. Dies tut
er mit wunderbarer Verwegenheit; manchmal bindet er sie an ein Seil,
um sie die Felswand hinaufzuziehen. Es ist in der Tat merkwrdig, da
der Mensch sich da zu klettern getraut, wo selbst die leichtfige
Ziege den Mut verloren hat. Freilich sind die Geibuben, die den
ganzen Sommer ber zwischen den Felsen leben, groartige Knstler im
verwegensten Klettern und kennen die Gefahr so wenig, da sie sich
mitunter anbieten, die jhsten Felsenkpfe und Gebirgsseiten durch
beliebig zu bezeichnende Narben und Falten zu erklimmen, wo man nicht
begreift, wie eine Hand oder ein Fu im steilen Absturz haften kann.
Selten fallen die Ziegen tot, es sei denn, da sie sich im Hrnerkampfe
ber den Felsenrand hinausstoen oder von einem fallenden Steine, einer
Lawine oder dem Flgel des Lmmergeiers ergriffen werden.

Bekanntlich sind die Ziegenherden durch ihre Naschhaftigkeit die
gefhrlichsten Feinde und eine wahre Geisel der Gebirgswaldungen
geworden; aber allmhlich wird diesem schdlichen Unwesen durch bessere
Forstpolizei und Einschrnkung des Ziegenstandes entgegengewirkt.
Im ganzen zieht die Ziege ein mageres, halbsaures Futter mit grnen
Knospen und Zweigen dem fetten Wiesengrase vor. Merkwrdig ist die
Beobachtung, da die giftige Wolfsmilch und der Schierling von ihr mit
Begierde und ohne Nachteil gefressen wird. Dagegen sollen ihr Eicheln
nachteilig sein. Die Ziegenmilch wird im August, wo die Tiere die
hchsten Alpen besteigen, fr am krftigsten gehalten. Der grte Teil
wird zu fnf- bis zehnpfndigen Ksen verarbeitet, die von vorzglichem
Wohlgeschmack sind.


116. Warum gibt es im Ziegenstall so wenig Fliegen, im Kuhstall so
viele?

Wir wollen jetzt nach einem Vorort gehen, wo ein alter Bekannter, Herr
Althaus, Ziegen hlt. Wegen seiner Gemtlichkeit und Geflligkeit wird
er allgemein Onkel Althaus genannt. Wir treffen es gut bei Onkel
Althaus, denn es wird gerade ein Bckchen abgeholt, das er vor einigen
Tagen verkauft hatte. Das Ziegenbckchen ist ungewhnlich stark, was
auch weiter kein Wunder ist, da es allein die ganze Milch der Mutter
getrunken hatte. In dieser milcharmen Zeit mu aber jeder zunchst an
sich selbst denken. Onkel Althaus hat ein Shnchen von neun Jahren,
das die Milch sehr ntig braucht und dessentwegen er gerade die Ziege
angeschafft hat. Es ist selbstverstndlich, da erst der Mensch und
dann das Tier kommt.

Wir befrchteten, da die Trennung von Mutter und Sohn zu endlosem
Jammern der Alten fhren wrde, wie es bei der Kuh blich ist, wenn ihr
das Kalb genommen wird. Nichts von alledem geschah -- kein einziges
Mh kam ber die Lippen der Alten. Ich glaube aber, da es falsch ist,
wenn man hieraus auf eine Gefhllosigkeit der Ziegenmutter schliet.
Onkel Althaus hatte wohl recht mit der Annahme, da die alte Hippe, wie
die Ziege auch sonst genannt wird, bestimmt glaube, das Junge werde
wiederkommen. Er erzhlte uns, und sein Shnchen Albrecht besttigte
es, da der kleine Bock schon oft Ausflge auf eigene Faust unternommen
hatte.

Es fllt uns auf, da im Ziegenstall, in dem noch andere Ziegen stehen,
die aber zurzeit keine Milch geben, so wenig Fliegen sind. Im Kuhstall
wimmelt es von Fliegen, wie jeder wei, der an einem warmen Sommertage
einen Kuhstall betreten hat. Wie erklrt sich dieser Unterschied?

Aus der frheren Schilderung der Alpenkhe wissen wir, da es im
Hochgebirge sehr wenig Insekten gibt. Die Ziege ist ein Kind des
Hochgebirges. Die Fliegen und andere Insekten der Ebene kennen also
Ziegen von frher her nicht. Dagegen sind ihnen Khe als Geschpfe
sumpfiger Gegenden sehr wohl bekannt. Wer da glaubt, da es einer
Fliege oder einem anderen Insekt ganz gleichgltig ist, von welchem
Tiere sie das Blut ziehen, der drfte im Irrtum sein. Auch der Esel
leidet als frheres Gebirgstier viel weniger unter der Insektenplage
als das aus der Steppe stammende Pferd.

Wir sehen hnliches bei unseren Kleidern. Die Motten bevorzugen ganz
auffallend reinwollene Sachen, whrend sie knstliche Wolle oder
Baumwolle meiden, mag sie auch noch so sehr das Auge des Menschen
tuschen.

Es ist mglich, da der Gestank des Ziegenbockes, der uns so unangenehm
ist, auch die Fliegen vertreibt. Aber in unserem Falle kann er nicht in
Betracht kommen. Denn Onkel Althaus besitzt keinen eigenen Bock, und
das Bckchen ist noch so jung, da es noch keinen Geruch entwickelt.


117. Die Rassen der Ziege.

Die Ziege, die zu den paarzehigen wiederkuenden Huftieren und der
Familie der Horntiere gehrt, hat keine Trnengruben und Klauendrsen.
Sie trgt ihren kurzen Schwanz gewhnlich steil gestellt. Berhmt sind
die Angora- und Kaschmirziegen. Bei uns werden die Schwarzwaldziege,
die Harzer Ziege, die Erzgebirgsziege usw. gehalten. Sehr gelobt wird
die Langensalzaer Ziege. Sie gleicht der Schweizer Saanenziege, die
bei uns viel eingefhrt worden ist. Die Saanenziege ist sehr gro,
schneewei und ohne Hrner. Sie soll 5 bis 6 Liter Milch den Tag ber
geben, aber bei uns hat sie es nicht getan. Jedenfalls fehlen ihr die
wrzigen Gebirgskruter, von denen wir bereits gesprochen haben.

Die Ziege ist mit einem Jahre ausgewachsen. Es soll noch gute
Milcherinnen geben, die 16 Jahre alt sind. Die Tragezeit dauert etwa
fnf Monate. Gewhnlich werden ein oder zwei, manchmal sogar vier Junge
geworfen.

Von Krankheiten ist die Ziege weit mehr verschont als die Kuh.
Namentlich leidet sie nicht an Tuberkulose. Es gilt im Gegenteil ihre
Milch als besonders heilkrftig fr Lungenkranke. Die Ziege hat also
eiserne Lungen von ihren Vorfahren geerbt, da sie bei uns oft in ganz
elenden Stllen gehalten wird.


118. Die Ziege in Redensarten und Sprichwrtern.

Von der Ziege als der Kuh des armen Mannes ist bereits gesprochen
worden, ebenso von ihrer angeblichen Naschhaftigkeit, weshalb man sagt:

               *Whlerisch wie eine Ziege.*

Bei den alten Griechen hie der Ziegenbock berhaupt: Nascher.

               *Mager wie eine Zicke oder Ziege.*

Bei den Ziegen, die in der Ebene leben mssen und nur Gras erhalten,
ist das kein Wunder.

Umgekehrt sagt man:

               *Es in sich haben, wie die Ziege das Fett.*

Das soll heien, da man einer Ziege, wenn sie innen feist ist, das
gewhnlich nicht ansieht.

               *Wer sich grn macht, den fressen die Ziegen.*

Hier wird der Rat gegeben, nicht dem Futter zu gleichen, das ein
Tier frit. Dieser Rat ist selbstredend bildlich gemeint. Man soll
also beispielsweise nicht in Gegenwart von Leuten, die als groe
Darlehnssucher bekannt sind, fortwhrend davon reden, wie viel Geld man
hat.

[Illustration: Weidende Ziegen]




Das Schaf


119. Warum blkt das Schaf?

Es ist noch gar nicht solange her, da man auf dem Tempelhofer Felde,
das damals noch gnzlich unbebaut war, eine wirkliche Schafherde mit
Schfer und Hund beobachten konnte. Wie oft habe ich ihnen zugeschaut,
wobei ich besonders aufpate, ob sie bei der Heimkehr glcklich ber
die Eisenbahngleise der Ringbahn kommen wrden.

Stand man bei der Herde, so war es gewhnlich das gleiche Bild: Fressen
und Blken und sich dabei etwas vorwrts schieben.

In Ermangelung einer ganzen Herde mssen wir uns damit begngen, uns
das Schaf eines Bekannten, ein ostfriesisches Milchschaf, anzusehen,
das dieser uns bereitwilligst zur Besichtigung vorgefhrt hat.

Geistreich kann man beim besten Willen das Gesicht eines Schafes nicht
nennen, eher das Gegenteil davon. Man kann sich nicht darber wundern,
da man recht dumme Leute als Schafe bezeichnet.

Aber es wre doch ein groes Unglck, wenn pltzlich alle Schafe mit
ihren dummen Gesichtern verschwnden. Dann htten wir ja noch weniger
Wolle, als es ohnehin schon der Fall ist.

Ueberdies werden wir sehen, da es mit der Dummheit der Schafe nicht
so schlimm bestellt ist. Dieses einzelne Schaf, das wir vor uns haben,
blkt nicht. Daraus ersehen wir, da das anhaltende Blken doch nicht
so furchtbar tricht sein kann, wie die Leute es immer hinstellen.

In der Tat ist der Mensch furchtbar ungerecht gegen die Tiere. Bei
den Vgeln, die genau dasselbe tun, wie die Schafe, findet er es
wunderschn. Fliegen zum Beispiel Meiseneltern mit ihren zahlreichen
Jungen von Baum zu Baum, so hrt das feine Zurufen gar nicht auf. Das
gleiche beobachten wir bei Meisenschwrmen berhaupt. Wir verstehen
vollkommen, da diese kleinen Tierchen sich im Gewirr der Bltter
oder Nadeln leicht aus den Augen kommen knnen. Da sie sich nur in
Gesellschaft wohlfhlen, so ergeht fortwhrend der Zuruf: Bist du auch
noch da?

Wenn Tiere mit sehr scharfen Augen bereits eine Prfung brauchen, ob
sie sich nicht verloren haben, so ist sie erst recht bei Tieren mit
schlechten Augen angebracht. Eine Wildsau, eine sogenannte Bache, die
ihre Jungen fhrt, mu grunzen, damit die kleine Schar wei, wo sie
ihre Mutter findet. Mit ihren schwachen Augen wrden sie sich ohne das
Gegrunze sehr oft verirren, wenngleich die feine Nase schlielich fr
die Rckkehr sorgen wrde. In der Zwischenzeit kann aber viel Unheil
geschehen. Da kann der Fuchs sich schon einen Frischling als Braten
geholt haben.

Schweine grunzen also, weil dadurch ein Zusammenhang der Herde
gewhrleistet wird. Aus demselben Grunde blken auch die Schafe. Die
Schweine knnen sich in den Niederungen und im Gebsch leicht aus
den Augen verlieren. Die Schafe im Gebirge ebenso leicht. Denn die
Stammeltern unserer Hausschafe sind Wildschafe. Wir sind uns zwar noch
nicht ganz einig darber, welche bestimmte Art als solche bezeichnet
werden soll. Aber alle Wildschafe haben das gemeinsam, da sie im
Gebirge leben.


120. Warum krmmen sich beim Schafbock die Hrner, beim Ziegenbock
nicht?

Da Ziege und Schaf beide im Gebirge leben, so mte man eigentlich
meinen, da sie beide ganz gleich aussehen mten. Das ist aber nicht
der Fall. Wir haben schon frher erklrt, weshalb die weibliche Ziege
gehrnt ist, das weibliche Schaf nicht.

Auf dieselbe Verschiedenheit der Lebensweise sind auch die
Verschiedenheiten des Aussehens von Ziege und Schaf zurckzufhren.

Wir werden uns spter den Mufflonbock im Berliner Zoologischen Garten
ansehen. Er gehrt sicherlich zu den Vorfahren mancher unserer
Hausschafrassen. Noch heute lebt er in den unzugnglichen Gebirgen von
Sardinien und Korsika. Schon jetzt mchte ich vorgreifen und mitteilen,
da der Bock halbmondfrmige, nach hinten gekrmmte Hrner, keinen Bart
und ein fast fuchsrotes Fell besitzt. Die Ziege hat dagegen einen Bart,
ein mehr graubrunliches Fell und mehr aufrecht stehende Hrner.

Da in Deutschland an verschiedenen Stellen Mufflons ausgesetzt sind, so
sind wir jetzt ber ihre Lebensweise ziemlich unterrichtet. Hiernach
halten sich die Wildschafe, wie schon erwhnt wurde, hauptschlich
im Walde auf. Auch haben sie eine besondere Vorliebe dafr, enge
Durchlsse zu durchkriechen.

Um durch enge, niedrige Lcken zu gelangen, mssen die Hrner gebogen
sein. Ziegenbcke kriechen nicht durch solche Oeffnungen. Deshalb
stehen ihre Hrner ziemlich senkrecht.

Beim Durchkriechen wrde ein Bart sehr hinderlich sein. Ueberhaupt ist
ein langer Haarwuchs im Walde von Uebel. Wir wissen, da Absalon mit
seinem mchtigen Haarwuchs an einem Baume hngen blieb und gettet
wurde. Deshalb hat auch der Tiger, der im Walde lebt, keine Mhne,
whrend sie der Lwe, der in der baumleeren Steppe haust, besitzt.

Zu dem Walde pat die fuchsrtliche Frbung des Mufflons, da sie mit
dem vermoderten Laub bereinstimmt. Eine solche Frbung haben auch
Hirsch und Reh. Dagegen hat die Bezoarziege mehr die Frbung des
brunlichen Gesteins.

An dem vor uns stehenden Schaf beobachten wir, da es Trnendrsen hat.
Warum fehlen sie der Ziege?

Die Trnendrsen werden an Baumstmmen gerieben. Da das Schaf eine
feine Nase, aber ein schwaches Gesicht hat, so merken Schafe, die einen
fremden Wald betreten, sofort, da andere Schafe in ihm weiden. Sie
riechen nmlich die an den Baumstmmen abgewischten Ausscheidungen der
Trnendrsen.

Die Ziege lebt in baumloser Gegend. Fr sie sind also Trnendrsen ganz
zwecklos. Auerdem sind bei ihr die Augen besser entwickelt, wofr ihre
Nase nicht so fein ist, wie die des Schafes. Beim Springen von Klippe
zu Klippe sind fr sie gute Augen von groem Vorteil. Die Ziege gleicht
also in diesem Punkte dem Windhund, der ebenfalls ein ziemlich scharfes
Gesicht, dafr aber auch eine weniger gute Nase hat.


121. Warum folgen die Schafe dem Leithammel?

Als ein Beweis ihrer furchtbaren Dummheit ist es stets angesehen
worden, da die Schafe blindlings ihrem Leithammel folgen. Strzt er
vor Schrecken aus dem Schiff, in dem er sich mit der Herde befindet,
ber Bord, so finden alle brigen ebenfalls den Tod in den Wellen.

In Wirklichkeit beweist diese Eigentmlichkeit sehr wenig. Das Schaf
tut nur das, was seine Vorfahren seit Urzeiten getan haben. Wildschafe
folgen dem leitenden Widder und tun wohl daran. Er hat die freieste
Aussicht, und die Stellen, die ihn tragen, halten sicherlich auch
das Gewicht der andern Mitglieder des Rudels aus. Deshalb ist es das
Klgste, was ein Wildschaf tun kann, da es sich nach dem Vordermann
richtet. Genau ebenso handeln Affen- und Elefantenherden. Der Affe
wei, da der Ast, der den Leitaffen getragen hat, nicht brechen wird,
wenn er auf ihn springt. Wollten Wildschafe, Affen und Elefanten anders
handeln, beispielsweise bei einer rasenden Flucht ihre eigenen Wege
gehen, so wrden sie bald verunglcken.

Deshalb tritt auch der kluge Mensch bei schwierigen Gebirgswanderungen
in die Fustapfen seines Fhrers.

Die Dummheit des Schafes besteht also lediglich darin, da es etwas,
was im Gebirge sehr zweckmig ist, auf die Ebene bertrgt, wo es ganz
sinnlos ist. Aber tut der kluge Hund nicht genau dasselbe? Will er
nicht seinen Unrat in dem steinharten Brgersteig verscharren?


122. Warum sieht das Schaf so furchtbar ngstlich aus?

Schauen wir unserm Schaf in die Augen, so leuchtet die grte Angst aus
ihnen hervor. Aber ist das eigentlich wunderbar?

Vom Hasen gibt es ein Gedicht, worin alle seine Feinde aufgezhlt
werden, die ihn alle gern fressen mchten. Beim Wildschafe liegt die
Sache nicht viel anders. Seine Feinde sind Wlfe, Luchse, Bren und
Lmmergeier. Seine Jungen werden vom Adler bedroht. Der Hauptfeind ist
natrlich der Mensch.

Gegen alle seine Feinde besitzt es nur eine Waffe -- die Flucht ins
Gebirge. Diese Verteidigungsart haben wir ihm geraubt, indem wir es in
die ebene Gegend gebracht haben.

Wie soll ein Tier nicht ngstlich sein, dem wir seinen letzten
Zufluchtsort geraubt haben, und das aus Erfahrung wei, wieviele Feinde
es hat?

Die anderen Dummheiten, die man dem Schafe vorwirft, werden auch von
andern Haustieren gemacht. Es rennt in den brennenden Stall zurck,
weil ihm nur bei der Herde wohl ist. Das tun auch, wie wir wissen, die
klugen Pferde.

Das Pferd schweigt, wenn es den Todesstich erhlt. Er wird deswegen von
Dichtern als edles Tier gefeiert, obwohl das damit nicht das mindeste
zu tun hat. Das Schaf, das ebenfalls schweigend stirbt, wird dagegen
von den Dichtern nicht gefeiert. Es wird berall verschieden gemessen.

Schiet der Jger auf eine wildernde Katze, so faucht sie hchstens,
schiet er auf einen wildernden Hund, so heult er. Alle Tiere, die
sich beistehen, geben bei schweren Verwundungen Schmerzensschreie von
sich (vgl. Kap. 58). Da Katzen, Pferde, Ziegen, Schafe usw. sich nicht
beistehen, so sterben sie lautlos. Der einzeln lebende Keiler erhlt
stumm die Todeswunde, dagegen schreien die einzelnen Mitglieder eines
Wildschweinrudels, weil sie sich gegenseitig beistehen.


123. Geschichten von Schafen.

Nicht die Dummheit der Schafe bereitet uns Menschen soviel Aerger,
sondern die aus frheren Zeiten vererbten Eigentmlichkeiten. Sachlich
ist das natrlich kein groer Unterschied. Es lehrt uns aber, milder
ber ein Tier zu denken.

Ueber die Not, die Schafe und Hirten in Sd-Ruland bei Schneestrmen
erleiden, teilte ein alter Hirt einem deutschen Reisenden folgende
Tatsache mit: Wir weideten in der Steppe von Otschakow, unser sieben,
an 2000 Schafe und 150 Ziegen. Es war gerade zum erstenmal, da wir
austrieben, im Mrz. Das Wetter war freundlich und es gab schon
frisches Gras. Gegen Abend aber fing es an zu regnen, und es erhob
sich ein kalter Wind. Bald verwandelte sich der Regen in Schnee,
es wurde klter, unsere Kleider starrten, und einige Stunden nach
Sonnenuntergang strmte und brauste der Wind aus Nordosten, so da uns
Hren und Sehen verging. Wir befanden uns nur in geringer Entfernung
von Stall und Wohnung und versuchten es, die Behausung zu erreichen.
Der Wind hatte indessen die Schafe bereits in Bewegung gesetzt und
trieb sie immer mehr von der Wohnung ab. Wir wollten nun die Geibcke,
denen die Herde zu folgen gewohnt ist, zum Wenden bringen, aber so
mutig dieses Tier bei allen anderen Ereignissen ist, so sehr frchtet
es die kalten Strme. Wir rannten auf und ab, schlugen und trieben
zurck und stemmten uns gegen Sturm und Herde, aber die Schafe drngten
und drckten aufeinander und der Knuel wlzte sich unaufhaltsam die
ganze Nacht weiter und weiter fort. Als der Morgen kam, sahen wir
nichts als rund um uns her lauter Schnee und finstere Sturmwste.
Am Tage blies der Sturm nicht minder wtend, und die Herde ging
fast noch rascher vorwrts als in der Nacht, wo sie von der dicken
Finsternis noch mitunter gehemmt ward. Wir berlieen uns nun unserem
Schicksal, es ging im Geschwindschritt fort, wir selber voran, das
Schafgetrappel blkend und schreiend, die Ochsen mit dem Proviantwagen
im Trabe und die Rotte unserer Hunde heulend hinterdrein. Die Ziegen
verschwanden uns noch an diesem Tage, berall war unser Weg mit dem tot
zurckbleibenden Vieh bestreut. Gegen Abend ging es etwas gemacher,
denn die Schafe wurden vom Hungern und Laufen matter. Allein leider
sanken auch zugleich uns die Krfte. Zwei von uns erklrten sich krank
und verkrochen sich im Vorratswagen unter den Pelzen. Es wurde Nacht,
und wir entdeckten noch immer nirgends ein rettendes Gehft oder Dorf.
In dieser Nacht ging es uns noch schlimmer als in der vorigen, und da
wir wuten, da der Sturm uns gerade auf die schroffe Kste des Meeres
zutrieb, so erwarteten wir alle Augenblicke, mitsamt unserem dummen
Vieh ins Meer hinabzustrzen. Es erkrankte noch einer von unseren
Leuten. Als es Tag wurde, sahen wir einige Huser uns zur Seite aus dem
Schneenebel hervorblicken. Allein obgleich sie uns ganz nahe waren,
hchstens 30 Schritte vom uersten Flgel unserer Herde, so kehrten
sich doch unsere dummen Tiere an gar nichts und hielten immer den ihnen
vom Winde vorgezeichneten Strich. Mit den Schafen ringend verloren
wir endlich selber die Gelegenheit, zu den Husern zu gelangen; so
ganz waren wir in der Gewalt des wtenden Sturmes. Wir sahen die
Huser verschwinden und wren, so nahe der Rettung, doch noch verloren
gewesen, wenn nicht das Geheul unserer Hunde die Leute aufmerksam
gemacht htte. Es waren deutsche Kolonisten, und der, welcher unsere
Not zuerst entdeckte, schlug sogleich bei seinen Nachbarn und Knechten
Alarm. Diese warfen sich nun, 15 Mann an der Zahl, mit frischer
Gewalt unseren Schafen entgegen und zogen und schleppten sie, uns und
unsere Kranken allmhlich in ihre Huser und Hfe. Unterwegs waren
uns alle Ziegen und 500 Schafe verlorengegangen. Aber in dem Gehfte
gingen uns auch noch viele zugrunde, denn sowie die Tiere den Schutz
gewahrten, den ihnen die Huser und Strohhaufen gewhrten, krochen sie
mit wahnsinniger Wut zusammen, drngten, drckten und klebten sich in
erstickenden Haufen aneinander, als wenn der Sturmteufel noch hinter
ihnen se. Wir selber dankten Gott und den guten Deutschen fr unsere
Rettung; denn kaum eine halbe Viertelstunde hinter dem gastfreundlichen
Hause ging es 20 Klaftern tief zum Meere hinab.


124. Warum braucht der Schfer einen Hund?

Weil die Schafe vom Gebirge in die Ebene gebracht worden sind, die
ihnen gar nicht naturgem ist, und in der sie sich wie sinnlos
benehmen, deshalb ist ein schnellfiger Gehilfe fr den Schfer eine
Notwendigkeit.

Der Hund ist dazu wie geschaffen, weil er, wie wir wissen, von
Vorfahren stammt, denen das Umkreisen der Pflanzenfresser etwas
Gelufiges war.

Es gibt zahlreiche, gut verbrgte Geschichten, wonach Schferhunde
unersetzliche Dienste geleistet haben. Folgende scheint mir der
Anfhrung wert zu sein, da sie von einem ganz unparteiischen
Eisenbahnbeamten besttigt worden ist. Der Schfer hatte ber den Durst
getrunken und schlief ganz fest. Die Herde ging heimwrts und kam
dabei an das Bahngleise. In diesem Augenblick brauste der Schnellzug
heran. Der Bahnwrter glaubte, da wenigstens die halbe Herde zermalmt
werden wrde. Doch der Schferhund lief eiligst zum Gleise und duldete
nicht, da ein Schaf sich ihm nherte. Erst dann fhrte er die Herde
ber das Gleis zum heimischen Stall.


125. Mufflon und Hausschaf. Neue Futterquellen fr unsere Hausschafe.

In unserem Zoologischen Garten befindet sich seit Jahren ein
Mufflonbock mit mchtigem Gehrn. Wir wollen uns diesen etwas nher
betrachten.

Die Verwandtschaft mit unserm Hausschaf ist, wenn man von seinem
Hrnerschmuck absieht, unverkennbar. Das Weibchen hat jetzt ein Junges,
das nach der Tafel am 22. Mrz geboren worden ist. Da wir Anfang Juni
schreiben, so ist es fast drei Monate alt.

Mutter und Kind erinnern sehr an unser Hausschaf, wenn es ein Lamm bei
sich hat. Namentlich das hufige Mhen trgt zur Uebereinstimmung bei.
Aber das Mufflonjunge, das auf einem Felsen steht, sieht naturgem
aus, was man von unsern Lmmlein nicht immer sagen kann.

Nachdem ich an Mufflons, die bei uns ausgesetzt worden sind, z. B.
denen bei Dresden, festgestellt hatte, da sie gern Rokastanien
fraen, habe ich auch vor Jahren dem Berliner Bock eine angeboten.
Er war ganz wild danach. So zurckhaltend er sonst ist, so kam er
oben vom Felsen hastig angelaufen, sobald ich nur mit einer Kastanie
an das Gitter klopfte. Als ich diese Leidenschaft fr Kastanien bei
den Wildschafen entdeckt hatte, versuchte ich die Ftterung auch
bei Hausschafen und Ziegen. Beide waren ebenfalls ganz wild danach.
Schweine dagegen haben sie, wie schon erwhnt wurde, abgelehnt.

Auf die Ftterung mit Kastanien kam ich folgendermaen. Die Rokastanie
stammt aus den Gebirgslndern des Mittellndischen Meeres. Gerade im
Gebirge dieses Meeres sind die Mufflons heimisch. Folglich spricht die
Wahrscheinlichkeit dafr, da sie ein passendes Futter sind.

Die Kastanien brauchen bei Schafen und Ziegen nicht entbittert zu
werden. Der Geschmack des Menschen ist nicht der gleiche wie der von
den Tieren. Der Hase frit ja fast nur Bitterstoffe. Es wrden lauter
Gift- und Bitterpflanzen bei uns wachsen, wenn diese nicht auch in der
Tierwelt Liebhaber fnden.

An Lmmer aber soll man keine Kastanien verfttern. Wenn die Kastanien
reif sind, dann gibt es keine Mufflonlmmer, sondern diese sind dann
schon fast ausgewachsen.

Die Mufflons stehen im Winter unter Nadelhlzern. Hiernach sind
Kiefernadeln, an denen wir einen unendlichen Ueberflu haben, im Winter
ein sehr naturgemes Futter fr Hausschafe.


126. Die Rassen des Hausschafs.

Man teilt die Schafe verschieden ein. Nach dem Haarwuchs gibt es
folgende Rassen: 1. Haarschafe; 2. Mischwollschafe, zu denen die
Heidschnucken in der Lneburger Heide gehren, ebenso das ostfriesische
Milchschaf und pommersche Landschafe, wenngleich zu verschiedenen
Unterabteilungen; 3. Schlichtwollschafe, zu denen das Rhnschaf und
andere Schafrassen in Mitteldeutschland gehren; 4. Merinoschafe, die
seit 150 Jahren aus Spanien in Deutschland eingefhrt worden sind. Man
unterscheidet bei ihnen das Elektoralschaf, Negrettischaf, schlielich
das franzsische und deutsche Kammwollschaf.

Die Englnder haben auch auf dem Gebiete der Schafzucht Hervorragendes
geleistet. Durch sie ist das Hammelfleisch wohlschmeckend und fett
geworden, was es frher nicht war. Von ihren Rassen sei erwhnt das
Leicesterschaf, die Southdowns usw.

Trotzdem man von Niederungs- und Hhenschafen spricht, so stammen auch
die Niederungsschafe aus Gebirgen. Und zwar lebten sie an den ppigen
Ufern der Gebirgsflsse.

Die Niederungsschafe, wie das von uns vorgefhrte ostfriesische
Milchschaf, verlangen daher ppige Weiden. Dafr liefern sie viel Milch
und sind sehr fruchtbar.

Sonst sind die Schafe Magerfresser, die bei zu krftigem Futter leicht
erkranken.

Vor 60 Jahren gab es in Preuen etwa 16 Millionen Einwohner und fast
genau so viel Schafe. Bei Ausbruch des Krieges hatte das Deutsche Reich
gegen 70 Millionen Bewohner und nur 5 Millionen Schafe.

Die Schafzucht ist also ungeheuer gesunken. Frher hatten wir
ausgedehnte Weidegrnde, die jetzt fehlen.

Das Schaf gehrt wie die Ziege zu den paarzehigen Horntieren. Es ist
schon vor Ablauf des ersten Lebensjahres fortpflanzungsfhig. Die
Tragzeit betrgt etwa 5 Monate. Es kann bis zu 15 Jahre alt werden.

Es ist vielen Krankheiten ausgesetzt. Namentlich leidet es darunter,
da es aus trockenen Hhen vielfach in nasse Niederungen versetzt
worden ist. Es stellen sich dann Moderhinke, Regenfule und hnliche
Krankheiten ein. Auf nassen Weiden bekommt es Bandwrmer, welche die
bekannte Drehkrankheit hervorrufen. Diese Bandwrmer stammen vom Unrat
des Hundes, weshalb bei Schferhunden eine Bandwurmkur notwendig ist.

Es gibt Wollschafe und Fleischschafe, da man entweder auf Wolle oder
Fleisch zchtet. Doch hat man neuerdings Schafe gezchtet, die eine Art
Mittelstellung einnehmen.

Frher war der Gewinn an Wolle magebend. Man scheert entweder einmal
oder zweimal im Jahre. Man teilt die Wolle ein in Elekta-, Prima-,
Sekunda- und Tertiawolle.


127. Das Schaf in Redensarten und Sprichwrtern.

Bereits errtert wurden die Redensarten: dumm wie ein Schaf,
Schafsgesicht, wo ein Schaf vorgeht, da folgen die andern nach.

Es wren noch zu erwhnen:

               Geduldige Schafe gehen viel in einen Stall.

Das ist eine Erfahrung, die bei der geduldigen und sanften Gemtsart
des Schafes nicht auffallend ist.

               Sein Schfchen ins Trockene bringen.

Wer gesehen hat, mit welcher Eile der Schfer seine Schafe bei einem
herannahenden Gewitter in den Stall bringt und wie froh er ist,
wenn ihm sein Vorhaben gelungen ist, dem ist die Redensart ganz
einleuchtend. Sie hnelt der Redensart: Sein Heu rein oder rin haben,
d. h. ebenfalls sein Heu geborgen haben, ohne da es na geworden ist.

Den Schafen wie dem Heu ist Nsse sehr nachteilig.

Auch Grimms Wrterbuch teilt die vorstehende Ansicht und lehnt die
Erklrung aus dem Hollndischen: sein schepke = Schiff ins Trockene
bringen, ab, zumal die Redensart bei uns viele Jahrhunderte alt ist.

[Illustration: Schafherde im Dorfe]




Das Kaninchen


128. Warum trinkt das zahme Kaninchen, das Wildkaninchen nicht?

Um uns Kaninchen anzusehen, brauchen wir nur zu unserm Nachbarn, dem
freundlichen Wirt Herrn Lankenheim zu gehen. Er selbst ist leider nicht
anwesend, und seine stets fleiige Frau schafft in der Kche. So mu
denn die lteste Tochter die Fhrung bernehmen.

Sie gibt den Tieren zunchst Futter, wobei sie tchtig zulangen. Ebenso
gibt sie ihnen auch zu trinken.

Das zahme Kaninchen trinkt, was uns ganz selbstverstndlich erscheint.
So selbstverstndlich ist die Sache aber keineswegs. Denn unzweifelhaft
stammt das zahme Kaninchen vom Wildkaninchen ab. Dieses trinkt nicht.
Jedenfalls hat noch niemand ein Wildkaninchen an einer Trnkstelle
gesehen. Weil es niemals trinkt, so kann es in sandigen Gegenden leben,
wo weit und breit kein Wasser ist. Uebrigens ist das Leben ohne zu
trinken keineswegs nur eine Eigentmlichkeit des Wildkaninchens. Auch
Hirsche und anderes Wild leben in solchen wasserleeren Oertlichkeiten.

Gewhnlich wird das Kamel als Muster dafr angefhrt, da es ein
Geschpf ist, das acht Tage lang ohne zu trinken leben kann. Man
braucht nicht nach Afrika zu gehen, um ein solches Tier ausfindig zu
machen.

Denn Wildkaninchen leben selbst in Berlin mehr als genug. Am
Knigsplatz kann man sie abends oft huschen sehen. Und ist Schnee
gefallen, so erkennt man an den Spuren, da es eine ganze Menge im
Tiergarten gibt. In anderen Gegenden Berlins, namentlich im Nordosten
soll es noch schlimmer sein.

Im Anfange dieses Jahrhunderts waren sie in der Umgebung Berlins
geradezu eine Landplage. Wurde es abends dunkel, dann wimmelten die
ganzen Felder davon. Ich wohnte damals bei einem Frster, der an jedem
Tage mindestens ein Dutzend scho. So erhielt man bei jedem Mittagessen
ein junges Kaninchen vorgesetzt. Denn die Landbevlkerung wollte keine
essen, obwohl ihr das Stck zu fnfzig Pfennigen angeboten wurde. Der
Bauer it eben nicht, was er nicht kennt, wie schon das Sprichwort sagt.

Oft genug hat mir damals der Frster geklagt, da wir gegen diese
Landplage machtlos seien. Seit Jahren ist aber von ihr nichts mehr zu
spren. Man merkt kaum noch, da welche vorhanden sind.

Das Wildkaninchen stammt aus warmen und trockenen Gegenden in der
Nhe des Mittellndischen Meeres. Insbesondere soll es sich im
Altertum auf den Balearen so vermehrt haben, da die Bewohner bereits
den Plan der Auswanderung faten. Auch heute ist dem Kaninchen diese
Eigentmlichkeit geblieben, da es Nsse flieht. Ebenso fhlt es sich
in der Wrme am wohlsten.

Es lebt in selbstgegrabenen Bauen, die leicht auffallen, weil sie stets
in Bodenerhebungen angelegt sind. Das hat natrlich seinen wichtigen
Grund. Die Gnge des Wildkaninchens fhren ziemlich tief. Wrde es nun
auf glattem Boden seine Hhlen graben, so gelangte es bald auf das
Grundwasser. Wasser aber meidet es, wie wir wissen.

Das Weibchen hat den ganzen Sommer ber Junge. Im Gegensatz zu dem
jungen Hasen, der behaart und mit offenen Augen geboren wird, sind die
jungen Wildkaninchen unbehaart und ffnen erst am neunten Tage die
Augen. Der Unterschied in der Entwicklung der Jungen ist also ebenso
gro wie die zwischen jungen Pferden und jungen Hunden.

Whrend die jungen Hasen auf die blanke Erde oder in eine
Bodenvertiefung gesetzt werden, wird fr das junge Kaninchen ein warmes
Nest bereitet. Die Mutter opfert fr die Auspolsterung ihre eigenen
Bauchhaare. Am Tage pflegt das Wildkaninchen die Jungen an einer
bestimmten Stelle einzugraben. Das schtzt sie aber vor der feinen Nase
des Fuchses nicht. Ich habe oft Stellen gefunden, wo der Fuchs die
Kleinen gewittert und ausgegraben hatte.

Das Wildkaninchen rettet sich vor seinen Feinden dadurch, da es
schnell in seinen Bau flchtet. Im Sommer whlt es auch eine Deckung.
Aber ein Dauerlufer, wie der Hase, ist es nicht. Auf einem freien
blanken Felde wrde jeder mige Hund ein Wildkaninchens einholen.
Schon aus diesem Grunde kann ein Wildkaninchen keine Trnkstelle
aufsuchen.

Was tut denn nun das Wildkaninchen, da doch jedes Geschpf Feuchtigkeit
zu sich nehmen mu? Es frit saftige Pflanzen und leckt den Tau, der
in unsern Gegenden reichlicher ist, als man gewhnlich annimmt. Es ist
klar, da eine Wildkaninchenmutter, die Junge sugt, sehr wasserreiche
Nahrung zu sich nehmen und lange Zeit Tautropfen lecken mu, um die
erforderliche Flssigkeit zu erhalten.

In der Pflege des Menschen ist das zahme Kaninchen von den Tautropfen
abgeschnitten und mu daher, wie die andern Tiere, trinken.


129. Welches sind die Feinde des Kaninchens?

Auer dem Menschen, dem strksten Raubtier, hat das Kaninchen wohl
ebensoviele Feinde wie sein Vetter, der Hase. Nur ist es insofern
besser daran, als es in seinen Bau flchten kann, was es regelmig
tut, wenn es Gefahr merkt. Es klopft dann mit den Hinterfen auf, und
die ganze Gesellschaft verschwindet unter der Erde. Denn im Gegensatz
zum Hasen lebt das Kaninchen in Gesellschaften.

Wie alles Wild, so ist auch das Wildkaninchen ein nchtliches Tier,
das mit dem Eintritt der Dunkelheit auf Nahrungssuche ausgeht. Deshalb
werden ihm in erster Reihe die nchtlichen Raubvgel, also der Uhu und
andere groe Eulen, gefhrlich. Am Tage sonnt es sich gern und lt
sich auch sonst an den langen Sommertagen blicken. Hierbei wird es
leicht eine Beute der groen Tagraubvgel, namentlich des Adlers und
des Habichts, soweit diese noch nicht ausgerottet sind.

Jeder Fuchs und Dachs, frher auch Wlfe und Luchse, sucht gern ein
Kaninchen zu erbeuten. Da wir die meisten Raubtiere ausgerottet haben,
mssen wir an ihre Stelle treten.

Am schlimmsten sind fr das Kaninchen die Feinde, die ihm in seinen Bau
folgen knnen, namentlich Marder und Iltis. Ein Albino des Iltis heit
Frettchen, von dem wir noch sprechen werden (Kap. 138).


130. Zweckmige Behandlung unseres Kaninchens.

Wenn man die Lebensweise des Wildkaninchens genau kennt, so kann man
sich ein ungefhres Bild davon machen, wie man das zahme Kaninchen
halten soll.

Sehr schn ist es, da Herr Lankenheim seine Kaninchenstallung so
angelegt hat, da sich die Tiere sonnen knnen. Alle nchtlichen Tiere
sonnen sich gern, wie wir wissen.

Ebenso ist es wichtig, da auf groe Reinlichkeit gesehen wird durch
Abflurinnen fr flssige Ausscheidungen und hufige Entfernung der
festen Entleerungen. Das Wildkaninchen legt seinen Unrat auerhalb des
Baues ab, legt also Wert auf ein reines Lager.

Es ist richtig, das Mnnchen, den Rammler, von den Jungen zu trennen.
In der Freiheit hat die Mutter Gelegenheit, die Jungen vor ihm zu
schtzen. Uebrigens macht der Wildkaninchenvater den Eindruck, da ihm
das Wohlergehen seiner Nachkommenschaft von Wichtigkeit ist. Sonst sind
die Vter bei den Sugetieren bekanntlich keine Mustervter.

Wie das Wildkaninchen, so vergrbt auch hufig das zahme Kaninchen
seine Jungen. Ordentlich komisch sieht es dann aus, wie es mit der
gleichgltigsten Miene von der Welt allein in der Nhe umherrennt,
als ob es von gar nichts wte. So ganz fern von Verstellung ist also
selbst ein Kaninchen nicht.

Das zahme Kaninchen steht also geistig hher, als man gewhnlich
annimmt. Das ist auch ganz naturgem, denn das Wildkaninchen wird
kein Jger fr ein dummes Tier erklren. Die Sache liegt hnlich
beim Schwein. Auch dieses ist nicht so dumm, wie man es gewhnlich
hinstellt. Es lt sich abrichten und kann sogar den Hund bei der
Jagd ersetzen, da es eine feinere Nase als der Hund besitzt. Auch
hier findet sich eine Uebereinstimmung mit den geistigen Gaben der
Stammeltern. Denn auch das Wildschwein zeigt sich bei der Jagd durchaus
nicht beschrnkt.

Leider nimmt das Kaninchen in der Gefangenschaft manchmal die
ungeeignetsten Gegenstnde zum Verbergen der Jungen, beispielsweise
den irdenen Futternapf. Natrlich knnen dadurch die zarten, kahlen
Dingerchen leicht gettet werden. Man kann in dieser Hinsicht gar nicht
vorsichtig genug sein und mu daher Vorsichtsmaregeln treffen, die
solche Unflle ausschlieen.


131. Die Rassen des Kaninchens.

Das Kaninchen stammt, wie wir schon erwhnten, aus den Lndern, die
am Mittellndischen Meer gelegen sind, und soll zuerst in Spanien
gezchtet worden sein. Unser deutsches Kaninchen war zwar sehr
anspruchslos und fruchtbar, konnte sich jedoch mit den Leistungen der
westeuropischen Kaninchen nicht messen. Das deutsche Kaninchen ist
daher mit dem belgischen oder flandrischen Riesenkaninchen gekreuzt,
wodurch man das neue deutsche Kaninchen gezchtet hat.

Sonst wren noch erwhnenswert das belgische Hasenkaninchen, das
franzsische Widderkaninchen, das Normandiner Kaninchen, das
patagonische Kaninchen usw.

Sehr geschtzt wegen seines Seidenhaares ist der Seidenhase oder
das Angorakaninchen. Ebenso ist beim Silberkaninchen das Fell sehr
wertvoll, und das Fleisch gut.

Als selbstverstndlich gilt die fruchtbare Paarung zwischen Kaninchen
und Hasen, woraus die sogenannten Leporiden entstehen. In Wirklichkeit
ist sie sehr selten, und nach der neuesten Auflage von Brehms Tierleben
berhaupt erst ein einziger Mischling wissenschaftlich nachgewiesen
worden.


132. Was versteht man unter einer Rasse?

Wir haben schon fters den Ausdruck Rasse gebraucht und wollen an
dieser Stelle ihn etwas nher besprechen, da hier eine gnstige
Gelegenheit vorliegt.

Unter Rasse versteht man alle diejenigen Mitglieder einer Tierart,
die gewisse Merkmale gemeinsam besitzen. Diese Merkmale sind nicht so
bedeutend, da sie zur Aufstellung einer besonderen Tierart berechtigen.

Also das Silberkaninchen ist nur eine Rasse von der Tierart Kaninchen,
weil sich die Silberkaninchen von dem Wildkaninchen und den andern
Kaninchenrassen unterscheiden. Diese Unterscheidung ist aber nicht
so bedeutend, da man sagen knnte, das Silberkaninchen wre eine
besondere Tierart.

Dagegen bilden Hase und Kaninchen trotz groer Aehnlichkeit nicht nur
verschiedene Rassen, sondern verschiedene Tierarten. Die lngeren
Hinterbeine des Hasen, die Rettung durch die Flucht ins freie Feld,
das Werfen von Jungen, die sofort behaart sind, knnen nicht als
unbedeutende Unterschiede aufgefat werden. Auch ist das Kaninchen
kleiner, hat einen krzeren Kopf und krzere Ohren.

Von durchgezchteten Rassen spricht man erst dann, wenn sie ihre
Eigentmlichkeiten dauernd vererben.

Ein Rassetier hat also den Vorzug, da ich auf gewisse
Eigentmlichkeiten, auf die ich Wert lege, bei der Nachkommenschaft
rechnen kann. Bei rasselosen Tieren ist das nicht der Fall.


133. Geschichten vom Kaninchen. Kaninchen hat angefangen.

Das Kaninchen gehrt im allgemeinen zu den furchtsamsten und
ergebungsvollsten Geschpfen, das sich von jedem Kinde alles mgliche
gefallen lt. Von seinen Zhnen macht es eigentlich niemals Gebrauch.
Trotzdem fallen sie beispielsweise ber fremde Kaninchen manchmal
wtend her und suchen sie totzubeien. Ein junger Hase, den man zu
Kaninchen bringt, wird wohl stets totgebissen.

Alte Rammler beien nicht nur hufig ihre eigenen Jungen tot,
sondern sie werden hin und wieder auch gegen andere Tiere geradezu
angriffslustig. Ein Naturforscher fhrt hierfr folgende Beispiele an.
Ein Verwandter von ihm hielt einen alten Kaninchenrammler bei seinen
Lmmern. Als die Ftterung mit Esparsettheu begann, behagte das dem
alten Herrn so gut, da er alles fr sich allein mit Beschlag belegen
wollte. Er setzte sich also neben das Heu, grunzte und bi nach den
Lmmern, um diese Tiere zu verscheuchen. Als das nicht gengend half,
sprang er einem Lamm auf den Hals und bi es tchtig. Natrlich wurde
er beim Wickel gepackt und fortgebracht. Ein anderer Rammler fhrte
einen solchen Kampf sogar mit Ziegen. War das Futter nach seinem
Geschmack, so suchte er junge Ziegen dadurch zu vertreiben, da er
ihnen die Beine blutig bi. Alten Ziegen sprang er in das Genick und
bi ihnen die Ohren blutig. Selbstverstndlich wurde der Bsewicht
abgeschafft.

Vorstehende Erzhlungen sind durchaus glaubhaft. Ich habe selbst
hnliche Flle beobachtet. So kratzte ein Rammler, ein Riesenkaninchen,
bei schlechter Laune seinen Besitzer, wenn er ihm Futter vorsetzte,
dermaen, da dieser nur mit groer Vorsicht hierbei zu Werke ging.

Sieht man von solchen Ausnahmen ab, die doch immer Ausnahmen bleiben,
so ist es lcherlich bei einem Streite zwischen Kaninchen und Bulldogge
zur Rechtfertigung des Hundes anzufhren, da das Kaninchen angefangen,
und der Hund deshalb das Kaninchen totgebissen habe. Ein Kaninchen wird
sich schn hten, mit einer Bulldogge anzubinden. Aber das Raubtier,
das die grere Kraft besitzt, wird stets eine Entschuldigung fr sein
Tun finden.


134. Kann das Kaninchen mit dem Schwein in Wettbewerb treten?

Mit dem Absatz ihres Kaninchenfleisches an ihre Gste ist die Familie
Lankenheim nicht sehr zufrieden. Trotz der schlechten Zeiten wollen die
meisten Gste Kaninchenfleisch nicht so hufig essen.

Es ist merkwrdig, da so viele Leute, die sich zunchst mit
Begeisterung auf die Kaninchenzucht geworfen haben, so bald davon
wieder Abstand genommen haben. Irgendwie scheint hier ein Fehler
gemacht worden zu sein.

Wir haben an einer frheren Stelle die Vorzge der Schweinehaltung bei
einfachen Leuten beleuchtet. Mit Schweinefleisch wird Kaninchenfleisch
niemals in Wettbewerb treten knnen, weil Schweinefleisch stets reiend
Absatz findet, whrend bei Kaninchenfleisch die Sache etwas anders
liegt.

Es gibt zu denken, da in England und Frankreich die Kaninchenzucht in
der groartigsten Weise blht. Einzelne Grozchtereien sollen jhrlich
12000 Kaninchen auf den Markt bringen. In Frankreich sollen in Paris
vor dem Kriege allein jhrlich 3 Millionen Kaninchen verzehrt worden
sein, whrend zu der gleichen Zeit in der Berliner Zentralmarkthalle
etwa der sechzigste Teil verkauft wurde.

Dem Geschmack der Franzosen und auch der Englnder mu also das
Kaninchenfleisch mehr zusagen als dem unsrigen. Das ist sehr zu
bedauern, denn das Kaninchen hat ohne Zweifel als Pelztier eine
Zukunft. Es kann nur eine Frage der Zeit sein, wann die pelzliefernden
Raubtiere und sonstigen Tiere ausgerottet oder doch so vermindert sind,
da ihre Felle der Nachfrage nicht mehr entfernt entsprechen knnen.
Dann werden Kaninchen und Hauskatzen mit ihren Fellen als Ersatz dienen
mssen.

Die Kaninchenzchter heben noch den auerordentlichen Wert des
Kaninchens als Lederlieferanten hervor. Aus dem Fell eines 65
Zentimeter langen Kaninchens lassen sich nach ihren Angaben
das Oberleder fr ein Paar Damenschuhe nebst einem Ersatzstck
herausschneiden. Dieses Leder ist sehr weich und trgt sich sehr gut.


135. Wie gro ist die Vermehrung des Kaninchens?

Die Fruchtbarkeit des Kaninchens ist sprichwrtlich geworden. Das
wilde Kaninchen paart sich im Februar oder Mrz und setzt nach einer
Tragezeit von dreiig Tagen alle fnf Wochen 4 bis 12 Junge. Diese
Jungen sind bereits nach einem halben Jahre fortpflanzungsfhig und
nach einem vollen Jahre ausgewachsen. Ein einziges Kaninchenpaar kann
also in einem Sommer 20 bis 70 Nachkommen haben. Dabei sind die ersten
Nachkommen bei Ablauf des Sommers bereits ebenfalls fortpflanzungsfhig.

Htten die Kaninchen keine Feinde, so wrden sich die 20 bis 70
Nachkommen im nchsten Sommer auf 10- bis 35mal 20 bis 70, also auf 200
bis 2450 Kaninchen vermehren knnen, wozu das alte Paar ebenfalls 20
bis 70 liefern knnte. Der Bestand wre dann 220 bis 2520 Kaninchen.

Da die Kaninchen nicht von der Luft leben, sondern durch Unterwhlung
des Bodens und durch Benagen der Baumrinden und Fressen von
Nutzpflanzen groen Schaden anrichten, so versteht man, da in
Australien und anderen fr die Kaninchen gnstigen Lndern groe
Geldbetrge fr ihre Vernichtung gezahlt werden.

Den zahmen Kaninchen lt man nicht mehr als acht Junge, damit sie
hinreichende Nahrung haben. Nach vier Wochen entwhnt man sie. Die
Eltern werden gewhnlich nur vier Jahre zur Zucht verwendet.


136. Das Kaninchen in Redensarten und Sprichwrtern.

Die Redensart: Kaninchen hat angefangen und die sprichwrtliche
Vermehrung der Kaninchen ist bereits besprochen worden.

[Illustration: Weie Hsin (Kaninchenweibchen)      Fressende Kaninchen]

[Illustration: Kaninchen-Zuchtksten]




Das Meerschweinchen


137. Das Meerschweinchen.

Bei Onkel Althaus knnen wir auch Meerschweinchen sehen, mit denen
wir uns aber nur kurz befassen wollen. Es ist ein allbekanntes,
kleines, buntes Tierchen, das wie das Kaninchen ein Nager ist. Es wird
wie das Kaninchen gefttert und vielfach mit ihm zusammengehalten.
Obwohl das Meerschweinchen aus Sdamerika stammt, vertragen sich beide
Nagerarten gut. Nur beien manchmal die Kaninchen die Jungen von
Meerschweinchen tot. Hat man mehrere Meerschweinchen zusammen, so hrt
man oft ein Quieken und Grunzen, woher auch der Name Meerschweinchen
kommen drfte.

Whrend das Kaninchen ein sehr schnes Fell liefert, ist das vom
Meerschweinchen nicht zu gebrauchen.

Auch gegessen wird das Meerschweinchen bei uns nicht. Es ist
hauptschlich ein Spielzeug fr Kinder, weil es sich alles gefallen
lt.

Onkel Althaus hat ein Paar Meerschweinchen seinem Shnchen Albrecht zu
Weihnachten geschenkt. In Ermangelung eines passenden Stalles hatte
er das Prchen in ein leeres Aquarium gesteckt und darin als Geschenk
aufgebaut. Der Sohn hielt die fremden Tiere im Aquarium zunchst fr
junge Biber. Dieser Irrtum ist ganz erklrlich, da der Biber unser
grter Nager ist und ein vorzglicher Schwimmer ist.

Inzwischen hat das Weibchen ein einziges, aber ungemein krftiges
Junges bekommen. Mit ihm zusammen lebt es im Aquarium, whrend der
Vater ausgesperrt ist.

Nach der Schilderung des kleinen Albrecht sind Meerschweinchen sehr
kluge Tiere. Wenn er aus der Schule kommt und sich dem Aquarium nhert,
richtet sich die Mutter auf, weil sie wei, da sie etwas zu fressen
bekommt.

Da in der neuesten Auflage von Brehms Tierleben genau das gleiche
berichtet wird -- allerdings als groe Ausnahme -- so ist es nicht
unmglich, da die Beobachtung des kleinen Tierfreundes der Wahrheit
entspricht.

Nach den frheren Berichten war das Meerschweinchen sehr fruchtbar.
Im neuesten Brehm wird das als Irrtum erklrt. Die bliche Zahl der
Jungen ist vielmehr nur zwei und die Tragezeit so lange wie beim Hunde,
nmlich 63 Tage. Dafr ist das Junge hoch entwickelt wie ein junger
Hase. Nach 8 bis 9 Monaten hat das Meerschweinchen seine volle Gre
erreicht. Bei guter Behandlung kann es 8 Jahre alt werden.

Sehr beliebt sind die Angora-Meerschweinchen mit langem, schlichtem
Haar und die Strupp-Meerschweinchen.

Das Meerschweinchen stammt von dem in Sdamerika lebenden, ganz hnlich
aussehenden Nager ab, der den Namen _Cavia cutleri_ fhrt.

In wissenschaftlichen Anstalten werden viele Meerschweinchen
gehalten, da sie bei der Keimforschung, den Impfversuchen und der
Serumheilbehandlung unersetzlich sind.




Das Frettchen


138. Wie unterscheidet sich das Frettchen vom Iltis?

Um uns ein Frettchen anzusehen, wollen wir wieder nach dem Zoologischen
Garten gehen. Denn in der jetzigen Zeit hat keiner der mir bekannten
Frster ein Frettchen mehr, da die Kaninchen in ihrer Gegend vollkommen
ausgerottet sind.

Wir wissen bereits, da das Frettchen ein Albino des Iltis ist. Und
einen Iltis bekommen wir wenigstens im Zoologischen Garten zu sehen.

Der Iltis oder Stinkmarder gehrt zur Familie der Marder. Er erinnert
sehr an unsern Marder, nur da er ganz im Gegensatz zu diesem sehr
schwerfllig ist.

Seit Jahrtausenden wird eine weiliche Abart, ein Albino von ihm, das
sogenannte Frettchen, vom Menschen als Haustier gehalten. Der Grund
liegt hauptschlich darin, da es zur Kaninchenjagd unentbehrlich ist.
Sobald der schlanke Ruber einen Kaninchenbau betritt, fahren die
Kaninchen aus ihrer sichern Burg und knnen leicht geschossen werden
oder in aufgestellte Netze geraten.

Das Frettchen ist sehr weichlich und macht gerade keinen sehr
angenehmen Eindruck. Es ist etwas kleiner als der Iltis und als Albino
natrlich wei im Gegensatz zu seinem braunen Verwandten. Es wirft etwa
4 bis 8 Junge nach einer Tragezeit von sechs Wochen.


139. Ttung eines Berliner Kindes durch ein Frettchen.

Kurz vor Weihnachten 1919 brachten Berliner Bltter die Nachricht, da
ein Frettchen in die Wiege eines Suglings gekrochen sei und ihm einen
Augapfel ausgefressen habe, was den Tod des kleinen Wesens zur Folge
hatte. Natrlich war dieser Vorfall nur mglich, weil die Eltern nicht
zugegen waren, da sie auf Arbeit gegangen waren.

Ein solcher Fall ist nicht das erste Mal vorgekommen, und wird nicht
der letzte seiner Art sein. Deshalb sei er etwas nher besprochen.

Es wurde schon erwhnt, da das Frettchen seit Jahrtausenden zur
Kaninchenjagd dient. Schon in Friedenszeiten gab es eine Unmenge
Frettierer. Im Kriege, wo der Fleischhunger aufs hchste gestiegen
war, wurde natrlich erst recht frettiert. Das Frettchen als Ernhrer
der Familie wurde besonders gepflegt, zumal es wie alle Albinos sehr
frostig ist. Es wurde daher von dem Frettierer in seine Wohnung
genommen.

Die Ftterung der Frettchen besteht gewhnlich aus Milch und Semmeln.
Wir haben unsern Frettchen hin und wieder stets tierische Nahrung
gegeben, also Sperlinge und andere Vgel.

Wenn ein Tier, das an tierische Speise gewhnt ist, pltzlich nur
Pflanzenkost erhlt, dann sucht es sich irgendwie Ersatz. Hhner rupfen
sich die Federn aus und werden Eierfresser, Sauen und Muse fressen
ihre eigenen Jungen. Darauf haben wir schon wiederholt hingewiesen
(Kap. 106).

So hat das Frettchen bei den einfachen Leuten wahrscheinlich nur
Pflanzenkost erhalten, wie das so blich ist. Eines Tages hat es beim
Umherkriechen das junge Menschenfleisch gewittert, das Raubtier ist in
ihm erwacht, und das Unglck ist geschehen.

Wehrlose Kinder soll man also mit einem Frettchen nicht unbeaufsichtigt
in demselben Raume lassen.

Manche warnen auch vor der Haltung einer Katze, weil sie sich auf
den Sugling in der Wiege legen und ihn totdrcken kann. Trotz aller
Bemhungen habe ich einen solchen Fall bisher nicht feststellen knnen.
Da aber die Mglichkeit besteht, so ist Vorsicht unbedingt am Platze.


140. Das Frettchen in Redensarten und Sprichwrtern.

Vom Frettchen finde ich keine Redensarten oder Sprichwrter angefhrt.
Dagegen hat der Iltis oder Ratz, der Stammvater des Frettchens, zur
Redensart Anla gegeben:

               *Er schlft wie ein Ratz.*

Ich kann aus eigener Erfahrung besttigen, da ich in einem sehr
iltisreichen Jagdgebiet den Iltis stets schlafend in der Kastenfalle
vorgefunden habe. Die Redensart: Er schlft wie ein Ratz -- nicht Ratte
-- ist also ganz der Wirklichkeit entsprechend.




Das Huhn


141. Warum krht der Hahn?

Um uns Hhner anzusehen, brauchen wir nicht erst nach einem Vorort zu
wandern. Vielleicht hat es niemals so viel Hhner in Berlin gegeben,
wie gerade jetzt. Wenn man frh morgens die Fenster ffnet, dann krht
es aus verschiedenen Kellern.

Da ist beispielsweise ein Kohlenplatz in der Nhe, auf dem Hhner
gehalten werden. Der Hahn waltet stolz seines Amtes als Herrscher
und Wchter, whrend die unscheinbaren Hennen anscheinend nur
an die Fllung ihres Magens denken. Bisher hat man es fr ganz
selbstverstndlich angenommen, da der Hahn ein stolzes, kampflustiges
Geschpf ist. Das ganze Benehmen stimmt fast in allen Einzelheiten mit
dem eines stolzen Menschen berein. Vorsichtig setzt er seine Fe, als
ob er ganz von der Wichtigkeit seiner Persnlichkeit durchdrungen ist.
Scharf schauen seine Augen umher, ob er irgendwie einen Versto gegen
seine Herrenrechte oder etwas Gefhrliches entdeckt. Dann krht er zur
Abwechselung wieder einmal und schlgt dabei mit den Flgeln, als wenn
er sagen wollte: Hier ist der Mittelpunkt der Erde, weil ich hier
stehe -- zweifelt irgend jemand daran?

Warum krht der Hahn? Die Sache ist hnlich wie bei dem Bellen des
Hundes. Eine Fhigkeit, die beim wilden Tiere bestand, hat sich
auerordentlich entwickelt, nachdem das Tier ein Haustier geworden ist.

Schlft man auf dem Lande, so kann man in tiefer Nacht hufig
Hhnekonzerte hren und vom menschlichen Standpunkt aus folgendermaen
schildern. Ein Hahn ist aufgewacht, und da er der Meinung ist, da
es ganz zweckmig wre, wenn er einmal krhte, so krht er eben.
Rcksicht auf die Hennen und deren Schlaf nimmt er nicht. Ein anderer
Hahn ist von dem Krhen aufgewacht und sagt sich: Es knnte sein, da
die Welt denkt, es gbe nur den Hahn von Lehmanns. Das geht nicht.
Deshalb werde ich auch einmal krhen. Denkts und krht ebenfalls. So
geht die Runde durch die Huser des Dorfes. Der erste Krher lt es
aber mit dem einen Male nicht bewenden, und die andern ebenfalls nicht.
So geht das Konzert eine ganze Weile. Das grte Wunder ist eigentlich,
da es schlielich doch verstummt. Die Mdigkeit trgt schlielich den
Sieg davon ber den Wunsch: Mein Feind darf nicht das letzte Wort haben.

Wir halten also den Hahn fr stolz und eingebildet. Ob wir unbedingt
recht haben, lt sich nicht so leicht sagen, weil wir Menschen eben
stets unsere menschlichen Verhltnisse als Mastab nehmen. Fr die
Richtigkeit unserer Ansicht spricht, da man den Hahn demtigen kann.
So soll er nach den Angaben eines vortrefflichen Naturforschers ganz
kleinlaut werden, wenn man ihm die Schmuckfedern abschneidet.

Heute kennen wir auch die Stammeltern unserer Haushhner. Es ist das
Bankivahuhn, _Gallus gallus_, das im warmen Indien lebt. In der Nacht
schlft es auf Bumen. Unsere Hhnerleiter ist weiter nichts als eine
Nachahmung der Zweige, die es in seiner Heimat zur Nachtzeit als
Ruhesttte benutzt.

So wenig wir von der Lebensweise des Bankivahuhns wissen, das eine
knnen wir mit Wahrscheinlichkeit annehmen, da es schwerlich so oft in
dunkler Nacht krhen wird.

Als Beweis knnen wir das Benehmen unserer Sperlinge anfhren. In
frheren Jahren, als die pferdelose Straenbahn noch nicht fuhr, gab es
viel mehr Sperlinge in Berlin. Auf dem Belle-Alliance-Platz hielten sie
auf den Platanen, ehe die Nacht einbrach, ordentliche Parlamente ab.
Ehe sie morgens das warme Nest verlieen, hielten sie stets eine kleine
Morgensprache ab. Hrte ich das erste Schilpen der Sperlinge und ging
ans Fenster, so war stets eine gewisse Helligkeit vorhanden.

Der Grund hierfr ist ganz einleuchtend. Das Benehmen eines
freilebenden Tieres wird durch seine Feinde bestimmt. Fr die Sperlinge
sind die Hauptfeinde in der Nacht die kleinen Eulen und das kleine
Wiesel. Sie schilpen also erst, wenn es bereits so hell ist, da sie
vor einem Feinde rechtzeitig flchten knnen. In der Nacht denken sie
nicht daran, zu schilpen. Sie wrden nur ihre Feinde auf ihr Versteck
aufmerksam machen, und knnten in der Dunkelheit nicht flchten.

Man kann wohl ohne Uebertreibung behaupten, da in Berlin eine Gefahr
fr die Sperlinge zur Nachtzeit kaum besteht. Die Nester werden
gewhnlich so angelegt, da bei vierstckigen Gebuden selbst ein
kletterfertiger Knabe schwerlich zu ihnen gelangt. Wiesel gibt es
innerhalb des Weichbildes des alten Berlins kaum, und sie knnen bei
unsern hohen Gebuden den Sperling auch nicht schdigen. Auch Eulen
sind so selten, da sie kaum in Betracht kommen.

Der Bankivahahn in Indien wird also auch erst ordentlich krhen, sobald
es so hell geworden ist, da er vor einem Feind flchten kann. In der
Nacht haben verschiedene Ruber Sehnsucht nach einem Hhnerbraten. Der
Bankivahahn hat also hinreichenden Grund, den Schnabel zu halten.

Bei uns werden Auerhahn und Birkhahn, die ebenfalls in der Nacht
auf Bumen schlafen, vom Marder und Uhu verfolgt. In Indien kommen
als Feinde der Vgel noch die Nachtaffen hinzu, die geruschlos wie
Gespenster den schlafenden Vgeln den Hals umdrehen.

Unsere Auerhhne und Birkhhne balzen, d. h. tanzen wie die Verrckten,
wenn der Frhling kommt und ihre Herzen mit Liebessehnsucht erfllt.
Dann sind sie manchmal wie blind und taub, wodurch sie dem Jger
Gelegenheit zu ihrer Erlegung bieten. Die brige Zeit hindurch sind sie
sehr scheu und lautlos.

Der Bankivahahn wird es ebenso machen. Er wird hauptschlich im
Frhjahr krhen, um den Hennen zu zeigen, wo er sitzt, und den andern
Hhnen die Mitteilung zu machen, da er zu einem Kampfe mit ihnen
bereit ist.

Das Krhen des Hahnes ist also wie das Bellen des Hundes erst zur
Entwicklung gelangt, seitdem das vordem wilde Tier Haustier wurde.
Es hat vor seinen Feinden keine Furcht mehr im sichern Hhnerstall.
Die gute Ftterung sorgt dafr, da die Frhlingsstimmung anhlt. So
erklrt sich das hufige Krhen, namentlich in der dunklen Nacht.

Aufmerksame Tierbeobachter wollen herausgefunden haben, da der Hahn
nur bei bevorstehender Luftvernderung krht. Da sich mit Anbruch des
Tages die Luft verndert, so wre das der wahre Grund, da der Hahn
morgens krht. Es ist mglich, da diese Ansicht begrndet ist, aber
mit meinen Beobachtungen will sie nicht immer bereinstimmen. -- Vorhin
wurden einige Feinde des Huhns angefhrt. Der Vollstndigkeit halber
sei noch erwhnt, da sich zu ihnen noch zahlreiche andere Raubtiere,
z. B. der Fuchs sowie die Tagraubvgel gesellen.


142. Der Lockruf des Hahns.

Unser Hahn hat jetzt -- was auf beschrnktem Raum gewi nicht hufig
vorkommt -- einen guten Bissen gefunden und gibt einen eigentmlichen
lockenden Ruf von sich, auf den die Hennen hinzugestrzt kommen. Man
mu sich freuen, da der Hahn etwas, was ihm selbst sehr gut schmecken
wrde, freiwillig seinen Damen berlt. Mancher Familienvater knnte
sich hieran ein Beispiel nehmen.

Abseits von den brigen Hennen befindet sich durch ein Gatter getrennt
eine Glucke, die ihre Kchlein fhrt. Es ist ein allerliebster
Anblick, diese kleinen Dinger, die erst einige Tage alt sein knnen,
in Gemeinschaft mit ihrer wachsamen Mutter auf Nahrungssuche ausgehen
zu sehen. An der Pflege und Aufzucht der Kleinen beteiligt sich der
Hahn nicht. Man kann daraus ersehen, da es unrichtig ist, menschliche
Verhltnisse auf tierische ohne weiteres zu bertragen. Fr uns scheint
es gerade die besondere Aufgabe des Vaters zu sein, seinen Kindern in
Gemeinschaft mit der Mutter Pflege und Nahrung zu verschaffen.

Da der Hahn in Vielehe lebt, und jedes Weibchen etwa ein Dutzend Kleine
fhrt, so knnte der Hahn hchstens bei einem Dutzend einer bestimmten
Henne Vaterpflichten erfllen. Jedenfalls wre es ihm ganz unmglich,
es bei allen Nachkommen zu tun. So erklrt sich die Gleichgltigkeit
gegen seine Nachkommenschaft in einfacher Weise.

Uebrigens ist diese Gleichgltigkeit nur scheinbar. Sobald ein Feind
naht, der die Kleinen gefhrdet, etwa ein Raubvogel, so tritt der Hahn
zu ihrem Schutze ein. Ebenso bernimmt er hufig die Sorge fr die
Kleinen dann, wenn die Henne pltzlich verunglckt.

Wenn wir auf die Lautuerungen der Hhner sorgfltig achten, so werden
wir finden, da eine ziemliche Anzahl verschiedener Laute bei ihnen
verwendet wird. Sehen wir vom Krhen und Gackern, sowie dem Lockruf ab,
so ist ein Warnruf auffallend, namentlich wenn der Hahn einen Raubvogel
zu Gesicht bekommt. Bei den Papageien werden wir noch nher darauf zu
sprechen kommen. Die Erklrung, da die Tiere keine Sprache haben, weil
sie sich nichts zu sagen haben, kann uns nicht gefallen. Kann der Hahn
seinen Damen etwas wichtigeres mitteilen, als wenn er ruft: Kommet her,
hier ist ein guter Bissen.


143. Wie unterscheiden sich Hhner und Tauben?

Auf dem Dache des Hauses sitzen ein Dutzend Tauben. Wir knnen so recht
den Unterschied zwischen ihnen und den Hhnern ins Auge fassen.

Zunchst fragen wir: Warum sitzen die Hhner, die doch ebenfalls
Vgel sind, nicht wie die Tauben auf dem Dache? Ja, warum? Weil alle
Hhnervgel schlechte Flieger sind. Vgel knnen zwar fliegen, aber
manche sehr gut, manche nur sehr schlecht. Es ist genau so wie bei dem
Laufen. Es gibt Windhunde, die sehr schnell laufen, und Dachse, die
sehr langsam sind.

Die Hhner gehren zu den schlechten Fliegern. Ja, der Strau, der
grte von den Hhnervgeln, kann gar nicht fliegen.

Bei der Jagd auf Rebhhner kann man erleben, da die Hhner bei starkem
Winde nicht auffliegen wollen. Sind sie ein paarmal geflogen, so haben
sie genug davon und wollen nicht mehr.

Als Ersatz fr die schwache Fliegekunst sind die Hhner vorzglich auf
den Beinen. Das Huhn ist der richtige Beinvogel. Es rennt vorzglich.
Hat man einen Fasanen geschossen und nur flugunfhig gemacht, so hat
man ihn noch lange nicht. Er rennt davon mit einer Schnelligkeit, da
man ihn ohne Hund nicht bekommt. Dagegen kann eine wilde Taube, die man
in gleicher Weise verwundet, nicht von der Stelle fort.

Wirklich hervorragende Flieger haben kleine Fe. Der Mauersegler,
der vom 1. Mai bis zum 1. August die Hhen von Berlin durcheilt, ist
wohl unser bester Flieger. Er tummelt sich den ganzen Tag in der Luft.
Seine Fchen sind so klein, da sie nur zum Ankrallen dienen. In der
Tierkunde fhrt er den Namen der Fulose, was natrlich bertrieben
ist.

Je kleiner die Fe, desto weniger Gepck hat der fliegende Vogel zu
tragen. So kann man schon an den Beinen ungefhr erkennen, was fr
einen Flieger man vor sich hat.

Tauben gehren zu den guten Fliegern. Mit den Mauerseglern knnen sie
sich natrlich nicht messen. Entsprechend ihrem guten Fluge haben
sie kleine Fchen, mit denen sie nicht rennen, sondern eigentlich
nur trippeln knnen. Bei drohender Gefahr luft daher das Huhn fort,
whrend die Taube fortfliegt. Das Huhn hat das bichen Fliegerkunst,
die es als wildes Tier noch besa, als Haustier fast vllig eingebt.
Ueber einen mannshohen Zaun zu fliegen, kostet ihm schon Anstrengung.

Fr uns Menschen ist es natrlich ganz angenehm, da das Huhn kaum
fliegen kann. Es erleichtert uns die Ueberwachung.

Die Verluste, die wir bei Tauben haben, da sie in fremde Schlge
verlockt werden, oder sonst bei ihren Flgen verloren gehen, kommen bei
den Hhnern nicht in solchem Mae vor.

Die krftigen Beine der Hhner sind zum Scharren wie geschaffen und
werden fleiig dazu benutzt. Nicht mit Unrecht spricht Goethe von Frau
Kratzefu. Sonst sagt man, der Hahn macht Kratzfe. Wenn er sich vor
seinen Damen verbeugt, macht er nmlich Kratzfe, indem er die Beine
bewegt, als wenn er scharren wollte.

Die schwachen Beine der Tauben wren natrlich zum Scharren ganz
ungeeignet.

Whrend die Kchlein, wie wir sehen, unter fortwhrendem Gepiepe der
Mutter folgen, brauchen junge Tauben lngere Zeit, ehe sie auf den
Beinen stehen. Hhner sind eben Nestflchter, Tauben sind Nesthocker.

Denselben Unterschied hatten wir bereits bei den Sugetieren. Die
Raubtiere, ebenso das Kaninchen, mssen ihre Jungen lngere Zeit
sugen, ehe sie sich selbstndig mit einiger Geschwindigkeit bewegen
knnen. Die Jungen gleichen also den Nesthockern. Bei Pferden, Rindern,
Ziegen usw. sind dagegen die Jungen wie bei den Nestflchtern nach
kurzer Zeit imstande, der Mutter zu folgen.

Ueber den Grund der Verschiedenheit war schon frher gesprochen worden
(Kap. 65). Raubtiere knnen ihre Jungen verteidigen. Das Kaninchen
ist mit seinen Jungen leidlich sicher im Bau. Dagegen wren Fohlen,
Klber, Zicklein usw. den Raubtieren ausgeliefert, wenn sie wochenlang
brauchten, wie die jungen Hunde und Katzen, um bewegungsfhig zu sein.

Bei den Vgeln liegt die Sache genau so. Diejenigen, die auf Bumen,
Felsen oder in Klften bauen, sind wie das Kaninchen in seinem Bau vor
ihren Feinden leidlich sicher. Deshalb sind ihre Jungen Nesthocker,
die lngere Zeit brauchen, ehe sie das Nest verlassen knnen. Anders
liegt die Sache bei den Bodenbrtern. Hier ist die Gefahr fr die
Nachkommenschaft sehr gro. Denn die kletterunfhigen Ruber, also
Dachse, Igel, Iltisse, Wildschweine, Fchse, Wlfe knnten das Nest
finden und die Jungen fressen, wenn diese Nesthocker wren. Mit den
Eiern, die im Neste sind, machen sie es hufig so.

Aus diesem Grunde stehen die Jungen der Hhnervgel, sobald sie das Ei
verlassen haben, gleich fertig auf den Beinen.


144. Die Mutterliebe der Glucke.

Eine Glucke mit Kchlein unter den Flgeln ist uns Menschen von jeher
als ein echtes Bild treuer Mutterliebe erschienen.

Und diese Mutterliebe ist auch bei den vielen Kleinen und den
zahllosen Gefahren sehr notwendig. Die Mutter mu von frh bis spt,
und erst recht in der Nacht auf ihre Lieblinge achten. Man merkt an
dem fortwhrenden Gepiepe der Jungen, da sie Kinder eines Landes
mit ppigem Pflanzenwuchs sind. Auf dem fast kahlen Platze ist das
fortwhrende Piepen gnzlich berflssig. Die Mutter sieht ja, wo die
Kleinen sind. Die kleinen Entchen auf dem Wasser piepen ja auch nur
unter besonderen Umstnden. In Indien, im ppigen Dschungelwald, ist
das Gepiepe dagegen von grter Wichtigkeit, da sonst die Mutter leicht
eines von ihren Dutzend Kleinen verlieren knnte.

Die Mutterliebe wandelt die sonst so furchtsame Henne vollkommen um.
Ein Hund, ein Knabe wird ohne weiteres angegriffen, wenn er sich ihren
Kleinen zu sehr nhert.

Diese Angriffslust der Glucke gegen Raubtiere und Menschen ist im
hchsten Grade merkwrdig. Hier liegt nmlich keine Spur von Vererbung
vor. Man sollte meinen, da das ein von den Stammeltern erprobtes
Verfahren sei, wie ja auch das weibliche Reh sein Junges gegen den
Fuchs verteidigt. Aber die Mtter der Wildhhner, Wildenten und
anderer Friedvgel haben sonst eine ganz andere Rettungsart, und das
Bankivahuhn wird davon keine Ausnahme machen. Bei Annherung eines
berlegenen Feindes stoen die besorgten Mtter einen Warnruf aus,
worauf die Jungen verschwinden und regungslos auf dem Erdboden liegen
bleiben. Sodann geht sie dem Feinde entgegen und stellt sich lahm. Der
Gegner will sich den guten Braten nicht entgehen lassen und verfolgt
die anscheinend Gelhmte. Diese fhrt ihn weit fort und ist pltzlich
gesund, indem sie zu ihren Kleinen zurckfliegt.

Jetzt wird uns klar, da die Hhner, wie alle friedlichen Geschpfe,
ihre Augen zu beiden Seiten haben mssen, um vor der Schnauze eines
Raubtieres rennen zu knnen, ohne gehascht zu werden. Bei der Stellung
unserer Augen knnen wir das nicht nachmachen, da wir nicht nach hinten
sehen knnen.

Diese ursprngliche Rettungsart ist fr das Haushuhn zwecklos. Die
Jungen knnen sich auf der blanken Erde nicht verstecken und haben auch
nicht die Schutzfrbung der wilden Kchlein. Sie selbst kann aber den
Feind nicht in die weite Ferne weglocken, da sie nicht zurckfliegen
kann. Auch kann sie ihre Kleinen nicht so lange Zeit den ihnen gerade
im Haushalte des Menschen drohenden Gefahren berlassen.

Ausgerechnet das als dumm verschriene Huhn ist zur Rettung seiner
Kleinen auf einen neuen Ausweg verfallen.

Von den Kchlein ist es bekannt, da sie ohne die Wrme der Mutter
bald zugrunde gehen. Die Mutter mu sie also in der Nacht und an
kalten Tagen unter ihre Flgel nehmen. Diese Frostigkeit scheint uns
Menschen sehr unzweckmig zu sein. Vielleicht liegt die Sache aber
etwas anders. In Fachblttern wurde mehrmals mitgeteilt, da erstarrte
Kchlein in das Kchenfeuer geworfen werden sollten, weil man mit den
toten Tieren nichts anfangen konnte. Kaum lagen sie aber einige Minuten
auf dem warmen Herd, so wurden sie alle wieder lebendig. Hiernach
scheint es fast so, als soll die Frostigkeit bezwecken, da das
Kchlein bald hinfllt. Dann kann es leicht von der Mutter gefunden und
wieder zum Leben aufgewrmt werden. Wre es nicht frostig, so liefe es
unendlich weit in die Irre und knnte nicht mehr gerettet werden.


145. Warum gehen die Hhner so zeitig schlafen? Die sogenannte
Hhnerkieke.

Ursprnglich war es unsere Absicht gewesen, bereits am Tage vorher uns
die Hhner anzusehen. Aber wir muten unser Vorhaben aufgeben, da die
Hhner bereits den Stall aufgesucht hatten. Da es noch hell war, ist
dieses zeitige Aufsuchen der Schlafsttte recht auffallend. Es ist
daher verstndlich, da man von einem sehr soliden Menschen sagt: er
geht mit den Hhnern zu Bett.

Obwohl die Vgel smtlich Augentiere sind, sie sich also alle wie der
Mensch in erster Linie nach den Augen richten, so mssen doch ihre
Augen verschieden gebaut sein. Denn wir kennen Vgel, die hauptschlich
in der Nacht auf Raub ausgehen, z. B. die Eulen. Die Eulen sind nicht
am Tage blind, wie der Volksmund sagt, aber es ist eine Seltenheit,
wenn sie bei Tageslicht freiwillig eine Ttigkeit ausben. Umgekehrt
werden Hhner, Sperlinge und viele andere Vgel nur notgedrungen etwas
in der Dunkelheit tun. Dazwischen stehen Vgel, die sowohl in der
Dunkelheit wie bei Tageslicht ttig sind, z. B. unsere Wildenten, der
Groe Brachvogel, die Nachtigall usw. Die halbzahmen Wildenten des
Berliner Tiergartens kann man oft in tiefer Nacht ihre Nahrung im Kanal
beim Scheine der Laternen suchen sehen. Die Vorbergehenden behaupten
oft, da hier eine Anpassung vorliegt. Das ist jedoch ein Irrtum. Enten
sind von jeher des Nachts auf Nahrungssuche ausgegangen. Jeder Jger
wei, da man sich abends an Teichen aufstellt, um die beim Eintritt
der Dunkelheit einfallenden Enten zu schieen.

Man darf wohl mit Recht annehmen, da die Hhner deshalb so zeitig in
den Stall gehen, weil sie in der Dunkelheit gar nichts sehen knnen.
Die Landbewohner behaupten vielfach, da die Hhner bereits in der
Abenddmmerung nichts sehen knnen. Da es Menschen gibt, die infolge
von ungengender Ernhrung in der Abenddmmerung nicht sehen knnen,
so sagt der Landbewohner von ihnen: sie haben die Hhnerkieke. Damit
will er sagen, da die sogenannten nachtblinden Menschen genau wie die
Hhner in der Abenddmmerung nichts sehen knnen.

Ferner ist dem Landbewohner bekannt, da die Hhner leicht an
Schneeblindheit erkranken. Sie werden dann gewhnlich in den Stall
gebracht.

Soviel ist wohl sicher, da das Vogelauge in mancher Hinsicht anders
gebaut ist als das Menschenauge. So fngt man in den Balkanlndern
Vgel mit groen bunten Tchern, wodurch die Vgel in auffallender
Weise angelockt werden.

Ob die Landbewohner recht haben, da die Hhner bereits gegen Abend, wo
es noch hell ist, nicht sehen knnen, lt sich nicht beurteilen. Die
Frage wird hoffentlich durch Versuche von Gelehrten beantwortet werden.


146. Die Farbenblindheit der Hhner. Die Hypnose des Huhns durch einen
Kreidestrich.

Auf andern Gebieten hat man neuerdings das Sehvermgen der Hhner
untersucht und gefunden, da sie farbenblind sind. Sie knnen grn und
rot nicht erkennen.

Mit der Praxis stimmt das Ergebnis schlecht berein. Denn hiernach
machte das schmucke Gewand des Hahnes, mit dem er sich so stolz
brstet, auf die Hennen gar keinen Eindruck. Diese knnen die grnen
Federn und den roten Kamm gar nicht schtzen, weil sie diese Farben
nicht wahrnehmen.

Da Versuche ber das Sehvermgen ungeheuer schwierig sind, so wird das
Ergebnis spter wohl noch berichtigt werden. Jedenfalls sind folgende
Beobachtungen damit schwer in Einklang zu bringen.

Hhner scheuen die Nsse. Das sieht man dann ganz deutlich, wenn
eine Glucke junge Enten ausgebrtet hat (vgl. Kap. 173). Trotz ihrer
Abneigung gegen Nsse gehen Hhner im Sommer auf die Wiesen, wenn es
stark geregnet hat. Die Grashpfer sind durch den anhaltenden Regen
erstarrt und knnen nicht fortspringen. Die Hhner fressen sie gern und
holen sie sich.

Auf einer grnen Wiese grne Grashpfer zu erkennen, dazu gehrt ein
sehr scharfes Auge. Wie das ein fr Grn farbenblindes Auge leisten
soll, ist nicht recht verstndlich.

Man wird berhaupt gegen Versuche und ihre Ergebnisse sehr mitrauisch,
wenn man an frhere Zeiten zurckdenkt.

So lernte ich als Knabe, da man ein Huhn hypnotisieren, d. h. in
einen schlafhnlichen Zustand versetzen kann, wenn man ein Huhn sacht
niederdrckt und vor seinen Augen einen geraden Kreidestrich zieht.
Selbstverstndlich haben wir das auch mit einem unserer Hhner getan
und waren berzeugt, da es hypnotisiert war, als es regungslos sitzen
blieb.

Als ich mich spter grndlich mit Tieren beschftigt hatte, wurde
mir der ganze Versuch zweifelhaft. Das Sichniederdrcken ist ja
die gewhnliche Rettungsstellung des Huhns. Es ist doch ganz
selbstverstndlich, da es in dieser seit Urzeiten blichen Lage
regungslos bleibt.

Bese man einen zahmen Hasen und legte ihn sorgsam so hin, wie er
gewhnlich in der Sasse sitzt, so wrde er natrlich auch regungslos so
sitzen bleiben.

Seit Urzeiten wei das Huhn, der Hase und andere viel verfolgte
Friedlinge, da Regungslosigkeit ihre sicherste Rettung ist. Uns
Menschen als Augentieren ist bekannt, da wir einen sich bewegenden
Gegenstand viel eher erkennen als einen ruhenden. Die Augen der
Nasentiere knnen aber, wie wir errtert haben (Kap. 2), Bewegungen
noch besser wahrnehmen als die unsrigen.

Der Kreidestrich ist also ganz berflssig. Ebenso ist das
Vorhandensein der Hypnose sehr unwahrscheinlich.

Man stelle sich folgende Lage eines Jgers vor, wie sie hin und wieder
vorkommt. Er hat stundenlang auf dem Anstand gesessen, und es ist
kein Wild gekommen. Er sagt sich also, da das Warten ganz zwecklos
ist. Deshalb will er aufstehen und sich seine Pfeife anznden. Kaum
hat er sich etwas erhoben und nach der Tasche gegriffen, da sieht er
pltzlich einen Rehbock mit einer auffallend starken Krone vor sich.
Als erfahrener Jger wei er, da, wenn er nicht zur Sule erstarrt,
der Rehbock fr ihn verloren ist. Das Tier nimmt die Bewegung wahr
und flchtet sofort. Deshalb bleibt der Jger genau wie er ist, in
seiner Lage, so wunderbar es aussieht. Knnte ihn ein Beobachter sehen,
der nicht wte, worum es sich handelt, so wrde er den Jger fr
geisteskrank oder fr hypnotisiert halten. Er steht regungslos da mit
halbgestrecktem Knie und hat die Hand auf dem Rcken liegen. Wir wissen
jedoch, da der Jger weder irrsinnig noch hypnotisiert ist, sondern
hchst zweckmig handelt.

Packe ich einen Frosch, so wird er glauben, da es ihm ans Leben ginge.
Bringe ich ein Bein von ihm in eine eigentmliche Lage, so wird er es
oft so lassen. Und zwar tut er es nicht, weil er hypnotisiert ist,
sondern weil er wei, wie oft er seine Rettung der Regungslosigkeit
verdankt. Der Storch kann ihn bersehen, wenn er regungslos bleibt, und
die Ringelnatter packt berhaupt nur nach Geschpfen, die sich bewegen.

Weil die Bedeutung der Regungslosigkeit im Tierleben dem Kulturmenschen
ganz unbekannt ist, deshalb nimmt er berall Hypnose an, wo eine ganz
natrliche Handlungsweise vorliegt.

Was ist nun von dem durch einen Kreidestrich hypnotisierten Huhn
geblieben, das ich in meiner Jugend als neue Weisheit lernte? Erstens
ist der Kreidestrich ganz berflssig. Zweitens ist das regungslose
Sitzenbleiben gar nicht wunderbar, da es die uralte Rettungsart des
Huhns ist. Drittens ist das Huhn gar nicht hypnotisiert.


147. Die naturgeme Behandlung des Huhns.

Wenn wir bedenken, da ein Huhn jhrlich etwa 150 Eier legen oder
eine Brut von einem Dutzend Jungen hochbringen kann, so mte man
meinen, da die Hhnerzucht ein sehr lohnender Betrieb ist. Ich
kenne Grostdter, die so durchdrungen waren von der Richtigkeit
ihrer Berechnung, da sie ihren Beruf aufgaben und auf dem Lande
eine Geflgelzucht einrichteten. Es hat nur einige Jahre gedauert,
dann hatten sie die Lust zum Betriebe verloren und obendrein ein
nicht unerhebliches Vermgen. Selbstverstndlich spreche ich hier von
Friedenszeiten vor dem Kriege.

Warum will in diesem Falle Theorie und Wirklichkeit so gar nicht
bereinstimmen?

Stellen wir uns vor, da ein Bauer auf seinem Hofe etwa 20 Hhner hlt.
Diese Hhner werden morgens zeitig aus dem Stall gelassen und treiben
sich den Tag ber auf dem Hof oder in der Umgebung umher. Dabei hat der
Bauer folgende Vorteile:

Erstens kosten ihm die Hhner den Sommer ber fast gar kein Futter.

Zweitens ist das Futter, das sie fressen, fr sie naturgem.

Drittens knnen die Hhner fleiig scharren und haben viel Bewegung,
was fr ihre Gesundheit von groer Bedeutung ist.

Viertens verteilen die Hhner am Tage ihren Unrat an den
verschiedensten Stellen, so da eine Anhufung nicht stattfindet.

Bei dem Grostdter, der eine groartige Geflgelzucht eingerichtet
hat, liegt die Sache ganz anders.

Erstens mu er auch im Sommer sehr viel Futter kaufen. Wie soll er fr
die Unmenge Hhner die erforderliche Nahrung herbeischaffen? Auf einem
Bauernhofe gibt es reichlichen Abfall, da sich in dem Miste zahlreiche
Larven und Wrmer aufhalten.

Zweitens ist die Nahrung, die der Geflgelzchter kauft, hufig nicht
naturgem. Im Frhjahr will das Huhn tierische Nahrung haben. Deshalb
reien sich Hhner, die man eingesperrt hat und nur mit Krnern
fttert, zu dieser Zeit die Federn aus oder beien sich gegenseitig die
Kmme blutig (vgl. Kap. 106).

Drittens braucht der Zchter im Gegensatz zu dem Bauern Personal, was
heute ganz besonders ins Gewicht fllt.

Viertens fehlt den Hhnern die Bewegung und sie erkranken leicht.

Fnftens huft sich der Unrat auf einem kleinen Flecke. Das ist aber
die gnstigste Vorbedingung fr den Ausbruch einer Seuche.

Das Ende vom Liede ist gewhnlich eine Seuche, die den ganzen
Hhnerbestand dahinrafft.

Bei Wildparken und Jagdrevieren liegt die Sache ganz hnlich. Je
weniger Wild ein Jagdrevier enthlt, desto gesnder ist es. Dagegen
sind Seuchen an der Tagesordnung, sobald eine Ueberfllung der Bezirke
stattfindet.

In den Grostdten bestehen ebenfalls Gefahren durch zu groe
Besiedelung eines kleinen Bezirkes. Hier hat der Mensch durch
Kanalisation, d. h. durch Fortleitung des Unrats die Macht der Seuchen
gebrochen.

Es wre also sehr wohl denkbar, da auch die Geflgelzuchten einen
hnlichen Ausweg finden.

*Auf der einen Seite ist es beklagenswert, da wir so viel Eier aus
dem Auslande einfhren mssen. Darum soll jede Vermehrung unseres
Hhnerbestandes untersttzt werden. Auf der andern Seite raten selbst
die begeistertsten Zchter davon ab, da ein Neuling ein groes Kapital
in die Geflgelzucht steckt. Erst soll er klein anfangen und sich den
Rat eines erfolgreichen Zchters einholen. Es gibt zu viele Dinge, die
man nur aus der Praxis lernen kann.*

*Was hier von der Geflgelzucht gesagt worden ist, gilt ganz allgemein
fr jede Kleintierzucht.*


148. Eine blinde Henne findet auch ein Korn.

Eine blinde Henne wird man wohl nirgends in Deutschland zu
sehen bekommen, weil man ein solches bedauernswertes Geschpf
abschlachten wrde. Frher war man in solchen Dingen weniger auf den
wirtschaftlichen Vorteil bedacht.

Ein anderes Beispiel fr die Verschiedenheit der Auffassung in
wirtschaftlichen Angelegenheiten ist folgendes:

Heute sehen wir, da die Hhner gewhnlich Ringe um die Beine (Stnder)
tragen. In meiner Jugendzeit kannte man das gar nicht. Erst seit einem
Menschenalter habe ich sie auf Bauernhfen angetroffen. Man wei
heute, da die Henne eine gewisse Anzahl von Eiern legt. Folglich hat
es keinen Zweck, sie ber ein bestimmtes Alter gelangen zu lassen.
Um dieses Alter jederzeit festzustellen, legt man ihnen Ringe um die
Beine. Diese Ringe sind in den einzelnen Jahrgngen verschieden.

Diese Ringe sehen wir auch bei den Hhnern auf dem Kohlenplatz.

Wir schlachten also bereits eine Henne, weil sie nicht mehr ganz so
viele Eier legt als eine etwas jngere. Erst recht werden wir also eine
blinde Henne schlachten, denn sie wrde nicht gengend Futter finden
und infolgedessen sehr abmagern.

In frheren Zeiten zerbrach man sich ber solche Dinge den Kopf nicht.
Hierbei hat man jedenfalls beobachtet, da eine blinde Henne wie die
andern scharrt und durch Zufall auch ein aufgescharrtes Korn findet.

Ein Vogel ist wie ein Mensch ein Augentier und tief zu beklagen, wenn
er sein Augenlicht verloren hat. Bei den Nasentieren liegt die Sache,
wie wir wissen, ganz anders. Blinde Hunde kann man sogar noch zur Jagd
bentzen. Deshalb wre auch ein Sprichwort unrichtig: Ein blinder Hund
findet auch einen Bissen. Er findet ihn vielmehr durch seine Nase
ziemlich leicht.

Umgekehrt fehlt den Vgeln eine gute Nase. Das kann man recht deutlich
bei den Hhnern wahrnehmen. Man kann ihnen nmlich Porzellaneier
unterlegen, und sie brten fleiig darauf. Ebenso brten Kanarienvgel
auf elfenbeinernen Eiern.


149. Die knstliche Glucke. Die Wetterfestigkeit des Huhns.

Eine Glucke mit Jungen bringt man gern in einen besonderen Raum, wie
wir es auch hier in unserm Falle beobachten knnen. Die Mutter ist in
gereizter Stimmung und kann leicht die andern Hennen angreifen. Diese
wiederum picken nach den Kchlein und suchen selbstverstndlich die
besten Bissen wegzuschnappen.

Seit Jahrtausenden hat man die Bruthitze der Glucke durch knstliche
Wrme ersetzt und ebenfalls Kchlein erzielt. Man hat dadurch den
groen Vorteil, da man ganz andere Mengen von Eiern ausbrten lassen
kann, als wenn man sie verschiedenen Glucken unterlegt. Allerdings
fehlt dafr den Kleinen das sorgsame Auge der Mutter. Auch sonst wurden
mir von Zchtern mancherlei Nachteile mitgeteilt. So knnen bekanntlich
junge Entlein sofort schwimmen und bleiben dabei trocken. Lt man die
Enteneier jedoch von einer knstlichen Glucke ausbrten, so werden
die jungen Entlein na. Dies wurde mir wenigstens von verschiedenen
Zchtern mitgeteilt.

Das knstliche Ausbrten der Hhnereier ist nicht so wunderbar,
wie es auf den ersten Augenblick erscheint. Denn noch heute gibt es
Hhnerarten, die in der Freiheit das gleiche Mittel anwenden. So legt
das Talegallahuhn seine Eier in vermoderte Bltter, die es zu Haufen
zusammenscharrt. Andere Wallnister benutzen den erwrmten Sand von
heien Quellen oder Vulkanen.

Es fngt jetzt etwas an zu regnen, und wir sehen, da Regen den Hhnern
durchaus nicht angenehm ist. Wie die Katze, so lieben die Hhner Nsse
durchaus nicht.

Auch wenn es kalt ist, kann man aus dem Benehmen der Hhner schlieen,
da ihnen nicht behaglich ist. Sie stammen eben aus einem heien
Lande. Deshalb ist Hhnerzucht nur in Lndern mit einer gewissen
Wrme mglich. Frankreich, England und Italien haben eine hhere
Durchschnittstemperatur als wir und haben schon aus diesem Grunde einen
Vorzug gegenber uns in der Geflgelzucht.

Da die Hhner Waldbewohner sind, so ist ihnen pralle Sonnenhitze
lstig. Umgekehrt stammen sie aus einem Sonnenlande und vermissen die
Sonne sehr. Ich konnte das in einem Hause, in dem ich vor vielen Jahren
wohnte, recht deutlich beobachten. Der Wirt hielt Hhner auf dem Hofe.
Da das Gebude vierstckig war, so war nur von Mitte Mai bis Mitte
Juli in den Mittagsstunden Sonnenschein auf dem Hofe. Whrend dieser
Stunden lieen die Hhner alles im Stich, selbst das Futter, und lagen
aufgeplustert im Sonnenschein und genossen in vollen Zgen die Wrme
der Sonnenstrahlen. Hier kam so recht der Sonnenhunger unserer Hhner
zum Vorschein.


150. Wie kriecht das Kchlein aus dem Ei?

Es ist gewissermaen ein Wunder, wenn aus dem Ei, das wohl die
Mglichkeit zu einem Leben bietet, aber doch leblos ist, pltzlich
allein durch die anhaltende Wrme ein lebendiges Geschpf kriecht.
Durch die Freundlichkeit unseres alten Bekannten, des bei den Ziegen
erwhnten Onkels Althaus, knnen wir das bei ihm in Ruhe beobachten.

Onkel Althaus hlt Wyandottes, weil er diese Rasse wegen ihrer
Legettigkeit und als Fleischhhner schtzt. Natrlich kann man keinen
schnen Garten haben, wenn man seinen Hhnern zu ihrer Gesundheit
Auslauf wnscht. So ist der Garten verschwunden, aber die Hhner
befinden sich wohl bei ihrer tglichen Bewegung und legen fleiig Eier.

Zwei Glucken sitzen auf Eiern, die tglich ausfallen knnen. Die
Glucken struben ihr Gefieder und stoen einen krchzenden Laut aus,
als Onkel Althaus die Eier untersuchen will. Erst ein Ei ist bei jeder
Glucke angepickt. Es ist das ein Zeichen, da das Kchlein mit seinem
Eizahn das Gefngnis verlassen will.

Wir mssen am andern Tage wiederkommen. In der Zwischenzeit sind bei
jeder Henne ein paar Kchlein ausgekrochen. Sie sind zum Trockenwerden
in die sogenannte Kchleinwiege gebracht worden, wo es schn warm
ist. Um uns nicht nochmals einen vergeblichen Weg machen zu lassen,
zeigt uns Onkel Althaus an mehreren Eiern, wie man das Auskriechen
beschleunigen kann. Als erfahrener Geflgelzchter kann er sich solche
Knsteleien erlauben, aber er rt jedem Neuling ganz entschieden davon
ab. Denn wenn sich auch nur ein Blutstropfen bei der beschleunigten
Geburt zeigt, so ist das Kchlein verloren.

Onkel Althaus whlt natrlich solche Eier, bei denen das Kchlein
bereits fast einen Ring um das Ei gepickt hat. Ganz vorsichtig wird
nach und nach erst die Schale und dann die dnne Haut entfernt. Man
sieht, welche Anstrengungen dem kleinen Geschpf die Befreiung aus
dem engen Kerker verursacht. Nach jeder greren Anstrengung braucht
es Ruhe. Es liegt dann wie leblos, namentlich nachdem es endlich
befreit ist. Zunchst gleicht es einem mit nassen Federn belegten Stck
Fleisch. Wir staunen, da ein solcher Krper berhaupt Platz in dem
kleinen Ei hatte. Die Zerstrung seiner Hlle verdankt das Kchlein
seinem Eizahn. Man mu sehr genau hinsehen, um ihn zu entdecken. Er hat
noch nicht einmal die Gre eines Stecknadelknopfes und befindet sich
oben auf dem Schnabel.

Der nasse kleine Klumpen, der seinen Kopf in die richtige Lage
gebracht hat, erholt sich allmhlich und wird zu den brigen in die
Kchleinwiege gebracht.

Bei der Verabschiedung knnen wir noch etwas von der Kehrseite der
Geflgelzucht kennen lernen. Ein Kchlein ist whrend des Tages
verunglckt. Ein anderes sieht ganz wie ein Todeskandidat aus. Es steht
abseits und sieht sehr betrippt aus. Das ist ein schlechtes Zeichen fr
ein Kchlein, namentlich wenn es dabei die Flgel hngen lt.

Onkel Althaus will noch einen Rettungsversuch machen und schiebt das
Kchlein einer Glucke unter. Vielleicht rettet ihm die Wrme das Leben.


151. Warum brauchen die Hhner sandigen Boden?

Es wre verfehlt, Hhnerzucht auf moorigem Boden zu errichten. Ebenso
ist ein Untergrund von Ton sehr nachteilig, da er den Abflu des
Unrates verhindert. Fester Lehmboden hindert am Scharren, was die
Hhner unbedingt brauchen.

Sandiger Boden ist deshalb fr die Hhner notwendig, weil sie ihn zu
ihrer Lebensweise brauchen. Erstens knnen sie scharren, zweitens
knnen sie sich paddeln, d. h. durch Sandbder sich vom Ungeziefer
befreien, und drittens finden sie Sandkrner fr ihren Magen. Sehr
viele Vgel brauchen als Ersatz fr die fehlenden Zhne Sandkrner oder
kleine Steine zum Zerreiben des im Magen befindlichen Futters.


152. Die Rassen des Huhns.

Unser Haushuhn stammt, wie schon erwhnt wurde, aus Ostindien. Einzelne
Rassen sind bereits in vorgeschichtlicher Zeit nach Westasien und
Europa gelangt.

Die deutschen Hhnerrassen sind teils aus den alten deutschen
Landhhnern, teils durch Kreuzungen mit anderen Rassen entstanden.
Jede Rasse hatte ihr Heimatsgebiet in einem bestimmten Teile unseres
Vaterlandes. Hier seien erwhnt: die Westflischen Totleger, die
Lakenfelder, die Ostfriesischen Mwen, die Ramelsloher, die Thringer
Bausbckchen, die Bergischen Krher usw.

Von auslndischen Rassen haben auf uns die Italiener den grten
Einflu ausgebt. Sie haben unsere heimischen Rassen fast gnzlich
verdrngt. Der Hahn und die Hhner auf dem Kohlenplatz waren ebenfalls
Italiener. Sie legen fleiig, brten aber schlecht. Viel Eier legen
und gut brten ist berhaupt selten vereinigt. Als Fleischhuhn ist
der Italiener nicht viel wert. Eine andere sehr stattliche Rasse des
Mittellndischen Meeres sind die Spanier.

Frankreich liefert vortreffliche Masthhner, beispielsweise die Le
Mans, England ebenso in den Dorkings. Berhmt sind auch die englischen
Hamburger, die ursprnglich deutsche Hhner waren, und sich durch
fleiiges Legen auszeichnen. Es seien noch erwhnt die englischen
Orpington, die amerikanischen Plymouth Rocks und die schon genannten
Wyandottes, die Mechelner Kuckuckhhner, die in Belgien gezchtet
werden, und die Siebenbrger Nackthlse.

Wahre Riesen der Hhnerwelt sind die Kotschinchina und die Brahmaputra.
Umgekehrt sind die Zwerghhner, wie schon ihr Name sagt, sehr klein,
z. B. die Silber- und Goldbantam. Eine besondere Stellung unter
den Hhnerrassen nehmen die Haubenhhner ein, z. B. die Hollnder,
Paduaner, Houdans usw.

Das Huhn ist bereits nach einigen Monaten ausgewachsen. Die Brutzeit
dauert gewhnlich 21 Tage, bei kaltem Wetter etwas lnger. Einer groen
Henne kann man 15 Eier unterlegen, einer kleineren etwa ein Dutzend.
Auf einen Hahn rechnet man 10 bis 15 Hennen.

Es wurde bereits erwhnt, da Krankheiten und Seuchen namentlich dann
sehr gefhrlich auftreten, wenn ein groer Hhnerbestand vorhanden ist.


153. Das Huhn in Redensarten und Sprichwrtern.

Bereits erklrt wurden: Eine blinde Henne findet auch ein Korn, mit den
Hhnern zu Bett gehen, Frau Kratzefu, Kratzfe machen, den Schnabel
halten und die Bezeichnung Hhnerkieke.

    *Jeder Hahn ist Knig auf seinem Miste.*

Das will sagen, da der Hahn auf seinem Hofe keinen Nebenbuhler duldet.
Sonst kommt es sofort zu einem Kampfe, woher die Bezeichnung

               *Kampfhahn*

rhrt.

               *Den roten Hahn aufs Dach setzen*

soll heien, ein Gebude anznden. Man erklrt die Redensart mit dem
Zusammenhang des Hahnes mit den Feuergottheiten.

               *Hahn im Korbe sein*

heit der bevorzugteste sein. Unter dem jungen Hhnervolke, das im
Hhnerkorbe bewahrt wird, gilt der Hahn als das geschtzteste Stck.

               Mit *Hahnenfen* geschrieben

nennen wir eine schlechte Schrift, deren Buchstaben nicht von einer
menschlichen Hand, sondern von den Tritten eines Hahns herzurhren
scheinen.

               *Hahnentritt*

ist der steife, ernste Schritt des Hahns und dient zur Bezeichnung
eines geckenhaften Trittes.

Bei Pferden nennt man so eine Erkrankung des Sprunggelenkes, wobei sie
einen Fu vor dem Hinsetzen ungewhnlich hoch heben.

    *Wo die Henne nicht scharrt wie der Hahn,
    Kann der Haushalt nicht bestahn.*

Das soll heien, da die Frau auch im Haushalt ttig sein soll.

    *Das Huhn legt gern ins Nest, worin schon Eier sind.*

Das ist eine sehr richtige Beobachtung.

               *Es fliegt einem kein gebraten Huhn ins Maul.*

Das will sagen, da das Glck nicht mhelos kommt.

               *Hhnerauge*

ist eine schmerzende Hornhaut am Fue, die wegen einer entfernten
Aehnlichkeit mit einem Vogelauge, nmlich des dunkeln Punktes in
der Mitte, so genannt wird. Andere Bezeichnungen sind Elsternauge,
Gerstenauge usw.

[Illustration: Henne mit Kken]

[Illustration: Geflgelstall mit Scharraum um den Hhnern bei
schlechtem Wetter und im Winter Gelegenheit zum Scharren zu geben]

[Illustration: Silberbrackl-Hhner]




Das Truthuhn


154. Das Hochzeitskleid des mnnlichen Truthuhns.

Der groe Mangel an Krnerfutter bringt es mit sich, da man in unseren
Zeiten Ziergeflgel wie Pfauen, Perlhhner und Fasanen jetzt kaum noch
auf einem greren Hofe erblickt. Selbst Truthhner oder Puten, die
doch mehr zu dem Nutzgeflgel als zu dem Ziergeflgel gehren, sind
in den mir bekannten Kreisen gnzlich abgeschafft worden. Es ist ein
groes Glck fr uns, da wir auch in diesem Falle unsern berhmten
Zoologischen Garten als Helfer in der Not bentzen knnen. Hier sehen
wir ganz dicht vereinigt Pfauen, Perlhhner und Fasanen. Nur wenige
Schritte davon entfernt befinden sich Puter und Puten.

Wir haben das Glck, das Mnnchen noch im Schmuck seines
Hochzeitskleides zu sehen. Es ist Mai, und noch hat der Truthahn
die merkwrdigen Anschwellungen an Kopf und Hals. Ebenso schlgt er
selbstbewut sein Rad. Die Weibchen oder Hennen sehen dagegen nicht nur
kleiner, sondern auch unscheinbarer aus.

Wir mssen annehmen, da den Weibchen der Hochzeitsschmuck der
Mnnchen gefllt. Man mu ohne Frage sehr vorsichtig damit sein,
menschliche Regungen ohne weiteres auf die Tiere zu bertragen. Aber
das Hochzeitskleid der Mnnchen, das von ihnen mit einer unverkennbaren
Absicht whrend der Liebeszeit zur Schau getragen wird, das aber spter
wieder verschwindet, drfte doch einen gewissen Zweck haben. Sonst
triebe die Natur in zahllosen Fllen eine Verschwendung, whrend wir
sie sonst als sehr sparsame Wirtschafterin kennen lernen.

Gerade das Ausbreiten des Hochzeitsgefieders vor den Weibchen wre
vollkommen sinnlos, wenn es nicht eine Wirkung auf sie ausben sollte.
Deshalb mu man sehr vorsichtig sein gegenber den Behauptungen,
da manche Farben des Hochzeitsschmucks wegen Farbenblindheit nicht
wahrgenommen werden knnten.


155. Worauf ist die Abneigung des Truthahns gegen die rote Farbe
zurckzufhren? -- Die Herkunft der Truthhner.

Die Tiere im Zoologischen Garten sollen eigentlich nicht gereizt
werden. Aber wenn es sich um Lehrzwecke handelt, ist man nicht
verpflichtet, verbietend einzugreifen. Ein kleines Mdchen ist mit
einem ziemlich groen Spiegel zu dem Truthahn gegangen und hlt ihm den
Spiegel vor. Seine Erregung steigert sich gewaltig, und er kollert,
da es nur so eine Art hat. Erst als das Mdchen sich mit dem Spiegel
entfernt, lt seine Wut allmhlich nach.

Zwei Grnde knnen diese Erregung verursacht haben. Entweder sah er in
dem Spiegel einen andern Truthahn und wollte ihn bekmpfen; denn gerade
unter den Truthhnen finden heftige Kmpfe auf Tod und Leben statt.
Nheres werden wir ber diesen Punkt bei dem Kanarienvogel und seinem
Spiegelbild sprechen. Oder der Truthahn sah die rote Farbe, die ihn,
wie bekannt ist, in Raserei versetzen kann.

Schon bei der Abneigung des Stieres gegen die rote Farbe ist darauf
hingewiesen worden, da es sich wahrscheinlich um eine vererbte
Erinnerung aus frheren Zeiten handelt. Ein rtliches Tier --
wahrscheinlich der Tiger -- war der Hauptfeind der Wildrinder.
Vom Truthahn wissen wir nach den bereinstimmenden Angaben der
Naturforscher mit Bestimmtheit, da der Luchs mit seinem rtlichen
Felle sein schlimmster Feind ist. Hierzu pat vortrefflich folgende
Beobachtung einer ausgezeichneten Vogelkennerin. Sie hlt sich ein
Braunkehlchen und erzhlt von ihm, da seine Abneigung gegen alles Rote
ganz auffallend war. Wenn man wei, da das Braunkehlchen sein Nest
auf sumpfigem Boden hat, so ist es klar, da unser Wiesel mit seinem
rtlichen Fell sein rgster Feind sein mu.

Es kann auch sein, da unser Truthahn aus beiden Grnden wtend wird.
Einmal, weil er einen Gegner und sodann, weil er etwas Rotes erblickt.
Denn seine eigene rote Frbung am Kopf und Hals kann er nicht sehen. --

Die Truthhner stammen aus Nordamerika, wo sie die Mexikaner bereits
zhmten. Sie kamen nach Europa, wo sich besonders die Spanier und
Italiener um ihre Zucht bemhten. Deshalb spricht man auch vom welschen
Huhn.

Die Truthenne legt 12 bis 24 Eier. Sie ist als ausgezeichnete Brterin
bekannt, weshalb man ihr die Eier von anderm Hausgeflgel unterlegt.
Ihre Brtlust ist so gro, da man sich um ihre Ernhrung bekmmern
mu. Denn manche versumen das Fressen und verhungern infolgedessen.
Die jungen Truthhner sind uerst empfindlich gegen Nsse und Hitze.




Der Pfau. Das Perlhuhn. Der Fasan


156. Warum schreit der Pfau so hlich?

Im Zoologischen Garten sehen wir den Wildpfau, den Hauspfau, eine ganz
weie und eine gescheckte Rasse.

Der Anblick des Pfauen, namentlich wenn er sein Rad schlgt, wie es
jetzt vor unsern Augen geschieht, ist entzckend. Dieses kostbare Blau,
dieser herrlich schimmernde Schweif mit den groen Augen darin und das
Krnlein auf dem zierlichen Kopf mssen selbst den, der aus Gewohnheit
widerspricht, zu dem Gestndnis veranlassen, da wir ein schnes Tier
vor uns haben. Nur sein Schrei ist geradezu widerwrtig. Schne und
eitle Frauen, die eine unangenehme Stimme besitzen, hat man deshalb mit
Vorliebe als Pfauen bezeichnet.

Wir werden spter beim Kanarienvogel sehen, da eine schne Stimme
regelmig nur kleinen Vgeln zukommt. Groe Vgel, wie Pfauen, sind
keine Snger. Ausnahmen wie der Singschwan knnen die Regel nur
besttigen.

Die Fe des Pfauen sind nur nach menschlichen Begriffen hlich. Fr
einen Baumvogel sind sie sehr zweckmig und daher nicht unschn.

Der Pfau ist in Sdasien heimisch. Er ist namentlich oft in Gegenden
anzutreffen, wo auch der Tiger weilt.

Auch das Perlhuhn ist vielen Menschen lstig, weil es seine wenig
schne Stimme so oft erschallen lt. Im Zoologischen Garten sehen wir
auer dem gewhnlichen silbergrauen Perlhuhn noch eine weie Art.

Die Perlhhner stammen aus dem heien Afrika, weshalb sie Wrme lieben.
Ihre Eier legen sie gern in Gebschen ab, was man heute bei den zahmen
ebenfalls beobachten kann.


157. Vergit der Fasan das Fliegen?

Fasanen sehen wir im Zoologischen Garten in den verschiedensten Arten,
so namentlich den herrlichen Goldfasan, den sehr schnen Silberfasan
usw.

Der Fasan kommt eigentlich mehr als Jagdvogel in Betracht. Vor dem
Kriege gab es Fasanerien, wo Tausende von Fasanen grogezogen wurden.

Als besondere Dummheit wurde dem Fasan in Jgerkreisen angerechnet, da
er beim Erscheinen eines Hundes das Fliegen vergit. Ich glaube nicht
recht daran, da es aus Dummheit geschieht. Alle diese schwerbeinigen
Vgel sind vortreffliche Lufer, aber sehr schlechte Flieger. Viele,
wie Trappen und Truthhner, mssen berhaupt erst einen Anlauf nehmen,
um in die Luft zu kommen. Ein im Jagdrevier gut geftterter Fasan wei
wahrscheinlich, da seine Anstalten, um zu fliegen, so umstndlich
und zeitraubend sind, da ihn der Hund sicher inzwischen gepackt hat.
Dagegen hat er beim Rennen immer noch die Aussicht, in ein Dickicht zu
geraten, wohin ihm der Hund nicht folgen kann.

Der Fasan stammt aus Westasien, nmlich von den Kstenlndern des
Kaspischen Meeres. Er soll schon im Altertum nach Griechenland gebracht
worden sein. Heute ist er in manchen Gegenden, z. B. in Bhmen,
verwildert.

Wie alle Hhnervgel ist der Fasan sehr fruchtbar. Die Fasanenhenne
legt etwa 8 bis 15 Eier, die sie in etwa 24 Tagen ausbrtet.


158. Der Pfau in Redensarten und Sprichwrtern.

Die Bezeichnung einer schnen und eitlen Frau als Pfau ist schon
erwhnt worden.

               *Pfau, schau deine Beine!*

Das soll heien, jemanden, der mit seinen Vorzgen prahlt, auf seine
Schwchen aufmerksam machen.

Als Gegenstck zu dem schnen Pfau gilt die unscheinbare Krhe. Daher
der Vergleich:

               *Wie Krhen neben dem schnen Pfau.*

Die Krhen sollen daher besonders neidisch auf den Pfau sein, wie sich
auch eine Krhe mit den ausgefallenen Federn eines Pfauen geschmckt
haben soll. Daher der Vers:

               *Es meint jede Krau* (Krhe)
               *Ihr Kind sei ein Pfau.*

Vom Truthahn oder Puter wre noch anzufhren: Als Bezeichnung fr ein
dummes Mdchen:

               *Diese Pute = dumme Gans.*

Ferner als Bezeichnung eines zornigen Menschen:

               *rot wie ein Puter;
               wie ein kollernder Puter*.

[Illustration: Fasan]




Die Taube


159. Die Kommandosprache der Tauben.

Da sich auf dem Kohlenplatze auer Hhnern auch Tauben befinden, so
begeben wir uns wieder dorthin. Whrend die Hhner am Boden nach Futter
suchen, haben sich die Tauben mit lautem Geklatsch erhoben und sind in
den Lften bald unsern Augen entschwunden. Bei ihrer Rckkehr fhren
sie verschiedene Schwenkungen aus und lassen sich schlielich wieder
auf ihrem Dache nieder.

Frher, als wir von der Schwierigkeit des Fliegens keine Ahnung hatten,
konnten wir solche Flge der Taubenschwrme fr ganz selbstverstndlich
halten. Wir sahen sie eben alltglich und regten uns weiter nicht
darber auf.

Heute, wo zahllose Flieger verunglckt sind, weil sie in der Luft mit
einem andern Flieger zusammengestoen sind, mu der Schwarmflug der
Vgel auf uns den tiefsten Eindruck machen. Woher kommt es, da die
Vgel trotz grter Nhe niemals miteinander zusammenprallen?

Selbst so schlechte Flieger wie die Rebhhner fliegen in einer
ziemlichen Anzahl. Der Jger spricht von einer Kette oder einem
Volk Rebhhner.

Noch auffallender ist das Schwarmfliegen bei den Staren. Auch der Star
ist kein berhmter Flieger, und doch bildet er im Sptsommer, wenn
die zweite Brut flgge geworden ist, bei seinen Flgen ordentlich
eine lebendige Kugel. Diese Kugel aus Vogelleibern dreht sich nach
einer bestimmten Richtung, wobei alle fliegenden Vgel mit grter
Genauigkeit ihren Platz einnehmen, und keiner durch Tolpatschigkeit
eine heillose Verwirrung anrichtet.

Ich habe oft erfahrene Tierbeobachter gefragt, ob sie jemals den
Zusammenprall zweier Vgel eines Schwarmes in der Luft wahrgenommen
haben. Niemand wute etwas davon. Auch die Jagdzeitungen habe ich
daraufhin seit vielen Jahren durchgesehen. Der einzige Fall, der mir
vor Augen gekommen ist, ist folgender: Ein Landwirt erzhlte, da er
bei einer Hhnerjagd den Zusammensto zweier Rebhhner beobachtet habe.
Die Erklrung liegt darin, da das eine der beiden Hhner durch Schrote
verletzt war. Trotzdem hat er, der Erzhler, in seiner dreiigjhrigen
Jgerzeit einen hnlichen Fall noch niemals erlebt und deshalb
berichtete er ihn an die Jagdzeitung.

Darber sind sich also wohl alle Tierkenner einig, da Zusammenste
unter Vogelschwrmen zu den allergrten Seltenheiten gehren.

Wie vermeiden die Vgel diese Gefahr, die soviel Fliegerleben in unsern
Reihen kostet?

Jedenfalls werden sie auerordentlich durch die Stellung ihrer Augen
untersttzt. Alle Vgel, die in Schwrmen fliegen, haben die Augen
seitlich zu sitzen. Wir sehen, da es ganz verkehrt wre, wenn die
Tauben ihre Augen, wie der Mensch, nach vorn gerichtet htten. Sie
knnen bei seitlicher Stellung der Augen den Abstand vom Nachbarn viel
leichter innehalten.

Wahrscheinlich sind auch die Augen der Vgel im Innern so gebaut,
da sie das Schwarmfliegen ohne groe Anstrengung ausfhren knnen.
Wenigstens befindet sich im Auge mancher Vgel ein Organ, ber dessen
Bedeutung man sich noch nicht klar ist.

Mssen wir uns heute ber die Kunst der Vgel, in Schwrmen zu fliegen,
auerordentlich wundern, so kommt noch hinzu, da wir gar nicht wissen,
auf Grund welches Kommandos eigentlich die Schwenkungen ausgefhrt
werden. Wrden wir unseren Kommandoworten hnliche Laute bei den Tauben
hren, so verstnden wir wenigstens, weshalb der Schwarm bald so, bald
so fliegt. Bei der Entfernung und dem Geklatsche der Flgel knnen wir
nicht das mindeste vernehmen. Bei Starenschwrmen bin ich, da mich die
Sache auerordentlich interessierte, in die mglichste Nhe gegangen,
habe aber auer dem Surren der Flgel nichts hren knnen. Immer
wieder fragt man sich: Wer gibt denn eigentlich das Kommando zu einer
Schwenkung?

Bei Taubenschwrmen kann man brigens nicht selten beobachten, da eine
Taube den Anschlu versumt hat, indem sie eine Schwenkung aus Versehen
nicht mitgemacht hat. Sie eilt dann in strmischem Fluge ihren Genossen
nach. Zu dieser Eile hat sie auch einen ganz besonderen Grund, denn
gerade auf vereinzelte Tauben machen die Raubvgel mit Vorliebe Jagd.
Wir kommen darauf im nchsten Kapitel zu sprechen.

Jedenfalls knnen wir mit eigenen Augen sehen, da Tauben Schwenkungen
gemeinsam ausfhren. Wie sie das machen, ist uns vorlufig ein Rtsel.
Ich vermute, da, wie es bei den Sugetieren einen Leitaffen, einen
Leithammel und andere Leittiere gibt, so auch bei den Vogelschwrmen
ein Leitflieger vorhanden ist, nach dem sich alle anderen richten.

Jedenfalls trifft auch hier die Ansicht nicht zu, da die Tiere
deshalb keine Sprache haben, weil sie sich nichts zu sagen haben. Bei
Schwarmflgen htten sie es vielmehr sehr ntig, sich die bevorstehende
Schwenkung mitzuteilen.


160. Wie retten sich die Tauben vor den Raubvgeln.

In der Grostadt haben wir nur dann eine gewisse Aussicht, die Jagd
eines sogenannten Sters auf Tauben zu beobachten, wenn sich der
Himmel im Winter nach dunklen Tagen erhellt. Whrend des Nebels geht
nmlich der Wanderfalk, wie der eigentliche Name des Sters ist, nicht
auf die Jagd. Der Grund ist wahrscheinlich der, da er bei Nebel nicht
sehen kann, auch keine Tauben findet. Nach einigen Tagen mit bedecktem
Himmel hat also der Falk gewaltigen Hunger. Da der Taubenbesitzer seine
Tauben fliegen lt, sobald der Himmel klar ist, so kann man also
unter solchen Umstnden auf den Anblick einer Taubenjagd rechnen.

Ein Naturforscher, der in Berlin wohnte, hat sehr schn die Taubenjagd
des Sters in Berlin geschildert:

Ein Weibchen des Wanderfalken pflegte am Morgen ruhig und
zusammengekauert auf einem Ziegelvorsprunge des Daches der
Garnisonkirche zu sitzen. Taubenflge erfllen die Luft; der Falk wird
erregt und verfolgt mit den Augen die Tauben. Dies whrt etwa fnf
Minuten, und nun erhebt er sich. Noch gewahren ihn die Tauben nicht;
doch er rckt ihnen in wenigen Sekunden so nahe, da nun pltzlich ihr
leichter, ungezwungener Flug sich in ein wirres, ungestmes Fliegen
und Steigen verwandelt. Aber unglaublich schnell hat er sie eingeholt
und etwa um zehn Meter berstiegen. Nun entfaltet er seine ganze
Gewandtheit und Schnelligkeit. In sausendem, schrgem Sturze fllt
er auf eine der uersten hinunter und richtet diesen jhen Angriff
so genau, da er allen verzweifelten Flugwendungen des schnellen
Opfers folgt. Aber in dem Augenblicke, als er die Taube ergreifen
will, ist sie unter ihm entwischt. Mit der durch den Sturz erlangten
Geschwindigkeit steigt er sofort ohne Flgelschlag wieder empor,
rttelt schnell, und ehe zehn Sekunden verflossen sind, ist die Taube
von ihm wiederum eingeholt und in derselben Hhe berstiegen, der
Angriff in sausendem Sturze mit angezogenen Flgeln erneuert, und die
Beute zuckt blutend in den Fngen des Rubers. In wagerechter Richtung
fliegt er nun mit ihr ab und verschwindet bald aus dem Gesichtsfelde.
Von den brigen Tauben sieht man noch einzelne in fast Wolkenhhe wirr
umherfliegen, wogegen sich die anderen jh herabgeworfen und unter dem
Schutze ihrer Behausung Sicherheit gefunden haben.

Die Tauben suchen sich also vor dem Raubvogel durch ihren schnellen
Flug zu retten. Das ntzt ihnen aber nicht viel, denn er ist
geschwinder als sie. Aus diesem Grunde flchten sie nach Mglichkeit
nach ihrem Schlag. Der Falk wei das sehr wohl und schneidet ihnen gern
den Rckzug nach dem Schlag ab. Auch dann sind die Tauben noch nicht
verloren. Sie steigen so in die Hhe, da sie oft wie ein weier Stern
erscheinen. Wenn der Falk nicht sehr hungrig ist, dann lt er sie
ungeschoren. Denn, um auf den hoch oben stehenden Taubenschwarm Jagd zu
machen, mte er sie erst berfliegen.


161. Warum mu der Ster die Tauben erst berfliegen?

Ich wei noch heute, wie sehr ich mich als Junge darber gewundert
habe, da der Ster die Tauben erst berfliegen mu. Wie ein Mensch
dem andern nachluft und ihn fngt, wie ein Hund den Hasen fat, so
sollte man meinen, mte auch der Wanderfalk den Tauben nachjagen und
sie fangen.

Eine einfache Ueberlegung ergibt das Unsinnige dieser Fangart. Habicht
und Sperber verlegen sich allerdings gewhnlich auf die Ueberraschung.
Sie kommen urpltzlich dahergestrmt und schlagen ihrem Opfer die
Fnge, d. h. die bewehrten Fe in den Leib. Denn bei allen Raubvgeln
sind die Fnge die Hauptwaffe, whrend der Schnabel hauptschlich zur
Verkleinerung der Beute dient. Der Wanderfalk verlt sich dagegen
in der Regel auf seine Flugfertigkeit. Wie soll er nun ganz oben am
Himmel stehenden Tauben durch Verfolgung etwas tun? Um seine Fnge
wirken zu lassen, mu er hher als die Tauben stehen. Auch ist er nur
dadurch, da er einer verfolgten Taube die Fnge in die Seiten schlgt,
imstande, sie schnell nach seinem Horst zu tragen. Flattert sie noch,
so ist es fr den Ruber um so vorteilhafter, denn um so leichter ist
fr ihn die Last.

Weil also der Wanderfalk seine Beute erst berfliegen und von oben
stoen mu, deshalb hat ihn der Berliner Ster getauft.

Mancher wird fragen, warum die Taubenbesitzer ihre Lieblinge nicht im
Schlage behalten, wenn der Ster unter ihnen so furchtbar aufrumt.
Die Antwort ist fr den Jger sehr einfach. In Bayern und Oesterreich
hat man smtliche Feinde der Gemsen vernichtet, also Bren, Luchse,
Wlfe, Adler und Bartgeier -- und was ist die Folge davon? Noch niemals
hat es soviele Seuchen unter den Gemsen gegeben wie jetzt. Das ist
ja auch ganz einleuchtend. Frher wurden erkrankte Tiere zuerst von
den Raubtieren vernichtet, so da sie die Krankheit nicht weiter
verschleppen konnten. Bei den Hasen und Rebhhnern liegt die Sache
hnlich. Es ist natrlich bertrieben, wenn man den Fuchs als Hasenarzt
bezeichnet, aber etwas Wahres ist daran. Jedenfalls entarten Tauben,
die man nicht ausfliegen lt. Sie verfallen in Krankheiten, weshalb
es richtiger ist, sie ihren natrlichen Feinden auszusetzen, da diese
Behandlungsweise sie gesund erhlt.

Bei allen Raubvgeln beobachten wir, da sie zunchst auf Albinos oder
weie oder ungewhnlich gefleckte Tiere Jagd machen. Albinos sind
entartete Geschpfe, und ihr Wegfangen kann geradezu als ein lbliches
Tun bezeichnet werden. Weie Hhner kann man in einsamen Forsthusern
nicht halten.

Sodann richten alle Raubvgel ihre Angriffe mit Vorliebe auf solche
Vgel, die sich vom Schwarm abgesondert haben. Das wird einen Sinn
haben -- aber welchen?

Wir sehen, da Tauben und andere Friedvgel, z. B. Stare, sich
angesichts ihrer Feinde eng zusammenballen. Vom Standpunkte des
Menschen scheint das uerst tricht zu sein, denn der Raubvogel
braucht nur in die Masse hineinzugreifen, dann hat er sicherlich in
seinen Fngen eine Beute.

Da der Raubvogel schlielich besser wei als wir, wie er seine Beute
zu erlangen hat, so wird er wissen, weshalb er den einzelnen Vogel
verfolgt und die Masse erst im Notfall bercksichtigt.

Selbstverstndlich ist es ganz ausgeschlossen, da ein Taubenschwarm
gegen einen Ster etwas ausrichten kann. Dagegen haben sie ein
Verteidigungsmittel gegen ihn zur Hand, auf das der klgste Mensch
nicht verfallen wre.

Ist der Taubenschwarm nmlich hinreichend gro, so strzen sich alle
wie auf Kommando in die Tiefe. Der Falk mu sich dann sehr vorsehen,
da er nicht in dieses Luftloch fllt. In einer ornithologischen
Zeitschrift berichtete im vorigen Jahre ein Fachmann, da vor seinen
Augen ein Sperber in das von Staren gebildete Luftloch fiel und infolge
des pltzlichen Sturzes betubt in einer Hecke liegen blieb.

Unsere Flieger wissen, wie gefhrlich ein Luftloch ist. Es wird aber
den meisten Menschen unbekannt sein, da Tauben, Stare und andere in
Schwrmen fliegende Vgel seit Urzeiten einen knstlichen Lufttrichter
bilden, um ihren Erzfeind dort hineinsausen zu lassen.

Die Raubvgel mssen mit diesem knstlichen Trichter bse Erfahrungen
gemacht haben. Nur daraus lt sich erklren, da der Verfolger
regelmig so lange wartet, bis sich ein einzelner Vogel vom Schwarme
trennt. Auf diesen abgesprengten Vogel wird sofort Jagd gemacht. Daher
rhrt die ngstliche Sucht der Tauben und Stare, stets beim Schwarme zu
bleiben.

Das in Schwrmen Fliegen der Friedvgel ist also eine Verteidigungsart
gegen Raubvgel. Ist der Schwarm zu klein, um einen Trichter zu bilden,
so stieben die Vgel, wenn der Raubvogel ber ihnen steht, manchmal
nach allen Seiten auseinander, so da er in Zweifel gert, welchen
Vogel er verfolgen soll.


162. Warum sitzen unsere Haustauben auf Dchern und nicht auf Bumen?
Der Taubenschlag.

Wir haben gesehen, da die Tauben sich nach ihrem Ausfluge wieder
auf dem Dache niedergelassen haben, obwohl nicht weit davon ein
prachtvoller Baum steht. Man sollte meinen, da dem Vogel ein Baum
geeigneter zur Ruhe ist als das platte Dach. Sitzen doch unsere
Wildtauben, z. B. die schnen groen Ringeltauben, wenn sie auf dem
Erdboden nicht nach Nahrung suchen, stndig auf Bumen.

Die Antwort mu lauten, da unsere Haustaube von unseren Wildtauben
nicht abstammen kann. Wir wissen bereits, da sie von der am
Mittellndischen Meer heimischen Felsentaube abstammt.

Es gibt eine ganze Menge Vogelarten, deren Fe so gestaltet sind, da
sie fr Baumzweige nicht geeignet sind. Unsere Feldlerche setzt sich
nie auf einen Baum, ebenso die Haubenlerche, der Kiebitz und andere
Vgel nicht. Die Zehen sind nicht zum Umspannen runder Zweige geeignet.
Sie sind vielmehr zum Laufen auf der glatten Erde geschaffen. Die
Haustaube setzt sich nur dann auf einen Baum, wenn die Aeste so stark
sind, da sie eine glatte Flche bieten. Wenigstens ist das die Regel.

Man ersieht daraus, da die Anpassung der Tiere an andere Verhltnisse
nicht so schnell vor sich geht, wie gewhnlich angenommen wird. Tauben
werden von den Menschen seit Jahrtausenden als Haustiere gehalten.
Trotzdem mu der Taubenbesitzer noch heute am Taubenschlage glatte
Hlzer fr die Taubenfe anbringen. Das Taubenhaus mit seinen
zahlreichen Eingngen ist auch nichts weiter als eine Nachahmung der
Felsenhhlen mit ihren vielen Lchern, in denen die Vorfahren unserer
Haustauben frher hausten.


163. Wie finden sich die Brieftauben zurecht?

Bei dieser Gelegenheit wollen wir die Frage zu beantworten suchen, wie
sich die Brieftauben zu orientieren suchen.

Zur Brieftaube sind solche Tauben geeignet, die sich durch breite
Brust, breite und lange Schwingen und groe Muskelkraft auszeichnen.
Namentlich werden die belgischen Brieftauben geschtzt. Die
Geschlechter werden nach der ersten oder zweiten Brut voneinander
gesondert, um den Drang nach der alten Heimat besonders zu wecken.
Bereits im Altertum war die Bentzung von Brieftauben blich.

Man nimmt allgemein an, da die Brieftauben genau einen solchen
Orientierungs- oder Ortssinn haben, wie ihn ohne Zweifel Sugetiere,
also Wlfe, Fchse, ebenso unsere Hunde, Pferde usw., besitzen. Denn
ohne einen solchen Ortssinn wren solche Sugetiere nicht in der
Lage, ihr altes Lager wiederzufinden. Da obendrein ihre Augen fast
ausnahmslos schwach sind und nur wenig ber dem Erdboden stehen, so da
ihnen jede weitere Uebersicht fehlt, so ist ein Ortssinn fr sie eine
unbedingte Notwendigkeit.

Ganz anders liegt die Sache bei den Vgeln. Sie besitzen ein
hervorragendes Sehvermgen und haben von ihrer hohen Warte aus eine
wunderbare Uebersicht. Sie sehen ihre Umgebung wie auf einer Karte.

Ueberall machen wir die Beobachtung, da die Natur mit den sparsamsten
Mitteln waltet. Hat ein Raubtier ein krftiges Gebi, so hat es nicht
obendrein Hrner, und ist eine Schlange giftig, so ist sie nicht
obendrein krftig. Alle Riesenschlangen sind daher ungiftig. Haben sie
die Kraft zur Ueberwindung ihrer Opfer, so brauchen sie nicht noch
obendrein heimtckisches Gift.

Fr Tiere mit wirklichem Ortssinn ist es gleichgltig, ob Dunkelheit
oder Nebel herrscht. In einem schnen Gedichte sagt unser groer
Dichter Goethe:

               Das Maultier sucht im Nebel seinen Weg.

Natrlich ist damit gemeint, da das Maultier im Nebel seinen Weg sucht
und auch findet. Das bloe Suchen ist ja kein Kunststck. Das verstehen
wir auch, aber als Kulturmenschen finden wir den Weg nicht, weil wir
den Ortssinn verloren haben, den das Tier noch besitzt.

Der Kulturmensch braucht eben keinen Ortssinn zu seinem Leben, denn er
kann sich einen Kompa und eine Karte anschaffen.

Findet sich nun auch eine Brieftaube im Nebel zurecht? Keineswegs.
Wir wissen aus zahlreichen Beobachtungen, da Brieftauben, die
von Luftschiffern mitgenommen waren, sich in den Wolken nicht
zurechtfanden. Sie wollen, solange sie von Wolken umgeben sind, das
Luftschiff nicht verlassen. Sehen sie aber ein Loch in den Wolken, so
fliegen sie schnell hindurch.

Ebenso findet sich die Brieftaube nicht in der Dunkelheit zurecht.
Hiergegen spricht nicht, da Brieftauben ihren Schlag in der Nacht in
einer Grostadt gefunden haben. Eine Grostadt sendet in der Dunkelheit
ein solches Flammenmeer gen Himmel, da es gar kein Kunststck ist, bei
freier Aussicht sie zu finden.

Weil die Brieftauben sich nach ihren wunderbaren Augen richten, so
werden die Wettflge zunchst auf kurze Entfernungen veranstaltet
und allmhlich erweitert. Bei Tieren mit Ortssinn wre ein solches
umstndliches Verfahren nicht erforderlich. Die Brieftauben aber
mssen in dieser Weise eingebt werden, weil sie sich die nhere und
entferntere Umgebung einprgen sollen. Werden sie an einem fremden
Ort losgelassen, so steigen sie erst hoch. Sie wollen sich also erst
vergewissern, wo sie eigentlich sind. Das ist ein untrglicher Beweis
dafr, da sie keinen Ortssinn besitzen.

Steigt man bei klarem Wetter auf einen Aussichtsturm, z. B. auf Rgen,
so liegt die ganze Insel wie auf einer Karte uns zu Fen. Wrden sich
die Menschen vergegenwrtigen, welchen auerordentlichen Ueberblick die
Brieftaube mit ihren viel schrferen Augen besitzt, so wrde ihnen das
Zurechtfinden der Brieftauben gar nicht wunderbar erscheinen.


164. Die Tauben als Vorbilder des Menschen.

Einige Tuberiche machen inzwischen ihren Damen den Hof und verbeugen
sich vor ihnen in der artigsten Weise. Dabei lassen sie unablssig ihr
kuruh kuruh erschallen.

Der Mensch hat anscheinend von jeher das Liebesleben der Tauben mit
besonderem Wohlgefallen betrachtet. Einmal sind die Tauben ohne Frage
sehr schn, ferner sanft und in ihrer Nahrung hauptschlich auf die
Pflanzenwelt beschrnkt. Sie sind wie geschaffen dazu, um Lieblinge
der Frauenwelt zu sein. Ganz besonders mute den Frauen gefallen, da
der Tuberich nicht nur verliebt gurrt, sondern nachher beim Bebrten
der Eier und der Aufzucht der Jungen treu mitwirkt. Wir wissen, da
bei unsern Sugetieren von einer Ttigkeit des Vaters nichts zu merken
ist. Wir haben auch die Grnde auseinandergesetzt, wie sich diese fr
uns Menschen so auffallende Erscheinung erklrt. Auch der Hahn wei
von Vaterpflichten nichts, wie wir schon besprochen haben. Da ist der
Tuberich wirklich eine rhmenswerte Ausnahme. Wahrscheinlich kann er
nichts dafr, genau so wie er nichts dafr kann, da er zu fliegen
vermag. Er tut eben das, was seine Vorfahren seit Urzeiten gemacht
haben. Die junge Brut kann von der Mutter allein nicht durchgebracht
werden. Folglich mu auch der Vater helfen. Denn die Erhaltung der
Nachkommenschaft ist fr jede Tierart das allerwichtigste.

Vermenschlichen wir die Tiere, so hat der Tuberich tiefere sittliche
Grundstze als der leichtsinnige Hahn mit seiner Paschawirtschaft. Da
die Menschen naturgem alles von ihrem Standpunkte aus betrachten,
so hat man die Tauben vielfach verhimmelt und ihnen Eigenschaften
beigelegt, die nicht ganz zutreffen drften. Auch bei den Tauben
kann man Seitensprnge des Ehegatten, groe Eifersucht, unglaubliche
Zusetzereien und hnliche weniger erfreuliche Eigentmlichkeiten
beobachten. Umgekehrt wird man gern zugeben, da man staunen mu,
wie treu manche Gatten unter den widrigsten Verhltnissen zueinander
halten. Selbst die Trennung und die lockendste Versuchung knnen sie in
ihrem Entschlusse nicht wankend machen.

So ist es denn nicht wunderbar, da Dichter die Taube in
berschwenglichster Weise gefeiert haben. Ist ja auch ihr Schnbeln
nach unseren Begriffen von allen unter den Tieren blichen
Zrtlichkeitsausdrcken dem Kssen der Menschen am hnlichsten.


165. Naturgeme Ftterung und Haltung der Tauben.

Die Felsentauben als Stammeltern unserer Haustauben verzehren alle
Arten unseres Getreides, ferner die Smereien von Raps, Rbsen, Linsen,
Erbsen, Lein usw., vor allen Dingen aber die Krner der Vogelwicke,
die ein hchst lstiges Unkraut ist. Man hat die Haustauben, die den
gleichen Speisezettel besitzen, deshalb fr schdlich erklrt, da
sie den Landwirten, namentlich zur Saatzeit, viele Krner wegfren.
Das fhrte auch zur Zerstrung der etwa 50000 Taubentrme in
Frankreich, als die Revolution 1789 ausbrach. Heute denkt man ber die
Schdlichkeit der Tauben etwas anders. Gewissenhafte Naturforscher
haben sorgsam den Inhalt von Kropf und Magen gezhlt. Dabei ist
festgestellt worden, da in einer einzigen jungen Taube die Krner
und Samen von Unkraut ber 3000 zhlten. Auch vertilgen die Tauben
eifrig Schnecken. Der Nutzen der Tauben drfte also ihre Schdlichkeit
erheblich berwiegen. Ferner brauchen die Tauben Salz, Lehm und Mrtel,
auerdem Badegelegenheit und reines Trinkwasser.

Da die Felsentauben in dunkeln Hhlen der Felsen brten, so soll
man auch den Haustauben keine hellen Brutpltze anweisen. Die
Zweckmigkeit von Taubenschlgen und Taubenhusern ist bereits
hervorgehoben worden.

Von den Feinden der Tauben sind die Raubvgel schon genannt worden. Von
vierfigen Rubern sind Katze, Marder, Wiesel und Ratten zu nennen.

Da die Taube die Gesellschaft liebt, so verliert man manche Taube, die
sich von einem greren Schwarm als der ihrige ist, angezogen fhlt. Es
gibt Taubenhalter, die das Einfangen fremder Tauben als Besonderheit
betreiben und darin Meister sind.


166. Die Rassen der Haustauben.

Die Zhmung der Felsentaube ist bereits in vorgeschichtlicher Zeit
erfolgt. Der Felsentaube hnelt noch sehr der Feldflchter, der sich
am liebsten vom Menschen freimacht und seine Nahrung auf eigene Faust
sucht.

Von den zahllosen Rassen seien hier folgende angefhrt. Die
Trommeltauben, die Tmmler, die sich whrend des Fluges rckwrts
berschlagen, die Percken- und Mhnentauben, die Mwchen, die
Pfautauben, die schon erwhnten Brieftauben, die Riesentauben und die
Huhntauben.

Die Tubin legt gewhnlich vier- bis achtmal im Jahre je zwei Eier, die
von ihr mit Untersttzung des Tuberichs in 16 bis 18 Tagen ausgebrtet
werden. Die Jungen sind Nesthocker und werden bis zur Ausbildung des
Gefieders von beiden Eltern aus dem Kropfe gefttert, in dem sich
ein milchartiger Brei befindet. Da die Tubin hufig zur zweiten Brut
schreitet, ehe die Jungen der ersten Brut das Nest verlassen haben, so
braucht jedes Taubenpaar zwei nebeneinander befindliche Nistksten.

Manche Haustauben werden fnfzehn Jahre alt.

Es wurde schon hervorgehoben, da Tauben, denen keine Gelegenheit zum
Ausfliegen gegeben wird, leicht erkranken. Wie bei den Hhnern zu enger
Raum zu Seuchen fhrt, so trifft hnliches auch bei den Tauben zu.


167. Die Tauben in Redensarten und Sprichwrtern.

Es wurde schon hervorgehoben, da die guten Eigenschaften der Tauben
gewaltig berschtzt worden sind. Auf ihre friedfertige Gesinnung nimmt
der Ausdruck

               *Friedenstaube*

bezug. Von den Tauben gelten besonders die Turteltauben als Muster fr
ein Ehepaar. Daher stammt die Redensart:

               *Sie leben wie zwei Turteltauben.*

Die alten Landwirte in frheren Zeiten wollten nicht viel von der
Taubenzucht wissen. Wenigstens habe ich in ihren Kreisen oft den Vers
gehrt:

    *Wer viel Geld hat und kanns nicht sehen liegen,
    Der halte sich Tauben, dann sieht er's fliegen.*

[Illustration: Freistehender Taubenschlag]

[Illustration: Brieftaube]

[Illustration: Berliner Langlatschige]




Die Ente


168. Warum sind die Wildenten im Berliner Tiergarten meistenteils
ausgewandert?

Bei der Ente haben wir das groe Glck, ihre Stammeltern, die Wildente,
und zwar die Stockente, seit mehr als einem Menschenalter im Berliner
Tiergarten beobachten zu knnen. Jetzt freilich sind die Gewsser fast
entenleer. Immerhin treffen wir beispielsweise auf dem Goldfischteich
eine Mutterente mit drei Jungen an. Es ist Anfang Juni, und die Jungen
sind bereits so gro, da man genauer hinsehen mu, um sie von der
Alten zu unterscheiden.

Frher waren die Gewsser zu sehr besetzt, und das hatte allerlei
Unzutrglichkeiten im Gefolge. Jede Ente braucht fr ihre
Nachkommenschaft einen gewissen Raum. So gab es also um die Brutpltze
erbitterte Kmpfe zwischen den einzelnen Entenpaaren. Hatten die
Besitzer eines Brutplatzes glcklich ein andringendes Paar abgekmpft,
so dauerte es nicht lange, und sie muten sich gegen neue Eindringlinge
wehren.

Das Jagen der Erpel hinter den Enten nahm gar kein Ende. Durch die viel
zu starke Besetzung der Gewsser litt auch das Familienleben der Enten
sehr erheblich.

Das ist mit einem Schlage durch den Weltkrieg und den Mangel an
Lebensmitteln anders geworden. Die Wildenten lebten im Tiergarten nicht
wie ihre Artgenossen in der Freiheit von dem, was das Wasser bot,
sondern hauptschlich von dem, was das Publikum ihnen spendete. Das war
in vergangenen Jahren sehr reichlich, und deshalb konnten sich zahllose
Wildenten als Bettler durchschlagen. Jetzt ist aber die Ftterung
durch die Spaziergnger gleich Null geworden. Die Gewsser sind jedoch
zu nahrungsarm, um soviel Wildenten zu ernhren. Folglich wurden die
Wildenten zum grten Teil gezwungen auszuwandern und anderswo ihr Heil
zu versuchen.

Es ist nicht Zufall, da die Mutterente gerade den Goldfischteich
als Aufenthaltsort gewhlt hat. Hier gibt es ohne Frage den meisten
Fischlaich, und Fischlaich ist fr die Ente ein sehr begehrtes Futter.


169. Warum hat die von uns beobachtete Wildente nur drei Junge?

Gewhnlich legen Stockenten 8 bis 16 Eier, so da also zwlf Junge als
Durchschnittszahl angegeben werden knnen. Es ist also anzunehmen, da
neun oder wenigstens fnf junge Entchen verlorengegangen sind.

Die Grnde fr diese Verluste knnen mancherlei Art sein. Manche
Wildenten brten ausnahmsweise auf Bumen. Es ist wunderbar, da die
kleinen Entchen vom hohen Nest auf die Erde purzeln knnen, ohne groen
Schaden zu nehmen. Die Alte lockt die Jungen, nachdem sie ausgebrtet
und trocken geworden sind, zu dem khnen Sprunge in die Tiefe. Dann
wandert sie mit der kleinen Gesellschaft nach dem von ihr in Aussicht
genommenen Gewsser. Schwchlinge, die den waghalsigen Sprung nicht
unternehmen, bleiben im Neste und verhungern elendiglich.

Der Marsch nach dem Gewsser ist natrlich von tausend Gefahren
bedroht. Jeder Hund wre imstande, die ganze kleine Gesellschaft
abzuwrgen. Zum Glck ist der Tiergarten ziemlich raubtierleer, doch
gibt es immerhin noch Feinde in gengender Anzahl.

Sind die Entlein erst auf dem Wasser, so ist die schwerste Gefahr
beseitigt. Denn bekanntlich knnen junge Entlein sofort ausgezeichnet
schwimmen. Ja, sie knnen noch mehr, wie ich einmal beobachtete. Da
war auf einem See ein Schwanenpaar, dem eine Wildente mit ihren Jungen
sehr verhat war. Der mnnliche Schwan hatte schon mehrfach den kleinen
Kerlen etwas auszuwischen gesucht, jedoch bisher stets vergeblich.
Endlich war es ihm geglckt, sie beinahe in eine Bucht hineinzutreiben.
Es war klar, da er Bses im Schilde fhrte. Ich hielt die kleinen
Entlein schon fr verloren, da erhoben sie sich pltzlich wie auf
Kommando und liefen uerst schnell auf dem Wasser dahin. Dadurch
entgingen sie der Einschlieung durch den Schwan.

Uebrigens glaube ich, da im letzten Augenblick die Mutterente den
Schwan angegriffen htte. Zwar ist es ein aussichtsloses Unternehmen,
als kleine Wildente dem groen Schwan etwas anzutun. Aber sie htte ihn
immerhin bestrzt machen knnen, und die Kleinen htten unterdessen
einen Ausweg gefunden.

So unbeschreiblich rhrend die Mutterliebe einer Wildente ist, so will
es uns weniger gefallen, da sie ihre eigenen Kleinen ttet, sobald
sie sich in ein fremdes Schof, wie man Mutterente mit Jungen nennt,
verirren. Das ist verschiedentlich beobachtet worden. Wir wissen nicht,
woran sich die jungen Entlein erkennen. Wohl aber ist es bekannt, da
junge Entlein vom zweiten Tage ab ihre Geschwister von anderen jungen
Entchen unterscheiden.

Ebenso tten die Mutterenten gern die Jungen einer anderen Ente oder
verfolgen sie wenigstens aufs heftigste. Bei Glucken, die Kchlein bei
sich fhren, knnen wir das gleiche oft genug beobachten.

Der Grund fr dieses uns seltsam anmutende Benehmen kann natrlich
nur in der Magenfrage gefunden werden. Ein bestimmter Raum gibt nur
fr eine bestimmte Anzahl von einer gewissen Tierart Nahrung. Fremde
Wettbewerber mssen demnach vertrieben oder gettet werden. Der Angriff
auf die fremden Jungen ist demnach in gewissem Sinne ein Ausflu der
alles beherrschenden Mutterliebe. Die eigenen Kleinen sollen nicht
darunter leiden, da ihnen fremde die Nahrung beeintrchtigen.


170. Die Feinde der Ente.

Wir sehen, da die eigene Verwandtschaft zu den schlimmsten Feinden bei
der Ente gehrt. Sehr viele Opfer kann auch das Wetter fordern. Wenn
die jungen Entchen im Frhjahr ausgebrtet worden sind, dann kommen
oft genug kalte Tage. In der Klte aber gibt es keine Insekten, nach
denen sie mit Vorliebe haschen. Ueberhaupt ist an kalten Tagen das
Wasser nahrungsrmer.

Unter natrlichen Verhltnissen machen zahlreiche Raubtiere auf die
armen Enten Jagd. Der Seeadler lebt vielfach von Enten, ebenso lieben
Habicht und Wanderfalk einen Entenbraten. Gern stellt ihnen auch der
Fuchs nach, ebenso auch andere Raubtiere. Ihre Eier werden von den
Krhen ausgetrunken. Trifft ein Storch oder ein Reiher mit einer
Mutterente zusammen, die ihre Jungen fhrt, so lt er alle in seinem
Magen verschwinden, falls sie ihm nicht entwischen.

Im Tiergarten kommen von allen diesen Feinden gewhnlich nur die
Wanderratte, die der Berliner Wasserratte nennt, in Betracht. Diese
ersuft die Jungen, indem sie die Entlein von unten packt und in die
Tiefe zieht.

Die arme Mutterente mu also Tag und Nacht auf ihrer Hut sein. Whrend
beim Schwan und der Wildgans das Mnnchen ein besorgter Vater ist,
kmmert sich der Enterich gar nicht um seine Nachkommenschaft. Er
trifft sich mit den andern Wilderpeln zusammen und scheint sich
prchtig mit ihnen zu vergngen.

Nach unsern Begriffen ist er ein ganz gewissenloser Kerl. Es mu immer
wieder hervorgehoben werden, da man menschliche Vorstellungen nicht
ohne weiteres auf tierische Verhltnisse bertragen darf.

Um die Wildenten vor ihrer Ausrottung zu bewahren, ist nur
erforderlich, da jede Entenmutter ein bis zwei Junge grozieht. Das
gelingt ihr regelmig ohne den Beistand des Erpels. Da die Natur
berall mit dem geringsten Kraftaufwand ttig ist, so bleibt der Erpel
bei der Aufzucht auer Betracht.


171. Warum nennt man eine falsche Zeitungsmeldung eine Zeitungsente?

Im Tiergarten werden wir von der Verstellungskunst der Entenmutter kaum
etwas zu sehen bekommen. Denn das Publikum wrde es verhindern, da
beispielsweise jemand einen Hund auf sie und ihre Jungen hetzt.

Wir haben bereits frher (Kap. 144) geschildert, wie die Wildhhner
ihre Jungen gegen berlegene Feinde zu schtzen suchen. Wir mssen auf
diese ebenso merkwrdige wie erfolgreiche Rettungsart hier bei der
Mutterente nochmals zu sprechen kommen.

Die strkeren Tiermtter verteidigen ihre Jungen durch ihre Kraft. Den
meisten Friedvgeln fehlt jedoch eine solche Strke ihrer Glieder, um
damit Erfolge zu erzielen. Der Weiblichkeit liegt es nun nahe, die
Kraft durch List zu ersetzen. Besonders machen schwache Tiermtter
hiervon Gebrauch. Nhert man sich dem Neste eines Singvogels, so kann
man oft erleben, da das Weibchen wie tot zur Erde fllt. Um den Feind
von ihren Jungen abzulenken, stellt sich die Mutter tot. Will der Feind
sie haschen, so wei sie mit groer Gewandtheit ihm zu entschlpfen und
ihn weit weg vom Neste zu fhren. Fasanenmtter und Rebhhner stellen
sich lahm, um den Hund oder Fuchs von ihren Jungen fortzulocken. So
macht es auch die Mutterente. Obgleich sie ganz gesund ist, lahmt sie
ganz auffallend. Natrlich denken Fuchs oder Hund, da ein gelhmtes
Geschpf mit leichter Mhe zu ergreifen ist, und verfolgen sie.
Auch hier versteht sie es meisterlich, die Feinde von den Jungen
fortzulocken, ohne selbst erhascht zu werden.

In frheren Zeiten waren die Menschen mit der Tierwelt viel vertrauter.
Die Verstellungsknste der Mutterente waren ihnen etwas ganz Bekanntes.
Sie wuten, da die Ente durch ihr Benehmen andern etwas mitteilt,
was nicht wahr ist. So lag es nahe, eine Zeitungsmeldung, die etwas
mitteilte, was nicht wahr ist, als Zeitungsente zu bezeichnen.


172. Ist die Ente wie das Huhn ein Tagtier?

Die Hhner gehen, wie wir wissen, zeitig schlafen. Wie ist es mit der
Wildente?

Es ist bereits frher (Kap. 145) hervorgehoben worden, da die Wildente
im Gegensatz zu den wilden und zahmen Hhnern auch in der Nacht ttig
ist. Der Jger wei, da man sich auf Enten gegen Abend am Rande eines
Gewssers anstellt. Mit Einbruch der Dmmerung fangen die Enten an,
auf Nahrungssuche auszugehen und zu diesem Zwecke nach Teichen oder
sonstigen Gewssern zu fliegen, wo sie reichliches Futter vermuten.

Auch die Wildenten im Berliner Tiergarten haben diese Lebensweise
beibehalten. Unzhlige Male habe ich sie in der Nachtzeit in Ttigkeit
gesehen. Es ist, wie schon hervorgehoben wurde, ein Irrtum, da die
Wildenten sich durch das elektrische Licht die Nahrungssuche in der
Nacht angewhnt haben. Auf dem Lande, wo kein elektrisches Licht
strahlt, handeln sie genau ebenso.

Warum frit die Ente nun nicht am Tage wie die Hhner? Zeit genug hat
sie doch eigentlich den ganzen langen Tag ber.

Die Wildente wird es besser wissen als wir, weshalb sie die Nacht zur
eigentlichen Ftterung whlt.

Wahrscheinlich ist der Grund folgender. Seeadler, Adler, Wanderfalk und
Habicht sind, wie wir wissen, eifrige Feinde der Wildente. Diese Feinde
sind Tagraubvgel, die am Tage ttig sind, aber nicht in der Nacht.
Die hauptschlichste Rettung der Ente liegt in der Flucht, auf dem
Wasser in ihrem Tauchen. Je voller sich die Ente gefressen hat, desto
schlechter fliegt und taucht sie, und um so leichter wird sie gefangen.

Die Ente frit gern viel. So luft sie also Gefahr, wenn sie am Tage
reichlich gefressen hat, von ihren Hauptfeinden erbeutet zu werden.

In der Nacht braucht sie diese nicht zu frchten. Da kommen als Feinde
nur die groen Eulen, also namentlich der Uhu, in Betracht. Angenommen,
da dieser von dem Schwarm der Enten, die sich zur Nachtzeit irgendwo
gesammelt haben, eine fngt, so ist das weiter kein Unglck.

Uebrigens sieht man dem Auge der Ente auch uerlich an, da es an die
Augen der Dunkelheitsseher, der Nachtigallen, Schnepfen und anderer
Vgel erinnert, whrend die Augen der Hhner, als ausgesprochener
Helligkeitsseher, ganz anders aussehen.


173. Warum lt man Enteneier durch Hhner ausbrten?

Unsere Hausente ist grer, strker und fetter geworden als ihre
Vorfahren. Dafr kann sie nicht mehr wie diese auf den Grund der
Gewsser tauchen, auch kann sie nicht annhernd so gut wie diese
fliegen.

Wir folgen der Einladung eines Bekannten im Vorort, um uns seine Enten
anzusehen. Beim Eintritt in sein Gehft bemerken wir eine Glucke, die
ngstlich am Rande eines kleinen Pfuhles herumluft und fortwhrend
Lockrufe ausstt, whrend die jungen Entlein unbekmmert um die Angst
ihrer Pflegemutter lustig umherschwimmen.

Weshalb lt der Mensch die Enteneier durch eine Henne ausbrten? Ist
das nicht grundverkehrt? Die Ente liebt die Nsse, whrend das Huhn sie
hat.

Die Erklrung liegt darin, da wir deshalb oft Pflegemtter whlen,
weil sie als Brterinnen und Fhrerinnen ausgezeichnete Dienste
leisten. So ist die Pute wegen dieser Eigenschaften berhmt, und erst
vor einigen Tagen sah ich in Berlin eine Pute junge Enten fhren. Die
Ente lt auf diesem Gebiete hufig zu wnschen brig.

Sodann will die Mutterente ihre Jungen zum Wasser fhren. Hat man auf
oder bei seinem Gehft einen Graben oder Teich, so ist das sehr schn.
Hufig ist das nicht der Fall, und dann ist eine Glucke ganz am Platze.

Der Mangel an Wasser schadet Enten, die man msten will, nichts.
Dagegen wrden Zuchtenten ohne Wasser nicht gedeihen.


174. Die Rassen der Ente.

Besonders groe Entenrassen sind die Rouen-Ente, die gemstet ber 10
Pfund schwer wird, ferner die Aylesbury- und die Peking-Ente. Kleiner
ist die indische Laufente, die aber eine fleiige Eierlegerin ist und
es auf 150 Eier im Jahre bringt.

Die Brutzeit dauert 28 Tage oder einige Tage weniger. Zur Zucht
gebraucht man Enten bis zum fnften Jahre, obwohl sie noch lnger legen.

Junge Enten wachsen, wie wir an den Wildenten sehen, sehr schnell heran
und knnen in 10 bis 12 Wochen mastreif sein.

Die Ente wird als gefiedertes Schwein bezeichnet, weil sie alles frit.
Wir haben bereits beim Schwein hervorgehoben, da diese Redensart etwas
bertrieben ist. Richtig ist, da ihr Speisezettel sehr reichhaltig
ist. Die Wildente frit Smereien, Knollen, Bltter, ferner Insekten,
Wrmer, Weichtiere und Reptilien. Fische fngt sie wohl nur durch
Zufall, da sie zum Fischen nicht passend gebaut ist. Desto eifriger
ist sie nach dem Laich der Fische, wie schon erwhnt wurde. Die
Hausente frit auerdem Hausabflle, Kartoffeln, Fleisch usw.

Mit dem Schwein teilt die Ente den Vorzug, da ihr Fleisch immer
Abnehmer findet, und da ihre Zucht berhaupt verhltnismig lohnend
ist.


175. Die Ente in Redensarten und Sprichwrtern.

Erwhnt wurde bereits die Redensart, wonach die Ente als gefiedertes
Schwein bezeichnet wird. Auch ist die Zeitungsente zu erklren versucht
worden. Ferner findet in dem Vorstehenden die Redensart ihre Erklrung:

    *die umhertrippelt wie ein Huhn, das Enten ausgebrtet hat und sie
    aufs Wasser gehen sieht*.

Sonst wren noch anzufhren:

               *Er kann schwimmen wie eine Ente.*

Spttisch wird auch gesagt:

               *Er kann schwimmen wie eine bleierne Ente.*




Die Gans


176. Warum gilt die Gans als wachsam?

In unserem Zoologischen Garten, der uns so oft ein Helfer in der Not
gewesen ist, knnen wir uns auch die Stammeltern unserer Hausgans,
die Graugnse, ansehen. Sie tummeln sich auf dem sogenannten
Vierwaldsttter See. Allerdings ist bei oberflchlicher Betrachtung
nicht viel an ihnen zu sehen. Sie sehen eben wie graue Gnse, die auf
einem Gewsser schwimmen, aus. Aber wer die auerordentliche Vorsicht
der Graugnse kennt, der ist schon sehr erfreut darber, da er sie so
in der Nhe zu Gesicht bekommt. Ich habe jahrelang Jagdreviere gekannt,
wo es sehr viel Wildgnse gab. Aber nur einmal habe ich eine Graugans
in der Nhe zu sehen bekommen. Es war eine Nachzglerin, die es sehr
eilig hatte und sehr niedrig flog. In der Eile hatte sie uns Jger, die
wir im Graben lagen, bersehen.

Jung eingefangene Graugnse werden verhltnismig leicht zahm. So
sind sie, wie schon erwhnt wurde, die Stammeltern unserer Hausgnse
geworden.

Berhmt ist die Geschichte, da Gnse das Kapitol von Rom und dadurch
die Stadt selbst durch ihre Wachsamkeit gerettet haben. Die Feinde,
die Gallier, hatten damals vor mehr als zweitausend Jahren, einen
nchtlichen Ueberfall geplant. Die Hunde schliefen, aber die Gnse
merkten, da unerbetener Besuch sich nahte, und erhoben ein Geschrei.
Hiervon wurde die Besatzung wach, der es gelang, die anstrmenden
Feinde in die Tiefe zu strzen.

Alljhrlich wurde diese Rettung der Stadt durch ein Fest gefeiert.
Neben einer triumphierenden Gans lag ein getteter Hund.

An der Wahrheit des Berichts ist nicht gut zu zweifeln, und der
Tierkenner wird der letzte sein, der ihn bezweifelt. Die Wachsamkeit
ist ohne Frage ein Erbteil ihrer Stammeltern.

Unsere Wildgans ist im Gegensatz zu manchen auslndischen Gnsen
infolge ihrer Schwimmfe auerstande, auf Bumen zu schlafen,
wie es die andern Vgel tun. Sie lebt deshalb in unzugnglichen
Brchen und schwer zugnglichen bewachsenen Inseln. Es ist nun
selbstverstndlich fr den Menschen recht schwer, sich zur Nachtzeit
solchen Schlafsttten zu nhern. Aber Wildkatzen, Fchse und Wlfe,
namentlich aber Hermeline, Iltisse und Fischottern, die smtlich
nchtliche Ruber sind, knnen den schlafenden Gnsen doch sehr
gefhrlich werden. Deshalb scheint immer eine von den Wildgnsen Wache
zu halten. Auch deutet ihre Vorliebe fr Schlafpltze im Schilf darauf
hin, da sich die Annherung des Rubers durch Betreten der berall
liegenden trockenen Rohrstcke verraten soll. Diese Benutzung von
Natur-Alarmapparaten finden wir bei Pflanzenfressern nicht selten,
so bei Hirschen, Rehen usw. Sie haben ihr Lager am liebsten an
Oertlichkeiten, wo sich der Jger nicht nhern kann, ohne durch das
Betreten des Laubes und der berall vorhandenen Zweigstcke Gerusche
zu erzeugen.

Die Hausgans ist also von Hause aus durchaus fr die Wachsamkeit zur
Nachtzeit geschaffen, deshalb ist die von ihr gemeldete Geschichte
vollkommen glaubhaft.


177. Wie steht es mit den geistigen Fhigkeiten der Gans?

Die Bezeichnung dumme Gans ist bei uns sehr gelufig. Und betrachtet
man Hausgnse, die auf einem Anger weiden, was wir in jedem Dorfe
anstellen knnen, so machen die Tiere ohne Zweifel nicht den Eindruck,
als ob sie ber einen groen Geist verfgen.

Das eintnige Geschnatter, das sie hren lassen, erscheint zunchst
sehr berflssig. Wir wissen aber von dem Grunzen der Schweine und
dem Blken der Schafe, da solche den Zusammenhang der Gesellschaft
wahrenden Tne fr Tiere, die im Rhricht leben, sehr wichtig sind.
Sodann sehen die Gnse mit ihrem watschelnden Gang auf dem Erdboden
sehr unbeholfen aus. Aber ist das irgendwie wunderbar? Wir Menschen
haben sie doch aus ihrer Heimat zwischen Rohr und Binsen genommen und
auf den festen Erdboden gebracht, wohin sie ihrer Natur nach nicht
gehren. Ihre Furchtsamkeit, die sie bekunden, ist auch nicht weiter
merkwrdig. Denn wie unsern Hausschafen das Gebirge, so fehlt ihnen
und den Enten das Wasser zu ihrer Rettung. Nur der Gnserich bekundet
Mut gegen Kinder. Er geht auf sie mit Zischen los. Uebrigens haben sie
gelegentlich schon durch Schnabelhiebe ganz kleinen Kindern gefhrliche
Verletzungen beigebracht.

Die angebliche Dummheit der Hausgnse mu man in der Hauptsache auf die
unnatrlichen Verhltnisse zurckfhren. Von Hause aus ist die Gans ein
sehr kluges Tier. Hierber sind sich alle Jger einig. Das Anschleichen
an Gnse ist ungeheuer schwierig, weil sie durch ihre Wachsamkeit und
ihr vorzgliches Sehvermgen fast alle Mittel ihrer Feinde zuschanden
machen.

Unsere Vorfahren waren mit dem Tierleben weit inniger vertraut als wir.
Sie kannten die Tiere demnach auch viel besser. So erklrt es sich, da
sie ein Rechtsbuch Graugans nannten. Fr den heutigen Kulturmenschen
ist diese Bezeichnung ganz unverstndlich. Der Jger aber versteht,
was damit gemeint ist. Die Verfasser haben sich die Graugans mit
ihrer bewundernswerten Vorsicht, Klugheit und Wachsamkeit als Vorbild
genommen.


178. Wie erklrt sich der Gnsemarsch?

Unsere Dorfgnse werden jetzt nach Hause getrieben, wobei sie sich in
dem bekannten Gnsemarsch bewegen. Dieser Gnsemarsch drfte ohne Frage
aus ihrer Bewegungsart im Rhricht und Binsen herrhren. Eine Wildgans
mu hier der andern folgen, da sie sich sonst jedesmal erst einen neuen
Weg bahnen mte.

Ueberhaupt lt sich nicht bestreiten, da den Gnsen durch ihre
Lebensart ein gewisser soldatischer Geist eingehaucht ist. Sie haben
einen bewundernswerten Sinn fr Ordnung. Das Einreihen, das Bilden
einer Linie und hnliche Bewegungen fallen ihnen ersichtlich leicht.
Wie soll es auch anders sein, da ja ihr Flugbild das bekannte Dreieck
bildet. Man nimmt an, da die Gnse in dieser Flugform leichter die
Luft durchschneiden.


179. Aus der Lebensgeschichte einer Wildgans.

Fr die Leser, denen unsere Wildgnse nicht bekannt sind, mchte ich
von dem Berichte eines Jgers ber einen zahmen Wildganter eine Stelle
hier bringen.

Auf einem Gute in der Neumark waren zwei Eier von Wildgnsen durch
Hhner ausgebrtet worden. Es war ein Prchen, ein Ganter und eine
Gans. Beide flogen, als sie erwachsen waren, oft fort, kehrten aber
stets wieder heim. Von diesem Ganter erzhlt der erwhnte Jger
folgendes:

Die Hunde haben es schon lngst gelernt, ebenso schnell wie unauffllig
aus seinem Bereich zu verschwinden, und auch die Katzen sind, falls
er gerade schlechter Laune ist, vor seinen Angriffen nicht sicher.
So stand der Ganter einst neben mir im Garten, offenbar ungehalten
darber, da ich als Fremdling es wagte, mich in der Nhe seiner
Lieblingsgans zu bewegen, die unmittelbar daneben auf dem Hofe im
Pferdestall brtete. Da erstand mir ein Blitzableiter in Gestalt einer
Katze. Mieze lag auf dem Rande des niedrigen Daches der Veranda, der
Ganter entdeckte sie und schon im nchsten Augenblick schwang er sich
in die Hhe, um mit dem miliebigen Eindringling abzurechnen. Im Nu
hatte er die tdlich erschrockene Katze am Balge erfat; klglich
schreiend wehrte sie sich zwar, so gut es ging, aber es half ihr alles
nichts. Mit ihrem Feind zusammen, der nicht loslie, mute Mieze hinab
in die Tiefe, und fest verfangen kamen die beiden Kmpfer durch das
dichte Weinrankengewirr der Gartenlaubenwand zur Erde herabgepoltert.
Hier erst lie der Ganter die Katze los, die sich nun eilig aus dem
Staube machte; ihre Verteidigung schien dem ungewohnten Feind gegenber
recht miger Art gewesen zu sein.

Dieses angriffslustige Benehmen legt der Ganter jedem lebenden Wesen
gegenber an den Tag, wenn er schlechter Laune ist und sich dem
Gegner einigermaen gewachsen fhlt. Vor Mnnern hat er immerhin noch
einigen Respekt, aber er kann es doch nicht unterlassen, auch sie
empfindlich in die Wade zu zwicken, wenn sie seinen Gnsen oder wohl
gar deren Gelegen zu nahe kommen. Frauen und Mdchen denken nicht
im Traum an solche Verwegenheit, die er, wenn es sich nicht etwa um
seine Pflegerinnen handelt, ganz gewaltig bestrafen wrde. Aus allen
diesen Grnden ersetzt der Ganter auch den vorzglichsten Hofhund, denn
seinen Nachtdienst tritt er schon an, sobald die ersten Schatten der
Dmmerung sich auf die Erde senken. Was ihm an Eindringlingen nicht
stark berlegen erscheint, wird im wahren Sinne des Wortes berfallen;
denn der Ganter naht im Schutze der Dunkelheit vollkommen lautlos und
verbeit sich ganz fest in Kleidern, Haaren oder Gliedmaen.

Uebermchtigen Feinden, wie Mnnern gegenber, befolgt er dagegen
einen ganz anderen Feldzugsplan, indem er von seiner fabelhaft
durchdringenden Stimme den ausgiebigsten Gebrauch macht. Die Sage von
den kapitolinischen Gnsen wird von diesem Vogel in die Wirklichkeit
bersetzt, und wenn er auch natrlich nur sein eigenes Hausrecht zu
wahren bestrebt ist, wissen doch die Hausbewohner mit Sicherheit, da
irgendetwas nicht in Ordnung ist, wenn nachts der Ganter laut wird.

In der vorstehenden Schilderung wird ebenfalls die Wachsamkeit der Gans
zur Nachtzeit besttigt.


180. Die Rassen der Gnse.

Berhmt von den Gnserassen sind die Pommersche, Mecklenburgische,
Emdener und Toulouser Gans. Gnsezucht bringt nur Gewinn, wenn man ber
Weiden mit Wasser verfgt. Die Gans wird gewhnlich im zweiten Jahre
fortpflanzungsfhig und kann sehr alt werden, jedenfalls ber 20 Jahre.
Die Gans legt etwa ein Dutzend Eier und brtet 28 bis 32 Tage darauf.

Die Gnse sind in der Hauptsache Pflanzenfresser. Sie weiden mit Hilfe
ihres harten scharfschneidenden Schnabels Grser und Getreidearten,
Kohl und andere Kruter von der Erde ab, enthlsen Schoten und Aehren
und grndeln in seichten Gewssern nach Pflanzenstoffen. Doch nehmen
die Gnse auch tierische Nahrung zu sich.

Bei uns ist es blich, die Gnse nach der Ernte auf die Felder zu
treiben, wobei die Tiere (Stoppelgnse) sehr an Gewicht zunehmen.

Auerordentlichen Nutzen gewhrt die Gans durch ihre Federn. Sie wird
zu diesem Zwecke ein- oder zweimal gerupft.

In frheren Zeiten lieferten die Kiele der Schwungfedern die
Schreibfedern. Es war eine mhsame Arbeit, die Kiele zu diesem Zwecke
zurechtzuschneiden.

Vorzglich ist auch das Fett der Gans. Von Feinschmeckern wird ihre
Leber gerhmt. Es ist ein ziemlich umstndliches Verfahren, um
knstlich groe Lebern zu erzeugen.


181. Die Gans in Redensarten und Sprichwrtern.

Erwhnt wurde schon die Bezeichnung Gans oder dumme Gans fr einen
dummen Menschen, namentlich fr eine dumme Frauensperson. Insbesondere
wird ein albernes Mdchen gern als Gnschen bezeichnet. Ebenso wurde
bereits der Gnsemarsch und das Watscheln wie eine Gans angefhrt.

In Berlin kann man die Redensart hren:

    *Eine gute gebratene Gans ist eine gute Gabe Gottes*,

wobei das g wie j ausgesprochen wird.

Mit

               *Gnsewein*

wird scherzhaft das Wasser bezeichnet.

               *Gnsefchen*

heien die Anfhrungszeichen bei der Zeichensetzung.

               *Gnsehaut*,

so wird die menschliche Haut bezeichnet, wenn sie durch Klte oder
Schreck der Haut einer Gans hnlich sieht.


[Illustration: Schwne, Enten, Gnse]




Der Schwan


182. Warum hat der Schwan einen so langen Hals?

Auch in diesem Falle mssen wir uns nach dem Zoologischen Garten
begeben, um uns Schwne anzusehen. Die Schwne im Tiergarten sind seit
einigen Jahren verschwunden. Noch im vorigen Jahre lebte ein Prchen
auf dem Tempelhofer Felde in dem neugegrabenen See. Auch das ist nicht
mehr vorhanden. Ob in der Havel noch Schwne sind, habe ich noch nicht
feststellen knnen.

Vor vierzig Jahren brtete alljhrlich ein Schwanenpaar an der Moabiter
Brcke, die von der Kirchstrae ber die Spree fhrte. Das Nordufer
der Spree war damals unbebaut und bildete die sogenannte Wulwe-Lanke.
Es war ein schner Anblick -- er und sie wrdevoll und vorsichtig
dahinschwimmend und um sie beide ihre Kinderschar. Gewhnlich waren
es vier Junge, die brunlich aussahen. Merkwrdigerweise hrt man so
oft, da der Schwan weie Junge habe. Das ist aber, wenn man von einer
Ausnahme absieht, durchaus unrichtig.

Auch die Schwne im Zoologischen Garten erfreuen uns durch ihre schne
weie Gestalt, die so vortrefflich in den Rahmen eines stillen,
vertrumten Weihers pat.

Warum haben die Schwne einen so langen Hals? Diese Frage kann man oft
hren. Ich glaube, sie mu in folgender Weise beantwortet werden:

Einmal mu jedes Tier so gebaut sein, da es mit seinen
Reinigungsmitteln zu jedem Krperteil gelangen kann. Da der Vogel die
Reinigung mit dem Schnabel besorgt, so braucht der Schwan, um zu dem
uersten Teil des Rckens zu gelangen, schon deshalb einen langen Hals.

Sodann kommt die Nahrungsmittelverteilung hinzu. Wenn alle
Pflanzenfresser dasselbe fressen wrden, so wre der Streit unter
ihnen noch grer, als er ohnehin schon ist. Aus diesem Grunde sind
sie verschieden gro gebaut. Der kleine Hase kann, selbst wenn er
sich aufrichtet, nicht dahin reichen, wo das Reh bequem fressen kann.
Dagegen kann das Reh die Stellen nicht erreichen, die dem greren
Hirsch zugnglich sind.

Wie Hase, Reh und Hirsch ber dem Boden, so unterscheiden sich
Schwimmente, Gans und Schwan unter dem Wasser. Die Gans kann beim
Grndeln solche Stellen erreichen, wohin die Ente nicht gelangt. Und
wiederum kann der Schwan noch weiter reichen als die Gans.

Die Wildente kann wohl auf den Grund des Gewssers tauchen, und tut das
auch oft. Aber beim Grndeln sieht man Enten, Gnse und Schwne nicht
tauchen. Das drfte sich nur aus der Nahrungsmittelverteilung erklren.

Der Schwan ist noch mehr Pflanzenfresser als Gans und Ente. Im Frhjahr
quakende Frsche lt er, wovon ich mich oft berzeugen konnte, ganz
unbehelligt.

Seine Hauptfeinde, Adler und Uhu, sind jetzt bei uns fast ausgerottet.
Vor ihnen flchtete er ins Schilf. Manchmal kommt es noch vor, da ihn
ein Fuchs abwrgt, wenn er im Winter im Eise festgefroren ist. Unter
gewhnlichen Umstnden drfte ein Fuchs einem gesunden Schwan nicht
viel anhaben knnen, da er sich mit seinen gewaltigen Flgelschlgen
gut verteidigen kann.

Der Schwan nistet im Frhjahr. Nach einer Brutzeit von 35 bis 42 Tagen
schlpfen die Jungen aus. Die Anzahl der Eier betrgt sechs bis acht.

Hervorragend geschtzt sind die Federn des Schwans wegen ihrer Farbe
und Weichheit. Mit der Schnheit des Tieres steht sein Wesen wenig
im Einklang. Er zeigt sich nach unsern Begriffen selbstbewut und
herrschschtig. Vom Standpunkte des Schwanes aus drften sich diese
Eigenschaften sehr wohl erklren lassen.


183. Der Schwan in Redensarten und Sprichwrtern.

               *Schwanengesang.*

Wir in Deutschland kennen hauptschlich den Hckerschwan, der nur
zischt, aber nicht singt. In nrdlichen Lndern lebt aber der
gleichgroe Singschwan, der keinen Hcker trgt. Dieser fhrt seinen
Namen mit Recht. In den kalten Winternchten soll der Gesang einer
Schar Singschwne sehr schn klingen. Manche behaupten, da der
Singschwan besonders vor seinem Tode snge, was von andern bestritten
wird. Wahrscheinlich haben die alten Griechen, die zuerst von dem
Schwanengesang in diesem Sinne sprechen, aus dem Gesang die Todesahnung
herausgehrt. Sie haben ebenso bei der Nachtigall die Anklage wegen
eines Kindesmordes herausgehrt.

Die Schwne galten als besondere Lieblinge des Apollo, des Gottes der
Dichtkunst. Daher werden Dichter geradezu als Schwne bezeichnet, so
Shakespeare (Schhkspir) als Schwan von Avon (ew'n oder w'n), da er am
Avon geboren ist.

Schwanengesang ist also die letzte bedeutende Leistung, die jemand
angesichts seines bevorstehenden Todes vollbringt, wie das Sterbelied
des Schwans.

               *Schwanen.*

Da der Schwan seinen Tod vorher wissen soll und berhaupt, wie viele
Vgel, nach dem Volksglauben (Kap. 36) in die Zukunft blicken kann, so
bedeutet es: dunkel ahnen.

Nach der schneeweien Farbe des Schwans gibt es zahlreiche
Zusammensetzungen, die hierauf Bezug nehmen, beispielsweise

               *Schwanenhals*.

Allerdings kann hierbei auch auf die Lnge des Schwanenhalses
angespielt sein.




Der Kanarienvogel


184. Weshalb gert der Kanarienvogel in Wut, wenn er sein Spiegelbild
erblickt?

Wer sich auch sonst um Tiere wenig bekmmert, dem wird doch der
Kanarienvogel bekannt sein.

Der goldgelbe Snger war vor dem Weltkriege in zahllosen Familien
anzutreffen. Jetzt ist er auch selten geworden, und wir freuen uns, da
wir bei einem Bekannten Gelegenheit haben, einen zahmen Kanarienvogel
zu betrachten.

Unser Bekannter, Herr Stengert, ffnet den Kfig, und sofort fliegt ihm
Hnschen, wie der Kanarienvogel genannt wird, auf den vorgestreckten
Finger. Auf Befehl gibt er seinem Herrn ein Kchen. Bei Kanarienvgeln
kann man das unbesorgt tun, da sie nicht wie Hunde im Kot whlen.
Sodann kriecht er seinem Herrn in den Rockrmel, wo es ihm besonders
gut zu gefallen scheint. Wenigstens ist erst ein Leckerbissen
notwendig, um ihn von diesem warmen Platze fortzulocken.

Einen merkwrdigen Einflu bt ein vor ihm aufgestellter Spiegel aus.
Mit allen Zeichen der Erregung, nmlich dem Struben der Kopffedern und
dem Heben der Flgel sowie ganz sonderbaren Tnen nhert er sich diesem
Kunstwerk des Menschen.

Man sollte meinen, da ein hbsches Tier sich freut, wenn es im Spiegel
sein Ebenbild erblickt. Warum setzt den Kanarienvogel sein Spiegelbild
so in Wut?

Wir Kulturmenschen sind so daran gewhnt, im Spiegel unser Bild zu
erblicken, da wir das Spiegelbild fr die selbstverstndlichste
Sache der Welt ansehen. Und doch kann von einer solchen
Selbstverstndlichkeit gar keine Rede sein. Wir wissen, da
Naturvlker, die sich zum ersten Male im Spiegel betrachten, gar nicht
wissen, da es ihre eigene Person ist, die der Spiegel wiedergibt.
Woher soll denn der Wilde eigentlich wissen, wie er aussieht? Wenn der
Mensch so etwas nicht sofort feststellen kann, so ist es beim Tier erst
recht nicht der Fall.

Nasentiere, also Hunde und Pferde, bleiben, wie wir wissen, im
allgemeinen kalt gegen den Spiegel. Denn die Spiegelung sagt der treuen
Nase nichts. Dagegen bt der Spiegel auf Augentiere, also auer uns
Menschen, auf Affen und Vgel eine starke Wirkung aus.

Um die Erregung von Hnschen zu verstehen, mssen wir uns folgendes
vergegenwrtigen. Hnschen ist ein Hahn, und alle Hhne sind gewhnlich
sehr eiferschtig auf einander. Vom Haushahn ist es ja allgemein
bekannt, da er sofort mit einem andern Hahn Streit beginnt. Hnschen
glaubt also, als er im Spiegel einen andern Kanarienhahn erblickt,
einen Nebenbuhler vor sich zu haben. Er ist sofort bereit, mit ihm
einen Kampf auszufechten. Sich selbst hat er nicht erkannt. Denn in
diesem Falle wre die Kampfbereitschaft vollkommen unverstndlich.


185. Warum singen nur die Mnnchen bei den Singvgeln?

Nachdem der Spiegel, der Hnschen so beunruhigt hatte, von seinem
Herrn fortgebracht worden ist, erfreut uns der Vogel durch seinen
herrlichen Gesang. Die Frage ist sehr naheliegend, weshalb nur die
Mnnchen singen. Denn einen weiblichen Kanarienvogel kauft man nur zu
Zuchtzwecken. Auerhalb der Zuchtzeit, die vom Februar bis zu der im
August eintretenden Mauser dauert, sind die Weibchen verglichen mit den
Mnnchen spottbillig.

Bedenkt man, da jedes Mnnchen im Frhjahr ein Weibchen finden mchte,
mit dem es zusammen ein Heim grnden kann, so wird es klar, da der
Gesang der mnnlichen Singvgel ein vorzgliches Mittel dazu ist,
den Weibchen anzukndigen, wo sie einen Gatten antreffen knnen. Die
Augen der Vgel sind bekanntlich ausgezeichnet. Deshalb braucht ein
Adlermnnchen, das auf einem steilen Felsen sitzt, nicht zu singen.
Denn ein Adlerweibchen kann es auf viele Kilometer deutlich erkennen.

Aber wie ist es mit den kleinen Singvogelmnnchen, die im dichten Laub
verborgen sitzen? Wie schwer ist es nicht, wenn wir den Ruf oder Gesang
eines Vogels hren, den Urheber im Gewirr des Laubes und der Aeste zu
erblicken. Ich habe Bauern kennen gelernt, die mir erklrten, noch
niemals in ihrem Leben einen Pirol oder Kuckuck gesehen zu haben. Das
war in einer Gegend, wo im Sommer beide Vgel von frh bis spt ihre
Rufe erschallen lieen.

Wie sollte in der Dunkelheit ein Nachtigallenweibchen wissen, da ein
Mnnchen im Gebsch weilt, selbst wenn seine Augen scharf und fr
die Dunkelheit angepat sind? Wie anders liegt die Sache, und wie
erleichtert ist das Finden, wo jetzt das Mnnchen zur Frhjahrszeit in
der Nacht seine sehnsuchtsvollen Tne in die Welt hinausfltet?

Gerade unter den Gebschvgeln und den versteckt lebenden Vgeln
pflegen die trefflichsten Snger zu sein. Auer der schon erwhnten
Nachtigall und dem Pirol sei nur an den Sprosser, die Grasmckenarten,
die Laubvgelarten, den Gartenlaubsnger und andere erinnert.

Das Mnnchen hat also bei den Singvgeln deshalb die Gabe des Gesanges,
weil es die Weibchen dadurch auf sich aufmerksam machen will. Da die
Natur berall mit Aufwendung der geringsten Mittel arbeitet, so hat
sie dem Weibchen die Gesangesgabe nicht verliehen. Denn es wre ganz
zwecklos, wenn beide Teile auf ihrem Platze blieben und das andere
Geschlecht auf sich aufmerksam machen wollten.

Nur bei alten Weibchen kommt es vor, da sie kmmerlich etwas singen.
Das erinnert an die Erscheinung, da alte Frauen einen Anflug von Bart
bekommen.


186. Warum hassen die Sperlinge den Kanarienvogel?

Herr Stengert erzhlt uns, da er vor Jahren einen Kanarienvogel in
folgender Weise verloren hat. Er war aus dem Bauer entwischt und hatte
sich die goldene Freiheit erobert. Doch er sollte sich ihrer nicht
lange erfreuen. Denn die Sperlinge fielen ber ihn her und ruhten
nicht eher, als bis sie ihn gettet hatten. Es war ihm nicht mglich,
seinen Liebling zu retten, da sich der Vorgang an einer fr Menschen
unzugnglichen Stelle abspielte.

Von diesem Ha der Sperlinge gegen entflohene Kanarienvgel habe
ich so oft erzhlen hren, da ich an der Wahrheit der Berichte
nicht gut zweifeln kann. Er steht auch ganz im Einklange mit der
immer wiederkehrenden Erscheinung, da sich nahe Verwandte im
Tierreich grimmig hassen, so Wolf und Hund, Pferd und Esel usw. Auch
der Kanarienvogel gehrt wie der Sperling zu den Finken und mte
eigentlich nach menschlichen Anschauungen als naher Verwandter von
den Gassenjungen, wie man die Sperlinge genannt hat, liebevoll
aufgenommen werden. Da unter den Tieren Ha gegen Verwandte die Regel
ist, so ist die Abneigung der Sperlinge gegen den Kanarienvogel nicht
weiter auffallend.

Hierzu kommt noch folgendes. Alle freilebenden Tiere haben einen
scharfen Blick fr die Schwchen eines neu Angekommenen. Deshalb soll
man einen Vogel, der stndig im Kfig gehalten wurde, nicht pltzlich
aussetzen. Manche Tierfreunde wollen ihren Tieren etwas gutes erweisen
und erreichen damit das gerade Gegenteil. So hatte ein Bekannter von
mir eine junge Drossel grogezogen. Als ausgesprochener Tierfreund
wollte er dem Tiere eine groe Freude machen und ihm die Freiheit
schenken. Er erzhlte mir von seinem Plane, worauf ich ihm den Rat gab,
die Drossel zunchst im Zimmer das Fliegen etwas grndlicher lernen zu
lassen. Das wollte er jedoch wegen der damit verknpften Schmutzereien
nicht tun. Er nahm die Drossel also nach dem Tiergarten mit und setzte
sie dort aus. Er selbst schaute von einer Bank aus dem Benehmen seines
Lieblings zu. Es dauerte nicht lange, so kam eine Krhe. Diese fing
die Drossel und verspeiste sie. Mein Bekannter war dagegen machtlos.
Die Krhe hatte sofort erkannt, da die Drossel nicht gengend fliegen
konnte. Wie sie auf kranke Vgel Jagd macht, so auch auf schlechte
Flieger.

Vielleicht ist auch folgender Umstand von Bedeutung. Bei jeder Tierart
kommen wohl sogenannte Albinos vor, d. h. Tiere mit weier Farbe und
roten Augen. Allgemein gelten sie als schwchlich. Raubtiere suchen
zuerst die Albinos zu erbeuten. Albinos werden von ihren Artgenossen
gewhnlich gemieden. Unser Kanarienvogel ist nun zwar kein Albino,
aber mit seiner hellgelben Frbung sieht er ihm manchmal recht
hnlich. Jedes freilebende Tier sieht jedenfalls sofort, wenn es einen
Kanarienvogel erblickt, da hier ein Schwchling vorliegt. Schwchlinge
werden gern bekmpft.

Der Ha der Sperlinge gegen den Kanarienvogel liee sich also dadurch
erklren, da der Kanarienvogel ein naher Verwandter, ein erbrmlicher
Flieger und ein Schwchling ist.


187. Wie erklrt sich die gelbe Farbe des Kanarienvogels?

Der wilde Kanarienvogel, von dem unser zahmer Kanarienvogel abstammt,
lebt noch heute auf den Kanarischen Inseln an der Westkste Afrikas.
Seit etwa drei Jahrhunderten ist der Kanarienvogel als Haustier
bei uns heimisch. Der wilde Kanarienvogel ist grnlich, whrend
unser Kanarienvogel hauptschlich gelb ist. Wie lt sich diese
Verschiedenheit erklren?

Wir sehen, da Haustiere sehr hufig eine andere Farbe haben als ihre
freilebenden Vorfahren. Das Wildpferd ist braun. Es gibt unzhlige
Pferde, die nicht braun sind. Ebenso ist es mit den Wildkaninchen, dem
Bankivahuhn, der Felsentaube usw.

Da man bei Kanarienvgeln durch Ftterung mit Kayennepfeffer ganz
merkwrdige Frbungen erzielt hat, so ist wohl anzunehmen, da die
Nahrung in einem gewissen Zusammenhang mit der Frbung steht. Da die
Haustiere gewhnlich zum Teil eine andere Nahrung als ihre Stammeltern
erhalten, so wrde sich ihre anders geartete Frbung zum Teil dadurch
erklren.

Herr Stengert erzhlt uns weiter, da er frher echte Harzer
Kanarienvgel besessen, sie aber wieder abgeschafft hat, denn sie
verlangen eine hohe Wrmetemperatur, was bei dem jetzigen Kohlenmangel
nicht zu erreichen war.

An sich ist jedem Geschpf Abhrtung zutrglicher als Verweichlichung.
Die Zchtung der Harzer Kanarienvgel bei hoher Temperatur kann man
aber eigentlich nicht als Verweichlichung bezeichnen. Denn der Vogel
ist einmal ein alter Afrikaner. Vielleicht hat man gerade dadurch so
groe Erfolge erzielt, da man ihn in der Temperatur seiner Heimat
hielt.


188. Warum stecken die Vgel beim Schlafen den Kopf in die Federn?

Da sich der Abend naht, so soll Hnschen zum Schlafen in ein dunkles
Zimmer gebracht werden. Hier sind noch einige andere Kanarienvgel,
die, wie wir sehen, bereits schlafen. Sie haben nmlich ihren Kopf in
die Federn gesteckt.

Diese Schlafstellung erscheint uns recht wunderbar, und die Frage
deshalb sehr natrlich, weshalb der Vogel so handelt.

Manche meinen, da diese Haltung fr den Vogel am bequemsten sei. Wie
der Mensch den Kopf sinken lasse, wenn er mde sei, so stecke der Vogel
unter gleichen Umstnden den Kopf in die Federn.

Hiermit ist aber schlecht vereinbar, da nicht nur die Eulen, sondern,
soweit ich feststellen konnte, auch die andern groen Raubvgel den
Kopf nicht in die Federn stecken. Es ist mir trotz aller Bemhungen
niemals gelungen, einen Adler oder Geier in der Nacht zu beobachten,
wie er den Kopf in die Federn steckt. Gerade in Berlin hat man
hierzu die schnste Gelegenheit. Geht man in der Dunkelheit am
Rande des Zoologischen Gartens entlang, und zwar da, wo er an den
Tiergarten grenzt, so sieht man stets einige Bewohner des riesigen
Raubvogelkfigs, wie sie auf den Felsen hocken. Bei den Eulen kann man
das Nichthineinstecken des Kopfes mit ihrem zu kurzen Halse erklren.
Aber Geier und Adler mten auch ihre Kpfe in die Federn stecken, wenn
diese Erklrung richtig ist.

Ich erklre mir die Schlafstellung der Vgel anders und zwar auf Grund
folgender Beobachtung.

An einem schnen Sommertage ging ich im Tiergarten spazieren. Ich blieb
stehen, um eine Wildente zu beobachten, die auf einen in das Wasser
gefallenen Baum gestiegen war und dort ihr Gefieder glttete. Es kam
noch eine Ente angeschwommen und sprang -- nicht flog -- vom Wasser auf
den Baum. Das ist ein Kunststck, das man nicht glauben wrde, wenn man
es nicht mit eigenen Augen she. Ueberhaupt benahmen sich die Enten auf
dem gestrzten Baume so vertraut, da ich mir sagte, in waldreichen
Gegenden scheinen sie lieber auf Bumen als am Ufer zu ruhen. Das ist
auch ganz klar, denn am Ufer kann sie manches Raubtier, z. B. der Fuchs
erbeuten, der auf den Baumstamm nicht so leicht gelangt. Demnach schien
der Baumstamm mit seiner trockenen Rinde ein herrliches Ruhepltzchen
zu bieten. Nur ein Wulst auf dem Baumstamm fiel mir auf, weil ich nicht
recht wute, was ich aus ihm machen sollte. Dieser Wulst, den ich
zunchst bersehen hatte, kam mir mit der Zeit immer merkwrdiger vor.
Ich bedauerte aufrichtig, nicht ein scharfes Jagdglas bei mir zu haben.
Pltzlich bekam der Wulst Bewegung und, was ich schon geahnt hatte,
entpuppte sich als -- schlafende Ente.

Ich mute staunen, wie vortrefflich das Gefieder der Wildente, die sich
dicht auf den Stamm gedrckt hatte, zu der Baumrinde pate. Sodann
war es aber klar, da ich trotzdem die schlafende Ente niemals htte
bersehen knnen, wenn sie nicht ihren Kopf in das Gefieder des Rckens
gesteckt htte. Ich glaube hiernach zu der Vermutung berechtigt zu
sein, da die merkwrdige Schlafstellung den Zweck einer Schutzstellung
hat.

Die Wildente ist, wie wir wissen (Kap. 145) ein zum Teil nchtliches
Tier. Sie hat also am Tage naturgem ein Schlafbedrfnis. Ihre
schlimmsten Feinde sind auer dem Menschen die Tagraubvgel,
insbesondere Wanderfalk und Habicht. Sie ist also in dieser
Schlafstellung einigermaen vor ihnen gesichert. Wrde sie mit dem
Kopfe nach vorn schlafen, so knnte sie von dem scharfen Auge ihrer
gefiederten Feinde mit Leichtigkeit wahrgenommen werden.

Als Jger wre ich an dieser Wildente vorbeigelaufen, obwohl ich gerade
fr sich verbergende Geschpfe ein sehr geschultes Auge besitze.

Aus Furcht vor den nchtlichen Feinden, den Eulen, stecken also die
Friedvgel den Kopf in die Federn, damit sie leichter bersehen werden.

Uebrigens haben die Nachtaffen genau die gleiche merkwrdige
Schlafstellung. Man betrachte beispielsweise ihre Bilder in Brehms
Tierleben. Diese Schlafstellung wird aber sofort verstndlich, wenn man
sie als sogenannte Mimikry, d. h. Nachffung der Umgebung auffat.

Adler und Geier scheinen eine solche Mimikry nicht zu brauchen und
deshalb stecken sie den Kopf nicht in das Gefieder.


189. Die Rassen des Kanarienvogels.

Der Harzer Kanarienvogel ist bereits erwhnt worden. In England
werden Kanarienvgel mit auffallender Frbung gezchtet, so z. B.
die eidechsenartig gestreiften Lizards. Erwhnt wurden bereits die
Pfeffervgel, die durch Ftterung mit Kayennepfeffer tief gelbrot
geworden sind.

Die Zucht des Kanarienvogels beginnt Mitte Februar. Auf ein Mnnchen
rechnet man 3 bis 4 Weibchen. Das Weibchen legt 5 Eier. Die Brutzeit
dauert etwa 13 Tage. Man kann im Jahre 3 bis 4 Bruten erzielen.
Als Fink ist der Kanarienvogel ein Pflanzenfresser, der namentlich
im Frhjahr Wert auf Insektenkost legt. Rbsen, Spitzsamen und
gelegentlich Hanf sowie allerlei Grnes wird vom Kanarienvogel gern
gefressen. Whrend der Brutzeit darf hartgekochtes Ei als Ersatz der
tierischen Nahrung nicht fehlen. Da der wilde Kanarienvogel sehr gern
Feigen frit, so sind Zucker und Obst keine Leckereien fr unseren
Kanarienvogel, wie gewhnlich angegeben wird. Es liegt vielmehr eine
naturgeme Ftterung vor.

Fr die Zucht ist der Kanarienvogel nur bis zum vierten Jahre lohnend
zu verwenden. Dagegen wird der einzelne Snger bis zu 20 Jahren alt.




Der Wellensittich


190. Warum ist nur der Wellensittich ein Haustier?

In meinem Bekanntenkreise besitzt nur noch der vorhin erwhnte Herr
Stengert ein Prchen Wellensittiche. Die brigen haben die Tierchen
wegen Futtermangel abschaffen mssen. Wir suchen also Herrn Stengert
wieder auf und sehen uns zunchst nochmals seine Kanarienvgel an.

Das Prchen Wellensittiche hat bereits mehrfach gebrtet. Den Nachwuchs
hat Herr Stengert fortgegeben, da die Ernhrung heutzutage zu schwierig
ist.

Unter Papageien stellt sich der Durchschnittsmensch ziemlich groe,
lautkreischende Vgel vor. Davon ist beim Wellensittich nichts zu
merken. Sieht man von seinem langen Schwanz ab, so hat er etwa die
Gre eines Stars. Nur ist er im Gegensatz zum Star grn gefrbt.

Nahen sich Fremdlinge, wie wir es sind, so haben die Wellensittiche
eine Vorliebe dafr, sich schnell auf den Boden fallen zu lassen und
sich zu ducken.

Hieraus sieht man, da auch dieser Vogel von seinen ererbten
Gewohnheiten vollkommen beherrscht wird. Er lebt in Australien und
nhrt sich von Grassamen. Wegen der Drre dieses Landes ist er zu
groen Wanderungen gezwungen. Ueppiger Graswuchs ist nur zeitweise
nach den Niederschlgen vorhanden, und diese Niederschlge sind nicht
hufig. Dort im grnen Grase ist sein Verstecken bei seiner grnen
Frbung ein vortreffliches Mittel, um sich den Blicken des Beobachters
zu entziehen. Auf dem mit Sand bestreuten Boden des Kfigs ist das
Sichducken vollkommen zwecklos.

Vom Kreischen der andern Papageien merkt man beim Wellensittich nichts.
Er singt vielmehr ziemlich leise und ganz angenehm.

Der grte Vorzug liegt jedoch in dem anmutigen Verhalten des Prchens,
das wie die Turteltauben das Vorbild eines zrtlichen Ehepaars liefert.
Er ist der opferwillige und allzeit dienstbereite Mann, whrend sie das
hingebende Weib ist.

Bei andern Papageien hat man auch Nachkommenschaft erzielt. Aber als
viel grere Tiere brauchen sie dazu einen ziemlichen Raum. Der enge
Kfig gengt ihnen nicht. Am leichtesten gelingt es, wenn man sie frei
ausfliegen lt. Immerhin mu man die Fortpflanzung anderer Papageien
als Ausnahme betrachten.

Dagegen kann man von Wellensittichen regelmig Nachwuchs erzielen, und
deshalb mssen wir sie zu unsern Haustieren rechnen.

Sie legen 4 bis 6 Eier. Der Wellensittich hat noch den weiteren Vorzug,
auerordentlich anspruchslos zu sein. Das kommt natrlich daher, weil
er in seiner Heimat fast nur von Grassamen leben mu.

Wegen der weiten Wanderungen in Australien mu der Wellensittich
ein guter Flieger sein. Ich habe vor 20 Jahren lngere Zeit einen
entflohenen Wellensittich im alten Botanischen Garten beobachtet und
mich ber seine Flugfertigkeit sehr gefreut.

Erst seit Mitte des vorigen Jahrhunderts ist der Wellensittich zu uns
gekommen.


191. Warum fehlt dem Tiere die Sprache?

Im Gegensatz zu andern Papageien lernt der Wellensittich nur
ausnahmsweise sprechen. Immerhin soll bei dieser Gelegenheit die so oft
aufgeworfene Frage errtert werden, warum dem Tiere die Sprache fehlt.

Die neueste Auflage von Brehms Tierleben kommt zu dem Ergebnis, da
die Tiere deshalb nicht sprechen, weil sie sich nichts zu sagen haben.
Dieses Ergebnis befriedigt nicht, wie schon an verschiedenen Stellen
hervorgehoben worden ist. Die Tiere haben sich eine ganze Menge zu
sagen. Fr alle friedlichen Pflanzenfresser, die in Scharen leben,
ist die Mitteilung, da Gefahr droht, von der grten Wichtigkeit.
Zu dieser Mitteilung ist aber eine artikulierte Sprache nicht
erforderlich. Es gengt ein Schrei oder ein bestimmter Ausruf, auch
das bloe Benehmen ist gengend. Ergreift das Leittier pltzlich die
Flucht, so wissen die andern Genossen genau, was das zu bedeuten hat.

Ueberhaupt knnen die einfachen Bedrfnisse des Tieres fast immer durch
das Benehmen angedeutet werden. Kein Mensch, der in einem Lokale eine
Mahlzeit verzehrt, und dem ein fremder Hund jeden Happen, den er zum
Munde fhrt, nachzhlt -- selbstverstndlich im bildlichen Ausdruck --
ist im Zweifel darber, was der Hund eigentlich will. Er will etwas
abhaben, und zwar je mehr, desto besser. Ein Schweizer Naturforscher
erzhlt von einem gefangenen Adler, da dieser den Kopf senkte und
dabei mit den Flgeln schttelte. Sofort verstand er, da der Adler
baden wollte, und brachte ihm eine Wanne mit Wasser.

Das Tier hat also keine Sprache, weil es, wie ohne Zweifel feststeht,
auch ohne eine solche bestehen kann.

Fr das freilebende Tier, das im Kampfe ums Dasein steht, wre aber
die Verleihung der Sprache eher ein Nachteil als ein Vorteil. Alle
Menschen, die gefahrvolle Berufe ausben, also Seeleute, Luftschiffer,
Soldaten, Fischer, Jger pflegen einsilbig zu sein. Sie wissen alle,
da vieles Reden nicht nur ganz berflssig, sondern sehr schdlich ist.

Besen die Tiere eine Sprache, so kmen sie oft ins Plaudern, und
ein pltzlicher Ueberfall durch einen Feind bildete den Schlu des
Plauderstndchens.

Dem Tiere fehlt also die Sprache, weil es von ihr fast nur Nachteile
und kaum Vorteile htte.

Uebrigens habe ich niemals begreifen knnen, weshalb der einfache Mann
es bedauert, da beispielsweise der Hund nicht sprechen kann. Wrden
sich denn noch Menschen einen Hund halten, wenn er als Plappermaul
alles in der Nachbarschaft erzhlte, was er bei seinem Herrn und seiner
Familie gesehen und erlebt hat?




Der Goldfisch


192. Warum ist der Goldfisch ein beliebter Aquariumfisch?

In meiner Jugendzeit waren runde, bauchige Glasbehlter mit Goldfischen
sehr beliebt. Jetzt sieht man sie sogar in Aquariumhandlungen selten.

Im Berliner Tiergarten knnen wir Goldfische im sogenannten
Goldfischteich beobachten. Allerdings mu man die Stellen kennen, wo
sie sich aufzuhalten pflegen. Ueberdies ist ihre Anzahl jetzt stark
zurckgegangen.

Wie die Wildenten, so haben auch die Goldfische sehr darunter gelitten,
da sie vom Publikum nicht mehr gefttert werden. Frher war es ein
alltglicher Anblick, eine Unmenge Goldfische zu sehen, die sich um die
zugeworfenen Brocken stritten, whrend am Ufer die Sperlinge saen und
sich auf jeden Brocken strzten, der nicht ins Wasser gefallen war.

Unter den Goldfischen des Goldfischteichs befanden sich wahre Riesen,
ferner auch Silberfische. Im engen Glase werden die Goldfische
natrlich niemals so gro.

Als Knabe habe ich allerlei Getier im Aquarium gehalten. Immer wieder
habe ich mich davon berzeugt, da sie nicht annhernd so ausdauernd
sind wie der Goldfisch. Auerdem ist die Pflege heimischer Tiere viel
umstndlicher als die des Goldfisches. Der Goldfisch bekam wchentlich
einmal reines Wasser und tglich ein paar Ameisenpuppen, sogenannte
Ameiseneier. Dabei hlt er sich jahrelang. Bercksichtigt man seine
schne Farbe, so ist es kein Wunder, da er ein beliebter Aquariumfisch
ist.

Der Goldfisch stammt aus China und Japan, wo er seit alter Zeit
gezchtet wird. Er ist ein Karpfenfisch aus der Gattung Karausche,
der durch die Kunst der Zchter die goldrote Frbung erhalten hat.
Vor zwei- oder dreihundert Jahren kam er nach Europa, wo er bald Mode
wurde. Groe Goldfischzchtereien bestehen in Frankreich, in Schlesien,
Ostpreuen und in Steiermark.

Auer den Silberfischen zchtet man schwarze und bunte Rassen. Vom
japanischen Goldfisch hat man Fische mit vorstehenden Augen, sogenannte
Teleskopfische, und Schleierschwnze mit doppelten Schwnzen gezchtet.


193. Wie richte ich ein Aquarium ein?

Die frheren dickbauchigen Goldfischglser haben drei schwere
Nachteile. Erstens kommt das Wasser mit der Luft nicht an dem
grten Durchmesser des Glases in Berhrung. Zweitens fehlen den
Goldfischglsern die Pflanzen. Drittens mu wegen des Pflanzenmangels
das Wasser allwchentlich erneuert werden. Zu diesem Zweck mssen die
Tiere herausgenommen werden. In der Regel spielt sich der Vorgang
folgendermaen ab. Zunchst werden die Fische mit dem Kscher
herausgefangen, was ohne arge Beunruhigung der Tiere unmglich ist.
Das Wasser im Goldfischglase hat natrlich die Temperatur des Zimmers
angenommen. In der Zwischenzeit kommen sie gnstigenfalls in Wasser
mit gleicher Temperatur. Das neue Wasser im Goldfischglase pflegt
ganz frisch aus der Wasserleitung genommen zu werden. Die Fische,
die abermals gefangen werden mssen, benehmen sich infolge des
Temperaturwechsels hchst aufgeregt. Man hlt das allgemein fr ein
Zeichen des Wohlbefindens, whrend das Gegenteil zutrifft.

Nur ein seit Jahrhunderten gezchteter Fisch, der als frherer Karpfen
an schlechtes Wasser gewhnt ist, kann jahrelang solche Martern
aushalten.

Es soll hier nicht von groen teueren Aquarien die Rede sein. Selbst
diejenigen, die aus einem Metallgerst mit eingekitteten Glasscheiben
bestehen, sollen hier auer Betracht bleiben. Sie erfordern bereits
einen besonderen dreibeinigen Tisch und eine besondere Stellung
am Fenster, so da sie unter den heutigen Verhltnissen von dem
Durchschnittsmenschen nicht eingerichtet werden knnen.

Es soll vielmehr nochmals darauf hingewiesen werden, da die bisherigen
Goldfischglser gewissermaen eine ungewollte Tierqulerei zur Folge
hatten. Darum soll jemand, der berhaupt Wassertiere halten will, unter
allen Umstnden viereckige Glser whlen. Auch kleine Glser lassen
sich bereits mit Pflanzen besetzen. Die Pflanzen sind aber durchaus
notwendig, weil sie Sauerstoff an das Wasser abgeben und dadurch einen
Wechsel des Wassers nur selten, manchmal gar nicht ntig machen. Ein
sicheres Zeichen, da das Wasser zu sauerstoffarm ist, besteht darin,
da die Fische an die Oberflche kommen, um Luft zu schnappen.

In den Aquariumhandlungen kann man die fr die Pflanzen notwendige
Erde erhalten. Sie besteht gewhnlich aus guter Moorerde, die mit
Torfgrus gemischt ist. Dieser Mischung sind alter, verwitterter Lehm
und Flusand zugesetzt. Hierber kommt eine einige Zentimeter dicke
Schicht von einem Sand, der vorher sorgfltig ausgewaschen ist. In
einer Ecke des Aquariums macht man die Bodenschicht weniger hoch, so
da sich ein Schlammfang bildet, aus dem mittels eines Gummischlauches
die Futterreste und Unrat entfernt werden.

Die eingepflanzten Wasserpflanzen mssen zwei bis drei Wochen ohne
Fische stehen, damit sie festwurzeln und das Wasser sich klrt.

In einem solchen vier- oder mehreckigen Glase mit Pflanzen und Sand
fhlen sich die Tiere wohl und halten sich viel lnger als im blanken
Wasser. Jeder Teich, jeder Dorfpfuhl kann Bewohner fr ein solches
Aquarium liefern. Der wirkliche Tierfreund kann sich nicht satt
sehen an dem Neuen und an den Schnheiten, die er bei sorgfltiger
Betrachtung selbst bei den unscheinbarsten Geschpfen entdeckt.


194. Der Goldfisch in Redensarten.

Wie man unter Backfisch ein junges Mdchen versteht, so unter

               *Goldfisch*

ein Mdchen, das viel Geld in die Ehe bringt. Von dem Freier, der sie
heimfhrt, sagt man, da er einen Goldfisch geangelt hat.




Der Seidenspinner


195. Warum ist unsere Seidenraupenzucht zurckgegangen?

Frher habe ich oft Gelegenheit gehabt, mir die Zucht von Seidenraupen
anzusehen. Jetzt aber konnte ich trotz aller Bemhungen keinen
Seidenraupenzchter ausfindig machen. In den Zoologischen Handlungen
gab man mir den Bescheid, da die Seidenraupenzucht aufgegeben sei,
weil die Aufzucht einen Raum von 70 Kubikmetern verlangt. Den hat man
bei der jetzigen Wohnungsknappheit nicht brig. Alte Seidenhandlungen,
an die ich mich wandte, antworteten mir hnlich. Eine sehr bekannte
Firma schrieb mir, da sie Seidenraupenzchter nur in Baden und
Wrttemberg kenne.

Wie in vielen Fllen unser berhmter Zoologischer Garten Hilfe
in der Not gebracht hat, so war in diesem Falle unser ebenso
berhmtes Aquarium der Retter in der Verlegenheit. Wir suchen
diese Sehenswrdigkeit ersten Ranges auf und knnen uns bei
dieser Gelegenheit die verschiedenen Goldfischarten, z. B. die
Schleierschwnze und Teleskopfische, ferner die Chanchitos und andere
tropische Aquariumfische in der wunderbarsten Beleuchtung ansehen.

In zwei Ksten wimmelt es von Raupen unseres Maulbeerspinners. Sie
haben etwa die Lnge des kleinen Fingers eines Mannes, nur sind sie
nicht so dick. Ihre Ttigkeit scheint in dem Programm zu bestehen:
Fressen, fressen und abermals fressen. Dementsprechend ist auch
die Verdauung. Ueberall sehen wir schwarze Klmpchen auf dem Boden
liegen. Verglichen mit den anderen Seidenspinnern sieht brigens der
Schmetterling des Maulbeerspinners sehr unscheinbar aus. In einem
Nebenzimmer knnen wir nmlich die andern Spinnerarten bewundern, den
Eichenseidenspinner Nordchinas, den Ailanthusspinner Chinas und Japans,
den sdamerikanischen Spinner _Telea Polyphemus_ usw.

Die Farbe der Seidenraupe ist perlgrau, die der kleinen Eier ziemlich
ebenso. Eine Menge Kokons knnen wir erblicken, welche die so
geschtzte Seide liefern. Ein Kokon enthlt einen Faden von 1000 bis
3000 Meter Lnge. Hiervon ist jedoch nur ein Teil zur Herstellung von
Seide verwendbar. Obendrein mssen mehrere Kokonfden zusammengedreht
werden, um einen Seidenfaden zu liefern.

Zu einem Kilo Seide sind 10 Kilo Kokons erforderlich. Ein Kilo Kokons
enthlt etwa 2500 Stck.

Deutschland fhrt jhrlich etwa 11 Millionen Kilo im Werte von
158 Millionen Mark ein, wobei nach der heutigen Valuta der Betrag
entsprechend erhht werden mu.

Es wre sehr wnschenswert, da ein Teil dieses Materials bei
uns selbst hergestellt wrde, zumal die Seidenraupenzucht durch
Kriegsbeschdigte, Frauen und Kinder ausgebt werden kann. Sie kostet
weniger Mhe als beispielsweise die Bienenzucht.

Ich entsinne mich, an verschiedenen Stellen unserer Heimatprovinz alte
Maulbeerbume gesehen zu haben, deren Frchte vortrefflich schmeckten.
Von den Ortseinwohnern erfuhr ich, da sie im achtzehnten Jahrhundert
auf Anordnung von Friedrich dem Groen angepflanzt seien, um die
Seidenraupenzucht bei uns einzufhren.

In der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts war sogar die
Seidenraupenzucht bei uns in einer gewissen Blte. Dann aber brachen
Seuchen unter den Raupen aus, und jetzt ist die Ausbeute sehr gering.

Es ist das Verdienst von Pasteur, die Gefahr der Seuchen fast beseitigt
zu haben.

Um in unserem Vaterlande die Seidenraupenzucht wieder zu heben,
ist natrlich in erster Linie die Beschaffung von Futter fr
die Seidenraupen erforderlich. Wie schon der Name sagt, ist ihr
zutrglichstes Futter Maulbeerbltter. Als Ersatz kommen Schwarzwurzeln
in Betracht. Viele meinen, da der Rckgang der Seidenraupenzucht
deshalb eingetreten sei, weil der Maulbeerbaum bei uns nicht aushalte.
Das wird aber von Kennern bestritten, die sich darauf berufen, da die
Maulbeerbume sogar den harten Winter von 1916 bis 1917 berstanden
haben. Auerdem liefert nach ihnen der deutsche Maulbeerbaum viel
krftigeres Futter, so da schon 7 Kilo Kokons ein Kilo Seide ergeben.

Um recht bald Futter zu erhalten, ist die Anpflanzung des Maulbeerbaums
in Hecken am zweckmigsten. Obendrein ist dadurch das Fttern
erleichtert.

Hat man Futter, so besorgt man sich seuchenfreie Eier. Manche heizen
das Zimmer, bis eine Temperatur von 22 bis 25 Grad Celsius vorhanden
ist. Andere halten eine Temperatur von 15 bis 18 Grad fr durchaus
hinreichend. Das ist bei den heutigen hohen Preisen fr Brennstoffe von
groer Wichtigkeit.

In 10 bis 15 Tagen schlpfen die jungen Raupen aus den Eiern. Sie
mssen regelmig gefttert und sorgfltig umgebettet werden. Nach
mehrfacher Hutung hrt die Raupe auf zu fressen und spinnt sich ein,
wodurch die Kokons entstehen. Die Kokons werden gesammelt, und der
in ihnen befindliche, zum Auskriechen bereite Schmetterling durch
Wasserdmpfe gettet. Wrde man die Kokons nicht einer so hohen Hitze
aussetzen, so wrde der Schmetterling sich einen Ausweg aus dem
Gespinst bahnen, wodurch der Wert des Gespinstes erheblich gemindert
wird.

Nur die zu Zuchtzwecken bestimmten Kokons lt man auskriechen. Die
Schmetterlinge paaren sich und sterben bald darauf, nachdem vorher das
Weibchen Eier gelegt hat.

Pasteur hat diese Paarung in kleinen Tllscken vor sich gehen lassen.
Nach dem Tode werden die Schmetterlinge untersucht, und nur die Eier
von gesunden Tieren zur weiteren Zucht verwendet.

Nach dem Besuch unseres Aquariums ersehe ich aus den Zeitungen,
da bei Wertheim eine Seidenraupenzuchtausstellung stattfindet.
Veranstaltet wird sie von dem Gemeinntzigen Verband fr Seidenbau in
Deutschland E. V. zu Berlin-Wilmersdorf, Brandenburgische Strae Nr. 36.

Von dem Vorhandensein eines solchen Verbandes wuten demnach alle von
mir befragten Stellen nichts.

Wir begeben uns auch zu dieser Ausstellung, wo etwa das gleiche wie im
Aquarium zu beobachten ist. Nur ist das Material hier umfangreicher.

Von Wichtigkeit ist, da der Verband seuchenfreie Eier und
Maulbeerpflnzlinge liefert. Ebenso ist er Abnehmer der Kokons. Auch
kann man von ihm eine Broschre erhalten, die alles nhere ber die
Seidenraupenzucht enthlt (Preis 1,25 Mk.).

Auch in diesem Falle beobachten wir wieder, da die grte Gefahr von
der unnatrlichen Ansammlung des Unrats herrhrt. Unter freiem Himmel
fllt der Unrat der Raupen an die Erde, und die Tiere selbst werden
gar nicht davon berhrt. Bei der Zucht im Zimmer mu also fr schnelle
Beseitigung gesorgt werden.

Es seien zum Schlu die Merkworte des genannten Verbandes fr die
Seidenraupenzchter angefhrt: Heller, luftiger Zuchtraum. Gleichmige
und feuchte Wrme. Schsseln mit Wasser aufstellen. Sind kalte
Nchte zu befrchten, die Raupen mit Papier bedecken. Regelmiges,
reichliches Fttern. Nasses Laub vermeiden. Die Raupen in den Hutungen
nicht stren. Fr Zufuhr frischer Luft sorgen, Zuchtraum feucht
aufwischen, nicht fegen. Kranke und tote Raupen entfernen. Ersatzfutter
ist: Kopfsalat, auch im Notfalle Bltter der Schwarzwurzel, wenn einmal
Mangel an Maulbeerlaub eintreten sollte.


196. Die Seidenraupe in Redensarten und Sprichwrtern.

Bekannt ist die Stelle aus Goethes Tasso:

    *Verbiete du dem Seidenwurm zu spinnen.*

Mit dem Seidenwurm ist natrlich die Seidenraupe gemeint. Der sehr
schne Gedankengang ist folgender: Wie die Seidenraupe, so macht auch
mancher Mensch von den ihm verliehenen Gaben Gebrauch, obwohl er wei,
da er gerade dadurch sein Leben abkrzt.

Hinken tut der Vergleich dadurch, da der Wurm nicht sterben, sondern
als Schmetterling sich paaren will.




Die Biene


197. Warum bauen die Bienen im Dunkeln?

Um uns einen Bienenstock anzusehen, wollen wir wieder unsern alten
Bekannten, Herrn Bhm, aufsuchen, der ein erfahrener Bienenwirt ist und
verschiedene Bienenstcke hat.

Herr Bhm, der uns freundlich begrt, erzhlt uns, da er auf ein
Schwrmen der Bienen fr den heutigen Tag rechnet oder es vielmehr
befrchtet. Er erklrt uns nmlich, da er ein solches Schwrmen
durchaus nicht wnscht. Er hat, wie er uns erzhlt, frher gewhnliche
deutsche Bienen gehabt, aber fast alle infolge von Seuchen verloren.
Jetzt hat er Heidebienen, die sowieso gern schwrmen. Durch das zu
hufige Schwrmen wird das Volk zu sehr geschwcht. Man schtzt die
Anzahl eines Volkes auf 30- bis 60000 Stck. Selbstverstndlich kann
man bei einem Volke nicht jede Biene einzeln zhlen. Das wre ein
sehr mhsames Geschft. Obendrein mte man auf zahlreiche Stiche
gefat sein. Dagegen kann man einen Schwarm, den man in einem Behlter
gefangen oder eingeschlagen hat, wiegen. Zieht man das Gewicht des
Behlters ab und wiegt man eine kleine Anzahl von Bienen, so kann man
ungefhr feststellen, wie gro die Zahl eines Volkes ist.

Die Ansicht des Herrn Bhm steht also im Widerspruch mit der
landlufigen, wonach, da wir noch im Mai stehen, das Schwrmen ein
groer Vorteil ist. Denn ein alter Spruch sagt:

          Ein Schwarm im Mai
          gilt ein Fuder Heu;
          Ein Schwarm im Jun',
          ein fettes Huhn;
          Ein Schwarm im Jul',
          kein Federspul'.

Der Widerspruch ist aber nur scheinbar, denn fr schwarmwtige Vlker
pat der Vers vom Mai berhaupt nicht.

Auch Karo und Hektor haben uns als alte Bekannte freundlich begrt,
zumal wir ihnen etwas Gutes mitgebracht haben. Als wir uns jedoch den
Bienenstnden nhern, verlassen sie uns. Sie haben anscheinend bereits
ble Erfahrungen mit den Stichen der Bienen gemacht und wnschen nicht,
nochmals gestochen zu werden.

Wie uns Herr Bhm weiter erzhlt, ist ihm das Schwrmen der Bienen auch
aus dem Grunde sehr unerwnscht, weil heute das Durchfttern der Vlker
im Winter eine ganz andere Sache ist als frher. Im Winter tragen die
Bienen naturgem nichts ein. Sie mssen alle von den gesammelten
Vorrten leben. Es mssen also gewissermaen die im Sommer gemachten
Ersparnisse angegriffen werden. Diese sind jedoch bald zu Ende, da
der Mensch den Bienen den grten Teil ihrer Ersparnisse abnimmt. Es
mu also ein Ersatz geschaffen werden, wenn, was hufig der Fall ist,
ungnstige Witterung ein Ausfliegen der Bienen noch nicht gestattet.
Damit die Tiere nicht verhungern, mssen sie also gefttert werden.
Frher standen dem Imker oder Bienenwirt zu diesem Zwecke der sehr
billige Zucker und der fast wertlose Honig in unbegrenzter Menge zur
Verfgung. Heute sind die Verhltnisse vollkommen gendert worden.

Wir knnen uns natrlich kein Urteil darber erlauben, ob die Angaben
unseres Bekannten zutreffend sind. Jeder Beruf schildert seine
Einnahmen in den schwrzesten Farben. Aber wir wissen, da Zucker und
Honig gegenwrtig sehr teuer sind.

*Darber kann wohl kein Zweifel bestehen, da die Bienenwirtschaft
-- mehr als 2 Millionen Stcke -- fr Deutschland von der grten
Bedeutung ist. Von ihr hngt unsere Obsternte ab, da die Bienen durch
den Besuch der Blten die Befruchtung vermitteln. Ferner brauchen Raps,
Rbsen, Klee und andere Nutzarten ebenfalls die Bienen.*

Wir sind in der Nhe des Bienenstocks angelangt und mssen uns
natrlich auf einen Bienenstich gefat machen. Herr Bhm erklrt uns
nher, aus welchen Anzeichen er auf ein Schwrmen der Bienen schliet.

Einmal seien die Bienen sehr aufgeregt. Bei regelmig arbeitenden
Bienen kann man ein gemessenes Benehmen beobachten. Auerdem seien
sonst niemals eine solche Menge von Bienen auf den Flugbrettern zu
sehen.

Sodann sei das Wetter zum Schwrmen sehr geeignet.

Das sind nach seinen Angaben nur Wahrscheinlichkeiten fr ein
beabsichtigtes Schwrmen. Viel sicherer ist das sogenannte Tten
der alten Knigin und das sogenannte Quaken der neuen Knigin. Zwei
Kniginnen bekmpfen sich nmlich auf Tod und Leben oder eine wandert
aus.

Wir begeben uns nach der Hinterseite des Bienenstockes, um uns durch
eine Glasscheibe das Leben und Treiben der Bienen nher anzusehen.

Es ist wohl allgemein bekannt, da die Bienen Waben aus Wachs bauen,
die aus ganz regelmigen sechseckigen Zellen bestehen. Ist es schon
ein Wunder, da Tiere, und obendrein auf der untersten Stufe des
Tierreichs stehende Insekten, ein solches Kunststck vollbringen, das
dem klugen Menschen nicht leicht fallen wrde, so wird unser Erstaunen
dadurch gesteigert, wenn wir sehen, da die Bienen diese Bauten im
Dunkeln ausfhren.

Wir Menschen sind der Ansicht, da, wenn man eine so kunstvolle
Arbeit ausfhrt, man gar nicht Licht genug beim Arbeiten haben kann.
Die Bienen aber fhren dieses Kunstwerk aus ohne die geringste
Beleuchtung. Ja, wenn der Mensch ihnen, um ihnen die Arbeit zu
erleichtern, Licht beschafft, so wollen sie von der Beleuchtung nichts
wissen und bauen nicht.

Wir wissen schon, was wir tun mssen, um eine Erklrung fr dieses
Rtsel zu finden. Wir mssen fragen: Wie bauen die wilden Bienen? Da
erhalten wir die bereinstimmende Antwort, da sie in den dunkeln
Hhlungen von Baumstmmen ihr Heim aufschlagen.

Die Bienen haben also seit Urzeiten im Dunkeln ihre Bauten ausgefhrt.
Als der Mensch die Bienen wegen des Wohlgeschmacks des Honigs als
Haustiere gewinnen wollte, da hat er ihnen zunchst eine Wohnung
ebenfalls in Baumstmmen, in sogen. Beuten, angewiesen.

Solche Bienenstcke in Baumstmmen waren sehr naturgem, aber sie
hatten den Nachteil, da man sie hufig nicht in der Nhe hatte. Da war
also ein Bienenhaus schon bequemer. Denn ein solches konnte man als
Ersatz fr den Baumstamm auf seinem Grundstck errichten. Am bequemsten
ist natrlich ein Bienenkorb, weil er im Gegensatz zum Baumstamm
beweglich ist. Bienenkrbe kann man also von Ort zu Ort bringen. Das
ist besonders fr den Bienenwirt von grter Wichtigkeit, der seine
Bienen nach Stellen hinbringt, wo das Einsammeln von Honig besonders
gnstig ist. Beispielsweise geschieht das in Heidegegenden, wenn das
Heidekraut blht.

Die Bienen bauen also heute noch im Dunkeln, weil sie seit Urzeiten in
dunkeln Hhlungen gebaut haben.


198. Wann stechen die Bienen am meisten?

Herr Bhm erzhlt uns weiter, da er fr seine Person sich gegen
Stiche so gut wie gar nicht schtzt. Es kommt nur ausnahmsweise vor,
da er von seinen Bienen gestochen wird. Nach seinen Beobachtungen
sind die Bienen am stechlustigsten, wenn ihre Brut gefhrdet ist, man
also Zellen, die Brut enthalten, zu beseitigen sucht. Sodann sind sie
vor Ausbruch eines Gewitters sehr zum Stechen geneigt. Dagegen sind
sie viel weniger stechlustig, wenn sie sich zum Schwrmen anschicken.
Im brigen ist ihm noch aufgefallen, da Personen, die schwitzen,
viel leichter gestochen werden als andere. Ebenso werden Frauen eher
gestochen als Mnner. Menschen in weien Hemden oder berhaupt in
hellen Kleidungen werden ebenfalls viel hufiger gestochen als andere.

Es ist nicht leicht, fr die verschiedene Stechlust der Bienen eine
Erklrung zu geben. Es ist anzunehmen, da die Bienen den Imker mit der
Zeit kennenlernen und ihn deshalb mit ihren Stichen verschonen. Hierzu
haben sie insofern begrndete Veranlassung, als ihnen ihre Waffe teuer
zu stehen kommt. Der Stich kostet ihnen selbst das Leben, was nach
unseren Begriffen hchst unzweckmig ist. Wer wird einen Gegner in
einen Abgrund strzen, wenn er wei, da er selbst von ihm in die Tiefe
mit hinabgerissen wird?

Da eine Biene berhaupt nur sechs Wochen lebt und ein Volk, wie wir
wissen, aus 30- bis 60000 Bienen besteht, so ist es klar, da ein
Bienenleben gar keine Rolle spielt. Die Biene soll nicht nutzlos
stechen, und das geschieht am besten dadurch, da ihr der Stich selbst
das Leben kostet.

Der Stachel mit dem Widerhaken bleibt nmlich sitzen, da er nicht
zurckgezogen werden kann. So verliert die Biene das Ende ihres
Hinterleibes, was ihren Tod zur Folge hat. Wenigstens ist das
allgemeine Ansicht.

Es ist merkwrdig, da die Wirkung des Bienenstiches bei den einzelnen
Menschen sehr verschieden ist. Die Imker sind dagegen immun oder
gefeit, weil sie gewhnlich bei ihnen gar keine Wirkungen hervorrufen.

Da fast alle Tiermtter sich fr ihre Nachkommen opfern, so ist es
nicht wunderbar, da es auch die Bienen tun.

Die Stechlust vor dem Gewitter drfte sich in folgender Weise erklren:
Die Bienen haben ein Vorgefhl dafr, da Regen kommen wird. Der Regen
hindert sie am Eintragen. Daher haben sie es besonders eilig, um vorher
noch alles zu schaffen, und empfinden Strungen besonders unangenehm.

Es ist merkwrdig, da die Biene auf schwitzende Menschen erbost
ist. Man sollte annehmen, da sie, die als Muster des Fleies gilt,
den schwitzenden Menschen besonders liebt. Uebrigens macht man bei
Wanderungen im Sommer hnliche Beobachtungen. Sobald man in Schwei
gert, wird man von den Mcken besonders berfallen. Das kommt
sicherlich daher, da ein schwitzender Mensch eine besonders starke
Ausdnstung hat. Die Biene hat einen uerst feinen Geruch, was man
aus verschiedenen Umstnden schlieen mu. Wir werden gleich darauf
zu sprechen kommen. Die Biene hat also entweder Abneigung gegen
Schweigeruch oder sie riecht einen fremden schwitzenden Menschen
sofort und sticht naturgem ihn eher als andere Menschen.

Weie Gegenstnde ben auf alle Insekten groe Anziehungskraft aus. Das
wei die Hausfrau sehr wohl von ihrer Wsche, die sie auf dem Rasen
ausgebreitet hat.

Ein ausziehender Schwarm ist deshalb nicht so stechlustig, wie man
meinen sollte, weil er eine neue Wohnung sucht. Wer neue Verhltnisse
aufsucht, ist auf Strungen gefat und wird gegen sie nicht sehr
empfindlich sein.

Herr Bhm erklrte die grere Stechlust der Bienen gegen Frauen
damit, da sich die Bienen hufig in den langen Haaren der Frauen
verwickelten. Sie werden dann ganz rasend, weil die Frauen, anstatt
ruhig zu bleiben, nach den Bienen schlagen, wodurch sie noch
aufgeregter werden.

Diese Ansicht mag richtig sein. Vielleicht liegt aber noch ein anderer
Grund vor.

Ich bin selbst nur einige Male gestochen worden, und ausgerechnet
jedesmal im Sommer, wo ich kurzgeschorenes Haar trug. Von einem
Verwickeln der Bienen konnte gar keine Rede sein, denn in Haaren von
zehn Millimeter Lnge kann sich keine Biene verheddern. Da bin ich
zu der Ueberzeugung gekommen, da hier die Angriffslust aus der
Lebensweise der wilden Biene zu erklren ist.

Die wilde Biene hat als gefhrliche Feinde unter den Sugetieren bei
uns Br und Marder, in heien Lndern wahrscheinlich die Affen. Haarige
Gestalten, die sich dem Bienenkorb nhern, knnen also die Wut der
Bienen erregen. Es gengen aber schon haarige Stellen am menschlichen
Krper.

Die Biene verheddert sich also nicht im Frauenhaar und sticht deshalb,
sondern die ppigen Haare der Frauen lassen in den Bienen die Wut gegen
ihre alten Feinde mit der langen Behaarung wach werden. Sie fliegen auf
die haarigen Stellen zu und suchen zu stechen.


199. Sollen Frauen Imkerinnen werden?

Absichtlich bin ich auf die Frage, weshalb die Frauen eher als Mnner
gestochen werden, etwas nher eingegangen. Es handelt sich ja fr
zahllose Frauen um eine Lebensfrage. Man sollte meinen, da ein Beruf,
der keine schwere Arbeit erfordert und obendrein sen Lohn einbringt,
fast ausnahmslos von Frauen ausgebt wird. In Wirklichkeit liegt die
Sache genau umgekehrt. Die Zahl der Bienenwirtinnen ist auffallend
klein.

Mir ist von ernsten Mnnern erzhlt worden, da Frauen, die einen
Schwarm einfangen wollten, von den Bienen totgestochen worden sind.
Deshalb seien Frauen berhaupt nicht als Imkerinnen geeignet.

Es ist nun denkbar, da Frauen mit unbedecktem, langem Haar die Wut der
Bienen aus dem vorhin erwhnten Grunde erregt haben. Aus Erfahrung wei
ich, da Frauen viel hufiger als Mnner gestochen werden. Auch habe
ich noch niemals gesehen, da eine Frau einen Schwarm eingeschlagen hat.

Wenn die Bienen nur deshalb auf die Frauen wtend sind, weil sie langes
Haar besitzen, so knnte die Gefahr fr die Frauen leicht beseitigt
werden. Sie brauchten es nur ganz sorgfltig zu verstecken, etwa in
einer Badekappe.

Jedenfalls sollen auch die Mnner, wenn sie sich dem Bienenstocke
nhern, ihren Kopf bedecken. Das ist um so angebrachter, je ppiger das
Haar ist.

Das Verstecken der Haare in eine Kapuze mte fr alle Flle bei den
Frauen von Vorteil sein. Werden die Frauen nicht mehr gestochen, so
wird Herr Bhm, und werden es die andern Imker damit erklren, da
sich die Bienen nicht mehr in den langen Haaren verwickeln knnen.
Ich glaube dagegen, da hier derselbe Fall vorliegt, wie beim Stier
und dem roten Tuch oder dem Truthahn und der roten Farbe, nmlich die
Erinnerung an einen frheren Feind.

Uebrigens knnte man der wirklichen Ursache leicht auf den Grund
kommen. Sind die Bienen deshalb stechlustig, weil haarige Stellen
sie an ihre alten Feinde erinnern, so ist es sehr unzweckmig, wenn
der Imker einen groen Vollbart trgt. Es wre fr ihn vielmehr
vorteilhaft, stets glatt rasiert zu gehen. Durch Umfrage bei den Imkern
mu sich feststellen lassen, ob solche mit Vollbrten mehr gestochen
werden als solche, die keinen Bart oder nur einen Schnurrbart tragen.


200. Mit welchen Sinnen sucht die Biene die Blten auf?

Der Mensch gebraucht, wie wir wissen, in erster Linie seine Augen, um
einen Gegenstand zu finden. Die Nase kommt dabei nur ausnahmsweise in
Betracht.

Die Tiere sind dagegen in der Mehrzahl Nasentiere, die ihre Nahrung
durch den Geruch suchen.

Von dem feinen Geruch der Bienen erzhlt uns Herr Bhm folgendes
Beispiel. Er hatte eine neue Wasserleitung angelegt, aber sie gab noch
kein Wasser. Da fiel es ihm auf, da die Bienen an einem heien Tage
zu dem Wasserleitungshahne flogen. Als er nachsah, stellte er fest,
da inzwischen der Anschlu erfolgt war. Da der Hahn nicht ganz fest
geschlossen war, so befanden sich in seinem Innern bereits einige
Wassertropfen. Diese Tropfen, die ganz verborgen waren, hatten die
Bienen gewittert.

Aehnliche Beobachtungen habe ich ebenfalls gemacht. Die verwandten
Wespen zeigen gleichfalls ein erstaunliches Geruchsvermgen. Wird ein
Konfitrengeschft erffnet, das Sigkeiten ausstellt, so finden sich
selbst in der Grostadt sofort Wespen ein.

Der Geruchsinn ist ohne Frage der Grundsinn bei den Bienen. Schon das
Ausruchern der Bienen als Mittel zu ihrer Vertreibung beweist die
Empfindlichkeit ihres Geruchsorgans.

Aber die Augen sind natrlich auch von Bedeutung. Deshalb ist es nicht
wunderbar, da sich die Bienen von Farben leiten lassen. Blau scheinen
sie ganz besonders zu lieben. Dann folgt wei, gelb, rot, grn und
orange.

Wollten die Pflanzen Bienen allein durch ihren Duft anlocken, so htten
sie bei ungnstigem Winde wenig Erfolg. Ihre Farbenpracht ist also
durchaus zweckmig.


201. Die Feinde der Bienen.

Ein Rotschwnzchen, das sich in unserer Nhe zeigt, gibt uns Anla,
Herrn Bhm ber die Schdlichkeit mancher Insektenfresser als Feinde
der Bienen zu befragen.

Herr Bhm ist ein groer Freund der Singvgel, wie wohl die meisten
Menschen, und glaubt, da das Rotschwnzchen nur matte Bienen, die
sowieso keinen Wert haben, fange. Nach seinen Beobachtungen kann ein
Rotschwnzchen gesunde Bienen nicht fangen.

Ich bin ebenfalls ein groer Freund der Singvgel, mu jedoch zu diesen
Beobachtungen ein groes Fragezeichen machen.

Unsere Singvgel sind in der Mehrzahl Insektenfresser. Es ist uns sehr
lieb, da sie Insekten fressen. Im Gegenteil; wie bei den Feinden der
Nager ist es auch hier unser Wunsch, da die Vgel recht unter den
Insekten aufrumen.

Wie wir aber verlangen, da frhere Raubtiere eine Ausnahme mit dem
Kaninchen machen, obwohl es ein Nager ist, so fordern wir eine solche
Ausnahmestellung auch bei den Bienen, obwohl sie zu den Insekten
gehren.

Manche Imker denken nicht so milde wie Herr Bhm. Sie verlangen, da
alle Tiere, die eine Biene fangen, auf die Liste der schdlichen
Tiere gesetzt werden. Es sind das vielfach solche, die sonst zu den
ntzlichsten Geschpfen gerechnet werden, also z. B. Schwalben,
Spechte, Meisen, das schon erwhnte Rotschwnzchen, ferner Strche,
Wrger, Bienenfresser, Wespenbussarde, sodann die sonst so ntzliche
Spitzmaus und die ebenfalls sehr ntzliche Krte. Unter den Insekten
hat die Biene folgende Feinde: Hornissen, Wespen, Bienenwlfe,
Maiwrmer, Bienenkfer, Bienenbuckelfliegen, Wachsmotten, Bienenluse
und andere.


202. Die Rassen der Honigbiene.

Herr Bhm hat, wie wir schon erwhnten, Heidebienen. Er ist aber gar
nicht von ihnen entzckt, weil sie zu schwarmwtig und stechlustig sind.

Erfahrene Bienenkenner weisen darauf hin, da die deutschen Imker mit
der Einfhrung fremder Bienen einen groen Fehler begangen htten. Da
die geschlechtslosen Arbeiterinnen sich nicht vermehrten, so sei die
Hauptttigkeit auf die Zucht der Drohnen und der Kniginnen zu legen.
Es msse nach den Grundgesetzen der Tierzucht aus den deutschen Bienen,
die fr unser Klima am besten passen, eine schwarmtrge Rasse gezchtet
werden.

Auer der deutschen einfarbigen Honigbiene gibt es noch die bunte
sdeuropische Biene. Namentlich ist hiervon die italienische Biene
bekannt, die in der Mitte des vorigen Jahrhunderts bei uns eingefhrt
wurde. Sonst gibt es noch die gyptische, afrikanische, chinesische,
indische Biene usw.

Die Heidebiene ist eine Unterart der deutschen Biene und unterscheidet
sich durch eine dunklere Frbung von ihr, die nicht so schwarmwtig
ist. Einen Uebergang zu der bunten Bienenrasse bildet die nordische
Biene, die wegen ihrer Sanftmut beliebt ist. Ebenso sanftmtig ist die
zwischen beiden stehende kaukasische Rasse. Ist die italienische Biene
bei uns naturgem wenig winterhart, so ist die ihr verwandte cyprische
Biene obendrein noch sehr bsartig und schwarmwtig.

Die Biene gehrt zu den Insekten und zwar zu der Ordnung der
Hautflgler. Das Bienenvolk besteht auer den geschlechtslosen
Arbeiterinnen aus Drohnen und der Knigin. Die Knigin ist grer
und hat einen lngeren Hinterleib. Sie sorgt mit den Drohnen fr die
Fortpflanzung des Volkes, indem sie einige Tage nach dem Ausschlpfen
ihren Hochzeitsflug unternimmt, auf dem sie befruchtet wird. Sie legt
Eier, und zwar entstehen aus den befruchteten Eiern Arbeiterinnen und
Kniginnen, aus den unbefruchteten Eiern Drohnen. Es wird je ein Ei in
eine Zelle gelegt -- gestiftet, wie der Imker sagt -- und zwar kann die
Knigin in vierundzwanzig Stunden bis zu 3000 Stck Eier legen.

Die Knigin ist also der Mittelpunkt des Ganzen. Schwrmende Bienen
lassen sich ruhig einfangen, wenn die Knigin dabei ist. Andernfalls
fliegen sie fort.

Nach drei Tagen schlpfen aus den Eiern Larven, die spter Bienen
werden. Die Entwicklungszeit der Knigin dauert 16, die der
Arbeitsbienen 21, die der Drohnen 24 Tage.

Die Knigin kann 5 Jahre alt werden, die Arbeitsbienen leben, wie schon
erwhnt wurde, nur etwa 6 Wochen. Ausnahmen bilden die im Herbste
erbrteten Bienen, die den Winter berdauern. Die Drohnen sterben im
August in der sogen. Drohnenschlacht.

Die ganze Arbeitslast des Bienenvolkes wird von den verkmmerten
Weibchen geleistet, die deshalb Arbeiterinnen heien. Sie fttern die
Brut, sie lecken den Blumennektar auf, der sich in ihrem Magen in
Honig verwandelt, und tragen ihn in die Zellen ein. Nicht so gut ist
der Honig von Blattlusen. Die Hinterbeine der Arbeitsbienen sind mit
Krbchen und Brstchen ausgestattet, mittels deren sie den Bltenstaub
zu den Zellen bringen und dort abfegen. Zum Stopfen der Ritzen tragen
sie Harz oder Stopfwachs ein, das sie von den Knospen der Kastanien und
anderer Bume holen.

Die Arbeitsbienen bauen die Zellen aus Wachs, das sie aus den
Leibesringen ausschwitzen. Die Zellen werden wagrecht auf der
Mittelwand der Wabe errichtet, die ihrerseits stets senkrecht
steht. Die Zelle zur Ausbrtung der Knigin ist besonders gro und
eichelfrmig.

Sehr wichtig ist es, da bei dem Nichtvorhandensein einer Knigin aus
der Larve einer Arbeiterin durch besonders reichliche Ftterung eine
neue Knigin erzogen werden kann.

Es wurde bereits erwhnt, da die sechseckige Form der Zellen von jeher
das Erstaunen der Menschen erregt hat. Die meisten erblicken darin
einen Beweis der besonderen Klugheit der Bienen. Andere behaupten
dagegen, da hiervon keine Rede sein knne. Denn aus dem gemeinsamen
Bauen der Bienen ergebe sich mit Notwendigkeit diese Form.

Die Waben der heutigen Imker sind hufig beweglich. Herr Bhm nimmt sie
heraus und zeigt sie uns. Das ist nicht immer der Fall gewesen, wie
wir schon eingangs erwhnt haben. Ursprnglich lie man die Bienen in
ausgehhlten Baumstmmen, sogen. Klotzbeuten, hausen. Noch heute gibt
es in Westpreuen Beutekiefern. Zu einem wirklichen Haustier aber ist
die Biene erst durch die bewegliche Wabe geworden, die in der Mitte des
vorigen Jahrhunderts durch Dzierzon und Berlepsch erfunden wurde.

Durch eine Schleudervorrichtung wird der Honig aus den Waben
geschleudert. Je nach der Gegend und der Strke des Stockes lt der
Imker den Bienen bis zu 20 Pfund Honig fr den Winter.

Im Gegensatz zum Zucker wird der Honig sofort verdaut. Die Alten haben
nicht so ganz Unrecht gehabt, da sie die heilsame Wirkung des Honigs
immer wieder betonten. Keine Nahrung soll das Leben so verlngern wie
der Honig.


203. Sind die Bienen fleiig?

Wenn wir das Gewimmel und die aufopfernde Ttigkeit der Bienen
mit eigenen Augen sehen, wie sie eintragen und wieder eilend
fortfliegen, um dem Volke neue Nahrung zu bringen, dann ist es uns
ganz verstndlich, da man schon im Altertum den Staat der Bienen den
Menschen als Muster vorgehalten hat. Wie die Ameisen, die ohne Ansporn
immer ttig sind, so scheinen auch die Bienen einen vorbildlichen Flei
zu bekunden.

Auch hier fragt es sich, ob wir nicht menschliche Vorstellungen in
die Tierwelt hineintragen, wo sie gar nicht hinpassen. Das Bienenvolk
wie der Ameisenstaat bestehen aus einem fortpflanzungsfhigen Wesen.
Die einzelne Biene pflanzt sich nicht fort. Das ist ein grundlegender
Unterschied zu allen andern Geschpfen. Mit Recht nennt der Imker das
ganze Volk der Bien. Wie andere Geschpfe aus zusammenhngenden
Zellen bestehen, so der Bien ebenfalls aus Zellen, aber im Gegensatz zu
sonstigen Geschpfen aus beweglichen Zellen.

Ist aber die einzelne Biene gar kein selbstndiges Geschpf, sondern
nur eine bewegliche Zelle, dann kann man ihr weder Lob noch Tadel
erteilen. Wir loben unser Herz nicht, weil es Tag und Nacht schlgt,
ebenso unsere Lungen nicht, die unermdlich von frh bis spt und
selbst die Nacht hindurch fr frische Luft sorgen. Hat schon jemand den
Magen gelobt, weil er fleiig verdaut?

Es sprechen folgende Umstnde dafr, da die Biene kein selbstndiges
Geschpf ist.

1. Wie der Mensch einzelne Zellen fr das Ganze opfert, -- um nicht
auf den Kopf zu fallen, hlt er die Arme vor --, so opfern sich die
einzelnen Bienen fr das Ganze.

2. Unsere Zellen arbeiten Tag und Nacht. Geht man zur Nachtzeit in das
Bienenhaus -- was ich oft gemacht habe --, so sieht man die Bienen auch
nachts in reger Ttigkeit.

3. Unser Krper kapselt eingedrungene Kugeln, die er nicht durch
Schwren hinausbekommen kann, ein. Genau so kapselt der Bien
eingedrungene Tiere, z. B. Muse, ein.

4. Um die Bienenknigin dreht sich alles. Bei andern selbstndigen
Geschpfen kommt hnliches nicht vor. Ist die Knigin der Kern des
Biens, dann ist alles verstndlich. Dann ist das Schwrmen die Geburt
eines neuen Biens.

Wer die Biene als selbstndiges Geschpf bezeichnet, wird fr die
Drohnenschlacht kaum eine Erklrung haben. Die Ttung der wehrlosen
Mnnchen erscheint mit dem sonstigen Benehmen der fleiigen Geschpfe
ganz unvereinbar.

Ist dagegen das ganze Bienenvolk nur ein Geschpf, dann ist die
Drohnenschlacht, wie ich in meinen Bchern ausfhrlich begrndet habe,
ein ganz naturgemer Vorgang.

Die Frage, ob die Bienen fleiig sind, lt sich also nicht so
ohne weiteres bejahen. Vom Standpunkte des Menschen aus sind sie
unzweifelhaft fleiig. Aber dieser Standpunkt kann sachlich nicht
begrndet sein.

Wir verabschieden uns jetzt von Herrn Bhm, zumal seine Befrchtung
wegen des Schwrmens unbegrndet zu sein scheint, und weil wir uns noch
die im Aquarium befindlichen Bienenstcke ansehen wollen.

Hier kann der Besucher noch besser die Ttigkeit der Bienen beobachten,
da die Zugnge zum Stock mit Glas berdeckt sind. In dem einen Zugang
liegen vier tote Bienen. Von dem vielgepriesenen Reinlichkeitssinn der
Bienen kann man in diesem Falle nichts bemerken. Jede Biene bleibt bei
der toten Genossin eine Weile stehen und beschnffelt sie anscheinend.
Dann geht es eilends weiter. Von einem Fortbringen der Leichen ist
keine Rede.

Wahrscheinlich ist die Handlungsweise der Bienen ganz berechtigt. Sie
werden sich sagen, da das Fortbringen der Toten auch in der Nacht
geschehen kann. Dagegen ist das Eintragen von Honig gerade jetzt, wo
die Linden so schn zu blhen anfangen, in der Dunkelheit nicht mglich.

Vor dem Einflugsloch befindet sich ein Brettchen, und dicht daneben
ein gleichartiges. Niemals irrt sich eine Biene beim Zufliegen in
dem Brettchen. Der Ortssinn der Bienen mu also ganz wunderbar sein.
Hierber habe ich schon manchmal gestaunt.

So wohnte ich vor vielen Jahren bei einem befreundeten Bienenzchter.
Dieser verkaufte die Hlfte seines Grundstckes. Infolgedessen mute
der Bienenstand eine andere Stelle erhalten. Tagelang aber flogen die
Bienen zunchst nach der ganz leeren Stelle, wo er frher gestanden
hatte.

Die Tiere mssen also, wie immer wieder hervorgehoben werden mu, zu
dem Raume in einem ganz anderen Verhltnis stehen wie der Mensch.

Zum Vorgang des Schwrmens, den wir leider nicht selbst beobachten
konnten, sei bemerkt, da die Bienen wie eine Wolke dahinziehen und
sich traubenfrmig an einem Aste niederlassen. Der Imker, der sich
gewhnlich Kopf und Hnde durch Vorrichtungen schtzt, dabei auch
raucht, steigt auf eine Leiter und bringt den Schwarm vorsichtig in
einen Eimer oder in ein anderes Gef.


204. Warum werden Pferde besonders leicht von Bienen gestochen?

Bereits im Altertum ist es aufgefallen, da Pferde leicht Gefahr
laufen, von Bienen gestochen zu werden. Es ist mir nicht bekannt, da
andere Haustiere von Bienen gettet worden sind, aber von Pferden ist
es mir wiederholentlich berichtet worden. Ein bekannter Naturforscher
fhrt folgende Flle an: 1. Im Jahre 1820 fuhr ein Freund von mir
von Berlin nach Wittenberg. Nicht weit von Schmgelsdorf fiel ein
Bienenschwarm aus unbekannter Ursache wie rasend ber die Pferde her.
Das eine wurde totgestochen, das andere starb am folgenden Tage. 2.
Am 24. Mai 1854 hielt der Bauer Meier vor der Wohnung eines Bauern zu
Wotersen auf der Landstrae mit einem Viergespann, als pltzlich die
aus etwa sieben Stcken kommenden Bienenschwrme sich gleichzeitig auf
die Pferde warfen. Das erste erlag sogleich den Stichen, die brigen
starben teils an demselben Tage, teils am folgenden. Alle Versuche zur
Vertreibung der Bienen durch Abschieen von Pulver und Uebergieen mit
kaltem Wasser blieben erfolglos. Die Bienen desselben Bauern hatten
schon frher an derselben Stelle zwei Pferde gettet.

Man versteht hiernach, da unsere Vorfahren nicht so unrecht hatten,
wenn sie die Biene als wilden Wurm bezeichneten. Vier Pferde auf
einen Schlag zu verlieren, ist namentlich bei den heutigen Preisen fr
Pferde gewi keine Kleinigkeit.

Die Flle sind deshalb fast wrtlich angefhrt, damit ersichtlich wird,
da die Pferde zu dem Angriff der Bienen nicht den geringsten Anla
gegeben haben. Sie waren auf der Landstrae und haben, wie immer, ihren
regelmigen Dienst getan. Bei der Schilderung der Flle ist auch nicht
einmal der Versuch gemacht worden, das Verhalten der Bienen zu erklren.

Ich komme auf meine bereits im Kap. 198 geuerte Ansicht zurck. Das
Pferd, das regelmig braun sein wird, erinnert die Bienen an ihren
Todfeind, den Honigbren. Uebrigens gibt es in Europa Bren von der
verschiedensten Frbung, wie mir die Felle, die mir ein bekannter
Brenjger gezeigt hat, beweisen. Das Pferd ist also auch gefhrdet,
wenn es nicht braun ist.

Der Hund mit seinem zottigen Haar wre auch gefhrdet. Aber die
Hundeartigen kennen aus frheren Zeiten die Gefahren durch Bienenstiche
und ziehen sich rechtzeitig zurck. Ebenso kennen Wildrinder und
Wildschafe in ihrer Heimat wilde Bienen und benehmen sich entsprechend.
Auch scheinen die Bienen die Ungefhrlichkeit der Wiederkuer zu kennen.

Dagegen kennt das Pferd keine Wildbienen, weil es in der Steppe kaum
Bienen gibt. Umgekehrt wissen die Bienen nicht, da sie von den Pferden
nichts zu frchten haben.

Da die Pferde gewhnlich angeschirrt sind, so sind sie wehrlos den
Stichen der Bienen preisgegeben.

Die Bienen haben allen Grund, auf den Bren erbost zu sein. Ein
Deutscher, der ein Menschenalter hindurch in Ruland Oberfrster war,
schildert die Angriffe des Bren auf Bienenstcke in folgender Weise:

In Ruland hat gewhnlich jeder Buschwchter einige Bienenstcke, die
im Laufe des Sommers auf groen, alten Kiefern angebracht werden, wo
sie bis zum Sptherbst bleiben. Findet nun Meister Petz zufllig einen
Baum und merkt, da da oben etwas zu holen ist, so steigt er hinauf und
fngt an, den Bienenstock zu bearbeiten, und wirtschaftet so lange, bis
er ihn entweder ffnet oder losreit und vom Baume wirft. Obgleich der
ganze Bienenschwarm ber ihn herfllt, kmmert er sich wenig darum,
denn durch seinen Pelz dringt wohl selten ein fhlbarer Stich, die
Augen drckt er zu, und ber die Nase fhrt er mit der Pranke; also
arbeitet er unter dem Gesumme der Bienen, ohne besonders belstigt zu
werden. Hat nun der Br einmal den Honig geschmeckt, dann wehe allen
Bienenstcken, wenn er sie ausfindig macht. So lautet der Bericht
unseres Gewhrsmannes.

Der Name Honigbr fr unseren braunen Bren ist also ganz zutreffend.
Die Bienen sind machtlos gegen ihn, da er seine empfindliche Nase durch
die vorgehaltene Pranke schtzt.

Es kann also leicht sein, da die Bienen das Pferd mit ihrem Erzfeinde,
dem Bren, verwechseln. Dann wre die Ttung von Pferden durch Bienen
erklrlich.

Es wrde sich fr alle Pferdebesitzer daraus der wichtige Rat ergeben,
vor Bienenstcken lieber einen kleinen Umweg zu machen.


205. Die Biene in Redensarten und Sprichwrtern.

Erwhnt wurde bereits, da die alten Deutschen die Biene einen
wilden Wurm nannten. Ebenso ist der Spruch ber das Schwrmen in den
verschiedenen Monaten wiedergegeben. Sonst ist noch die Redensart
blich:

               *Der Bien mu.*

Im Grimmschen Wrterbuch finde ich diese Redensart nicht angefhrt.
Gewhnlich heit es, da in einem Lgenmrchen von Bienen erzhlt wird,
die so gro wie Schafe sind. Auf die erstaunte Frage, wie die Bienen
bei dieser Gre durch das enge Flugloch in den Bienenstock gelangen,
wird die vorstehende Redensart als Antwort erteilt.

[Illustration: Bienenwabe mit Brut in verschiedenen
Entwicklungszustnden]

[Illustration: Die Geschlechter der Bienen

  1 Knigin      2 Arbeiterin      3 Drohne]

[Illustration: Korbbienenstand]




Die nhere Begrndung der hier ausgesprochenen Ansichten ist in
nachstehenden Bchern zu finden: 1. Ist das Tier unvernnftig? 2.
Tierfabeln. 3. Strauenpolitik. 4. Streifzge durch die Tierwelt.
5. Das Pferd als Steppentier. Smtlich bei Franckh in Stuttgart
erschienen. Ferner in 6. Diktatur der Liebe. Bei Hoffmann u. Campe,
Berlin. 7. Welche Fingerzeige gibt uns die Lebensweise des Wildschweins
fr die Behandlung, Zchtung und Ftterung des Hausschweins? Verlag der
Vereinigung deutscher Schweinezchter, Berlin W., An der Apostelkirche
1. 8. Was knnen wir aus der Lebensweise der Wildschafe zur Hebung der
Schafzucht lernen? Bei Hosang u. Co., Hannover.




Inhaltsangabe.


                                                                   Seite

  Vorwort                                                              3

  Der Hund                                                             5

    1. Warum bellt der Hund? 5 -- 2. Warum bellt der Hund sich drehende
    Rder an? 8 -- 3. Das Fressen unappetitlicher Sachen 10 -- 4. Das
    Lappen des Wassers mit der Zunge 11 -- 5. Der Platz in der Sonne
    und am warmen Ofen. Das Sich-herumdrehen vor dem Hinlegen 12 -- 6.
    Das Alter des Hundes 13 -- 7. Die Rassen (Unterarten) des Hundes
    16 -- 8. Der Zeitsinn der Tiere 17 -- 9. Der Ortssinn der Tiere 19
    -- 10. Das Apportieren (Herbringen von Gegenstnden) des Hundes
    21 -- 11. Die Bedeutung des Geruchssinnes. Der Eigentumssinn
    der Hunde 24 -- 12. Soll man sich in der Grostadt einen Hund
    halten? Die Stubenreinheit des Hundes 27 -- 13. Das Grasfressen
    der Hunde. Schmen sich manche Hunde? 30 -- 14. Das Laufen gegen
    den Wind. Warum ist die Hundenase khl und feucht? Warum gibt
    es bei den Hunden Steh-, Kipp- und Hngeohren? Die Wichtigkeit
    des Gehrs 33 -- 15. Warum frchtet sich der Hund vor dem leeren
    Wasserglase? Warum bellt er den Mond an? 34 -- 16. Warum wedelt
    der Hund mit dem Schwanze? 36 -- 17. Warum gibt es kurzhaarige
    Hunde? Der Windhund 37 -- 18. Der Schferhund als Polizei- und
    Blindenhund 40 -- 19. Die Ftterung des Hundes 41 -- 20. Die Feinde
    des Hundes. Hund und Wolf 43 -- 21. Rtselhaftes beim Hunde 47 --
    22. Allerlei Hundegeschichten. Richtige Behandlung des Hundes 49
    -- 23. Sogenannte Unarten der Hunde und ihre Bekmpfung 52 -- 24.
    Klugheit und Verstellungskunst einer deutschen Dogge 55 -- 25.
    Verstellung und Beistand bei Hunden 59 -- 26. Leistungen der Hunde
    zum Nutzen der Menschen 61 -- 27. Gefahren durch Hunde 63 -- 28.
    Geschichtliches vom Hunde 65 -- 29. Der Hund in Sprichwrtern und
    Redensarten 66

  Die Katze                                                           69

    30. Hund und Katze waren frher Raubtiere. Warum sehen sie
    trotzdem verschieden aus? 69 -- 31. Welchen Zwecken dienen die
    Schnurrhaare der Katze? 72 -- 32. Das Schmeicheln der Katze. Ist
    die Katze falsch? 73 -- 33. Warum schlingt der Hund, whrend die
    Katze gesittet frit? 74 -- 34. Die Katzenwsche. Sind Katzenhaare
    giftig? 75 -- 35. Warum hat die Katze eine rauhe Zunge? 77 -- 36.
    Das Vorgefhl der Tiere fr kommendes Wetter 78 -- 37. Der Ha
    des Hundes gegen die Katze. Warum macht die Katze einen Buckel?
    Ist sie tapfer? 80 -- 38. Warum begleitet die Katze ihren Herrn
    nicht wie der Hund? Warum geht sie nicht mit ihm auf die Jagd? 81
    -- 39. Warum fllt die Katze immer auf die Fe? Warum leuchten
    ihre Augen? 83 -- 40. Wie fngt die Katze Muse? Die Katze als
    Vogelfeindin 85 -- 41. Warum schttelt die Katze beim Fressen
    den Kopf? 87 -- 42. Die Rassen der Katze. Alter und sogenannte
    Erziehung 90 -- 43. Die Feinde der Katze 93 -- 44. Die Katze als
    angebliche Nachahmerin unserer Reinlichkeitsbestrebungen 94 --
    45. Geschichten von Katzen 96 -- 46. Die Katze in Redensarten und
    Sprichwrtern 97

  Das Pferd                                                           99

    47. Warum gibt es so viele braune Pferde? 99 -- 48. Warum hat
    das Pferd eine Mhne? Die Fabel von dem Kreisbilden der Pferde
    101 -- 49. Warum kann das Pferd nur durch die Nase atmen? 102
    -- 50. Warum scheuen die Pferde und gehen durch? 103 -- 51. Die
    Bodenscheu 104 -- 52. Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins
    Maul. Warum trgt ein Pferd Hufeisen? 105 -- 53. Der Schweif des
    Pferdes, verglichen mit dem Schwanz von Hund und Katze 106 --
    54. Sieht das Pferd alles grer? 108 -- 55. Ist der Futterkbel
    praktisch? 110 -- 56. Die Rassen oder Stmme des Pferdes 111 --
    57. Warum fhrt man lieber zweispnnig als einspnnig? 113 -- 58.
    Warum schreien Pferde nicht? Das Wiehern der Pferde 114 -- 59.
    Andere Eigentmlichkeiten des Pferdes 116 -- 60. Kummet- oder
    Sielengeschirr. Warum ist das Fahren lter als das Reiten? 117 --
    61. Warum luft das Pferd gerade und der Hund schrg? 118 -- 62.
    Die naturgeme Ftterung der Pferde. Das Koppen 119 -- 63. Geht
    es auch ohne Peitsche? 121 -- 64. Die Feinde des Pferdes 121 --
    65. Warum knnen Fohlen gleich auf den Beinen stehen? 128 -- 66.
    Geschichten von Pferden 124 -- 67. Ueber richtige Behandlung des
    Pferdes 130 -- 68. Die geistigen Fhigkeiten der Tiere 133 -- 69.
    Was verstehen wir unter Instinkt bei den Tieren? 134 -- 70. Das
    Gedchtnis des Pferdes 136 -- 71. Das Verstndnis der Pferde fr
    Kommandoworte 137 -- 72. Warum mssen wir das Pferd putzen? 138 --
    73. Das Pferd in Redensarten und Sprichwrtern 139

  Esel und Maultier                                                  140

    74. Das Aeuere des Esels 140 -- 75. Warum sieht man selten kranke
    Esel? 141 -- 76. Ziehhund oder Esel? 142 -- 77. Wie ist der
    Esel mit dem Maultier verwandt? 144 -- 78. Wie erklrt sich die
    Abneigung des Pferdes gegen den Esel? 144 -- 79. Warum schreit der
    Esel Ya? 144 -- 80. Die Rassen des Esels 144 -- 81. Der Esel im
    Sprichwort und in Redensarten 145

  Das Rind                                                           146

    82. Warum knnen wir nicht auch fetten Schweizerkse herstellen?
    146 -- 83. Der Stier und die rote Farbe 147 -- 84. Das Flotzmaul
    der Rinder 148 -- 85. Die Furcht der Rinder vor dem Blutgeruch
    148 -- 86. Die Furcht der Rinder vor den Bremen 149 -- 87. Die
    Abneigung der Rinder gegen Hunde 149 -- 88. Das Aufblhen der
    Rinder 149 -- 89. Die Kuh vorm neuen Tor. Der Ortssinn der Tiere
    151 -- 90. Weitere Vergleiche zwischen Rind und Pferd 153 -- 91.
    Geschichten vom Rind 155 -- 92. Welches sind die Feinde des Rindes?
    158 -- 93. Wie hoch ist der Milchertrag einer Durchschnittskuh? 159
    -- 94. Warum ist das Rind ein Wiederkuer, das Pferd nicht? 160
    -- 95. Die geistigen Gaben der Rinder 161 -- 96. Die Rassen der
    Rinder 161 -- 97. Krankheiten der Rinder 162 -- 98. Das Rind in
    Redensarten und Sprichwrtern 162

  Das Schwein                                                        163

    99. Wodurch unterscheidet sich das Hausschwein vom Wildschwein? 163
    -- 100. Warum ist der Kopf des Schweines kegelfrmig? 163 -- 101.
    Warum nennt man einen Menschen mit kleinen Augen schweinsugig?
    164 -- 102. Warum liegt unser Hausschwein gern in einer Pftze
    und auf dem Miste? 165 -- 103. Welches sind die Vorzge unseres
    Hausschweins? 165 -- 104. Warum gedeihen die Schweine bei kleinen
    Leuten so gut? 166 -- 105. Wie soll der Schweinestall beschaffen
    sein? 167 -- 106. Warum frit die Sau die eigenen Ferkel? 167 --
    107. Mu ein gutes Schwein alles fressen? 168 -- 108. Die Ftterung
    der Schweine mit Rohrwurzeln 168 -- 109. Die Rassen des Schweins
    169 -- 110. Das Schwein in Redensarten und Sprichwrtern 170

  Die Ziege                                                          171

    111. Warum knnen junge Ziegen bereits vortrefflich klettern? 171
    -- 112. Warum fressen Ziegen ungern Gras? 172 -- 113. Wie erklrt
    sich die Giftfestigkeit der Ziege? 172 -- 114. Warum heit die
    Ziege die Kuh des armen Mannes? 173 -- 115. Wie lebt die Ziege im
    Gebirge? 174 -- 116. Warum gibt es im Ziegenstall so wenig Fliegen,
    im Kuhstall so viele? 175 -- 117. Die Rassen der Ziege 176 -- 118.
    Die Ziege in Redensarten und Sprichwrtern 177

  Das Schaf                                                          178

    119. Warum blkt das Schaf? 178 -- 120. Warum krmmen sich beim
    Schafbock die Hrner, beim Ziegenbock nicht? 179 -- 121. Warum
    folgen die Schafe dem Leithammel? 180 -- 122. Warum sieht das Schaf
    so furchtbar ngstlich aus? 180 -- 123. Geschichten von Schafen 181
    -- 124. Warum braucht der Schfer einen Hund? 182 -- 125. Mufflon
    und Hausschaf. Neue Futterquellen fr unsere Hausschafe 183 -- 126.
    Die Rassen des Hausschafs 184 -- 127. Das Schaf in Redensarten und
    Sprichwrtern 185

  Das Kaninchen                                                      186

    128. Warum trinkt das zahme Kaninchen, das Wildkaninchen nicht?
    186 -- 129. Welches sind die Feinde des Kaninchens? 187 -- 130.
    Zweckmige Behandlung unseres Kaninchens 188 -- 131. Die Rassen
    des Kaninchens 189 -- 132. Was versteht man unter einer Rasse? 189
    -- 133. Geschichten vom Kaninchen. Kaninchen hat angefangen 189 --
    134. Kann das Kaninchen mit dem Schwein in Wettbewerb treten? 190
    -- 135. Wie gro ist die Vermehrung des Kaninchens? 191 -- 136. Das
    Kaninchen in Redensarten und Sprichwrtern 191

  Das Meerschweinchen                                                192

    137. Das Meerschweinchen 192

  Das Frettchen                                                      194

    138. Wie unterscheidet sich das Frettchen vom Iltis? 194 -- 139.
    Ttung eines Berliner Kindes durch ein Frettchen 194 -- 140. Das
    Frettchen in Redensarten und Sprichwrtern 195

  Das Huhn                                                           196

    141. Warum krht der Hahn? 196 -- 142. Der Lockruf des Hahns 198
    -- 143. Wie unterscheiden sich Hhner und Tauben? 199 -- 144. Die
    Mutterliebe der Glucke 200 -- 145. Warum gehen die Hhner so zeitig
    schlafen? Die sogen. Hhnerkieke 202 -- 146. Die Farbenblindheit
    der Hhner. Die Hypnose des Huhns durch einen Kreidestrich 203 --
    147. Die naturgeme Behandlung des Huhns 204 -- 148. Eine blinde
    Henne findet auch ein Korn 205 -- 149. Die knstliche Glucke. Die
    Wetterfestigkeit des Huhns 206 -- 150. Wie kriecht das Kchlein aus
    dem Ei? 207 -- 151. Warum brauchen die Hhner sandigen Boden? 208
    -- 152. Die Rassen des Huhns 208 -- 153. Das Huhn in Redensarten
    und Sprichwrtern 209

  Das Truthuhn                                                        211

    154. Das Hochzeitskleid des mnnlichen Truthuhns 211 -- 155.
    Woraus ist die Abneigung des Truthahns gegen die rote Farbe
    zurckzufhren? -- Die Herkunft der Truthhner 211

  Der Pfau. Das Perlhuhn. Der Fasan                                  213

    156. Warum schreit der Pfau so hlich? 213 -- 157. Vergit
    der Fasan das Fliegen? 213 -- 158. Der Pfau in Redensarten und
    Sprichwrtern 214

  Die Taube                                                          215

    159. Die Kommandosprache der Tauben 215 -- 160. Wie retten sich die
    Tauben vor den Raubvgeln? 216 -- 161. Warum mu der Ster die
    Tauben erst berfliegen? 217 -- 162. Warum sitzen unsere Haustauben
    auf Dchern und nicht auf Bumen? Der Taubenschlag 219 -- 163.
    Wie finden sich die Brieftauben zurecht? 220 -- 164. Die Tauben
    als Vorbilder des Menschen 221 -- 165. Naturgeme Ftterung und
    Haltung der Tauben 222 -- 166. Die Rassen der Haustaube 222 -- 167.
    Die Taube in Redensarten und Sprichwrtern 223

  Die Ente                                                           224

    168. Warum sind die Wildenten im Berliner Tiergarten meistenteils
    ausgewandert? 224 -- 169. Warum hat die von uns beobachtete
    Wildente nur drei Junge? 224 -- 170. Die Feinde der Ente 225
    -- 171. Warum nennt man eine falsche Zeitungsnachricht eine
    Zeitungsente? 226 -- 172. Ist die Ente wie das Huhn ein Tagtier?
    227 -- 173. Warum lt man Enteneier durch Hhner ausbrten? 228 --
    174. Die Rassen der Ente 228 -- 175. Die Ente in Redensarten und
    Sprichwrtern 229

  Die Gans                                                           230

    176. Warum gilt die Gans als wachsam? 230 -- 177. Wie steht es
    mit den geistigen Fhigkeiten der Gans? 231 -- 178. Wie erklrt
    sich der Gnsemarsch? 231 -- 179. Aus der Lebensgeschichte einer
    Wildgans 232 -- 180. Die Rassen der Gans 233 -- 181. Die Gans in
    Redensarten und Sprichwrtern 233

  Der Schwan                                                         235

    182. Warum hat der Schwan einen so langen Hals? 235 -- 183. Der
    Schwan in Redensarten und Sprichwrtern 236

  Der Kanarienvogel                                                  237

    184. Warum gert der Kanarienvogel in Wut, wenn er sein
    Spiegelbild erblickt? 237 -- 185. Warum singen nur die Mnnchen
    bei den Singvgeln? 238 -- 186. Warum hassen die Sperlinge den
    Kanarienvogel? 239 -- 187. Wie erklrt sich die gelbe Farbe des
    Kanarienvogels? 240 -- 188. Warum stecken die Vgel beim Schlafen
    den Kopf in die Federn? 240 -- 189. Die Rassen des Kanarienvogels
    242

  Der Wellensittich                                                  243

    190. Warum ist nur der Wellensittich ein Haustier? 243 -- 191.
    Warum fehlt dem Tier die Sprache? 244

  Der Goldfisch                                                      246

    192. Warum ist der Goldfisch ein beliebter Aquariumfisch? 246 --
    193. Wie richte ich ein Aquarium ein? 246 -- 194. Der Goldfisch in
    Redensarten 248

  Der Seidenspinner                                                  249

    195. Warum ist unsere Seidenraupenzucht zurckgegangen? 249 -- 196.
    Die Seidenraupe in Redensarten und Sprichwrtern 251

  Die Biene                                                          252

    197. Warum bauen die Bienen im Dunkeln? 252 -- 198. Wann stechen
    die Bienen am meisten? 254 -- 199. Sollen Frauen Imkerinnen werden?
    256 -- 200. Mit welchen Sinnen sucht die Biene die Blten auf? 257
    -- 201. Die Feinde der Bienen 257 -- 202. Die Rassen der Honigbiene
    258 -- 203. Sind die Bienen fleiig? 260 -- 204. Warum werden
    Pferde besonders leicht von Bienen gestochen? 261 -- 205. Die Biene
    in Redensarten und Sprichwrtern 263

  Inhaltsverzeichnis                                                 264

  Sachregister                                                       267




Sachregister.


          (Die Zahlen zeigen die Seitenzahlen an.)

  Aalstrich der Pferde 100

  Adler als Feind der Katzen 93

  Affen folgen den Leitaffen 180
    -- fressen keine Giftbeeren 135
    -- schwindelfrei 85
    -- Stallgefhrten der Pferde bei den Javanern 114
    -- nicht stubenrein 80

  Akarusrude 65

  Albino 194

  Angorakatze 96

  Apportieren des Hundes 18
    -- keine Steine apportieren lassen 23

  Aquarium, Einrichtung 246

  Aufblhen der Rinder 149

  Ausschlagen der Pferde 100


  Baas, Leiter des Rudels 25

  Bandwurm bei Hunden 64

  Bankivahuhn 197

  Br plndert Bienenstcke 262
    -- berfllt Rinderherden 159

  Bart bei Ziegen, nicht bei Schafen 179

  Beistand unter Hunden 60

  Bernhardinerhunde 61

  Bewegungslosigkeit als Regel fr Jger 10, 204

  Biene, Bedeutung fr Landwirtschaft und Obstbau 253
    -- Feinde 257
    -- fleiig 260
    -- Ortssinn 261
    -- Rassen 258
    -- Sinne 257
    -- stechen 254
    -- stechen leicht Frauen 256
    -- stechen leicht Pferde 261

  Bilder lassen Hund gleichgltig 35
    -- von Affen erkannt 35

  Bison, Pfade 158

  Blinde Henne 205
    -- Hunde und Pferde 20, 152

  Blindenfhrer, Hund als solcher 28, 41

  Blinde Tiere, Leistungen 152

  Blken der Schafe 178

  Blutgeruch, Abneigung bei Pferden 131
    -- bei Rindern 148

  Bodenscheu des Pferdes 104

  Branten (Pranken) bei Katzen 73
    -- bei Hunden und Wlfen nicht 16

  Bremen (Bremsen) 149

  Brieftauben 220
    -- Sichzurechtfinden 220


  Coyote (amerikanischer Wolf) trgt Gegenstnde im Maul 22


  Dachshund, ungehorsam, Grund 39

  Durchgehen der Pferde 103


  Eigentumssinn des Hundes 26

  Elefanten, Abneigung gegen Schimmel 49
    -- folgen Leitelefanten 180

  Ente, Feinde 225
    -- Gefahr bei Mrschen 225
    -- nachts ttig 227
    -- Rassen 228
    -- Verstellung (Zeitungsente) 226

  Enteneier durch Hhner ausgebrtet 228

  Erpel schlechter Vater 226

  Esel, Abneigung gegen Nsse 76, 145
    -- Abneigung des Pferdes gegen ihn 144
    -- Alter 143
    -- frit gern Disteln 141
    -- gutes Geruchsorgan 141
    -- zierliche Hufe 140
    -- selten krank 141
    -- lange Ohren 140
    -- Rassen 144
    -- wlzt sich gern 139
    -- Yaschreien 144
    -- und Ziehhund 142

  Eskimohund 26

  Eulen, Augenleuchten 85
    -- gefiederte Katze 89


  Fhigkeiten, geistige, der Tiere 133

  Fahren lter als Reiten 117

  Farbenblindheit 203

  Fasan 213

  Fleischerhund 63

  Fliegen setzen sich nicht auf Katzen 75
    -- selten im Ziegenstall 175

  Flhe bei Hunden 65

  Flotzmaul 148

  Fohlen stehen gleich auf den Beinen 123

  Fragmit als Futtermittel fr Schweine 168

  Frauen selten Bienenwirtinnen 256

  Fressen von Hund und Katze 74
    -- unappetitlicher Sachen 10

  Frettchen, Albino 194
    -- Ttung eines Kindes 194

  Fuchs als Feind der Katze 93
    -- schnrt 118

  Futterquellen, neue 168, 183

  Ftterung des Hundes 41
    -- der Katze 89
    -- des Pferdes 119


  Gans, geistige Gaben 231
    -- wachsam 230
    -- Rassen 238

  Gnsefedern 233

  Gnsemarsch 231

  Gedchtnis der Tiere 136

  Gehr, Wichtigkeit 38

  Geier, Aasfresser 11

  Geruchsinn, auerordentliche Bedeutung 24
    -- der Bienen 257
    -- des Esels 141
    -- des Hundes 24
    -- des Pferdes 131, 133
    -- des Rindes 148
    -- des Schweines 164

  Giftfestigkeit der Ziege 172

  Glasaugen der Pferde 112

  Goldfisch 246
    -- Rassen 246

  Grab- und Rennpfoten der Hunde 73

  Grasfressen der Hunde 30

  Graugans 230
    -- im Kampfe mit der Katze 232

  Grostadt wenig geeignet fr den Hund 27


  Hahn, krhen 7, 196
    -- kmmert sich nicht um die Kchlein 198
    -- Lockruf 198
    -- Vielehe 198

  Handpferd 115

  Hngeohren 33

  Hans, kluger 136

  Hase, Schutzfrbung 24
    -- Fang durch die Katze 71

  Haustiere, Begriff 6
    -- berfressen sich 111

  Heerkuh 156

  Henne, blinde 205

  Hetzraubtier, Begriff 8, 70

  Hirsch, kurzer Schwanz 108

  Hochzeitskleid 211

  Hrner der Schafe 179

  Hhner brten Enteneier aus 228
    -- Farbenblindheit 208
    -- Hypnose 208
    -- Mutterliebe 200
    -- naturgeme Behandlung 204
    -- Rassen 208
    -- sandiger Boden 209
    -- schlechte Flieger, gute Lufer 199
    -- und Tauben 199
    -- Verstellungsknste 201

  Hhnerkieke 202

  Hund abends zu Angriffen geneigt 42
    -- Abneigung gegen Tabak, Zigarren 42
    -- Abneigung der Rinder gegen ihn 149
    -- Abneigung der Schweine gegen ihn 80
    -- keine Abneigung gegen Wasser 77
    -- Alter 13
    -- Anbellen des Mondes 34
    -- Anspringen des Herrn 72
    -- Anzahl der Jungen 15
    -- Apportiert aus Natur 21
    -- Augenleuchten 85
    -- Bandwrmer 64
    -- beachtet Bilder und Spiegel nicht 35
    -- Begegnung mit anderem Hunde 18
    -- erwartet Beistand 83
    -- Beiereien unter Hunden 25
    -- beit gern laufende Menschen 8
    -- Belecken der Wunden 48
    -- bellt, Grund dafr 7
    -- bellt drehende Rder an 8
    -- bewegliche Haut 32
    -- Bewegung ntig 29
    -- Bewegungen leicht wahrgenommen 10
    -- als Blindenfhrer 28, 41
    -- blinder findet sich zurecht 20
    -- als Bote 50
    -- hat keine Branten 16
    -- Brechmittel 31
    -- Charakter erst mit zwei Jahren erkennbar 16
    -- demtig 74
    -- Drang zu Bekanntschaften 9
    -- dreht sich vor dem Hinlegen 12
    -- Ehrgefhl und Eitelkeit 32
    -- Eigentumssinn 26
    -- Entwicklung, schnell 14
    -- erfriert sich die Beine 142
    -- erkennt seinen Herrn und andere Hunde am Geruch 41
    -- feige und mutige 81
    -- Feinde 43
    -- Flhe 66
    -- flchtet vor Bienen 262
    -- Fressen 74
    -- frit unappetitliche Sachen 10
    -- Furcht vor kriechenden Personen 49
    -- Furcht vor leerem Wasserglase 34
    -- Ftterung 41
    -- gefhrdet den eigenen Herrn 63
    -- Gehr vorzglich 34, 87
    -- geruschvoll 73
    -- Geruchsinn, auerordentlich 24, 133
    -- Geschichtliches 65
    -- schwaches Gesicht 8
    -- Grasfressen 30
    -- groer beachtet kleinen nicht 25
    -- fr die Grostadt wenig passend 27
    -- Haare 38
    -- Ha gegen die Katze 18, 80
    -- Hecheln 28
    -- Heulen vor dem Tode 47
    -- Hinken 119
    -- frherer Hhlenbewohner 30
    -- Jagddressur 38
    -- Kippohren 33
    -- klopfen aufs Knie 37
    -- Klugheit und Verstellung 55, 59
    -- Knochen 39
    -- Kunststcke 31
    -- kurzhaarig 38
    -- nicht kssen 64
    -- lappt Wasser 11
    -- luft gegen Wind 33
    -- schrg 118
    -- Leistungen 63
    -- liebt den Ofen 12
    -- liebt sich zu sonnen 12
    -- Wagenspur 118
    -- Magen als Tasche 26
    -- Maulkorb 143
    -- kennt Mittagszeit 19
    -- Nase, empfindlich, khl, schwarz 27, 33
    -- Nssen an den Ecken 27
    -- Neid 37
    -- Ohrenformen 33, 34
    -- Ohrenschmerzen 34
    -- Ortssinn 19
    -- Pfeifen 84
    -- Post 27
    -- Rassen 16, Bernhardinerhund, Dachshund, Eskimohund,
       Fleischerhund, Jagdhund, Schferhund s. d. (62)
    -- Rtselhaftes 47
    -- frheres Raubtier 6
    -- Rude (Akarusrude) 65
    -- Retter seines Herrn 45
    -- Rhrenknochen nicht vorteilhaft 42
    -- sich rekeln 12
    -- Renn- oder Grabepfoten 16
    -- richtige Behandlung 49
    -- richtiges Benehmen beim Essen 51
    -- schmt sich angeblich 30
    -- schlft gern am Tage 42
    -- schlingt 74
    -- schmeicheln 73
    -- Schwanz 71, 107
    -- Sinkenlassen 25
    -- wenig Schweidrsen 28
    -- schwimmt hervorragend 48
    -- sieht gut im Dunkeln 10
    -- spielt Haschen 15
    -- Staupe 65
    -- keine Steine apportieren lassen 23
    -- Strafen 52
    -- Stubenreinheit 27
    -- Tollwut 64
    -- Tragezeit 14
    -- Unarten 52, 54
    -- Unreinlichkeit 63
    -- Verbeien der Hunde 25
    -- Verscharren der Losung 28
    -- Vorgefhl fr Erdbeben 80
    -- Vorzge 28
    -- guter Wchter 42
    -- wlzt sich auf Unrat 11
    -- wedelt mit dem Schwanze 86
    -- keine Wehrpfoten 16
    -- seelische Werte 29
    -- wildern 53
    -- und Wolf, angeblich zum Anfhrer gewhlt 44
    -- bertlpelt vom Wolf 44
    -- Wunden heilen leicht 43
    -- Zehengnger 16
    -- Zeitsinn 17
    -- Ziehhunde 142
    -- Zunge dient als Hand 78

  Hypnose in der Tierwelt 203


  Iltis 194

  Insekten wenig auf Bergen 155

  Instinkt 134


  Jagdhund wenig anhnglich 39
    -- nicht bissig 26
    -- Dressur 38
    -- kein Wachhund 31

  Jaguar frit Hunde 43


  Kamel, Abneigung gegen Nsse 76

  Kanarienvogel, gelbe Farbe 240
    -- Kopf in den Federn 240
    -- nur Mnnchen singen 238
    -- Rassen 242
    -- Abneigung der Sperlinge gegen ihn 239
    -- Spiegel 237

  Knguruh, langer Schwanz 107

  Kaninchen, Bau in Anhhen 187
    -- Feinde 187
    -- Rassen 189
    -- Kaninchen und Schwein 190
    -- Vergraben der Jungen 188
    -- Vermehrung 191
    -- Vorgefhl fr Wetter 79

  Ktzchen fllt nicht aus dem Fenster 134

  Kastanien, neue Futterquelle fr Schafe 183

  Katze, Abneigung gegen Nsse und Regen 76
    -- gegen Musik 87
    -- apportiert selten 22
    -- Augenleuchten 85
    -- begleitet den Spaziergnger nicht 81
    -- bellt nicht 6
    -- beschnuppert nicht 84
    -- besitzt Branten (Pranken) 73
    -- macht Buckel 81
    -- Drehschwanz 107
    -- ungefiederte Eule 89
    -- fllt auf die Fe 84
    -- Feinde 93
    -- als Fischfresserin 87
    -- frit gesittet 70, 74
    -- kleineres Gebi 81
    -- Gehr vorzglich 87
    -- geruschlos 73
    -- und Glser 95
    -- Haare, Beschaffenheit 77
    -- Hasenfang 71
    -- Hasenschleppen 81
    -- Ha des Hundes 18, 80
    -- Herrentier 74
    -- kriecht gern in Hhlungen 96
    -- Musefang 85
    -- als Mutter unerreicht 90
    -- naschhaft 91
    -- Ortssinn 99
    -- Pferdefleisch nicht naturgem 88
    -- sich putzen 78
    -- Rassen 90
    -- frheres Raubtier 70
    -- rauhe Zunge 77
    -- Rckendeckung 82
    -- Schallquelle 86
    -- Schleichraubtier 71
    -- Schmeichelktzchen 69, 73
    -- schnurren 83
    -- Schnurrhaare 72
    -- Schwanz geringsten Raum 71
    -- Schwanz, Lnge 107
    -- kann schwimmen 76
    -- sonnt sich gern 13
    -- spielt nicht Haschen 15
    -- Stubenreinheit 96
    -- Tasthaare 72
    -- Verscharren des Unrats 94
    -- als Vogelfngerin 85
    -- Vorgefhl fr Erdbeben 80
    -- fr Wetterumschlag 78
    -- Katzen, groe, Feinde des Hundes 43
    -- Katzenwsche 75

  Kinnhaare der Pferde 115

  Kleben der Pferde 113

  Klugheit des Hundes 55

  Knochen verscharren 39

  Kolik 120

  Kommandosprache 215
    -- Kommandoworte, Verstndnis 137

  Koppen 119

  Ktenschpfe 115

  Krhen, Selbstheilung 134

  Krankheit und Stallhaltung 156

  Krokodil, Feind des Hundes 43

  Kchlein aus dem Ei 207
    -- frostig 201
    -- Nestflchter 200

  Kuh, Augenleuchten 85
    -- des armen Mannes 178
    -- vorm neuen Tor 151

  Kummetgeschirr 117

  Kunden 106

  Kurzhaar 38


  Lade 110

  Leithammel 180

  Leopard, Feind des Hundes 80

  Lwe, langer Schweif 107
    -- schnurrt nicht 84

  Luchs, Feind des Hundes 80
    -- der Katze 93


  Magerfresser 119

  Mhne 191

  Mankatze 107

  Mnnchen singen nur 238

  Marder, schwindelfrei, fllt auf die Fe 85

  Mauersegler, vorzglicher Flieger 199

  Mauke 115

  Maultier 144
    -- sich wlzen 144

  Musefang der Katze 85

  Meerschweinchen 192

  Mensch, davonlaufend leicht gebissen 8

  Milchergebnis der Rinder 159

  Mond, anbellen 35

  Mufflon und Hausschaf 183

  Musik, Katzen nicht angenehm 87

  Mutterliebe der Henne 200


  Nase des Hundes, feucht, empfindlich, schwarz 33

  Nasenatmung des Pferdes 102
    -- bremse 158
    -- spiegel 148

  Nasentiere sollen angerufen werden 64

  Neid bei Hunden 37

  Nestflchter, Nesthocker 200


  Ofen, Katzen kriechen gern hinein 96
    -- warmer, Vorliebe des Hundes dafr 12

  Ohrenformen, Hnge-, Kipp-, Stehohren 33
    -- schmerzen 34

  Ortssinn des Hundes 20
    -- der Katze 97
    -- des Rindes 152

  Osterwinde 142


  Panik bei Pferden 122

  Parfmeurs 11

  Peitsche 109, 121

  Perlhuhn 213

  Pfau 219

  Pferd, Aalstrich 100
    -- Abneigung gegen Bren 132
    -- Blutgeruch 131
    -- Esel 144
    -- Kamele 132
    -- Lwen 132
    -- Affen als Stallgenossen 114
    -- Alter 112
    -- Anhalten 121
    -- Atmen durch die Nase 102
    -- Aufsatzzgel 116
    -- Augenleuchten 85
    -- Augen, seitliche Stellung 109
    -- Ausschlagen 100
    -- von Bienen leicht gestochen 261
    -- blindes findet zurecht 20, 152
    -- Bodenscheu 104
    -- braune Farbe 100
    -- dunkle Stellen im Moor 105
    -- erfriert sich nicht die Beine 142
    -- Fahren lter als Reiten 117
    -- Fata Morgana 132
    -- Feinde 121
    -- findet in der Dunkelheit zurecht 105
    -- Gedchtnis 136
    -- geistige Gaben 133
    -- Geruchsinn auerordentlich 132, 133
    -- Glasauge 112
    -- Hafer, Futter 120
    -- Handpferd 115
    -- Instinkt 134
    -- Kinnhaare 115
    -- kleben 113
    -- kluge Hans 133
    -- Kolik 120
    -- Kommandoworte 137
    -- Koppen 119
    -- Ktenschpfe 115
    -- Krankheiten 120
    -- Kummet, Sielengeschirr 117
    -- Kunden 106
    -- Lade 110
    -- luft gegen den Wind 102
    -- luft gerade 118
    -- luft in den brennenden Stall zurck 124
    -- kleiner Magen 111, 120
    -- Magerfresser 119
    -- Mhne 101
    -- Mauke 115
    -- Nasenbremse 155
    -- Neid 116
    -- Ohren klein 153
    -- zurckgezogen 117
    -- Osterwinde 142
    -- Peitsche 109, 121
    -- fliehender Pflanzenfresser 103
    -- prusten 103
    -- putzen 138
    -- Rassen 111
    -- Raufen nachteilig 110
    -- rechnet angeblich 136
    -- rennt gegen Bume 110
    -- Sattelpferd 115
    -- Scheuen und Durchgehen 103
    -- Scheuklappen 109
    -- Schnauben und Prusten 102
    -- Schnelligkeit 113
    -- schreit nicht 114
    -- Schwanz 106
    -- Sehvermgen schwach 103
    -- Sonnenhitze wenig schdlich 115
    -- Stirn schmal 153
    -- Strung beim Fressen wenig schdlich 120
    -- Strohhut berflssig 115
    -- tunken 116
    -- berfrit sich als Haustier 111
    -- Untugenden 125
    -- schlechter Vater 123
    -- Verstellung 126
    -- Wasser (gutes) sehr wichtig 116
    -- Wasser, verborgenes, gefunden 133
    -- Wiehern 114
    -- Wlfe, Angriff 101
    -- gegen drei Wlfe 122
    -- Zelter 118
    -- Zwillinge selten 112

  Pflanzenfresser 6
    -- fliehend, wehrhaft 104

  Polizeihund 40
    -- in Grostdten wenig leistungsfhig 41

  Post der Tiere 27

  Pranke 16

  Pudel, kein Wachhund, Kunststcke 31


  Rangordnung der Rinder 156

  Rasse, Begriff 189

  Raubtier 7

  Raubvgel und Tauben 216

  Rude 65

  Raufen 110

  Regungslosigkeit 204

  Reiten 117

  Rekeln der Hunde 12

  Renn- oder Grabpfoten 16

  Rind, Abneigung gegen Hunde 149
    -- Aufblhen 149
    -- Blutgeruch 148
    -- breitgestirnt 153
    -- Bremen 149
    -- Feinde 158
    -- Flotzmaul 148
    -- Gebirgsgrser 147
    -- Gefhrlichkeit des Zuchtstiers 157
    -- geistige Gaben 161
    -- gespaltener Huf 154
    -- Heerkuh 156
    -- Krankheiten 162
    -- kuhhessig 154
    -- Milchertrag 159
    -- Nase empfindlich 148
    -- Unterschiede vom Pferd 146
    -- Rassen 161
    -- Vorliebe fr Salz 161
    -- Wiederkuer 160

  Rhrenknochen wenig geeignet fr Hunde 42

  Rohrwurzeln als Futter 168


  Salz, Vorliebe des Rindes 161

  Sattelpferd 115

  Sau frit eigene Ferkel 167

  Schaf, furchtbar ngstlich 180
    -- kein Bart und Trnendrsen 179
    -- blken 178
    -- Leithammel 180
    -- Mufflon 183
    -- neue Futterquellen (Kastanien) 183
    -- Rassen 184
    -- rennt in den brennenden Stall 181
    -- Schfer und Schferhund 182
    -- Wolle 184

  Schferhund, Auge entwickelt 40
    -- als Blindenfhrer 41
    -- diensteifrig 41
    -- Leistungen 182
    -- als Polizeihund 40, 62
    -- Umkreisen 40

  Schafsucht 40

  Schakale, Aasfresser 11
    -- heulen sich zusammen 6
    -- nchtliche Tiere 6
    -- verstellen sich 61

  Scheuen und Durchgehen 103

  Scheuklappen 109

  Schlappohren 34

  Schleichraubtier 8, 70

  Schmeicheln des Hundes, der Katze 73

  Schmeichelktzchen 73

  Schnauben der Pferde 102

  Schnurren der Katze 83

  Schnurrhaare, kein Schnurrbart 72

  Schutzfrbung 241

  Schwan, Abneigung gegen Ente 225
    -- Federn 236
    -- Feinde 236
    -- langer Hals 235

  Schwanz (Schweif), Bedeutung bei den Katzenarten 107
    -- geringster Raum bei Katze 71
    -- kurz bei Hirsch usw., lang bei Knguruh usw. 107
    -- Mittel gegen Insektenplage 108
    -- sinken lassen 23
    -- wedeln 36

  Schwein, Abneigung gegen Hunde 80
    -- empfindlich gegen Hitze 115
    -- empfindlich gegen kalten Fuboden 167
    -- gedeiht bei kleinen Leuten 166
    -- und Kaninchen 190
    -- Maulwurfskopf 164
    -- Nasentier, hervorragender Geruchsinn 163, 164
    -- Pftze und Suhle 165
    -- Rassen 169
    -- Rohrwurzeln als Futter 168
    -- Vorzge 165

  Schweizerkse 146

  Schwimmen, berlegenes des Hundes 48

  Seide 249

  Seidenraupe 249

  Sich-herumdrehen des Hundes vor dem Hinlegen 12

  Sielengeschirr 117

  Sperlinge hassen Kanarienvgel 239

  Spiegel, Gleichgltigkeit des Hundes 35
    -- und Kanarienvogel 237
    -- und Truthahn 211

  Spielen der Tiere 15

  Spitze, bellustig 7

  Sprache fehlt den Tieren 199, 244

  Stallhaltung und Krankheiten 156

  Staupe 65

  Stehohren 33

  Stier, rote Farbe 147
    -- Gefhrlichkeit des Zuchtstiers 157

  Stollen 106

  Ster, Jagd auf Tauben 216

  Strafen des Hundes 52

  Strohhte, berflssig 115

  Stubenreinheit 27


  Tasthaare 72

  Taube, Brieftaube 220
    -- nicht aus Bumen 219
    -- Einfangen fremder 222
    -- naturgeme Ftterung 222
    -- Kommandosprache 215
    -- knstlicher Lufttrichter 219
    -- Rassen 222
    -- und Raubvogel 216
    -- guter Vater 221
    -- Vergleich mit Huhn 199
    -- Vorbild fr den Menschen 221
    -- kein Zusammenprall 215

  Taubenschlag 219

  Tiermtter apportieren 21

  Tiger, schnurrt nicht 84
    -- Schweif 107

  Tollwut 64, 65

  Trnendrsen 179

  Truthuhn, Hochzeitskleid 211
    -- rote Farbe 212
    -- Spiegel 211

  Tunken des Pferdes 116


  Unarten, sogenannte, beim Hunde 54

  Unreinlichkeit 63


  Verbeien der Hunde 25

  Verstellung bei Enten 226
    -- bei Hunden 59
    -- bei Pferden 126
    -- bei Schakalen 61
    -- bei Vgeln 201

  Vgel fliegen sofort 134
    -- Kopf in den Federn 240
    -- Vorgefhl fr Wetterumschlag 79

  Vogelflugdeuter 79

  Vollmond und Hund 36


  Wanderfalk, Jagd auf Tauben 216

  Waschen der Katze 75

  Wasser, gutes, fr Pferde 116
    -- verborgenes, von Pferden gewittert 133

  Wasserglas, leeres, Furcht des Hundes 34

  Wellensittich, allein Haustier 243

  Wiederkuer 160

  Wiehern 114

  Wildenten, ausgewandert aus dem Tiergarten 224
    -- nachts ttig 227
    -- schnattern nicht viel 7

  Wildgnse, schnattern nicht viel 7

  Wildhunde, apportieren 22
    -- Pflanzennahrung 42

  Wildkaninchen trinkt nicht 186

  Wildschwein, Aasfresser 11
    -- warmer Kessel 167
    -- aufrechte Ohren 165
    -- Suhle 165

  Wind, Hunde und Raubtiere gegen den Wind 33

  Windhund, nicht anhnglich 40
    -- Ausnahmestellung 39
    -- bellt wenig 40
    -- mu langen Schwanz haben 107

  Wolf, Aasfresser 11
    -- Anfhrer nicht ein Hund 44
    -- angebliche Freundschaft 44
    -- Angriff auf Pferde 101, 122
    -- bellt nicht 6
    -- Feind des Hundes 44
    -- frit den toten Hund 45
    -- heulen 6
    -- lappt 12
    -- nchtliches Tier 6
    -- keine Pranken 16
    -- Sieger ber zwei Doggen 47
    -- bertlpelt den Hund 44

  Wolfshunde, Mrchen davon 12

  Wolken, weie, anbellen 96

  Wolle 184

  Wunden heilen schnell 43


  Yaschreien des Esels 144


  Zehengnger 16

  Zeitsinn der Tiere 17

  Zeitungsente 226

  Zelter 118

  Ziege frit ungern Gras 172
    -- gedeiht im Gebirge 174
    -- Giftfestigkeit 172
    -- junge, klettert gut 171
    -- Kuh des armen Mannes 173
    -- naschhaft 173
    -- Rassen 176
    -- vernichtet den Wald 175
    -- Weibchen, Hrner 171

  Ziegenstall wenig Fliegen 175

  Ziehhund 64
    -- und Esel 142

  Zunge, Bedeutung fr die Tiere 78

  Zwingerhund 143




Vorgenommene nderungen (abgesehen von offensichtlichen Druckfehlern):

In "Er ist im Museum von Bern ausgestellt" stand "aufgestellt".

In "so geschieht es wenigstens nicht in bser Absicht, was man aus
folgender Tatsache entnehmen mag:" fehlte die Interpunktion hinter
"mag" - Doppelpunkt nach Gesamtzusammenhang hinzugefgt.

In "er kann es doch nicht unterlassen, auch sie empfindlich in die Wade
zu zwicken, wenn sie seinen Gnsen oder wohl gar deren Gelegen zu nahe
kommen." stand "zu nahe zu kommen" - zweites "zu" wurde gelscht.

In "Ueberhaupt benahmen sich die Enten auf dem gestrzten Baume so
vertraut, da ich mir sagte, in waldreichen Gegenden scheinen sie
lieber auf Bumen als am Ufer zu ruhen" - "zu" hinzugefgt

In "Wird ihr Weg so eng, da die Gefahr des Festsitzens droht, so stt
sie mit den Schnurrhaaren an." - "an" am Satzende hinzugefgt.






End of the Project Gutenberg EBook of Unsere Haustiere vom Standpunkte ihrer
wilden Verwandten, by Theodor Zell

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK UNSERE HAUSTIERE VOM STANDPUNKTE ***

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